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Ethischer Umgang mit Genetik

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 15610

Das Thema kam jetzt in einem anderen Thread auf, und ich würde das hier gerne auslagern.

"Genetik" ist ja generell ein Reizthema. Denkt man da an zukünftige Möglichkeiten, dann ist man schnell beim gezüchteten "Übermenschen", perfekt zugeschnittenen Wunschkindern und allem möglichen, was einen fatal an die Nazis erinnert.
Auf der anderen Seite stehen medizinischer Fortschritt und neue Behandlungsmöglichkeiten. Und irgendwie weiss keiner so recht, wo man da jetzt die Grenzen ziehen soll.

Hinzu kommt ein weiterer Einwand: Mit zunehmenden medizinischen Möglichkeiten überleben immer mehr Menschen. Wird eine Erbkrankheit etwa medikamentös behandelt, dann wird dieser Mensch erwachsen und lebt ein ganz normales Leben - was ja auch so sein soll. Nur... er wird dann natürlich auch seine Erbkrankheit weitergeben, und so werden entsprechende Schäden in der Gesellschaft zunehmen. Und das wird irgendwann zum Problem werden... es sei denn, man behandelt direkt an den Genen und lässt die Krankheit gar nicht erst entstehen.

Das Thema wird also so oder so kommen - oder besser gesagt: Es wird mehr und mehr in den Fokus rücken, denn die Möglichkeiten sind ja längst da.

Und da braucht es natürlich ethische Maßstäbe, an denen wir uns orientieren können. Was sollte erlaubt sein, was nicht?
Wenn Erbkrankheiten schon an den Chromosomen behandelt werden kann - führt nicht allein das schon zur Vorstellung einer "Elite", deren Kinder behandelt wurden, und den armen Leuten mit "erbkranken" Kindern, die sich so eine Behandlung nicht leisten konnten?
Von "maßgeschneiderten" Kindern einmal ganz zu schweigen...

Sollte hier die Politik für eine Gleichbehandlung sorgen?
Sollten die Möglichkeiten besser ungenutzt bleiben - und mit welcher Begründung?

Es ist schwer, das Thema nicht emotional zu betrachten. Aber das ist auch kein Grund, die Sache zu verdrängen - ich fürchte, das sind Fragen, auf die die Gesellschaft jetzt schon Antworten finden muss. Bevor kommerzielle Unternehmen die Sache in die Hand nehmen und Tatsachen schaffen...

Antwort
42 Antworten
Jack-Black
Beiträge : 2107

Spucken gegen den Sturm
Die ethische Frage, die sich mir in dem Zusammenhang stellt: Welches Recht haben wir, darüber zu befinden, wie kommende Generationen glücklich zu sein haben?

Abzusehen ist folgende Entwicklung: gentechnologische Eingriffe, die Mensche nutzen, die menschliche Wünsche erfüllen, werden mit voranschreitender technologischer Entwicklung immer mächtiger werden. Sie werden entwickelt werden, da Menschen für sich und ihre Kinder solche Möglichkeiten wollen und entsprechend dafür Geld ausgeben.

Daher wird sich die menschliche Population auf längere Sicht hin zweiteilen: In diejenigen, die sich die Möglichkeiten gentechnologischer Eingriffe leisten können und leisten werden - und diejenigen, die das nicht können. An der Scheide zwischen Arm und Reich werden sich zwei unterschiedlichen Menschen-Sorten entwickeln.
Auf der einen Seite werden diejenigen sein, die sich keine Genoptimierung leisten können, sondern auf die gute analog-chaotische Art ihrem blinden Geschlechtstrieb folgend vögeln und dann mal schauen, was dabei rauskommt.

Auf der anderen Seite werden jene sein, die sich gentechnologische Eingriffe leisten können: Menschen, die aufgrund des sontigen technologischen Fortschritts bald mit 100 bis 150 Lebensjahren kalkulieren können, Menschen, denen klar ist, dass aus Ressourcengründen mehr als zwei Nachkommen pro Frau keine gute Idee sind und die dann aber den zwei Kindern pro Frau, die sie sich selbst erlauben, das Beste mit auf den Lebensweg geben wollen, was für Geld zu haben ist.
Die Lebenswelten dieser zwei Gruppen werden sich immer weiter voneinander entfernen: Die Sorgen und Nöte, die Pläne und Hoffnungen der jeweils anderen Gruppe werden sie immer weniger verstehen können. Während die "reichen Menschen" ihr Leben immer weiter verlängern können und so gänzlich anders für ihr Leben planen werden (wer mit 25 Kinder bekommt, die dann weitere 25 Jahre später aus dem Haus sind, hat dann im Moment vielleicht noch weitere 30 - 35 Jahre zu planen. Was, wenn demnächst aus diesen 30 Jahren 100 Jahre werden?).
Die reichen Menschen werden sich - da genoptimiert und längerlebig - immer schneller "fortentwickeln", sie werden die Avantgarde der Spezies Mensch bilden, während die armen Menschen weiter so machen werden wie bisher - vorausgesetzt, dies ist ihnen in einer sich schnell verändernden Umwelt auch noch möglich.

Die Klassen-Unterschiede, die es immer schon gegeben hat, werden sich zukünftig auch körperlich manifestieren: Die einen müssen sich mit dem Körper, der ihnen per natürlichger Geburt vermacht wurde, (und diejenigen, deren Eltern besonders häßlich, klein, schwach, kränklich waren und ihnen diese Eigenschaften vererbten, müssen halt zusehen, wie sie damit zurecht kommen) arrangieren. Mehr gibt's für sie nicht.

Die anderen werden mit optimiertem Genom starten und qua Zugehörigkeit zur reichen Schicht während ihres Lebens ihren Körper weiter optimieren, oder seinen Altersverfall verlangsamen/aufhalten können.

Die Gentechnologie ist ein neuer, wesentlicher Umweltfaktor: durch ihn entsteht eine neue "Nische", und diejenigen, die sich in dieser Nische ansiedeln (und den dort herrschenden Konditionen anpassen), werden sich anders entwickeltn als jene, die dort keine Wurzeln zu schlagen vermögen.

