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Ethischer Umgang mit Genetik

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 15303

Das Thema kam jetzt in einem anderen Thread auf, und ich würde das hier gerne auslagern.

"Genetik" ist ja generell ein Reizthema. Denkt man da an zukünftige Möglichkeiten, dann ist man schnell beim gezüchteten "Übermenschen", perfekt zugeschnittenen Wunschkindern und allem möglichen, was einen fatal an die Nazis erinnert.
Auf der anderen Seite stehen medizinischer Fortschritt und neue Behandlungsmöglichkeiten. Und irgendwie weiss keiner so recht, wo man da jetzt die Grenzen ziehen soll.

Hinzu kommt ein weiterer Einwand: Mit zunehmenden medizinischen Möglichkeiten überleben immer mehr Menschen. Wird eine Erbkrankheit etwa medikamentös behandelt, dann wird dieser Mensch erwachsen und lebt ein ganz normales Leben - was ja auch so sein soll. Nur... er wird dann natürlich auch seine Erbkrankheit weitergeben, und so werden entsprechende Schäden in der Gesellschaft zunehmen. Und das wird irgendwann zum Problem werden... es sei denn, man behandelt direkt an den Genen und lässt die Krankheit gar nicht erst entstehen.

Das Thema wird also so oder so kommen - oder besser gesagt: Es wird mehr und mehr in den Fokus rücken, denn die Möglichkeiten sind ja längst da.

Und da braucht es natürlich ethische Maßstäbe, an denen wir uns orientieren können. Was sollte erlaubt sein, was nicht?
Wenn Erbkrankheiten schon an den Chromosomen behandelt werden kann - führt nicht allein das schon zur Vorstellung einer "Elite", deren Kinder behandelt wurden, und den armen Leuten mit "erbkranken" Kindern, die sich so eine Behandlung nicht leisten konnten?
Von "maßgeschneiderten" Kindern einmal ganz zu schweigen...

Sollte hier die Politik für eine Gleichbehandlung sorgen?
Sollten die Möglichkeiten besser ungenutzt bleiben - und mit welcher Begründung?

Es ist schwer, das Thema nicht emotional zu betrachten. Aber das ist auch kein Grund, die Sache zu verdrängen - ich fürchte, das sind Fragen, auf die die Gesellschaft jetzt schon Antworten finden muss. Bevor kommerzielle Unternehmen die Sache in die Hand nehmen und Tatsachen schaffen...

Antwort
42 Antworten
Jimmy
Beiträge : 142

Hallo Lucan,

Genveränderungen beim Menschen sind sicher ein ethisch problematisches Thema.
Gerade die Hochreligiösen lehenn es bisher ab, dass solche Versuche am Menschen gemacht werden könnten.

In Deutschland ist die ablehnde Haltung gegen jedwede Gentechnik bisher sehr groß.
Das zeigt schon der Konflikt der grünen bw-Wissenschaftsministerin, die voriges Jahr mal überlegt hatte, grüne Gentechnik im Sinne vo Crisp-Cas für Pflanzenzucht zu erlauben. Da hat sie aber von ihren Parteifreunden odentlich einen auf den Deckel bekommen.

Tatsächlich ist die Gentechnik heute ja viel weiter als vor 20 Jahren.
Da sollte mMn durchaus neu darüber diskutiert werden ... .

Gruß, Jimmy

jimmy antworten


Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Das wird wohl ständig neu verhandelt werden und irgendwann kann sich keiner mehr vorstellen Soldaten nicht im Reagenzglas zu optimieren.

Und wenn der Kapitalismus bleibt wird es gesunde reiche und kranke arme Kinder geben.

Die Politik nach heutigen Vorbild hat überhaupt keinen Grund für Gleichbehandlung zu sorgen. Solange das dumme Wahlvieh seine Schlächter wählt, wird es auch 2 Klassen Genetik geben.

Aufhalten kann man da nichts, höchstens verzögern.

