Zuletzt gesehener Film 2023
Gott existiert, ihr Name ist Petrunya
Eine arbeitslose junge Frau, die noch bei den Eltern wohnt und nichts zustande bekommt, begegnet am 19.01 einer orthodoxen Prozession, in deren Verlauf der Pope ein geheiligtes Kreuz in einen Fluss wirft. Eine Reihe nackter Männer springt dem nach, weil der, der das Kreuz aus dem Wasser holt, 1 Jahr lang nur noch Glück hat. Die junge Frau springt in einen plötzlichen Impuls ebenfalls ins kalte Wasser und bekommt das Kreuz.
Damit löst sie ein gesellschaftliches Erbeben aus, das fast in Mord und Totschlag endet.
Ein sehr sehenswerter Film.
Moonfall
Scifi-Katastrophenfilm von R. Emmerich. Eine Mischung all seiner vorhergehenden Katastrophenfilme, diesmal kommt die Gefahr, die mal wieder die ganze Welt zu vernichten droht, vom Mond. Der Inhalt ist so hanebüchen, dass es sich nicht mal lohnt, ihn zu spoilern, mein privates Lieglingsthema AI ist zwar eins der beiden Film-Motive, wird aber so strunzdoof behandelt, dass AS (für: artificial stupidity) hier eher ein treffendes Kürzel wäre.
Hab ihn mir angeschaut, weil Halle Berry darin mitspielt. Beziehungsweise, was nach der computergestützten Rundum-Erneuerung mit dem großen Anti-Falten-Pinsel noch von ihr zu erkennen ist.
Einen special award hat der Streifen verdient für die sinnloseste und lächerlichste Autoverfolgungsjagd in der Filmgeschichte - da kommen nicht mal die Fast&Furious-Streifen dran.
Der Film ist während der Pandemie-Zeit entstanden und Emmerich musste sich ziemlich anstrengen, die Finanzierung zu organisieren - er selbst hat wohl eine Menge seines eigenen Geld mit hineingesteckt. Vermutlich hat er dann gedacht: Wer zahlt, bestimmt die Musik! - und dann alle konstruktive Kritik einfach ausgeblendet. Anders läßt sich das Ergebnis nicht verstehen.
Die Produktionskosten dürften sich auf zwei große Töpfe verteilt haben: Schauspieler, die sich ihre Teilnahme an diesem peinlichen Projekt zumindest vergolden ließen - und eine CGI-Abteilung, die sich austoben durfte (und dennoch manchmal ganz schönen Müll an Bildern durchwinkte).
Storywriting, Dialoge und überhaupt Figurenentwicklung hingegen hat Emmerich vermutlich selbst übernommen, um Kosten einzusparen, und entsprechend... Aber was reg ich mich auf, jedes Wort der Kritik ist eigentlich schon des Lobes zuviel, denn es bedeutet ja doch, dem Film mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als ihm angemessen wäre.
Ihr wollt Lebenszeit einsparen? Dann tut Euch Moonfall (momentan auf prime kostenfrei zu sehen) nicht an.
Meine Alternativempfehlung für prime-Kunden: Sämtliche "Homeland"-Staffeln sind immer noch kostenfrei zu sehen. Diese Serie binge ich mir gerade zum zweiten Mal rein, nachdem ein Freund, dem ich sie vor Monaten mal empfahl, sich vorgestern begeistert für den Tipp bedankte und gleich mit mir über bestimme Folgen unterhalten wollte, die ich schon wieder fast vollständig vergessen hatte: zu unrecht. Bin gerade am Anfang der dritten Staffel und praktisch genauso begeistert wie beim ersten Durchgucken vor ein paar Jahren.
Scifi-Katastrophenfilm von R. Emmerich. Eine Mischung all seiner vorhergehenden Katastrophenfilme, diesmal kommt die Gefahr, die mal wieder die ganze Welt zu vernichten droht, vom Mond.
