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Schließen sich Schutz und Würde aus?

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Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Hallo,

in Bezug auf die sog. Lockerung der Besuchsregeln insbesondere in Pflegeheimen, stellt sich mir aktuell die Frage ob sich der Schutz und die Würde gegenseitig ausschließen?

In sehr vielen (oder auch allen) Pflegeeinrichtungen soll die Lockerung so aussehen, dass es extra Besucherräume oder im Garten Besuchscontainer oder Pavillons geben soll. Die Besuchszeiten sind festgelegt und in diesem Rahmen kann ein fest definierter Angehöriger einen ca. 30 Minüten Besuchstermin vereinbaren.

Dann wird von einer Seite der Besuch eingelassen, von der anderen Seite die besuchte Person reingebracht und beide können sich in dieser Zeit an einem Tisch sitzend, getrennt durch eine, vor Tröpfchen schützende, Plexiglasscheibe unterhalten.

Ich bin persönlich nicht betroffen, arbeite aber in einer Wohneinrichtung der besonderen Wohnform, für die auch ein Hygienekonzept für Besucher erstellt wird.

Bei mir löst das gefühlsmäßig Beklemmung aus. Ist so ein Besuch würdevoll?

Es stellte sich ja schon die Frage ob die Würde über dem persönlichen Schutz steht.

Ich frage, ob es nicht Möglichkeiten geben kann, Würde und Schutz auf eine Ebene zu stellen?

Ich weiß, wie schwierig es in Altenpflegeeinrichtungen, insbesondere großen Einrichtungen, den Besucherstrom im Blick zu haben und zu steuern. Mir ist auch klar, dass diese Maßnahmen aus Sorge vor einem Ausbruch mit dem Covid-19 Virus erfolgen, der vielleicht dann in der Verbreitung nicht mehr aufzuhalten ist.

Trotzdem erlebe und efahre ich von Situationen, die m. M. mehr mit der Einschränkung, bis hin zu Beraubung von Freiheit gehen.

Ich möchte daher die im Titel gestellte Frage einfach in den Raum stellen. Ich habe keine endgültige Antwort darauf, möchte mich aber mit dem, wie es gerade ist, nicht zufrieden geben.

Die Existenz dieses Virus wird uns noch sehr lange begleiten. Auch in Wohneinrichtungen für alte und pflegebedürftige Menschen sollte es doch möglich sein, einen Lebensstil zu entwickeln, der Schutz und Würde gleichzeitig ermöglicht...

Ich bin gespannt auf Antworten.

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48 Antworten
Alescha
Beiträge : 5960
Veröffentlicht von: @adventurelife

Ist so ein Besuch würdevoll?

Warum nicht?

Was soll daran würdelos sein?

Veröffentlicht von: @adventurelife

Trotzdem erlebe und efahre ich von Situationen, die m. M. mehr mit der Einschränkung, bis hin zu Beraubung von Freiheit gehen.

In Altersheimen gibt es sowas auch ohne Corona. Demente Menschen z.B. dürfen ja m.W. auch nicht einfach so die Einrichtung verlassen wie sie lustig sind.

alescha antworten
4 Antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @alescha

Was soll daran würdelos sein?

Veröffentlicht von: @adventurelife

Ich erlebe das als sehr fremdbestimmt alles. Ich möchte nicht falsch verstanden werden, niemand möchte seine Angehörigen mit dem oder auch anderen Viren anstecken. Mund Nasen Schutz halte ich auch für unabdingbar und auch, soweit möglich, die Abstandsregeln.

Mir ist auch klar, dass Angehörige nicht berechenbar sind und es nur schwer zu kontrollieren ist, ob sie sich an die Regeln halten.

Es ist bei mir tatsächlich ein unangenehmes Bauchgefühl dabei. Es geht nicht nur darum, dass ich darüber in den Nachrichten gehört habe oder davon gelesen habe. Ich kann es vielleicht auch nur schwer beschreiben.

