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Zuletzt gesehener Film 2026

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Jack-Black
Themenstarter
Beiträge : 5659

Neues Jahr, neuer Film-Thread. 🙂

Ich würde wieder folgende Regeln vorschlagen:

1. Filmtitel nennen

2. Hinweise darauf geben, wo man den Film sehen kann (Kino, TV-Sender, Streaming-Dienst, Blue-Ray?)

3. Spoiler kennzeichnen, gerne mit gefetteter Spoiler-Warnung.

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30 Antworten
Jack-Black
Themenstarter
Beiträge : 5659

Und ich fange gleich mal an:

"Die drei Musketiere" - Teil 1: D'Artagnan und Teil 2: Mylady

Beide Teile sind seit Kurzem in der ZDF-Mediathek abrufbar, wurden aber schon ab 2021 als Kinofilme in spanisch-französisch-deutscher Koproduktion gedreht und 2023 in die Kinos gebracht.

Inhalt

Die bekannte Story von Alexandre Dumas. Die Verfilmung hält sich nicht sklavisch an die Romanvorlage, folgt ihr aber, wenn mich meine Erinnerung an die schon mehrere Jahrzehnte zurückliegende Lektüre nicht trügt, im Großen und Ganzen.

Der Stoff wurde ja nun schon x-mal verfilmt und es ließe sich fragen: wozu noch eine Version? Darauf lässt sich keine knappe Antwort geben, ausser vielleicht: eine neue Generation soll mit dieser "Neuinterpretation" vermutlich gewonnen werden. Und obwohl ich keine Ahnung habe, ob das geklappt hat (über den Erfolg an den Kinokassen hab ich auf die Schnelle nicht viel herausfinden können), finde ich einige der Neuerungen/Abänderungen an der Story durchaus gelungen, auch wenn es eine Frage des Geschmacks sein mag, ob man insbesondere den Ausbau der weiblichen Figuren nun gut findet, oder als durchschaubaren, kommerziell motivierten Trick, mehr weibliche Zuschauer anzusprechen, genervt ablehnt.

Sowohl der Love Interest der Hauptfigur D'Artagnan, also Constanze Bonacieux, als auch Lady de Winter bekommen weitaus mehr Screentime, als es der Romanvorlage nach angemessen gewesen wäre. Leider geht dies, anders als bei der dritten weiblichen Figur, Anna von Österreich (die Königin), sehr zu Lasten der "Glaubwürdigkeit". 

SPOILER!!!

 

So ist Constanze plötzlich, weil sie ja nähen kann, auch in der Lage, problemlos die Wunden von D'Artagnan zu nähen, als hätte sie so nebenbei eine Ausbildung als Unfallchirurgin genossen. Das funktioniert so problemlos, wie es vielleicht in einem Märchen funktionieren würde, also ganz ohne Desinfektion oder Narkose...

Und Lady de Winter ist nicht nur Spionin, sondern auch im Nahkampf mit Dolch und Degen jedem Musketier mindestens ebenbürtig. Das wird dann in ellenlangen Kampfszenen ausgespielt, die eher langweilen als fesseln, weil sie natürlich so geschnitten werden mussten, dass die vermutlich kaum vorhandenen Martial Arts-Skills der Darstellerin nicht zu deutlich sichtbar wurden.

 

SPOILERENDE 

 

 

Darsteller

 

Die Schauspielerischen Leistungen haben mich hier im Großen und Ganzen überzeugt. Vor allem Vincent Cassel als Athos und Romain Duris als Aramais wissen hier zu überzeugen, sind aber freilich auch so ungefähr das beste, was Frankreich an männlichen Darstellern zu bieten hat. Pio Marmais als Porthos ist passend, aber seine Figur ist - wofür er wenig kann - für meinen Geschmack zu klamaukig angelegt. Zwar war schon in der Romanvorlage Porthos von allen Musketieren die platteste Figur: der draufgängerische Säufer-Kumpel mit wenig Tiefgang... Aber das hätte man ja nicht so eins zu eins übernehmen brauchen...

Francois Civil als D'Artagnan ist für meinen Geschmack schon nicht mehr jung genug. Ob einer 30 oder 20 ist, macht schon einen erkennbaren Unterschied, und seine schauspielerische Performance ist zwar okay, aber nun auch nicht so überwältigend, als dass man ihn unbedingt in der Hauptrolle hätte haben müssen, statt einem jüngeren Nachwuchs-Schauspieler hier eine Gelegenheit zu geben.

Allen vier Musketier-Darstellern fehlt im übrigen das, was traditionell (in früheren Filmen) das Wichtigste für diese Figuren war: Ihre überragenden Kampf-Skills. Zwar sind die häufigen Kämpfe gut choreografiert und haben sogar eine angenehme "Erdigkeit", statt wie tänzerische Turn-, Hüpf- und Geschicklichkeitsübungen rüberzukommen. Aber es wird doch, weil es eben so viele Kämpfe gibt, relativ schnell deutlich, dass die Darsteller nicht unbedingt im Kampf mit Dolch und Degen versiert sind und also der Schnitt und viele Stuntmen einspringen mussten.

Dieses Manko kommt bei den übrigen männlichen Figuren nicht so zum Tragen, weswegen mir die allesamt sehr gut gefielen. Insbesondere hab ich mich in die Adlernase von Louis Garrel verliebt, der Ludwig den 13. wirklich sehr königlich-klug spielt. Im Roman kommt der ja praktisch nicht vor, ausser als eifersüchtiger Ehemann der Königin. Hier im Film strahlt er echte Autorität aus und wirkt nicht wie ein naiver Trottel, den Kardinal Richelieu ganz easy zu manipulieren wüßte. Insbesondere gefällt er mir im Zusammenspiel mit Vicky Krieps, welche die Königin spielt. Die Frau war mir bisher nie aufgefallen, auch wenn mir ihr Gesicht nicht völlig unbekannt schien. Sie schafft es hier, der ebenfalls ehe flachen Romanfigur Tiefe zu geben in ihrer Zerrissenheit zwischen der Liebe zu Buckingham und der Verantwortung, die sie als Königin trägt, die ihrem Mann und König Treue schuldet. Wie so ganz nebenbei wird da ein Blick auf die Zwänge, denen damals die höchsten Adeligen unterlagen, und die sie sozusagen ihre Menschlichkeit hintanstellen ließen, eröffnet. König und Königin waren somit sowohl von den Darstellern als auch vom Inhalt her für mich die Krönung dieser Filme. 🙂