Bei Emmerich hat die Bezeichnung "Katastrophenfilm" immer eine zweifache Bedeutung... bei ihm habe ich einfach das Gefühl, dass er sein Publikum schlicht für dumm hält, weshalb er sich auch auf ein paar Effekte und bekannte Elemente beschränkt, aber auf eine durchdachte Story verzichtet.
Eigentlich ist es ärgerlich, denn würde er sich mit einem guten Autoren zusammentun könnten da durchaus fantastische Filme bei herauskommen. Aber so lohnt sich das halt nicht...
Avatar 2 - The Way of Water
Lief anlässlich des großen Kinofestivals vom Cinemaxx nochmal am Samstag Mittag für 5 Euro und da ich den aus Krankheitsgründen im Winter verpasst hab, bin ich dann mit meiner Kollegin reingegangen.
Cameron verlegt die Abenteuer der Sully Familie (inzwischen sind einige Jahre vergangen und es sind 4 Kinder dazugekommen) vom Wald in die Meereswelt. Er lässt sich für die Umsiedelung sehr viel Zeit, man lernt die Figuren neu kennen, andere werden eingeführt und die ersten Grundsteine für die Entwicklung des großen Finales (musstet Ihr auch alle am Ende an "Titanic" denken? 😊 Fehlte nur noch Jack und ne schwimmende Tür mit der heulenden Rose drauf) werden gesetzt. Kate Winslet spielt übrigens auch mit, ich hab sie aber erst im Abspann als solche erkannt 😆
Es geht um Familie, Freundschaft, Integration, Naturschütz, Artenschutz, Geschwisterrivalität, Teenagerliebe, Loyalität, Verrat und den Glauben an das große Ganze (Eywa). Es wird natürlich auch viel gekämpft und gestorben. Visuell sehr aufwändig inszeniert mit einem fantastischen Soundtrack, allerdings schwächelte das Bild teilweise an der 3D Technik.
Das Ganze ist schon kurzweilig und sehenswert, aber meiner Meinung nach alles zu viel und zu dicke, zwischendurch wird es hektisch und Cameron peitscht seinen Cast förmlich durch die komplexe Handlung. Das ist meiner Meinung nach die größte Schwäche, dass der Film nicht wusste, was er sein soll: Action- oder Liebesfilm, Coming of Age Drama... irgendwie von allem ein bisschen und er war mir persönlich zu pathetisch. Die esoterisch-religiöse Botschaft dahinter hat mir schon im ersten Teil nicht gut gefallen, aber das ist jetzt kein Grund, nicht reinzugehen.
Aber gefallen hat es mir trotzdem. Ich bin auf den dritten Teil gespannt.
Kindeswohl
Beruhend auf einem Roma von Ian McEvan. Heute nachts zufällig beim Zappen drauf gestoßen. Ist in der ZDF mediathek bis irgendwann im Oktober abrufbar.
Emma Thompson spielt eine engagierte Richterin am Familiengericht, die immer wieder schwierige Fälle auf den Tisch bekommt, beispielsweise gleich am Anfang des Films die Frage, welcher von zwei siamesischen Zwillingen am Leben bleiben darf. Während sie im Beruf da schwere Schlachten schlägt, droht ihre Ehe (Ehemann gespielt von Stanley Tucci) in die Brüche zu gehen.
In dieser Krisenzeit bekommt sie einen Fall auf den Tisch, bei dem es darum geht, dass ein junger (noch minderjähriger) Zeuge Jehovas (Fionn Whitehead) sich weigert, Bluttransfusionen, die allein ihm das Überleben bei einer Krankheit sichern könnten, anzunehmen. Sie involviert sich persönlicher in den Fall, als sonst bei ihr üblich.
Ein sehr ruhiger, sehr ernster und irgendwann zu Tränen rührender Film, der stark auf den darstellerischen Künsten von zuallererst Thompson, aber auch von Tucci beruht. Whitehead kann gegen diese zwei Stars noch nicht so ganz anspielen, aber vielleicht liegt das auch an seiner Rolle, das wage ich nicht endgültig zu entscheiden. Auch die Nebenrollen wie der Sekretär oder persönliche Gerichtsdiener der Richterin, oder das JZ Elternpaar sind hochkarätig besetzt.
