Zuletzt gesehener Film 2026
Neues Jahr, neuer Film-Thread. 🙂
Ich würde wieder folgende Regeln vorschlagen:
1. Filmtitel nennen
2. Hinweise darauf geben, wo man den Film sehen kann (Kino, TV-Sender, Streaming-Dienst, Blue-Ray?)
3. Spoiler kennzeichnen, gerne mit gefetteter Spoiler-Warnung.
Kleine Dinge wie diese
auf Amazon Prime, ruhig erzählter Film über katastrophale Zustände in einem von Nonnen geführten Heim ,in den 60zigern oder 70zigern Jahren
Apocalypse now
Kam neulich im Fernsehn, irgendwo im Dritten.
Bin mal wieder grandios gescheitert an der Story. Versuche es dann in zwei Jahren wieder.
@derelch Welche Version denn? Nach der "Redux"-Version konnte ich mit den kürzeren Versionen nix mehr anfangen. 😀 Was das Scheitern an der Story angeht - ich glaube, man darf da erst gar nicht nach einer "stimmigen" Linie Ausschau halten. Spätestens, als Willard im Lager von Colonel Kurtz* ankommt, ist der Wahnsinn komplett - warum da die Ureinwohner Kurtz überhaupt folgen, hat sich mir auch nie so recht erschlossen.
Letzten Endes ist der ganze Film sowas wie ein über drei Stunden dauernder Alptraum. Aber halt in grandios. Vielleicht sollte man doch mal die Conrad-Erzählung lesen, díe ihm zugrunde liegt. Aber irgendwie hab ich's nie über mich bringen können, aus einer seltsamen Angst, die Literaturvorlage könnte entweder den Film entzaubern im Sinne von "erklären" - oder aber sie könnte sogar noch seltsamer sein, aber dann den Film in meinem Kopf überlagern.
"Apocalypse Now" teilt sich für mich den Platz eins der besten Filme aller Zeiten mit "Spiel mir das Lied vom Tod". Mit dem Unterschied, dass der eine Film umso unverständlicher wird, je länger man guckt, während der andere am Ende wirklich vollkommen "aufgeht" und Sinn ergibt. Beides gleich genial. 🙂
*Ich meine, mal in irgendeiner Dokumentation über die Produktion von Apocalypse Now erfahren zu haben, dass Marlon Brando für Coppolas Geschmack einfach viel zu fett war zur Zeit des Drehtermins - und dass der Regisseur sich deswegen entschied, Brando in sehr dunkler Umgebung spielen zu lassen. Das war wohl eine der besten aus der Not heraus getroffenen Entscheidungen der Filmgeschichte: gegen die Bedrohlichkeit von Colonel Kurtz ist Vito Corleones Aura in "Der Pate" die eines netten Schwiegersohns...
// Aber halt in grandios. Vielleicht sollte man doch mal die Conrad-Erzählung lesen
Unbedingt. Ist ja auch nur ein schmales Bändchen, und der Sommer die optimale Zeit zur Lektüre (im Herbst wollte ich das nicht lesen: Da kommt die Depression ja schon mit dem Wetter, und die Reise ins Herz der Finsternis erweckt - bei mir - sehr starke, dunkle Bilder). Was in der Apocalpyse unverständlich sein mag - das "Grauen" - dürfte nach der Lektüre verständlich(er) geworden sein.
Brando in sehr dunkler Umgebung spielen zu lassen. Das war wohl eine der besten aus der Not heraus getroffenen Entscheidungen der Filmgeschichte
Zusammen mit der Inszenierung der alles Handeln und Denken verlangsamenden Hitze.
Ein grandioser Film. Nur die Musik ist für mich schwer erträglich.
@mrorleander Hab's mir grad als Hörbuch bestellt. So kann ich's beim Malen "lesen". 🙂
Vielleicht sollte man doch mal die Conrad-Erzählung lesen, díe ihm zugrunde liegt. Aber irgendwie hab ich's nie über mich bringen können, aus einer seltsamen Angst, die Literaturvorlage könnte entweder den Film entzaubern im Sinne von "erklären" - oder aber sie könnte sogar noch seltsamer sein, aber dann den Film in meinem Kopf überlagern.
Liegt auch schon seit einer Weile auf dem Stapel neben meinem Nachttisch... und ist jetzt auch nicht so wahnsinnig lang, vielleicht nehme ich mir das ja mal als nächstes vor...
Anora
Kostenfrei für Amazon-prime-Kunden zu sehen.
Erscheinungsdatum: 2024
Regie: Sean Baker (den kannte ich bis dahin nicht)
Drehbuch: Sean Baker
Der beste (für mich neue) Film, den ich seit mehreren Jahren gesehen habe. Nachdem ich ihn gestern nachts schaute, konnte ich stundenlang nicht einschlafen, weil mir so viele Gedanken dazu durch den Kopf gingen. Um nicht zu spoilern, werde ich's hier relativ kurz machen, obwohl ich am liebsten eine Lobrede in Romanumfang anstimmen würde.
Inhalt: Sexarbeiterin trifft auf stinkreichen Oligarchensohn. Die beiden heiraten. Seine Eltern haben was dagegen und schicken Angestellte, um das Ehe-Problem zu lösen.
Für alle, die Triggerwarnungen brauchen: Es gibt reichlich Sexszenen mit nackter Haut - nie voyeuristisch oder gar hardcore, aber die "Nippelfreigabe" (FSK 16) wurde dem Thema gemäß auch genutzt. Was Gewalt angeht: das Überraschende dürfte sein, wie wenig physische Gewalt hier eine Rolle spielt. Ich hatte immer wieder Assoziationen zu Tarantino-Filmen (insbesondere Pulp Fiction) im Hinterkopf, und fand es super, wie anti-tarantinoesk Baker hier vorgeht, indem "sich entladende Gewalt" praktisch nicht stattfindet. Der Film hinterläßt nicht eine einzige Leiche, obwohl er ja über weite Strecken im Rotlichtmilieu spielt.
Eine interpretierende Bewertung des Inhalts lasse ich hier mal weg, weil ich nicht wüsste, wo ich anfangen und ob ich überhaupt mal enden könnte.
Kamera, Licht, Ton: an keiner Stelle "auffällig", dabei aber immer gut. Man muss aufmerksam hinschauen, wie die Bilder komponiert sind, wie hervorragend die Figuren platziert, bzw. arrangiert werden (mein Lieblingsmoment: wenn Juri im Hintergrund mit einem Baseballschläger jongliert - ich musste da laut lachen), wie bestimmte Großstadt-Stimmungen eingefangen werden... Zur richtigen Zeit überdröhnt wummernde Party-Musik die Dialoge oder untermalt das Schrubb-Schrubb eines Scheibenwischers eine Liebesszene... Da ist alles filmisch-handwerklich so gut durchdacht, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen.
Action/Special Effects: Hab mir den Nachspann nicht angeschaut, aber so aus'm Lameng heraus denke ich, dass da kaum Stuntmen gebraucht wurden und die Spezial-Effekte-Abteilung auch verlängerten Urlaub hätte nehmen können. Ein paar zerbrochene Einrichtungsgegenstände und eine Sparpackung Kunstblut für einen Knuffer auf die Nase - mehr gibt's hier nicht zu sehen. Action im Sinne von Rasanz wird hier anders erzeugt, nämlich durch die...
Darsteller: Mikey Madison in der titelgebenden Rolle als Anora, so erfahre ich hinterher von Wikipedia, bekam für ihre Leistung den Oscar für die beste weibliche Hauptrolle. Ein no-brainer, wenn man den Film gesehen hat. Mir fällt gerade keine Schauspielerin ein, die je in irgendeinem Film besser geacted hätte. Juri Borissow, der einen Handlanger des Oligarchen spielt, hätte m.A.n. auch gern einen Oscar für die beste männliche Nebendarsteller-Rolle verdient gehabt. Dass die zwei namentlich Genannten nicht den Rest des Casts an die Wand spielen konnten, liegt daran, dass auch alle anderen Rollen grandios besetzt wurden. Ausser Borissow kannte ich keins der Gesichter - aber selbst Mark Ejdelschtejn, dessen Aufgabe als Hauptfigur Ivan (Wanja) darin besteht, völlige charakterliche Leere, hohle Einfältigkeit und existentielle Sinnlosigkeit zu verkörpern, hat sich mir ins Gedächtnis gebrannt.
Fazit: Ein ganz ungewöhnlicher Film (Oscar für Film und Oscar für Regie!), über den ich mich gern hier mit anderen austauschen würde, falls und nachdem sie ihn auch schon gesehen haben. Label wie Romance oder Tragikomödie oder was sonst noch so da draufgeklebt wurde, treffen alle nicht so richtig zu. Ich würde vorschlagen: zeitgemäßes Sittengemälde. 😀
9,9/10 Dollarscheine unter'm String-Tanga
Nach deiner Rezension hab ich mir aus Neugierde den Film gestern angeschaut. Davor hatte ich ihn nach dem Trailer eher als „nicht so meins“ abgestempelt.
Ich weiss nicht so recht, wie wir uns darüber unterhalten sollen, ohne etwas zu spoilern, aber mal schauen… wer gar nichts darüber erfahren möchte, muss jetzt wegklicken.
Vorneweg kann ich zumindest sagen, dass der Film durch sein letztes Drittel und ganz besonders sein Ende die Qualität bekommt, die du beschreibst.
Davor war er für mich eher chaotisch und fast schon ein bisschen langweilig, weil zu offensichtlich von der Handlung her…obwohl ich bis zum offenbarten Zeitpunkt nicht einschätzen konnte, wie der männliche Hauptcharakter sich entwickeln würde. Es hätte auch die andere Möglichkeit - zumindest in meinem Kopf - gegeben.
Igor, obwohl in der Nebenrolle, hat mich dann tatsächlich sehr beeindruckt. Seine Präsenz war eigentlich in jeder Szene ein Lichtblick.
Umso schlimmer waren deshalb Anoras Beleidigungen an ihn, das hat mir jedes Mal das Herz gebrochen.😭💔
Insgesamt war es überhaupt sehr angenehm, dass die russischen Fingerbrecher sehr freundlich waren….das war schon geradezu wohltuend.
Die beiden Hauptdarsteller kann ich nicht ganz so hypen wie du. Neben Igor sind sie für mich tatsächlich etwas verblasst.
Ich bereue es nicht, den Film gesehen zu haben, allein schon wegen Igor. Das Ende klatscht einem dann in seiner Intensität so viel Menschlichkeit um die Ohren (und da finde ich Anora dann auch richtig gut), damit hatte ich tatsächlich nicht (mehr) gerechnet.
