Erdrückende Religiösität
Hi,
ich muss jetzt mal was loswerden. Das wird ein etwas längerer Text.
Die Gemeinde, in der ich bin, macht jedes Jahr im Sommer eine kurze Pause. Auch der Hauskreis (nicht unbedingt alle andere Hauskreise). Man hat dann einen Grillabend veranstaltet der um 19 Uhr beginnt. Ich und ein anderer haben dann gegrillt für 13 Personen und die haben dann auch schon angefangen zu essen und irgendwann kam ich und der andere auch dann zum Essen. Das meiste war dann schon gegrillt. Wir kamen dann so um 20 Uhr rum zum Essen. Dann kündigte der Leiter des Hauskreises noch an, man wolle um 20:30 Uhr doch nochmal inne gehen und paar Lieder aus YouTube singen (total schräg gesungen) dann in Gruppen beten und dann dies und dann das und dann Abendmahl und dann ging das bis 21:30 Uhr und dann noch aufräumen usw. Ich hab vorher schon einen Arbeitstag gehabt. Andere haben über eine Stunde Ruhe gehabt u;d ich und der andere haben gegrillt und waren erst mal fertig.
Ich wusste, es kommt was. Entspannendes Essen war nicht drin. Sie ein festes steifes Programm. Das läuft nicht nur da so, sondern auch bei anderen Sachen. Letztes Mal Brunch mit der gesamten Gemeinde. Lange Vorbereitung und das nur eine Stunde…..Aufräumen wegräumen und Gottesdienst.
Alles steif nach Plan und am Ende hockst fast erschöpft da.
Ich, und ganz sicher auch andere, sind danach nur noch erschöpft. Zeigen es aber nicht und trauen sich nicht zu gehen oder anderes. Das ist schon wie ein Gruppenzwang geworden. Unser Pastor ist schon ein sehr emotionaler Mensch und versucht seine Leidenschaft auf andere zu überbrücken.
Heute habe ich noch Ausdruck für diese Situation und kam zu dem Schluss, das Religiosität Erdrückend sein kann. Für mich geht das mittlerweile so ran, dass ich bei Abendmahl im GoDi mich schon verdrücke, weil unser Pastor schon immer wieder seine impulsive Gedanken mitteilt. Mal sollen sich alle um den Saal herum sich an Händen fassen und das Vater Unser beten, mal soll man schweigen und Eindrücke bitten …..
Mir fällt manchmal auf, das manche nicht zum Gemeindekaffee bleiben und gehen oft einfach nur raus.
Geht das nur mir so? Muss man für jedes Tor, was man geschossen hat, 30 Minuten beten beten beten….
M.
Klingt für mich etwas nach "Anlocken mit Party" zwecks Mission. Und du bist die Martha, die in der Küche steht und schuftet. An deiner Stelle würde ich dann zur Maria miutieren, die den besseren Teil erwählt hat und zuhört, statt zu kochen. Soll der Pastor doch die Würstchen grillen.
Wozu sagst du zu etwas Ja, wo ein Nein hingehört?
Jeder strampelt sich ab, einschließlich des Pastors.... pflegen ihren Frust und schieben ihren Ärger unter den Teppich, bis der Teppich fast an der Decke ankommt und niemand dort mehr leben kann.
Wenn nur übereinander geredet wird, statt miteinander, da ist der Tod im Topf. Und keiner kann sich rausreden, dass der andere Schuld ist.
Ich hab mich nicht getraut.
ich werde das jetzt anders handhaben. Ich werde nicht bei jedem Hüühott mitmachen. Ich gehe dann einfach. An dem Abend hätte ich einfach gehen sollen. Hab meine Arbeit getan und wäre dann mit kleiner Enttäuschung nach Hause gegangen.
Gerne. 🙂
Wie ist der Gedanke für dich, im Vorfeld der Planungen für eine Fete zu sagen: ich möchte nicht den ganzen Abend am Grill stehen. Können wir die Zeit zu mehreren aufteilen?
Das nimmt die Belastung von dir runter und gibt anderen die Möglichkeit, sich auch einzubringen. Dann hat die Crew auch was vom Fest und ist nicht nur am Wirbeln, kann mit anderen sprechen, mal sitzen und die Beine ausruhen, in Ruhe was trinken....
Ebenso kann das Aufräumteam, Getränketeam eingeteilt werden. Manche trauen sich auch nicht, Verantwortung zu übernehmen gemäß ihrer Kapazität.
@deborah71 ich würde da gar nicht mehr helfen, einfach hingehen, fressen und warten, was der Pastor veranstaltet.
Du, da liegt jetzt ein Missverständnis vor. Es geht mir um den Abend an sich. Wie er abgelaufen ist.