Action findet sich hier allerhöchstens, wenn Thompson mal etwas hektisch durch die Gerichtsgänge läuft und schöne Bilder , wenn mal ein Taxi in der Nacht verschwindet. Der Film ist also so ziemlich das Gegenteil eines Blockbusters: eine stille, sehr klug geschriebene und ja: kultiviert humanistische kleine Tragödie. Für Leute mit Geduld eine absolute Empfehlung: 5/5 Sternchen. Für Leute, die Bock auf Popkorn, Fun oder Entspannung haben: 1/5.
Ein wirklich guter Film. Sehr berührend und nachdenklich machend. Danke für die "Empfehlung".
Vielen Dank für den Filmtipp. Das Buch habe ich damals gelesen, als es erschienen ist und bin nun gespannt auf den Film!
Ich fand "Kindeswohl" auch sehr gut, ich bin ja Stanley Tucci Fan, der Mann kann einfach alles spielen
War of the worlds
The Eve of The War / Jeff Wayne´s ... The War of The Worlds
https://youtu.be/3M5vCEjEC9s?si=jakX-mr8IemapPMx
Ein faszinierendes Musical, gerade auch bei diesem Thema.
Das eingeblendete Gesicht könnte die Personifizierung des Zusammenhanges der Welt sein - so in der Art eines Antlitz Gottes.
Das erinnert mich an eine Filmszene, in der bei einem untergehende Schiff das Wasser durch das Schiff strömte und die Welle die Gestalt eines Menschen annahm, aber sich direkt danach auch wieder auflöste. Leider weiß ich nicht mehr, wie der Film hieß.
@queequeq
Mein zuletzt gesehener Film war Silence von Scorsese
https://www.rollingstone.de/reviews/martin-scorsese-silence/
Langsam, spannend, beklemmend sehenswert
Arielle, die Meerjungfrau
Neuverfilmungen und wie sehr man sie braucht... nun ja. Vorweg: "Arielle 2023" ist ein netter Film mit netten Effekten. Mehr aber halt auch nicht. Tatsächlich wirkt der Zeichentrickfilm im Vergleich sehr viel natürlicher und authentischerm aufgrund der größeren Ausdrucksmöglichkeiten... was vor allem bei Sebastian der Krabbe ganz besonders auffällt. Da bekommt man glatt Mitleid mit der Computeranimation, weil die trotz aller Mühe so was von überhaupt nicht mit dem Charakter des Originals mithalten kann. Trauriger Tiefpunkt der prägende Song "Under the Sea"... das ist im Vergleich einfach nur ein Elend.
Die diverse Besetzung, die ich in diesem Zusammenhang einmal erwähnt hatte, passt hingegen gut in die Geschichte, die in die Karibik verlegt wurde. Und dagegen ist nichts einzuwenden. Der weiße Königssohn einer schwarzen Königin ist adoptiert (wie in einem Nebensatz erwähnt wird), so dass da auch alles passt... und dass Arielles Schwestern alle sieben Meere repräsentieren (Und deshalb unterschiedlich aussehen) ist eine nette Idee.
Leider ist der Film halt trotzdem schlecht. Nicht grottenschlecht übel, aber im Vergleich zum Original gibt es halt wirklich nichts wesentlich Neues... alles wirkt irgendwie hölzern und künstlich (die teilweise vollständig im Computer erzeugten Meerjungfrauen tragen da auch einiges zu bei...), und die Unterwasserwelt wirkt wie aus einem Freizeitpark, aber nicht "real". Die Darsteller mühen sich redlich, aber gegen die Zeichentrickfiguren können sie nur den Kürzeren ziehen.
Das war nicht in allen Neuverfilmungen so, aber hier funktioniert es einfach nicht.