Anonymous antworten
Johannes22
Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @lucan-7

Hinzu kommt ein weiterer Einwand: Mit zunehmenden medizinischen Möglichkeiten überleben immer mehr Menschen. Wird eine Erbkrankheit etwa medikamentös behandelt, dann wird dieser Mensch erwachsen und lebt ein ganz normales Leben - was ja auch so sein soll. Nur... er wird dann natürlich auch seine Erbkrankheit weitergeben, und so werden entsprechende Schäden in der Gesellschaft zunehmen. Und das wird irgendwann zum Problem werden... es sei denn, man behandelt direkt an den Genen und lässt die Krankheit gar nicht erst entstehen.

Die meisten Erbkrankheiten (MS fällt mir da ein) brechen erst spät aus in einem Stadium wo sich die Menschen früher schon lange vermehrt haben. Insofern ist das kein Problem das irgendeine statistische Relevanz hat mal ganz abgesehen davon das es nicht besonders viele Erbkrankheiten gibt.

Die Katastrophenstimmung die da schon immer (von ganz ganz weit rechts) aufgebaut wurde (zivilisatorischer Zerfall des Menschen) ist nicht mal annähernd irgendeiner herbeihalluzinierten genetischen Zerfallsphantasie angemessen.

Insofern wird das Thema nur in den Focus rücken wenn sich einschlägige Kreise mal wieder in den Vordergrund gedrängelt haben.

johannes22 antworten
15 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15303
Veröffentlicht von: @johannes22

Insofern wird das Thema nur in den Focus rücken wenn sich einschlägige Kreise mal wieder in den Vordergrund gedrängelt haben.

Hier und jetzt nützt das Thema niemandem etwas, weil sich die Problematik erst innerhalb der nächsten Generationen zeigen wird. Rassismus ist auch keine Lösung, sondern verstärkt das Problem nur noch, denn je mehr sich eine Population abschottet, desto anfälliger wird sie für genetische Defekte - man denke hier nur an Beispiele aus dem europäischen Adel.

Rechtspopulisten werden sich hier also wie bisher auch mit entsprechenden Lügen behelfen müssen.

Da aber die Techniken der Genmanipulationen immer weiter voranschreiten werden wir uns über das Thema jetzt und hier schon Gedanken machen müssen. Denn wenn sich Gene beim ungeborenen Kind hier und jetzt schon verändern lassen - und das ist technisch der Fall - , dann müssen wir uns auch hier und jetzt mit den entsprechenden Fragen auseinandersetzen.

Die von mir angesprochene Problematik in der Zukunft kann eine mögliche Konsequenz von unserem Umgang heute sein.

lucan-7 antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @lucan-7

Hier und jetzt nützt das Thema niemandem etwas, weil sich die Problematik erst innerhalb der nächsten Generationen zeigen wird.

Es gibt keine Problematik. Die allermeisten , praktisch alle Krankheiten sind nicht genetisch bedingt. Viele führen auch heute noch dazu das die Kinder leider schon früh sterben. Oder die Krankheiten brechen in einem alter aus wo man sich eh schon fortgepflanzt hat. Viele genetische Störungen wie Trisomie sind überhaupt nicht vererbbar sondern altersbedingt oder einfach Pech.
Da gibt es nichts was sich durch die Zivilisation geändert hätte und irgendeinen Handlungsbedarf verursacht.

johannes22 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15303

Wie du meinst...

Mathematik und Naturwissenschaft sind allerdings nicht verhandelbar. Und es wird nicht deshalb nicht passieren, weil es irgendwem politisch oder ethisch nicht gefällt.

Es geht auch nicht um eine ganz bestimmte Krankheit oder bestimmte Symptome. Es geht um einen exponentiellen Anstieg bestimmter genetischer Eigenschaften, die letztlich zu einer Abhängigkeit von der pharmazeutischen Industrie führen werden - falls die Behandlungsmöglichkeiten entsprechend weiter zunehmen.