Falls nicht die informationstechnologischen Fortschritte diese Entwicklung überholen werden, und die Zukunft für alle Menschen (ähnlichen Wesen) ohnehin im Cyberspace liegt, sehe ich keine "Wahlmöglichkeit" hinsichtlich dieser Tendenz, über die sich basierend auf ethischen Fragestellungen sinnvoll diskutieren ließe: Es wird so kommen.
Hier nach "Regeln" zu rufen, die darüber hinausgehen, keine Menschen für genmedizinische Versuche zu verwenden, ist wie das Spucken wider den Sturm: die Entwicklung wird kommen, die Frage lautet nur noch: wo zuerst? Dort wird man den Startvorteil haben. Was geschieht, wenn man technologische Entwicklungen verschläft oder aus ideologischen Gründen ignoriert, wissen wir aus der Geschichte: Dann übernehmen eben andere, für das Neue aufgeschlossenere Gesellschaften.
Selbstverständlich werden Gesellschaften, die leistungsfähigere, intelligentere, gesündere und langlebigere Mitglieder haben, rasch jene Gesellschaften, denen solche Mitglieder fehlen, dominieren.
Ironischerweise werden in solchen Anvantgarde-Gesellschaften auch diejenigen ein bessere Leben haben, die krank und nicht genetisch optimiert sind: da die Gesellschaft an sich so leistungsstarkt ist, kann sie sich auch besser um ihre schwächsten Mitglieder kümmern. Beweis: jeder möge sich fragen, ob er lieber hier in Deutschland ein an Trisomie erkranktes Kind grozzuziehen hätte oder lieber in Somalia...

jack-black antworten
6 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15610
Veröffentlicht von: @jack-black

Die ethische Frage, die sich mir in dem Zusammenhang stellt: Welches Recht haben wir, darüber zu befinden, wie kommende Generationen glücklich zu sein haben?

Na, das gleiche Recht wie auch die Leute zu Cäsars oder Martin Luthers Zeiten darüber entschieden haben, was für uns heute die richtige Lebensweise ist...

Man kann auch sagen: Zu allen Zeiten wurden Weichen für die Zukunft gestellt... aber wo der Zug am Ende dann landet, das konnte trotzdem niemand sagen.

Den Ausblick auf die Zukunft habe ich hier ja auch nur deshalb mit hinzugenommen um zu zeigen, dass hinter dem Thema Genetik möglicherweise noch mehr steckt als ein paar Experimente im Labor von Dr. Frankenstein.

Veröffentlicht von: @jack-black

Abzusehen ist folgende Entwicklung: gentechnologische Eingriffe, die Mensche nutzen, die menschliche Wünsche erfüllen, werden mit voranschreitender technologischer Entwicklung immer mächtiger werden.

Mit Sicherheit. Ähnlich wie das Thema Überwachung, das auch diverse Gelüste weckt und deshalb auch immer weiter vorangetrieben wird, indem nach und nach die Grenzen immer weiter verschoben werden bis die Leute sich komplett daran gewöhnt haben.

Interessant fände ich allerdings die Frage WELCHE Wünsche denn mit der Gentochnologie überhaupt geweckt werden könnten?
Ist es denn tatsächlich ein Wunsch von uns, Menschen zu erschaffen, die uns selbst in jeder Hinsicht "überlegen" sind? Wollen wir wirklich die Straßen mit "Supermenschen" fluten, neben denen wir selbst ganz klein, dumm und hässlich wirken?

Und: Kann ich ein gentechnisch verbessertes Super-Kind überhaupt noch als mein eigenes Kind betrachten, wenn es mit meiner eigenen Genetik im Grunde gar nicht mehr viel zu tun hat?

Veröffentlicht von: @jack-black

Daher wird sich die menschliche Population auf längere Sicht hin zweiteilen: In diejenigen, die sich die Möglichkeiten gentechnologischer Eingriffe leisten können und leisten werden - und diejenigen, die das nicht können. An der Scheide zwischen Arm und Reich werden sich zwei unterschiedlichen Menschen-Sorten entwickeln.

Nicht, dass das nicht schon längst der Fall wäre. Wir haben auch heute schon Menschen mit guter Ernährung und Bildung... und solche, denen diese Möglichkeiten fehlen.

Veröffentlicht von: @jack-black

Die Gentechnologie ist ein neuer, wesentlicher Umweltfaktor: durch ihn entsteht eine neue "Nische", und diejenigen, die sich in dieser Nische ansiedeln (und den dort herrschenden Konditionen anpassen), werden sich anders entwickeltn als jene, die dort keine Wurzeln zu schlagen vermögen.

Richtig. Allerdings ist es eine trügerische Nische: Wer sich darauf verlässt, seine Gene verändern zu können, der verlässt sich möglicherweise zu sehr auf diese Möglichkeit... und hat dann das Nachsehen, wenn aufgrund einer Krise diese Möglichkeit plötzlich wegfällt.

Veröffentlicht von: @jack-black

Was geschieht, wenn man technologische Entwicklungen verschläft oder aus ideologischen Gründen ignoriert, wissen wir aus der Geschichte: Dann übernehmen eben andere, für das Neue aufgeschlossenere Gesellschaften.

Es geht hier allerdings nicht allein um die Technologie, sondern auch um deren Anwendung: Was ist nützlich, was ist sinnvoll?

Denn wenn eine Elite ihre Kinder "designen" kann, dann wird das wohl dazu führen, dass es auch "Moden" geben wird, wie Menschen idealerweise auszusehen haben... in einem Jahrzehnt sind es dann schlanke schwarzhaarige, im nächsten Jahrzehnt dann kräftige Blonde. Oder grünhaarige Dicke und glatzköpfige Zwerge... ach, ich weiss gar nicht, ob ich mir das wirklich alles vorstellen will... Menschen sind jetzt schon bekloppt, wer weiss was die mit Genetik noch alles anstellen...

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2107
Veröffentlicht von: @lucan-7

Na, das gleiche Recht wie auch die Leute zu Cäsars oder Martin Luthers Zeiten darüber entschieden haben, was für uns heute die richtige Lebensweise ist...

Nur konnten die Leute zu Zeiten Cäsars oder Luthers noch gar nicht entsprechende Entscheidungen treffen, wie sie heute oder doch in absehbarer Zukunft aufgrund der neuen Technologien möglich sind.
Ich hatte die üblichen "man darf Gott/der Natur nicht in's Handwerk pfuschen"-Argumente vor Augen. Wenn wir heute z.B. gesetzlich verbieten, dass Menschen hinsichtlich der Kinder, die sie bekommen wollen, Gentechnik einsetzen - dann betrifft dieses Verbot nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder: Unter Umständen wird die bauchgefühlige Entscheidung, keine "Designerbabies" zuzulassen, dazu führen, dass Kinder eben weniger Lebenschancen bekommen, als es für sie möglich wäre.

