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Glaubensprobleme ansprechen bei der Psychologin?

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Hallo zusammen,

ich habe eine Frage an diejenigen, die schon mal eine Psychotheraphie gemacht haben. Ich habe ja Impfnebenwirkungen und habe da echt mit zu kämpfen. Besonders schlimm war die Erfahrung meist nicht ernst genommen zu werden und allein gelassen zu werden mit diesen gesundheitlichen Problemen. Die Coronazeit hat auch ihre Spuren bei mir hinterlassen, was mein Vertrauen in die Politik angeht. Das mag zwar nicht dramatisch klingen, doch mir wurde bewusst, wie das Gefühl der Sicherheit, von vernünftigen Menschen regiert zu werden, dahin schwand. ( bitte darum nicht mit mir darüber zu diskutieren- es ist mein Empfinden- mein Erleben! ) Mich überkam der Eindruck, sie können, wenn sie wollen alles mit uns machen. Hinzu kamen dann die Wechseljahre, die meinen körperlichen und psychischen Zustand verschlimmert haben.

Ich gehe jetzt zur Psychotherapie, um all das, was sich da in mir aufgestaut hat, aufzuarbeiten. Nun mein Anliegen. In der Zeit, wo es mir so richtig schlecht ging, fiel mir auf, dass ich es kaum ertrug in der Bibel zu lesen. Denn, so schien es mir in der Zeit, kam es zu häufig vor, dass etwas verlangt wird, Leistung verlangt wird, damit man ein guter Christ ist/ dazu gehört. Die Aussagen der Bibel, die ich vorher o.k. fand, bereiteten mir plötzlich eine zusätzliche innere Last, die ich auf einmal nicht mehr tragen konnte. Die bedingungslose Liebe, Annahme Gottes erschien mir an X Bedingungen geknüpft und erdrückten mich auf einmal.

Nun ist es aber so, dass mein Glaube ein ganz großer Bestandteil meines Lebens ist, von Kindheit an. Ich kann das Geistige nicht einfach ignorieren und streichen, denn das, was ich weiß, weiß ich. Was ich erlebt habe, habe ich erlebt und das lässt sich nicht ausradieren. D.h. ich muss irgendwie lernen damit umzugehen. Mir wurde bewusst, wie wohl doch das Leistungsdenken in Bezug auf Gott in mir schlummert und hoch kam. Ich dachte, ich hätte das überwunden. Ich würde zu gerne mit meiner Therapeutin darüber sprechen, weil es untrennbar ein wesentlicher Bestandteil  in meinem Sein/ meinem Leben ist. Dazu würde aber auch gehören, was mich da sehr geprägt hat. Dass ich seit Kindheit geistige Dinge sehe und Infos bekomme, die entscheidend sind, was ich tue/ denke/ glaube in meinem Glaubensleben. Mir wurde bewusst, wie ich sofort springe, wenn ich geistig etwas sah/sehe oder die Info bekam, dass jemand in Not ist. D.h. ich habe dann für die Person gebetet, geistig gekämpft oder was gesagt, wo ich dachte, hier ist der Knackpunkt und meine Worte könnten helfen. Mir wird bewusst, wie ich nicht nur weltlich mein bisheriges Leben im Dauerlauf verbringe, sondern auch geistig wie in einem Hamsterrad bin, wo die Arbeit kein Ende hat. All dies hat auch zu meiner Erschöpfung beigetragen. Ich muss lernen, nicht auf alles zu reagieren, noch mehr Prioritäten zu setzen, mehr auf mich selbst zu achten.

Ich würde gerne offen mit der Therapeutin darüber sprechen, wie das Geistige mich stark geprägt hat event. falsch geprägt hat, wie das Geistige eine sehr große Baustelle zu seinen scheint, die ich ebenso angehen muss, denn das Geistige/ mein Glauben ist einfach das Wichtigste. Ich kann es so schlecht trennen/ ignorieren bei dieser Therapie, habe aber Sorge, dass die Therapeutin ihre stumpfen weltlichen Vorgaben hat, wonach vielleicht auch schon eine warnende Stimme oder das geistige Sehen, dass ein Einbrecher nachts im Garten versteckt lauert etc. auch wenn sich das alles irdisch später bestätigt, für sie irgendwelche Hirngespinste sind, die extra behandelt werden müssen. Versteht ihr meine Sorge?

