Rassismus in der Ki...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Rassismus in der Kirche


Meriadoc
Themenstarter
Beiträge : 294

Hi,

ein sehr interessanter Artikel was Jesus.de da veröffentlich hat.

https://www.jesus.de/nachrichten-themen/sarah-vecera-rassismus-vergiftet-kirchen/

Ich finde, die Frau hat vollkommen gut erkannt. 

Aber leider werden Behinderte nicht erwähnt. Auch sie erleben Ausgrenzung. Warum ist das so?

M.

 

Antwort
24 Antworten
neubaugoere
Beiträge : 12362

@meriadoc 

Hej, ja, ein wirklich guter Artikel *zustimm*. Er spricht an, was so wichtig ist, nämlich Dinge aufzuarbeiten. Wir kommen nicht weiter vorwärts, wenn wir Dinge nicht aufarbeiten ... Ich beobachte das in meiner Gemeinde (das mit dem nicht aufarbeiten und der Generation, die einfach weitergemacht hat, weil sie musste, und deshalb nicht aufgearbeitet hat). Dabei geht es um Sichtweisen und Verhaltensweisen, die "so einfach in uns sind" und die wir festhalten, aber im Grunde nicht wissen, woher die kommen und warum wir so an ihnen festhalten usw.

Erlebst du Ausgrenzung in deiner Gemeinde (oder willst du eher "allgemein/pauschal" drüber reden)? Hast du in meiner Gemeinde Ausgrenzung erlebt?

Warum Menschen ausgrenzen? Da kann auch jeder bei sich anfangen und schauen. Generell lehnen Menschen ab, was ihnen Angst macht oder was sie nicht kennen (Berührungsängste). Das ist so meine wirklich kurze Antwort auf diese Frage ...

neubaugoere antworten
1 Antwort
Meriadoc
(@meriadoc)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 294

@neubaugoere 

Hi neubaugöre,

es ist nicht lange her, da sprach mein Pastor im Hauskreis über Abwertung und Ausgrenzung (in dem Fall eine harmlos psychisch erkrankte Person) in unserer Gemeinde. Das dies schon vorgekommen ist und nur durch Mühe und Reden das nach und nach aufgearbeitet wurde.

Und ja, ich merke das auch immer wieder. Einer ging mir sogar auf die Nerven weil er meine Behinderung "wegbeten" wollte und gab mir die Schuld das ich noch so bin.

In der Gemeinde sind inzwischen Syrer, Inder, Russen, Ukrainer, Afrikaner. Leider aber gibt es immer wieder (bevorzugt ältere) die mal so was flapsiges zum Ausdruck bringen oder politisch unkorrekte Aussagen.

 

M.

meriadoc antworten


lubov
 lubov
Beiträge : 2546

@meriadoc Hi du!

Wie fast überall finde ich die recht grobe Verallgemeinerung in dem Artikel wenig hilfreich.

"Die Kirche in Deutschland". Hm. Kirche besteht aus Gemeinden, Gemeinden bestehen aus gemeinschaftlich organisierten Gläubigen - würde ich mal grob formulieren.

Nun gibt es Probleme, die kann und sollte man "von oben" unterstützend begleiten, z.B. eine Durchsicht der gängigsten Gesangbücher, und den Hinweis an Pastoren und Gemeindeleitungen, welche Lieder warum zumindest "schwierig" sind und wenn, dann nicht "ohne Einordnung" gesungen werden sollten.

Und ja, auch strukturelle Diskriminierung ist an vielen Stellen ein stetiges Problem, das sich z.B. in baulichen Barrieren zeigt, und an dem nicht alle Gemeinden engagiert arbeiten.