Meine Bewertung fällt insgesamt also etwas niedriger aus als Deine, eher bei 7,5-8.
Für mich hat er insgesamt zu lange keine interessanten Szenen gehabt…die Sexszenen sind notwendig zur Storyline aber waren für mich jetzt nicht so interessant gemacht, dass sie den Film aufgewertet hätten (das war vermutlich auch nicht die Absicht) und ich fand dieses ganze Chaos, wenn alle durcheinander geredet haben, eher langweilig.
Optisch war er gut gemacht, da gibts von meiner Seite aus nichts zu meckern. An Musik kann ich mich nicht erinnern 😅.
@stern Nach deiner Rezension hab ich mir aus Neugierde den Film gestern angeschaut.
Mission accomplished. 😀
SPOILER ALERT!!!!!
Im Nachfolgenden werde ich nicht darauf achten, irgendwelche Filminhalte geheim zu halten. Weiterlesen auf eigene Gefahr!
Davor war er für mich eher chaotisch und fast schon ein bisschen langweilig, weil zu offensichtlich von der Handlung her…
Ich glaube, ich verstehe, was Du meinst. Für mich war diese "langeweilige" Passage passend, um ein Gefühl für das zu bekommen, was für die beiden "Liebenden" Alltag ist. Ein Gefühl für die Leere und Sinnlosigkeit, in der sich insbesondere der Reichensohn (darin besteht ja sein ganzes Dasein: Sohn von reichen Eltern zu sein) qua Existenz befindet. Wenn Du von "chaotisch" schreibst, so trifft auch dies für mich zu - im Sinne von richtungslos. Beide Figuren haben überhaupt keine Ziele und entsprechend kann ihr Dasein auch keine Ordnung (das ist ja der Gegenbegriff zu Chaos) haben. Wenn sie ihm nicht mehr oder minder zufällig einen Tipp geben würde, wie "slow Sex" funktioniert, käme er vermutlich auch nie auf die Idee, sie plötzlich heiraten zu wollen: ein winziger Stupser empathischer Menschlichkeit über das hinaus, was bezahlt wurde, ein klitzekleines Bißchen Richtung reicht aus, um seiner chaotisch schlingernden Daseinsweise eine Ahnung von Ziel zu geben.
obwohl ich bis zum offenbarten Zeitpunkt nicht einschätzen konnte, wie der männliche Hauptcharakter sich entwickeln würde. Es hätte auch die andere Möglichkeit - zumindest in meinem Kopf - gegeben.
Was für eine andere Möglichkeit hast Du da vor Augen?
Igor, obwohl in der Nebenrolle, hat mich dann tatsächlich sehr beeindruckt. Seine Präsenz war eigentlich in jeder Szene ein Lichtblick.
Umso schlimmer waren deshalb Anoras Beleidigungen an ihn, das hat mir jedes Mal das Herz gebrochen.
Ja, auch ich habe das irgendwie schade gefunden, dass sie so auf ihm rumhackte. Aber dieses seltsame Empathie, die man als Zuschauer ausgerechnet einem Schergen gegenüber empfindet - die ist doch zu reflektieren mal lohnenswert, oder? Er ist doch jemand, der brutal in ihr Leben hereinbricht - und dass er sie nicht unnötig brutal zusammenschlägt oder vergewaltigt, sondern "nur" gewaltsam an der Flucht hindert und mit einem Telefonkabel fesselt, reicht aus, um in uns Sympathie zu erwecken? Sie behandelt ihn mit ihren Beleidigungen eigentlich genau so, wie er es verdient: immerhin wendet er Gewalt an für Bezahlung, er ist ein gedungener Schläger, hat sich zum Instrument der Herrschaft (des Geldes) machen lassen. Unsere Empathie ihm gegenüber beruht darauf, dass wir immer schon überlegen, wieviel brutaler und grausamer er handeln könnte, d.h. es reicht schon, dass er nicht unsere dunklen Phantasien realisiert, sondern sich wie ein "Gentlement-Soldat" in einem eroberten Land aufführt. Dass er eigentlich überhaupt kein Recht hatte, das Land zu überfallen, das ignorieren wir: so ist unser Empfinden schon korrumpiert.
Wie Anora ihn ständig beleidigt - das erzählt eine Menge darüber, wie sie durch die Verhältnisse geprägt wurde. Es hat ja einen Grund, weswegen sie sozusagen "erfolgreich" in ihrem Job ist, bzw. ihn mit einer alltäglichen Selbstverständlichkeit verrichten kann: indem sie Männer so objektifiziert, wie das ihre Kunden umgekehrt auch tun. Sie könnte gar nicht in dieser Welt überleben, wenn sie sich emotional wirklich auf Männer einlassen würde. Ihre Beziehungen zu anderen Menschen, insbesondere auch zu Männern, bestehen darin, Chancen und Risiken zu sehen und entsprechend Menschen wie Dinge zu behandeln: sie beleidigt ihn, wie man Tasten auf einem Instrument drückt - um herauszufinden, was sich möglicherweise dadurch erreichen ließe. Dass er nicht existentiell lebensbedrohlich reagieren wird, weiß sie ja von dem Moment an, in welchem er sie halt festhält, statt sie einfach, wie wir als Zuschauer und also selbstverständlich auch sie es als denkbare Möglichkeit kennen, zusammenzuschlagen. Sie muss irgendwohin mit ihrem Frust und ihrer Verzweiflung, sie muss irgendwie das Gefühl von agency sich bewahren - und ihn zu beleidigen und zu beschimpfen gibt ihr dazu die Möglichkeit. So kann sie sich selbst ihren Mut beweisen und die Angst, unter der sie ja in der Situation ganz gewiß steht, betäuben.
Wie es der Zufall so will, fange ich dieser Tage immer wieder Mäuse in einer Lebendfalle, die ich auf der Terasse meiner Mutter aufstelle, weil heuer besonders viele Wühlmäuse unseren Garten durchpflügen und ich nicht wie die Nachbarn Gift ausstreuen mag. Das funktioniert ganz gut, inzwischen habe ich schon sieben dieser Tierchen gefangen und dann ein paar hundert Meter weit in den Wald getragen. Was mich an ihnen so fasziniert, ist ihr Verhalten in der Falle ----------------------------------------------------- LOL! - während ich das schreibe, klingelt meine Mutter an: eine weitere Maus will in den Wald gebracht werden 😀 😀 😀 ---------------------------------------------------------------------
sie switchen hin und her zwischen wütendem "Rütteln" an den Drahtbarrieren, dem Versuch, sie da durchzubeißen - und dann kurzen Verschnaufpausen, in denen sie still halten, so als hätten sie aufgegeben. Um dann wieder loszutoben. Das Verhalten dieser Mäuse erinnert mich stark an das Verhalten Anoras gerade in der ersten Szene, wo die Schergen in ihre Wohnung einbrechen und sie "festsetzen".
Irgendwann wird Anora ja die Fessel abgenommen, und sie lässt sich ohne weiteren körperlichen Widerstand "mitnehmen" - aber sie ist ja immer noch gefangen, nur dass eben wieder die Fesseln, die bislang schon ihr Leben bestimmten: der ökonomische Zwang, an Geld zu kommen - das Telefonkabel oder den Haltegriff Igors (der Name ist übrigens Programm, Igors sind häufig die Schergen von Bösewichten, ich meine, den als Handlanger Draculas oder Dr. Frankensteins zu kennen) ersetzen. Ihre Beleidigungen gegenüber Igor sind also gewissermaßen eine Ersatzhandlung für das Rütteln an den Ketten, in die sie immer schon gelegt war und die sie nun das erste Mal auch physisch spürte: Sie war immer schon unfrei, aber das wurde ihr erst durch den Haltegriff Igors auch körperlich spürbar und dadurch bewußt gemacht. Die Wut, die da in ihr aufkommt, die Empörung über ihr Gefangensein - die findet in Igor, als Verkörperung dieser Unfreiheit, ein angemessenes Ziel.
Dass wir als Zuschauer so rasch Sympathie für Igor empfinden, hat damit zu tun, dass er als einzige Figur nicht-entfremdet wirkt. In ihm scheint so eine Art grundhumanistischer Moral zu sein - die ihn z.B. daran hindert, Anora brutaler als "unbedingt nötig" zu behandeln oder ihn sogar motiviert, gegen Ende hin diese in einer wertfreien Welt natürlich absurde Forderung, Anora hätte eine Entschuldigung verdient, zu stellen. Wir identifizieren uns mit ihm, weil wir uns für uns selbst wünschen, dass wir in einer entfremdeten Welt auch zumindest nach Möglichkeiten, uns menschlich zu verhalten, suchen und ab und an den Mut haben würden, gegen das Falsche zu protestieren. Das reicht uns schon: dass ein Mann eine Frau nicht sadistisch brutal behandelt, wo er's ungestraft könnte, und dass er ihr, wenn die Macht gerade nicht hinschaut, den Klunker, der ihr vorher mit Gewalt gestohlen wurde, wieder zusteckt.
Und das reicht Anora ja auch, um sich am Ende so zu verhalten, wie wir hier jetzt nicht spoilern wollen... 😉
Ist das nicht grund-traurig? Kann man da am Ende anders, als zu weinen?
Insgesamt war es überhaupt sehr angenehm, dass die russischen Fingerbrecher sehr freundlich waren….das war schon geradezu wohltuend.
Ja - künstlerisch ist das auch eine super gute Idee, so mit der Erwartungshaltung des Publikums zu spielen.
Die beiden Hauptdarsteller kann ich nicht ganz so hypen wie du. Neben Igor sind sie für mich tatsächlich etwas verblasst.
Da würde ich vorschlagen, stärker zwischen der Sympathie, die Du für die einzelnen Figuren empfindet und der darstellerischen Leistung der Schauspieler zu unterscheiden. Iwan z.B. ist nun mal als Figur die Verkörperung der menschlichen Leere. Alles an ihm ist Fassade - mit dem Zusatz, dass hinter der Fassade nichts mehr ist, dass es überhaupt zu verstecken gilt. Er ist nicht mal böse, er hat keinerlei Agenda. Einfach ein verzogenes Kind- vollständig das Produkt seiner Verhältnisse. Selbstverständlich einsam, aber auf einer so wenig tiefen Ebene, dass es sich ja nicht mal zu lohnen scheint, deswegen Mitleid mit ihm zu haben. Wie soll man so jemanden spielen, ohne ihn zu einer Figur zu machen, die von den Zuschauern gehasst wird? Weder Hass noch Mitleid wären ihm gegenüber angemessen, weder Neid noch Verachtung. Wie er sich mit Zocken und Drogen aus dem "richtigen Leben" rausnimmt, wie er Konflikten grundsätzlich sich entzieht, weil Verantwortung überhaupt kein Konzept ist, mit dem er irgendwas anzufangen wüsste... das muss man erstmal überzeugend darstellen. Natürlich kommt Ejdelschtejn seine spidellige Physis da auch sehr zupass - man stelle sich mal vor, da hätte man einen der üblichen, im Gym mit zehn Kilo zusätzlicher Muskelmasse gemästeten und zehn-Zentimeter-über-Normgröße-Hollywood-Darsteller genommen, was die freudlos-hektischen Sexszenen dann zu brutalen Fast-Vergewaltigungsszenen gemacht hätte...