Ich bin da etwas ratlos und wollte mal in die Runde fragen, ob ihr in einer ähnlichen Situation wart und wie ihr damit umgegangen seid?

Lieben Gruß an alle!

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(@deleted_profile)
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Veröffentlicht von: @amalia

Hallo zusammen,

ich habe eine Frage an diejenigen, die schon mal eine Psychotheraphie gemacht haben. Ich habe ja Impfnebenwirkungen und habe da echt mit zu kämpfen. Besonders schlimm war die Erfahrung meist nicht ernst genommen zu werden und allein gelassen zu werden mit diesen gesundheitlichen Problemen. Die Coronazeit hat auch ihre Spuren bei mir hinterlassen, was mein Vertrauen in die Politik angeht. Das mag zwar nicht dramatisch klingen, doch mir wurde bewusst, wie das Gefühl der Sicherheit, von vernünftigen Menschen regiert zu werden, dahin schwand. ( bitte darum nicht mit mir darüber zu diskutieren- es ist mein Empfinden- mein Erleben! ) Mich überkam der Eindruck, sie können, wenn sie wollen alles mit uns machen. Hinzu kamen dann die Wechseljahre, die meinen körperlichen und psychischen Zustand verschlimmert haben.

Ich gehe jetzt zur Psychotherapie, um all das, was sich da in mir aufgestaut hat, aufzuarbeiten. Nun mein Anliegen. In der Zeit, wo es mir so richtig schlecht ging, fiel mir auf, dass ich es kaum ertrug in der Bibel zu lesen. Denn, so schien es mir in der Zeit, kam es zu häufig vor, dass etwas verlangt wird, Leistung verlangt wird, damit man ein guter Christ ist/ dazu gehört. Die Aussagen der Bibel, die ich vorher o.k. fand, bereiteten mir plötzlich eine zusätzliche innere Last, die ich auf einmal nicht mehr tragen konnte. Die bedingungslose Liebe, Annahme Gottes erschien mir an X Bedingungen geknüpft und erdrückten mich auf einmal.

Nun ist es aber so, dass mein Glaube ein ganz großer Bestandteil meines Lebens ist, von Kindheit an. Ich kann das Geistige nicht einfach ignorieren und streichen, denn das, was ich weiß, weiß ich. Was ich erlebt habe, habe ich erlebt und das lässt sich nicht ausradieren. D.h. ich muss irgendwie lernen damit umzugehen. Mir wurde bewusst, wie wohl doch das Leistungsdenken in Bezug auf Gott in mir schlummert und hoch kam. Ich dachte, ich hätte das überwunden. Ich würde zu gerne mit meiner Therapeutin darüber sprechen, weil es untrennbar ein wesentlicher Bestandteil  in meinem Sein/ meinem Leben ist. Dazu würde aber auch gehören, was mich da sehr geprägt hat. Dass ich seit Kindheit geistige Dinge sehe und Infos bekomme, die entscheidend sind, was ich tue/ denke/ glaube in meinem Glaubensleben. Mir wurde bewusst, wie ich sofort springe, wenn ich geistig etwas sah/sehe oder die Info bekam, dass jemand in Not ist. D.h. ich habe dann für die Person gebetet, geistig gekämpft oder was gesagt, wo ich dachte, hier ist der Knackpunkt und meine Worte könnten helfen. Mir wird bewusst, wie ich nicht nur weltlich mein bisheriges Leben im Dauerlauf verbringe, sondern auch geistig wie in einem Hamsterrad bin, wo die Arbeit kein Ende hat. All dies hat auch zu meiner Erschöpfung beigetragen. Ich muss lernen, nicht auf alles zu reagieren, noch mehr Prioritäten zu setzen, mehr auf mich selbst zu achten.