Wen ich nicht mochte, war die aufgeblähte Figur der Lady de Winter - wohl auch, weil ich Eva Green nicht mag. Keine Ahnung, warum, mir gefällt ihr Mund nicht und ich fand sie noch in keiner Rolle wirklich weiblich-lieblich-verführerisch. Sie kommt - nicht nur in diesem Film - für meinen Geschmack immer zu angestrengt tough rüber, zu super-smart. Ich habe immer, wenn ich ihr Gesicht sehe, die Vision von einer eisern auf dem Laufband trainierenden, die Kalorien im das Mineralwasser mit Geschmack versorgenden Zitronenspritzer zählenden Karriere-Juristin, die umso gefährlicher wirkt, je mehr sie ein Lächeln versucht. Sie war sicherlich mal jung, aber dass sie auch mal ein Mädchen gewesen sein könnte, nehme ich ihr nicht ab. Hier ist sie - übrigens passend zur  Romanfigur - nicht mehr so ganz jung, und daher muss sie auch nicht so mädchenhaft wirken wie Lyna Khoudri als Constanze. Aber im Buch ist sie die Verführung in Person, mysteriös und blond und gewissermaßen zeitlos schön - wie eine Zauberin, die ständig eine magische Betörungsaura um sich trägt, welche ausnahmslos jeden Mann willenlos werden lässt.

Dazu taugt Eva Green nicht - wo Verführung und Betörun sein sollten, drückt bei ihr aufdringlich der Busen gegen das knappe Kämpferinnen-Korsett, bis man zu befürchten beginnt, er könne platzen. Überhaupt scheint sie das mit den "Waffen einer Frau" zu wörtlich zu verstehen, statt Erotik finden wir bei ihr eine aggressive Domina-Sexyness, die bei jeder Frau über 30 irgendwie schon wieder traurig macht, statt antörnend wirkt. So richtig schlimm wird es allerdings dadurch, dass eben auch die Drehbuchschreiber meinten, aus der geheimnisvoll-gefährlichen Lady eine Actionfigur machen zu müssen, die ihre auf dem Laufband erworbenen sportlichen Fähigkeiten in diversen Kampf-Szenen vorführt. Eine neumodische Super-Woman, die es mit jedem Mann locker im Nahkampf aufnimmt, ja sogar mit mehreren auf einmal. Diese Rolle passt zu Eva Green. Aber eben nicht zu der Lady de Winter, wie sie sich Alexandre Dumas vorstellte und Generationen von Lesern des Romans. Dafür bräuchte es wohl eher eine Art Lauren Bacall...

 

 

Bild und Ton

Zum Ton habe ich nicht viel zu sagen - die Musik kann nicht aufdringlich gewesen sein, denn sie störte mich nicht, hat aber auch nicht im überraschend positiven Sinne auf sich aufmerksam gemacht. Die Dialoge sind in der Synchronisation gut zu verstehen, der Sound passt zu den Bildern. Nix zu beanstanden in dieser Hinsicht, aber auch nichts besonders zu loben.

Die Bilder hingegen... Also da war ich wirklich beeindruckt. Erstmal: Frankreich (es wurde nur dort gedreht) ist unglaublich schön in diesem Film. Die Landschaften. Die Schlösser... Die Kameraführung, die Licht- und Farbregie sind sehr, sehr gut, wenn man es pittoresk-konservativ mag. Die Bilder sind so richtig schön zum satt-sehen. Man bekommt richtig Spaß daran, den Musketieren beim Reiten zuzusehen oder wie sie über irgendwelche Wehrgänge in irgendwelchen Burgen rennen. Wenn das belagerte La Rochelle gezeigt wird und irgendwelche Kommandoaktions-Truppen da nachts sich von der Meerseite her anschleichen... Dann bekommt man Lust, direkt zum Baden in die Wellen zu tauchen oder einfach nur das Mondlicht beim Glitzern auf der Gischt zu betrachten. Selbst wenn ich so den Verdacht habe, dass bei den Nachtaufnahmen einfach nur sehr gute "Nachtfilter" über bei Tageslicht gedrehte Szenen geblendet wurden. Egal - es sieht einfach geil aus und die Jungs (und Mädels?) bei der Nachbearbeitung haben Beachtliches geleistet. Rein optisch passen die Filme auf jeden Fall auf die große Leinwand, ich ziehe meinen Hut!

 

Ausstattung/Kostüme

Für so einen Mantel&Degen-Film ja nicht ganz unwesentlich. Mir hat's richtig gut gefallen. Die Kostüme der Musketiere waren angenehmerweise etwas weniger barock aufgebläht, als es historisch vermutlich korrekt gewesen wäre. Sie haben einen leicht abgewetzten Leder-Look, der auf grelle Farben verzichtet und dessen ansatzweise Western-Coolness aber noch nicht zu aufdringlich unzeitgemäß auf Modernität getrimmt wirkt. Was die Kulissen angeht, schöpft man hier offensichtlich aus dem, was Frankreich so zu bieten hat - die Schlösser wirken so prunkvoll echt von aussen wie die Interieurs, und Bäume, Felder, Strände und Hügellandschaften sehen aus wie gemalt, nur halt realistischer und bewegt... Ich fragte mich öfter, wieviele moderne Artefakte wie beispielsweise Hinweisschilder, Antennen oder Windräder in der Ferne mühsam aus den Bildern rausretouchiert werden mussten. 

 

Drehbuch

Obwohl, wie oben schon angeführt, einige Aspekte wie das Verhältnis zwischen König und Königin nach meinem Dafürhalten sogar besser durchdacht waren als in der Romanvorlage, so waren dennoch die meisten Änderungen eher nachteilig. An mehreren Stellen musste Genosse Zufall, vereint mit der größten anzunehmenden Dummheit der Schurken eingreifen, damit die Geschiche überhaupt weiter gehen konnte, ärgerlichstes Beispiel:

 

SPOILER!!!