Und das hat nichts mit Rassismus oder Naziphantasien zu tun, sondern ist einfach ein Problem, das zukünftige Generationen werden lösen müssen. Und es bleibt den Leuten zu wünschen, dass sie bis dahin ethisch gute Lösungen gefunden haben.

Für uns hat das eher theoretische Aspekte, die uns aber klar machen sollten, wie dringend eine sinnvolle und vertretbare Ethik in diesem Bereich gebraucht wird. Und zwar heute schon.

lucan-7 antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @lucan-7

Mathematik und Naturwissenschaft sind allerdings nicht verhandelbar. Und es wird nicht deshalb nicht passieren, weil es irgendwem politisch oder ethisch nicht gefällt.

Eben. Und deswegen sollte man zur Kentniss nehmen das es einen genetischen Zerfall nur in den Verschwörungsmythen rechtslibertärer Nazis gibt aber eben nicht in der Realität. Und von einem exponentiellen Anstieg genetischer Eigenschaften zu sprechen sorry dazu gehört wirklich ein hohes Maß an schmerzbefreitheit.
Mein Sohn würde wenn er in Mittelalter gebeamt würde an Polio oder Pocken sterben und zwar NUR deswegen weil er dagegen halt nicht geimpft ist.

johannes22 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15303
Veröffentlicht von: @johannes22

Und deswegen sollte man zur Kentniss nehmen das es einen genetischen Zerfall nur in den Verschwörungsmythen rechtslibertärer Nazis gibt aber eben nicht in der Realität.

Leugnen ist jedenfalls definitiv keine Lösung. Und Impfungen sind nochmal ein Thema für sich... auch die Resistenz gegen verschiedene Krankheitserreger war einst ein Thema, das verschiedene Ethnien auf sehr unterschiedliche Weise betraf.

Aber ich habe ja nun oft genug geschrieben, dass es auch um den Umgang mit den Möglichkeiten geht, die hier und jetzt bereits bestehen.

Oder willst du das auch irgendwelchen Rechtsradikalen überlassen?

lucan-7 antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @lucan-7

Leugnen ist jedenfalls definitiv keine Lösung.

Ich leugne nichts. Ich nehme wissenschaftliche Tatsachen zur Kenntnis im Gegensatz zu dir.

johannes22 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15303
Veröffentlicht von: @johannes22

Ich nehme wissenschaftliche Tatsachen zur Kenntnis im Gegensatz zu dir.

Die "Tatsache", dass sich ein Genpool niemals zum Nachteil einer Spezies entwickelt?

Oder dass die Menschen genetisch für immer genau so bleiben wie sie sind?

Dass es keine genetischen Nachteile in irgendeiner Form gibt, die medizinisch behandelt werden können?
Sorry, aber wenn wir uns auf reale Beobachtungen stützen, dann dürfte meine pessimistische Aussage näher an der Realität sein.

Da du dich aber offensichtlich so oder so nicht mit meiner Eingangsfrage auseinandersetzen willst können wir das an dieser Stelle auch abbrechen.

lucan-7 antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @lucan-7

Die "Tatsache", dass sich ein Genpool niemals zum Nachteil einer Spezies entwickelt?

Du konstruierst gerne Strohmänner. Fällt mir auf.

Veröffentlicht von: @lucan-7

der dass die Menschen genetisch für immer genau so bleiben wie sie sind?

Und der nächste Strohmann. Mit wem diskutierst du, mit mir jedenfalls nicht. falsch angehängt?

johannes22 antworten
poimen.a
(@poimen-a)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 673
Veröffentlicht von: @lucan-7

Mathematik und Naturwissenschaft sind allerdings nicht verhandelbar. Und es wird nicht deshalb nicht passieren, weil es irgendwem politisch oder ethisch nicht gefällt.

Damit stellst Du schon Weichen, die (bisher) in der Praxis noch anders gewichtet werden:
Noch geht die "Ethik" über die "Machbarkeit" (!)

Ob das so bleiben wird ? (- wenn man Deiner Argumentation folgt...)