Man kann ja mal für sich selbst überlegen, wie sehr es einen stören würde, wäre man als genetisch optimiertes Designer-Kind zur Welt gekommen. Also mich würde das überhaupt nicht stören. Auf jedes von meinen Eltern vererbte Merkmal, das ich (die Ähnlichkeiten lassen sich ja nicht leugnen) mag, gibt's zwei Merkmale, die mich eher stören. Mir ist die Ähnlichkeit zu meinen Eltern auch ehrlich gesagt nicht sonderlich wichtig. Wäre ich ihnen unähnlicher, dafür aber körperlich und geistig in manchen Bereichen von Geburt an besser ausgestattet - das würde mich nicht im geringsten stören, ganz im Gegenteil. Und wenn ich in meinem Bekanntenkreis so herumschaue: da finde ich jede Menge Leute, denen gewiß nichts zu ihrem Lebensglück fehlen würde, wenn sie nicht dieses und jenes wenig vorteilhafte Merkmal von ihren Eltern mit auf den Weg bekommen hätten.

Du schreibst:

Veröffentlicht von: @lucan-7

st es denn tatsächlich ein Wunsch von uns, Menschen zu erschaffen, die uns selbst in jeder Hinsicht "überlegen" sind? Wollen wir wirklich die Straßen mit "Supermenschen" fluten, neben denen wir selbst ganz klein, dumm und hässlich wirken?

Genau auf solche Gedanken bezog sich mein Hinweis. Was ist denn das für ein Argument: "Wir wollen die Straßen nicht mit Menschen "fluten", neben denen wir ganz klein, dumm und häßlich wirken."? Ja wie denn - sollen wir die kommenden Generationen vorsätzlich häßlich, dumm und klein halten, unserem Narzißmus zuliebe, der es nicht verknusen kann, dass da schönere, klügere, gesündere Generationen nachfolgen? Das kann doch Dein Ernst nicht sein und Du probierst hier nur mal aus, oder? Mal ganz abgesehen davon, dass wir dann, wenn diese "Supermenschen" dann die Norm darstellen, eh schon tot oder zumindest gebrechliche Greise sein dürften.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Und: Kann ich ein gentechnisch verbessertes Super-Kind überhaupt noch als mein eigenes Kind betrachten, wenn es mit meiner eigenen Genetik im Grunde gar nicht mehr viel zu tun hat?

Das frage doch einfach mal Adoptiveltern...

Leute, die nur Kinder in die Welt setzen, um eine jüngere Kopie ihrer selbst zu haben, finde ich ja schon schwierig genug, weil das für mich immer ein profilneurotisches Geschmäckle hat. . Wenn man dann auch noch ein Problem damit hat, dass dieses "Super-Kind" verbessert sein könnte, wird's endgültig lächerlich, bzw. traurig. Wünschen sich nicht alle Eltern möglichst tolle Super-Kinder und sind sie nicht in der Regel stolz auf ihre Sprösslinge, wenn die sie übertreffen?

Veröffentlicht von: @lucan-7

Nicht, dass das nicht schon längst der Fall wäre. Wir haben auch heute schon Menschen mit guter Ernährung und Bildung... und solche, denen diese Möglichkeiten fehlen.

Ja, aber die neuen Technologien werden da vermutlich Grenzen zwischen den Menschengruppen etablieren, die schlicht nicht mehr zu überwinden sein dürften in zwei, drei Generationen: weil man sich biologisch auseinanderentwickeln wird. Wie sollte eine Julia im Jahre 2130 sich noch in einen Romeo verlieben können, der einer Familie entstammt, deren durchschnittliche Lebenserwartung bei gerade mal 80 Jahren liegt, während in ihren Kreisen es zum guten Ton gehört, bis zum hundertsiebzigsten vollzeit zu arbeiten? Wie könnte sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren, sich von so jemandem schwängern zu lassen - in dem Wissen, dass der Nachwuchs entsprechend "runtergemendelt" werden dürfte?
Aber da wir hier ja vor ein paar Monaten schon ähnliche Diskussionen führten (und elizamour fehlt mir hier jetzt doch gar sehr!), weiß ich ja, dass dies nicht geschehenn wird: die persönliche Agengensoftware so einer Julia würde zu verhindern wissen, dass sich die beiden je über den Weg laufen. 😉

Veröffentlicht von: @lucan-7

Allerdings ist es eine trügerische Nische: Wer sich darauf verlässt, seine Gene verändern zu können, der verlässt sich möglicherweise zu sehr auf diese Möglichkeit... und hat dann das Nachsehen, wenn aufgrund einer Krise diese Möglichkeit plötzlich wegfällt.

Da fehlt mir jetzt die Phantasie, mir vorzustellen, wie Du das gemeint haben könntest? Wer sollte sich denn darauf verlassen, seine Gene verändern zu können? Sprechen wir jetzt nicht erstmal von dem Szenario, dass vorgeburtlich per Gentechnik die Erbanlagen optimiert werden?
Wer sollte da "das Nachsehen haben", wenn er mit besseren, d.h. natürlich auch: robust-gesünderen Erbanlagen zur Welt kommt?

Veröffentlicht von: @lucan-7

Es geht hier allerdings nicht allein um die Technologie, sondern auch um deren Anwendung: Was ist nützlich, was ist sinnvoll?

Und das war ja mein Punkt: Wer bin ich, das den kommenden Generationen vorzuschreiben? Ich kann ja kaum ganz grob zehn Jahre in die Zukunft schauen, woher sollte ich wissen, was in der Zukunft als "nützlich und sinnvoll" verstanden wird? Höchstens dies: Gesundheit dürfte für die meisten als eine nützliche Sache verstanden werden. Sowie z.B. Intelligenz. All jene Eigenschaften, die in Samenspender-Katalogen für die Kundinnen besonders interessant sind...

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15610
Veröffentlicht von: @jack-black

Nur konnten die Leute zu Zeiten Cäsars oder Luthers noch gar nicht entsprechende Entscheidungen treffen, wie sie heute oder doch in absehbarer Zukunft aufgrund der neuen Technologien möglich sind.

Nein, "bestimmen" konnte da niemand was. Trotzdem wirken viele Entscheidungen natürlich noch nach. Aber wie sie nachwirken... das weiss niemand im voraus.

Wer hätte denn in der Zeit des 2. Weltkrieges schon ahnen können, was daraus alles folgen würde... im Guten wie im Schlechten?

Veröffentlicht von: @jack-black

Man kann ja mal für sich selbst überlegen, wie sehr es einen stören würde, wäre man als genetisch optimiertes Designer-Kind zur Welt gekommen. Also mich würde das überhaupt nicht stören.