Ich würde gerne offen mit der Therapeutin darüber sprechen, wie das Geistige mich stark geprägt hat event. falsch geprägt hat, wie das Geistige eine sehr große Baustelle zu seinen scheint, die ich ebenso angehen muss, denn das Geistige/ mein Glauben ist einfach das Wichtigste. Ich kann es so schlecht trennen/ ignorieren bei dieser Therapie, habe aber Sorge, dass die Therapeutin ihre stumpfen weltlichen Vorgaben hat, wonach vielleicht auch schon eine warnende Stimme oder das geistige Sehen, dass ein Einbrecher nachts im Garten versteckt lauert etc. auch wenn sich das alles irdisch später bestätigt, für sie irgendwelche Hirngespinste sind, die extra behandelt werden müssen. Versteht ihr meine Sorge?

Ich bin da etwas ratlos und wollte mal in die Runde fragen, ob ihr in einer ähnlichen Situation wart und wie ihr damit umgegangen seid?

Lieben Gruß an alle!

@amalia

Nein, ich kenne so eine Situation nicht. Auch habe ich keine Erfahrung mit Psychotherapeuten. Persönlich interessiere ich mich allerdings für Psychotherapie, ihre Methoden und theoretischen Grundlagen. Mir scheint, dass die Ursache deines Leidens ein Wille zur Perfektion sein könnte. Wenn du befürchtest, dass die Psychotherapeutin gegen deinen Glauben arbeiten wird - das sollte Psychotherapeuten zwar nicht, aber Psychotherapeuten sind auch nur Menschen mit Ansichten und Meinungen - und dein Hang zur  Perfektion sowohl dein weltliches Leben als auch deinen Glauben betrifft, dann musst du den Glauben ja nicht extra ansprechen, weil es ja nur um deinen Hang zur Perfektion geht, der dich stresst und dir Leid verursacht.

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@stero 

dann musst du den Glauben ja nicht extra ansprechen, weil es ja nur um deinen Hang zur Perfektion geht, der dich stresst und dir Leid verursacht.

Danke für deine Antwort. Zwei Dinge: Erstmal habe ich ja erklärt, wie wichtig es mir ist meinen Glauben miteinzubeziehen, da ( wie Lucan es richtig erkannt hat) dieser Bereich nicht von meinem Sein/ mein Leben zu trennen ist. Ich kann zur Arbeit gehen und meine Klappe halten, wenn es um meinen Glauben geht, aber im Stillen habe ich trotzdem sehr oft für die Kranken gebetet. Aber es geht, dass ich nach Aussen über meinen Glauben schweige. Ich kann mich auch abends mit Freundinnen zusammen setzen und den ganzen Abend nur rumalbern und über oberflächliche weltliche Dinge reden, geht auch. Doch wenn es um einen psychischen und körperlichen Zusammenbruch geht (den ich hatte), ist es für mich sehr wichtig so viele Aspekte wie möglich, was mein Denken, mein Fühlen und mein Leben von Kindheit an prägt miteinzubeziehen. Und da ist mein Glaube einfach eins der Hauptsäulen in meinem Leben.

Ich habe anfangs auch gezielt nach christl. Psychotherapie gesucht, doch bin da leider nicht erfolgreich gewesen.

Und zweitens ist das nicht so passend mit deiner Ferndiagnose, dass es nur um meinen Hang zum Perfektionismus geht. Stell dir vor, du gehst auf der Straße spazieren und vor dir ist jemand unachtsam und stolpert über einen größeren Stein und fällt hin. Das hat nicht unbedingt was mit Perfektionismus zu tun, dass man hingeht und der Person beim Aufstehen hilft. Es ist doch eigentlich ein ganz normaler, natürlicher Instinkt. Und nun stell dir vor, du siehst das gleiche nur geistig. Ein unachtsames Fallen deines Mitmenschen und die damit verbundenen Schmerzen. Da ist es eher eine Herausforderung stehen zu bleiben, beim Fallen zuzusehen und zuzusehen, wie die Person sich schmerzvoll versucht aufzurichten und man nichts tut. Der Wunsch zu helfen ist da. Und es kostet Überwindung nicht zu helfen.

Ich frage mich in letzter Zeit öfter, wie Jesus es damals gemacht hat? Hat er immer und überall geholfen? Und warum war er nur ca 33 Jahre hier und hat nicht viel mehr Jahre auf Erden verbracht, um noch mehr Menschen zu helfen? Vielleicht ist es ein falsches Verständnis von helfen, was ich bisher in meinem Leben hatte. Und dabei geht es nicht nur um meine eigenen Ressourcen sondern um die Frage, entspricht es Gottes Willen immer und jedem zu helfen?

