Der Mensch ...?
Ich poste es mal hier, weil es letztlich um Ethik und ganz praktisch um Lebens- & Weltgestaltung geht:
Dass der Mensch "sein will wie Gott", das wird ja oft ins Feld geführt als die "Ur-Sünde" und die Grund-Verfehlung, die schon in der Genesis angelegt ist.
Andererseits gibt es die Vorstellung, dass Welt und Menschheit besser unterwegs sein würden "ohne Gott", d.h. in ausschließlicher Selbstbesinnung auf sich selbst und im Ernstmachen mit der eigenen Autonomie - ohne Religion, Glaube, wie auch immer geartete "metaphysische" Vorstellungen und Bezüge.
Dies setzt voraus, dass ich an "den Menschen", sein Vermögen, seine Kraft und sein Potential glaube - und an bestimmte Verwirklichungsziele im eigenen Leben, im sozialen und politischen Miteinander ...
Nun frage ich mich - ohne hier gleich wieder mit biblischen Einordnungen und Antworten zu kommen: Ist dieser Glaube an DEN Menschen im Blick auf Geschichte und Gegenwart nicht die weit größere Illusion? Wie kann man, wie können wir, in unserer immer apokalyptischeren Welt noch so an das Verwirklichungspotential DES Menschen glauben? Und was soll das überhaupt sein - DER Mensch, der immer wieder von religionskritischer Seite "an sich selbst gläubig" ins Spielfeld gesetzt wird?
Es geht mir dabei um die schlichte Frage, inwieweit nicht der Glaube an Gott, sondern der Glaube an den Menschen zunehmend bankrott geht?
DER Mensch - also Du und ich und wer auch immer - der sein eigener Maßstab ist bzw. sich zum Maßstab macht, hat erlebt und wird erleben, dass es überhaupt keine (abstrakte oder konkrete, selbstbezogene) Grundlage gibt, auf der die Menschheit moralisch und ethisch zu-einander findet und die Welt sozial, friedlich und ökologisch gut gestaltet.
Stattdessen - so erleben wir's, so deute ich es - wird er, DER Mensch, individuell und kollektiv egozentrisch sein/bleiben - und/oder "quasi-religiös" sich in konfrontativen Werten und Ideologien aufreiben.
Bin gespannt, wie sich der Thread entwickelt
L'Chaim
Interessante Frage...
Wobei mir nicht ganz klar ist, was es bedeuten soll, "an den Menschen" zu glauben. "Der Mensch" ist zu vielem fähig - Gutem wie Schlechten, kluger und sozialer Entscheidungen genau wie zu egoistischen Taten und grenzenloser Dummheit.
Da muss man sich also schon genauer heraussuchen, an was genau man denn da eigentlich glauben möchte und was das Ziel ist.
Meiner Ansicht nach bedarf es einer Art von "Ersatzreligion", die das Potential hat, den Menschen zu "guten" und erstrebenswerten Taten zu führen und welche nicht so leicht missbraucht werden kann.
Das könnte etwa der Glaube an Demokratie und Menschenrechte sein. Ein solcher Glaube bietet für sehr viele Menschen einen großen Nutzen und erscheint daher erstrebenswert. Wobei auch hier Missbrauchspotential besteht.
Andererseits gibt es die Vorstellung, dass Welt und Menschheit besser unterwegs sein würden "ohne Gott", d.h. in ausschließlicher Selbstbesinnung auf sich selbst und im Ernstmachen mit der eigenen Autonomie - ohne Religion, Glaube, wie auch immer geartete "metaphysische" Vorstellungen und Bezüge.
Ganz ohne "metaphysische" Bezüge wird es nicht gehen. Der "Wert" eines Menschen ist ja nicht messbar, sondern mehr oder weniger willkürlich festgelegt. Die Behauptung, alle Menschen seien "gleich viel wert", oder "das Leben" hätte einen Wert steht außerhalb materieller Argumentation, da sind wir also schon in einem anderen Bereich.
Das mal nur so spontan von mir...
Das könnte etwa der Glaube an Demokratie und Menschenrechte sein. Ein solcher Glaube bietet für sehr viele Menschen einen großen Nutzen und erscheint daher erstrebenswert.
Er berücksichtigt aber nicht die spirituellen Bedürfnisse des Menschen und dem Einzelnen wird kein Plan geboten, an dem er sich für die Gestaltung seines Lebens orientieren könnte; und genau das haben wir heute: eine junge Generation, die in Orientierungslosigkeit versinkt.
und genau das haben wir heute: eine junge Generation, die in Orientierungslosigkeit versinkt.
Ja, da muss halt jemand kommen und der Jugend zeigen, wo es langgeht... die sind da bestimmt dankbar.
Nicht, dass die am Ende noch ihren eigenen Weg gehen...
Ja, da muss halt jemand kommen und der Jugend zeigen, wo es langgeht...
Nö, war schon einer da, der Möglichkeiten aufgezeigt hat.
die sind da bestimmt dankbar
In der Tat sind und waren seit 2'000 Jahren viele junge Leute dafür dankbar.
Nicht, dass die am Ende noch ihren eigenen Weg gehen...
Das steht jedem frei, wie er möchte. Ist auch ein Teil jenes Planes, den ich meine.
In der Tat sind und waren seit 2'000 Jahren viele junge Leute dafür dankbar.
Über die meisten Jahrhunderte hatten die jungen Leute auch gar keine Wahl... weil man denen nicht traute, und Angst hatte, dass ihre Orientierung eine andere werden könnte.
Über die meisten Jahrhunderte hatten die jungen Leute auch gar keine Wahl.
Kaum jemand hatte überhaupt irgendeine Wahl.
weil man denen nicht traute, und Angst hatte, dass ihre Orientierung eine andere werden könnte.
Oder weil man ihnen Sinn, Orientierung, Halt und Hoffnung vermitteln wollte.
Oder weil man ihnen Sinn, Orientierung, Halt und Hoffnung vermitteln wollte.
In erster Linie wollte man wohl die verschiedenen Formen der Diktatur der letzten Jahrtausende und damit die Macht der Eliten erhalten, indem man den Menschen keine Wahl liess.
Das erscheint mir nicht sonderlich erstrebenswert.
In erster Linie wollte man wohl die verschiedenen Formen der Diktatur der letzten Jahrtausende und damit die Macht der Eliten erhalten,
Du ziehst das Ganze jetzt wieder auf eine politische Ebene. Mir geht es in Bezug auf den christlichen Glauben aber um die persönliche Perspektive und das private Leben des Individuums.
indem man den Menschen keine Wahl liess.