Veröffentlicht von: @alescha

In Altersheimen gibt es sowas auch ohne Corona. Demente Menschen z.B. dürfen ja m.W. auch nicht einfach so die Einrichtung verlassen wie sie lustig sind.

Es geht in dem Fall nicht um demenziell erkrankte Menschen, sondern um betreut untergebrachte Erwachsene, die sich ohne Corona selbständig außerhalb der Einrichtung bewegen können.

Ich weiß, dass es eine Gratwanderung ist. Und trotzdem sträubt sich in mir etwas.

Anonymous antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 5960
Veröffentlicht von: @adventurelife

Es geht in dem Fall nicht um demenziell erkrankte Menschen, sondern um betreut untergebrachte Erwachsene, die sich ohne Corona selbständig außerhalb der Einrichtung bewegen können.

Ich verstehe gerade das Problem nicht, sorry.

Für diese Leute gelten doch die gleichen Bestimmungen wie für andere auch: Abstand halten, ggf. Masken tragen, etc.

Wo siehst Du größere Einschränkungen als für den Rest der Bevölkerung?

alescha antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @alescha

Für diese Leute gelten doch die gleichen Bestimmungen wie für andere auch: Abstand halten, ggf. Masken tragen, etc.

Ja, so ist es. Die Einschränkungen erfolgten aufgrund von Angst und evtl. auch Machtmissbrauch von zuständigen Mitarbeitern.

War vielleicht blöd gewählt, denn ich kann und möchte auch nicht ins Detail gehen. Vielleicht kann es im Ansatz jemand verstehen, der in einer Einrichtung für Menschen mit pschychischen Erkrankungen, Behinderungen oder aufgrund von Alter oder Pflegebedürftigkeit leben, tätig ist.

Anonymous antworten
Tatokala
(@tatokala)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 2523
Veröffentlicht von: @alescha

Für diese Leute gelten doch die gleichen Bestimmungen wie für andere auch: Abstand halten, ggf. Masken tragen, etc.

Wo siehst Du größere Einschränkungen als für den Rest der Bevölkerung?

Problem ist, wenn ich die TE richtig verstehe, daß allerdings die Betroffenen Menschen sind, die genau das eben weniger verstehen.

KAnn da aber auch keine Lösung anbieten.

tatokala antworten


frosch80
Beiträge : 791

Hej adventurelife,

meiner Ansicht nach beinhaltet deine Fragestellung einen grundlegenden Fehler. Den nämlich, dass du Schutz und Würde neben- bzw gegeneinander stellst.

In meinen Augen ist der Schutz etwas, das gerade auch die Würde verlangt. Das, was ich würdige, muss ich auch schützen. Schutz sehe ich in dem Sinne quasi als Teil der Würde.

Ein anderer Teil der Würde ist die Freiheit.

Es konkurrieren hier nicht Schutz und Würde miteinander, sondern Freiheit und Schutz. Durch Schutz wird Freiheit eingeschränkt, und durch Freiheit wird Schutz eingeschränkt.

Die Herausforderung besteht darin, hier ein gutes Maß zu finden; die Werte Schutz und Freiheit möglichst gut auszubalancieren.

Darüber, wie das am besten geht, kann man unterschiedlicher Ansicht sein, und man darüber beliebig diskutieren, was sicher auch sinnvoll ist.

Deine Eingangs-Fragestellung halte ich aber nicht für sinnvoll.

Liebe Grüße
fr😊sch

frosch80 antworten
6 Antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Hallo Frosch,

danke für deine Korrektur. Du hast recht, es geht auch um Freiheit und was ich würdige schütze ich.

Dann ist die Fragestellung etwas anders, meint aber für mich im Prinzip das gleiche.

Wie kann ich Selbstbestimmtung und Freiheit mit Schutzmaßnahmen vor Infizierung mit dem Corona Virus in Einklang bringen.. vielleicht drückt es das etwas besser aus.