Du musst nicht auf meine Fragen antworten. Ich denke nur laut...

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Lucan-7
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@amalia 

habe aber Sorge, dass die Therapeutin ihre stumpfen weltlichen Vorgaben hat, wonach vielleicht auch schon eine warnende Stimme oder das geistige Sehen, dass ein Einbrecher nachts im Garten versteckt lauert etc. auch wenn sich das alles irdisch später bestätigt, für sie irgendwelche Hirngespinste sind, die extra behandelt werden müssen. Versteht ihr meine Sorge?

Es ist nicht die Aufgabe einer Psychologin, dich von einem bestimmten Weltbild zu überzeugen. Es geht allein darum, dein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen. Umgekehrt geht es auch nicht darum, die Psychologin davon zu überzeugen, dass du recht hast. Es geht nur um die Frage: Was macht das mit dir?

So wie du es hier schilderst scheint bei dir ja doch alles zusammen zu gehören. Man kann das geistige nicht einfach von dir trennen und nur den "Rest" behandeln. Ob dein Glaube Teil des Problems ist oder nicht, darüber maße ich mir kein Urteil an. Vielleicht kommt etwa dieser "Leistungsgedanke" aus deinem Glauben heraus, vielleicht überträgst du aber auch so eine Vorstellung von dir in deinen Glauben hinein.

Ich denke, dass du ja nicht gleich alles erzählen musst, sondern erst mal nur, dass dir der Glaube wichtig ist. Dann siehst du ja auch, wie sie reagiert und ob du dich ernst genommen fühlst.

 

 

lucan-7 antworten
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Beiträge : 20857

@lucan-7 

 Man kann das geistige nicht einfach von dir trennen und nur den "Rest" behandeln.

Ja, so sehe ich das auch. Es würden zwar einige Themen auch seperat behandelt werden können, doch ich glaube, man muss da tiefer gehen bei mir und da kommt dann einfach der Glaube und mein Erleben dazu.

Es ist nicht die Aufgabe einer Psychologin, dich von einem bestimmten Weltbild zu überzeugen

Das stimmt schon, aber sie hat sicher ihre Vorgaben anhand ihrer Ausbildung und wenn "eine Stimme hören" in den Bereich Halluzination geht laut dieser Vorgabe, dann kann ich nicht offen reden und muss einen wichtigen Part weglassen.

Ich denke, dass du ja nicht gleich alles erzählen musst, sondern erst mal nur, dass dir der Glaube wichtig ist. Dann siehst du ja auch, wie sie reagiert und ob du dich ernst genommen fühlst.

Ja, danke, das ist ein guter Tipp.

 

 

 

 

 

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Lucan-7
(@lucan-7)
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@amalia 

Das stimmt schon, aber sie hat sicher ihre Vorgaben anhand ihrer Ausbildung und wenn "eine Stimme hören" in den Bereich Halluzination geht laut dieser Vorgabe, dann kann ich nicht offen reden und muss einen wichtigen Part weglassen.

Ich denke nicht, dass Psychologen so "trainiert" sind, dass sie denken: "Oh, das ist eine Halluzination! Das müssen wir sofort therapieren!". Darum geht es ja nicht. Und es geht auch nicht darum, was die Psychologin darüber denkt. Es geht nur darum, ob da etwas ist, was dir selber schadet. Und was "Stimmen" betrifft gibt es da viele Möglichkeiten, auch aus psychologischer Sicht.

Und das heißt auch nicht, dass du künftig keine Stimmen mehr hören darfst (Wie soll das auch gehen...?), sondern womöglich nur, wie du damit umgehst. Du hattest ja angedeutet, dass du dich da oft unter Druck gesetzt fühlst. Und dann sind auch nicht die Stimmen das Problem, sondern dieser Druck. Und da kann ein psychologischer Rat sicher hilfreich sein.

Ich denke nicht, dass du befürchten musst, dass die Psychologin versucht etwas "wegzutherapieren", das dir wichtig ist.

Und falls doch, dann kannst du immer noch woanders hingehen...

 

 

lucan-7 antworten
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Beiträge : 20857

@lucan-7 

Entschuldigung an alle hier, dass ich jetzt erst nach und nach antworte.