Zwischen was hätten sie denn wählen sollen und worauf beziehst du dich mit dieser Aussage überhaupt: auf welche Epoche? Das Familienmodell, die Berufswahl oder etwas anderes?
Um nochmals zum Ausgangspunkt zurückzukommen, deine Aussage war:
Meiner Ansicht nach bedarf es einer Art von "Ersatzreligion", die das Potential hat, den Menschen zu "guten" und erstrebenswerten Taten zu führen und welche nicht so leicht missbraucht werden kann.
Du schlägst also eine Ersatzreligion vor. Ein Ersatz für welche andere Religion(en) genau?
Das könnte etwa der Glaube an Demokratie und Menschenrechte sein. Ein solcher Glaube bietet für sehr viele Menschen einen großen Nutzen und erscheint daher erstrebenswert.
Meine Kritikpunkte an diesem Vorschlag waren, dass ein solcher "Glaube" keine spirtuellen Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt und auch keine Orientierungspunkte für die Lebensgestaltung des Einzelnen beinhaltet.
Dass Demokratie und Menschenrechte erstrebenswert seien, ist für mich indiskutabel. Es bleibt aber die Frage, wie man diese Werte am besten erreichen oder erhalten kann, aber mittels einer "Ersatzreligion" wird das wohl eher weniger gelingen.
Du ziehst das Ganze jetzt wieder auf eine politische Ebene. Mir geht es in Bezug auf den christlichen Glauben aber um die persönliche Perspektive und das private Leben des Individuums.
Da gibt es keinen großen Unterschied. Die Unterscheidung zwischen "privat" und "politisch" ist ja eine recht neue Erfindung, nachdem die persönliche Freiheit als ein eigener Wert anerkannt wurde, in die sich der Staat nicht einzumischen hatte. Das "Private" ist allerdings eine recht neuzeitliche Erfindung.
Zwischen was hätten sie denn wählen sollen und worauf beziehst du dich mit dieser Aussage überhaupt: auf welche Epoche? Das Familienmodell, die Berufswahl oder etwas anderes?
Familie, Religion, Berufswahl, Wohnsitz. Da war es absolut nicht üblich, eine Wahl zu haben. Sowohl Politik als auch Gesellschaft haben das zu verhindern versucht, weil sie in der freien Wahl eine Gefahr für die öffentliche Ordnung sahen. Und das wurde dann auch gerne mit "deus vult", Gott will es, begründet. Eine strenge gesellschaftliche Ordnung findet sich ja auch in der Bibel. Religion sieht persönliche Freiheit halt nicht so gern.
Wie gesagt: Ausgangspunkt hier war ja die Frage nach der heutigen Jugend. Und wer meint, dass "Freiheit" ein erstrebenswerter Wert ist, der sollte sich nicht beschweren, wenn die Jugend von ihrer Freiheit Gebrauch macht und anders leben will als die Generationen vorher.
Oder man hat es mit der "Freiheit" wohl doch nicht so ernst gemeint...
Du schlägst also eine Ersatzreligion vor. Ein Ersatz für welche andere Religion(en) genau?
Für alle Religionen.
Meine Kritikpunkte an diesem Vorschlag waren, dass ein solcher "Glaube" keine spirtuellen Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt und auch keine Orientierungspunkte für die Lebensgestaltung des Einzelnen beinhaltet.
Die interessante Frage ist, ob die Leute überhaupt spirituelle Bedürfnisse hätten, wenn sie erst gar nicht mit Religion in Berührung kommen.
In Albanien war ja während der Diktatur jede Form religiösen Glaubens verboten. Und plötzlich lebten (ehemalige) Christen und Muslime friedlich miteinander und hatten auch keine Probleme, in die andere Familie einzuheiraten. Wobei die Diktatur selbst sonst nicht viel Positives bot, da sollte man nichts beschönigen. Aber diesen Effekt fand ich dann doch interessant.
Dass Demokratie und Menschenrechte erstrebenswert seien, ist für mich indiskutabel. Es bleibt aber die Frage, wie man diese Werte am besten erreichen oder erhalten kann, aber mittels einer "Ersatzreligion" wird das wohl eher weniger gelingen.
Wenn Demokratie und Menschenrechte selbst die "Ersatzreligion" darstellen... warum sollte das nicht gelingen?
Wer ganz dringend irgendwas spirituelles braucht, der kann sich ja was suchen, was ihm liegt. Aber man muss das nicht gesellschaftlich oder gar staatlich fördern...
Das "Private" ist allerdings eine recht neuzeitliche Erfindung.
Trotzdem ist es das, wovon wir heute ausgehen können. Ich möchte mir sicher nicht von einem Politiker vorschreiben lassen, was und wie ich zu glauben habe und von einem Pastor auch nur punktuell.
Sowohl Politik als auch Gesellschaft haben das zu verhindern versucht, weil sie in der freien Wahl eine Gefahr für die öffentliche Ordnung sahen. Und das wurde dann auch gerne mit "deus vult", Gott will es, begründet.
Auf welche Zeit beziehst du dich da?
Eine strenge gesellschaftliche Ordnung findet sich ja auch in der Bibel.
Auf welche Bibelstelle beziehst du dich?
Religion sieht persönliche Freiheit halt nicht so gern.
Das mag auf Religion zutreffen, nicht aber auf Glaube.
Ein Ersatz für welche andere Religion(en) genau? Für alle Religionen.
Ich bin für Religionsfreiheit.
Die interessante Frage ist, ob die Leute überhaupt spirituelle Bedürfnisse hätten, wenn sie erst gar nicht mit Religion in Berührung kommen.
Diese Frage stellt sich nicht mehr, weil Religionen schon seit vielen tausend Jahren praktiziert werden und die vielfältigsten Wege gefunden wurden, um spirituellen Bedürfnissen nachzugehen. Viele Leute entwickeln oder entdecken im Verlaufe ihres Lebens ihre Spiritualität, auch solche, die sich nie zuvor mit Glaubensfragen auseinandergesetzt haben. Der Bereich im Gehirn, der für Spirituelles zuständig ist, befindet sich nahe demjenigen, der für Musikalität zuständig ist und wohl auch von jenen für andere musische und künstlerische Interessen.
In Albanien war ja während der Diktatur jede Form religiösen Glaubens verboten. Und plötzlich lebten (ehemalige) Christen und Muslime friedlich miteinander
Dieses Beispiel hat nun aber mit spirituellen Bedürfnissen nichts zu tun und die Zeitspanne der Diktatur währte auch nur gerade 23 Jahre lang. Interessanterweise bezeichnen sich die Leute offenbar weiterhin als Christen oder Muslime und nicht etwa als Religionslose.