D'Artagnan wird mit einem Schlag auf den Kopf  niedergestreckt und entführt. Als er zu sich kommt, liegt er in einer Holzkiste neben der Leiche von irgendjemand anderem. Er soll von seinen Entführern verhört werden. Dazu schickt man - in einer von Soldaten nur so wimmelnden Burg - einen einzigen Kerl, der die Holzkiste öffnet und sofort vom dem aus der Kiste springenden Helden überwältigt wird. Wie gut, dass man nicht zwei oder drei echte Schergen schickte, ihn aus der Kiste zu schleifen. Wie schlau, ihn ungefesselt in diese Kiste gelegt zu haben...! Na, da kann er ja schwuppdiwupp losziehen und sich mit vorgehaltener Waffe (Dolch) den Anführer der Bösewichte schnappen, um eine andere Gefangene freizupressen... Das ist Kindertheater-Dramaturgie

 

SPOILERENDE

 

Kurz: die Story ist soweit altbekannt, wie sie sich nah an die Romanvorlage hält. Wenn sie aber von der abweicht, um mehr Spannung und Action in die Sache zu bringen, gelingt ihr das nur teilweise für den Action-, gar nicht aber für den Spannungs-Teil.

 

Gesamtwertung:

Ein unterhaltsamer Mantel-und-Degen-Film mit überdurchschnittlich schönen Bildern und - für das Genre - darstellerischen Leistungen, dessen Drehbuchschreiber aber fast nur verschlimmbessernde eigene Ideen in die altbekannte Story mengen, weswegen die Spannung und die Originalität hier deutlich geringer ausfällt als z.B. in vergleichbaren Produktionen wie "Der Mann in der eisernen Maske".

 

6,5/10 Wertungssternchen. Wer einfach nur zum Feierabend entspannen und sich ein wenig in eine andere Zeit entführen lassen möchte, und dies gern mit oppulenten Bildern, darf auf 8/10 aufsternchenwerten.

 

 

 

p.s.: Es fehlt eigentlich noch ein dritter Teil. Ob der nachgeliefert wird, erscheint mehr als fraglich, eventuell sollen die Dreharbeiten dafür 2027 starten. Der zweite Teil endet leider mit einem ärgerlichen Cliffhanger, wobei mir scheint, als wäre eigentlich nicht mehr genug Story übrig, um damit noch einen regulären Kinofilm zu füllen.

jack-black antworten
8 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27454

@jack-black 

Danke für deine Zusammenfassung... scheint mir dann doch nicht so recht überzeugend zu sein. Wie du schon schreibst: Es stellst sich halt die Frage, wozu man noch eine Version eigentlich braucht...

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 5659

@lucan-7 scheint mir dann doch nicht so recht überzeugend zu sein.

Man kann ja - weil kostenfrei in der ZDF-Mediathek enthalten - einfach mal reinzappen. 🙂

 

Es stellst sich halt die Frage, wozu man noch eine Version eigentlich braucht...

 

Brauchen ist ein Wort, welches nach dem Nutzwert einer Sache fragt - was aber im Unterhaltungs-Bereich m.A.n. nicht so richtig passt. Deine Frage wäre vermutlich besser so umformuliert: Will ich noch eine Version dieser mir in ihren Grundzügen schon bekannten Geschichte?

Das herauszufinden habe ich in letzter Zeit ein Indikationsinstrument gefunden, auf das mich mein Neffe gebracht hat: die Pinkelpausenprobe.

Immer, wenn man ihm etwas erzählt oder sich mit ihm über ein Thema zu unterhalten versucht, das ihn langweilt, muss er auf's Klo. Häufig kommt er von dem dann nicht zurück, sondern verkrümelt sich, um was Spannenderes (Fortnite zocken z.B.) mit seiner Zeit anzufangen.

Diese Beobachtung habe ich begonnen, auf mein eigenes Verhalten zu übertragen beim Gucken von Filmen. Wenn z.B. ich im Privatfernsehen einen Film gucke, der irgendwann durch die unvermeidlichen Werbeblöcke unterbrochen wird, bin ich entweder froh über diese Werbeblöcke, weil ich mich während denen halt mal auf's Stille Örtchen begeben (oder ein Brot in der Küche schmieren oder die Wäsche aus der Maschine holen...) kann, oder sie nerven mich, weil ich gezwungen bin, die Zeit, bis es endlich weitergeht, mit Zappen oder ein paar Knieebeugen und Liegestütz zu überbrücken. Wenn ich spätestens in der zweiten Werbepause nicht mehr wirklich was mit der Unterbrechungszeit anfangen kann, und das Hin- und Herzappen einfach nur nervt, zappe ich entweder nicht mehr zurück oder den Fernseher ganz aus, d.h. verhalte mich entsprechend meinem Neffen, der einfach nicht mehr vom Klo zurück kommt.

Ein Film, der ohne Unterbrechungen läuft, besteht dann die Pinkelpausenprobe, wenn man sich sehr beeilt, von der Toilette zurück auf seinen Zuschauersessel zu gelangen. Im Kino verzichtet man dann beispielsweise darauf, sich noch nach dem Händewaschen eine halbe Minute lang lang mit dem Trockenpuster abzugeben: schnellschnell! zurück, um nicht so viel zu verpassen, die nassen Hände lassen sich auch an der Hose oder an den Seiten des Sessels abwischen. Ein Film fällt dann bei der Probe durch, wenn man sich die Hände wäscht, dann trocken pustet, dann überlegt, dass man die Hände vielleicht mit etwas Seife aus dem Spender, dessen genaue Funktionsmethode allerdings erstmal herausgefunden werden müsste, noch etwas hygienisch sauberer hinbekommen hätte, den Händewaschvorgang also inklusive gründlicher Seifenspenderuntersuchung wiederholt, den Trockenpusten-Vorgang wiederholt, bis die Hände nicht nur gänzlich trocken, sondern auch schön warm sind - und dann entspannt zurück zum Kinosaal schlendert, unterwegs sich gegebenenfalls sogar noch einen längeren Blick auf die Ankündigungs-Poster für andere Filme gönnend. 😉

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27454

@jack-black 

Brauchen ist ein Wort, welches nach dem Nutzwert einer Sache fragt - was aber im Unterhaltungs-Bereich m.A.n. nicht so richtig passt. Deine Frage wäre vermutlich besser so umformuliert: Will ich noch eine Version dieser mir in ihren Grundzügen schon bekannten Geschichte?

