Der Mensch ...?
Ich poste es mal hier, weil es letztlich um Ethik und ganz praktisch um Lebens- & Weltgestaltung geht:
Dass der Mensch "sein will wie Gott", das wird ja oft ins Feld geführt als die "Ur-Sünde" und die Grund-Verfehlung, die schon in der Genesis angelegt ist.
Andererseits gibt es die Vorstellung, dass Welt und Menschheit besser unterwegs sein würden "ohne Gott", d.h. in ausschließlicher Selbstbesinnung auf sich selbst und im Ernstmachen mit der eigenen Autonomie - ohne Religion, Glaube, wie auch immer geartete "metaphysische" Vorstellungen und Bezüge.
Dies setzt voraus, dass ich an "den Menschen", sein Vermögen, seine Kraft und sein Potential glaube - und an bestimmte Verwirklichungsziele im eigenen Leben, im sozialen und politischen Miteinander ...
Nun frage ich mich - ohne hier gleich wieder mit biblischen Einordnungen und Antworten zu kommen: Ist dieser Glaube an DEN Menschen im Blick auf Geschichte und Gegenwart nicht die weit größere Illusion? Wie kann man, wie können wir, in unserer immer apokalyptischeren Welt noch so an das Verwirklichungspotential DES Menschen glauben? Und was soll das überhaupt sein - DER Mensch, der immer wieder von religionskritischer Seite "an sich selbst gläubig" ins Spielfeld gesetzt wird?
Es geht mir dabei um die schlichte Frage, inwieweit nicht der Glaube an Gott, sondern der Glaube an den Menschen zunehmend bankrott geht?
DER Mensch - also Du und ich und wer auch immer - der sein eigener Maßstab ist bzw. sich zum Maßstab macht, hat erlebt und wird erleben, dass es überhaupt keine (abstrakte oder konkrete, selbstbezogene) Grundlage gibt, auf der die Menschheit moralisch und ethisch zu-einander findet und die Welt sozial, friedlich und ökologisch gut gestaltet.
Stattdessen - so erleben wir's, so deute ich es - wird er, DER Mensch, individuell und kollektiv egozentrisch sein/bleiben - und/oder "quasi-religiös" sich in konfrontativen Werten und Ideologien aufreiben.
Bin gespannt, wie sich der Thread entwickelt
L'Chaim
"Wir sind noch einmal davongekommen":
Wikipedia: "Es führt vor Augen, dass das Böse und das Gute ewige Bestandteile des Lebens sind, und dessen Sinn liegt im Lebendigsein selbst. Durch die Anachronismen will der Autor das „ewig Gleiche“, das in einzelnen Phasen auswechselbare Geschick des Menschengeschlechts symbolisieren. Die Existenz erscheint sinnlos und gleichförmig als Tanz um Katastrophen, denen jeder zu entgehen versucht. Das Schicksal der gesamten Menschheit wird am Beispiel einer „typisch amerikanischen Durchschnittsfamilie“ des vorigen Jahrhunderts gezeigt. Die moderne Allegorie bringt zum Ausdruck, dass „der Lebenswille des Menschen alle Katastrophen überdauern wird“. Ob Eiszeit, Sintflut oder Krieg, es gibt kein Ende."
Hier noch ein Beitrag der „Schweizer Schwester-Website“, unkommentiert und als Denkanstoss:
https://www.jesus.ch/themen/wissen/47439_die_dunkle_seite_des_humanismus
Ein Ausschnitt:
„Natürlich gab es ungerechte kirchliche Machtsysteme in Europa, und deren Überwindung war notwendig. Das war vor allem auch deshalb möglich, weil diese von der Bibel selbst hinterfragt wurden. Weder Jesus noch einer seiner Apostel hatten je ein Machtgefüge aufgebaut. Doch wenn die kirchliche Unterdrückung durch eine weltliche ersetzt wird, haben wir nichts gewonnen. Von Anfang an hatte die Bibel ja vor dem Menschen gewarnt. Jeder Mensch, auch der scheinbar Beste, ist potentiell gefährlich. Keinem kann vertraut werden. Jeder muss begrenzt werden. Niemand darf zu viel politische Macht erhalten. Das Problem war nicht, dass despotische Könige sich christlich nannten. Ohne das Christentum wären sie mindestens ebenso tyrannisch gewesen. Das wirkliche Problem war, dass sie als absolute Herrscher Gewalt ausübten, ohne für ihre Verbrechen von jemandem zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Stattdessen - so erleben wir's, so deute ich es - wird er, DER Mensch, individuell und kollektiv egozentrisch sein/bleiben - und/oder "quasi-religiös" sich in konfrontativen Werten und Ideologien aufreiben.
Also genau so wie eh und je. Nur das er Gott nicht mehr als Ausrede nutzt.
Nun frage ich mich - ohne hier gleich wieder mit biblischen Einordnungen und Antworten zu kommen: Ist dieser Glaube an DEN Menschen im Blick auf Geschichte und Gegenwart nicht die weit größere Illusion? Wie kann man, wie können wir, in unserer immer apokalyptischeren Welt noch so an das Verwirklichungspotential DES Menschen glauben? Und was soll das überhaupt sein - DER Mensch, der immer wieder von religionskritischer Seite "an sich selbst gläubig" ins Spielfeld gesetzt wird?
Den Eindruck, den man vom Menschen hat, wenn man die Geschichte betrachtet, bekommt man aus Geschichtsbüchern. Und was steht da drin? Meistens Erzählungen über Reiche, Mächtige, Intriganten Eroberer und Kriegstreiber. Über ganz normale Leute kann man nicht so viel nachlesen. Deren Heldentaten werden nicht erwähnt.
Genauso in der Gegenwart. Wer vermittelt denn ein Bild von Menschen? Es sind die Medien. Krieg, Elend, Ausbeutung, Grausamkeit und Unterdrückung verkauft sich nun Mal besser. Niemand erzählt von Menschen, die eine Bereicherung für andere sind. Gerade solche Menschen wollen auch gar nicht gefeiert werden.
Ich denke, dass der Mensch besser ist als sein Ruf. Schließlich ist er von Gott geschaffen.
DER Mensch - also Du und ich und wer auch immer - der sein eigener Maßstab ist bzw. sich zum Maßstab macht, hat erlebt und wird erleben, dass es überhaupt keine (abstrakte oder konkrete, selbstbezogene) Grundlage gibt, auf der die Menschheit moralisch und ethisch zu-einander findet und die Welt sozial, friedlich und ökologisch gut gestaltet.
Viele Atheisten haben die gleichen Maßstäbe über gut und böse wie Christen auch. Weil auch Gott in ihnen spricht.