Wenn Demokratie und Menschenrechte selbst die "Ersatzreligion" darstellen... warum sollte das nicht gelingen?
1. Finde ich es nicht gut, Politik und Religion zu vermischen, 2. Es würde mMn deshalb nicht gelingen, weil in der breiten Bevölkerung wohl kein Bedürfnis für eine solche Religion vorhanden wäre.
Wer ganz dringend irgendwas spirituelles braucht, der kann sich ja was suchen, was ihm liegt. Aber man muss das nicht gesellschaftlich oder gar staatlich fördern...
Aber der Staat kann und soll Erlauben, dass Raum zur Verfügung steht, wo spirituellen Bedürfnissen nachgegangen werden kann.
Trotzdem ist es das, wovon wir heute ausgehen können. Ich möchte mir sicher nicht von einem Politiker vorschreiben lassen, was und wie ich zu glauben habe und von einem Pastor auch nur punktuell.
Und ich möchte Menschen nicht durch religiöse Vorstellungen manipuliert sehen. Wo genau diese "Manipulation" beginnt... darüber lässt sich natürlich vortrefflich streiten.
Aber für mich stellt die religiöse Beeinflussung von Kindern, um sie zu gläubigen Erwachsenen zu machen, in jedem Fall eine Manipulation dar... in manchen Fällen würde ich sogar so weit gehen, von Missbrauch zu sprechen.
Glaube sollte einen Menschen als Erwachsenen überzeugen können. Damit dürften die meisten Religionen allerdings große Schwierigkeiten haben...
Auf welche Zeit beziehst du dich da?
Grob gesagt auf die Zeit bis zum ersten Weltkrieg bzw. kurz danach. Wobei das nichts mit dem Krieg selbst zu tun hat, aber zu diesem Zeitpunkt startet die Industrialisierung voll durch, was vielen Menschen mehr Möglichkeiten und individuelle Freiheiten gibt.
Wobei dieser Prozess natürlich allmählich verläuft, und auf der Welt in ganz unterschiedlichem Tempo. Der Beginn des 20. Jahrhunderts ist da also nur eine sehr grobe Richtlinie für die westliche Welt.
Auf welche Bibelstelle beziehst du dich?
Auf die gesellschaftlichen Vorschriften des AT.
Das mag auf Religion zutreffen, nicht aber auf Glaube.
Auf den Trick falle ich nicht rein...
Ich bin für Religionsfreiheit.
Ich auch. Was ein Leben frei von Religion einschließt.
Diese Frage stellt sich nicht mehr, weil Religionen schon seit vielen tausend Jahren praktiziert werden und die vielfältigsten Wege gefunden wurden, um spirituellen Bedürfnissen nachzugehen.
Nur weil etwas seit tausenden von Jahren praktiziert wurde muss es weder gut noch notwendig sein. Ohne die Manipulation im jugendlichen Alter hätten etliche Menschen mit Glaube nichts am Hut. Warum sollten sie auch?
Dieses Beispiel hat nun aber mit spirituellen Bedürfnissen nichts zu tun und die Zeitspanne der Diktatur währte auch nur gerade 23 Jahre lang. Interessanterweise bezeichnen sich die Leute offenbar weiterhin als Christen oder Muslime und nicht etwa als Religionslose.
Ich kenne zumindest eine Familie, die nach dieser Zeit keinen Bedarf mehr hatte, zur Religion zurückzukehren. Dass Muslime jetzt wieder massiv dort vertreten sind ist vor allem auf äußere Einflüsse zurück zu führen, weil muslimische Länder dort starke Mission betrieben und noch betreiben. Die wollten sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen.
1. Finde ich es nicht gut, Politik und Religion zu vermischen
Demokratie und Menschenrechte sind ja keine "Religion" - sondern ein Ersatz.
Aber der Staat kann und soll Erlauben, dass Raum zur Verfügung steht, wo spirituellen Bedürfnissen nachgegangen werden kann.
Sicher. Aber man muss das Bedürfnis ja nicht fördern.
Tamaro: Das mag auf Religion zutreffen, nicht aber auf Glaube.
Lucan-7: Auf den Trick falle ich nicht rein...
Religion ist für mich das, wogegen Jesus bei den Pharisäern ankämpfte.
Glaube sollte einen Menschen als Erwachsenen überzeugen können.
Für mich hat Glaube nichts mit überzeugen zu tun, sondern mit Leben, Lebensauffassung und Lebensgestaltung. Glaube sollte mMn auf den Alltag und das Leben ausgerichtet sein.
Nur weil etwas seit tausenden von Jahren praktiziert wurde muss es weder gut noch notwendig sein.
Das war nicht meine Aussage. Meine Aussage war, dass Religion und Spiritualiät in der Menschheitsgeschichte schon so lange praktiziert werden, dass Menschen fast zwangsläufig damit in Berührung kommen. Z.B., wenn sie sich mit Geschichte befassen, wenn sie an Musik und Kunst interessiert sind, wenn sie offene Augen für Architektur haben usw.
Meine Vermutung ist zudem, dass das Bedürfnis nach Spiritualität tief in uns Menschen verankert ist.
Wenn Religion und Spiritualität bekämpft werden sollen, gelingt das nur mittels Verboten oder durch genug Reizüberflutung durch Medien und Internet-Inhalte.
Warum sollten sie auch?
Weil der Mensch gezwungenermassen mit den grossen Fragen des Lebens konfrontiert wird.
Demokratie und Menschenrechte sind ja keine "Religion" - sondern ein Ersatz.
Somit schlägst du also eine Ersatzreligion vor, welche Religion ausschliesst.
... und wie schon weiter oben gesagt, eine solche Erastzreligion nimmt keine Rücksicht auf spirituelle Bedürfnisse der Menschen und kann somit auch nicht als eine solche bezeichnet werden.
Sicher. Aber man muss das Bedürfnis ja nicht fördern.
Das machen westliche Staaten meines Wissens nicht, ausser der Vatikan.
Religion ist für mich das, wogegen Jesus bei den Pharisäern ankämpfte.
Oder Mohammed. Oder Buddah. Oder John Smith...
Für mich hat Glaube nichts mit überzeugen zu tun, sondern mit Leben, Lebensauffassung und Lebensgestaltung. Glaube sollte mMn auf den Alltag und das Leben ausgerichtet sein.
Und das hat nichts mit Überzeugung zu tun...?