Also: Iwan musste "blass" gespielt werden, und dass gelang Ejdelschtejn perfekt.
Was Anora angeht: sie spielt nicht blass, sondern extrem realistisch. So eine Figur würde von schlechteren Darstellerinnen per Overacting ruiniert, da darf man sich sicher sein. Die Verlockung, in sie mehr dramatische Tiefe hineinzupacken, als es der Figur eigentlich entspräche, dürfte groß sein. Sie ist keine "tiefe" Figur, keine Heroin mit Herz in einer herzlosen Welt. Sie funktioniert sehr passend in dieser herzlosen, bzw. eben entfremdet sinnlosen Welt, sie wird nicht als leidend und vereinsamt und deplatziert eingeführt. Im Gegenteil: sie agiert genaugenommen reibungslos als Rädchen im Amüsierbetriebs-Getriebe. Wie falsch diese Welt an sich sei - das bemerkt sie, wenn man ehrlich sein will, erst in der letzten Szene. Es gibt ja diverse Close-Ups von ihr. Und da war ich jedesmal begeistert, wie präzise abgemessen ihr die Gesichtszüge nie illustrierend zur Grimasse werden. Sie ist keine Aussenseiterin, kein Taxi Driver... Sie ist auch nicht wirklich Akteurin, sie bestimmt nicht das Geschehen, sondern wird durch die Geschichte geschleift. Interessanterweise wird an der einen Stelle, wo es so eine Art Shoot-Out geben könnte zwischen ihr und ihrer Schwiegermutter, ein Cut gemacht: wie der Konflikt ausging, erfahren wir nachher, die Entscheidung selbst wird uns nicht gezeigt.
Klar - für uns Zuschauer, die wir uns doch mit der Heldin identifizieren wollen, ist die Frustration groß, als wir sozusagen "nachträglich" erfahren, dass sie nicht wirklich zu kämpfen bereit war, sondern opportunistisch einknickte nach dem Motto: besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach... So wollen wir doch, dass Heldengeschichten gehen: dass gekämpft wird, wo alle Hoffnung zu schwinden droht, um nachher den Sieg against all odds umso strahlender geliefert zu bekommen. Aber Anora ist keine Heldin. Und sie spielt eben auch keine Heroine. Sie bleibt im Überlebensmodus, wächst nicht über sich hinaus. Weil ein Über-sich-Hinauswachsen eben in der dargestellten Welt realistischerweise keinen Erfolg haben kann. Was mit Helden passiert, bekommen wir ja in der Szene im Bonbon-Laden demonstriert: denen wird ohne viel zu fackeln das Schwert - äh - der Baseballschläger abgenommen und dann gucken sie blöd aus der Wäsche.
Die Welt von Anora ist eine post-heldische Welt. Und so spielt Madison Anora perfekt zu dieser Welt passend.
Ich glaube, Igor fällt uns Zuschauern deswegen so positiv auf, weil er eben nicht in diese Welt passt. Eigentlich, so spüren wir, hätte jemand mit so einem warm-weichen Herz es gar nicht dahin schaffen können, wo er sich anscheinend befindet: in der Position eines Instruments der Herrschaft. Er gehört nicht in diese Welt - aber nur daran lässt sich erkennen, wie falsch diese Welt ist.
Und das erkennt eben auch Anora am Ende. Wer weiß - vielleicht erfährt sie ja durch dieses Ende tatsächlich eine Art persönliches Wachstum und wir bekommen einen zweiten Teil, wo Madison dann diese veränderte Anora spielen und der Figur endlich Tiefe verleihen darf? Dass sie dazu in der Lage wäre, davon bin ich überzeugt. 😉
Was für eine schöne und treffende Rezension…ich bin immer stiller geworden beim Lesen.
Ich weiss nicht, wieso du das so gut kannst…nicht schreiben im Allgemeinen, das wissen wir ja, sondern auch das Sehen der Menschen in ihren komplexen Zusammenhängen.
Für mich war diese "langeweilige" Passage passend, um ein Gefühl für das zu bekommen, was für die beiden "Liebenden" Alltag ist
Ja, so habe ich mir das auch erklärt.
Beide Figuren haben überhaupt keine Ziele und entsprechend kann ihr Dasein auch keine Ordnung (das ist ja der Gegenbegriff zu Chaos) haben.
Erstaunlich, wie gleich sie da sind. Obwohl in völlig unterschiedlichen Milieus aufgewachsen.
ein winziger Stupser empathischer Menschlichkeit über das hinaus, was bezahlt wurde, ein klitzekleines Bißchen Richtung reicht aus, um seiner chaotisch schlingernden Daseinsweise eine Ahnung von Ziel zu geben.
Was für eine andere Möglichkeit hast Du da vor Augen?
Da hab ich mich gefragt, ob er an diesem Stupser Menschlichkeit festhalten kann und ihn ausbauen kann…sie war bereit…sie hat zumindest diesen Teil der Menschlichkeit für sich bewahren können und war diesbezüglich nicht so leer wie er (umso härter muss es sie dann getroffen haben, dass sie ihre Hoffnungen da ins buchstäblich Leere gesetzt hat…)
Aber dieses seltsame Empathie, die man als Zuschauer ausgerechnet einem Schergen gegenüber empfindet - die ist doch zu reflektieren mal lohnenswert, oder?
So hab ich das noch gar nicht betrachtet, dass er ein Scherge ist….natürlich hast du recht, das ist er…
Ich weiss noch nicht, ob ich mich jetzt schlecht fühlen muss, weil ich ihn als eigentlichen Bösewicht sympathisch finde, nur weil das schon reicht, dass er sie nicht verprügelt…
Ich denke, warum einen das berührt ist, dass er (mal ganz moralisch wertfrei betrachtet) von seiner Macht keinen Gebrauch macht. Er hat sie, setzt sie aber nicht ein. (Erinnert mich irgendwie an Gott, so ganz nebenbei 🙂
Dass er sich im Unrecht befindet durch den Hausfriedensbruch und ihr Festhalten ist nebensächlich - irgendwie weiss man, dass es gerade nicht um diesen Rechtsbruch geht, sondern nur um sein Verhalten in diesem Rechtsbruch. Und das ist so gut gemacht gewesen…mit jeweils dem Blick auf seinen Chef, der ihm Befehle erteilt…
…so ist unser Empfinden schon korrumpiert.
Ja…das stimmt. Aber er behandelt sie im Rahmen seines Auftrags gut - klar, noch besser wäre es, den Auftrag gar nicht erst auszuführen…aber in der Situation, wie sie ist, im Rahmen seiner auch von ihm selbst gewählten Handlungsspielräumen (er ist ja nicht willenlos) verhält er sich gut . Das ist das, was ihm bleibt und was ihn echt macht - und das, was unterm Strich zählt, oder?
Ist das nicht grund-traurig? Kann man da am Ende anders, als zu weinen?
Nein, kann man nicht…
In Anerkennung seines Verhaltens zahlt sie mit dem was sie hat, ihrem Körper. Das ist ihre Art danke zu sagen, das was sie aus ihrer Welt kennt, aber mehr auch nicht….das ist für mich das eigentlich traurige, dass sie sich gegen das „normale“ , liebevolle, wehrt…und man kann nur ahnen, wie tief sie durch ihren Lebensweg verletzt sein muss (Nicht nur durch Iwan).
Aber sie ist ja zum Glück in guten Armen…🙂😌( In einer Fortsetzung wäre sie das zumindest.)
Da würde ich vorschlagen, stärker zwischen der Sympathie, die Du für die einzelnen Figuren empfindet und der darstellerischen Leistung der Schauspieler zu unterscheiden
Das ist ein guter Vorschlag.
Er ist nicht mal böse, er hat keinerlei Agenda. Einfach ein verzogenes Kind- vollständig das Produkt seiner Verhältnisse. Selbstverständlich einsam, aber auf einer so wenig tiefen Ebene, dass es sich ja nicht mal zu lohnen scheint, deswegen Mitleid mit ihm zu haben. Wie soll man so jemanden spielen, ohne ihn zu einer Figur zu machen, die von den Zuschauern gehasst wird?
Hassen ist zuviel gesagt, er spielt einfach keine wesentliche Rolle - er würde sich erst in das Gedächtnis des Zuschauers einprägen, wenn er die Handlung in die entgegengesetzte Richtung drehen würde…dann wäre er ein Held. Dann würde er über seine Prägung und aus seinen Verhältnissen rauswachsen und hätte die Gelegenheit zur Liebe und Menschlichkeit beim Schopf gepackt. Dazu brau er auch keine Muskeln…
Dass er das nicht tu, lässt ihn erst unwichtig bleiben und weder hassens- noch liebenswert sein.
Was Anora angeht: sie spielt nicht blass, sondern extrem realistisch. So eine Figur würde von schlechteren Darstellerinnen per Overacting ruiniert, da darf man sich sicher sein. Die Verlockung, in sie mehr dramatische Tiefe hineinzupacken, als es der Figur eigentlich entspräche, dürfte groß sein.
Ja, auch da triffst du ins Schwarze. Das hab ich nicht bedacht, dass sie eigentlich genau die spielt, die den Gegenpart zu ihm, Iwan, darstellt…sie kann keine glanzvolle Figur sein, die in sich ruht, wenn sie sich mit ihm eine gemeinsame pZukunft vorstellen kann….
Klar - für uns Zuschauer, die wir uns doch mit der Heldin identifizieren wollen, ist die Frustration groß, als wir sozusagen "nachträglich" erfahren, dass sie nicht wirklich zu kämpfen bereit war
Ja, aber wofür denn kämpfen? Der Typ hat ja schon alles entschieden…für den zu kämpfen lohnt sich doch nicht? Oder meinst du für sich selbst, mit Verklagen der Familie?
Sie bleibt im Überlebensmodus, wächst nicht über sich hinaus. Weil ein Über-sich-Hinauswachsen eben in der dargestellten Welt realistischerweise keinen Erfolg haben kann
Genau. Und weil sie klug genug ist das zu wissen, macht sie das, was ihr am meisten nützt. Verständlich.
