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GOTT von Ferdinand von Schirach - ARD

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Murphyline
Themenstarter
Beiträge : 1265

Hat von euch heute auch jemand die Sendung gesehen?
Ich fand es erschreckend, dass 72 % der Anrufer für Sterbehilfe auch für Gesunde waren.

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27 Antworten
Pinia
 Pinia
Beiträge : 1375

Ich habe den Film gestern Abend in der Mediathek geschaut, u.a. aufgrund dieses Threads.

Den Film an sich fand ich sehr gut, besonders beeindruckt hat mich die Rede des Bischofs und sein anschließender Diskurs mit dem Rechtsanwalt.

Das Ergebnis der Abstimmung erschreckt mich nicht so sehr, da es m.E. den Individualismus und Egoismus in unserer Gesellschaft abbildet, und "Gottlosigkeit" / das mangelnde Wissen um Gottes Willen: Es ist mein Leben - und nur ICH darf und kann bestimmen, was mit meinem Leben geschieht.
Kein Blick auf die Menschen, mit denen man zu tun hat (Familie, Freunde, Kollegen), und die sich u.U. Vorwürfe machen oder den Betroffenen noch gerne bei sich gehabt hätten.
Kein Gedanke an den Arzt, der das Mittel verschreiben soll und damit dem Tod dient.
Und schon gar kein Gedanke daran, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist und nicht uns selbst gehört.
Entscheidend ist: Wenn ICH keine Lust mehr habe zu leben, aus welchen Gründen auch immer, dann kann ICH mein Leben beenden. Und wenn ICH keine Lust habe mich mit Schwierigkeiten / Herausforderungen / Leid ... auseinanderzusetzen, dann kann ICH den einfachen Weg in den Tod wählen - und mein Hausarzt soll der Erfüllungsgehilfe dabei sein. - Für mich Egoismus pur.

Einen einzigen Vorteil sehe ich bei dieser Art des Suizids: Unbeteiligte werden nicht mit dem Auffinden von Erhängten, Erschossenen, Verbrannten oder Gesprungenen konfrontiert und (wahrscheinlich) traumatisiert, und auch kein Lokführer muss damit leben, einen Menschen überrollt zu haben (ich weiß von einem Lokführer, was das mit ihm gemacht hat - er hat es schon mehrmals erleben müssen). Der Selbstmörder kann bequem in Bett oder Sessel sterben und hinterlässt einen "sauberen" Tatort.

pinia antworten
10 Antworten
Miss.Piggy
(@miss-piggy)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 1626
Veröffentlicht von: @pinia

Einen einzigen Vorteil sehe ich bei dieser Art des Suizids: Unbeteiligte werden nicht mit dem Auffinden von Erhängten, Erschossenen, Verbrannten oder Gesprungenen konfrontiert und (wahrscheinlich) traumatisiert, und auch kein Lokführer muss damit leben, einen Menschen überrollt zu haben (ich weiß von einem Lokführer, was das mit ihm gemacht hat - er hat es schon mehrmals erleben müssen). Der Selbstmörder kann bequem in Bett oder Sessel sterben und hinterlässt einen "sauberen" Tatort.

Bei der anschließenden Hart-aber-fair-Sendung sagte eine Diskussionsteilnehmerin, dass es diese "brutalen" Selbstmorde trotz Sterbehilfe immer geben wird, weil sie oft akut und aus anderen Motivationen begangen werden. Auch in Ländern, in denen Sterbehilfe legal ist, müssen die Lokführer leider damit leben.

miss-piggy antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2102
Veröffentlicht von: @miss-piggy

dass es diese "brutalen" Selbstmorde trotz Sterbehilfe immer geben wird, weil sie oft akut und aus anderen Motivationen begangen werden.

Dass solche "Selbstmorde im Affekt" auch bei legaler Sterbehilfe weiter geschehen werden, steht anzunehmen. Die Frage ist, ob sie zahlenmäßig gleich bleiben werden.
Ich nehme mich als Beispiel: Ich habe mir fest vorgenommen, mich, sobald abzusehen ist, dass ich in eine ähnliche Situation hinein mich entwickeln sollte wie ein Verwandter (den ich bis zu seinem Tode mit zu pflegen half), jedenfalls umbringen werde. Auf eine entsprechende Art: schnell, sicher, ohne anderen die Chance zu geben, mich am Ende noch wiederzubeleben.
Weil ich nicht so weit hilflos mich wiederfinden will (z.B. bettlägrig), dass ich mich nicht mal mehr selbst umbringen kann, muss ich es rechtzeitig tun.
Mein Bilanzfreitod steht somit schon fest* - nur die Frage, wann und auf welche Weise er stattfinden wird, ist noch unklar. Wenn ich mich darauf verlassen kann, dass ein guter Freund von mir, der Arzt ist, mir auf mein Verlangen hin ein tödlich wirkendes Mittel geben wird, kann ich also mit dem Freitod selbst noch bis in eine Phase hinein warten, in der ich z.B. schon nicht mehr allein aus dem Haus gehen kann[ gestrichen Inga808]
Um nicht doch "sicherheitshalber" schon relativ früh eine solch brutale Freitodversion zu wählen, brauche ich aber eben die Gewißheit, nachher nicht mit übergriffig-bürokratischen Mitteln daran gehindert zu werden, das mir laut Verfassungsgericht zustehende Recht auch wahrzunehmen: dann zu sterben, wenn ich es will.