Das war nicht meine Aussage. Meine Aussage war, dass Religion und Spiritualiät in der Menschheitsgeschichte schon so lange praktiziert werden, dass Menschen fast zwangsläufig damit in Berührung kommen. Z.B., wenn sie sich mit Geschichte befassen, wenn sie an Musik und Kunst interessiert sind, wenn sie offene Augen für Architektur haben usw.
Ja, das tun sie seit tausenden von Jahren... aber deshalb ist es noch lange nicht richtig.
Somit schlägst du also eine Ersatzreligion vor, welche Religion ausschliesst.
Wenn es Religion ersetzen soll, dann ist das wohl zwangsläufig so...
... und wie schon weiter oben gesagt, eine solche Erastzreligion nimmt keine Rücksicht auf spirituelle Bedürfnisse der Menschen und kann somit auch nicht als eine solche bezeichnet werden.
Spirituelle Bedürfnisse können Menschen befriedigen wie immer sie lustig sind.
Das machen westliche Staaten meines Wissens nicht, ausser der Vatikan.
Dass der Staat die Kirchensteuer einzieht und die Kirchen diverse Privilegien haben ist dir bekannt...?
Das könnte etwa der Glaube an Demokratie und Menschenrechte sein. Ein solcher Glaube bietet für sehr viele Menschen einen großen Nutzen und erscheint daher erstrebenswert. Wobei auch hier Missbrauchspotential besteht.
Nur ist es leider so, dass einem etwas als Demokratie und menschenwürdig verkauft wird, was es in Wahrheit gar nicht ist, z.B. Kapitalismus behaupten Arbeitsplätze zu schaffen, während sie über Personaleinsparungen nachdenken. Ein solcher "Glaube" kann niemals Bestand haben, da er eigennützig von Machtmenschen diktiert wird. Das kannst du vergessen!
Nur ist es leider so, dass einem etwas als Demokratie und menschenwürdig verkauft wird, was es in Wahrheit gar nicht ist
Natürlich müsste man da nochmal genauer erklären, was damit gemeint ist - auch Faschisten agieren ja gerne im Namen der "Demokratie", meinen damit aber nur ihre eigene Agenda und ihre eigenen Anhänger.
Ein solcher "Glaube" kann niemals Bestand haben, da er eigennützig von Machtmenschen diktiert wird.
Auch die christlichen Kirchen wurden über Jahrtausende von "eigennützigen Machtmenschen" geführt, die im Namen Jesus etliche Verbrechen begingen.
Auch da muss man es eben entsprechend auslegen, damit etwas Gutes dabei herauskommt.
Veröffentlicht von: @lucan-7... Natürlich müsste man da nochmal genauer erklären, was damit gemeint ist ...
... Auch da muss man es eben entsprechend auslegen, damit etwas Gutes dabei herauskommt.
Offensichtlich muss man alles genau erklären und auslegen.
Und dann muss es auch noch 'richtig' (d.h. im Sinne des jeweiligen Erklärers) verstanden werden ...
Natürlich müsste man da nochmal genauer erklären, was damit gemeint ist - auch Faschisten agieren ja gerne im Namen der "Demokratie", meinen damit aber nur ihre eigene Agenda und ihre eigenen Anhänger.
Ich denke, wenn du hundert Leute fragen würdest, was genau Demokratie ist, würdest du hundert verschiedene Antworten bekommen. Und wr entscheidet dann letztendlich über die genaue Definition von Demokratie? Wohin das führt, sehen wir ja gerade im aktuellen Zeitgeschehen. Verstehe mich nicht falsch, auch ich bin für demokratische Systeme, aber einen Glauben kann man nicht daraus machen, das hieße blindes Vertrauen.
Auch die christlichen Kirchen wurden über Jahrtausende von "eigennützigen Machtmenschen" geführt, die im Namen Jesus etliche Verbrechen begingen.
Auch da muss man es eben entsprechend auslegen, damit etwas Gutes dabei herauskommt.
Da hätten wir wieder das gleiche Dilemma. Welcher Mensch kann denn über die korrekte Auslegung entscheiden? Der Glaube an Gott ist eine individuelle Angelegenheit, kein Gesellschaftssystem. Daher bin ich auch in keiner christlichen Gemeinde unterwegs. In solchen sind die Anfänge meist gut und authentisch, bis sich dann in ihnen doch wieder ein gewisses System etabliert, welches den Glauben erstickt. Ist dir ja auch passiert, so wie ich dich verstanden habe.
Manche Menschen können gut damit umgehen und die Gruppendynamik gut wegstecken ohne sich zu verbiegen. Andere werden davon regelrecht assimiliert, bei wieder anderen wird innere Auflehnung erzeugt, dazu gehöre ich.
Ich denke, wenn du hundert Leute fragen würdest, was genau Demokratie ist, würdest du hundert verschiedene Antworten bekommen.
Genau wie die Frage, was genau denn den christlichen Glauben ausmacht, hundert verschiedene Antworten kennt. Wobei etliche auch hinter Phrasen verborgen werden - denn "Jesus" ist keine Antwort, wenn man nicht erklärt, was genau damit denn nun gemeint ist.
Und wr entscheidet dann letztendlich über die genaue Definition von Demokratie? Wohin das führt, sehen wir ja gerade im aktuellen Zeitgeschehen.
Es geht um einen möglichst breit anerkannten Konsens. Problematisch ist zur Zeit der Umgang mit dem Begriff "Freiheit". Denn "Freiheit" ist immer die Freiheit der Anderen - halten wir es aus, Leute so leben zu lassen, wie sie es wollen, auch wenn das ganz anders aussieht als unsere eigenen Ideale?
Da gilt es, einen Konsens zu finden, der von vielen unterstützt wird...
Da gilt es, einen Konsens zu finden, der von vielen unterstützt wird...
Das ist aber genau der Punkt, warum Demokratie als Ersatzglaube nicht funktionieren kann. Die Menschen haben einfach zu unterschiedliche Interessen, und immer ist jemand dabei, der es versteht seine Interessen durchzusetzen, in dem er die Mehrheit auf seine Seite zieht.
Beim Glauben an Jesus Christus geht es aber gar nicht um möglichst schnelle Interessenbefriedigung. Es geht um langfristiges Seelenheil. Ich glaube, das werden dir alle hundert Christen, die du fragst bestätigen.
P.S. Selbst wenn wir in der tollsten Demokratie aller Zeiten leben würden, und keiner würde sich benachteiligt fühlen, wären wir ohne Gott lediglich leere Hülsen.
Das ist aber genau der Punkt, warum Demokratie als Ersatzglaube nicht funktionieren kann. Die Menschen haben einfach zu unterschiedliche Interessen, und immer ist jemand dabei, der es versteht seine Interessen durchzusetzen, in dem er die Mehrheit auf seine Seite zieht.