Dieser Freiheitsbegriff hat für mich auch etwas mit Gleichstellung zu tun. Gleiche Recht für alle oder gleiche Einschränkungen für alle.

Und wie lerne ich auch in einer stationären Unterbringung mit der Gefahr eines Krankheitsausbruch mit Covid 19 zu leben und dennoch den Bewohnern die gleichen Rechte zu zu gestehen, die auch sonst gelten?

Das es Regeln geben muss und Anweisungen ist wichtig und gut, gerade da, wo viele Menschen zusammen leben.

Ich habe auf meine Fragen keine Antworten, aber sie sind in mir und quälen mich manchmal regelrecht. Ich erlebe manches als Diskrepanz.

Anonymous antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 5960
Veröffentlicht von: @adventurelife

Gleiche Recht für alle oder gleiche Einschränkungen für alle.

Wo siehst Du da Unterschiede? Einschränkungen gelten gerade für jeden.

alescha antworten
stundenglas
(@stundenglas)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 4769
Veröffentlicht von: @adventurelife

Dieser Freiheitsbegriff hat für mich auch etwas mit Gleichstellung zu tun. Gleiche Recht für alle oder gleiche Einschränkungen für alle.

Also wenn Menschen übermäßig eingeschränkt werden, obwohl das für sie gar nicht nötig ist, findest du das besser, als wenn es individuelle Lösungen gibt?

stundenglas antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @stundenglas

Also wenn Menschen übermäßig eingeschränkt werden, obwohl das für sie gar nicht nötig ist, findest du das besser, als wenn es individuelle Lösungen gibt?

Nein, andersrum. Ich wünsche mir individuelle Lösungen für Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation mehr Einschränkungen haben, als wir sie haben.

Es mag etwas missverständlich sein, wie ich mich ausgedrückt habe. Aber ich kann z. B. unter Berücksichtung der Abstands- und Hygieneregeln, entscheiden, mit wem ich mich treffe. Das können Menschen, die stationär untergebracht sind derzeit nicht.

Anonymous antworten
Alescha
(@alescha)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 5960
Veröffentlicht von: @adventurelife

Das können Menschen, die stationär untergebracht sind derzeit nicht.

Weiter oben ging es

Veröffentlicht von: @adventurelife

um betreut untergebrachte Erwachsene, die sich ohne Corona selbständig außerhalb der Einrichtung bewegen können

Wenn die die Einrichtung verlassen können, können die doch auch entscheiden, mit wem sie sich treffen, oder nicht?

Und den anderen soll das ja, wie eingangs beschrieben, ermöglicht werden.

alescha antworten
stundenglas
(@stundenglas)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 4769
Veröffentlicht von: @adventurelife

Das können Menschen, die stationär untergebracht sind derzeit nicht.

Und zwar, wenn ich dich da richtig verstanden habe, auf Grund der Entscheidungen der Heimleitungen etc., richtig?

stundenglas antworten
Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Die Gerichte fällen zunehmend Urteile, die das bestätigen, dass sich der Schutz so wie er durchgeführt wurde die Menschenwürde ausschließt. Ein Gericht in Hamburg hat nun geurteilt, dass Eltern ihre Kinder in solchen Einrichtungen wieder besuchen dürfen.
Auch für Behinderteneinrichtungen gab es so weit ich weiß schon erste Urteile, dass diese Menschen nicht mehr eingesperrt werden dürfen.

Anonymous antworten
1 Antwort
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Danke für dein Post. Genau so etwas meine ich. Gerade habe ich in der Zeitung einen Artikel gelesen, in dem sich Eltern beklagen, dass ihre behinderten Kindern nach einem Aufenthalt im Elternhaus in eine 14 tägige Quarantäne müssen oder sie dürfen nicht mehr zurückkommen.