Man sollte aber, finde ich, nicht bloß so "von oben" gucken. Ich kenne hier in der Gegend, wo "Ausländer" und PoC selten sind, eine katholische Gemeinde, in der PoC an mehreren Stellen gemeindeleitend arbeiten und überhaupt gesellschaftlich präsent auftreten in Positionen, "wo sie etwas zu sagen haben", und in unserer evangelischen Nachbar- und Schwesterngemeinde arbeiten viele Iraner prägend mit, einer ist auch im Gemeindekirchenrat. Aus meiner Arbeit in der Kreissynode weiß ich, dass überproportional viele Menschen mit Behinderung hier in Gemeindeleitung engagiert sind. Es gibt weitere Beispiele, aber ich denke, um zu zeigen, dass das Scheren aller über einen Kamm wenig sinnvoll ist, reicht das schon.

 

Gruß und Segen
lubov

lubov antworten
12 Antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12362

@lubov 

Gute ergänzende Worte zum Artikel.

neubaugoere antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@lubov 

Wie fast überall finde ich die recht grobe Verallgemeinerung in dem Artikel wenig hilfreich.

Ich habe dir beim ersten Lesen zwar auch spontan zugestimmt, möchte hier aber dennoch noch etwas einwerfen: Mal angenommen, die Autorin hätte hier klare Ausnahmen gemacht und geschrieben: "In MANCHEN Gemeinden kommt unter anderem auch Rassismus vor..." - was wäre dann die spontane Reaktion der meisten Leser gewesen?

"Ja, das stimmt sicher... aber BEI UNS gibt es das gottseidank nicht!" Und keiner hätte da weiter drüber nachgedacht, weil es einen selbst ja nicht betrifft.

Wenn man aber von der Kirche insgesamt spricht, dann bleibt die Aussage dennoch wahr - denn die Gemeinden sind ja Teil der Kirche. Und es zwingt einen eher dazu, einmal kritisch zu hinterfragen: "In der Kirche? Etwa auch bei uns? Das kann man so doch nicht sagen... oder doch? Ist da vielleicht was dran?"

Und dann stößt man vielleicht doch auf die ein oder andere Sache, sei es der blonde Jesus, dessen Bildnis beim Kindergottesdienst gezeigt wird oder irgendetwas Anderes, das man selbst vielleicht noch gar nicht so wahrgenommen hat.

Und ich möchte hinzufügen, dass mir solche Berichte auch oft übertrieben scheinen... manche Leute scheinen sich geradezu einen Sport daraus zu machen, hinter jeder Straßenecke und unter jedem Stein "Rassismus" zu wittern.

Aber manche "Kleinigkeiten" sind da gar nicht so weit hergeholt, und mir fällt auch immer wieder auf, wie sehr ich durch meine Kindheit geprägt wurde, in der "People of colour" meist als schwarze Wilde aus dem Urwald dargestellt wurden, die im besten Fall die Mentalität kleiner Kinder besitzen, während Leute wie Jesus, der aus dem nahen Osten stammt, quasi als blonde, blauäugige Heldengestalt aus einer germanischen Sage erschienen...

Und da ist auch manches versteckt, was noch weniger offensichtlich ist, aber rassistische Stereotype dennoch bedient. Und ich fürchte, dass ich selbst auch nicht schaffen werde, diese Vorstellungen irgendwann mal alle los zu werden... aber darüber einmal kritisch nachdenken, das sollte schon sein.

Und da kann mancher als pauschal empfundene Vorwurf manchmal doch ins Schwarze treffen...

 

lucan-7 antworten
lubov
 lubov
(@lubov)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2546

@lucan-7 Moin!

(Latent offtopic: Mir wurde grade ein langer, aber sehr spannender Artikel zu kultureller Aneignung angeboten [dass und warum das Thema grade als Thema in der Schweiz hochkocht, wo die Ursprünge der Debatte liegen, wie sie auf den deutschsprachigen Raum bzw. besonders Deutschland sinnvoll übertragen werden kann und ob es einen modus vivendi gibt, der gangbar ist, ohne rigorose Verbote], den ich hier gerne teilen mochte.

Ich habe dir beim ersten Lesen zwar auch spontan zugestimmt, möchte hier aber dennoch noch etwas einwerfen: Mal angenommen, die Autorin hätte hier klare Ausnahmen gemacht und geschrieben: "In MANCHEN Gemeinden kommt unter anderem auch Rassismus vor..." - was wäre dann die spontane Reaktion der meisten Leser gewesen?

