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Thomas Gottschalk


MikeFromMUC
Themenstarter
Beiträge : 898

Gestern verabschiedete sich Thomas Gottschalk von den Samstag-Abend-Shows. Aufgrund seiner Krebserkrankung und seines Alters möchte er sich ins Private zurückziehen.

Mir geht Thomas' Abschied sehr nahe. Ich habe ihn immer gemocht und seine Sendungen gerne geschaut.

Meine erste Erinnerung an Thomas beginnt mit den Telespielen Ende der 70er-Jahre. Ich hoffte immer, daß die Kandidaten einen der Loriot-Sketche auswählten und nicht diese langweiligen Musikclips ... In dieser Zeit war ich mit der Schule einmal im Circus Krone, wo Thomas als Stargast kurz vor der Pause auftrat.

Die schönste Erinnerung ist die B3-Radioshow, die er in der 80er-Jahren moderierte, zunächst alleine, später mit Günther Jauch. Wir beeilten uns, um nach der Schule schnell nach Hause zu kommen: Radio an, B3 einschalten, und bloß keinen Spruch von Thomas versäumen!

Die Supernasen-Filme fand ich eher grottig, Thomas ist nun wirklich kein guter Schauspieler.

Es folgte Na Sowas im TV. Das wiederum war neu. Thomas präsentierte Menschen und Promis und quatschte viel mit ihnen. In der damaligen Fernsehwelt war das ein ganz neues Konzept. Thomas' lockere Art und relativ seichte Fragen zielten nur auf Unterhaltung ab. Das machte einfach Spaß, war locker und entspannt. Kein Vergleich zu Rosenthal, Kuhlenkampff und Fuchsberger, nicht einmal Rudi Carrell war so locker drauf.

Als Thomas dann Wetten, daß ... übernahm, war ich zuerst enttäuscht, weil mir die Ernsthaftigkeit von Frank Elstner fehlte. Im Laufe der Zeit hat Thomas die Sendung aber immer besser in Griff bekommen. Und ich habe seinen Stil auch immer besser gefunden. Heute denke ich mir: Respekt, daß er seiner Linie selbst bei dieser gigantischen Samstag-Abend-Sendung immer treu geblieben ist.

Thomas Gottschalk steht für leichte Unterhaltung wie kein anderer. Er ließ seine gute Bildung und seine katholisch-konservative Erziehung zwar durchblicken, aber nie belehrend oder von oben herab. 

Sein Abschied gestern Abend war würdig und gleichzeitig traurig. Er stand zwischen Barbara Schöneberger und Günther Jauch meist recht verloren und einsilbig da. Die Show an sich war ein guter Rahmen, der zu Thomas paßte. Günther Jauch führte dann ein kurzes Interview mit Thomas, der auf diese Weise noch ein paar Anekdoten und nette Sprüche loswurde. Mike Krüger sang danach eine auf Thomas umgedichtete Version von Mein Gott, Walter. Thomas verließ das Studio, und die Show lief ohne ihn weiter.

Ich werde ihn vermissen und wünsche ihm alles Gute für seine Gesundheit und Gottes Segen.

Welche schönen Erinnerungen verbindet Ihr mit Thomas?

Antwort
5 Antworten
Lucan-7
Beiträge : 27365

@mikefrommuc 

Welche schönen Erinnerungen verbindet Ihr mit Thomas?

Mir geht es da ähnlich wie dir, auch wenn ich mich nicht als großen Fan sehen würde. Im Grunde habe ich nur "Na sowas" und "Wetten dass" verfolgt.

Faszinierend bei Thomas Gottschalk war immer, dass er keine Hemmungen hatte vor einem Millionenpublikum zu sprechen und dabei völlig authentisch blieb. Er hatte dieses Talent, einfach daraufloslabern zu können, und dabei unterhaltsam zu sein ohne ein Skript zu benötigen (Auch wenn er sicher oft eines hatte, zur Sicherheit). Und natürlich blieb er dabei oberflächlich, aber das war ja der Sinn - Gottschalk war reine, positive Unterhaltung, eine Reportage etwa aus einem Kriegsgebiet wäre für ihn undenkbar gewesen.

Ich habe auch die Diskussionen in letzter Zeit verfolgt, als Gottschalk sich darüber beschwerte, dass "man ja neuerdings nicht mehr alles sagen dürfe"... und er hat wohl recht damit, denn sexistische Sprüche auf Kosten der Frauen gehörten früher ganz selbstverständlich zum Repertoire "seichter" Unterhaltung. Ich denke nicht, dass das wirklich ein Aufreger ist, die Zeiten waren damals anders. Und mancher Spruch, der früher den ganzen Saal zum Lachen brachte, würde heute nur noch betretenes Schweigen auslösen, mit der Forderung zur Entschuldigung am nächsten Tag.

Dass es eine solche Entwicklung gab, auch bezüglich anderer Dinge, hat Gottschalk wohl nie so recht wahrhaben wollen, und das führte dann zu der ein oder anderen Szene, die sowohl für ihn selbst wie auch das Publikum unangenehm waren. Und spätestens dann war auch  klar, dass er nicht mehr weitermachen konnte, weil er sich nicht ändern wollte. 

So wurde ihm seine größte Stärke, nämlich das unbekümmerte Plappern, zur größten Schwäche, weil er keine Selbstzensur  betreiben wollte. Was ja auch für ihn spricht, denn verstellen wollte er sich nicht. Aber es funktioniert halt nicht mehr.