...und warum ? (hier bietet der "Faktor" Gott, der zu den Schwachen hält, durchaus überdenkenswerte Ansätze...)

hg poimen

poimen-a antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15303
Veröffentlicht von: @poimen-a

Damit stellst Du schon Weichen, die (bisher) in der Praxis noch anders gewichtet werden:
Noch geht die "Ethik" über die "Machbarkeit" (!)

Hier geht es allerdings gar nicht um das, was machbar ist, sondern um das was quasi automatisch passiert, wenn wir NICHTS tun. Also die natürliche Entwicklung des Menschen.

Denn die Genetik der Menschen ist über die Generationen veränderlich, so oder so - und unsere Medizin und Versorgung wird Auswirkungen darauf haben, weil wir hier an Stellschrauben der Evolution herumdrehen.

Und deshalb wäre es sehr wünschenswert, wenn wir hier klare ethische Richtlinien haben. Über die wir uns, angesichts der technischen Möglichkeiten die es heute schon gibt, jetzt bereits Gedanken machen sollten.

lucan-7 antworten
poimen.a
(@poimen-a)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 673
Veröffentlicht von: @lucan-7

Denn die Genetik der Menschen ist über die Generationen veränderlich, so oder so - und unsere Medizin und Versorgung wird Auswirkungen darauf haben, weil wir hier an Stellschrauben der Evolution herumdrehen.

ich denke da überschätzt Du unsere Fähigkeiten -gottseidank- wesentlich... (beim Embriotransfer bei Kühen z.B. werden überdurchschnittlich viele männlichen Kälber erzeugt, obwohl man weibliche "Genvermittler" bevorzugen würde...)

Veröffentlicht von: @lucan-7

Und deshalb wäre es sehr wünschenswert, wenn wir hier klare ethische Richtlinien haben. Über die wir uns, angesichts der technischen Möglichkeiten die es heute schon gibt, jetzt bereits Gedanken machen sollten.

Gedanken müssen wir uns machen, sicherlich...- und das wird auch getan. (viele unserer rechtlichen "Beschränkungen" stehen eben deshalb unter der Kritik, wir würden den (wissenschaftlichen) "Fortschritt" verhindern (was tatsächlich so sein mag)...

Du siehst also: nicht die (Natur)Wissenschaft gibt (momentan) den Ton an, sondern die (Geistes)Wissenschaft.

Denn Ethik ist weit mehr als das auswerten von Statisischen Größen....!

hg poimen 😉

poimen-a antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3348
Veröffentlicht von: @johannes22

Die meisten Erbkrankheiten (MS fällt mir da ein) brechen erst spät aus in einem Stadium wo sich die Menschen früher schon lange vermehrt haben.

Das ist die Frage ist MS eine Erbrankheit?

arcangel antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @arcangel

Das ist die Frage ist MS eine Erbrankheit?

Also eine Kollegin die MS hat und die es eher schlimm erwischt hat hat sich sterilisieren lassen weil sie davon ausgeht.

Unumstritten ist das aber nicht:

MS ist keine "klassische Erbkrankheit", die von den Eltern an das Kind weitergegeben wird. Das Risiko für Kinder eines MS-erkrankten Elternteils auch eine MS zu bekommen ist im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung gering erhöht (circa 2 Prozent vs. 0,1 Prozent). Damit gibt es Hinweise, dass erbliche Faktoren die Entstehung einer MS begünstigen. So verteilt sich die Krankheit nicht gleichmäßig über alle Bevölkerungsgruppen und Länder, sondern kommt regional und in verschiedenen ethnischen Gruppen unterschiedlich häufig vor. In der medizinischen Praxis berichtet ungefähr jeder fünfte MS-Betroffene von blutsverwandten Angehörigen, die ebenfalls an Multipler Sklerose erkrankt waren oder sind. Die genetischen Ursachen dafür sind unklar. Erblich bedingte Merkmale weißer Blutkörperchen könnten zum Beispiel eine Rolle spielen.

https://www.apotheken-umschau.de/Multiple-Sklerose/Multiple-Sklerose-MS-Ursachen-18894_2.html#text=Ist%20Multiple%20Sklerose%20vererbbar%3F,0%2C1%20Prozent).

johannes22 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3348

Meine Mutter hat MS, und keins meiner Geschwister noch ich sind erkrankt, obwohl wir bereits älter sind, als es meine Mutter war als sie diagnostiziert wurde.