Statt gute Gemeinschaft diese Aktion mit Pastor. Mir ging es um die permanente Religionssachen. Einfach mal bis halb neun da sitzen, Reden zuhören quatschen. Aber nöööh, er crasht den Abend mit Lieder aus YouTube videolobpreis nachsingen, Gruppenbildung usw. Meine Hüte, religiöse Sachen können echt mal fordernd sein.
Das ist die zweite Ebene, die du ansprechen kannst.
Beides scheint aus dem Eingangspost auf. Beides hat unterschiedliche Belange.
Beides kann dich vorwärts bringen, dass du trotz Ängstlichkeit oder - wie du es genannt hast, Feigheit - dich davon nicht abhalten lässt, das Richtige zu tun. Das schwächt Ängstlichkeit und Feigheit und bringt mehr Freiheit. Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern sich nicht von seinem Weg/Vorhaben abbringen zu lassen.
@deborah71 hab keine gute Erfahrung gemacht. Ich lass das lieber sein.
Irgendwie bin ich jetzt einfach nur traurig.
@meriadoc
Vermutlich wollte euer Pastor auf diese Weise etwas zum Gelingen des Abends beitragen und gleichzeitig dem Treffen einen "geistlichen Touch" verleihen. Und besser konnte er es wohl nicht.
Ich gehe dann einfach.
Ja, so kann man es natürlich auch machen.
Und vielleicht merken das die Anderen und fragen sich, warum Meriadoc gegangen ist.
Und vielleicht werden sie nachdenklich.
Aber was, wenn nicht???
Wir kamen dann so um 20 Uhr rum zum Essen. Dann kündigte der Leiter des Hauskreises noch an, man wolle um 20:30 Uhr doch nochmal inne gehen und paar Lieder aus YouTube singen (total schräg gesungen) dann in Gruppen beten und dann dies und dann das und dann Abendmahl und dann ging das bis 21:30 Uhr und dann noch aufräumen usw. Ich hab vorher schon einen Arbeitstag gehabt. Andere haben über eine Stunde Ruhe gehabt u;d ich und der andere haben gegrillt und waren erst mal fertig.
Ich glaube, dass es so oder ähnlich in vielen Gemeinden und Vereinen zugeht:
Da ist die Mehrzahl gerne bereit, zu feiern, zu essen und trinken, sich zu unterhalten - und einige wenige Leute kümmern sich um die Logistik, Verpflegung usw...
... und während die einen von einem netten Nachmittag (oder Abend) sprechen sind die anderen fertig und ausgelaugt.
Da hilft eigentlich nur, die Sache von Anfang an auf mehrere Leute zu verteilen. Beispielsweise nach einer Stunde Ablösung am Grill, bei den Getränken - und grundsätzlich sind andere Leute für den Auf- und Abbau zuständig.
So läuft das wenigstens in unserer Gemeinde - und dann hat jeder etwas vom Fest.
In eurem konkreten Fall hätte ich aber mal den Mund aufgemacht und dem Pastor deutlich gesagt, dass es so schnell einfach nicht gehen kann. So etwa: "Dann singt Ihr mal schön, wir hören euch dabei zu, während wir essen. Denn wir haben euch bis jetzt bewirtet - jetzt dürft Ihr uns was vorsingen. Aber singt schön langsam, denn wir wollen uns beim Essen etwas Zeit lassen. In dieser Zeit könnt Ihr ja schon mal überlegen, wer nachher beim Abräumen und Spülen mitmacht!"
Meine Erfahrung: wenn man einen solchen Einwand locker und selbstbewusst rüberbringt, eher als witzige Bemerkung statt als Klage, dann verfehlt er selten seinen Zweck. Vielleicht werden einige aus der Gemeinde verblüfft sein, der Pastor evtl. etwas verärgert, aber was solls ??? Und beim nächsten Mal werden die Rollen dann vielleicht besser (gerechter) verteilt.
Dazu bin ich zu feige. Beim nächsten Mal sage ich. Geht schon mal rein. Ich genieße das alles noch.
Ob ich mich dazu geselle , das sehe ich dann später. Könnte hier und da noch was wegräumen und einfach gehen. Trotzdem schade um die offene Gemeinschaft.
@meriadoc Ich versteh Dich. Oder glaube es zumindest.
Du wolltest einfach einen netten Abend mit frommen Menschen, aber ohne frommes Programm.
Einfach erzählen, sich menschlich näherkommen - vielleicht mit einem Tischgebet, aber ohne weitere Programmpunkte.
Und wenn dann noch jeder ein bissel mit anpackt, kann das einfach nett und auch gemeinschaftsfördernd sein.
So wie es in manchen Gemeinden ja auch mal ein Sportprogramm gibt (wär nicht meins, aber darum geht's ja nicht) - da machen fromme Menschen zusammen Sport ohne Pause zum Singen oder Beten. Einfach nur Spaß haben.
Ja, so verstehe ich das auch. Und so mag ich es auch ab und an tatsächlich. Einfach mal nur sein, ohne "frommes Programm" (das auch wichtig ist, aber nicht immer an jeder Stelle notwendig <- meine Meinung).