Dass jemand rücksichtslos seine eigenen Interessen durchsetzen kann ist immer erst dann möglich, wenn Menschen den Glauben an die Demokratie verlieren. Denn Demokratie bedeutet ja nicht, alle paar Jahre irgendwo ein Kreuz zu machen - es bedeutet, aktiv hinter dem Prinzip zu stehen und es notfalls zu verteidigen.
Beim Glauben an Jesus Christus geht es aber gar nicht um möglichst schnelle Interessenbefriedigung. Es geht um langfristiges Seelenheil. Ich glaube, das werden dir alle hundert Christen, die du fragst bestätigen.
Da Glaube täglich gelebt werden will geht es natürlich auch um eine entsprechende Interessenbefriedigung... und wenn das Interesse einfach darin besteht, die Gewissheit zu haben erlöst zu sein.
Den Menschen würde es NICHT geben wenn....die Evolution diesen Knick gehabt hätte.
Der mensch ist unnütze.
@neubaugoere In erster Linie nützt der Mensch nur sich selbst.
Guten Morgen 😉
Ja, meine Rückfrage war wohl nicht klar ...
Du hast geschrieben: "In erster Linie nützt der Mensch nur sich selbst." ... d.h. er hat nur sich selbst im Blick und bleibt mit Luther gesprochen der "homo in se incurvatus" (der "in sich verkrümmte Mensch") ...
Und der Maßstab seines Denkens, Handelns und Fühlens ist er selbst, mit dem, was ihm (selbstbezogen) nützlich scheint in der Frage des Wohlergehend und im Verfolgen seiner Ideen und Pläne
Nun meine ich mit "interessanter Fährte": Ist das faktisch und alternativlos eine ontologische, seinsmäßige Gegebenheit? Dass sich der Mensch nur "als Maß aller Dinge" erleben kann?
Dann liegt die Tragik darin, dass er nicht versteht und realisiert, dass er eingebunden ist in eine tiefere und größere Verhältnissetzung dem Leben, der Natur und Gott gegenüber - und dass sich daraus ableitet, dass er eben die Erfüllung des Menschseins NICHT findet, wenn er nur sich selber sieht ...
Ihm selbst "nützen" würde dann grund-sätzlich eine Selbst-Transzendenz ... und hier kann man jetzt diskutieren und nachsinnen im Blick auf philosophische Konzepte, Sinn und Wert von Religion & Glaube, ökologische Wahrheiten etc.
... So, das mal zum ersten Kaffee rausgehauen 😉
L' Chaim
Und der Maßstab seines Denkens, Handelns und Fühlens ist er selbst, mit dem, was ihm (selbstbezogen) nützlich scheint in der Frage des Wohlergehens und im Verfolgen seiner Ideen und Pläne
Ich denke, Katzen haben eine solche Selbstwahrnehmung. 🙂 ... und wir bewundern sie dafür. 🙂
Ich habe Mal ein Katzenvideo gesehen, mit echten Katzen, nicht Zeichentrick. Es ging ungefähr so: Zwei Katzen sitzen vor einem Goldfischglas. Eine der Katzen will ihre Pfote ins Glas stecken, um nach dem Fisch zu angeln. Die andere Katze wird böse, haut der nach dem Fisch grabschenden Katze buchstäblich eine runter und schaut sie eindringlich an. Also nix mit rein egoistischen Maßstäben. Für die "gute" Katze war der Fisch ein Familienmitglied.
Dieses Video habe ich übrigens lange vor der KI-Zeit gesehen, war also kein Deep Fake.
@mariposa22 Sowas habe ich mal gesehen, es war aber kein Goldfischglas, sondern ein Futterhaus für Eichhörnchen, mit Glasfenster...
@tatokala Auf Eichhörnchen bin ich gerade gar nicht gut zu sprechen. Ein ganz frecher Vertreter dieser Spezies hat unseren Balkon regelrecht verwüstet, in dem er die Zweige unserer Kübelpflanzen bis zur Unkenntlichkeit abgenagt und ein Bild der Zerstörung hinterlassen hat. Unter dem Dachgiebel über dem Balkon haben wir nun eine Eichhörnchenbehausung.
Heute habe ich die Pflanzenreste entfernt und will nun Oleander einpflanzen. Meinst du, das Eichhörnchen weiß, dass der giftig ist? Ich will ihm ja auch nicht schaden. Schade, dass mein Mann strikt gegen Haustierhaltung ist. Eine Katze würde helfen.
Hast du die Szene mit der Eichhörnchenbehausung und den Katzen live gesehen oder als Video?
@mariposa22 Hab nur noch diese kurze Sequenz gesehen, war wohl mal ein längeres Video
@tatokala Danke, ich habe das Fisch Video nun auch gefunden: https://youtube.com/shorts/VZWBkmnvHdU?si=sgIk3b54yDWKve6U
Der arme Fisch übrigens, dass der so leben muß ...
Der mensch ist unnütze.
KEIN Mensch ist unnütze - er kann immer noch als abschreckendes Beispiel genutzt werden!
@meriadoc Der mensch ist unnütze.
Es wäre schön, wenn dies alle so sähen. Denn darin liegt die Basis der Menschenwürde: Der Mensch existiert nicht, weil er damit zu irgendetwas und für irgendwen nützlich wäre: nur dadurch kann er nicht als Objekt und Instrument betrachtet werden. Er hat keinen Nutzwert, sondern ist Selbst-Zweck.
Freilich: alles teleologische Denken scheitert an dieser Betrachtungsweise, denn alles teleologische Denken geht von irgendwelchen Zielen aus, die unbedingt erreicht werden müssen, und zu deren Realisierung dann eben auch Menschen gebraucht/benutzt werden können, ja sollen. So, wie in vielen religiösen Erzählungen, die Bibel ist voll mit Beispielen.