Ich habe genug Einblick in gerade diesen Bereich und bekomme viel mit. Es erschreckt mich. Wenn ein behinderter Mann nach einem Aufenthalt bei seiner Mutter nicht von dieser persönlich in die Einrichtung zurück gebracht werden darf, dieser dann von Mitarbeitern in kompletter Schutzausrüstung in Empfang genommen wird und nur über die Terrasse in sein Zimmer gehen darf.

Eine mehrfach behinderte Frau, die aufgrund des Besuchverbotes und der Quarantäneregelung nach Elternbesuchen nur noch massiv fremd- und autoaggresiv ist und mit stärksten Medikamenten ruhig gestellt werden muss.

Junge behinderte Erwachsene in einer betreuten Wohngemeinschaft die über Wochen ihre Wohnung nicht verlassen dürfen - die Wohnung hat weder Balkon, Terrasse noch Garten.

Mehrfachbehinderte Erwachsenen denen erzählt wird, dass Eltern im so lange im Urlaub sind und sie deshalb so lange nicht geholt werden.

Eltern, die ihren Kindern so etwas nicht zumuten möchten und daher ihre Kinder schon seit Wochen deshalb im Elternhaus behalten und über die Grenzen ihrer Kräfte gehen.

Auch erwachsene Kinder, die ihre Eltern vorrübergehend aus Pflegeeinrichtungen holen und zu Hause pflegen, weil sie die Isolation dieser nicht ertragen möchten

Es gibt auch andere Wege und dennoch Schutz möglich ist. Eine Mutter äußert sich dahingehend, dass die Gesundheit ihrer behinderten Kinder (auch erwachsene Kinder) geschützt werden soll, ihnen aber das Leben genommen wird.

Rechtlich darf niemand am Verlassen und raus gehen aus der Einrichtung gehindert werden. Jedoch werden viele emotional unter Druck gesetzt... mit Aussagen, dass sie dann nicht mehr zurück kommen dürfen, bzw. die Androhung der 14 täg. Quarantäne oder dass sie die Gesundheit aller anderen gefährden oder oder oder...

Es gibt hinter diesen ganzen Schutzmaßnahmen menschliche Dramen, Menschen in Altenpflegeheimen die sich und das Leben aufgegeben haben und gestorben sind...

Bei guten Hygienekonzepten sind andere Lösungen möglich, als nur Besuche hinter einer Plexiglasscheibe. Und auch diese bieten keine Sicherheit vor Ansteckung. Wer sagt denn, dass die Angehörigen oder auch die Bewohner der Einrichtungen sitzen bleiben und sich ganz brav an die angeordneten Maßnahmen hält? Bis jetzt wird noch keine Aufsichtsperson daneben gestellt und eine Überwachung des Besuches mit einer Kamera ist noch nicht angedacht.

Es gibt keine 100% Sicherheit. Aber es gibt die Möglichkeit, Konzepte zu entwickeln, die menschenwürdiger sind und dennoch weitestgehende Sicherheit bieten.

Anonymous antworten


Evana
Beiträge : 924

Hallo Adventurelife,

mir geht es genau wie dir. Ich arbeite nicht in einer Einrichtung und auch nicht mehr in der Pflege, aber bei mir lösen die Schutzmaßnahmen auch Beklemmung und Unwohlsein aus.
Warum?

1. Können wir wirklich unsere Lieben schützen, in dem wir nicht zu ihnen hingehen? Wenn Ja, dann sind wir der Meinung, dass wir ansteckend sind. Haben wir Angst andere Menschen anzustecken, dann sollten wir dringend einen Test machen. Wir lehnen uns ja dann selbst ab und distanzieren uns von der Freude, andere Menschen zu sehen, andere Menschen zu lieben, Gemeinschaft mit anderen zu haben.