"Ja, das stimmt sicher... aber BEI UNS gibt es das gottseidank nicht!" Und keiner hätte da weiter drüber nachgedacht, weil es einen selbst ja nicht betrifft.

Dieses: "Ja, bei MANCHEN - aber NICHT BEI UNS!" erlebe ich im Grunde nur selten in Gemeinden. Vielleicht bin ich aber einfach auch gesegnet mit tollen Gemeinden. Wann immer eine Problem-Debatte in der Gesellschaft aktuell ist, ob nun Kindesmisshandlung, der Umgang mit Geschlechtlichkeit, postkoloniales Gehabe, die Ausgrenzung von PoC und anderen Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit Behinderung - erlebe ich ein fast schon vehementes: "Da müssen wir GANZ DOLL AUFPASSEN und GENAU HINSEHEN!" in vielen, ja, ich behaupte: in den meisten Gemeinden. Nein, nicht in allen. Aber auch bei: "In der Kirche..." gibt es ja doch die, die dann reflexhaft reagieren mit: "Jepp, bei ALLEN ANDEREN vielleicht, aber NICHT BEI UNS!!"

Es wird mMn auch ganz gut kommuniziert, was den Blick auf Probleme angeht, zwischen landeskirchlicher und gemeindlicher Ebene.

Kirche war hier ja lange Zeit selbst eine unterdrückte Minderheit, das hat in weiten Teilen doch sensibilisiert, denke ich. Und im Westen gibt es ja doch auch eine nicht zu kleine Zahl "linksgrüner Gutmenschen" gerade in den Gemeinden, die (oder deren Eltern schon) z.B. Mandela und Tutu mit Herzblut unterstützt haben und im Grunde aus einer Tradition der "Wachsamkeit" kommen, was Ausgrenzung, Rassismus, aber auch "kulturelle Aneignung" betrifft. Nein, die waren nicht immer alle laut.

Wir z.B. wissen als Gemeinde darum, dass unsere Gottesdienste für viele Leute "zu bildungsbürgerlich-hochgestochen" sind. Nachdem aber der Großteil unserer Gemeinde dazu passt, haben wir uns entschieden, die Gottesdienste - erstmal - so zu lassen. Bei gemeinsamen Gottesdiensten, bei denen wir wissen, dass viele Menschen mit geistiger Behinderung dabei sein werden (ja, das können wir abschätzen), halten wir dann zwar an der Liturgie (mit der viele dieser Besucher aufgewachsen und in der sie heimisch sind) fest, achten aber z.B. darauf, dass die Predigt nicht so "hochtrabend" ist. Und je öfter wir das machen, desto mehr färbt es in die allwöchentlichen Gottesdienste ab, wir lernen also, wenn auch langsam. Gleiches gilt für unsere nicht wirklich vorhandene Barrierefreiheit. Wir können eine Rampe aufbauen und tun das bei Bedarf. Nicht optimal, aber die Sache mit dem Denkmalschutz liegt nicht in unserer Hand und erweist sich als tricky.

Und so ist zumindest "meine" Kirche an vielen Stellen langsam und unbedarft, aber doch willens und bemüht, hinzugucken, und offen für Kritik, und willig, sich zu verbessern bzw. verbessern zu lassen.

lubov antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@lubov 

Und so ist zumindest "meine" Kirche an vielen Stellen langsam und unbedarft, aber doch willens und bemüht, hinzugucken, und offen für Kritik, und willig, sich zu verbessern bzw. verbessern zu lassen.

Das will ich dir gerne glauben. Grundsätzlich dürfte die Vielfalt und Einstellungen von Gemeinden ähnlich groß sein wie die Vielfalt von Menschen generell... es gibt also "solche" und "solche".

In diesem Sinn war mein Beitrag auch nicht als Kritik oder gar Verneinung deines Beitrags gemeint, sondern nur als kritische Ergänzung... ich bin ja selbst in der Regel ein efriger Verfechter der genauen Unterscheidung, und dass man eben nicht einfach alle Leute über einen Kamm scheren soll... in diesem Fall, denke ich, kann ich aber durchaus nachvollziehen, warum hier eher generalisierend geschrieben wurde (soweit es auch meinem Eindruck entspricht), und ich denke, dass es dafür auch nachvollziehbare Gründe gibt.