Es geht nur darum, ob da etwas ist, was dir selber schadet. Und was "Stimmen" betrifft gibt es da viele Möglichkeiten, auch aus psychologischer Sicht.

Ja, genau, die Stimmen selbst ( ob Gottes Stimme oder die eines Engels) haben mir noch nie geschadet sondern situationsbedingt geholfen richtig zu handeln, um möglichen Schaden abzuwenden. Und sie sind auch nicht permanent da sondern nur im Gebet oder wie gesagt situationsbedingt.

Was mir wohl schadet, sind meine eigenen Schlußfolgerungen im Glauben und meiner Lebensweise bisher. Ich muss wohl lernen besser zu unterscheiden, was tatsächlich von Gott kommt und was ich mir selbst oder was christl. Mitmenschen mir aufbürden. Da scheinen Fesseln vorhanden zu sein, die ich bisher als christl. richtigen Weg angesehen und angenommen habe. Aber, dass Gott diesen Grundboden meines Lebens grad dermaßen eingerissen/ zerstört hat, lässt mich an deren Richtigkeit zweifeln. Ich muss mich neu sortieren...

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Lucan-7
(@lucan-7)
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Beiträge : 22649

@amalia 

ich habe jetzt eine Weile über deine Situation nachgedacht, die du hier in Teilen schilderst. Natürlich bin ich hier nicht qualifiziert, dir irgendwelche Ratschläge zu erteilen, dafür kenne ich dich auch zu wenig. Aber zwei Dinge sind mir hier doch spontan eingefallen.

Zum einen beschreibst, du wie dir sozusagen der Boden unter den Füssen weggezogen wurde, weil du erkannt hast, dass das, worauf du gebaut hast, dir in Wahrheit nicht gut tut. Das ist bereits ein sehr großer Schritt. Viele Leute sind dazu überhaupt nicht in der Lage und halten an Vorstellungen fest, die ihnen letztlich schaden. Mir fallen da einige Beispiele ein, was jetzt aber nicht hierher gehört.

Ich wünsche dir jedenfalls, dass du deine Balance und dein Fundament wieder findest, auf eine Weise, die dir diesmal echten Halt gibt und dir gut tut.

Was mir wohl schadet, sind meine eigenen Schlußfolgerungen im Glauben und meiner Lebensweise bisher. Ich muss wohl lernen besser zu unterscheiden, was tatsächlich von Gott kommt und was ich mir selbst oder was christl. Mitmenschen mir aufbürden. Da scheinen Fesseln vorhanden zu sein, die ich bisher als christl. richtigen Weg angesehen und angenommen habe.

Die zweite Sache, an die ich denken musste, ist die Sache mit dem Kreuz, das wir auf uns nehmen sollen. Das ist auch eine Sache, die ich mir aus dem christlichen Glauben noch beibehalten habe: Die Erkenntnis, dass eben nicht alles rosig ist, dass Schwierigkeiten dazu gehören und jeder sein "Kreuz" tragen muss - egal, ob wir nun gläubig sind oder nicht. Da ist die Konsumgesellschaft mit ihrer aufgezwungenen Heiterkeit und der Pflicht zum Glücklichsein oft recht verlogen, in dem, was uns da immer wieder als Ideal vorgespielt wird.

Allerdings habe ich es auch in christlichen Kreisen oft erlebt, da das eigene Leiden regelrecht auf ein Podest gehoben wird. So, als ob die Nachfolge Christi in erster Linie durch das "Kreuz" erkennbar wird... und das eigene Leiden wird dann als Monstranz vor sich hergetragen und zelebriert... und auch von Anderen erwartet!

Und ja, natürlich ist das Leiden ein Teil... aber nicht das Zentrum des Glaubens! Denn das sind Glaube, Liebe Hoffnung. Das steht im Zentrum - und das hilft auch, mit dem Leiden fertig zu werden. Darum geht es - und nicht darum, das Leiden zu vergöttlichen...

Das jetzt nur am Rande als spontane Gedanken. Ich wünsche dir alles Gute... und Geduld, denn ein wenig Zeit wird es wohl brauchen, so wie ich es jetzt mitbekommen habe.