Er ist derjenige, bei dem ein Kampf aussichtsreich gewesen wäre, nicht sie.
Die Welt von Anora ist eine post-heldische Welt. Und so spielt Madison Anora perfekt zu dieser Welt passend.
Ja, d‘accord.
Ich glaube, Igor fällt uns Zuschauern deswegen so positiv auf, weil er eben nicht in diese Welt passt.
Ebenfalls einverstanden.
Und das erkennt eben auch Anora am Ende. Wer weiß - vielleicht erfährt sie ja durch dieses Ende tatsächlich eine Art persönliches Wachstum
Es ist jedem - nicht nur ihr- zu wünschen…
@stern Was für eine schöne und treffende Rezension…
Danke für das Kompliment! 🌹 😊
Ich war halt wirklich begeistert von dem Film und musste viel drüber nachdenken. Nun freut's mich, wenn ich Dir gegenüber meine Begeisterung erklären und nachvollziehbar machen konnte. Mehr geht ja kaum, es ist fast, als wären wir gemeinsam im Kino gewesen. 🙂
Ja, aber wofür denn kämpfen? Der Typ hat ja schon alles entschieden…für den zu kämpfen lohnt sich doch nicht? Oder meinst du für sich selbst, mit Verklagen der Familie?
Ja, Letzteres meinte ich. Für einen kleinen Moment, als Anora drohte, auf Basis der Inexistenz eines Ehevertrags die Hälfte von Iwans Vermögen in einem Scheidungsprozesse zu ergattern, hatte ich das Gefühl, als würde hier der Film in "bekannte Gefilde" dramaturgischer Art abbiegen. Ganz kurz kamen mir Assoziationen zu irgendwelchen "Suits"- oder "The good wife"-Folgen, wo ja alle zwischenmenschlichen Konflikte immer zu juristischen Konflikten gedreht werden und dann unterhaltsamerweise die gegnerische Partei vor Gericht mit Finten kommt, die gekontert werden müssen... Und die zur Identifikation gedachte Heldenseite ist dann einen Ticken cleverer und gewinnt - oder auch nicht, wenn ein Cliffhanger für die nächste Folge oder Staffel gebraucht wird. Nix gegen so eine Art von Dramaturgie, ich habe beide genannten Serien durchgesuchtet, wie ich auch geöffnete Chipstüten immer vollständig leer fressen muss. Aber sonderlich gehaltvoll ist ja das Muster, auf dem sie basieren, nicht, und es wäre gewissermaßen enttäuschend gewesen, wenn hier im Film so ein billiger inszenatorischer Griff in die Requisitenkiste gemacht worden wäre.
Doch nein: wieder wurde meine Erwartungshaltung clever unterlaufen: als ich besinnungslos gierig nach Crunch und leeren Kohlehydraten in die Chipstüte griff, war die leer. Wie passend! 🙂
Wochenendrebellen
Auf DVD gesehn, kommt aber am Mo, 13.7.26 um 20.15 Uhr im ARD.
Ein autistischer Junge fährt mit seinem Vater jedes Wochenende quer durch Deutschland uns sieht sich Fussballspiele an,
um herauszufinden, welcher sein Lieblingsverein sein könnte. Die Geschichte basiert auf realen Personen, die auch einen "Cameo"auftritt haben. Deutsche Produktion (Vorwarnung für alle, die das abschreckt).
Manchmal lustig, manchmal tragisch. Auf jeden Fall sehenswert.
@derelch kommt aber am Mo, 13.7.26 um 20.15 Uhr im ARD
Danke für den Hinweis, ist notiert.
@derelch Ich will ehrlich sein: wenn Du ihn nicht empfohlen hättest, hätte ich nach zehn, maximal zwanzig Minuten rausgezappt. So aber hab ich bis zum Ende durchgehalten und zwar bist zum ganz allerhinterletzten Ende, weil ich ja nun doch wissen wollte, von wo überall wohl Fördermittel geflossen sein mochten dafür. Hätte noch mehr als nur sechs Töpfe erwartet... Aber richtig: der HSV oder Hannover 96 oder der FC Freiburg oder... kamen ja alle nicht als Schauplätze vor und also gab's für die Förderanstalten der entsprechenden Bundesländer auch keinen Grund, da mit zu fördern...
Absolut nicht my cup of tea.
Lobenswert: Der Darsteller des Jungen hat ausgesprochen gut performt.
Zum Rest schreibe ich nichts, weil ich niemandem, der den Film mochte, das im Nachhinein madig und mich so unbeliebt machen möchte.
Wow so schlecht. 😀
Ist absolut ok. Irgendwie hätten mich Lobeshymnen auch verwundert.
Absolut nicht my cup of tea.
Ich glaube, es ist genau das. Der Film spricht wohl eher Menschen in anderen Lebenssituationen an.
@derelch Irgendwie hätten mich Lobeshymnen auch verwundert.
Na, das ist ja schon mal gut, dass ich am Ende doch einen konsistenten Eindruck hier im Forum erwecken kann. 😎
Der Film spricht wohl eher Menschen in anderen Lebenssituationen an.
Wie genau meinst du das?
Die Thematik des Films ist - so behaupte ich mal - näher an meiner Lebenssituation dran als beim durchschnittlichen TV-Zuschauer. Jedenfalls, wenn wir uns darauf einigen können, dass hier zuerst der Umgang und das Leben mit neurodivergenten Menschen im Zentrum steht, und nicht die Profifußball-Apologetik.
Aber selbst, wenn das "Anliegen" des Films eines wäre, das mir noch näher läge (Klimakatastrophe, Artensterben, KI-Disruption, Kapitalismuskritik...), würde ich ihn, wenn er auf gleichem Reflexions- und Ästhetikniveau läge, genauso schlecht finden. Vielleicht sogar noch schlechter.
Übrigens, falls es irgendwen interessieren sollte: Hier Klick mich! - findet sich ein YT-Video von Mark Benecke, das er bei seinem Besuch der Jahres-Tagung der Höchstbegabten in Berlin machte, und in welchem er unterschiedliche der Teilnehmer interviewte. Ab 32:20 ungefähr hat er da ein 14jähriges Mädchen (Gaile oder Seyl oder so ähnlich) vor seiner Handy-Kamera. Wie sie mit ihm interagiert (das dauert keine zwei Minuten...), ist das Authentischste, was ich mir bis dato über "normales" Verhalten von Hochbegabt-autistischen Menschen angeschaut habe. Als Mark selbst schon nach ganz kurzer Zeit nicht mehr weiter weiß, was er sonst noch so parlandomäßig mit ihr besprechen könnte, reagiert er m.A.n. sehr - nun ja: achtsam, indem er sie aus der Interview-Situation mit einem Dankeschön entlässt. Er spürt da gut den Abgrund der Andersartigkeit, der sich mit "Hallo, wer bist du, was machst du so?"-Gesprächen nicht wirklich überbrücken lässt. Wie sie dann nochmal ins Bild zurückdrängt, um klarzumachen, dass sie, nicht ihre gerade befragte Mutter hier zu den Hochbegabten gehört - das hat mich mehr (zum Drübernachdenken) bewegt, als der ganze Wochenendrebellen-Film.
ist das Authentischste, was ich mir bis dato über "normales" Verhalten von Hochbegabt-autistischen Menschen angeschaut habe
Sie hat jedenfalls gelernt, daß 'zwischen die Augen schauen' beim Gesprächspartner wie 'in die Augen schauen' wirkt - allerdings wirkt es in der Handyaufnahme dann doch seltsam starr.
Interessant, daß Herr Benecke ihr Alter nicht einschätzen konnte; ich konnte sowas noch nie, hatte aber erwartet, daß der Normalbürger eine Vierzehnjährige in etwa als solche erkennt.
Wie sie dann nochmal ins Bild zurückdrängt, um klarzumachen, dass sie, nicht ihre gerade befragte Mutter hier zu den Hochbegabten gehört - das hat mich mehr (zum Drübernachdenken) bewegt, als der ganze Wochenendrebellen-Film.
Warum? Ich hätte das jetzt als normales Teenager-Verhalten verstanden, mit dem unbedingten Wunsch, wahrgenommen zu werden.
@mrorleander Warum? Ich hätte das jetzt als normales Teenager-Verhalten verstanden, mit dem unbedingten Wunsch, wahrgenommen zu werden.
Genau das wäre ja bei einem normalen Teenager auch die naheliegende Vermutung. Aber sie war ja gerade eben erst der anstrengend sozialen Situation entkommen, in der sie dem Mark etwas über die sieben unterschiedlichen Typen zu erklären versucht hatte, was er (oder zumindest ich als Zuschauer) nicht kapiert hatte. Wenn ich nun versuche (was natürlich schwierig ist... 😉 ), aus ihrer Perspektive die Interviewsituation zu betrachten, könnte es sein, dass sie aus dem Gespräch mit Mark mitnahm, dass der manche Sachen nicht so ganz checkt (ihr Alter hatte er nicht gecheckt - und ich hätte sie übrigens ebenfalls älter eingeschätzt - und ihre Erläuterungen hinsichtlich ihres Musikinteresses auch nicht). Also könnte es sein, dass sie nur nochmal zurück kam, weil sie einfach eine Tatsache richtigstellen wollte, die Mark womöglich wieder nicht kapiert hatte. Der unbedingte Wunsch, wahrgenommen zu werden könnte also nicht ihr Motiv gewesen sein, sondern nur das Bedürfnis, ein Mißverständnis zu korrigieren. Sicher bin ich mir da nicht, aber es passt zu meiner Vorstellung davon, wie sich eine Autistin üblicherweise verhält... Naja: jedenfalls war genau dieses Hin- und Her das, was ich mit "Drübernachdenken" meinte. 🙂
The Gentleman auf Amazon prime
Von 2025, spanisch-mexikanische Produktion
Achtung, es gibt mehrere gleichnamige Filme und Serien, die haben mit diesem Film nichts zu tun.
Hier ist der Film mit Ron Perlman in der Hauptrolle gemeint
@chey Danke für den Hinweis! Bei Perlman weiß man immer nich so recht: ist das jetzt ein guter oder ein schrottiger Film?
Hier wollte ich den bei Prime nicht anklicken, weil mir das Bild zu sehr nach einem B-Movie aussah. Dank Deines Tips hab ich mich doch überwunden und es nicht bereut. Zwar würde ich nur 7/10 geben wollen, weil die Zutaten mir schlußendlich denn doch alle allzu bekannt vorkamen und insbesondere die "Bösewichte" nichts hatten, was sie memorabel machen würde über ein Wochenende hinaus... Aber Perlman spielt wirklich großartig und Dein Hinweis auf den Nebenplot triffts: der hat am Ende einen originelle Twist, indem der Nebendarsteller in diesem Nebenplot... Nein, keine Spoiler, aber den sollte man als Zuschauer im Auge behalten... 🙂 Um's mal so zu sagen: das Sequel "Der Gentlemen 2" könnte ich mir nur vorstellen, falls dann Neben- und Hauptstory getauscht würden.