Der Mensch als Selbstzweck, der unnütze ist - der ist frei. So frei wie die Kunst. Wenn er als Individuum einen Zweck, d.h. eine Aufgabe für sich sucht - dann kann er das Gefühl bekommen, in diese Freiheit geworfen zu sein. Für viele, vermutlich für die überwiegende Mehrheit, ist das eine beängstigende Vorstellung: Keine Vorgaben, kein von anderen schon mal avisiertes Ziel zu haben, das es nur zu erreichen gälte. Sich selbst ein Ziel suchen zu müssen, ohne wissen zu können, ob dieses Ziel überhaupt den Aufwand, auf es hinzu zu leben, überhaupt lohnt... Die meisten können mit dieser Art Menschenwürde wenig anfangen, sie wollen gar nicht frei von Vorgaben sein, sie wollen, dass andere ihnen solche Vorgaben machen, denn dann brauchen sie sich nicht um die Ungewissheit solcher Vorgaben zu scheren: sie folgen den Vorgaben, und wenn's gut geht, dann ist ihnen dies bis zum Ende ihres Lebens angenehm. Wenn's schlecht geht, zerbrechen sie an diesen Vorgaben oder, auch gern gewählte Variante: wenden sie sich gegen jene, die ihnen die Vorgaben machten und schelten die böse Verräter. So tat es z.B. meine Großmutter, eine einst heiße Hitler-Verehrerin, die sich irgendwann 1945 mit ihren vier Kindern auf der ziemlich unbequemen Flucht vor den Russen fand, und da dann in ihr Tagebuch notierte: "Der Führer hat uns alle verraten!" Dass sie und ihresgleichen ihn erst zum Führer gemacht hatten, indem sie sich von ihm führen ließen - das fiel ihr wohl eher nicht in den Sinn, denn dazu hätte sie sich hinterfragen müssen, wie sie mit ihrer Freiheit lieblos umgegangen und bequemlichkeitshalber den Weg der Unterwerfung unter die Autorität gegangen war.
Der Mensch ist unnütz, weil, beziehungsweise indem seine Existenz objektiv sinnlos ist. Aber dessen bewußt kann* er sich einen Sinn suchen, sich ein Lebensziel wählen, zu dessen Erreichung er dann sein eigenes Instrument wird. Das Risiko besteht für ihn darin, ein Ziel zu wählen, dessen Erreichung (samt dem Weg bis dahin) ihn möglicherweise unglücklich macht. Darin besteht die Selbstverantwortlichkeit, die zur Freiheit der Selbstbestimmung untrennbar gehört: Wer erkennt, dass er sich sein Lebensziel, seinen Sinn selbst suchen muss, hat dann niemanden als sich selbst, den er anklagen könnte, falls sich später herausstellt, dass dieses Lebensziel, dieser Lebens-Sinn wenig Freude bereitet.
Interessanterweise finden viele gar keine sonderlich große Erfüllung im (hedonistischen) Eigennutz - glücklicher scheint es zu machen, wenn sie in den Augen der Mitmenschen uneigennützig und damit wertvoll für andere handeln (Altruismus).
Darin - selbstbestimmt anderen nützen zu können - scheint für das soziale Tier Mensch ein recht verlässlicher Weg zum Glück zu bestehen. Denn die Anerkennung und Wertschätzung der anderen fühlt sich für soziale Tiere einfach gut an.
*oder muss...
@jack-black Du lädtst mich ein zum Widerspruch! Danke dafür. 🤗
Ausführen brauche ich den hier nicht. 😉 Ich spreche wie eine Blinde von den Farben 💎❤️ und kann schwer verständlich machen, was ich im Herzen erlebe. Es sind immer dieselben Stichworte, die ich hier schon öfter aufgegriffen habe: Mensch als Ebenbild Gottes. In Beziehung sein. Sich von Liebe leiten lassen. Sein in Ewigkeit - darauf vorbereitet werden und es bereits jetzt erleben.
Unnütz… Es ist eine Frage der Perspektive. Deine verstehe ich und sie gibt mir auch etwas mit, teilen kann ich sie nicht. Und in schlechten Zeiten und bei schlechter Verfassung hat sie das Potential zum Selbstmord (würdest du es Freitod nennen?) einzuladen. Nein, danke!
Freiheit… verwechselst du sie mit Ungebundenheit? Und bestätigt dein Blick auf den menschlichen Weg zum Glück, meinen Ansatz? Denn wozu hat uns Gott als Sein Ebenbild berufen? … Gott, unseren Herrn zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft und unseren Nächsten wie uns selbst.
" wozu hat uns Gott als Sein Ebenbild berufen?"
Wenn man nicht glaubt, dass es Gott gemäß den christlichen Vorstellungen gibt, verpufft diese Aussage ins Leere.
Ach ja, ich kenne auch niemanden, der aufgrund einer fehlen Gottesbeziehung nach christlichem Muster Suizid begangen hätte. Kann sein, dass eine Beziehung zu Gott nach christlichem Verständnis einen Suizid verhindert hätte. Aber es ist sicher kein Grund dafür gewesen.
" wozu hat uns Gott als Sein Ebenbild berufen?"
Wenn man nicht glaubt, dass es Gott gemäß den christlichen Vorstellungen gibt, verpufft diese Aussage ins Leere.
Völlig in Ordnung. Nur - für mich trifft es ins Schwarze. Und - es ist für mich entscheidend einen Gegenpol zu Jack-Blacks Einschätzung zu schreiben. Sie ist anregend, auch in seine Richtung; nur ich habe eine andere Basis, die ich mir nicht nehmen lassen will. Wenn ich mich anregen lassen will, dann im Blick darauf, wie es zu meinem Glaubensverständnis passt.
Es hat jede*r seine Gründe, auf j.de unterwegs zu sein. Sich für den Atheismus „begeistern“ lassen, gehört für mich nicht dazu…
Ach ja, ich kenne auch niemanden, der aufgrund einer fehlen Gottesbeziehung nach christlichem Muster Suizid begangen hätte. Kann sein, dass eine Beziehung zu Gott nach christlichem Verständnis einen Suizid verhindert hätte. Aber es ist sicher kein Grund dafür gewesen.
Was ich als Grund sehen könnte und genannt habe, ist die Wahrnehmung „unnütz“ zu sein. Vielleicht kann ich deinen letzten Satz nicht richtig einordnen.
"ich habe eine andere Basis, die ich mir nicht nehmen lassen will."
Ist doch in Ordnung.
Die Wahrnehmung, unnütz zu sein, hängt aber durchaus nicht nur mit religiöser Ungebundenheit zusammen. Einerseits können auch bekennende Christen ein solches Gefühl haben und andererseits sich Atheisten oder Andersgläubige sehr nützlich fühlen.
Auch hier ist wieder nicht die Christlichkeit des Glaubens zu kritisieren, sondern dessen Alleinvertretungsanspruch.
Es gibt in der Frage nach dem "Gut-sein" des Menschen eine Prämisse, die ich nicht für realistisch halte - dass der Mensch sozusagen in einer Art Urzustand gut ist und nur durch alle möglichen Einflüsse, vor allem natürlich durch den "Gott-sei-bei-uns" böse geworden ist.