 

 

lucan-7 antworten
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Beiträge : 20857

@lucan-7 

Zum einen beschreibst, du wie dir sozusagen der Boden unter den Füssen weggezogen wurde, weil du erkannt hast, dass das, worauf du gebaut hast, dir in Wahrheit nicht gut tut.

Ja, genau. Nämlich wie ich das gute Christ- sein definiert habe und bisher auch dachte, es sei genauso Gottes Wille. Dieser Boden ist nicht ganz weg, aber zum größten Teil. Ich dachte, gelebte Nächstenliebe will Gott so, wie ich es schon mein ganzes Leben praktiziere. Und es hat mich so verdammt viel Kraft gekostet da am Ball zu bleiben, koste es, was es wolle. Ich dachte immer, weil ich so lebe, auch wenn ich nicht perfekt bin, ist es das, was mich (wenn man sowas überhaupt sagen darf) als "gute" Christin ausmacht.

Nun hat Gott genau das eingerissen, platt gemacht. Und zwar mit so einer Gewalt, mit so einem riesen Knall, dass dieser Einschlag mich direkt verändert hat und es kein Weg mehr zurück gibt zu dem, was ich war- gelebt habe in diesem Bereich meines Christ-seins. 

Ich wünsche dir jedenfalls, dass du deine Balance und dein Fundament wieder findest, auf eine Weise, die dir diesmal echten Halt gibt und dir gut tut.

Ich danke dir sehr! Mit deinen Worten kommt Empathie und eine gewisse Wärme rüber, die gut tut. Danke🤗

Ich bin selbst gespannt, wo das alles hinführen wird. Ich weiß es noch nicht.

Viele Leute sind dazu überhaupt nicht in der Lage und halten an Vorstellungen fest, die ihnen letztlich schaden. Mir fallen da einige Beispiele ein, was jetzt aber nicht hierher gehört.

Von mir aus darfst du gerne erzählen, was du für Bsp. meinst.

Allerdings habe ich es auch in christlichen Kreisen oft erlebt, da das eigene Leiden regelrecht auf ein Podest gehoben wird. So, als ob die Nachfolge Christi in erster Linie durch das "Kreuz" erkennbar wird... und das eigene Leiden wird dann als Monstranz vor sich hergetragen und zelebriert... und auch von Anderen erwartet!

Die Erfahrung habe ich jetzt weniger gemacht. Aber schon auch, dass das eigene Leid als gottgewollt hingestellt wird. In verschiedensten Varianten. Nun, in gewisser Weise trifft das ja auch auf mich zu, denn wenn ich bei meiner Art die praktische Nächstenliebe auszuüben gelitten habe, dachte ich auch, es sei Gottes Wille. Und nun kommt da so eine innere, leise Vermutung in mir auf, dass dieses Verhalten geprägt ist aus der Kindheit und von meinen Mitmenschen und meinen eigenen falschen Schlußfolgerungen und eben so nicht von Gott gewollt. Mein lieber Scholli....was habe ich dann an Lebenskraft all die Jahre unnötig verschwendet...ganz schön deprimierend. Schwups, weg. Statt gottgewollt steht nun vielleicht menschgemacht auf dem Schild. ☹ 

Gute Christin.... puff weg. Aber zur Zeit habe ich einfach auch kein Bedürfnis dieses Feld neu zu füllen. Ich möchte grad nichts mehr als mich frei zu machen und frei zu sein von diesem ständigen Füllen müssen. Ich möchte sein, einfach sein.

Das jetzt nur am Rande als spontane Gedanken. Ich wünsche dir alles Gute... und Geduld, denn ein wenig Zeit wird es wohl brauchen, so wie ich es jetzt mitbekommen habe.

Ja, es wird dauern und auch das möchte ich neu lernen, mir diese Zeit für mich zu nehmen. Danke Lucan.

 

 

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neubaugoere
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Hallo Amalia,

als erstes möchte ich dir sagen, wie leid es mir für dich tut, was du durchmachen musst. Die letzte Zeit hat wohl in vielen, wenn nicht allen von uns ihre Spuren hinterlassen. Mein Paket war auch ziemlich heftig. Ja, die Wechseljahre sind da oft nicht unbedingt förderlich und scheinen Dinge zu verschlimmern.