 

lucan-7 antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2272

@lubov Der lange Artikel, den Du verlinkt hast, war interessant zu lesen. Allerdings gut erkennbar von einem Nicht-Künstler geschrieben und daher fast nur den soziologischen Diskurs, nicht aber die Kunst im Auge.

Die in ihm erwähnte Sängerin mit den Rasta-Locken, Ronja Maltzahn, hab ich letzte Woche auf einem Konzert erlebt. Wenn man sie live erlebt, wird die Lächerlichkeit, dass sie ihrer Frisur wegen von dem FFF-Event ausgeladen wurde, umso größer. Sie macht ja "Welt-Musik" und da ist es ganz normal, dass man sich von unerschiedlichsten ästhetischen Seiten anregen läßt. Und so eine junge Frau hat, wenn sie auf ihrem Gebiet, der Musik, vorankommen will, gar keine Zeit, sich mit diesen meta-kritischen Diskursen zu beschäftigen. Ich meine: ihr Lieblingsautor ist Hermann Hesse und ihre Lieblingstiere sind der Schmetterling und der Wolf - kurz: sie ist eine ganz normale Heranwachsende, der man ihre inkorrekte politische Frisur ungefähr so sinnvoll zum Vorwurf machen kann, wie  Teenagern ihren Hang, auch ohne Tanzschul-Ausbildung zu jeder möglichen Musik abzutanzen.

Sage ich als Linker, der sich über diese "angeeignete" Anti-Aneignungs-Politik (cancel culture paßt da leider gut, auch wenn das ein von den rechts-libertären Reaktionären geprägter Begriff ist) auch ärgert. Gerade weil ich mich als links verstehe, ärgern mich die Dummheiten in "meinem Lager" umso mehr.

jack-black antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17190

@lucan-7 

zu post: https://forum.jesus.de/community/gemeindeleben/rassismus-in-der-kirche-2/#post-324029

Hier kannst du eine Menge der  Verbiegungen nachlesen, die in  95 Leitzsätze zum Reformationsfest 1917 veröffentlicht worden waren, falls du die Seite nicht kennen solltest.

Archive der Staatsbibliothek Berlin  sind eine wahre Fundgrube, Prägungsrelikte zu entdecken und zu entfernen.

.

Die Heiligenbildchen mit einem blonden Jesus, allerdings als guten Hirten, habe ich in der Kindheit auch kennengelernt.....und es gibt sie immer noch.

deborah71 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@deborah71 

Hier kannst du eine Menge der  Verbiegungen nachlesen, die in  95 Leitzsätze zum Reformationsfest 1917 veröffentlicht worden waren, falls du die Seite nicht kennen solltest.

Danke für den Link. Solche Schriften sind ja leider typisch für die Zeit, was ja letztlich auch den Erfolg der Nazis erklärt. Besonders gefährlich auch diverse Halbwahrheiten... so wird ja auch auf den "grausamen" jüdischen Gott verwiesen (Was ich ja selber auch immer wieder kritisiere) und dies als Beispiel für den "jüdischen" Einfluss auf die katholische Kirche mit Eroberung, Inquisition und Hexenverbrennung betrachtet, von dem Luther die Kirche "befreit" hat.

Ignoriert wird dabei, dass die Juden zu dieser Zeit längst keine Steinigungen und dergleichen mehr durchführten (Gut, das hängt zugegebenermaßen auch mit dem Exil zusammen) und selbst seit Jahrhunderten keinen Einfluss mehr auf die Kirche hatten (der war ja eh nur in der Zeit der ersten Apostel überhaupt vorhanden).

Ich erwähne das deshalb, weil man diese Art von Argumentation (Also das Schema, auch in anderem Zusammenhang) auch heute noch findet, und sie auf den ersten Blick oft nicht gleich zu durchschauen ist... schon gar nicht, wenn es die eigenen Gefühle anspricht.