Du hattest ja selbst so einen Nutzen angesprochen: Ein jüngeres Publikum mit einem leidlich bekanntem Stoff ansprechen. Mein Nutzen könnte darin bestehen, Aspekte und Möglichkeiten der Geschichte zu erleben, die manches in einem neuen Licht erscheinen lassen, auch wenn sie ursprünglich gar nicht vorkamen.

Das kann interessant sein... aber wenn die neuen Aspekte lediglich die Einführung unplausibler Kampf-Women bedeutet, dann ist das nichts, in dem ich eine ausreichend Bereicherung dieser klassischen Geschichte sehe.

 

Das herauszufinden habe ich in letzter Zeit ein Indikationsinstrument gefunden, auf das mich mein Neffe gebracht hat: die Pinkelpausenprobe.

Funktioniert bei mir nicht. Ich wende die 15-Minuten-Methode an: Wenn ein Film nach 15 Minuten noch interessant erscheint, dann schaue ich ihn auch zu Ende, komme was da wolle (Mit ganz wenigen Ausnahmen). Denn dann habe ich schon so viel Zeit investiert, dass ich den Film dann auch vollständig kennen möchte.

Ausnahmen gibt es immer... ich erinnere mich an einen Film, der auf ungewöhnliche Weise Spannung versprach, nachdem eine Frau in Not geriet. Als dann aber klar wurde, dass die Frau in ihrer Notlange anfängt zu halluzinieren, Personen, mit denen sie sprach, also gar nicht da waren, habe ich den Film abgebrochen... das ist so eines der Stilmittel, mit denen ich gar nichts anfangen kann. Jedenfalls dann, wenn es inkonsequent durchgeführt wird und der Regisseur nur ein paar Szenen zeigen will, die eigentlich gar nicht in die Geschichte passen.  

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 5659

@lucan-7 Funktioniert bei mir nicht.

Na gut. Aber Du wirst doch wohl zugeben, das die Pinkelpausenprobe ein schönes Aktronym ergibt? 

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27454

@jack-black 

Na gut. Aber Du wirst doch wohl zugeben, das die Pinkelpausenprobe ein schönes Aktronym ergibt? 

Wenn ich einen Begriff erst googeln muss und dann herauskommt, dass er falsch geschrieben ist gebe ich nichts zu ohne meinen Anwalt zu fragen... 😎 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 5659

@lucan-7 (...) und dann herauskommt, dass er falsch geschrieben ist (...) 

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, absichtlich Tippfehler in meine Beiträge einzuschleusen, um so dem womöglich begründeten Verdacht, sie könnten von AI vorformuliert sein, entgegen zu wirken.

Du wendest diese Methode ja selbst an, auch wenn es zugegebenermaßen eleganter ist, statt falsche Buchstaben einzufügen einfach mal ein Kommazeichen wegzulassen. 😜 

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27454

@jack-black 

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, absichtlich Tippfehler in meine Beiträge einzuschleusen, um so dem womöglich begründeten Verdacht, sie könnten von AI vorformuliert sein, entgegen zu wirken.

Du wendest diese Methode ja selbst an

Ich mag diese "Methode" anwenden und trotzdem zugeben, dass Schreibfehler bei mir aus Versehen passieren und nicht absichtlich... 😜 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 5659

@lucan-7 (...) trotzdem zugeben, dass Schreibfehler bei mir aus Versehen passieren (...)

Also mir doch nicht. Also nie, niemals, nicht mehr! Was für eine bodenlose Unverschämtheit, mir derartiges zu unterstellen! Wenn ich einen scheinbaren Fehler begehe, dann steckt dahinter immer ein genial dialektisch-didaktisch verzwickter Lehrplan! ich pupse auch nicht, darin meinem heiligen Kollegen, der generell auf Stuhlgang verzichtete, ähnelnd. Und wenn doch, dann nur, um Rosenduft zu verteilen!

jack-black antworten


Jack-Black
Themenstarter
Beiträge : 5659

Mörderischer Zweifel (2018, Originaltitel, mal wieder viel treffender: Spinnig Man)

Zu sehen in der ZDF-Mediathek: Klick mich!

 

Regisseur: Simon Kaijser (mir sagte der Name nichts)

Hauptrollen: Guy Pearce, Pierce Brosnan und Minnie Driver

 

Inhalt

Eine noch knapp minderjährige College-Studentin verschwindet spurlos. Der Philosophie-Professor Birch (Guy Pearce), der eben noch sozusagen ein perfektes Familienleben mit Frau (Minnie Driver) und zwei kleinen Kindern führte, gerät in Verdacht, etwas mit dem Verschwinden der Studentin zu tun zu haben. Detective Malloy (Pierce Brosnan) leitet die Ermittlungen.

Ein eigentlich sattsam bekanntes Szenario, ich hätte angesichts der Kurzbeschreibung eigentlich nie reingezappt, wenn es nicht noch vor 22 Uhr gewesen wäre - dann hätte ich mir lieber zum x-ten Male "Sin City" reingezogen, das sich ebenfalls in der ZDF-Mediathek befindet, aber ohne Altersnachweis eben vorher nicht angeschaut werden kann...

Glücklicherweise war's erst knapp nach neun, also gab ich der Story eine Chance, weil ich Pierce Brosnan, meinen Lieblings-Bond, einfach mag.

Ihr merkt schon: das alles gehört nicht zum Inhalt. Aber wenn ich nicht spoilern will, darf ich nicht viel mehr zum Inhalt sagen, und irgendwie muss dieser Punkt ja ein paar Sätze bekommen... 😉

 

 

Darstellerische Leistungen

Mir gefällt hier Guy Pearce wirklich sehr, sehr gut, er spielt nuanciert und angenehm undurchsichtig, passt auch vom Aussehen her hervorragend in seine Rolle: alt genug, um als erfahrener Dozent durchzugehen, gutaussehend genug, dass man es dem Drehbuch abnimmt, dass die College-Girls ihn sexy finden, bieder genug, dass man ihm den wissenschaftlich interessierten Philosophen abnimmt, sympathisch genug, dass man ihm den tollen Daddy (aus Kindersicht) abnimmt. Besonders gefällt mir, wie er der Versuchung des Overactings trotzt, selbst eine Szene, in der er besoffen ist, wird nicht durch slapstickhaftes Herumtorkeln oder übertriebenes Gelalle kaputt gemacht. Kurz: die Rolle ist Guy Pearce auf den Leib geschneidert.