Hier und jetzt vermutlich nicht.... aber ich fürchte, du denkst da nicht weit genug.

Dir ist ja sicher auch bekannt, dass unsere menschliche Zufriedenheit weniger darauf basiert, wie es uns tatsächlich selber geht... sondern darauf, wie es uns im Vergleich zu unseren Mitmenschen geht.

Und wenn dir deine Eltern einen IQ von 130 spendiert haben, alle deine Freunde aber einen IQ von 180 in die Wiege gelegt bekamen, dann bist du eben trotzdem der "Dumme".

Vermutlich wird das eh auf eine Art "Rüstungswettlauf" ehrgeiziger Eltern hinauslaufen... und auf ein "genetisches Doping", bei dem sich am Ende auch die Frage stellt, ob das wirklich alles so optimal ist.

Veröffentlicht von: @jack-black

Genau auf solche Gedanken bezog sich mein Hinweis. Was ist denn das für ein Argument: "Wir wollen die Straßen nicht mit Menschen "fluten", neben denen wir ganz klein, dumm und häßlich wirken."? Ja wie denn - sollen wir die kommenden Generationen vorsätzlich häßlich, dumm und klein halten, unserem Narzißmus zuliebe, der es nicht verknusen kann, dass da schönere, klügere, gesündere Generationen nachfolgen?

Genau das... siehe oben 😉

Letztlich spielt es eben auch mit hinein, wie wir uns selbst dabei fühlen. Ich finde es auch merkwürdig, dass man in diesem Zusammenhang wenig sachliche Argumente hört.... man soll halt nicht "den Schöpfer spielen", "ethisch nicht vertretbar", "Grenzüberschreitung"... hm ja.

Aber wo ist das konkrete Argument?

Da scheint mir doch eher die Angst eine Rolle zu spielen, dass Leute wie Donald Trump ihren eigenen Nachwuchs gen-optimieren, und diese Typen dann unseren Kindern haushoch überlegen sind.
Und die genetische Eigenschaft "netter Typ" würde dort ganz sicher nicht eingebaut...

Veröffentlicht von: @jack-black

Das frage doch einfach mal Adoptiveltern...

Leute, die nur Kinder in die Welt setzen, um eine jüngere Kopie ihrer selbst zu haben, finde ich ja schon schwierig genug, weil das für mich immer ein profilneurotisches Geschmäckle hat.

Generell ein schwieriges Thema. Aber elterliche Gefühle für die eigenen Kinder sind ja etwas natürliches. Und auch eine Adoption wird ja meist wohlüberlegt (Und stillt ebenfalls eigene Bedürfnisse, ganz so selbstlos ist letztlich gar nichts...).
Aber ein Kind, von dem man weiss, dass es einem selber später haushoch überlegen sein wird...? Käme dann wohl noch mal auf den einzelnen Fall an...

Veröffentlicht von: @jack-black

Da fehlt mir jetzt die Phantasie, mir vorzustellen, wie Du das gemeint haben könntest? Wer sollte sich denn darauf verlassen, seine Gene verändern zu können? Sprechen wir jetzt nicht erstmal von dem Szenario, dass vorgeburtlich per Gentechnik die Erbanlagen optimiert werden?

Ja, sicher. Ich gebe dir jetzt mal ein Beispiel: "Optimieren" kann man ja immer nun in Bezug auf eine bestimmte Umgebung. In der Zukunft kann das etwa eine hochtechnisierte Welt sein, die Menschen mit großem mathematischem Verstand erfordern. Krankheiten sind in dieser Welt kein großes Problem, Filteranlagen entfernen die meisten Keime, und eine hochentwickelte Pharmazie wird so ziemlich mit allem fertig.

Dann kommt eine Wirtschaftskrise, etliche Firmen gehen pleite - auch solche, die Filteranlagen herstellen und pahrmazeutische Unternehmen. Und plötzlich sind die Menschen, die eben noch völlig "überlegen" waren, ihrer Umgebung hilflos ausgeliefert und ihr Körper überhaupt nicht darauf vorbereitet.

Es muss jetzt auch nicht genau dieses Szenario sein (Das könnte man vielleicht noch vorhersehen...), sondern nur die grundsätzliche Problematik veranschaulichen.

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2107
Veröffentlicht von: @lucan-7

Nein, "bestimmen" konnte da niemand was. Trotzdem wirken viele Entscheidungen natürlich noch nach. Aber wie sie nachwirken... das weiss niemand im voraus.

Okay. Das ist trivial. Darüber, dass niemand eine Glaskugel hat, um die Zukunft zu sehen, sind wir uns ja ebenso einig wie darüber, dass Entscheidungen von heute Konsequenzen in der Zukunft haben. Aber ich hatte Dein Diskussionsanliegen so verstanden, dass wir hier uns darüber austauschen, welche Regeln hinsichtlich der kommenden technologischen Fortschritte aufgestellt werden sollten. Und da bin ich eben der Meinung, dass es nicht unsere heutige Aufgabe ist, die Ethik kommender Generationen zu bestimmen in dem Sinne, dass wir ihnen Möglichkeiten vorenthalten. So, als seien wir weiser oder intelligenter als jene. Nehmen wir mal das platte Beispiel mit dem Designerbaby, dessen Haar- und Augenfarbe von den Eltern festgelegt wird. Wo ist da das Problem? Klar: denkbar wäre ein Szenario, dass in der Zukunft Braunäugige ausgegrenzt werden, während Blau- und Grünäugige die ganzen tollen Jobs in den (weiblich dominierten... 😀 ) Vorstandsetagen bekommen. Aber sollten wir solche Szenarios und den Umgang damit nicht denn doch denen überlassen, für die sie eintreffen (oder, wohl doch wahrscheinlicher: eben nicht)?

Veröffentlicht von: @lucan-7

Dir ist ja sicher auch bekannt, dass unsere menschliche Zufriedenheit weniger darauf basiert, wie es uns tatsächlich selber geht... sondern darauf, wie es uns im Vergleich zu unseren Mitmenschen geht.

Ja. Und? Aus dieser problematischen Veranlagung bietet die Option, alle Leute möglichst gleich mißlungen (in genetischer Hinsicht) zu machen, doch keinen Ausweg?

Veröffentlicht von: @lucan-7

Und wenn dir deine Eltern einen IQ von 130 spendiert haben, alle deine Freunde aber einen IQ von 180 in die Wiege gelegt bekamen, dann bist du eben trotzdem der "Dumme".

Ja. Und? Der Durchschnitt der Bevölkerung ist dann dennoch schlauer als heute. Warum sollte das ein Nachteil sein?