Ich habe mich bis jetzt nicht im detail Informiert, aber was der Arzt gesagt hat, kann man risikofaktoren erben, aber es ist nicht in stein gemeisselt.

Umwelteinflüsse spielen auch eine Rolle.

Also kann ich dem von dir Zitierten nur zustimmen (was natürlich sehr subjektiv ist 😊 )

arcangel antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @arcangel

Meine Mutter hat MS, und keins meiner Geschwister noch ich sind erkrankt, obwohl wir bereits älter sind, als es meine Mutter war als sie diagnostiziert wurde.

Das Risiko ist ja auch nur minimalst erhöht. Wenn sich die Kollegin deswegen hat sterilisieren lassen dann war das meiner Meinung nach auch eine Überreaktion. Ich glaube aber auch der Hauptgrund war das sie in Sorge ist sich nicht adäquat um eventuelle Kinder kümmern zu können.

johannes22 antworten


Plueschmors
Beiträge : 3741

Feuer frei!

Veröffentlicht von: @lucan-7

Denkt man da an zukünftige Möglichkeiten, dann ist man schnell beim gezüchteten "Übermenschen", perfekt zugeschnittenen Wunschkindern und allem möglichen, was einen fatal an die Nazis erinnert.

Frei nach Herrn Gauland: Es war damals nicht nur nicht alles schlecht - sondern manches sogar richtig gut. Gehen dann auch die Experimente wieder los, einen kommunistischen Übermenschen zu schaffen, indem man Gorillas mit Menschen kreuzt?

😉

Aber im Grunde: Was ist denn so schlecht an "gezüchteten Übermenschen"? Im Moment ist es doch Mode, sich an allen möglichen und unmöglichen Stellen zu "optimieren". Also warum nicht schon vorher alles perfekt zuschneiden, damit sich keiner minderwertig fühlen muß in der perfekt durchgestylten digitalen Zukunft? Big Datas Algorithmen brauchen keine Unregelmäßigkeiten bei der Berechnung einer weiblichen Wange.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Und irgendwie weiss keiner so recht, wo man da jetzt die Grenzen ziehen soll.

Der Mensch ist eh schon zu weit gegangen. Der "Fortschritt" - der nach Nietzsche nicht gleichbedeutend ist mit "Verbesserung" - ist nun einmal nicht mehr aufzuhalten. Also alle Grenzen auf und Feuer frei!

Veröffentlicht von: @lucan-7

Wenn Erbkrankheiten schon an den Chromosomen behandelt werden kann - führt nicht allein das schon zur Vorstellung einer "Elite", deren Kinder behandelt wurden, und den armen Leuten mit "erbkranken" Kindern, die sich so eine Behandlung nicht leisten konnten?
Von "maßgeschneiderten" Kindern einmal ganz zu schweigen...

Die Welt war immer schon "die da oben" und "die da unten". Daran hat sich noch nie etwas Nennenswertes geändert. Scheint so eine Art Naturgesetz zu sein: Fressen und gefressen werden. Der Starke schlägt den Schwachen. Das Gesunde setzt sich durch usw.

plueschmors antworten
Suzanne62
Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @lucan-7

es sei denn, man behandelt direkt an den Genen und lässt die Krankheit gar nicht erst entstehen.

Wenn das machbar ist, ist das doch gut - ich sehe da nun wirklich kein Problem. Gerade wer selbst an einer genetisch bedingten Krankheit oder Behinderung leidet, wird sie seinen Kindern doch ersparen wollen, auch wenn er selbst gelernt hat, damit zurechtzukommen.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Sollte hier die Politik für eine Gleichbehandlung sorgen?