An zweiter Stelle steht Minnie Driver. Sie spielt die Ehefrau des Verdächtigten, Ellen Birch. Nur eine Nebenrolle - aber eine wichtige und klug konzipierte Nebenrolle. Die sie ebenso klug ausfüllt. Auch bei ihr gefällt mir die Tendenz, sich zurückzunehmen und nicht überemotional herumzuchargieren. Irgendwann, peu a peu, kam bei mir der Verdacht auf, sie könne womöglich selbst etwas mit dem Verschwinden der jungen Studentin zu tun haben...

Pierce Brosnan als Detective Malloy kommt - und das will was heißen! - erst an dritter Stelle. Das liegt an seiner Rolle, des smarten, sehr erfahrenen, sehr souveränen Ermittlers. Diese Rolle kennt man denn doch aus allzuvielen Kriminal-Thrillern und dürfte für jeden Schauspieler schwierig sein, solche Rollen nochmal völlig neu zu interpretieren. Dass dieser Ermittler eine dunklere, komplexere Hintergrundgeschichte hat, als man zuerst annimmt - das wird in diesem Film nur wie nebenbei angedeutet, und ist eher dem klugen Drehbuch (oder der literarischen Vorlage von George Harrar - dem Roman "Im Dunkel deiner Seele") zu verdanken als Brosnans Schauspielkunst. Er spielt seine Rolle einfach nur erwartungsgemäß fehlerfrei und wiederum angenehm zurückhaltend-lässig, aber unaffektiert.

Weitere Figuren wie der Kollege des Professors (Jamie Kennedy), sein Anwalt (Clark Gregg), der assistierende Detective Killian (Sean Blakemore) oder eine auffallend hübsche Studentin (Alexandra Shipp), mit welcher den Professor irgendeine ein paar Monate zurückliegende Angelegenheit verbindet, hätte ich persönlich gern noch etwas ausführlicher präsentiert bekommen - aber zurückblickend ist es in Ordnung, dass ihre Figuren nicht weiter ausgewalzt wurden und so die Story schön schlank und zielgerichtet verlaufen durfte. Hhmm...  Also vor allem Killian, der hier anscheinend im Zusammenspiel mit Malloy seine Rolle als Bad Cop effektiv spielt, hätte ich vielleicht doch gern noch etwas mehr gesehen - sodaß nicht die Perspektive des Verdächtigten deutlich mehr Raum eingenommen hätte als die Perspektive der Ermittler, sondern die Gewichtung ungefähr fifty-fifty gewesen wäre. Aber das hat schon wieder mehr mit Drehbuch und Regie zu tun als mit den Darstellern selbst... Sean Blakemore spielt seine - wirklich arg kleine - Rolle jedenfalls so gut, dass man Lust auf mehr von ihm bekommt. 🙂

 

 

Ton, Kamera, Ausstattung

Alles nicht zu beanstanden, aber auch niemals in irgendeiner Weise auffallend originell. Oder doch, eine Sache fiel mir positiv auf: Dass im Kontrast zu der dunkel-düsteren Thematik die Szenerien häufig von Sonnenlicht durchflutet hell und heiter wirken. Allein schon die ersten Szenen, wo das später vermisste Mädchen als Kajak-Verleiherin an einem herrlich vom Sommer ausgeleuchteten See gezeigt wird, war so pittoresk, wie es kein Werbefilm der Tourismusbranche besser hinbekommen hätte. Sofort bekam ich Lust, in diesem see zu schwimmen, zu angeln oder mir halt bei dem hübschen Mädel ein Kajak auszuleihen. Der Kontrast solcher idyllischen Billder mit dunkleren, auch mal verregneten Szenen war aber nie einer, der mit dem Vorschlaghammer vermittelt wurde. Die Zurückhaltung, welche ich schon bei den Darstellern lobte, zeigte sich also selbst hier: Man weiß nicht, ob die Stimmung der Bilder etwas bedeuten soll, oder ob man selbst diese Bedeutung in sie hineinliest.

Der Ton ist passend. Die Musik fiel mir mal wieder weder positiv noch negativ auf, war also anscheinend gut gewählt. Ein paar Male blendet der Ton aus, bzw. verblurrt irgendwie - als Hinweis darauf, dass der verdächtigte Professor (aus dessen Sich halt meist erzählt wird) gerade selbst seine Umgebung ausblendet und in seine Erinnerungen oder Assoziationen abdriftet. Kennt man als Stilmittel schon von anderen Filmen, funktioniert aber auch hier.

Die Ausstattung ist einfach, aber vollkommen passend zur Story. Besonders hoch dürften die Set-Kosten oder Kostüm-Kosten nicht gewesen sein.

 

Drehbuch/Regie

Alle Achtung! Ich war von Anfang bis Ende gespannt und gefesselt. Sowas kommt dabei heraus, wenn man einen guten, aber einfachen Plot nicht dadurch verhunzt, dass man dämlich agierende Figuren in ihn reinstopft oder verzweifelt nach Möglichkeiten sucht, Actionszenen mit einzubauen. Angesichts der Thematik - dass jemand verdächtigt wird, aus sexueller Motivation ein Mädchen ermordet zu haben - ist es schon fast als Kunststück zu bezeichnen, dass der Film praktisch ohne explizite Sex-oder Gewalt-Szenen auskommt. Keine Ahnung, ob man seitens der Filmemacher unbedingt ein Rating haben wollte, dass auch Kindern in den USA den Kinobesuch dieses Films ermöglichen sollte - denn thematisch ist das ein reiner Erwachsenen-Film. Aber irgendwie gewinnt auch für mich Erwachsenen dieser Streifen eher dadurch, dass er keine Action, keine Nackszenen und so gut wie keine Gewalt zeigt, als dass ihm dadurch etwas fehlt.