Veröffentlicht von: @lucan-7

Vermutlich wird das eh auf eine Art "Rüstungswettlauf" ehrgeiziger Eltern hinauslaufen...

Dann ist also der Wert, den heutige Eltern darauf legen, ihre Kinder gesund zu ernähren, sie zu sportlicher Betätigung anzuregen und viel Geld und Energie in ihre Bildung zu stecken, auch eine Art "Rüstungswettlauf". So what?!
Solange competetive Aspekte unsere Gesellschaft prägen (und voranbringen), solange werden die Besten, die Leistungsfähigsten sich durchsetzen. War immer so und wird solange so bleiben, bis...

Und da fängt dann das Interessante erst an. Ich komme darauf, weil Du den IQ als Beispielt gebracht hattest: Ausgerechnet die Fähigkeit des Menschen, die angesichts des Herandämmerns der KI womöglich in nicht mehr allzu ferner Zukunft eine der verzichtbarsten Eigenschaften werden könnte. Gerade höre ich bei der Arbeit nebenbei das neueste Hörbuch von Yuval Noah Hrarai: "21Lektionen für das 21. Jahrhundert" (bin erst im viertenKapitel, aber eins sei schon kritisch angemerkt: viele Punkte, die er anspricht, wurden auch schon in seinem letzten Buch "Homo deus" angesprochen, mir kommt so manches etwas "aufgewärmt" vor), und da geht es gerade darum, wie unsere Gesellschaften mit ihrer Konzentration auf das "Schaffen neuer Jobs" mit der Herausforderung durch das maschinelle Lernen umgehen (bzw. diese immer noch viel zu sehr ignorieren). Wenn ich das so höre, was er da sagt, dann neige ich dazu, meine Wertschätzung für Intelligenz neu zu gewichten: die Fähigkeit von KIs, Informationen zielgerichtet zu verarbeiten, um anstehende Probleme zu lösen, dürfte ausgerechnet diese menschliche Fähigkeit, die uns so über alle anderen Lebewesen hinaushob, marginalisieren. Intelligenz dürfte in der Zukunft kein so entscheidendes Kriterium im Konkurrenzkampf zwischen den Menschen mehr sein - da ihre Agentensoftwares ohnehin schon in der Standardversion die Intelligenz jedes lebenden Menschen weit übertreffen. Denkbar also, dass zukünftige Menschen so von ihren Eltern geplant (designed) werden, dass ihre rationale Intelligenz sich in einem Bereich bewegt, der intellektuelle Genüsse zuläßt (z.B. die Freude, die man empfindet, wenn man ein Kreuzworträtsel löst, einen eleganten Schachzug analysiert oder ein Fugenthema von J.S. Bach in einem Saxophonsolo von Charlie Parker entdeckt), aber nicht zu lasten des emotionalen Empfindungsvermögens ausgebaut wird. Unter der Voraussetzung, dass auch unsere Hirnkapazitäten endlich sind, wird es womöglich eine üblichere Entscheidung von Eltern werden, ihren Kindern mehr Nervenbahnen in den erogenen Bereichen zu spendieren, auf dass sie intensiver und nuancierter sexuelle Lust empfinden können - oder in Zunge, Nase und Rachenraum, sodaß sie mehr Genuß beim Kaffee - und Orangensafttrinken erleben (dazu müssen die Sinnesstimuli ja immer noch im Gehirn verarbeitet werden).
Die Überlegung dabei: So, wie der technologische Fortschritt in der ersten Phase der industriellen Revolution uns Menschen der Notwendigkeit, bestimmte harte körperliche Arbeiten zu verrichten, enthob, könnte der technologische Fortschritt in der IT zukünftigen Generationen der Notwendigkeit, intellektuelle Leistungen zu erbringen, entheben: sogenannte geistige Arbeit könnte erfolgreicher als von jedem Mensch von Computern übernommen werden, sodaß intellektuelle Leistungen durch Menschen keinerlei kompetetiven Wert mehr hätten.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Aber ein Kind, von dem man weiss, dass es einem selber später haushoch überlegen sein wird...? Käme dann wohl noch mal auf den einzelnen Fall an...

Ja. Das werden konkrete Eltern, die, konkret mit viel "Cash inne Täsch" beim Kinderdesigner-Ingenieur vorstellig werden, dann selbst entscheiden.
Ich (der ich neben vielen anderen Gründen für meine Kinderlosigkeit auch immer wieder mal anführe dass mir meine persönlichen Gene nicht sonderlich tauglich scheinen, den zukünftigen Genpool der Menschheit zu verbessern) jedenfalls würde, wenn ich mir so ein Kind "maßschneidern" könnte, "nur das Beste" auswählen. Allein schon, um für spätere Auseinandersetzungen mit dem Junior gerüstet zu sein. Wer möchte schon sich der Anklage eines rechtschaffen empörten Pubertierenden aussetzen, aus Pfennigfuchserei den Punkt [] bekannte erbliche Veranlagungen für Hautallergien und Heuschnupfen nicht mit angekreuzt zu haben?

Veröffentlicht von: @lucan-7

Ich gebe dir jetzt mal ein Beispiel: "Optimieren" kann man ja immer nun in Bezug auf eine bestimmte Umgebung.

Naja, da würde ich schon widersprechen: Es gibt Schlüssel-Fähigkeiten, die bekannt sein dürften: Beispiele: die Fähigkeit, auch aus rein pflanzlicher Nahrung alle zum Leben benötigten Aminosäuren herstellen zu können, würde nicht schaden, aber die Flexibilität hinsichtlich zukünftiger Nahrungsmittelmarkt-Lagen erhöhen.
Ein optimiertes, aber auch seltener zu Überreaktionen neigendes Immunsystem wäre auch in so ziemlich allen pessimistsichen Zukunftsszenarien brauchbar.
Besser funktionierende Sinne (Ohren; Nase, Augen) dürften auch nicht stören...
Dein Beispiel führt eigentlich an der Grundfrage vorbei: Das Problem, das Du in ihm skizzierst, entsteht nicht dadurch, dass jemand gentechnisch optimiert wurde - sondern dadurch, dass die Optimierung nicht auch andere Bereiche betraf, die zukünftig wichtiger werden. Wenn in dieser dystopischen Welt, in der die Pharma-Unternehmen einfach alle wegfallen und somit dem mathematisch optimierten, aber eben immunologisch nicht weiter optimierten Menschen dämmert: "Hätten mal meine Eltern mehr in meine Atemwegsregenerationsfähigkeiten investiert, statt in meine mathematische Avanciertheit!"
Es sei denn - das mir vorzustellen fehlt jedoch mal wieder die Phantasie - die mathematische Exeptionalität geht notwendig einher mit einem geschwächten Immunsystem...
Das perfekte Designerbaby kann selbstverständlich nicht nur perfekt rechnen und Pi bis auf die fünfhunderts Nachkommastelle aufsagen - sondern seine Nasenschleimhäute sind auch Wunderwerke der Gentechnologie, die sämtlichen bekannten Schadstooffe und noch drei mehr aus der Luft zu filtern vermögen. Und er ist auch ohne Sonnenlicht auf der Haut dazu fähig, bestimmte Vitamine, für deren Aufnahme unsere Großelterngeneration noch unter Lebertran-Abfüllung leiden mußte, im eigenen Körper zu bilden: Kurz: es ist fähig, bei Bedarf für ein paar Jahrzehnte im Vault 13 auszuharren, ohne zum Ghul zu mutieren, um dann als Auserwählter auf die Suche nach einem G.E.E.K. geschickt zu werden ... 😉