Die Odyssee
Seit einer Woche in den Kinos.
Regisseur: Christopher Nolan.
Darsteller: alles, was Rang und Namen hat in Hollywood. Meine Highlights: Matt Damon als Odysseus (Oscarverdächtig), Anne Hathaway (Penelope), Tom Holland (als Telemachos gewöhnungsbedürftig, aber schlußendlich überzeugend, sobald man Peter Parker aus dem Kopf gekickt hat), Robert Pattinson (Antinous), Zendaya (Athene) und Chalize Theron (hiermit endgültig meine neue Lieblingsdarstellerin 🙂 als Calypso ).
Inhalt: Verfilmung der homerischen Odyssee
Meine Wertung: 10/10
Mehr dazu später, ich muss mich erstmal fassen nach dem Erlebnis.
Ich werde es mir sicher auch anschauen, sobald es auf stream verfügbar ist... ich gehöre ja auch eher zu den Zweiflern, nachdem ich den Trailer gesehen habe, mit all den gutfrisierten, modernen Männern, die allesamt aussehen als hätten sie gerade eben noch irgendwo in New York im "Starbucks" gesessen, bevor jemand ihnen ein paar Dollar in die Hand drückte, damit sie diese komischen Rüstungen anziehen und im Film mitspielen.
Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, wie gesagt, ansehen werde ich mir den Film auf jeden Fall...
@lucan-7 Ich werde es mir sicher auch anschauen, sobald es auf stream verfügbar ist...
Ich bin sehr froh, extra für den Film denn doch mal wieder in die Großstadt gefahren zu sein, um ihn auf der großen Leinwand zu sehen. Dass ich besser gewartet hätte, bis die Imax-Vorstellungen nicht mehr alle ausverkauft sind, um ihn dann in einem solchen Kino zu sehen, hab ich erst verstanden, als ich gestern nachträglich nun online mich drüber informierte. Im Vorfeld hatte ich wirklich krampfhaft versucht, allen Versuchungen zu widerstehen, irgendwelche online-Kommentare zu lesen, um völlig ohne Erwartungen reingehen und mir mein eigenes Urteil bilden zu können. Deswegen war mir die ganze Imax-Thematik schlicht nicht bekannt gewesen. Soviel aber sei Dir ohne schlechtes Gewissen gespoilert: wenn Du wartest, bis Du ihn gestreamed daheim anschauen kannst, wirst Du ihn nicht wirklich anschauen können, denn dazu fehlt Dir garantiert die notwendige Sound-Anlage.
Ich werde demnächst also extra nochmal in die Stadt fahren, um mir den Film in einem imax-fähigen Kino anschauen zu können. Wobei ich aber sicherheitshalber Ohrstöpsel mitnehmen werde. Denn die einzige Negativ-Kritik, der ich jetzt, nachdem ich gestern lang und breit anderer Leute Reaktionen mir angetan (anders kann ich's kaum sagen...) habe, zustimmen mag, ist die, dass der Film zu laut, der Sound zu chaotisch und öfter sich selbst übertösend sei. Ungefähr eine Stunde lang setzte ich mich dem Lärm zwar aus, weil ich mir schon dachte, dass er künstlerisch genau so von Nolan gewollt sei - aber irgendwann verschwand ich dann doch kurz auf der Kino-Toilette, um mir mit Klopapier was in die Ohren stopfen zu können. Meine Schultern taten weh, da ich mir ständig die Ohren hatte zuhalten müssen (bin allerdings besonders lärmempfindlich und habe einen Tinitus, der von zuviel Lärm ausgelöst wird). :-D. Die Wucht des Sounds konnte ich dann ja immer noch durch die Füße und den Hintern im Kinosessel erfahren: das wummerte und vibrierte ja alles durch und durch...
Künstlerisch, wie gesagt, kann ich die Entscheidung sogar nachempfinden, und wenn mich nicht der Tinitus bedrohen würde, gäbe ich mir auch beim nächsten Mal die "volle Dröhnung" - so, wie ich in Jugendzeiten auch damit klar kam, nach dem Clubbesuch halt ein paar Stunden halb taub und mit Fiepen in den Ohren zu leben, dafür aber eben den Full Impact auf der Tanzfläche genossen zu haben. Warum ich die Lautstärke als "gewollt" verstehen kann, dazu vielleicht später mehr, wenn's ans Spoilern geht. 😉
ich gehöre ja auch eher zu den Zweiflern, nachdem ich den Trailer gesehen habe, mit all den gutfrisierten, modernen Männern, die allesamt aussehen als hätten sie gerade eben noch irgendwo in New York im "Starbucks" gesessen, bevor jemand ihnen ein paar Dollar in die Hand drückte, damit sie diese komischen Rüstungen anziehen und im Film mitspielen.
Aus genau diesem Grund hatte ich mich, sobald ich mitbekam, dass einzelne Schlauberger schon anfingen, nach den ersten durchgesickerten Details rumzunörgeln und besser zu wissen, darum bemüht, diese Diskussionen nicht zu verfolgen. Statt dessen las ich mir in Vorbereitung die literarische Vorlage nochmal (Illias und Odyssee sind seit vielen Jahrzehnten für mich die Weltliteratur schlechthin - dank der "Dialektik der Aufklärung" von Adorno/Horkheimer kam ich auf den Trichter, mir die beiden Werke, von denen ich aus meiner Kindheit nur eine zusammenfassende Kurzform kannte, noch mal "in echt" reinzutun. Und seither sind sie für mich Kanon.) durch und bin froh über die Entscheidung. All die Kritikpunkte, die in Deinen Worten vorkommen, sind, so meine Überzeugung, völlig an dem Kunstwerk vorbei. Sie werden von vielen geteilt, die den Film jetzt bemäkeln. Aber die alle haben nix kapiert. Nur ich, ich hab alles verstanden. Alles!!!! 😀
Immer noch, ohne spoilern zu müssen, möchte ich Dir kurz erläutern, warum ich diese Kritikpunkte als gegenstandslos betrachte:
1. gutfrisiert. Die Vorstellung, dass "damals" Männer nicht gut frisiert gewesen seien, ist ein Klischee, das wir aus irgendwelchen LARP-Veranstaltungen, Mittelaltermärkten oder all den "historischen" Fantasy-Filmen internalisiert haben, mit denen uns Hollywood "Realismus" vorzugaukeln versucht. Was für Frisuren die Leute gegen Ende der Bronzezeit trugen, weiß zumindest ich nicht, man müsste sich da, wollte man es rauskriegen, vermutlich viel mit irgendwelchen Malereien auf minoischer Keramik beschäftigen... Aber ganz ehrlich? Die Odyssee ist ein Gesang, der über die Zeitalter hinweg Bedeutung hat, ist Mythos, archaisches Gleichnis, Sage - und also als zeitlos zu verstehen. Alle, die an so einen Film den Anspruch stellen, da sei nicht korrekt genug auf historischen Realismus geachtet worden, sind vermutlich über die letzten hundert Jahre Theatertradition ohne Kontakt durchgeflutscht und wären erstaunt, wenn ein Odin in einer Wagner-Oper ohne Schuppenpanzer, Wallebart und an den Helm getackerte Vogelschwingen auf die Bühne käme.
2. modern. Na klar sehen us-amerikanische Darsteller so aus, als hätten sie vor kurzem noch bei Starbucks gesessen: vermutlich taten sie's! 😀 Der Durschnittszuschauer kennt sie vielleicht überhaupt nur aus irgendwelchen Magazinen, die bei Starbucks herumliegen... Sie sind also so "modern" wie Theaterdarsteller. So ist das nun mal mit modernen Inszenierungen, dass man bei denen auf moderne, d.h.zufällig gerade lebende Schauspieler zurückgreift. Was erwartet man denn? (Dass ich erstmal Peter Parker aus meinem Kopf bekommen musste, um in Tom Holland den Telemachos sehen zu können, erwähnte ich oben schon - aber na nun, hätte ich ähnliche Probleme beim Cast von Citizen Kane? Das ist mein Problem, wenn ich bestimmte Schauspieler zu sehr mit ihren früheren Rollen assoziiere und zuerst etwas zu faul bin, diese Assoziation auszublenden...)
Mir ist der "tiefere Sinn" so einer Kritik natürlich bekannt - da schwing immer noch dieser anti-woke Kulturkampf-Vibe mit, von wegen: Casting nach Diversity-Checkboxen, die Intentionen der Originalerzählung ignorierend. Gegen die "Ringe der Macht"-Serie oder die "Rad der Zeit"- Serie bei Amazon ließe ich so eine Kritik gelten und teile sie sogar. Aber gegenüber der Odyssee ergibt sie schlicht keinen Sinn.
3. komische Rüstungen.Entsprechende Kritik hab ich erst jetzt nachträglich mitgekriegt. Persönlich war ich schlicht begeistert von dem art-design, das auf geniale Weise künstlerische Stilisierungen antiker Darstellungen in die Moderne übertrug. Ich könnte nun jede einzelne Design-Entscheidung, die mich in dem Film überzeugte, einzeln durchgehen, aber da würde ich ja schon spoilern. Vertraue mir mal bitte: sobald man sich befreit von dem "Realismus"-Klischee, das unter den - nun ja... kulturell doch eher ungebildeten "Rezensenten", die gerade online auf Youtube&Co die Diskurse über aktuelle Filme dominieren, vorherrscht, kann man die künstlerisch-visuellen Entscheidungen im Kostüm-Design voll genießen. Übrigens sind ausgerechnet die "komischen Rüstungen" in einer Szene, die nach dem Trailer und nun auch nach dem ganzen Film von vielen besonders stark kritisiert wird, und die beispielsweise von deHaind schlicht als überflüssig bezeichnet wurde, absolut genial, sobald man mal vergisst, dass man ja sowieso immer viel besser als der Regisseur weiß, was da gezeigt und ausgesagt werden soll. Diese Szene und die in ihr auftauchenden Rüstungen waren für mich ungelogen die beste Idee überhaupt - deren Pointe sich einem allerdings so richtig erst in einem Nebensatz des großen Schlußmonologs erschließt. Genauer kann ich's nicht erklären, denn ich will ja hier nicht spoilern. 🙂
Sondern einfach statt dessen nochmal betonen, dass leider von viel zu vielen, wenn sie in Kontakt mit großer Kunst kommen, eine Rezeptions-Faustregel nicht beachtet wird: Wenn mir etwas seltsam und komisch und unpassend vorkommt - dann sollte ich (wenn ich für mich etwas mitnehmen möchte, statt nur anderen gegenüber mit meinem womöglich witzig vorgetragenen hämischen Urteil profilieren zu wollen) überlegen, wie es zu verstehen sei. Was will mir der Künstler - der weiß, was er tut - da vermitteln? Warum hat er diese Entscheidung getroffen? Weil er zu bequem war, länger drüber nachzudenken? Weil er keine Ahnung hat, wie man so was macht? Ernsthaft?!