Wie klug dieser Film, bzw. das Drehbuch war, zeigte sich in einem kleinen Geplänkel zwischen dem Ermittler Malloy und dem verdächtigen Philosophieprofessor. Der, offenbar in Vorbereitung einer Prüfung, einen Stuhl vor die Tafel gestellt und die Klausuraufgabe auf eben diese Tafel geschrieben hat:  "Beweisen Sie, dass dieser Stuhl existiert!"

Malloy macht diesbezüglich eine Bemerkung, über die ich erst mal, während der Film längst schon weiter war, ein, zwei Minuten nachdenken musste, bis der Groschen fiel: Er hatte mit ihr die Prüfungsaufgabe gelöst!  (Nein, damit spoilere ich nichts Handlungsrelevantes...)

 

Bewertung

8,5/10 Sternchen.

Eine echte Perle, unvermutet in der ZDF-Mediathek gefunden...

Alle, die bei Kriminal-Thrillern nicht ohne actionreiche Verfolgungsjagden, drastische Gewalt oder Ekelbilder mit verstümmelten, pervers arrangierten Leichen auskommen, oder die zumindest wollen, dass die Geschichte entweder in der High Society oder ganz unten im Elend-Mileu spielt, alle, die sich nicht damit aufhalten mögen, aufmerksam Dialoge statt coolen Onelinern zu verfolgen und nach kleinsten mimischen Hinweisen zu suchen, wie was gemeint sein könne... Die mögen gern ein oder zwei Sternchen abziehen. Oder sogar noch mehr.

jack-black antworten
11 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27454

@jack-black 

Danke für den Tip, das war gerade die Art von Film, auf den ich gerade Lust hatte... ich hatte etwas zu viel Action und Horror in letzter Zeit, da war das genau der richtige Ausgleich.

 

Der, offenbar in Vorbereitung einer Prüfung, einen Stuhl vor die Tafel gestellt und die Klausuraufgabe auf eben diese Tafel geschrieben hat: "Beweisen Sie, dass dieser Stuhl existiert!"

Malloy macht diesbezüglich eine Bemerkung, über die ich erst mal, während der Film längst schon weiter war, ein, zwei Minuten nachdenken musste, bis der Groschen fiel: Er hatte mit ihr die Prüfungsaufgabe gelöst! (Nein, damit spoilere ich nichts Handlungsrelevantes...)

Eigentlich ging aus der unmittelbar nächsten Einstellung doch hervor,  dass er die Aufgabe gelöst hatte... denn die lässt sich nur dadurch erklären, dass er die Achtung des Professors gewonnen hatte, weil dieser etwas tat, das er zuvor noch kategorisch abgelehnt hatte...

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 5659

@lucan-7 Eigentlich ging aus der unmittelbar nächsten Einstellung doch hervor, dass er die Aufgabe gelöst hatte...

Ja, richtig. Aber es dauerte, bis ich die Lösung auch verstanden hatte.

jack-black antworten
Ina_4321
(@ina_4321)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 49

@jack-black 

Danke für den Tipp! Dieses „sattsam bekannte Szenario“ hätte ich mir ohne Deinen Hinweis nicht angeschaut - weil ich nicht noch eine Geschichte brauchte, in der eine Frau wahlweise verschwindet/stirbt/vergewaltigt wird und die Geschichte eines Mannes, der womöglich Justizopfer wird, erzählt wird. Dank Deines Tipps habe ich mich aber dann doch getraut und den Film beim Kochen angesehen.

Dafür taugt er! Mit einigen Abers aus meiner Sicht (die, so hoffe ich, keine Spoiler sind):

Mich nervt dieses alte, sehr realitätsferne und sich immer wieder reproduzierende Frauen-Männerbild (junge, hübsche Frauen die auf ihre alten, verheirateten Dozenten stehen). In der Realität gibt es mit so vielen männliche Dozenten Probleme in der Hinsicht und ich habe mich während diesem Film einmal mehr gefragt, ob solche Filme auch dazu beitragen, dass manche männliche Dozenten Film von Realität nicht unterscheiden können und nicht checken, dass ihre Anmachsprüche bei den Frauen grenzüberschreitend und in aller Regel peinlich daher kommen. In der Hinsicht ist dieser Film 30 Jahre zurück. Und das Thema könnte (und sollte man) man heute ganz anders behandeln. 

Nungut. (eventuell spoilere ich jetzt, versuche es aber zu vermeiden)

Richtung Schluss hatte ich ziemlich bammel davor, wie es ausgeht - denn wenn das der Klassiker geworden wäre, hätte es keine Pellkartoffeln sondern Kartoffelpüree gegeben, an irgendwas hätte ich das und das unterirdische Frauenbild auslassen müssen. Aber: Lobenswert - den Schluss fand ich okay und sogar originell gemacht. Hätte man das Grundthema, dass sich hier eindeutig zeigte, im Kern viel stärker fokussiert und wäre dazu noch etwas gendersensibler unterwegs gewesen, wäre der ganze Film deutlich besser und zu einem richtig guten Psychothriller geworden (den man sogar von der Couch um 20.15 sehen könnte!).

Da das leider nicht gelungen ist, hier mein Fazit

Wenn man sich einfach keine großen Gedanken über Männer-und-Frauenbilder macht und einen spannenden, kurzweiligen Film fürs nebenher Kochen oder Bügeln sucht: Den kann man schauen. Von mir gäbe es dafür 6.5 Sternchen.

ina_4321 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27454

@ina_4321 

Achtung spoiler!

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Mich nervt dieses alte, sehr realitätsferne und sich immer wieder reproduzierende Frauen-Männerbild (junge, hübsche Frauen die auf ihre alten, verheirateten Dozenten stehen). In der Realität gibt es mit so vielen männliche Dozenten Probleme in der Hinsicht und ich habe mich während diesem Film einmal mehr gefragt, ob solche Filme auch dazu beitragen, dass manche männliche Dozenten Film von Realität nicht unterscheiden können

Genau das war aber doch das Thema des Films... mich hatte das auch irritiert, aber im Nachhinein denke ich, dass genau das gesagt werden sollte: Der Professor dachte "Sie wollte es doch, sie hat eindeutige Signale gegeben, ich erinnere mich genau!" - aber das bedeutet nicht, dass das auch der Realität entsprach. Denn die junge Frau hat sich offenbar gewehrt als sie aus dem Auto stürzte... das war dann das, was sie wirklich tat und empfand. Dass sie ihn vorher angebaggert hat entsprang in Wahrheit seiner Phantasie. Denn das war schon etwas extrem... hier wurden ja praktisch die Rollen getauscht, das war schon auffällig.