Gut-sein und Böse-sein halte ich für eine möglicherweise psychologisch oder soziologisch sinnvolle Beschreibung eines Verhaltens, auf die man ggf. adäquat reagieren muss, aber nicht für ein elementares Wesensmerkmal des Menschen.
@queequeg Sehe ich ebenfalls so. Gut und böse (altruistisch vs. egoistisch) sind allerding in meinen Augen ohnehin lediglich Relationsbestimmungen - ohne subjektive Perspektive ergeben solche Zuschreibungen gar keinen Sinn. Man muss die Menschen darüber hinaus nicht für gut halten, um sie mögen zu können.
Bin gespannt, wie sich der Thread entwickelt
Der Glaube an Gott vermittelt mir - immerhin - Hoffnung und die Zuversicht darauf, dass es am Ende gut kommen wird. Ich brauche keine Angst zu haben. Ich tue meine Dinge da, wo ich mich befinde, wo mich Gott hingestellt hat. Ganz im Sinne des Sprichwortes, "Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden."
Der Glaube an den Menschen vermittelt mir diese Hoffnung nicht.
Als ich dein Eingangsposting durchlas kam mir noch der folgende Gedanke: Hätten wir in Europa vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein keine Christianisierung gehabt, so wären wir womöglich auf dem Stand, also auch ethisch, der Antike stecken geblieben oder der Einfluss anderer Religionen hätte sich hier ausgebreitet. Nun kann man sich mal anschauen, welche Entwicklung wir in Europa gerne anstelle des Christentums hätten oder alternativ, ob wir den Stand der Antike oder eine griechisch, römisch, keltisch oder irgendeine von sonst einer Mythologie geprägten Gesellschaft bevorzugen würden. Unter der Voraussetzung, dass sich solche Gesellschaften gegen Bedrohungen von aussen überhaupt hätten durchsetzen können.
Zudem: Ohne Christentum keine Entdeckung Amerikas, kein Buchdruck und keine Reformation und somit auch keine Meinungsvielfalt - oder alles erst viel später - und somit im Vergleich zu anderen Zivilisationen, insbesondere fernöstlichen, ein gewaltiger Entwicklungsrückstand.
Die "Christianisierung ... in Europa vom Mittelalter bis zur Neuzeit" in der Waagschale der Weltentwicklung - und ihre Bewertung und Einordnung, spannende Frage.
Interessant daran finde ich, dass die "Ausbreitung/Verbreitung" des christlichen Glaubens und das Stichwort "Christianisierung" nur sehr ambivalent wahrzunehmen ist - denn wieviel Unterdrückung, Missbrauch, Gewalt und Krieg ist damit nicht nur weltweit, sondern auch in der Geschichte Europas verbunden !!!
Trotzdem finde ich richtig und bedenkenswert, die andere, positive Seite AUCH zu sehen - und in der Tat hat der christliche Glaube und seine Verbreitung (in Europa und der Welt) ebenso eine ganz segensreiche Entfaltung und Bedeutung´bekommen.
Es bleibt aber eine geschichtsphilosophisch offene Frage, was gewesen wäre, wenn der Weltenlauf auch für Europa anders gekommen wäre.
Und es bleibt ein Stachel in der Frage, was es ja gerade an Errungenschaften seitens des Humanismus und der Aufklärung GEGEN DEN WIDERSTAND der Kirche gegeben hat ... und wie die Kirche (als Machtinstanz des Christentums) unsägliches Leid auch mitverantwortet hat.
Eine Menge "Glatteis", finde ich ...
L'Chaim
"Christianisierung" nur sehr ambivalent wahrzunehmen ist - denn wieviel Unterdrückung, Missbrauch, Gewalt und Krieg ist damit nicht nur weltweit, sondern auch in der Geschichte Europas verbunden !!!
Im Zuge der Religions- und Kirchenkritik werden vor allem jeweils die negativen Aspekte hervorgehoben. Aber diese entsprechen nunmal ganz und gar nicht der christlichen Lehre. Ich erachte diese deshalb als Menschenwerk.
Trotzdem finde ich richtig und bedenkenswert, die andere, positive Seite AUCH zu sehen
Absolut! Viele positive Aspekte wurden auch durch unzählige "namenlose" Menschen gelebt.
Oder auch die Art, wie früher Menschen ihre Dörfer und Städte gebaut haben oder das Gemeinschaftsleben gestalteten. Natürlich war da vieles nicht explizit christlich, aber es fand doch vor einem christlichen Hintergrund statt.
Es bleibt aber eine geschichtsphilosophisch offene Frage, was gewesen wäre, wenn der Weltenlauf auch für Europa anders gekommen wäre.
Für Europa jedenfalls war und ist der Istzustand der letzten paar hundert Jahre nicht allzu schlecht, wie ich finde. Sonst müsste man eben aufzeigen, was genau hätte besser sein können und wo in der Welt man dies findet.
Und es bleibt ein Stachel in der Frage, was es ja gerade an Errungenschaften seitens des Humanismus und der Aufklärung GEGEN DEN WIDERSTAND der Kirche gegeben hat .
Nichtsdestotrotz hat sich der Humanismus eben gerade als Widerstand gegen die Kirche entfalten können. Ob er auch so, ganz ohne Kirche (Christentum) hätte entstehen können?
Ich weiss jetzt nicht, wer genau alles zu den ersten Humanisten gehörte, aber ein Begriff ist mir zumindest mal Erasmus von Rotterdam und neben ihm müssten logischerweise die übrigen auch eher Geistliche gewesen sein oder aus diesem Umfeld stammen, da Bildung im Mittelalter nun mal nur in kirchlichen Institutionen zu erlangen war.
Nicht dass ich missverstanden werde.
Im Zuge der Religions- und Kirchenkritik werden vor allem jeweils die negativen Aspekte hervorgehoben. Aber diese entsprechen nunmal ganz und gar nicht der christlichen Lehre. Ich erachte diese deshalb als Menschenwerk.
Bei
Unterdrückung, Missbrauch, Gewalt und Krieg
dringt für mich das Menschsein durch und eben keine auf Gott besonnene Haltung.
Es geht mir dabei um die schlichte Frage, inwieweit nicht der Glaube an Gott, sondern der Glaube an den Menschen zunehmend bankrott geht?
