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Heilige KĂŒhe in der Gemeinde

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neubaugoere
Themenstarter
BeitrÀge : 13019

🐄 ✝️

Ich hörte mal was von "heiligen KĂŒhen in Gemeinden" ... was ist damit gemeint?

Sind das so Dinge wie: wenn ich auf dem Altartisch bewusst nur die Reihenfolge (von links nach rechts) von Blumen, Kreuz und Kerzen tausche, sind sie garantiert im Gottesdienst wieder "in geordneter Reihenfolge", die um Himmels Willen nicht geĂ€ndert werden darf? Wobei ich gar nicht unterstelle, dass da ne Art "UnglĂŒck" dranhĂ€ngt, aber doch so ein "daran sind wir gewöhnt", ĂŒber das ich schon nachdenke ...

🤔

Antwort
71 Antworten
Tagesschimmer
BeitrÀge : 1114
Veröffentlicht von: @neubaugoere

Wie kann man denn Menschen verletzen, wenn man etwas infrage stellt? Da kommt's doch sicher auch noch auf das "Wie" an, denke ich.

Ja und das „Wie“ wĂ€re leichter zu bewĂ€ltigen, wenn klar wĂ€re, worum es eigentlich geht. Es steht quasi ein Elefant im Raum (da wir schon bei Tieren sind 🙂 ) und es wird nicht darĂŒber gesprochen. Oder die vorgeschobene BegrĂŒndung ist so unlogisch, dass sich einem der Magen rumdreht.

Hier nochmal bepes Text, der mich angesprochen hat: „Der Unterschied zwischen "Heiligen KĂŒhen" und "Ordnungen" liegt oft darin, dass Ordnungen irgendwann beschlossen werden, dass man darĂŒber aber (meistens) auch reden, die hinterfragen und sie ggf. Ă€ndern bzw. modernisieren kann.

"Heilige KĂŒhe" dagegen entstehen quasi von selbst, irgendwann sind sie da und haben ihren Platz erobert. Sie wurden niemals in den Rang einer Ordnung erhoben, sind aber meistens dauerhafter und extrem widerstandsfĂ€hig gegen Änderungen.

Es gibt also einen nicht offensichtlichen Grund, warum sie respektiert werden, einer, ĂŒber den man lieber nicht spricht. Man kann dahinter Verletzungen, unlautere Motive oder sowas vermuten. Oft ist das auch den Initiatoren nicht bewusst. Das wĂŒrde auch die Aggression erklĂ€ren, die das Antippen solcher Handlungen auslöst. Sie fĂŒhlen sich vielleicht viel tiefer bedroht. Einige Beispiele:

In meiner ersten Gemeinde gab es einen Gemeinderaum auf der Höhe der Pfarrwohnung. Beides konnte nur zusammen geheizt werden. Also wurde die Heizung gedrosselt, wenn der Gemeinderaum nicht gebraucht wurde. Als ein neuer Pfarrer kam, der wegen einer Erkrankung wĂ€rmebedĂŒrftiger war, gab es jahrelange Konflikte, warum der normale Standart nicht in dieses Pfarrhaus eingebaut werden „konnte“. 

In einer Gemeinde gab es immer zu wenig GebĂ€ck. Deshalb begann ich, bald nachdem ich dazukam, zur allgemeinen Freude Kuchen zu backen. Es gab eine KĂŒchenbeauftrage, die mich ansprach. Ich sollte lieber Torte mitbringen. Ich könnte jetzt lange erklĂ€ren warum, aber fĂŒr mich war das aus mehreren GrĂŒnden nicht möglich. So ließ ich es erstmal, aber als wieder die dringlichen Bitten des Pastors kamen, brachte ich weiter meine Kuchen. Da ich noch andere Aufgaben hatte, kam ich oft erst als das Kaffeetrinken im Gange war. Deshalb bekam ich eine Weile nicht mit, dass mein Kuchen gar nicht mehr angeboten wurde. Ich bekam ihn mit nach Hause, obwohl das GebĂ€ck weiterhin zu knapp war. Wer am Anfang nicht da war und die Beauftrage nicht darum bat, ein StĂŒck zurĂŒckzuhalten, bekam nichts mehr. Da habe ich immer noch nicht gemerkt, dass hier was ernsthaftes vorliegt und dachte, ich muss ihr nur sagen, dass noch Bedarf gewesen wĂ€re. In solchen Dingen bin ich wirklich naiv. Danach bekam ich nur noch das leere Blech - alles in Ordnung, dachte ich. Erst als sie im Urlaub war, fand eine Vertreterin eingepackten, verschimmelten Kuchen. Wir konnten nachvollziehen, dass seit vielen Wochen kein Kuchen mehr angeboten wurde. 

Da nicht offen gesprochen wird, gibt es immer viele, die den vorhandenen Zustand loben, sodass die VerÀnderungswilligen einen schwereren Stand haben. In meinem letzten Beispiel war das sogar fast die ganze Gemeindeleitung.

Da wurde von einer Person die Deko so weit ausgedehnt, dass sie oft bis in die Nacht daran arbeitete, Leute anspannte und fast kein anderes Thema als ihren Fleiß und die fehlende WertschĂ€tzung in der Gemeinde hatte. Auch ich sollte erst zuarbeiten, dann wenigstens Seelsorgerin sein. Helfen konnte ich nicht, wahrscheinlich war es schon eine reife Leistung, dass ich aus dieser Verstrickung wieder raus kam ohne ihr zum Munde zu reden und ohne ihren Hass abzubekommen. Sie hatte eine ganze Gruppe um sich, die ihr auf Zuruf zuarbeitete und denen sie das GefĂŒhl gab, mit der Deko auf besonders demĂŒtige Weise zu verkĂŒndigen. Da wurde um jeden cm gekĂ€mpft. Da die GemeinderĂ€ume nicht sehr groß waren, fiel sogar gelegentlich mal jemand in die Deko. Das löste nicht Einsicht und ZurĂŒcknahme aus, sondern es wurde Absicht unterstellt. Als eine Ă€ltere Dame noch wochenlang Schmerzen hatte, durfte sie nicht darĂŒber sprechen. 

Leider wird sowas immer sehr lang und unschön, vielleicht kann man das in so einem Forum nicht gut besprechen. Ich bin nur froh, dass ich gerade nicht von sowas betroffen bin 
 das ist natĂŒrlich Quatsch. Wir alle machen ja selbst auch Sachen aus Routinen, die mehr schaden als nĂŒtzen: Denkgewohnheiten, schlechte Angewohnheiten oder gar SĂŒchte. 

Um im Bild zu bleiben: Die Lösung ist wohl, den KĂŒhen die Heiligkeit zu nehmen und da stellt sich die Anfangsfrage: Aber wie?

tagesschimmer antworten


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