Alle "weniger brutalen" Freitodmethoden (die ich übrigens mit dem genannten Freund und Arzt schon durchdiskutiert habe) kranken daran, dass sie kompliziert und/oder unsicher sind und am Ende dazu führen können, dass ich doch noch "gerettet" werde, dann aber womöglich mit zusätzlichen Schäden (durch zeitweise Unterversorgung des Hirns mit Sauerstoff, Vergiftungsschäden usw. usf.).[gestrichen Inga808 wegen zu detailliert]

Das von Dir genannte Argument wäre also nur dann stichhaltig, wenn auszuschließen wäre, dass auch Bilanz-Freitode auf diese Weise gesucht würden. Beziehungsweise: es heb das Pro-Argument, gegen welches es angeführt wird, nicht vollständig auf, sondern relativiert es nur quantitativ.

*Nein, kein Alarm, im Moment geht es mir sehr gut und ich ergoogle keine Bahnfahrpläne in der Umgebung... 😉

jack-black antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973

[ gestrichen wegen Hinweisen zu Suizid]

johannes22 antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973

Ja macht Sinn.

johannes22 antworten
Miss.Piggy
(@miss-piggy)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 1626
Veröffentlicht von: @jack-black

Dass solche "Selbstmorde im Affekt" auch bei legaler Sterbehilfe weiter geschehen werden, steht anzunehmen. Die Frage ist, ob sie zahlenmäßig gleich bleiben werden.

Jetzt hab ich mal ein bisschen recherchiert und eine Schweizer Studie gefunden, wonach Suizide seit den 80er Jahren abnehmen, während assistierte Suizide ab den 2000er Jahren zunehmen:

Betrachtet man die Summe von assistiertem Suizid und Suizid, so zeigt sich, dass die Zunahme von ersterem die Abnahme von letzterem in den letzten 10 Jahren kompensiert. Zu berücksichtigen ist dabei, dass es sich nur teilweise um dieselben Personengruppen handelt. Assistierter Suizid ist ein relativ neues Phänomen, das vorwiegend Personen mit schweren, zum Tod führenden Krankheiten betrifft.

Für mich sieht es so aus als ob Suizide unabhängig von der Möglichkeit des assistierten Suizids seit Jahrzehnten abnehmen. Assistierte Suizide sprechen eine andere "Zielgruppe" an. Teilweise gibt es aber Überschneidungen.

miss-piggy antworten
gedankentaenzerin
(@gedankentaenzerin)
Beigetreten : Vor 14 Jahren

Beiträge : 40
Veröffentlicht von: @pinia

Das Ergebnis der Abstimmung erschreckt mich nicht so sehr, da es m.E. den Individualismus und Egoismus in unserer Gesellschaft abbildet, und "Gottlosigkeit" / das mangelnde Wissen um Gottes Willen: Es ist mein Leben - und nur ICH darf und kann bestimmen, was mit meinem Leben geschieht.
Kein Blick auf die Menschen, mit denen man zu tun hat (Familie, Freunde, Kollegen), und die sich u.U. Vorwürfe machen oder den Betroffenen noch gerne bei sich gehabt hätten.
Kein Gedanke an den Arzt, der das Mittel verschreiben soll und damit dem Tod dient.

Hm. Und wo ist es weniger egoistisch zu sagen "Ich möchte nicht, dass du bestimmst wann du stirbst. Mir fügt es Leid zu, wenn ich mich damit beschäftigen muss, dass du dich so entschieden hast." etc.? Bzw. warum ist diese Form des Egoismus weniger schlimm?

gedankentaenzerin antworten
lhoovpee
(@lhoovpee)
Beigetreten : Vor 6 Jahren

Beiträge : 2227
Veröffentlicht von: @pinia

Kein Blick auf die Menschen, mit denen man zu tun hat (Familie, Freunde, Kollegen), und die sich u.U. Vorwürfe machen oder den Betroffenen noch gerne bei sich gehabt hätten.