Immer, wenn mal wieder von christlicher Seite das Projekt des Humanismus angegriffen wird, ist man als säkularer Humanist ein wenig versucht, den Menschenfreund Jesus gegen seine selbsterklärten Anhänger zu verteidigen. Andererseits frage ich mich dann in einem zweiten Denkschritt: Warum eigentlich? Wenn Christen meinen, dass misanthropische Argumente gebraucht würden, um ihre Gottesgläubigkeit zu verteidigen, dann sollen sie's halt öffentlich ausbreiten, dieses Denken, dass Humanismus und Gottesgläubigkeit als Dichotomie betrachtet. Interessant dann, wenn anders tickende Christen ihnen kaum in's Wort fallen. Gibt's von denen so allzu wenige?
DER Mensch - also Du und ich und wer auch immer - der sein eigener Maßstab ist bzw. sich zum Maßstab macht, hat erlebt und wird erleben, dass es überhaupt keine (abstrakte oder konkrete, selbstbezogene) Grundlage gibt, auf der die Menschheit moralisch und ethisch zu-einander findet und die Welt sozial, friedlich und ökologisch gut gestaltet.
Da Du mich persönlich hier ansprichst: nö, ich hab das nicht erlebt. Wenn das Mensch-Sein keine solche Grundlage sein soll, auf der sich eine Ethik gründen ließe - was denn dann? Ganz konkret erlebe ich ständig, dass andere Menschen ähnliche Interessen haben wie ich. Das vermag ich dann zu abstrahieren: wenn sie sich so wie ich wünschen, dass ihre Interessen verwirklicht würden, dann ist das ein super Anknüpfungspunkt, mit ihnen über Regeln (Normen) zu verhandeln, die auf das Ziel, dass möglichst viele dieser Interessen verwirklicht werden, ausgerichtet sind.
Komm mal wieder mit Deiner Verächtlichmachung DES Menschen, wenn Du einen Gott, der die Menschen nicht liebt und sich nicht an ihnen orientiert, vorzuweisen hast, der besser als der Humanismus zur Begründung irgendwelcher Moralsysteme taugt. Solange der Humanismus praktisch die einzige Grundidee ist, die in der Vergangenheit half, die Welt ein wenig sozialer, friedlicher und ja, auch ökologischer zu gestalten, sollte man ihn nicht für bankrott erklären, so von wegen: systemrelevant. Eine noch halbwegs funktionale Bank brauchen wird, sonst bricht sämtlicher verhandlungsethischer Zahlungsverkehr zusammen; und die Gottes-Banken können da leider nicht einspringen, wie Taliban-Afghanistan AG, Kyrill1&Putinstan und Gotteskrieger-Trumpistan GoHb* eindrücklich belegen. 🙂
*Gesellschaft ohne Haftungsbereitschaft
Naja ... ich mache den Menschen nicht verächtlich und greife auch den Humanismus nicht an ...ich rede vom Zweifel und der Erschütterung, die ich spüre, wenn ich auf das zunehmend selbstzerstörerische Weltgetriebe schaue.
Aber ich habe Dich spürbar getriggert mit meiner Frage, inwieweit der Fortschrittsoptimismus und Idealismus des 19. Jhdts, der an den beiden Weltkriegen Schiffbruch erlitt, nicht zu Beginn des 21.Jhdts erneut und verstärkt ins Wanken gerät.
Jeder Tag mit den aktuellen und globalen Nachrichten konfrontiert uns doch mit dem, was ich erfrage.
Für Viele ist ja garnicht die Religion (die der Mensch ebenfalls missbraucht) eine Alternative, sondern Zynismus und Nihilismus. Wenn ich aber darin nicht verfalle/nicht verfallen möchte, dann sind wir wieder bei der Ausgangsfrage: Woher ich Hoffnung und Vertrauen nehme, was mich weiter trägt und worauf ich setze bzw. wir setzen, wenn wir den Blick weiter in die Zukunft richten.
L'Chaim
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@awhler Naja ... ich mache den Menschen nicht verächtlich und greife auch den Humanismus nicht an ...
Aber gewiß tust Du das.
Aber ich habe Dich spürbar getriggert (...)
Was Du spürst oder nicht spürst, darüber kann ich freilich nix sagen. Einst verstand man unter "triggern" allerdings das Auslösen eines nicht kontrollierbaren Reflexes, Triggerwarnungen damals (in those good ol' times) hatten also den Sinn einer wirklichen Schutzfunktion. Man verstand unter "triggern" nicht das Raushauen irgendwelcher steilen Thesen in der Hoffnung, da jetzt Reaktionen zu bekommen. Wenn früher jemand etwas behauptete und jemand anderer widersprach - dann war das ganz normales, triggerfreies Diskutieren.
Also nein: mein Antwortposting war keine Trigger-Folge im eigentlichen Sinne des Begriffs. Wenn Du aber das Gefühl brauchst, meine Antwort sei Ergebnis eines unbeherrschbaren Reflexes statt von Überlegung, dann will ich Dir das nicht ausreden, denn wichtig ist doch allein, was man spürt, nicht wahr? 🙂
(...) mit meiner Frage, inwieweit der Fortschrittsoptimismus und Idealismus des 19. Jhdts, der an den beiden Weltkriegen Schiffbruch erlitt, nicht zu Beginn des 21.Jhdts erneut und verstärkt ins Wanken gerät.
Nun habe ich lange gesucht und weder das 19. Jahrhundert noch den Fortschrittsoptimismus im Eingangsposting finden können. Wurden die da raus-editiert?
Falls irgendein Fortschrittsoptimismus oder Idealismus des 19. Jahrhunderts an den Weltkriegen Schiffbruch erlitten haben sollten* - wie sollten die dann zu Beginn des 21 Jahrhunderts erneut ins Wanken geraten? Ein Schiffbruch bedingt meiner Ansicht nach, dass das Schiff untergeht oder halt zerbricht - da bleibt nix mehr übrig, was über fünfzig Jahre später noch großartig wanken könnte.
Da muss es sich also um eine Verwechslung handeln und irgendwas anderes wankt, als damals Schiffbruch erlitt. Was genau dies sein könnte - keine Ahnung. Die humanistische Idee scheint's ja schon mal nicht zu sein.
*Ich Dummerjahn war ja mal der Ansicht, damals wären Nationalismus und Faschismus auf Grund gelaufen - und nur leider viel zu schnell wieder flott gemacht worden. Was man sich halt so an nautischen Metaphern zurechtdengelt. 🙂
Vorab nur ein Hinweis auf eine literarische Bearbeitung des Themas:
"Wir sind noch einmal davon gekommen" von Thornton Wilder.
Es handelt von einer Familie, die drei Katastrophen (Eiszeit, Sintflut und Krieg) überlebt und jeweils mit dem Wiederaufbau beginnt.
Der gelingt auch, endet aber nur wieder in einer Katastrophe. Ein bitter-amüsantes Schauspiel.