Ich gebe aber zu, dass die Darstellung hier auch nicht eindeutig genug war, obwohl das Thema im Film ja immer wieder aufkommt. Und als Zuschauer halten wir das, was wir da sehen, natürlich für das, was uns als  "filmische Wirklichkeit" präsentiert werden soll, also das, was  "wirklich" geschieht.

lucan-7 antworten
Ina_4321
(@ina_4321)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 49

@lucan-7 

Achtung Spoiler!

 

 

 

 

Veröffentlicht von: @lucan-7

Ich gebe aber zu, dass die Darstellung hier auch nicht eindeutig genug war, obwohl das Thema im Film ja immer wieder aufkommt. Und als Zuschauer halten wir das, was wir da sehen, natürlich für das, was uns als  "filmische Wirklichkeit" präsentiert werden soll, also das, was  "wirklich" geschieht.

Veröffentlicht von: @ina_4321

Hätte man das Grundthema, dass sich hier eindeutig zeigte, im Kern viel stärker fokussiert und wäre dazu noch etwas gendersensibler unterwegs gewesen, wäre der ganze Film deutlich besser und zu einem richtig guten Psychothriller geworden

Das meinte ich: Es wird im Hauptteil des Films (die Szene die Du beschreibst, ist der gelungene Schlussakt) nicht gut genug vorbereitet, worum es am Ende geht. Das ist natürlich eine Herausforderung um das Ende nicht vorweg zu nehmen. Dennoch: 

Mir persönlich ist die Darstellung der Frau(en) nicht gendersensibel genug. 

Insbesondere diese Frau wird zunächst (eindeutig) dargestellt, als sei sie die grenzüberschreitende mit Interesse an ihm (die Studentin, die den Prof zum gemeinsamen Kaffee überreden will) - und er derjenige, der alle Grenzen wahrt (er, der sie auf die Sprechstunde verweist). Diese Szenen werden zum Schluss eben nicht als subjektive Rekonstruktion aufgelöst, auch nicht dadurch, dass sie sich im Auto wehrt. 

Im Baumarkt z.B. wurde seine subjektive Rekonstruktion der Dinge deutlich gelungener dargestellt. 

Jetzt könnte man sagen: Okay, das macht den Plot und dieses Ende einfach umso genialer - aber MIR PERSÖNLICH (aus meiner eigenen Subjektivität) war die Darstellung im Hauptteil (!) nicht eindeutig genug und mit Blick auf das Bild von Frauen insgesamt nicht angemessen.

 

ina_4321 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27454

@ina_4321 

Spoiler

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Jetzt könnte man sagen: Okay, das macht den Plot und dieses Ende einfach umso genialer - aber MIR PERSÖNLICH (aus meiner eigenen Subjektivität) war die Darstellung im Hauptteil (!) nicht eindeutig genug und mit Blick auf das Bild von Frauen insgesamt nicht angemessen.

"Angemessen" ist es eigentlich schon... aber eben nicht sehr eindeutig dargestellt. Wobei mir die Szene, als sich die Studentin für ihr übergriffiges Verhalten entschuldigt, schon sehr merkwürdig vorkam... da dachte ich mir schon: "Hier stimmt doch was nicht!" - und am Ende muss man sich das dann halt zusammenreimen, dass da tatsächlich etwas nicht stimmte.

Ist natürlich immer etwas schwierig... soll man den Zuschauer jetzt bei der Hand nehmen und wirklich alles erklären... oder lässt man manches bewusst vage und offen?

Normalerweise tendiere ich auch eher zum erklären, aber hier ist das Vage ja Teil der Aussage.

Ich stimme dir aber zu, dass es handwerklich nicht sonderlich gut gelöst wurde, zumindest an dieser Stelle nicht.

 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 5659

@ina_4321 Im Baumarkt z.B. wurde seine subjektive Rekonstruktion der Dinge deutlich gelungener dargestellt. 

Ja. Die anderen Szenen sind aber womöglich (meiner Auffassung nach: selbstverständlich) keine subjektiven, d.h. geträumten/phantasierten Szenen. Gerade dies ist die Frage, die der Held sich, dem Ermittler und also auch uns stellt (sinngemäß formuliert): "Kennen Sie das, dass Sie nicht wissen, was Sie wirklich erlebt haben und was Sie sich nur eingebildet haben?" M.A.n. sind bestimmte Szenen, wie z.B. diejenige, in welcher die Studentin ihn wegen irgendwelcher Begebeneheiten im letzten Jahr anspricht, keine Phantasien, so wenig, wie es eine Phantasie ist, dass sie ihm anbietet, mit ihr einen Kaffe trinken zu gehen oder ihn heim zu fahren.

Mir persönlich ist die Darstellung der Frau(en) nicht gendersensibel genug.

Das ist für mich hier überhaupt kein Kriterium, das mich interessieren würde. Ich vermute sogar, dass Du den Kern der Geschichte deswegen, weil Du beim Schauen die ganze Zeit diese "Gendersensibilitäts-Brille" auf hattest, gar nicht erkannt hast. Du trägst an einen Thriller Ansprüche heran, denen er überhaupt nicht genügen will und kommst dann auf solche Punkte: 

Mich nervt dieses alte, sehr realitätsferne und sich immer wieder reproduzierende Frauen-Männerbild (junge, hübsche Frauen die auf ihre alten, verheirateten Dozenten stehen). In der Realität gibt es mit so vielen männliche Dozenten Probleme in der Hinsicht und ich habe mich während diesem Film einmal mehr gefragt, ob solche Filme auch dazu beitragen, dass manche männliche Dozenten Film von Realität nicht unterscheiden können und nicht checken, dass ihre Anmachsprüche bei den Frauen grenzüberschreitend und in aller Regel peinlich daher kommen. In der Hinsicht ist dieser Film 30 Jahre zurück

 

Das ist eine Betrachtungsweise, die so angestrengt/anstrengend hermetisch auf mich wirkt, dass ich nicht mal Lust habe, sie zu hinterfragen.