2. Nehmen wir gerade älteren Menschen nicht noch die letzte Lebensfreude, wenn wir von ihnen (aus Angst vor Schuld, Ansteckung etc.) fernbleiben? (nun ist das vielleicht ein "akzeptierter Grund", vorher fehlte die Ausrede für das Fernbleiben und daher bekam man ein schlechtes Gewissen).

3. Andersherum, habe ich Angst vor Ansteckung und lehne Umarmungen etc ab, lehne ich da nicht automatisch den Anderen ab? Nach dem Motto: Du könntest eine übertragbare Krankheit haben, die noch nicht ausgebrochen ist?

Ich empfinde die viele Vorsichts- Regeln und -Maßnahmen als Übertrieben, aus der Angst geboren. Woran wir uns am meisten anstecken, ist die Angst.

Meiner Meinung nach sind weniger als 1 % in Deutschland an C. infiziert, aber etwa 99 % mit der Angst infiziert worden. (179.000 Fälle x 100 / 81.500.000 Einwohner = 0,22 %.)

Es ist gut, Massenveranstaltungen und Menschenansammlungen zu vermeiden und etwas umsichtiger zu werden. Aber es tut uns nicht gut, wenn wir aufgrund der Angst, Menschen ausgrenzen, sie bevormunden und ihnen unsere Liebe entziehen. Der Tod kommt sowieso irgendwie und irgendwann zu jedem von uns und jede Seele wird danach vor Jesus stehen oder knien.

Und dann kommt die Frage: Hast du geliebt? Bist du ins Krankenhaus gegangen und hast mich besucht? Hast du mir geholfen, wo ich einsam im Zimmer gesessen hatte und hast mich getröstet.

Ich habe meine Mutter fast 86 Jahre gefragt, ob sie in dieser Weise "beschützt" werden will. Sie ist (Dank sei dem Herrn) nicht in einer Pflegeeinrichtung, sondern zuhause und wir hatten in dieser Zeit Gemeinschaft und eine gute Zeit.

Klar müssen sich die Heime schützen, weil bei einer Ansteckung viele Menschen betroffen sind, aber ich denke, dass das so zuweit gegangen ist.

Viele Menschen in den Heimen sterben in dieser Zeit einsam und verlassen von der Familie aufgrund der Besuchsverbote. Diese Schuld und diesen Schmerz, in den letzten Stunden nicht da sein zu können, möchte ich nicht tragen.

LG
Evana

evana antworten
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Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @evana

Können wir wirklich unsere Lieben schützen, in dem wir nicht zu ihnen hingehen?

Wenn es nicht gerade aktuell einen Corona-Ausbruch in einer Pflegeeinrichtung gibt, muss das nicht unbedingt sein. Hier an meinem Wohnort haben die meisten Heime Besuchsmöglichkeiten geschaffen, die einigermaßen ungefährlich sind. Gott sei Dank!

Veröffentlicht von: @evana

Nehmen wir gerade älteren Menschen nicht noch die letzte Lebensfreude, wenn wir von ihnen (aus Angst vor Schuld, Ansteckung etc.) fernbleiben?

Wenn man auf seinem "Recht" die Heimbewohner so zu besuchen, wie es vor der Corona-Pandemie normal war, besteht, nimmt man ihnen möglicherweise das Leben selbst.

Veröffentlicht von: @evana

Andersherum, habe ich Angst vor Ansteckung und lehne Umarmungen etc ab, lehne ich da nicht automatisch den Anderen ab?

Nein, natürlich nicht. Wenn du andere, auch gefährdete Menschen, besuchst, dabei aber den Mindestabstand einhältst, auf Körperkontakt verzichtest und eine Maske trägst, dann schützt du nicht nur dich selbst, sondern auch den anderen.

Veröffentlicht von: @evana

Ich empfinde die viele Vorsichts- Regeln und -Maßnahmen als Übertrieben, aus der Angst geboren. Woran wir uns am meisten anstecken, ist die Angst.