Hier könnte man auch die Familie, Freunde und Kollegen als die Egoisten benennen. "Du hast gefälligst weiter zu leben, damit mir es besser geht."

Veröffentlicht von: @pinia

Kein Gedanke an den Arzt, der das Mittel verschreiben soll und damit dem Tod dient.

Ein Arzt der dies nicht tun möchte, kann ja an andere Ärzte vermitteln.

Veröffentlicht von: @pinia

Und schon gar kein Gedanke daran, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist und nicht uns selbst gehört.

Ein Geschenk gehört dem Beschenkten.

lhoovpee antworten
Pinia
 Pinia
(@pinia)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 1375
Veröffentlicht von: @lhoovpee

Ein Geschenk gehört dem Beschenkten.

Stimmt.
Ich korrigiere mich: Das Leben ist ein Lehen von Gott - es ist uns verliehen und wird von ihm wieder zurückgefordert.

Veröffentlicht von: @lhoovpee

Hier könnte man auch die Familie, Freunde und Kollegen als die Egoisten benennen. "Du hast gefälligst weiter zu leben, damit mir es besser geht."

Es geht nicht darum, "damit es mir besser geht". Ich sehe das nicht als Forderung von Familie, Freunden, ... sondern als ein Miteinander. Kein Mensch lebt für sich alleine. Jeder ist Teil einer Gemeinschaft, sei es Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft, die Arbeit. Jeder hat seinen Platz in der Gemeinschaft, auch seine Aufgaben darin - es ist ein Nehemn udn Geben. Und eine Entscheidung zum Suizid hat Auswirkungen innerhalb dieser Gemeinschaft bzw. auf diese Gemeinschaft oder einen Teil davon. Der Selbstmörder hat bei seiner Entscheidung nur sich im Blick und nicht diese Gemeinschaft, auch den Auftrag, den er vielleicht dort hat udn was er anderen geben kann, was fehlt, wenn er sich einfach so davonmacht. Aber auch, was er von anderen empfängt und die Lücke, die er hinterlässt.

Nachtrag vom 26.11.2020 0814
Ich verstehe übrigens sehr sehr gut, wie Menschen in eine solche Lage kommen können - sei es weil sie unheilbar krank sind, unter unmenschlichen Schmerzen leiden, in einer Depression stecken oder mit ihrer Schuld und/oder Situation nicht fertig werden.
ABER: Es gibt Möglichkeiten und Hilfen.

pinia antworten
Lombard3
(@lombard3)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 4292
Veröffentlicht von: @pinia

ICH keine Lust habe mich mit Schwierigkeiten / Herausforderungen / Leid ... auseinanderzusetzen, dann kann ICH den einfachen Weg in den Tod wählen - und mein Hausarzt soll der Erfüllungsgehilfe dabei sein. - Für mich Egoismus pur.

Hallo,

ich habe für deinen Beitrag ein Rot gegeben, weil ich denke, dass es sich diese Position zu einfach macht, die Thematik als Egoismus abzutun.

So etwas kann man denke ich pauschal nicht entscheiden.

lombard3 antworten
Johannes22
(@johannes22)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2973
Veröffentlicht von: @pinia

Kein Blick auf die Menschen, mit denen man zu tun hat (Familie, Freunde, Kollegen), und die sich u.U. Vorwürfe machen oder den Betroffenen noch gerne bei sich gehabt hätten.

Warum glaubst du das die nicht im Blick sind?

Veröffentlicht von: @pinia

Kein Gedanke an den Arzt, der das Mittel verschreiben soll und damit dem Tod dient.

Das entscheidet der Arzt, niemand verpflichtet ihn dazu.

Veröffentlicht von: @pinia

Entscheidend ist: Wenn ICH keine Lust mehr habe zu leben, aus welchen Gründen auch immer, dann kann ICH mein Leben beenden. Und wenn ICH keine Lust habe mich mit Schwierigkeiten / Herausforderungen / Leid ... auseinanderzusetzen, dann kann ICH den einfachen Weg in den Tod wählen - und mein Hausarzt soll der Erfüllungsgehilfe dabei sein. - Für mich Egoismus pur.

Wem gegenüber ist das egoistisch?

johannes22 antworten


Irrwisch
Beiträge : 3339

Hinweis und Bitte der Moderatorin
Ich bitte euch alle sehr, hier keine Hinweise auf Suizidmöglichkeiten zu schreiben.
Zum Einen ganz generell.
Zum Anderen in dieser dunklen und für depressive Menschen oft sehr gefährlichen Jahreszeit.

Postings mit solchen Inhalten werde ich ab jetzt heraus nehmen.

Ich hoffe sehr auf euer Verständnis.

Freundliche Grüße
Inga808

irrwisch antworten
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