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Beleidigt?

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Millie49
Themenstarter
Beiträge : 149

Eine gute Bekannte kam kürzlich mit der sehr saloppen Formulierung: "Jungfrauengeburt? Maria und Joseph haben gep...-Punkt!" Ich mag diese Frau eigentlich sehr, aber die Bemerkung fand ich mir als Christin gegenüber nicht okay. Egal, was meine Meinung dazu ist. Das schrieb ich ihr auch, doch bisher kam keine Resonanz. Wie findet ihr das?

Mir einer Freundin führte ich eine Diskussion um das Thema Israel, weswegen sie jetzt böse mit mir ist. Ihr Freund ist Moslem, aber ich habe und würde NIE eine andere Religion beleidigen!  

Kennt ihr solche Situationen? Kann man nicht mehr auf Augenhöhe diskutieren oder mit Niveau?  

Antwort
17 Antworten
Jack-Black
Beiträge : 3760

Ich mag diese Frau eigentlich sehr, aber die Bemerkung fand ich mir als Christin gegenüber nicht okay. Egal, was meine Meinung dazu ist.

Hä? Wieso "egal"? Soll sie nun berücksichtigen, dass Du als Christin bestimmte Vorstellungen hast, oder soll sie's nicht?

Kann man nicht mehr auf Augenhöhe diskutieren oder mit Niveau?

Was für eine Augenhöhe meinst Du? Gefällt Dir der Inhalt dessen, was sie sagte, nicht, oder nur die Form? Hätte sie statt "gepoppt" vielleicht "miteinander Sex gehabt" sagen sollen? Spricht sie sonst anders? Ich sag immer, wenn Leute "miteinander schlafen" (sie schlafen doch gar nicht?!), dass sie poppen. Hört sich irgendwie freudevoller an als ficken oder bumsen (aber ich hab mal von einer Frau gehört, sie fände dieses "Bumsen" besonders schön und treffend... Geschmäcker sind halt auch in sprachlicher Hinsicht unterschiedlich).

Da Du diesen Thread in "Ethik" eröffnest, sei mal nachgefragt, was Du darunter verstehst:

eine andere Religion beleidigen

Man kann meinem Empfinden nach keine Religion beleidigen - so wenig, wie andere Weltanschauungen. Beleidigt fühlen sich immer nur Menschen. Wenn man sie beschimpft: "Du Drecksau!" - dann ist das eine Beleidigung (auch wenn nicht immer klar ist, ob damit eher weibliche Schweine beleidigt werden, aber das ist wieder 'ne andere Baustelle... 😉 ). Wenn ich mich aber über eine Meinung/Idee eines anderen lustig mache, sie karikiere oder von ihrem hehren Sockel hinab in die Sphäre des Alltäglichen hole, wie in Deinem Beispiel - dann ist das in meinen Augen keine Beleidigung, die zu unterlassen sei. Deine Bekannte hat hier etwas salopp formuliert. Warum denn wohl? Könnte es nicht auch daran liegen, dass sie es leid ist, im 21. Jahrhundert noch immer sich von einer unglaubwürdigen Behauptung (Schwangerschaft ohne befruchtung der Einzelle durch ein Spermium) beeindrucken zu lassen? Ist es unhöflich, Leuten, die uralte Behauptungen entgegen allem Erfahrungswissen immer noch für zutreffend halten, zuzumuten, diese Behauptungen zu bespötteln? Für Nicht-Christen ist die Behauptung, Jesus sei "unbefleckt empfangen" worden, reiner, bloßer Quatsch. Nun kann man als Christin sich freilich dafür entscheiden, mit Leuten, die das für Quatsch halten, nix mehr zu tun haben zu wollen. Das geht ja heutzutage recht gut, man such sich seine weltanschauliche Bubble, wo alle das gleiche denken und glauben und und meinen und sagen, wie man selbst - und verharrt in der.

Aber naja - dann muss man halt auf Leute, die ehrlich genug sind, das, was sie aus Quatsch verstehen, auch entsprechend zu benennen, verzichten.

Das schrieb ich ihr auch, doch bisher kam keine Resonanz.

Was soll denn für eine Resonanz kommen? Ich würde da auch nicht drauf antworten. Was willst Du? Etwa, dass sie sich bei Dir entschuldigt, dass sie etwas sagte, was in ihren Augen völlig normal und okay war? Soll sie Dich als ein zerbrechliches Wesen behandeln, das nicht mit ein wenig Ironie und angedeuteter Kritik an der eigenen Ideologie umzugehen vermag?

Wie findet ihr das?

Ganz ehrlich? Gar nicht zu antworten ist die ehrlichste, respektvollste und gleichzeitig wohl verbindlichste Art, mit dieser recht peinlichen Situation umzugehen. Ich würde anstelle dieser Frau genau so reagieren, falls mir an einer Aufrechterhaltung der Beziehung gelegen wäre. Ich würde Deine Rückfrage aus Höflichkeits-, bzw. Rücksichtnahmegründen ignorieren, denn wenn ich ehrlich reagieren müßte, würde ich sagen: "Spiel hier nicht das zarte Pflänzlein und leg die Beleidigungs-Opferpose ab, die steht dir nicht."