Diese Faustregel bedeutet, dem Künstler einen Voschuss-Kredit zu geben und umgekehrt bescheiden anzuerkennen, dass man vermutlich eben nicht schlauer ist als der Künstler und nicht alles besser weiß als er - und dass insbesondere persönlicher Geschmack kein valides Kriterium gegenüber echter Kunst sein kann. Die Odyssee von Nolan ist vielleicht - den Marktgesetzen entsprechend - als Blockbuster konzipiert und finanziert. Aber sie ist keine Pop-Kultur. All jene, die nichts anderes als Pop-Kultur kennen, mögen diesen Film als Pop-Kultur behandeln und sich auf dem Niveau darüber auseinandersetzen, dass Pepsi-Cola in der Cherry-Variante nicht an Cherry-Coca-Cola herankommt. Und solche Leute werden in dreissig oder vierzig Jahren nicht wissen, dass dieser Film mal gedreht wurde. Für solche Leute ist es dann für Filme, die zu ihrer Zeit gedreht werden, ein valides Kritik-Kriterium, dass zu viele bekannte Gesichter (Stars) auftauchen. Die Arroganz der Jetzt-Zeitigen nenne ich sowas. 😉
1. gutfrisiert. Die Vorstellung, dass "damals" Männer nicht gut frisiert gewesen seien, ist ein Klischee, das wir aus irgendwelchen LARP-Veranstaltungen, Mittelaltermärkten oder all den "historischen" Fantasy-Filmen internalisiert haben, mit denen uns Hollywood "Realismus" vorzugaukeln versucht. Was für Frisuren die Leute gegen Ende der Bronzezeit trugen, weiß zumindest ich nicht, man müsste sich da, wollte man es rauskriegen, vermutlich viel mit irgendwelchen Malereien auf minoischer Keramik beschäftigen...
Dummerweise habe ich das getan, mich also mit historischer Kleidung und/oder Frisuren befasst... aber das ist gar nicht mal der Punkt.
Wer sich einmal ein paar Stummfilme angesehen hat, der weiss wie Frisuren (vor allem bei den Frauen ist das sehr offensichtlich) vor der Erfindung moderner Haarpflege- und Stylingprodukte ausgesehen haben.
Und das heisst nicht, dass die Leute damals ungepflegt waren, im Gegenteil, die waren ja auch damals schon aufwändig hergerichtet. Aber die Mittel waren eben begrenzter, und so musste man sich in erster Line damit zufriedengeben, was die Natur vorgegeben hat. Wobei auch Marlene Dietrich über die Nadeln klagte, mit denen Haarteile an der Kopfhaut befestigt wurden, und Locken wurden auch damals schon recht rabiat mit heissen Eisen erzeugt - man hatte also schon Mittel zur Verfügung, und dennoch sahen die Frisuren gezwungenermaßen ganz anders aus.
Wenn man nun davon ausgeht, dass in einer phantastischen Welt die Menschen über moderne Pflegeprodukte wie Hairconditioner, Stylinggel, Haarwasser, Volumenspray, Haarkuren mit Keratin und Repairshampoo verfügten... hey, es ist Fantasy, also warum nicht...?
Für mich ist das ein Detail, dass die Illusion zerstört - weil Haare ja nun mal praktisch immer im Bild sind, wenn sie nicht gerade von Helmen verdeckt werden...
2. modern. Na klar sehen us-amerikanische Darsteller so aus, als hätten sie vor kurzem noch bei Starbucks gesessen: vermutlich taten sie's!
Ja, sicher. Das dumme ist halt nur, dass sich die Gesichter der Menschen mit der Zeit ändern. Es ist schwer zu sagen, woran das liegt, aber früher sahen Menschen einfach anders aus.
Ich erinnere mich, dass Joseph Vilsmaier, der Regisseur des deutschen Films "Stalingrad" für seinen Film bewusst Schauspieler ausgewählt hat, die "alte" Gesichter haben - und zwar nicht, weil sie selbst "alt" gewesen wären, sondern weil sie Gesichter hatten, die wie aus einer anderen Zeit wirken.
Man muss sich nur mal vorstellen, man würde ein schwarz-weiss Foto im Stil der 1920er Jahre von den Darstellern machen... würde man dann glauben, dass das Foto echt ist, also aus der Zeit stammt? Oder würden die Gesichter unpassend erscheinen?
Allerdings ist das ein Punkt, bei dem ich die Wahl am ehesten nachvollziehen kann. Aber manchmal vermisse ich die "knorrigen" Gesichter aus den 70ern, wo jeder Typ ganz anders aussah als der Typ neben ihm, während heute irgendwie eine Einheitsästhetik Einzug gehalten hat und individuelle Charakterzüge immer mehr verschwinden...
Mir ist der "tiefere Sinn" so einer Kritik natürlich bekannt - da schwing immer noch dieser anti-woke Kulturkampf-Vibe mit, von wegen: Casting nach Diversity-Checkboxen, die Intentionen der Originalerzählung ignorierend.
Dazu kann ich nicht viel sagen, aber ich weiss dass es da Kritik gab. Transidentität ist aber völlig egal, so lange die Leute in der Rolle glaubwürdig sind, da ist Kritik also Blödsinn. Und was verschiedene Ethnien betrifft, so muss es halt nur passen - Schwarze waren damals im Mittelmeerraum bekannt, das spielt also keine Rolle, so lange nicht behauptet wird, es sei ein Grieche in 10. Generation und die sähen alle dort so aus...
3. komische Rüstungen.Entsprechende Kritik hab ich erst jetzt nachträglich mitgekriegt.
Na ja... ich bin ein großer Fan von "300", was soll ich mich da über irgendwas beschweren...? 😀 Hauptsache, die Ausrüstung wirkt plausibel und nicht völlig aus der Zeit gefallen.
Ich werde demnächst also extra nochmal in die Stadt fahren, um mir den Film in einem imax-fähigen Kino anschauen zu können.
Den Aufwand werde ich garantiert nicht betreiben, weil mich so etwas noch nie wirklich beeindruckt hat... Stereo-Sourround irritiert mich, weil der Ton aus einer unerwarteten Richtung kommt, und die Superhochauflösung beim "Hobbit" hat die grottenschlechte Handlung der letzten beiden Teile auch nicht retten können.
Ich glaube zwar gerne, dass das technisch beeindruckend sein mag, aber für mich ist das genau so wie mit dem 3-D Effekt: In den ersten 5 Minuten überwältigend, dann hat man sich dran gewöhnt und nimmt es gar nicht mehr wahr.
Werde es mir nächste Woche mit meiner Frau im Kino anschauen und es so nehmen, wie es da eben gezeigt wird...
@lucan-7 Dummerweise habe ich das getan, mich also mit historischer Kleidung und/oder Frisuren befasst... aber das ist gar nicht mal der Punkt.
Da frag ich jetzt mal ganz dumm nach: An welcher historischen Mode sollte sich denn die Odyssee orientieren? An der vor 2600 Jahren? An der vor 3200 Jahren? Das ist kein Historienfilm und ob die Frisuren nun aussehen wie heute in New York oder vor dreihundert Jahren in Peking oder vor 2000 Jahren auf Kreta - es hat keine Relevanz!
Übrigens habe ich ausser von Dir noch von niemand anderem im Bezug auf den Film ein einzige Wort über Frisuren gehört. Vielleicht hat mal jemand über den "Pferdeschwanz" von Menelaos sich beschwert, der hinten aus dem Helm, über welchen sich im Vorfeld wohl die Mecker-Community ereiferte, heraushängt und von einer originell designten Befestigung zusammengehalten wird. Die ist aber so "modern" wie irgendwelche Gargyolen an Häuserfassaden von Gotham City: fantasievolles Design...
Wenn man nun davon ausgeht, dass in einer phantastischen Welt die Menschen über moderne Pflegeprodukte wie Hairconditioner, Stylinggel, Haarwasser, Volumenspray, Haarkuren mit Keratin und Repairshampoo verfügten... hey, es ist Fantasy, also warum nicht...?
Für mich ist das ein Detail, dass die Illusion zerstört - weil Haare ja nun mal praktisch immer im Bild sind, wenn sie nicht gerade von Helmen verdeckt werden...
Okay, dann trifft auf Dich eben das zu, was ich in Bezug auf Theaterinszenierungen schrieb, und es würde auch bei Dir die "Illusion zerstören", wenn Wotan in der Götterdämmerung im Nadelstreifenanzug und mit Scheidelfrisur auftritt. Aber was soll das überhaupt eine "Illusion" sein? Vermutlich meinst Du auch eher Immersion: dass man aus dem "Drin-Sein" in der Geschichte herauskatapultiert wird durch solche Details.
Für mich wäre sowas nur dann ein Ding, wenn mir eine Geschichte verkauft werden soll, als sei man bei einem tatsächlich stattgefunden habenden historischen Ereignis dabei. Ist hier aber nicht der Fall.
Transidentität ist aber völlig egal, so lange die Leute in der Rolle glaubwürdig sind, da ist Kritik also Blödsinn.
Auch so'n Punkt. Als in irgendeinem Rezensionsgespräch, das ich mir nachträglich gestern anschaute (sogar mit Torsten Sträter, den ich ja liebe... 🙂 ), Elliot Page genannt wurde und dass der doch eigentlich, engegen all dem Gemoser im Vorfeld, ziemlich gut in seiner Rolle gewesen sei, wusste ich erstens nicht, wer das überhaupt war und kapierte dann, als ich ihn googelte, nicht, wieso ausgerechnet an dieser Figur irgendwas auszusetzen gewesen sein sollte - denn dieser mir unbekannte Schauspieler hatte mich sehr in der Rolle überzeugt. Erst beim Verfolgen irgendeines Links erfuhr ich, dass der vorher mal 'ne Frau gewesen und wohl auch schon in einigen "wichtigen" Filmen (X-Men-Serie) eine weibliche Rolle gespielt hatte. Im Ernst: die Kritik an so einer Besetzung ist dermaßener Blödsinn, dass das Wort Blödsinn der Blödsinnigkeit kaum gerecht wird. 😀
Und was verschiedene Ethnien betrifft, so muss es halt nur passen - Schwarze waren damals im Mittelmeerraum bekannt, das spielt also keine Rolle, so lange nicht behauptet wird, es sei ein Grieche in 10. Generation und die sähen alle dort so aus...
Naja, es wurden ja vor allem zwei weiblich besetzte Figuren als unpassend kritisiert: Zendaya als Athene und die schwarze Helena, deren real life Namen ich mir nicht merken kann, Lupita irgendwas - die sogar als KJlytimnestra eine Doppelrolle hat. Was Zendaya angeht, so geht die Kritik daran, dass sie nicht so aussieht, wie in Homers Odyssee beschrieben, komplett am Thema vorbei, dazu braucht man nur mal gleich den ersten Gesang sich durchzulesen, in welchem Telemachos mit Athene sich unterhält. Am Ende fliegt (!) Athene aus dem Raum, und wir erfahren, dass Telemachos in ihr die ganze Zeit einen Mann/Fremden/Gast/Bettler sah, also überhaupt nicht wusste, dass es eine Göttin war, die da mit ihm palaverte. Bei Homer ist das eine völlige Selbstverständlichkeit, dass die Menschen die Götter nicht in ihrer "wahren Gestalt" sehen, und dennoch wird Athene ständig als die "funkeläugige Göttin" bezeichnet in der Szene. Warum die Athene im Film so aussieht wie Zendaya (und also auch nicht wie ein männlicher Bettler), wird irgendwann im Film sogar sehr eindrücklich und herzzerreißend "erklärt". Sie ist perfekt für ihre Rolle gecastet, wirklich perfekt!
Was Lapita irgendwas angeht, so kann ich die Kritik an dem Cast logisch nachvollziehen - es passt den Kritikern eine mögliche künstlerisch-politische Aussage Nolans nicht (welche genau will ich hier nicht spoilern, vielleicht kommt man von selbst drauf, vielleicht auch nicht). Ich schreibe mit bedacht "mögliche" - denn ob Nolan die Interpretation, die ich schon in zwei Rezensionen dazu hörte, auch so gewollt hat, weiß ich nicht. Ich hab da keine politische Aussage bemerkt und dachte einfach: "Sieh an, das ist mal eine originelle Idee, Helenas exeptionell-exotische Schönheit durch die Hautfarbe zu symbolisieren!" Damit löste er in meinen Augen ein Problem, dass bei der Verfilmung von Superlativen gern mal auftaucht. Diane Kruger als Helena fand ich, rein meinem persönlichen Frauengeschmack gemäß, schöner als Lupita irgendwas. Aber tatsächlich dachte ich damals schon: Schwierig, schwierig! Die ist ohne Frage schön - aber auch sooo schön, dass alle Fürsten Griechenlands ihretwegen den Schwur ablegten, der sie nun zum Kriegführen zwingt? Helena ist die schönste Frau der Welt, über alle Zeitalter hinweg. So über alle Maßen göttlich schön wie Helena kann also keine Schauspielerin sein, insofern ist jede Wahl für die Rolle automatisch fehlbesetzt. Mir kam dieser grundsätzliche Gedanke, als ich zum ersten Mal Galadriel, gespielt von Cate Blanchett, im P. Jacksons HdR sah. War diese Schauspielerin schön genug für ihre Rolle? Im Making Of erfuhr ich dann, wie Jackson den Eindruck überirdischer Schönheit bei Galadriel dadurch zu evozieren versuchte, dass die Beleuchtungslampen, die sich in ihren Augen widerspiegelten, aus großen Menge einzelner Glühbirnen bestanden, so wie wenn sich viele Himmelskörper (Sterne) in ihr spiegelten. Fand ich eine gute Idee, um das Einzigartige an ihrer Optik zu betonen. Aber naja - meinem persönlichen Geschmack entsprechend hatten Cate Blancetts Gesichtszüge halt doch nicht überirdisch schöne Proportionen. Mit etwas Abstand finde ich, dass sie dennoch bestmöglich besetzt war - weil es nun mal keine perfekt schöne lebende Frau gibt.
Indem nun eine Schwarze die Helena spielt, spielt Nolan mit meinen westlich-weißen Normschönheitsvorstellungen - Lupita irgendwas ist so "anders" als alle anderen Frauen, wie Cate Blancett mit ihrer Spezialbeleuchtung es war. Das finde ich eine sehr kluge künstlerische Entscheidung. Es gibt im Film bei einer Szene eine ähnlich kluge künstlerische Entscheidung, da dann den Sound betreffend: wenn man etwas unmöglich direkt zeigen kann, aber unbedingt davon erzählen will, muss man einen Weg finden, es indirekt zu zeigen. Ich nenne das gern Anti-Pornografie. In der Pornografie wird auf alles direkt drauf gehalten. Was nicht direkt gezeigt wird, existiert in der Pornografie entsprechend auch nicht (Liebe beispielsweise... 😉 ). Lupita als Helena zu casten ist also clevere Anti-Pornografie. Schön ist die Schauspielerin sicherlich - vielleicht auch schöner als alle anderen Frauen der Welt. Aber das kann ich eben, gefangen in meinen Norm-Schönheits-Vorstellungen, die von Hellhäutigkeit bestimmt sind, unmöglich wissen/beurteilen. So kann ich einfach glauben, dass diese Helena die schönste aller Frauen ist - indem ich dem Künstler Nolan vertraue.
Hauptsache, die Ausrüstung wirkt plausibel und nicht völlig aus der Zeit gefallen.
Nochmal: aus welcher Zeit? 😉 Jetzt erfuhr ich, dass sich Leute über das Schiffs-Design erregten, das zu sehr nach Wikinger-Booten aussehe. Na wenn schon - immerhin wurde ja auch auf Island gedreht, dann passt das schon. 😀
Ich glaube zwar gerne, dass das technisch beeindruckend sein mag, aber für mich ist das genau so wie mit dem 3-D Effekt: In den ersten 5 Minuten überwältigend, dann hat man sich dran gewöhnt und nimmt es gar nicht mehr wahr.
Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals im ersten Avatar-Film saß mit seinen fliegenden Inseln, und mir die Tränen kamen bei dem Gedanken, dass mein bettlägriger Vater sowas nicht mehr werde erleben können.
Wenn Nolan all die Zusatzstrapazen auf sich (und seine Crew) nahm, um den Film mit Imax-Kameras zu drehen, dann reicht mir das als Grund, demnächst nochmal eine Reise zu unternehmen, um mir's so anzuschauen, wie vom Künstler intendiert. Da bin ich voll religiös. 😀
Da frag ich jetzt mal ganz dumm nach: An welcher historischen Mode sollte sich denn die Odyssee orientieren? An der vor 2600 Jahren? An der vor 3200 Jahren? Das ist kein Historienfilm und ob die Frisuren nun aussehen wie heute in New York oder vor dreihundert Jahren in Peking oder vor 2000 Jahren auf Kreta - es hat keine Relevanz!
Sicher, man kann die Odyssee auch innerhalb der Star-Wars Welt oder sonstwo erzählen... es geht aber um eine innere Glaubwürdigkeit der Welt, die da präsentiert wird. Also, wie leben die Leute da, welche Technik steht zur Verfügung?
Das blöde ist halt: Je besser man sich mit der Materie auskennt, desto mehr achtet man auf Details.
Und wenn man das Setting ins "Alte Griechenland" setzt, dann sollten auch entsprechende Elemente dort zu sehen sein - das heisst, keine Rüstungen, die technisch irgendwo ins Spätmittelalter gehören.
Denn das wäre genau so, als wenn ein römischer Feldherr in einem Jeep vorfährt. Das wäre auch bei "Asterix" fehl am Platz, der ja nun auch absolut keine historische Darstellung beansprucht.
Vermutlich meinst Du auch eher Immersion: dass man aus dem "Drin-Sein" in der Geschichte herauskatapultiert wird durch solche Details.
Genau das.
Vielleicht ist dir ja schon mal der Eistaucher-Schrei (Common Loon) in einem Film begegnet:
https://www.youtube.com/shorts/RPG_JE-AIWc
Dieser Vogelruf wird besonders gerne bei gruseligen Wäldern eingesetzt, weil er sehr unheimlich klingt.
Tatsächlich ist es aber ein Balzruf. Und ich habe mal gelesen, dass Leute, die dort leben, wo diese Vögel vorkommen und häufig zu hören sind, den Ruf im Film absolut nicht ernst nehmen können - sie wissen genau, was es ist, und die Atmosphäre wird sofort zerstört. Weil es nun mal ein Balzruf einer Art Ente ist - und keine unheimliche Eule, wie Leute glauben sollen.
So geht es mir mit Frisuren im Film. Nicht, weil ich irgendwie Experte für Haarstyling wäre, sondern weil ich mich recht intensiv mit Stummfilmen befasst habe, als es keine modernen Stylingprodukte für Frisuren gab. Darauf basiert auch meine Vorstellung, wie Menschen früher ausgesehen haben müssen. Die hatten zwar auch Pflegeprodukte - aber eben anderer Art. Und wenn Menschen zu modern frisiert sind in einer völlig unpassenden Umgebung - dann stört mich das doch sehr.
Nochmal: aus welcher Zeit?
Jetzt erfuhr ich, dass sich Leute über das Schiffs-Design erregten, das zu sehr nach Wikinger-Booten aussehe. Na wenn schon - immerhin wurde ja auch auf Island gedreht, dann passt das schon.
Das ist eigentlich ein recht zeitloses Design und wurde von der Antike bis ins Mittelalter verwendet, nicht nur von den Wikingern. Ein Experte mag sich da auch über technisch unpassende Details ärgern, aber das wird schon passen, denke ich.
Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals im ersten Avatar-Film saß mit seinen fliegenden Inseln, und mir die Tränen kamen bei dem Gedanken, dass mein bettlägriger Vater sowas nicht mehr werde erleben können.
Ja, ich habe den auch zuerst allein im Kino gesehen und habe dann zu meiner Freundin (jetzt meine Frau) gesagt: "Das musst du dir unbedingt ansehen!", so begeistert war ich von den Effekten... aber nach einem dutzend weiterer Filme in 3-D nutzt sich der Effekt doch arg ab. Die anderen Avatar-Filme habe ich mir auch gar nicht erst angesehen, obwohl die technisch sicher absolut beeindruckend sind.
Das mit der schon normalen Kinolautstärke hält mich auch von Kinobesuchen ab. Habe leider auch einen Tinnitus und die damit verbundenen Empfindlichkeit. Dann wird er eben gestreamt.