Und was mögliche Einflüsse dieser Zeit bis heute betrifft... da dürfte der "blonde Jesus" auch nur ein Teil von vielen sein. Ich denke, es lohnt sich tatsächlich, darüber immer wieder nachzudenken... wobei das Problem keineswegs allein die Kirche betrifft, das ist eher gesammtgesellschaftlich zu sehen.

 

lucan-7 antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17190

@lucan-7 

so wird ja auch auf den "grausamen" jüdischen Gott verwiesen (Was ich ja selber auch immer wieder kritisiere)

Kann es sein, dass du dich da an ein paar Stellen mal mißverständlich ausgedrückt hast. Mir schwebt da so was durchs Gedächtnis. Müssen wir aber nicht vertiefen.

Mit Luther kenne ich mich nicht so aus.... bis auf die Info der Veränderung vom frühen Luther zum späten Luther. Da ist aber nun sehr viel Aufarbeitung und Vergebungsarbeit geschehen.

Ich denke, es lohnt sich tatsächlich, darüber immer wieder nachzudenken... wobei das Problem keineswegs allein die Kirche betrifft, das ist eher gesamtgesellschaftlich zu sehen.

Nachzudenken, sich auf die eigene Spur zu setzen und Muster und Redewendungen zu entfernen, die man gelernt hat, ohne sie in ihrer Bedeutung erkennen und sich davon trennen zu können. Da stimme ich mit dir sehr überein. Über manche Redewendungen bin ich schon sehr erschrocken, als ich vor Jahren ein Bewusstsein für die Herkunft und Bedeutung bekam.

 

deborah71 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@deborah71 

Kann es sein, dass du dich da an ein paar Stellen mal mißverständlich ausgedrückt hast. Mir schwebt da so was durchs Gedächtnis. Müssen wir aber nicht vertiefen.

Nur um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich habe mich da meines Wissens nie explizit auf einen "jüdischen" Gott bezogen, sondern immer die Verbindung des AT zum Christentum betrachtet.

Die Juden haben da, soweit ich es verstehe, eine ganz andere Herangehensweise... die sehen das "Auserwähltsein" gleichermaßen als Auszeichnung, Last und Verantwortung. Die "Widersprüche", auf die ich immer hinweise, existieren im Judentum in dieser Form nicht, das beziehe ich allein auf den christlichen Glauben.

Soll also heissen: Ich betrachte zwar den Gott des AT als "grausam", aber ich mache dafür nicht das Judentum verantwortlich, weil die ja damit auch ganz anders umgehen.

Da stimme ich mit dir sehr überein. Über manche Redewendungen bin ich schon sehr erschrocken, als ich vor Jahren ein Bewusstsein für die Herkunft und Bedeutung bekam.

Ja, da gibt es manches, wo ich auch mit Erschrecken feststelle, dass vieles, was früher ganz selbstverständlich war, heute einfach nur ein Unding ist.

Viele Dinge waren mir auch nie bewusst... ich habe mal einen Bericht gelesen, dass auch viele Wörter aus dem Jiddischen ins Deutsche eingeflossen sind, und dort oft entgegen der ursprünglichen Bedeutung negativ besetzt sind.

Da steht man natürlich auf verlorenem Posten, wenn man den Hintergrund nicht kennt... deshalb ist das für mich auch ein Bereich, wo ich mir sage, ok, es ist schön, wenn man das weiss - entscheidend ist jedoch allein, ob man auch richtig verstanden wird.

 

 

lucan-7 antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17190

@lucan-7 

Nur um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich habe mich da meines Wissens nie explizit auf einen "jüdischen" Gott bezogen, sondern immer die Verbindung des AT zum Christentum betrachtet.

Das kam nicht in den heißen Diskussionen um Pharao usw. deutlich heraus. Da entsteht allerdings die Frage, welcher Gott es denn sein sollte, da es nur einen allerhöchsten Gott gibt. Das würde hier aber weit off topic werden.