Dass er einer der Großen in der Unterhaltung war ändert daran nichts, und zu seiner Zeit hat ihm in seiner Branche niemand das Wasser reichen können. Und ohne die Sendung gestern selbst gesehen zu haben denke ich, dass er es geschafft hat, mit Würde abzutreten... gerade noch rechtzeitig um sich nicht selbst zu beschädigen...

lucan-7 antworten


AWHler
 AWHler
Beiträge : 1192

@mikefrommuc 

Ich hab's gestern nicht gesehen, nur heute drüber gelesen.

Thomas Gottschalk habe ich auch immer gemocht, er war witzig und locker (Elstner war mir eher zu bieder) - und "Wetten, dass ..." mit ihm bleibt mir in guter Erinnerung (spannende Wetten, z.T. spannende Gäste) ... Wenn's ging, haben wir es immer geguckt. Und Highlights wie Michael Jackson oder ein knurriger Götz George bleiben in Erinnerung.

In letzter Zeit habe ich ihn im Fernsehen nicht mehr weiter verfolgt, wo immer er mitgemischt hat. Anders als meine Frau, die auch den Günther Jauch weiter verfolgt.

Dass mit TG etwas nicht stimmte bei den letzten Auftritten, war klar, wieso wusste keiner, aber die Empörung war da - aber ich war schon erschrocken darüber, mit wieviel Hähme und Verurteilung seine (in der Tat misslichen!) Äußerungen sofort mit einem Riesenbashing seiner Person beantwortet wurden und wie auch nach dem Outing seiner Krebserkrankung die Analysen (warum, wieso,weshalb tut er, macht er ...?) sofort zur Hand waren.

Irgendwie wurde er da wohl selbst das Opfer und ein Gefangener seiner eigenen Flapsigkeit und seiner Sprüche, die ja zum Markenzeichen wurden.

Nun, denke ich, sollte er Ruhe und hoffentlich Genesung finden - für mich bleibt er der "gute Thommy" 😉

L'Chaim

 

awhler antworten
Chai
 Chai
Beiträge : 3516

Auch ich hab die Show nicht gesehen. Aber grundsätzlich mag ich ihn gern und finde seine Art der Unterhaltung zwar nicht intellektuell im oberen Drittel (wobei der Herr Gottschalk ja kein Dummer und / oder Primitiver ist), aber eben auch nicht in dem Feld, in dem viele Unterhaltung stattfindet. 
Und ich ahne zwischenzeitlich, wie anstrengend gute Unterhaltung sein kann, ebenso wie es nicht immer einfach sein dürfte, unangestrengt zu wirken und doch ein gewisses Niveau zu halten. 
Dass es in früheren Zeiten andere Sprüche gab - nun denn, vielleicht wird heute auch manches etwas verkrampft gesehen. 

Und ansonsten ist der Herr Gottschalk jetzt einfach ein kranker Mensch - auf der Onkologie zählen andere Dinge als ein Promi-Status. 

chai antworten


Martha
 Martha
Beiträge : 1173

@mikefrommuc 

Meine schönsten Erinnerungen an Thomas Gottschalk hängen an seinen Moderationen in Bayern 3. 

Später bewunderte ich die Art und Weise, wie selbstverständlich und ungekünstelt er mit den Stars aus aller Welt auf der Wetten-dass-Couch quatschte.

Als dann seine Jacken immer bunt-schillernder wurden, avancierte er in meinen Augen allmählich zum Gaukler,  später zum Clown.

Weil er seine Steuern nicht in D zahlte und alle (trotzdem) seine Show glotzten, begann ich mich über ihn zu ärgern.

Seine letzten Auftritte hätte er sein lassen können. Waren nicht gut für das Bild des jungen Moderatoren aus Kulmbach, das ich mir von ihm bewahren wollte. 

Was nun bleibt, ist Mitgefühl.

 

 

martha antworten
1 Antwort
MikeFromMUC
(@mikefrommuc)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 898

@martha 

Ich verstehe gut, was Du meinst. Mir ergeht es ähnlich. Die B3-Radioshow war genial. Als Thomas mit Wetten, daß ... gefühlt jeden Monat zu sehen war, war es mir manchmal zu viel des Guten. 

Über seinen Schritt, nach USA auszuwandern, habe ich mich nicht geärgert. Er hat schon immer sein Privatleben so gut es geht aus dem Beruflichen herausgehalten. In USA kann er ganz normal zum Shoppen gehen, ohne daß ihn jemand erkennt. Soweit ich weiß, war das der Grund - und nicht in erster Linie, um Steuern zu sparen.

Er hat ja mehrere Dinge ausprobiert. Seine Late Night Show war eher ein Flop. Anfang der 1990er-Jahre war er kurzzeitig bei Radio Xanadu München eingestiegen, als Moderator und, ich glaube, sogar als Programmdirektor. Das fand ich richtig gut. Aber das dauerte nur kurz. Jedenfalls konnte man zu dieser Zeit bei Xanadu vorbeigehen und Hallo zu ihm sagen. Er hat längere Zeit in Laim gewohnt, auch das verbindet mich mit ihm.

Was nun bleibt, ist Mitgefühl.

Das auf jeden Fall. Bei mir auch ein Gefühl des Verlusts. 

mikefrommuc antworten
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