Ja, natürlich. Diese Möglichkeiten sollte jedem Gesetzlich Versicherten zugänglich sein.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Von "maßgeschneiderten" Kindern einmal ganz zu schweigen...

Da liegt genau der Unterschied: Krankheiten behandeln, noch bevor sie anfangen können, das Leben eines Menschen zu beeinträchtigen ist eine Sache. Das wäre doch ein Segen.
Eine ganz andere Sache ist es, sich ein perfektes "Designerbaby" bestellen zu können - Geschlecht, Haar- und Augenfarbe, Talente - alles ganz nach Wunsch.....selbst wenn das möglich sein sollte - ich denke nicht, dass medizinische Wissenschaft sich dazu hergeben sollte.
Heilung von Krankheiten ist eines, Optimierung etwas völlig anderes.
Das eine ist das "Kerngeschäft" der Medizin, das andere nicht.

suzanne62 antworten
8 Antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2026
Veröffentlicht von: @suzanne62

ine ganz andere Sache ist es, sich ein perfektes "Designerbaby" bestellen zu können - Geschlecht, Haar- und Augenfarbe, Talente - alles ganz nach Wunsch.....selbst wenn das möglich sein sollte - ich denke nicht, dass medizinische Wissenschaft sich dazu hergeben sollte.

Warum?

jack-black antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @jack-black

Warum?

Zumindest Geschlecht kann (wie man an Indien sieht wo die Mädchen abgetrieben werden oder auch in China) dazu führen das die Männer ein Problem kriegen eine Frau zu finden.
Und Talente, das halt ich sowieso für fraglich ob und wie weit so etwas genetisch determiniert ist.

johannes22 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2026
Veröffentlicht von: @johannes22

Zumindest Geschlecht kann (wie man an Indien sieht wo die Mädchen abgetrieben werden oder auch in China) dazu führen das die Männer ein Problem kriegen eine Frau zu finden.

Wenn Eltern bestimmen könnten, welches Geschlecht ihr Kind bekommt - dann könnte dies dazu führen, dass z.B. in Indien weniger Mädchen abgetrieben werden. Warum sollte sich die Wissenschaft nicht dazu hergeben, auf diesem Umweg Abtreibungszahlen zu senken?

jack-black antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @jack-black

enn Eltern bestimmen könnten, welches Geschlecht ihr Kind bekommt - dann könnte dies dazu führen, dass z.B. in Indien weniger Mädchen abgetrieben werden. Warum sollte sich die Wissenschaft nicht dazu hergeben, auf diesem Umweg Abtreibungszahlen zu senken?

Weil ein Verhältnis 50/50 dem sozialem Frieden dienlich ist. In China sollen wohl schon Frauen entführt worden sein (wegen Mangel an Frauen)
Es gibt noch andere Probleme, wird in dem Film gattaca geschildert , das Hauptproblem ist natürlich das ein versprechen verkauft wird das nicht gehalten werden kann, die meisten Behinderungen sind eben NICHT genetisch bedingt sondern Störungen in der Schwangerschaft, Unfall und Infektionskrankheiten.

johannes22 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2026
Veröffentlicht von: @johannes22

Weil ein Verhältnis 50/50 dem sozialem Frieden dienlich ist.