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15610

Jetzt auch noch KI... dann haben wir ja bald alle Zutaten aus dem großen Dystopie-Baukasten beisammen 😉

Was mir auch noch einmal verdeutlicht, dass mein Eingangsbeitrag viel zu hoch gegriffen war... um sinnvoll diskutieren zu können sollte man das besser in thematische Häppchen aufteilen, auf die man innerhalb eines Postings auch halbwegs sinnvoll eingehen kann (Nicht, dass du dich hier einschränken liessest was die Länge der Postings betrifft...).

Veröffentlicht von: @jack-black

Ja. Und? Aus dieser problematischen Veranlagung bietet die Option, alle Leute möglichst gleich mißlungen (in genetischer Hinsicht) zu machen, doch keinen Ausweg?

Tja. Oder man löscht mit der Optimierung der Gene besser gleich auch noch diese Veranlagung aus... statt auf gutes Aussehen und hohe Intelligenz könnte man ja auch einfach ein einfach zu stimulierendes Glücksempfinden einbauen (Was du ja auch schon angemerkt hast).

Dann sind die Leute vielleicht arm, doof und hässlich... aber so zufrieden wie keine Generation vor ihnen 😊

Veröffentlicht von: @jack-black

Dann ist also der Wert, den heutige Eltern darauf legen, ihre Kinder gesund zu ernähren, sie zu sportlicher Betätigung anzuregen und viel Geld und Energie in ihre Bildung zu stecken, auch eine Art "Rüstungswettlauf". So what?!

Ja, das ist es natürlich. Aber er wird halt durch natürliche Barrieren gebremst. Ein "unbegrenzter" Rüstungswettlauf ist in seinen Konsequenzen kaum abzusehen.

Veröffentlicht von: @jack-black

Es gibt Schlüssel-Fähigkeiten, die bekannt sein dürften: Beispiele: die Fähigkeit, auch aus rein pflanzlicher Nahrung alle zum Leben benötigten Aminosäuren herstellen zu können, würde nicht schaden, aber die Flexibilität hinsichtlich zukünftiger Nahrungsmittelmarkt-Lagen erhöhen.

Oder man macht gerade das Gegenteil: Lebenslängliche Abhängigkeit von einem bestimmten Medikament eben jenes Konzerns, der auch die Anpassung der Gene vornimmt... hat eben alles seinen Preis 😉

Veröffentlicht von: @jack-black

die Fähigkeit von KIs, Informationen zielgerichtet zu verarbeiten, um anstehende Probleme zu lösen, dürfte ausgerechnet diese menschliche Fähigkeit, die uns so über alle anderen Lebewesen hinaushob, marginalisieren. Intelligenz dürfte in der Zukunft kein so entscheidendes Kriterium im Konkurrenzkampf zwischen den Menschen mehr sein - da ihre Agentensoftwares ohnehin schon in der Standardversion die Intelligenz jedes lebenden Menschen weit übertreffen.

Hm ja... aber irgendwer muss es ja trotzdem noch verstehen.

KI wird voraussichtlich, so wie jetzt auch schon, in einer sparsamen Gebrauchsversion für den Alltag erhältlich sein... und in einer sehr viel größeren Dimension nur ausgewählten Firmen, Regierungen und Geheimdiensten.
Die eigentliche Frage, die bezüglich KI gestellt werden muss lautet ja: Wer verfügt eigentlich darüber? Letztlich kann man derartige Technik, je nach Anwendung, als ultimative Waffe begreifen. Deren Einsatz von der Welt möglicherweise noch nicht einmal bemerkt wird.

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2107
Veröffentlicht von: @lucan-7

Tja. Oder man löscht mit der Optimierung der Gene besser gleich auch noch diese Veranlagung aus... statt auf gutes Aussehen und hohe Intelligenz könnte man ja auch einfach ein einfach zu stimulierendes Glücksempfinden einbauen (Was du ja auch schon angemerkt hast).

Dazu hatte Harari (vorher ward ich des Tippfehlerbegehens schuldig...) schon früher einen Blick in die Zukunft riskiert: Wenn demnächst das eigentlich Wesentliche des Menschseins darin gesehen wird, Glück zu empfinden (alles andere können Maschinen besser) - was spricht dann dagegen, dass ihre Möglichkeiten wahrhaft ausschöpfende Menschen ständig unter Drogeneinfluß stehen?

Veröffentlicht von: @lucan-7

Dann sind die Leute vielleicht arm, doof und hässlich... aber so zufrieden wie keine Generation vor ihnen 😊

Da muß ich an eine Bemerkung Nietzsches denken, der mal sinngemäß sagte: "Glück? Ist was für die Kühe auf der Wiese." 😀

Veröffentlicht von: @lucan-7

Ja, das ist es natürlich. Aber er wird halt durch natürliche Barrieren gebremst. Ein "unbegrenzter" Rüstungswettlauf ist in seinen Konsequenzen kaum abzusehen.

Ja. Eben ein echtes, spannendes Abenteuer. 😊

Veröffentlicht von: @lucan-7

Oder man macht gerade das Gegenteil: Lebenslängliche Abhängigkeit von einem bestimmten Medikament eben jenes Konzerns, der auch die Anpassung der Gene vornimmt... hat eben alles seinen Preis 😉

Das sollte man der Kundschaft überlassen. Auch hier wieder: was habe ich anderen vorzuschreiben, wie sie die Risiken und Chancen ihres eigenenLebens einschätzen und/oder priorisieren? Aber solange die üblichen Marktgesetze noch gelten, wird eine Genoptimierung, die nicht auf zukünftige Medikamentengaben angewiesen sein läßt, sich am Markt gegen die Konkurrenz auf Dauer durchsetzen...

Veröffentlicht von: @lucan-7

Hm ja... aber irgendwer muss es ja trotzdem noch verstehen.

Ja. Die Prozessoren, bzw. Softwarealgorithmen.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Die eigentliche Frage, die bezüglich KI gestellt werden muss lautet ja: Wer verfügt eigentlich darüber?

Das sind alles Fragen für diesseits der technologischen Singularität, also Fragen, die sich in fünfzig bis hundertfünfzig Jahren erübrigen dürften.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Letztlich kann man derartige Technik, je nach Anwendung, als ultimative Waffe begreifen. Deren Einsatz von der Welt möglicherweise noch nicht einmal bemerkt wird.

Also nach meinem Verständnis dienen Waffen der Zerstörung. Wenn Zerstörung nicht "bemerkt" wird, ist sie nicht sonderlich schlimm.

Was Du vermutlich eher meinst, ist, dass KI-Technologien ultimative Werkzeuge sind, die, wie alle Technologien auch zwecks Herrschaftsgewinnung/Herrschaftsabsicherung usw. eingesetzt werden können.

Das will ich nicht bestreiten. Aber da der Siegeszug der KI allerhöchstens etwas verzögert, nicht aber verhindert werden kann, wäre es m.A. n. sinnvoller, deren Nutzung breiten Bevölkerungskreisen zu ermöglichen (ebenso wie die Nutzung genmedizinischerTechnologien). Hierin sehe ich derzeit eine Aufgabe strategischen Polit-Handelns: sicherzustellen, dass großen Bevölkerungskreisen der Benefit durch solche Fortschritte zuteil wird. Da regt sich dann wieder der kleine Sozialist in mir. 😉

Kleines Beispiel: noch nie war es so einfach, an gut recherchierte Informationen zu gelangen. Wenn man es sich denn leisten kann. Eine Informationsquelle, die ich bis vor ein, zwei Jahren exzessiv nutzte, war SPIEGEL-online. Seit dort immer mehr Artikel hinter der Paywall verschwinden, wird diese Quelle für mich, der ich mir nicht haufenweise Abonnements leisten kann, immer unergiebiger. Und das ist ja erst der Anfang der Kommerzialisierung des Internets.
In der Zukunft werden immer stärker Softwareagenten auch die Recherchearbeit von Journalisten übernehmen (noch dürfen sie ihnen lediglich als tumbe Sklaven-Programme dienen) - wäre es nicht spätestens dann an der Zeit zu sagen: jeder Bürger soll freien Zugang zu Informationen haben, ohne vor verschlossenen Pay-Doors zu stehen?!
Wie ließe sich das organisieren, ohne dass die entsprechenden Conten-Anbieter die Lust am Liefern verlieren?

Wäre es nicht z.B. eine der Aufgaben zukünftiger Regierungen, die Bürger mit Sofwareagenten auszustatten, die verhindern, dass sie (die Bürger) durch mediale Fake-News, Hassrede und Hetze in die Irre gelenkt werden? Wäre es nicht Aufgabe des Staates, entsprechende "Staatstrojaner" zu entwickeln?
Auf bestimmten Websiten surfe ich nur per VPN (bei Opera kostenfrei enthalten), damit nicht jeder Hans und Franz mein Surfverhalten mitprotokollieren kann. Leider kommt man dadurch an manche Inhalte gar nicht oder nur sehr schwer heran. Um dystopische Verhältnisse vermeiden zu können, sollten die entsprechenden Ermächtigungsmöglichkeiten den Bürgern zur (freien) Verfügung gestellt werden.

So, jetzt beginnt mein Verdauungsschnaps zu wirken, mein Kopp wird ein wenig döselig, daher verschone ich Dich mit der zweiten Antwortversuchs-Hälfte. 😊

Grüße vom
Jack

jack-black antworten


Arcangel
Beiträge : 3413

Auslegeordnung
Vorneweg ich nehme an du meinst Gentechnik und nicht Genetik.

Gentechnik ist ein weites Feld, angefangen von der natürlich auftretenden Muttation in einem wilden Self den der Mensch dann zum Brockoli gezüchtet hat.

Bis zum künstlichen einbau von Quallen Genen in Kartoffeln, sogenante Transgenetik.

Fangen wir mal bei deinem Beispiel an, da hat ein Embrio ein defektes Gen das zu einer Erbrkankheit führt, nun wird diesem Embrio das Defekte Gen durch ein anderes Gesundes Gen ersetzt. Hier wird nichts am Menschen verändert, sondern ein menschliches Gen wird durch ein anderes menschliches Gen ersetzt.

Ich halte das für durchaus vertretbar, mehr noch ich halte es für eine Pflicht so einen Eingriff durchzuführen.

Geht es aber darum ein Extra Gen in ein Lebewesen einzuführen damit dieses neue Eigenschaften bekommt wird diese Frage schon etwas komplizierter und kommt wahrscheinlich auf die spezifische Situation an.
Ich stehe der Transgenetic durchaus Kritisch gegenüber vorallem wenn es Genus übergreifen ist.

arcangel antworten
5 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15610
Veröffentlicht von: @arcangel

Vorneweg ich nehme an du meinst Gentechnik und nicht Genetik.

Ja und nein... mit der möglichen Entwicklung der Menschheit ging das Thema ja durchaus darüber hinaus, aber im wesentlichen geht es schon um die Technik, klar.

Wobei ich bei der Themeneröffnung besser noch mal nachgedacht und das Thema etwas konkretisiert hätte. Da das Thema in einem anderen thread aufkam, wollte ich das hier auslagern, aber ich denke mit der Einführung von mir ist das einfach ein zu weites Feld.

Veröffentlicht von: @arcangel

Fangen wir mal bei deinem Beispiel an, da hat ein Embrio ein defektes Gen das zu einer Erbrkankheit führt, nun wird diesem Embrio das Defekte Gen durch ein anderes Gesundes Gen ersetzt. Hier wird nichts am Menschen verändert, sondern ein menschliches Gen wird durch ein anderes menschliches Gen ersetzt.

Ich halte das für durchaus vertretbar, mehr noch ich halte es für eine Pflicht so einen Eingriff durchzuführen.