Die Frage klang hier bei irgendwem schon an: Warum nicht selbst anbieten? Anderen vormachen, was du dir vorstellst? Das kann ja auch in einem kleinen Rahmen anfangen. Und nicht am Anfang schon aufgeben, weil vielleicht nur zwei oder drei Leute kommen.
"Beziehungen bauen" ist da mein Stichwort, und das ist durchaus ganz in Gottes Sinne. 🙂 Das Wie kann ja variieren. Es "passt" nur immer nicht jeder zu jedem, das darfst du auch im Blick behalten.
Der Wunsch dazu war immer in mir, meine Prägung stand mir im Weg. Die wurde in den letzten Jahren aufgedröselt und löste sich mittlerweile in Wohlgefallen auf. Nach und nach traue ich mich, Menschen in mein Zuhause einzuladen, auch wenn es nicht ordentlich ist, auch wenn es nicht aufgeräumt ist und in der Küche noch Abwasch herumsteht. Die Menschen, die mir nahestehen und mich mögen, wie ich bin, sagen sehr deutlich, dass es ihnen auf die Zweisamkeit, auf die Gemeinschaft ankommt, nicht auf die blitzeblanke Wohnung. Dann wieder ein Gedanke, den ich mal aufgeschnappt hatte: Sie kommen nicht meine Wohnung angucken, sondern mich besuchen. Danach hatte ich mich immer gesehnt. Nun ist es da (Gott hat es gewirkt), fühlt sich noch ungewohnt an (logisch), ich mache weiter. Mein Herz ist offen. Und schwupp, entstehen neue Beziehung in meinem Haus, ganz wie "von alleine".
Dieses zu sehen, wer ist der andere, wenn er nicht betet, wenn er nicht lobpreist, wenn er nicht ... wenn er einfach nur Hunger hat, wenn er auf die Toilette muss, wenn er mit anpackt, wenn ... 🙂 Da lernt man sich gut kennen. Da entstehen - nach meiner Ansicht - wirklich Beziehungen, die das Potenzial für Tiefe haben, für "Ewigkeit" ...
Ich bete dafür, dass du deine Hürden erkennst, benennen kannst und den Mut findest, sie anzugehen. Gottes Segen liegt auf dir.
Das Grillen hat Spaß gemacht. Habe sehr gerne gegrillt und mich gefreut das es allen geschmeckt hat. Hab mich aber auch dann nach einer Stunde Grillen auch über das Essen gefreut.
Ich hab nur gewundert, das unser Pastor eben mal doch ein geisktlkiches Programm durchziehen will. Ich fühlte mich irgendwie schon gegängelt und es stieg schon Frust hoch.ich dachte in mir: Man echt, können wir nicht einfach mal einen schönen Grillabend haben?
Stattdessen sucht er sich ein paar, mir unbekannte Lieder auf Youtube aus, die das mitsingen so schräg machte, das man Hirnkrampf kriegt. Dann dieser Gruppenzwang.
Ich hab nuir 40 Minuten gegessen, war abgelenkt und wollte hier und da noch naschen und üplappern und so........
Ich war wirklich sehr frustiert. Nicht zum ersten Mal hat mich Religiösität so dermassen erdrückt.
Ich werde das nächste Mal, wenn es wieder erdrückend ist....einfach das alles verlassen. Kommentarlos!
Weißt du, vor einem Grillnachmittag vor den Ferien, würde ein Dankgebet, eine kurze Andacht und dann ein "Guten Appetit!" genügen.
Nach dem Grillen wird man sonst aus dem gemütlichen Gesprächen, dem langsamen Zwischenaufräumen rausgezogen und zudem bleibt alles an Aufräumarbeit liegen für einen stressigen Schluß. In meiner letzten Gemeinde wurde am Tag danach aufgeräumt und so gut wie alle haben sich beteiligt.
Und dieser Vorschlag, die bisherige Reihenfolge zu ändern, dürfte keine Katastrophe hervorrufen. Der Pastor kommt zu seinem Rahmengebet und die anderen können das leichter akzeptieren.
Nur Mut! Mit einer inneren Kündigung erreichst du nämlich nur die eigene Fruststeigerung.
Dazu bin ich zu feige.
war ich früher auch. Oder (wie man halt so sagt) zu "anständig".
Aber glaub' mir, wenn man einmal seinen Mut zusammengenommen hat und feststellt, dass die Reaktion gar nicht so schlecht ist wie befürchtet, dann legt man mit der Zeit die Skrupel ab.
Und mit zunehmender Übung wird man immer besser (oder selbstbewusster) und gilt irgendwann als Typ, der "rhetorisch 'ne Menge drauf" hat. Und man stellt fest, dass man von den Anderen viel respektvoller behandelt wird.
Also: einmal allen Mut zusammennehmen und anfangen!