Der "soziale Friede" wird aber ja durch die Abtreibungen von Mädchen, bzw. später die Unsitte des Verbrennens von Mädchen/Frauen gestört. Der "soziale Friede" würde durch ein Angebot der Wissenschaft, das Geschlecht eines Kindes zu bestimmen, also überhaupt nicht berührt. Höchstens insofern, als weniger Abtreibungen geschehen. Da wir hier in Deutschland und anderen Weltgegenden keine solche Tendenzen haben - sollte da dann das Problem von Chinesen und Indern Deutsche Eltern tangieren?
Und darüber hinaus verbietet es die Menschenwürde, Menschen als Mittel zum Zweck zu gebrauchen: Warum sollten werdende Eltern dazu gezwungen werden, bei der Zeugung "Geschlechtslotterie" zu spielen, nur aufgrund dessen, dass ansonsten in zwanzig bis dreissig Jahren manche Männer keine Ehefrau abbekommen? Sie produzieren doch ihr Kind nicht für einen Heiratsmarkt.
Übrigens ist ja problemlos auch folgendes Szenario denkbar: In einer Gesellschaft, in der es viele Leute gibt, die aus irgendwelchen Traditionsgründen unbedingt einen Sohn haben wollen, könnten aufgeschlossene und gebildete werdende Eltern so rum kalkulieren: "Frauen haben ein längeres, gesünderes Leben. Frauen werden aufgrund des weiblichen Unterangebots auf dem Heiratsmarkt stärker nachgefragt als Männer, können sich also aus einer größeren Bewerberschar den besten rauspicken. Im Sinne des Glück unseres Kindes werden wir also eine Tochter bekommen."
Auch ohne die Heiratsmarktthematik würde ich jedenfalls, wenn ich ein Kind zeugen wollte, allein schon aufgrund der höheren Lebenserwartung von Frauen lieber eine Tochter als einen Sohn zeugen.

Veröffentlicht von: @johannes22

Es gibt noch andere Probleme, wird in dem Film gattaca geschildert , das Hauptproblem ist natürlich das ein versprechen verkauft wird das nicht gehalten werden kann, die meisten Behinderungen sind eben NICHT genetisch bedingt sondern Störungen in der Schwangerschaft, Unfall und Infektionskrankheiten.

Das war aber nicht das Argument von Suzanne, auf deren Posting ich ja reagierte. Was das Versprechen, das nicht gehalten werden kann, angeht, denke ich übrigens, dass dies eine bloße Frage der technologischen Avanciertheit ist. Die unhaltbaren Versprechen von heute sind die Selbstverständlichkeiten von Übermorgen.

Und so sehr ich "Gattaca" auch mochte (Uma Thurman war damals meine "Traumfrau"... 😀 ) - dessen Grundidee basiert allein darauf, dass die Wissenschaft eben noch nicht weit genug ist. Ansonsten ist da halt viel Proleten-Pathos ("echte" Helden werden auf dem Rücksitz eines Autos gezeugt) mit im Spiel und das übliche US-Märchen vom Underdog, der das ganze System austrickst. Spannend, mit gleißender Hauptdarstellering - aber wenig realistisch.

Der springende Punkt ist doch: Entweder, gentechnologische Optimierung funktioniert, oder sie funktioniert nicht. Falls sie nicht funktioniert - warum sollte man sich dann drum scheren? Falls sie aber funktioniert - warum sollte man sie dann verbieten? Gattacca scheiterte daran, das man sich die "moralische Botschaft" zu einfach machte und bei "1984" abschrieb: dann bekommt man, da ja die Kassenerfolgszutaten drin sind, zwar ein paar Millionen am Ende raus - aber inhaltlich wird das Thema verfehlt, bzw. nur als Dummie eingesetzt: eine alte Geschichte (zielbewußter, nie aufgebender Underdog triumphiert über das böse Überwacher-Regime) wird mit einem angeblich zeitgemäßen Aufhänger neu inszeniert. Dystopie-Konfektionsware. Dabei wird das eigene Setting nicht ernstgenommen: die "genoptimierten" Bürger sind überhaupt nicht genoptimiert, sonst würde der Underdog da ja überhaupt keine Chance haben.

jack-black antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @jack-black

Der "soziale Friede" wird aber ja durch die Abtreibungen von Mädchen, bzw. später die Unsitte des Verbrennens von Mädchen/Frauen gestört.

Ok einverstanden. Es würde halt das geschlechtsungleichgewicht mit anderen Mitteln erreicht. Oder übrigens auch verboten soweit ich weiß hat man in China das Geschlechtsscreening verboten , was natürlich dazu führt das die geborenen Mädchen einen "Unfall" haben schon klar.