Aber na gut - jeder hat seine eigenen Filmkonsum-Weisen und ich find's dann auch wieder interessant, Deine Perspektive erzählt zu bekommen. Weil ich selbst nie auf so eine gekommen wäre. Also Danke dafür! 🙂

jack-black antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27454

@jack-black 

Ja. Die anderen Szenen sind aber womöglich (meiner Auffassung nach: selbstverständlich) keine subjektiven, d.h. geträumten/phantasierten Szenen.

Das sehe ich anders, gerade weil die Rollen so eindeutig vertauscht waren und die Formulierungen so unpassend, dass ich denke dass diese Szenen zumindest nicht exakt genau so stattgefunden haben sollen - was sich meiner Ansicht nach am Ende auch bestätigt.

Aber um eben diese Unsicherheit geht es ja auch am Ende. 

lucan-7 antworten
Ina_4321
(@ina_4321)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 49

@jack-black 

 

Veröffentlicht von: @jack-black

Die anderen Szenen sind aber womöglich (meiner Auffassung nach: selbstverständlich) keine subjektiven, d.h. geträumten/phantasierten Szenen.

Ganz genau. Das ist der Kern meiner Kritik, die hier nicht verstanden werden will (und auch nicht von Jedem verstanden werden muss, aber dann kann man sie auch einfach stehenlassen anstatt sie zu vernichten). 

Veröffentlicht von: @jack-black

Das ist eine Betrachtungsweise, die so angestrengt/anstrengend hermetisch auf mich wirkt, dass ich nicht mal Lust habe, sie zu hinterfragen.

(Nicht nur) das ist eine so persönlich wirkende und grenzüberschreitende Antwort, dass ich keine Lust mehr habe, meine Eindrücke zu einem Film (!) an der Stelle zu teilen. 

 

 

ina_4321 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 15 Jahren

Beiträge : 27454

@ina_4321 

(Nicht nur) das ist eine so persönlich wirkende und grenzüberschreitende Antwort, dass ich keine Lust mehr habe, meine Eindrücke zu einem Film (!) an der Stelle zu teilen. 

Kann es sein, dass dem jetzt einfach ein Missverständnis zugrunde liegt? Es ist doch klar, dass Jack und du hier völlig unterschiedliche Schwerpunkte und Perspektiven habt... und das ist ja auch völlig in Ordnung.

Ich tue mir bei der Thematik auch etwas schwer. Es gibt ja Filme, die explizit die "Lolita"-Thematik behandeln, gerade weil sie so problematisch ist. Und da kommt es halt sehr darauf an, wie die Geschichte erzählt wird: Lautet die Aussage allgemein "So sind sie halt die Frauen, die Männer sind am Ende nur die armen Opfer?".Das geht natürlich gar nicht, und etliche Filme sind in dieser Hinsicht sehr schlecht gealtert.

Oder wird hier ganz bewusst ein Machtgefälle auf den Kopf gestellt, also deutlich gemacht: Hier ist ausnahmsweise der Mann das Opfer, ohne dass man da irgendwas verallgemeinern könnte.

Am Ende zählt aber vor allem: "Ist die Geschichte gut erzählt?" - und nicht: "Wurden hier alle gesellschaftlich relevanten Themen mit der nötigen Sensibilität dargestellt?".

Denn wenn man letzteres immer beachten würde, dann hätten wir nur noch volkstümliche, humorvolle Schwänke und harmlose Liebeskomödien im Programm... das kann dann auch keiner wollen. 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 5659

@ina_4321 (Nicht nur) das ist eine so persönlich wirkende und grenzüberschreitende Antwort, dass ich keine Lust mehr habe, meine Eindrücke zu einem Film (!) an der Stelle zu teilen.

Es war aber nicht persönlich gemeint. Gemeint war: ich kenne diese von Dir dargelegte Position so oder so ähnlich schon aus diversen Diskussionen nicht nur über Filme, sondern auch Literatur und bildende Kunst. Und von diesen Diskussionen her habe ich die Erfahrung gemacht, dass man da einfach nicht auf einen Nenner kommen kann, weil die Perspektiven grundverschiedene sind: Ästhetik vs. Ethos. Du argumentierst hier ethisch - und das Ethische interessiert mich in der Kunst nicht (ebensowenig wie biografische Details zu den Künstlern), kann aber nachvollziehen, dass andere diese Trennung zwischen Kunst und Moral nicht akzeptieren mögen. Das meinte ich mit "hermetisch".

 

jack-black antworten
MrOrleander
Beiträge : 2404

@jack-black 

Das Verhör 

Auf ARTE noch für 4 Tage zu sehen. 

2 Mädchen wurden ermordert. Ein Mann steht unter Verdacht. Ein Kammerspiel mit Lino Ventura, MIchel Serrault und Romy Schneider aus dem Jahr 1981. Wer 'die 12 Geschworenen' interessant fand, wird auch an diesem Film seine Freude haben. 

mrorleander antworten


Blackhole
Beiträge : 1255

@jack-black 

Genie und Schnauze

ARTE-Mediathek
Leider daraus wieder gelöscht. 

Einmal umgekehrt: Das Genie ist Dr. Watson, gespielt von Ben Kingsley, während Sherlock Holmes ein angeheuerter Schauspieler ist, gespielt von Michael Caine. 
Der angeheuerte Schauspieler Kingcaid übertreibt es und wird von Watson rausgeschmissen. Der aber kommt bei seinem neusten Fall doch nichtweit ohne jemanden, der den berühmten Mr. Holmes verkörpert und muss zähneknirschend Kingcaid zurückholen. 
Doch dann steht Kingcaid alias Sherlock Holmes allein mit einem komplizierten Fall da, als Dr. Watson erschossen wird. 

Spannender und witziger Plot, mit hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Auch Inspector Lestrade und Mrs. Hudson hervorragend gespielt. 

blackhole antworten
Kappa
 Kappa
Beiträge : 1368

@jack-black 

Im Westen nichts neues (1979) mit Ernest Borgine

Auf Amazon Prime 

Was bedeutet Spoiler? ;).

Der Film ist ein Klassiker. Würde gern den neuen sehen den gibt's nicht auf Prime.

kappa antworten


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