Sprache zeigt Wirkung.... und ich habe mir angewöhnt, genauer hinzuschauen, was ich so von mir gebe. Gerade im fliessenden small talk fliegen so versteckte Relikte auf oder auch, wenn Debatten emotionaler werden. Wissen darum reicht nicht, Umkehr davon und neue Sprachgewohnheiten aufnehmen ist gefordert. Wer nur Hörer ist, aber nichts umsetzt, da spricht die Bibel von Selbstbetrug. Und das muss ich mir nicht geben.

 

deborah71 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@deborah71 

Das kam nicht in den heißen Diskussionen um Pharao usw. deutlich heraus.

Ja, da muss man in der Tat sehr aufpassen wie genau man argumentiert. Ohne dass jetzt alles nochmal aufzuwärmen, lautete ja meine Argumentation dort: Ich erkenne in dem Gott, der dort geschildert wird, nicht den Gott wieder, der im Christentum beschrieben wird. Ich ging dabei ja auch so weit, die dort geschilderten Taten als "terroristisch" zu bezeichnen.

Eben jene Taten wurden ja in der von dir verlinkten antisemitischen Schrift ebenfalls aufgegriffen. Da wurden dann allerdings die Eigenschaften Gottes auf sein Volk übertragen: Wenn Gott sich "grausam" verhält, dann muss auch sein auserwähltes Volk "grausam" sein.

Das wird in der jüdischen Lehre aber überhaupt nicht so gesehen. Gottes Taten stehen auf einem völlig anderen Level als die Taten der Menschen.

Und natürlich ist die Kriegsführung der Menschen damals, auch im Namen Gottes, als sehr grausam zu sehen... wenn man das aber im historischen Zusammenhang betrachtet, dann war das damals nichts ungewöhnliches.

Man muss da also schon einiges verdrehen, um die Juden, die bereits seit über Tausend Jahren ein friedliches Leben führten, für die Taten der katholischen Kirche verantwortlich zu machen, die sich mit ihren Grausamkeiten auf das AT bezieht.

Aber es ist richtig, und da sind wir uns sicher einig, dass man sehr aufpassen muss, bei der Kritik am AT (egal, wie diese jetzt aussieht, und nicht nur dort) nicht auf antisemitische Klischees zu verfallen.

Denn natürlich sehe ich den jüdischen Glauben kritisch und lehne ihn prinzipiell ab... aber in gleichem Maße, wie ich auch alle anderen Religionen persönlich ablehne. Und wie überall gibt es auch da positives wie negatives...

 

lucan-7 antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17190

@lucan-7 

Kritik üben ist eine Kunst, die gelernt werden kann, damit nicht destruktives Kritisieren dabei herauskommt. Da denke ich, das gilt für jeden Bereich.

Hier im speziellen Thema ist es um so wichtiger, weil  so unglaublich viele Menschenleben zerstört wurden  und eine rassistische und  antisemitische Einstellung hie und da  immer noch Schatten wirft und sich wieder verbreiten will.

 

 

deborah71 antworten
tristesse
Beiträge : 17493

@meriadoc 

Aber leider werden Behinderte nicht erwähnt. Auch sie erleben Ausgrenzung. Warum ist das so?

Weil die Autorin nun mal farbig ist und nicht behindert. 

tristesse antworten
3 Antworten
Meriadoc
(@meriadoc)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 294

@tristesse 

Na, dann Solidarisiere ich mich mit ihr. Stoppt Rassismus! Stoppt Ausgrenzung.

 

Wie sagte die Mutter von Forrest Gump: Wenn Gott wollte das alle Schienen tragen, dann hätte er es getan. Amen dazu 

 

meriadoc antworten
lubov
 lubov
(@lubov)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2546

@meriadoc 

Ganz spannend finde ich, dass "Ausgrenzung" teils auch "andersrum" funktionieren kann. Ja, da steckt i.d.R. eine jahrhundertealte Unterdrückungsgeschichte dahinter. Aber wenn man sich z.B. im englischsprachigen Raum Teile der Deaf Community anschaut... das ist schon interessant, wie da (ich betone: nicht überall, aber teilweise) Hörende ausgeschlossen werden, oder Menschen, die ein CI tragen, diskriminiert werden.

