Kirche wird Leute vor den Kopf stoßen müssen
Auf den Hauptseite von Jesus.de habe ich heute das folgende Interview mit Dr. Thomas de Nocker gefunden.
Für mich sehr lesenswert. Praktisch ist die Umstrukturierung schon in vollem Gange, die Gemeinde, in die ich vor zwei Jahren gezogen mit, hat die Zusammenlegung schon hinter sich, die alte Gemeinde, in der ich noch musikalisch aktiv bin, hat sie vor sich.
Aber wenn man Nocker zuhört, ist das wohl erst der Anfang von noch größeren Veränderungen. Das ist eine aufreibende und mehr als undankbare Aufgabe für die Haupt- und Ehrenamtlichen, die das stemmen müssen, und ich beneide sie überhaupt nicht darum. Im Kopf gehe ich manchmal auch den Vergleich mit einem in der Krise befindlichen, evtl. sogar insolventen Unternehmen der Wirtschaft durch. Dort ginge es noch ganz anders zur Sache.
Meiner Meinung nach muss es erst noch sehr viel schlechter werden, bevor es wieder besser werden kann. Für den "Salz-der-Erde"-Gedanken braucht man keine Volkskirche.
Seit mindestens 100 Jahren hat die Kirche ein Vermittlungsproblem. Theologen haben ein Rhetorik-Repertoire, mit dem sie Kritik einer aufgeklärten Moderne mehr oder weniger brauchbar abwehren können. Inzwischen reicht das nicht mehr, weil die Leute sie einfach links liegen lassen. Die Kirche ist jetzt aufgefordert, positiv zu überzeugen, und das ist viel schwieriger.
Wie nehmt ihr die Entwicklung wahr, in eurer konkreten Gemeinde und auch persönlich?
Ehrlich gesagt, ich habe keine mühe damit, wenn die Landeskirche in eine existenzielle Krise stützt. Alte (Kirchen)Rezepte funktionieren nicht mehr und das ist gut so.
Beim zweiten Durchlesen tönt das jetzt etwas gar kaltschnäuzig. Ich meine damit, dass es gut ist, wenn das, was nicht mehr funktioniert, hinausgeworfen wird, und ein neuer Weg begangen wird. Dies ist schmerzhaft, aber auch eine Chance, auf echtes Wachstum.
Hallo Total,
Was sagt denn die Bibel dazu? Die Bibel zeigt uns die Lehre wie wir Gemeinde leben sollen. In Matthäus 18,20 steht die Zahl 2 oder 3. In den Briefen ist sehr genau beschrieben wie Gott sich unser praktisches und lehrmäßiges Gemeindeleben vorstellt. Wenn wir uns daran halten wird Gott uns segnen. Ob mit 3 Personen oder 150. Die Zahl ist nicht entscheidend. Lasst uns "unsere" (in Wirklichkeit existiert nur eine Gemeinde, und wir örtlich stellen wir einen Teil dieser einen Gemeinde dar) Gemeinde überprüfen anhand der Bibel und alles menschliche in die zweite Reihe stellen. Dann wird der Herr es segnen. Der Herr wird verherrlicht wenn wir ihn wirken lassen und nicht wir mit menschlicher interligenz mit menschlichen Mitteln verbessern wollen.
In Deutschland muss vor allem - ein wirtschaftlicher Zusammenbruch kommen bevor die Kirche oder Glauben allgemein wieder halt bieten wird.
Die Menschen sind hierzulande derzeit sehr Sekulär, quasi reine Kopfmenschen. Es geht vor allem um Selbstverwirklichung, Karriere, "Party", Hobbies, Auto, Urlaub.
Das ist zumindest mein Eindruck. Glaube wird hier mit keinem Rezept mehr eine starke Rolle spielen wenn sich nicht durch die Rahmenbedingungen etwas ändert.
Ich glaube das ist in anderen westlichen Ländern weniger so ausgeprägt.
@kappa Ach Kappa, dann werden die Rahmenbedingungen schlechter und was soll "der Glaube" daran ändern? Eure ganzen Erzählungen funktionieren bestenfalls bei einer sehr kleinen Anzahl von Menschen. Die meisten zahlen drauf und werden auf das Jenseits vertröstet.
Vielleicht wäre es für "den Glauben" besser, wenn Gott entweder jedem das gibt, was ihr zwecks Gewinnung von KiSt-/Zehntenzahlern versprecht oder euch bzgl. eurer Heilungs- und Hilfeerzählungen und Wohlstandsmärchen zum Schweigen brächte.
Das es Leid auf der Erde gibt, das leugnet das Christentum nicht.
Gott will kein Automat sein, oder ein Vater der mit "Oberflächlichem" Wohlstand (egozentrische Wunscherfüllung) die "Liebe" seiner Kinder erkauft. Ich nehme mal an, es ist nicht ernst gemeint was du diesbezüglich schreibst.
Ansonsten bleib ich dabei. Je weniger die Welt den Menschen bieten kann, je eher sind diese dann dazu bereit, auf andere Dinge zu schauen. Das schätze ich halt so ein.
@kappa Ich werfe mal, bzgl. Wohlstandsevangelium, den Namen Joyce Meyer in den virtuellen Raum, bzgl. Heilungserzählungen verweise ich darauf, dass mir nach dem Tod meiner Frau geraten wurde ich solle mir sagen Gott habe sie geheilt, indem er sie aus diesem Leben abberief.
Vor kurzem bat mich jemand ein bestimmtes Wort nicht in seiner Gegenwart zu verwenden, dieses Wort sei für ihn ein Trigger. Der gleiche Mensch war aber, als ich sagte dass mich Heilungszeugnisse triggern, der Meinung "Lass denjenigen doch das erzählen, wenn Gott ihm geholfen hat!"...
@kappa In Deutschland muss vor allem - ein wirtschaftlicher Zusammenbruch kommen bevor die Kirche oder Glauben allgemein wieder halt bieten wird.
Dementsprechend liegt es also im Interesse der Kirchen, dass es den Leuten zukünftig schlechter geht als heute. Das nenne ich mal eine Frohe Botschaft! 🙂
Über Jahrhunderte war Kirche Teil der Herrschaft. Noch heute werden zahlreiche Kirchenbeamte vom Staat bezahlt und die Kirchensteuer vom Staat eingezogen.
Die Kirche gehörte zur Sozialisation. Das ändert sich allmählich.
Außerdem macht sich auch bei Kirchen bemerkbar, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, dass sich Menschen zusammenschließen und für diesen Zusammenschluss auch jahrelang verantwortlich engagieren (insb. in den Städten), sei es Kirche, Feuerwehr, Sportverein, Schule, Gewerkschaft.