Generell halte ich überhaupt nichts davon, ideologischen (also auch religiösen) Überzeugungen irgendeine Art Sonderrechte hinsichtlich ihrer Kritisierbarkeit einzuräumen, weswegen ich auch für eine ersatzlose Streichung des "Blasphemie-Paragraphen" (§ 166 StGB) wäre. Wenn ich einem überzeugten SPD-Anhänger gegenüber keine Witze mehr über Scholz oder auch Brandt oder Schmidt machen kann, ohne dass der beleidigt nach einer Entschuldigung verlangt, wenn ich einem Sozialisten gegenüber keine despektierlichen Bemerkungen über Marx oder Engels äußern darf - dann meide ich solche Leute zukünftig eben, weil ich erwachsene Menschen nicht wie kleine Kinder behandeln mag, auf deren emotionale Befindlichkeiten man manchmal übergroße Rücksicht nehmen muß*.

 

Was nun die Sache mit Joseph und Maria angeht: Für mich am plausibelsten ist, dass Maria sich halt von jemand anderem hatte schwängern lassen, falls überhaupt (!!!) irgendetwas an dieser Vorgeschichte dran sein sollte und sie nicht erst als Abkunftslegende nach Jesu Tod konstruiert wurde, wie oft irgendwelche Abkunftslegenden für wichtige Persönlichkeiten ausgedacht wurden (Moses in seinem Bastkörbchen, Romulus und Remus als von einer Wölfin gesäugte Kinder des Mars usw. usf.). Insofern halte ich die Vorstellung, dass Jesus einfach durch den Beischlaf von Joseph und Maria gezeugt wurde, nicht für sooo plausibel, dass man Alternativen mit einem "Punkt!" vom Tisch fegen kann.

 

 

 

*Jüngst spielte ich mit meinem Neffen und dessen Freund Risiko. Da ging es hoch her und mal lachte, mal fluchte man, je nach Würfelglück. Als nun dieser Freund (11 Jahre alt) einmal in einer besonders großen Schlacht ziemlich viel Würfelpech hatte und ich mit meinen wenigen Armeen seine viel größere Verteidigungsarmee überrannte, jubilierte ich laut und lachte, während er halt schimpfte - was soweit den üblichen emotionalen Äußerungen bei diesem Spiel entsprach. Aber dann lachte auch mein Neffe mit und aus dem "normalen" Ärger des  Freundes wurde hilflose Wut, er schmiss die Würfel an die Wand und statt dieses Zeichen richtig zu deuten, forderte ich ihn immer noch lachend auf, das bitte sein zu lassen, denn schließlich sei nicht die Wand, sondern die Feigheit seiner Truppen an seiner Schlachtenniederlage schuld... Dabei war sein Wut-Rufe schon in einen hysterischen Weinkrampf umgeschlagen... Ich hatte vergessen, wie wichtig und ernst für ein elfjähriges Kind so eine Niederlage im Brettspiel sich anfühlen kann, und als er weinend und stotternd sich beschwerte, wie unfair es sei, dass wir so über ihn gelacht hätten - da bat ich ihn dann auch um Entschuldigung. Er war eben ein kleines Kind und da muss man stärker Rücksicht nehmen, weil kleine Kinder nun mal eine emotional dünnere Haut haben.

jack-black antworten


Jigal
 Jigal
Beiträge : 3877

@millie49 Also Ulrich Parzany hat einmal erzählt, Moslems sind von der Jungfrauengeburt von Maria / Mariam überzeugt.

 

jigal antworten
lhoovpee
Beiträge : 2878

@millie49 

Ich mag diese Frau eigentlich sehr, aber die Bemerkung fand ich mir als Christin gegenüber nicht okay. Egal, was meine Meinung dazu ist. Das schrieb ich ihr auch, doch bisher kam keine Resonanz. Wie findet ihr das?

Was hat die Bemerkung mit dir zu tun? Sie glaubt einfach nicht an die  Jungfrauengeburt. Das ist jetzt wahrlich keine Seltenheit. 

lhoovpee antworten


MikeFromMUC
Beiträge : 531

@millie49 Ich kann gut verstehen, daß Dich die Bemerkung verärgert hat. Du schreibst von einer guten Bekannten, das heißt, sie weiß vermutlich, daß Du gläubige Christin bist. Da finde ich das daneben. In einem Gespräch sollte man sich auf die Sprache und die Befindlichkeiten seines Gegenübers einlassen - natürlich gegenseitig. Mir scheint es wie eine Provokation.

Die Bekannte ist damit nicht allein. Ich lese häufig die Kommentare unter Artikeln von BR24. Wenn es um Kirche und Glauben geht, findest Du sehr viele solcher Bemerkungen. Ich denke, es hat sich mittlerweile eingeschlichen, verächtlich über das Christentum zu reden. Ich erlebe es nur selten, daß jemand dagegen hält.

Das schrieb ich ihr auch, doch bisher kam keine Resonanz. Wie findet ihr das?

Das finde ich bedauerlich. Bei einem Hinz und Kunz kann es Dir egal sein. Bei einer guten Bekannten nicht. 

Kann man nicht mehr auf Augenhöhe diskutieren oder mit Niveau?  

Das würde ich nicht so allgemein sagen. Aber es ist schwieriger als früher, mit jedem über jedes Thema zu sprechen. Es gibt heute viel mehr heikle Themen, die ich lieber sein lasse. 

mikefrommuc antworten
Kappa
 Kappa
Beiträge : 303

@millie49 Ihr Freund ist Moslem, hat er vielleicht seine Meinung deiner Freundin einfach durchgesetzt? Oder war die vorher schon Israel kritisch

 

 

kappa antworten
1 Antwort
Jigal
 Jigal
(@jigal)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3877

@kappa  Für Moslems ist die Jungrauengeburt von Maria /Mariam  bei Jesus / Issar  ein Fakt der nicht angezweifelt wird.

jigal antworten


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