Veröffentlicht von: @jack-black

Und darüber hinaus verbietet es die Menschenwürde, Menschen als Mittel zum Zweck zu gebrauchen: Warum sollten werdende Eltern dazu gezwungen werden, bei der Zeugung "Geschlechtslotterie" zu spielen, nur aufgrund dessen, dass ansonsten in zwanzig bis dreissig Jahren manche Männer keine Ehefrau abbekommen? Sie produzieren doch ihr Kind nicht für einen Heiratsmarkt.

Das Argument geht nach hinten los weil natürlich die menschen die Jungen haben wollen ihr Kind als Mittel zum Zweck betrachten (aus erbrechtlichen Gründen, in Indien um die Alimente zu sparen)

Das ist ein interessantes moralisches Dillemma weil Kinder immer irgendwie (leider) als Mittel zu irgendeinem Zweck gezeugt werden.

Man braucht halt in Zeiten von Verhütungsmitteln einen Grund. Und der KANN gar nicht altruistisch sein.

Veröffentlicht von: @jack-black

Das war aber nicht das Argument von Suzanne, auf deren Posting ich ja reagierte. Was das Versprechen, das nicht gehalten werden kann, angeht, denke ich übrigens, dass dies eine bloße Frage der technologischen Avanciertheit ist. Die unhaltbaren Versprechen von heute sind die Selbstverständlichkeiten von Übermorgen.

Wer von einer Welt ohne Behinderte träumt muss den Straßenverkehr beenden oder unfallsicher machen und die ganzen Infektionskrankheiten in den Griff bekommen (zumindest beim zweiten machen wir ja Fortschritte). Genetisch ist da nicht allzuviel verursacht.

Veröffentlicht von: @jack-black

Der springende Punkt ist doch: Entweder, gentechnologische Optimierung funktioniert, oder sie funktioniert nicht. Falls sie nicht funktioniert - warum sollte man sich dann drum scheren?

Weil Menschen zu optimieren eine bekloppte Idee ist? Weil in einer Welt optimiert (schöner) Menschen die Hässlichen Menschen rausfallen? Weil wie ich als Lehrer feststelle dicken und unsportliche Kinder beim ganzen hübsche Leute auf Youtube angucken inzwischen echte psychische Probleme entwickeln?

Dieser Optimierungswahn fängt ja inzwischen schon im Kindergarten an due schlägst ja vor das schon in die Gebärmutter vorzuverlegen. Und beim Optimieren gibt es immer eine ganze Menge Verlierer.

johannes22 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15303
Veröffentlicht von: @suzanne62

Wenn das machbar ist, ist das doch gut - ich sehe da nun wirklich kein Problem. Gerade wer selbst an einer genetisch bedingten Krankheit oder Behinderung leidet, wird sie seinen Kindern doch ersparen wollen, auch wenn er selbst gelernt hat, damit zurechtzukommen.

Tja. Die Frage ist nur, was man denn nun eigentlich als "Krankheit" definiert. Ich schätze mal, da werden die Grenzen ziemlich schnell immer weiter verschoben.

Veröffentlicht von: @suzanne62

Heilung von Krankheiten ist eines, Optimierung etwas völlig anderes.
Das eine ist das "Kerngeschäft" der Medizin, das andere nicht.

Ich fürchte, das eine ist vom Anderen kaum zu trennen.

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3348
Veröffentlicht von: @suzanne62

Heilung von Krankheiten ist eines, Optimierung etwas völlig anderes.
Das eine ist das "Kerngeschäft" der Medizin, das andere nicht.

Nur wo beginnt das eine und endet das andere.

Bei einer Sichelzellenanämie ist der Fall klar, aber wie sieht es aus wenn jemand eine genetische Prädisposition zum Übergewicht hat, sollte das auch Korrigiert werden?

arcangel antworten


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