Dann sprich doch mal mit Ärzten und Pflgekräften, die auf Corona-Stationen arbeiten. Oder schau dir mal die Bilder aus Russland, den USA, Brasilien und Großbritannien an.
Wenn du nur ein wenig Verstand hast, wirst du anschließend Gott danken, dass du von klugen und umsichtigen Menschen regiert wirst, die mit den richtigen Maßnahmen zur richtigen Zeit viele Menschenleben gerettet haben.

Veröffentlicht von: @evana

Aber es tut uns nicht gut, wenn wir aufgrund der Angst, Menschen ausgrenzen, sie bevormunden und ihnen unsere Liebe entziehen.

Abstand halten und Maske tragen hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun, Menschen "unsere Liebe zu entziehen", sondern das Gegenteil ist der Fall.

Veröffentlicht von: @evana

Und dann kommt die Frage: Hast du geliebt?

Hast du, auch wenn es dir schwerfiel, den Mindestabstand gehalten? Hast du, als du mich besucht hast, deine Maske getragen? Hast du auf den Rat von Experten gehört? Hast du dir die Hände desinfiziert?
Oder hast du darauf bestanden, dass "ja alles nicht so schlimm" ist?
Hast du darauf bestanden, so zu tun, als ob nichts wäre?

Veröffentlicht von: @evana

Ich habe meine Mutter fast 86 Jahre gefragt, ob sie in dieser Weise "beschützt" werden will. Sie ist (Dank sei dem Herrn) nicht in einer Pflegeeinrichtung, sondern zuhause und wir hatten in dieser Zeit Gemeinschaft und eine gute Zeit.

Meine Eltern (beide 83) leben auch zu Hause. Jetzt, wo das Wetter meistens angenehm warm ist, kann ich sie auf "ungefährliche" Weise besuchen: wir sitzen dann - mit dem nötigen Abstand - im Garten.
Klar kann und soll man seine alten Angehörigen besuchen und den Kontakt zu ihnen halten.
Aber das kann auch man tun, ohne sie zu gefährden.
Es ist schön, dass inzwischen vieles wieder möglich ist - und weitere Lockerungen werden voraussichtlich noch folgen....viele von uns können sich sogar auf einen Sommerurlaub freuen.
Aber das sollte nicht zu der Illusion führen, dass das Thema Corona "Abgehakt" sei.

suzanne62 antworten
an.ja
(@an-ja)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 1756
Veröffentlicht von: @suzanne62

Hier an meinem Wohnort haben die meisten Heime Besuchsmöglichkeiten geschaffen, die einigermaßen ungefährlich sind. Gott sei Dank!

Meine Schwester und Schwager besuchen ihre Schwiegereltern, beide 94 Jahre im Altenheim. Zwischen ihnen eine auf Kipp gestellte Glasscheibe. Berührung nicht möglich und die Verständigung ist auch nur minimal möglich, da beide Seiten - Schwiegereltern, als auch meine Schwester und Schwager sind schwerhörig. Darüber hinaus auch nur eine zeitlich begrenzte Besuchszeit möglich - also wirklich - Gott sei Dank???

Veröffentlicht von: @suzanne62

Wenn man auf seinem "Recht" die Heimbewohner so zu besuchen, wie es vor der Corona-Pandemie normal war, besteht, nimmt man ihnen möglicherweise das Leben selbst.

Werden denn die Bewohner überhaupt gefragt, ob sie sterben wollen oder nicht? Ich glaube nicht - hier bestimmen andere - zumal lebende Heimbewohner auch zahlende sind. Bevor man alte Menschen schützt sollte man zumindest bei denen, die noch klar bei Verstand sind fragen, ob sie diese Abschirmung überhaupt wünschen - das fände ich ein würdevolles Verhalten gegenüber den Bewohnern.

Veröffentlicht von: @suzanne62

Wenn du nur ein wenig Verstand hast, wirst du anschließend Gott danken, dass du von klugen und umsichtigen Menschen regiert wirst, die mit den richtigen Maßnahmen zur richtigen Zeit viele Menschenleben gerettet haben.

Ich kann Gott nicht dafür danken, dass Covid 19 infizierte Pflegekräfte in den Altenheimen arbeiten müssen. Und was daran klug und umsichtig ist, verstehe ich auch nicht. Die Infektionsfälle, die in den letzen Wochen in den Alten und Pflegeheime aufgetreten waren, sind von den umsichtigen Gesundheitsämtern und Heimleitungen mit-verursacht worden.

Soviel zumindest aus einer anderen Beobachtung heraus.

an-ja antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @an-ja

Werden denn die Bewohner überhaupt gefragt, ob sie sterben wollen oder nicht? Ich glaube nicht - hier bestimmen andere - zumal lebende Heimbewohner auch zahlende sind.

Mit solchen Verdächtigungen wäre ich vorsichtig. Am Schlimmsten sind immer noch manche Angehörige mancher Heimbewohner, die den Arbeitendem im Heim das Leben zur Hölle machen und Ordnungsamt, Presse, Gesundheitsamt usw wegen vermeintlichen Fehlverhaltens auf den Hals hetzen.

Heimleiter stehen im den Spannungsfeld, dass die einen ihre Angehörigen am liebsten jeden Tag besuchen würden, während andere ihre Angehörigen bis es einem Impfstoff gibt völlig abschotten möchten.

Die Alten haben in der ganzen Sache tatsächlich am wenigsten zu melden. Wer im Heim ist, ist sowieso entmündigt.

Anonymous antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @an-ja

die Verständigung ist auch nur minimal möglich, da beide Seiten - Schwiegereltern, als auch meine Schwester und Schwager sind schwerhörig. Darüber hinaus auch nur eine zeitlich begrenzte Besuchszeit möglich - also wirklich - Gott sei Dank???

Ich hoffe, hier können andere, angemessenere Möglichkeiten des Kontakts gefunden werden.

Veröffentlicht von: @an-ja

Werden denn die Bewohner überhaupt gefragt, ob sie sterben wollen oder nicht?

Es geht ja nicht nur um einzelne Bewohner. Bei einer gefährlichen ansteckenden Krankheit geht es nie nur um einen selbst, sondern immer auch um eine Gemeinschaft.
Wer sich - was ich absolut verständlich finde - in Anbetracht seines hohen Alters und seiner nur noch begrenzten verbleibenden Lebenszeit dafür entscheidet, Risiken in Kauf zu nehmen, um wie gewohnt Besuch empfangen zu können, geht ja nicht nur für sich selbst ein Risiko ein, sondern auch für die anderen Heimbewohner und die Mitarbeiter.
Hier in NRW sind seit dem 11.Mai wieder Besuche in Pflegeeinrichtungen möglich. Dass dabei Vorsichtsmaßnahmen weiterhin nötig sind, hat nichts damit zu tun, dass man die Bewohner entmündigen möchte oder ihre Bedürfnisse missachtet, sondern damit, dass man versucht, möglichst erträgliche Kompromisse zu finden zwischen dem Infektionsschutz und anderen ebenso lebenswichtigen Notwendigkeiten.

suzanne62 antworten
Lombard3
Beiträge : 4292

Kreativität gefragt

Veröffentlicht von: @adventurelife

Die Existenz dieses Virus wird uns noch sehr lange begleiten.

Das ist möglich.

Veröffentlicht von: @adventurelife

sollte es doch möglich sein, einen Lebensstil zu entwickeln, der Schutz und Würde gleichzeitig ermöglicht...

Ich hoffe, wir finden Wege, wie wir Mitmenschen und Angehörigen nah sein können und trotzdem nicht ihr Leben oder die Leben anderer Mitbewohner oder des Pflegepersonals gefährden.

Es ist keine leichte Situation.

Insofern ist evtl. Kreativität gefragt.

lombard3 antworten


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