Liebe nur ein Wort....
 
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Liebe nur ein Wort...

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Groffin
Themenstarter
Beiträge : 1872

Thematisch sehe ich das Thema eher bei Jesus nachfolgen, wollte aber Nichtchristen nicht von der Diskussion ausschließen.

Impuls gab eine Diskussion mit Lavoisine über Agape.

Frage:
Wo erlebt ihr Agape?
Spürt man uns Christen Agape an?
Wie können wir Agape leben?
Was hindert uns daran?
Glauben wir (noch) daran, dass diese Welt Agape braucht?

Kurz zur Erinnerung, was die Bibel unter Agape versteht:

1. Korinther 13:
Das Hohelied der Liebe
1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze. 4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 8 Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. 11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Antwort
79 Antworten
Suzanne62
Beiträge : 7570
Veröffentlicht von: @groffin

Wo erlebt ihr Agape?

Erlebt habe ich sie vor allem in der Bahnhofsmission, aber auch in anderen Gruppen und Projekten - und nicht nur bei Christen.
Tatsächlich glaube ich schon sehr lange nicht mehr daran, dass Christen sie für sich gepachtet haben.

Veröffentlicht von: @groffin

Spürt man uns Christen Agape an?

Ja, es gibt Menschen, denen man eine ehrliche Liebe zu ihren Mitmenschen, ja zu ihren Mitgeschöpfen deutlich anmerkt - Christen genauso wie Menschen anderer religöser und weltanschaulicher Ausrichtung.

Veröffentlicht von: @groffin

Glauben wir (noch) daran, dass diese Welt Agape braucht?

Sie braucht sie ganz dringend, um nicht kaputtzugehen.

Veröffentlicht von: @groffin

Wie können wir Agape leben?

Egoismus und Bequemlichkeit. Was helfen könnte: die Besinnung auf das gemeinsame Menschsein. Dem anderen all das zugestehen, was ich auch für mich in Anspruch nehme.

Veröffentlicht von: @groffin

Thematisch sehe ich das Thema eher bei Jesus nachfolgen, wollte aber Nichtchristen nicht von der Diskussion ausschließen.

Das halte ich für eine kluge Entscheidung, denn, wie gesagt, ich glaube nicht, dass wir Christen sie für uns gepachtet haben.
Ich erlebe Christen, die erstaunlich frei von jeglicher Empathie durchs Leben gehen und andererseits Menschen anderen Glaubens sowie ganz ohne Religion, die sich ohne Rücksicht auf eigene Bequemlichkeit und Sicherheit selbstlos für Andere einsetzen.

suzanne62 antworten
3 Antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17254

Liebe Suzanne,

diese Reihenfolge ist für mich mißverständlich.

Wie können wir Agape leben?

Veröffentlicht von: @suzanne62

Egoismus und Bequemlichkeit.

Was wolltest du wirklich sagen? Irgendwie ist bei der späten Stunde ein Wort abhanden gekommen, vermute ich.

lg
Deborah71

deborah71 antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7570
Veröffentlicht von: @deborah71

Was wolltest du wirklich sagen? Irgendwie ist bei der späten Stunde ein Wort abhanden gekommen, vermute ich.

Ja, das war vermutlich der späten Stunde und den hoch dosierten Medis geschuldet.
Gemeint war: Wie können wir Agape leben?
Was hindert uns daran?
Egoismus und Bequemlichkeit.
Ich wollte sagen, dass uns Egoismus und Bequemlichkeit daran hindern, Agape zu leben.
Ist es so verständlicher?

suzanne62 antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17254

Ja, danke. Ich hatte es mir so ähnlich gedacht, wollte aber nicht hineinvermuten 😊

deborah71 antworten


Queequeg
Beiträge : 3434

Mensch unter Menschen
Ich schließe mich den Worten von Suzanne voll umfänglich an.

Darüber hinaus beschleicht mich immer großes Unbehagen, wenn irgend eine Eigenart des Daseins sozusagen aus dem Alltagsleben herausgehoben und als besonders dargestellt wird.