 

Oder die Tendenz, dass Menschen (mehr oder weniger heftig) nahegelegt wird, den Mund zu halten, weil sie eine helle Hautfarbe haben wenn es um Themen geht, die PoC betreffen, oder weil sie männlich sind, wenn es um "Frauenthemen" geht - das ist zum Teil schon unangenehm, finde ich.

 

Da entsteht Ausgrenzung als Reaktion auf Ausgrenzung - ich denke, das kann auch keine Lösung sein.

lubov antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17493

@meriadoc 

Na, dann Solidarisiere ich mich mit ihr. Stoppt Rassismus! Stoppt Ausgrenzung.

Sie spricht übrigens im Artikel schon generell über Menschen am Rande. Aber ihr Fokus ist halt Rassismus aufgrund der Hautfarbe. 

Wie sagte die Mutter von Forrest Gump: Wenn Gott wollte das alle Schienen tragen, dann hätte er es getan. Amen dazu 

Bei mir muss man nicht um Mitgefühl und Solidarität heischen, da rennst Du bei mir offene Türen ein. 

tristesse antworten


AntonioA
Beiträge : 142

@meriadoc 

Wenn ich mein "Schwerbehindert sein" wie eine Monstranz vor mir her trage, Berücksichtigungen einfordere, nicht Berücksichtigung beklage weil Gegenüber die Monstranz nicht bemerkt und miesgrämug alles um mich herum nur als irdisches Jammertal betrachte, kann ich mich natürlich schnell über "Ausgrenzung" beklagen.

Und ja... ich bin selber Betroffener

antonioa antworten
3 Antworten
Meriadoc
(@meriadoc)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 294

@antonioa 

Mir geht es nicht um Rücksicht oder Mitleid, sondern um Akzeptanz.

Behinderte erleben im Alltag genauso Abneigung wie jemand der schwarz oder arabisch ist.

 

Aber egal, das wird immer so bleiben.

 

meriadoc antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16310

@meriadoc 

Behinderte erleben im Alltag genauso Abneigung wie jemand der schwarz oder arabisch ist.

Ohne da jetzt irgendwas beschönigen zu wollen dürften die Gründe für eine Ausgrenzung hier aber grundverschieden sein... deshalb erscheint es mir auch sinnvoll, beide Themenbereiche getrennt voneinander zu besprechen - ohne dass ich dabei jetzt eine Wertung vornehmen will.

 

lucan-7 antworten
Meriadoc
(@meriadoc)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 294

@lucan-7 

 

Ich wusste nicht das dieses Wort gibt.

Ableismus

 

https://www.stern.de/lifestyle/leute/ableismus---behinderte-menschen-finden-in-der-mitte-unserer-gesellschaft-nicht-statt--30635792.html

meriadoc antworten
IchBinsLight
Beiträge : 3

@meriadoc 

Also, ich kann dem Tenor des Artikels bzw. Buch von Sarah Vecera über Rassismus in Gemeinden so nicht zustimmen, bzw. halte die Aussagen für ziemlich übertrieben.

Man muss sich gerade in christlichen Kreisen nicht jeden "Mainstream-Schuh" anziehen und dann krampfhaft danach suchen, ob vielleicht irgendwo in einer Ecke doch was dran ist (was ich per se nicht ausschließen möchte).

Aber ich fühle mich nicht latent schuldig, wenn neben mir ein Farbiger sitzt oder ich mit meinem Indischen Kollgen rede. Auch diese - in meinen Augen - überkorrekte Sprache geht mir ziemlich auf den Zeiger. Ich will so reden, wie mir "der Schnabel gewachsen  ist".

Die Bibel sagt: "vor Gott gibt es kein Ansehen der Person" (Römer 2,11)

Heißt: Gott bevorzugt oder benachteiligt niemanden.

Danach sollen wir handeln.

 

ichbinslight antworten


Teilen: