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Fussballfans: Wie wichtig sind Euch die "drei Streifen" auf dem Trikot und den Schuhen der deutschen Nationalmannschaft?

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GoodFruit
Themenstarter
Beiträge : 2715

Hallo Community!

Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo es einen König „Fußball“ gab, das Sehen der Sportschau für viele ein fester Termin in der Woche und ein Spiel der Nationalmannschaft ein sogenannter Straßenfeger war. Straßenfeger deshalb, weil die Straßen leer waren - die Leute saßen vor dem Fernseher!

Heute hat sich da einiges gewandelt. Der Fussball ist nicht mehr so dominant unter den Sportarten und die Kicker des DFB sind nicht mehr so erfolgreich.

Jetzt ist etwas passiert, was in der großen Zeit des Fussballs undenkbar gewesen wäre: Die DFB Elf wird demnächst mit Kleidung und Schuhen von Nike auflaufen!

https://www.morgenpost.de/wirtschaft/article241951460/Experte-ueber-Adidas-Da-bricht-emotional-etwas-zusammen.html?utm_source=pocket-newtab-de-de

Ist das für Euch eine Meldung, die Euch irgendwie bewegt?

Und wenn es Euch bewegt, was bewegt da eher: Die Veränderung bei der Nationalmannschaft, die uralte Traditionen kappt und sich von einem Unternehmen trennt, das untrennbar mit ihren frühen Erfolgen verbunden ist?

Oder ist es eher Addidas, mit denen ihr mitfühlt wie mit einem betrogenen Ehepartner eines Paars, das ihr gut kennt und mit dem ihr eine gemeinsame Geschichte teilt?

"Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten" das wird man nicht so leicht ändern, aber vielleicht möchte der DFB sich ja auch nicht mehr gerne mit diesem Spruch bzw. dem Zitatgeber, Sepp Herberger, verbunden sehen.

Viele Grüße

GoodFruit

Antwort
32 Antworten
Scylla
 Scylla
Beiträge : 303

Auch wenn der gestrige Sieg es übertüncht.

Fussball, bzw die "wie nennen sie sich grad" DFB 11? hat in Deutschland den/ ihren Zenit überschritten.

 

Eigentlich kann man sagen, ist der Absturz seit 2015 symbolisch für den Niedergang des Landes insgesamt.

Wer den Deal mit dem DFB gemacht hat ist mir wumpe. Nike zahlt mehr?

Gut, dann ist das halt so. Vielleicht ist es das nächste mal Anta Sports, auch egal

Tradition alleine finanziert nix..

Wahrscheinlich kommt's aus der selben Fabrik, nur  andere Schicht, anderes Fliessband ..

 

WAS mich interessiert, das sind die Rot Weissen meiner Heimatstadt

Wenn ich von der Bottroper in die Hafenstrasse geh.. ab da fängt Fussball für mich an.. egal was für ne Farbe ihr Trikot hat, ob  nu  Çelebi, Voufack , Götze oder Doumbouja das Ding rein haut oder Golz 8:0 die Hütte voll kricht.

Egal ob in der NRW oder 3. Liga

 

 

scylla antworten


Jack-Black
Beiträge : 3745

@goodfruit Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo es einen König „Fußball“ gab, das Sehen der Sportschau für viele ein fester Termin in der Woche und ein Spiel der Nationalmannschaft ein sogenannter Straßenfeger war. Straßenfeger deshalb, weil die Straßen leer waren - die Leute saßen vor dem Fernseher!

Na, Sportschau war (und ist noch) ja vor allem BuLi. Ich gucke die eigentlich erst seit ein paar Jahren - mich für Fußball zu "interessieren" begann ich erst, als ich in eine DoKo-Runde geriet, die aus lauter Fußballbekloppten besteht. Da muss man ja wenigstens ein bisserl mitreden können, auch wenn 30, 40 Jahre Bildungsrückstand sich nicht so schnell aufholen lassen. 😉

Spiele der Nationalmannschaft waren allerdings früher auch nicht regelmäßig Straßenfeger, sondern immer erst so im Viertelfinal-Bereich aufwärts. Ich kann mich noch an 1990 erinnern, als ich, frisch in eine neue Stadt gezogen, abends so, von der Mucki-Bude heimkommend durch den dortigen Stadtpark spazierte und mich wunderte, dass so wenige Leute bei dem guten Wetter, und wo es doch noch leidlich hell war, durch die Gegend spazierten. Dann drangen Jubelschreie aus den Fenstern der nächststehenden Häuser an mein Ohr und  ich dachte so: "Ach ja, da war ja was wegen Weltmeisterschaft, da haben wohl die Deutschen (nicht: wir! 😉 ) ein Tor geschossen. Dass es das Siegtor gegen Argentinien gewesen war, erfuhr ich erst am nächsten Morgen von der Familie, bei der ich zur Untermiete wohnte. Die wollten wissen, wo ich denn gestern das Spiel geguckt hätte. Sie hätten mich zum gemeinsamen Fernsehen einladen wollen, aber mich halt nicht angetroffen. Als ich ihnen eröffnete, dass ich mich nicht so für Fußball im Fernsehen interessiere, fragte die Herrin des Hauses mich so: "Aha, naja, Sie sind ja wohl Student und interessieren sich daher nicht so für Sport." Was lustig war, da ich, weil mein Zimmer zwar ein Waschbecken, aber keine Duschnische enthielt, neben zwei anderen Sportarten, die ich intensiv betrieb, praktisch jeden Tag in der Bude pumpte (Fitnesscenter wurden diese Orte damals noch nicht ernsthaft genannt, es waren halt Buden, wo ausschließlich Männer zu Heavy-Metall-Mucke sich dicke Arme draufschafften). Ich aber nickte nur so: "Ja, Sport ist nicht unbedingt mein Ding." und schüttelte innerlich den Kopf ob der Frage, wie sich die Frau vorstellte, dass ich genügend Körperhygiene betrieb, um nicht die ganze Reihenhauseinheit vollzustinken. Vermutlich dachte sie, dass man als Student ja immer nur maximal ein Buch bewegen brauchte, also praktisch nie in's Schwitzen geriet und also auch nicht duschen brauche... 😀

Daran musste ich mich erinnern, als kürzlich Andi Brehme verstarb und als gestern vor dem Spiel seiner und Franz Beckenbauers gedacht wurde, schaute ich nochmal das genaue Datum nach: achter Juli also...

 

Jetzt ist etwas passiert, was in der großen Zeit des Fussballs undenkbar gewesen wäre: Die DFB Elf wird demnächst mit Kleidung und Schuhen von Nike auflaufen!

Wie kommst Du auf den Trichter, die "große Zeit des Fussballs" sei irgendwie Vergangenheit? Die Umsätze schießen weiter in die Höhe, weltweit gibt's dermaßen viel Interesse daran, dass Arabische Ölmilliardäre und halt auch us-amerikanische Großunternehmen gern Unsummen in die Vermarktung pumpen. Wenn Du von der "guten alten Zeit des Fußballs" geschrieben hättest, hätte das womöglich Sinn ergeben, wenn man Fußball als eine Art Proletensport betrachtet, der irgendwie resilient gegenüber der Kommerzialisierung des gesamten Lebens war oder gewesen sein sollte.

 

Ist das für Euch eine Meldung, die Euch irgendwie bewegt?

Und wenn es Euch bewegt, was bewegt da eher: Die Veränderung bei der Nationalmannschaft, die uralte Traditionen kappt und sich von einem Unternehmen trennt, das untrennbar mit ihren frühen Erfolgen verbunden ist?

Mich bewegt, was da nun für ein Bohei draus gemacht wird und wie z.B. ein grüner Minister (na gut: Wirtschaftsminister, der muss da per Jobbeschreibung rumheulen...) jetzt irgendwas von Patriotismus oder so faselt, wenn in diesem Geschäftsfeld angeblich heilige Kühe geschlachtet werden, deren ganze Heiligkeit darin bestand, dass Adidas so eine Art Gewohnheitsrecht zugestanden wurde und sich nicht ernsthaft der wirtschaftlichen Konkurrenz stellen brauchte. Adidas und Nike sind beides Großkonzerne, denen zuallererst die Interessen ihrer Anteilseigner wichtig sind. Mir doch egal, was für Zeichen auf den wandelnden Litfasssäulen prangen, die ich im TV angucke, wie sie gekonnte Schwalben hinlegen. Wenn, wie man hört, Nike rund das Doppelte berappt wie Adidas, dann ist das ein Argument, das mit pseudovaterländischen Appellen kaum widerlegt werden kann. Ich hab mir die letzte WM in Katar nicht angeguckt, weil ich bei diesem Ausverkauf sämtlicher Menschenrechte nicht mal als Zugucker mithelfen mochte, die Zuschauerzahlen hochzuschrauben. Und ähnlich mache ich's bei anderen Gelegenheiten, z.B. wenn da in einem dieser klerikalfaschistoiden Feudalstaaten am arabischen Golf irgendwelche Wettbewerbe ausgetragen werden. Wäre mir wichtig, welche Marken bei solchen Gelegenheiten in Szene gesetzt werden, würde ich schon lange meine alten Adidas-Klamotten weggeschmissen haben. Aber das isses halt nicht. Als Kind und Jugendlicher war ich markenhörig wie meine peer-group. Aber seit einem Vierteljahrhundert oder länger interessieren mich Marken nicht, bzw. ich greife nur dort zu Markenprodukten, wo qualitätsmäßig nichts annähernd Vergleichbares an No-Name-Produkten zu finden ist. Warum unnötig Geld rausschmeissen?

Wenn die deutsche Mannschaft so spielt wie gestern, können sie von mir aus russische oder nordkoreanische Klamotten tragen, meinetwegen mit einem vergoldeten Doppelportrait von der Pute und dem kleinen Dicken, wie sie sich gerade 'nen Zugenkuß geben, auf dem Rücken verziert (da der DFB vorhat, verstärkt mit TikTok zusammen zu arbeiten, ist das gar nicht so abwegig) - dann guck ich mir gern die Spiele an, zappe also pünktlich zum Anpfiff von Phoenix oder 3sat rüber. Dann lasse ich mich anderthalb Stunden in so eine patriotisch gewürzte Entertainmentsoße eintunken, feuere "unsere Jungs" an (die mit mir soviel zu tun haben wie ein Minenarbeiter in Chile), schreie laut "Abseits!" oder "ach watt, dat is nomaler Köörpaainsatz, der Kell soll sichmanichsohaben mitte Flaischwunde!", bevor der Kommentator dazu kommt,  und freue mich, wenn Mbappè immer sauber von zwei Seiten in die Zange genommen wird oder Antonio Rüdiger all seine kleinen Fiesheiten vom Schiri nachgesehen werden - denn er ist ja einer von den Unseren und hat so diesen ultracoolen Gangsta-Rapp-Move-Style* drauf... 😀

Am Popo Rüdiger: Mich hat es auch nicht weiter gejuckt, als die ersten Farbigen für Teutschland aufliefen: weil mir klar ist, dass auch Fußball nur ein Kommerzspektakel ist und nichts mit Völkischem zu tun hat. (Ich erinnere mich an ein Gespräch, dass ich als kleines Kind mal bei zwei Herren auf einer Feier aufschnappte. Die stritten darüber, ob Rumenigge oder Beckenbauer der bessere Spieler in der NM sei. Der Rumenigge-Fan begründete seine Vorliebe so: "Der Karlheinz hat wenigstens blonde Haare, Franz sieht doch aus wie ein Itakker!"

Auf diesem intellektuellen Niveau bewegt sich m.A.n. auch die Diskussion, ob es in Ordnung sei, wenn jetzt statt des germanisch platzhirschigen deutschen ein kulturdegenerierter und rassisch fragwürdiger us-amerikanischer Konzern ein paar der Millionen, die er Kids mit überteuertem Merchandising-Klimbim abluchst, in den deutschen Fußball zurückpumpt.

Beide dürften auf Sklavenarbeit in Entwicklungsländern zurückgreifen, beide blasen Sport zu einer lächerlichen Event-Lebensphilosophie auf, bei beiden hab ich keine Aktien (hätte aber kurz vor Bekanntgabe der hier diskutierten Entscheidung mal welche von Nike kaufen sollen... 😉 ).

 

 

 

 

 

*Mein neunjähriger Neffe sieht das genauso. Er weiß zwar nicht, was Gangsta-Rap sein könnte, aber cooooool! findet er's auf jeden Fall.

jack-black antworten
SinNombre
Beiträge : 20

@goodfruit Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo es einen König „Fußball“ gab, das Sehen der Sportschau für viele ein fester Termin in der Woche und ein Spiel der Nationalmannschaft ein sogenannter Straßenfeger war

Ja, kenne ich. 😀

Veröffentlicht von: @goodfruit

was bewegt da eher: Die Veränderung bei der Nationalmannschaft, die uralte Traditionen kappt und sich von einem Unternehmen trennt, das untrennbar mit ihren frühen Erfolgen verbunden ist?

Genau das. Wobei mir das Unternehmen relativ egal ist. Aber das Kappen von Traditionen, das leider auch nicht mit dem Abgang von Oliver Bierhoff endet, verleidet mir, die Spiele zu verfolgen, wobei es sich jetzt ja wieder gelohnt hätte. Nur habe ich festgestellt, daß mir selbst peinliche Niederlagen kaum ein Achselzucken entlocken. Vor 2018 undenkbar! Die Nationalmannschaft ist/war die letzte Mannschaft, mit der ich wirklich mitgefiebert habe - über Kommerzialisierung ist hier ja schon was geschrieben worden, habe ich wenigstens  beim Durchscrollen entnommen (ich finde das Forum sehr lese-unfreundlich, das nur nebenbei). Meinen Lieblingsverein (2. Liga) verfolge ich auf Kicker, gesehen habe ich seit Ewigkeiten kein Spiel mehr. Nur noch die Nationalelf. Aber die Politisierung, diese "Spiel ich nicht für Deutschland, spiel ich halt für ne andere Mannschaft"-Haltung, darauf habe ich keine Lust mehr. 

Da ist der Wechsel zu Nike nur eine kleine Facette. Hätte ich so abgetan - aber wenn selbst Robert Habeck von Tradition und Patriotismus spricht, muß die Sache wirklich ernst sein 😀

sinnombre antworten


DerElch
Beiträge : 691

@goodfruit 

Ist das für Euch eine Meldung, die Euch irgendwie bewegt?

Nö. Adidas ist kein sympatisches Unternehmen, Nike ist kein sympatisches Unternehmen und der DFB auch nicht. Technisch gesehn, bietet weder Nike noch Adidas einen Vorteil, optisch wird man sehn.

Mir wäre es lieber die hochbezahlten Herrschaften würden sich beim Fussballspielen mehr Mühe geben.

derelch antworten
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