Die Welt braucht Menschen, die Mensch unter Menschen sind. Dafür brauche ich keinen eigenen Begriff. Und es beschreibt auch keine Sondersituation, sondern ganz banalen Lebensalltag. Entweder man lebt es so oder nicht. Wenn man sich aber für "Agape" erst einen Ruck geben muss, dann stimmt was nicht.

queequeg antworten
5 Antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7570
Veröffentlicht von: @queequeg

Wenn man sich aber für "Agape" erst einen Ruck geben muss, dann stimmt was nicht.

Hier muss ich zugeben, dass es leider nicht selten vorkommt, dass mit mir "etwas nicht stimmt".
Dass ich grade keine Zeit oder schlicht keinen Nerv habe für einen Menschen, der mein Zuhören und Mitfühlen bräuchte.
Dass ich lieber gar nicht allzu genau wissen will, von wem unter welchen Bedingungen meine neuen Sportschuhe oder meine neue Bluse gefertigt wurden.
Unter welchen Bedingungen die Kuh, aus deren Milch mein Frühstücksjoghurt gemacht wurde, gehalten wird.
Es gibt leider kaum einen Abend, an dem ich nicht zugeben müsste, dass ich "Gutes unterlassen und Böses getan" habe - meistens eher letzteres.
Es ist dann der letzte Teil - die Vergebungsbitte - ("der Herr erbarme sich unser. Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben.") und die Hoffnung auf ihre Erfüllung, die mich davor bewahrt, zu resignieren und mir die Kraft gibt, jeden Tag wieder "von vorn anzufangen".

suzanne62 antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7570

Ups - ich meinte: "meistens eher ersteres" - also, dass ich meistens eher Gutes unterlasse als Böses tue....

suzanne62 antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3434

Artgenossen

Veröffentlicht von: @suzanne62

Hier muss ich zugeben, dass es leider nicht selten vorkommt, dass mit mir "etwas nicht stimmt".

Na ja, ich meinte das nicht so punktuell auf eine konkrete Situation bezogen, die natürlich von allen möglichen Einflüssen gefärbt sein kann - Müdigkeit, Gedanken an ganz andere Dinge usw.. Ich hatte genereller unsere Art der "Implementierung" ins Leben vor Augen.

Da kenne ich schon Artgenossen, die den Eindruck machen, ganz alleine auf der Welt zu sein und andere sind nur ihre Werkzeuge. Und es gibt andere, die durchaus auch mal völlig daneben hängen können, und doch spürt man ganz deutlich, dass sie wirklich Mit-Mensch sind.

queequeg antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872
Veröffentlicht von: @queequeg

Die Welt braucht Menschen, die Mensch unter Menschen sind. Dafür brauche ich keinen eigenen Begriff.

Also bist Du optimistisch, dass der Mensch von Natur aus "gut" ist? 😉

Veröffentlicht von: @queequeg

Wenn man sich aber für "Agape" erst einen Ruck geben muss, dann stimmt was nicht.

Zwang und Liebe passt nicht zusammen. Sich selbst zur Liebe ermahnen... hm. Das gehört meines Erachtens zu jeder Partnerschaft dazu.
Ich sehe Liebe nicht hautsächlich als Gefühl (Himmel voller Geigen), sondern zum Teil als Entscheidung und zum Teil auch als Arbeit.

groffin antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 3434

Lebensart

Veröffentlicht von: @groffin

Also bist Du optimistisch, dass der Mensch von Natur aus "gut" ist? 😉

Ist die Gazelle gut, weil sie Gras isst, und der Löwe böse, weil er Gazellen frisst?

Der Mensch ist Teil der Natur und verhält sich entsprechend. "Gut" und "böse" sind da artifizielle Konstrukte.

Soweit mal erst zur Grundlage. Davon ausgehend kann dann natürlich gefragt werden, was insgesamt den Menschen gut ist. Und da ist m.E. die Antwort nahe liegend, dass es für alle gut sein muss.

Natürlich ist Liebe kein Gefühl, sie ist eine Lebensart.

queequeg antworten
Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Die grösste Agape zeigen in der Regel diejenigen Menschen, die am wenigsten Worte darüber machen.
Das können Christen, aber auch Angehörige anderer Religionen oder Atheisten sein.

Christliche Agape muss sich immer dann besonders bewähren, wenn Menschen, die von sich behaupten, sie zu leben, in Positionen kommen, in denen sie am längeren Hebel sitzen.

Die Verführung, die eigene Macht dann zu missbrauchen, vor allem wenn man denkt, dass es niemand merkt, ist sehr gross.

Christliche Agape begegnet mir im Alltag sehr oft, interessanterweise (s.o.) im Kleinen und Stillen, bei Menschen, die selber wenig haben oder vermeintlich nach Aussen wenig sind.

Hier begegnet sie mir eher selten, wenn, dann vor allem ebenfalls bei den usern, die sich im Hintergrund halten oder bei denjenigen, die keine Christen sind.

Anonymous antworten


Resah
 Resah
Beiträge : 942

Römer 2,
6 der einem jeden geben wird nach seinen Werken:
7 ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben;

Wenn wir Fragen, was Liebe - Agape - ist, dann fängt diese Liebe dort an, wo Gott uns sich uns offenbart, uns erfahren lässt, was er für uns getan hat. Und um dann als geliebtes Kind Gottes diese Liebe Gottes (Agape) weiterzugeben heißt es dann, das wir danach streben können aus dieser Liebe Gottes heraus dann gute Werke zu tun.

Von den Gaben und Berufungen (Ämtern) heißt es:

1. Korinther 12,
28 Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann gab er die Kraft, Wunder zu tun, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede.
29 Sind sie denn alle Apostel? Sind sie alle Propheten? Sind sie alle Lehrer? Haben sie alle die Kraft, Wunder zu tun,
30 haben sie alle Gaben, gesund zu machen? Reden sie alle in Zungen? Können sie alle auslegen?
31 Strebt aber nach den größeren Gaben! Und ich will euch einen noch besseren Weg zeigen.

Und von diesem Weg - den ein Mensch in der Liebe Gottes geht dann, wird im 1. Korinther 13 geschrieben.

Liebe hat man dann - als Zeichen der Gottes Kindschaft - oder man hat diese Liebe nicht.

1. Johannes 2,
4 Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht.
5 Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrlich die Liebe Gottes vollkommen. Daran erkennen wir, dass wir in ihm sind.
6 Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll so leben, wie er gelebt hat.

Wer in den Geboten Gottes wandelt. Gottes Wort und Gesetz ins Herz geschrieben bekommen hat und dann Gottes Wort tut, der erweist sich als geliebtes Kind Gottes und kann dann auch in dieser Agape (Liebe) tätig werden.

9 Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder, der ist noch in der Finsternis.
10 Wer seinen Bruder liebt, der bleibt im Licht, und durch ihn kommt niemand zu Fall.

Also an der Liebe, die wir untereinander haben, wird erkenntlich, das wir Jesu Jünger sind.

resah antworten
4 Antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872
Veröffentlicht von: @resah

Also an der Liebe, die wir untereinander haben, wird erkenntlich, das wir Jesu Jünger sind.

Klingt alles gut und schön.

Erlebst Du es auch so?
Erkennt man z.B. hier im Forum Agape?

Wenn wir uns als Christen so sehr von "der Welt" abheben, dann müsste das nach draußen sichtbar sein.

Statt dessen sehe ich viel Streit über Kleinigkeiten, Bibelinterpretationen, Umgang mit Flüchtlingen, Politik, Schuldzuweisungen, Eingeschnapptsein, usw.

Veröffentlicht von: @resah

Liebe hat man dann - als Zeichen der Gottes Kindschaft - oder man hat diese Liebe nicht.

Sollte diese Liebe dann nicht auch spürbar nach außen dringen?
Statt dessen witzelt man über den Satz:
"Als Christ ist man nicht besser, sondern nur besser dran. "
Klingt für mich fast wie eine Kapitulation.

Bevor das nun zu sehr nach Nörgelei klingt:
Ich möchte dazu ermutigen, der Liebe mehr Raum zu geben und diese auch praktisch werden zu lassen - gerade auch, damit man uns als Kinder Gottes wahrnimmt.

groffin antworten
Resah
 Resah
(@resah)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 942

der Liebe Raum geben...

Veröffentlicht von: @groffin

Erlebst Du es auch so?
Erkennt man z.B. hier im Forum Agape?

Ich erlebe es so und erkenne es dort, wo ich mit Glaubensgeschwistern zusammen bin.
Und die Grundlage für Gemeinschaft in Christus ist halt das, was Jesus für uns erwirkt hat. Woraus und worin wir dann nur leben können. Dort wo wir aneinander schuldig geworden sind, dem anderen dann auch vergeben zu können. Nicht nach Wiedergutmachung oder Vergeltung zu trachten. Das kann dann auch eine Gemeinschaft von Christen auszeichnen, worin sie sich gegenüber anderen Gemeinschaften unterscheiden.

Veröffentlicht von: @groffin

Wenn wir uns als Christen so sehr von "der Welt" abheben, dann müsste das nach draußen sichtbar sein.

Das es vielleicht derzeit weniger sichtbar ist, als vielleicht noch zur Zeit der ersten Christen von vor 2000 Jahren, mag einer allgemeinen Entwicklung geschuldet sein - das Ungerechtigkeit insgesamt überhand nimmt und Liebe darin - bzw. darunter - dann leidet/erkaltet.

Veröffentlicht von: @groffin

Statt dessen sehe ich viel Streit über Kleinigkeiten, Bibelinterpretationen, Umgang mit Flüchtlingen, Politik, Schuldzuweisungen, Eingeschnapptsein, usw.

Naja - umsehr für uns ein Anliegen, hier schlichtend und klärend einzugreifen.

Veröffentlicht von: @groffin

Bevor das nun zu sehr nach Nörgelei klingt:
Ich möchte dazu ermutigen, der Liebe mehr Raum zu geben und diese auch praktisch werden zu lassen - gerade auch, damit man uns als Kinder Gottes wahrnimmt.

Wie kann man denn Liebe nun mehr Raum geben? Erstmal gilt es sie zu erfahren. Und dann kann man darin wachsen und daraus dann irgendwann selbst zu guten Werken streben.

resah antworten
Groffin
(@groffin)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 1872
Veröffentlicht von: @resah

Wie kann man denn Liebe nun mehr Raum geben? Erstmal gilt es sie zu erfahren. Und dann kann man darin wachsen und daraus dann irgendwann selbst zu guten Werken streben.

Nun - wenn Du so schön schreibst, dass Kinder Gottes die Liebe bereits haben (und auch direkt erfahren), dann ist die Liebe ja bereits da.
Wenn sie aber nur bedingt nach außen dringt, wir uns in Kabbeleien untereinander und mit anderen entzweien lassen, dann scheint ja irgendwas die Liebe zu bremsen.

Nenne es das Fleisch, dass im Wettstreit mit dem Geist ist.
Wenn Agape bedeutet, den Gegenüber mit den Augen Gottes zu sehen, dann muss ich sozusagen raus aus meiner Haut und einen Perspektivenwechsel vornehmen.
Weg von meinem eigenen Ego hin zur Sichtweise Gottes.
Diesen Vorgang meine ich mit: der Liebe mehr Raum geben.

groffin antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7570
Veröffentlicht von: @resah

Dort wo wir aneinander schuldig geworden sind, dem anderen dann auch vergeben zu können. Nicht nach Wiedergutmachung oder Vergeltung zu trachten.

Das ist eine ganz wichtige soziale Kompetenz - wo sie fehlt, wird der Umgang miteinander schwierig, denn es gehört nun einmal in diesem Leben zum Wesen des Menschen, fehlbar und sündig zu sein und immer wieder an seinen Mitmenschen schuldig zu werden.

Veröffentlicht von: @resah

Das kann dann auch eine Gemeinschaft von Christen auszeichnen, worin sie sich gegenüber anderen Gemeinschaften unterscheiden.

Nach meiner Erfahrung ist das Vorhandensein dieser Kompetenz nicht an die Religionszugehörigkeit gekoppelt.
es gibt Menschen anderer religiöser oder weltanschaulicher Ausrichtung, die sie haben und Christen, denen sie fehlt.

Veröffentlicht von: @resah

Erstmal gilt es sie zu erfahren. Und dann kann man darin wachsen und daraus dann irgendwann selbst zu guten Werken streben.

Oder man fängt einfach mal mit dem an, was bereits möglich ist - über eine Beleidigung auch mal hinwegsehen, eine entschuldingung annehmen, selbst wenn Zweifel an ihrer Echtheit bestehen - nach dem Motto "in dubio pro reo" - seinen Mitmenschen mit einer Art "Unschuldsvermutung" gegenüber treten.
Ich glaube daran und hoffe darauf, dass Gott aus dem wenigen, mit dem ich beginne, mit der Zeit mehr und mehr machen kann.

suzanne62 antworten
Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Wenn ich mir da Deinen Bibelauszug so durchlese (nein, neu ist er für mich nicht! 😉 ), dann vermute ich, dass eine sonderlich weit führende Diskussion mit einem echten Ergebnis hier kaum möglich ist, da der zu diskutierende Gegenstand schlicht zu wenig präzise definierbar ist. Das Hohelied der Liebe ist so eine Art Lyrik - und Lyrik ist nicht in dem Sinne wahr, dass sie Tatsachen feststellt, sondern nur in dem Sinne, dass sie in den Leuten vorhandene Meinungen, Gefühle, Ahnungen, Erinnerungen bildlich gesprochen anzupft, um so wiederum neue Meinungen, Gefühle, Ahnungen und Erinnerungen zu erzeugen.

Liebe ist nach meinem Verständnis ein Gefühl, bzw. eine ganze Konstellation von Gefühlen - die man gerade empfindet oder eben nicht.

Ich bin mir dabei nicht sicher, ob es ein Vor- oder Nachteil der christlichen Ethik ist, wenn sie dieses Gefühl so in's Zentrum stellt. Denn Liebe kann nicht eingefordert werden, eben weil niemand sich selbst per Vorsatz für ein Gefühl entscheiden kann. Das "Gebot der Feindesliebe" beispielsweise ist ein unerfüllbares Gebot und ich ziehe jederzeit denjenigen vor, der Fairness statt Liebe fordert.

Liebe ist, in ihrer reinsten Form, eine besonders rückhaltslose Art der Selbstverleugnung zugunsten des geliebten Gegenstandes. Um eine Person oder einen Gegenstand oder eine Idee wirklich lieben zu können, muß ich deren Wert höher einschätzen als meine eigenen Interessen.
Ich muß mich, um es mal knapp zu formulieren, für das Geliebte vorbehalt- und kritiklos begeistern.

Da assoziiere ich gerade eine Serie, die auf amazon.prime zu finden ist: "Hell on Wheels". In deren Zentrum stehen zwei Männer, einer, der uns Zuschauern sympathischer ist (und natürlich auch besser aussieht... 😉 ) und einer, der uns Zuschauern unsympathischer ist. Beide eint, dass sie sich selbst ganz und gar dem Bau der den us-amerikanischen Kontinent verbindenden Eisenbahn verschrieben haben. Dafür opfern sie praktisch alles, privates Glück, Gesundheit - und wie selbstverständlich auch alle möglichen anderen Menschenleben. Sie lieben die Eisenbahn, dieses metallische dampfende Monster, sie lieben es mehr als alles andere, selbst mehr als ihre Werte und Überzeugungen.
Gegen Ende der Serie - !!!! Achtung, SPOILERALARM!!!! - steht der unsympathischere der beiden Hauptakteure vor Gericht und muß sich für einige seiner Missetaten (Betrug bei der Buchführung) verantworten. Der andere ist als Zeuge geladen, weigert sich aber, Belastendes auszusagen, sondern wiederholt nur immer wieder den Satz, dass die Eisenbahn ohne den Angeklagten nie zustandegekommen wäre. Das Schlußplädyoer des Angeklagten ist dann gewissermaßen ein Monolog über seine Liebe zur Eisenbahn, nein über die Großartigkeit der Eisenbahn selbst.
Wahre Liebe ist obsessiv, sie ist kompromißlos und somit eben auch tendenziell extrem ungerecht.

Gerechte Liebe ist ein Widerspruch in sich.

Und daran krankt das ganze christliche Unternehmen, ausgerechnet die Liebe in's Zentrum der Ethik zu stellen. Schade, dass es in der Bibel kein Hohelied der Fairness gibt. Aber, da es sich bei den biblischen Konzepten ursprünglich hier um eine nationalistische Ethik (Jehova und das Volk Israel gegen den Rest der Welt) handelt, auch kaum erwartbar.

Anonymous antworten


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