Leider wirken manche Filme nur im Kino (einer meiner Lieblingsfilme ist Rausch der Tiefe; der geht eigentlich auch nur im Kino)
Odyssee finde ich aber grundsätzlich interessant. Die letzte mir bekannte Verfilmung war 'O Brother, Where Art Thou?' Die war allerdings auch genial.
Ich mag sowieso gern Filme mit toller Filmmusik.
VG
Chey
@chey Die letzte mir bekannte Verfilmung war 'O Brother, Where Art Thou?' Die war allerdings auch genial.
Die kenne ich noch nicht*. Herzlichen Dank also für den Hinweis, da muss ich mal schaun, wo ich den schaun kann. 🙂
*Von den Coen-Brüdern... Peinlich, peinlich, das ist ja nun mal 'ne echte Bildungslücke...
Absolut genialer Film. Über George Clooney kann man ja geteilter Meinung sein, aber in diesem Film ist er so was von gut. Außerdem singt er in dem Film, das ist schräg im positiven Sinn.
VG
Chey
@chey Über George Clooney kann man ja geteilter Meinung sein (...)
Ob er nur ein guter oder doch eher ein sehr guter Schauspieler sei? 😉
Naja, er ist schon blockbusterlastig. Aber er macht daneben auch immer wieder gute kleinere Filme.
VG
Chey
Da ich nächste Woche Urlaub habe, werde ich garantiert diesen Film ansehen. Und dann ausgiebig berichten was da so alles passiert....*hahahahahahaha* Natürlich nicht.
Regisseur: Christopher Nolan.
Na hoffentlich wieder besser als "Oppenheimer". Der Trailer ist so ansprechend.
Korrex:
Der Trailer ist nicht so ansprechend.
@derelch Dann schaut Euch vielleicht auch die Odyssee nicht an.
Odyssee
Eher Oppenheimer als Dark Knight? Ne dann nicht.
Zum Glück hab ich keine Zeit für Kino. 🤣
@derelch Eher Oppenheimer als Dark Knight?
Schweeeeer zu beantworten. Wäre so, als würde mich jemand fragen: schmeckt das Thunfisch-Steak eher wie Känguruh-Filet oder wie Hühnerschenkel?
Zum Glück hab ich keine Zeit für Kino.
Hast also eh keinen Hunger. 🙂
Ja, hab' ihn mir angeschaut.
Spoiler
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Ich war froh, dass der Protagonist kein Adonis ist, sondern eher haudegenartig daherkommt. Ich habe ihm die Rückeroberung seines heimeligen Herdes gegönnt und finde es sehr vernünftig, dass er mit seiner Frau per Schiff in die Diaspora segelt, um am Lebensende noch einmal alle seine Missetaten Revue passieren zu lassen und sich bei den Toten zu entschuldigen.
Habe es mir jetzt angesehen... begünstigt durch die Tatsache, dass wir auf unseren geplanten Kurzurlaub verzichten mussten, weil das Auto kurz vorm Zusammenbruch steht und wir als Alternative dann eben ins Kino gingen.
Hat sich durchaus gelohnt, und die "historischen Triggerpunkte" hielten sich für mich am Ende in Grenzen... ja, die Rüstungen der "Riesen" waren halb Fantasy, halb mittelalterlich, ja die Planken des Schiffen war nach Art der Wikinger... egal.
Die Story zählt, und die war wirklich gelungen... vor allem wird hier ein großer Bogen gespannt, der letztlich alles erklärt und zusammenhält.
Was Calypso betrifft, so kann ich zwar nicht so ganz zustimmen... die sieht halt doch viel zu sehr nach "Heutiges Model" und nicht nach "Griechischer Schönheit" aus... aber gut, auch das ist nur ein Detail...
Was deine Faszination für IMAX betrifft: Vergiss`es... es ist nicht möglich, den Film in Deutschland so zu sehen, wie er gedacht ist, kein Kino in Deutschland ist dafür ausgestattet.
Aber wer weiss... vielleicht ist das ja eine Anregung und wir bekommen doch vielleicht die ein oder andere Gelegenheit in den nächsten Jahren.
@lucan-7 Hat sich durchaus gelohnt, und die "historischen Triggerpunkte" hielten sich für mich am Ende in Grenzen... ja, die Rüstungen der "Riesen" waren halb Fantasy, halb mittelalterlich
SPOILER!!!
Die Rüstungen der Laiystrygonen waren vor allem halt aus Eisen/Stahl. Ich fand die Idee sooo genial! Im Monolog am Ende wird in einem Nebensatz erwähnt, dass das Zeitalter der Bronze zuende gehe. Diese alles niedermetzelnden Riesen waren eine perfekte Allegorie dafür, wie eine technologische Neuerung, militärisch genutzt, auf jene wirken muss, die sie nicht kennen/verstehen. So wie die Männer des Odysseus - immerhin jene, die vor Kurzem noch den größten militärischen Sieg ihres Zeitalters eingefahren hatten - von den Laistrygonen weggefegt werden - so dürften sich immer mal wieder Vertreter der alten/etablierten Technologie fühlen, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht. Wie die berittenen Arier damals, als sie im Sturmlauf durch ganz Europa fuhren und alle Gegner besiegten - weil sie halt auf Pferden saßen... Wie tausende Jahre später Panzer sich durch Fußsoldaten oder Reiterei pflügten: brutal, unwiderstehlich, unaufhaltsam... So sind hier die mit Eisenrüstungen kämpfenden Männer des Antiphates eben Riesen - eine völlig andere Welt. Mir gefiel diese wortlose Weise, wie sie über Odysseus Männer kommen: mit ihnen ist nicht zu verhandeln. Die Sieger von Troja haben gar keine andere Option, als die wilde Flucht. Eisenzeit. Disruption.
Die Analogie in unsere neue Zeit lag für mich auf der Hand: KI-gesteuerte autonome Waffensysteme (Roboter).
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Diese alles niedermetzelnden Riesen waren eine perfekte Allegorie dafür, wie eine technologische Neuerung, militärisch genutzt, auf jene wirken muss, die sie nicht kennen/verstehen. So wie die Männer des Odysseus - immerhin jene, die vor Kurzem noch den größten militärischen Sieg ihres Zeitalters eingefahren hatten - von den Laistrygonen weggefegt werden - so dürften sich immer mal wieder Vertreter der alten/etablierten Technologie fühlen, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht.
Ja nun... zwischen der vorgeblichen Zeit des Odysseus und derartigen Rüstungen liegen halt nur knapp 1500 Jahre... das wäre also ungefär so, als wäre Attilla der Hunne plötzlich mit Panzern konfrontiert gewesen.
Aber hey, 1500 Jahre für die Symbolik... muss man halt nicht so genau nehmen...
Die Analogie in unsere neue Zeit lag für mich auf der Hand: KI-gesteuerte autonome Waffensysteme (Roboter).
Ja, das sehen wir gerade in der Ukraine... da wird das Ganze getestet.
Aber ich denke nicht, dass Nolan tatsächlich dergleichen im Sinn hatte. Dafür ist die Darstellung dann doch zu... physisch.
@lucan-7 zwischen der vorgeblichen Zeit des Odysseus und derartigen Rüstungen liegen halt nur knapp 1500 Jahre...
Die Odyssee hat ihre oral-history-Ursprünge in der Bronzezeit, Homer schrieb zu Beginn der Eisenzeit. Und gedreht wurde der Film dann zweieinhalb Jahrtausende später.
Aber hey, 1500 Jahre für die Symbolik... muss man halt nicht so genau nehmen...
Richtig. So, wie man Riesen nicht so genau nehmen muss. 🙂
Die Odyssee hat ihre oral-history-Ursprünge in der Bronzezeit, Homer schrieb zu Beginn der Eisenzeit. Und gedreht wurde der Film dann zweieinhalb Jahrtausende später.
Ich habe ja nichts dagegen, die Odyssee in andere Zeitalter zu verlegen... die Welt muss halt nur in sich stimmig sein. Und ob die alten Griechen laut Homer bereits "Fuck you!" sagten, darüber liesse sich auch streiten. Klar, die haben eh kein US-Englisch gesprochen, aber manche Ausdrücke verbindet man halt so sehr mit der Moderne, dass es das Ganze für einen kurzen Moment völlig aus dem alten Griechenland herausreisst, Fantasy oder nicht.
Aber ich will gar nicht zu viel meckern, es ist insgesamt schon ein großartiger Film. Und ich wusste ja auch vorher schon, worauf ich mich einlasse.
die Welt muss halt nur in sich stimmig sein. Und ob die alten Griechen laut Homer bereits "Fuck you!" sagten, darüber liesse sich auch streiten.
Vermutlich haben sie ein Äquivalent benutzt. Es waren ja Krieger, die werden sich auch damals schon eines eher rauhen Umgangstons befleißigt haben. Von daher ist dieses Fuck-You, kurz und prägnant, womöglich eine sehr gute Wahl gewesen.
Bei allen Wünschen nach 'Stimmigkeit' muß die Handlung letztlich aber für heutige Zuschauer anschlußfähig bleiben. Sicher hätte man die auch ein Pseudo-Mykenisch sprechen lassen können, mit Untertitelung, aber wer wollte sowas sehen? 😀
Vermutlich haben sie ein Äquivalent benutzt. Es waren ja Krieger, die werden sich auch damals schon eines eher rauhen Umgangstons befleißigt haben. Von daher ist dieses Fuck-You, kurz und prägnant, womöglich eine sehr gute Wahl gewesen.
Natürlich werden die sich ähnlich unterhalten haben wie es Soldaten heute tun (Und auch die Aristokraten, wenn sie mal sauer waren).
Aber der Slang, auch wenn es das passende Equivalent darstellt, reisst einen dennoch für einen Moment aus der Illusion, weil man sich aufgrund der Sehgewohnheit plötzlich in einem ganz anderen Film wähnt. Zumindest mir geht das so.
Bei allen Wünschen nach 'Stimmigkeit' muß die Handlung letztlich aber für heutige Zuschauer anschlußfähig bleiben. Sicher hätte man die auch ein Pseudo-Mykenisch sprechen lassen können, mit Untertitelung, aber wer wollte sowas sehen?
Man muss es ja nicht gleich übertreiben. Ich verstehe ja auch, warum Nolan hier bewusst eine "normale" Sprache gewählt hat, weil damit die Zuschauer dort abholen wollte, wo sie selber stehen.
Funktioniert aber nur bedingt, wenn man selbst kein Muttersprachler ist und die Sprache mit einer ganze anderen Szenerie verbindet.
Vielleicht wäre die deutsche Synchrosisation die bessere Wahl gewesen.