Kann man so sehen... aber vermutlich wird damit dann die Büchse der Pandora geöffnet. Spätestens, wenn zahlungskräftige Kunden Sonderwünsche haben.

lucan-7 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3413
Veröffentlicht von: @lucan-7

Kann man so sehen... aber vermutlich wird damit dann die Büchse der Pandora geöffnet. Spätestens, wenn zahlungskräftige Kunden Sonderwünsche haben.

Na ja da kommt dann die ganze Frage der Machbarkeit auf.

Ein Defektes-Gen durch ein gesundes Gen zu ersetzen ist noch vergleichsweise einfach und man verändert nichts am Menschen. Aber nur schon der Versuch die Haarfarbe zu bestimmen, da wirds sehr schnell sehr kompliziert, denn man muss sich nicht nur mit den Genotyp, sondern auch mit den Phänotyp befassen, und das spielt der Zufall keine unwichtige Rolle.

Aber um es in eine Ethisch allgemeine Rechtssprache zu fassen. Könnte man es so formulieren: "Pathogene Gene dürfen durch gesunde Gene ersetzt werden, Genoptimierung um gewünschte Eigenschaften zu erhalten ist verboten."

Ausserdem was spricht dagegen, falls man in einem Embryo feststellt, dass es irgendwo eine Trisomie gibt, diese zu behandeln.

Stelle ich mir aufwendig vor ein ganzes Chromosom aus dem Zellkern zu löschen.

arcangel antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15610
Veröffentlicht von: @arcangel

Ausserdem was spricht dagegen, falls man in einem Embryo feststellt, dass es irgendwo eine Trisomie gibt, diese zu behandeln.

Einerseits sollte das grundsätzlich machbar sein. Andererseits verstärkt es für Betroffene den "Makel" eines solchen Gendefekts... nach dem Motto: "Warum habt ihr das denn nicht behandeln lassen...?"

Andererseits kann es natürlich kein Argument sein, einen Gendefekt aus lauter Solidarität nicht zu behandeln, obwohl es möglich wäre.

lucan-7 antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 16266
Veröffentlicht von: @arcangel

Fangen wir mal bei deinem Beispiel an, da hat ein Embrio ein defektes Gen das zu einer Erbrkankheit führt, nun wird diesem Embrio das Defekte Gen durch ein anderes Gesundes Gen ersetzt. Hier wird nichts am Menschen verändert, sondern ein menschliches Gen wird durch ein anderes menschliches Gen ersetzt.

Soweit die Theorie.

Wann, wie, wo , in welchem embryonalen Stadium und in wievielen Zellen/Zellkernen soll das deiner Vorstellung nach praktisch stattfinden?
Gibt es dann nur noch Befruchtung im Reagenzglas?

deborah71 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3413

Na ja ich denke es wird in absebarer zukunft keine generelle praxis sein, bereits gezeugte Babies gentechnisch zu verändern. Dafür haben wir noch keine technologie.

Für Eltern aber, die wissen das sie eine Erbkrankheit weitergeben könnten, wäre eine künstliche Befruchtung mit verändertem Genom durchaus möglich, und das in absehbarer zukunft.

arcangel antworten
Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Als ich dein Thema las, dachte ich: "Wenn ich mir was wünschen würde, wäre es was ganz anderes: eine inklusive Gesellschaft". Wenn wir inklusiver wären und behinderte Kinder nicht abtreiben würden oder darüber nachdenken würden, welche Art von Menschen denn erwünscht sind und welches Leben wir als lebenswert empfinden und welches nicht oder wenn wir aus solchen Gedanken wenigstens schließen würden, das wir eine inklusivere Gesellschaft brauchten, dann wäre deine gestellte Frage vielleicht ganz anders.

Dann ginge es vielleicht nur um "wie kann uns genetische Forschung helfen Menschen zu heilen".

Ich bin nicht sicher, dazu ist mir das Thema zu fremd, aber so aus dem Bauch raus würde ich sagen: ich habe die üblichen Bedenken, weil ich es immer schwierig finde vorher zu sagen, was passiert, wenn wir in genetisches Erbgut eingreifen. Deshalb eher nein.
Wenn es "nur" darum ginge Krankheiten zu heilen, vielleicht ein vorsichtiges "Ja, könnte man probieren."
Aber wenn wir dann wieder zu so einer Art Selektion kommen und Behinderung oder Krankheit wird zum gesellschaftlichen Manko, dann bin ich raus und sage nein.

Im Übrigen weiß ich nicht, ob selbst die besten Ziele dann wirklich klappen würden.
Ich war Mitte der 80er auf einer LK Fahrt und da ging es um grüne Gentechnik. Damals dachte man noch man könnte damit den Hunger in der Welt auslöschen. Deshalb fand ich es gut ....Hunger eliminieren ist schließlich wirklich gut.
Jetzt ist es 2021 und die Ergebnisse sind bekannt. Die Menschen hungern immer noch und die einzigen, die wirklich profitieren sind die Konzerne. Ich sehe da keine Vorteile, aber viele (auch ökologische) Nachteile. Also bin ich dagegen.

Bei Pflanzen denke ich, dass wir uns damit zwar selbst ins Knie geschossen haben, es aber einen Versuch Wert war. Hätte ja klappen können mit der Welt-Ernährung....

Bei Menschen finde ich das eher schwierig...will ich da wirklich experimentieren, nur um dann in 40 Jahren zu sagen: "Ach nee, war doch eher schädlich, lassen wir das mal"? Eingriffe ins Erbgut sind ja schon eine ziemlich große Nummer.

Mir geht es damit weniger um die Züchtung des Wunschmenschen, sondern ganz allgemein um die Frage, ob es gut ist, dass wir so tief in die Erbinformationen eingreifen wollen. Spielen wir da nicht Gott?

Ich weiß noch, wie Dolly gefeiert wurde....das arme Viech, gut gings ihr nicht.

Wie gesagt: ich glaube wir gehen insgesamt gesellschaftlich in die falsche Richtung. Eine inklusive Gesellschaft fände ich weit besser und das würde eben beinhalten, dass man Kinder nicht abtreibt, weil sie behindert sind oder versucht sich das nicht behinderte, komplett gesunde Wunschbaby zu konzipieren, sondern dass wir gesellschaftliche Strukturen schaffen, in denen jeder Mensch willkommen ist und Teilhabe leben kann.

Nachtrag vom 14.01.2021 1948
Sorry, habe mich gerade entschlossen nur noch den Evangelikalen-Thread zu Ende zu schreiben und mich dann wieder abzumelden, von daher bleibt es hier bei dem Statement und ich nehme den Thread von meiner Liste. Trotzdem ein interessantes Thema.

Anonymous antworten


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