Als ich damals zur Therapie ging, das ist schon eine Weile her, war ich, was den Glauben angeht, in den Kinderschuhen, noch ganz neu im Glauben sozusagen. Ich hab es nicht angesprochen. Ich hab in meinem Kopf "sortiert" und für mich rausgezogen, was mir half und eben aussortiert, was ihre Vorschläge waren, die so ganz praktisch nichts für mich waren, aber in denen dennoch eine Theorie steckte, aus der ich lernen konnte. Ich wusste dann, worum es ging. Deshalb hatte ich auch nichts gesagt. Das war so in Ordnung für mich. Ich hab sozusagen "meinen Kopf rebooten lassen" von ihr (oder wie Lucan sagt, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen).

Ich finde das schwierig - letzter Absatz von dir -, weil sie diese Dinge evtl. nicht einschätzen kann, wenn sie sie nicht kennt. Jetzt mag man sagen, das muss sie auch nicht. Mein Inneres macht dort aber "quiiietsch", ich kann dem nicht zustimmen, aber auch nicht widersprechen. Meine Therapeutin hätte damals nicht verstanden, warum ich wie denke, weil ich selbst erst in den Kinderschuhen steckte und noch so viel zu entdecken hatte. Für mich war es okay, weil Jesus da war, er sprach sehr deutlich mit mir. Wenn ich von nichts ne Ahnung habe und weiß, dass Jesus da bzw. dabei ist, dann gehe ich einfach los ... dann habe ich keine Angst, auch wenn die Ungewissheit mir solche machen will.

Wenn ich deine Worte so lese, noch mal und noch mal, kommt mir der Gedanke, dass du da schon den Weg betreten hast in die richtige Richtung. Leistungsdenken im geistlichen Bereich. Einen wirklichen Rat vermag ich dir nicht zu geben, ich kenne dich zu wenig. Aber ich hab dich lieb, deshalb bete ich gern für dich und segne dich mit der Liebe des Vaters, die dein Herz ausfüllen möge, auf dass dein Herz überläuft und die Liebe sich ihren Weg auch alleine bahnen wird. Ich segne dich mit der Kraft des Heiligen Geistes, der Jesus schon von den Toten wiederauferstehen ließ. Danke, Vater, dass es Amalia gibt, ohne sie wäre die Welt etwas leerer. Sie ist dein Kind und du hast sie sehr lieb. Ich bitte dich um deine Hilfe, dass sie sich in deine Arme legen kann, ausruhen kann, dass du sie neu füllst mit deiner Liebe, in der schon alles getan ist, in der so viel Kraft steckt und die uns - und auch sie - so bereichert. Hüll du sie ein mit deinem Frieden, deinem Shalom, der so viel höher ist als wir denken können, der so auszufüllen vermag wie nichts anderes.

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@neubaugoere 

Deine Antwort ist mir sehr ans Herz gegangen und ich möchte mir später in Ruhe Zeit nehmen dir zu antworten, da ich jetzt abbrechen muss. ❤️ ❤️ 

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@neubaugoere 

Als ich damals zur Therapie ging, das ist schon eine Weile her, war ich, was den Glauben angeht, in den Kinderschuhen, noch ganz neu im Glauben sozusagen.

Weißt du, meine Liebe, seit meiner Kindheit gehe ich meinen Weg mit Gott, habe sehr viel von ihm gelernt, viel über das geistige Reich gelernt, viel gesehen ( zu viel gesehen...? ) und nun stehe ich gefühlt zu 50 % im schwerelosen Raum, weil Gott ca. 50 % meines Lebensstandbeines zerstört hat und ich mich auch wieder wie in Kinderschuhen des Glaubens, neu im Glauben fühle, wie du es oben schreibst.

Loslassen, das was er zerstört hat, fällt mir nach erstem Schock gar nicht so schwer, denn das, was zerstört worden ist, hat mir sehr geschadet ( körperlich und seelisch), das sehe jetzt sehr deutlich. Trotzdem ist es komisch so zu "schweben" ohne zu wissen, wie der neue Boden sich formen wird.

Das war so in Ordnung für mich. Ich hab sozusagen "meinen Kopf rebooten lassen" von ihr (oder wie Lucan sagt, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen).

Diese Formulierung finde ich sehr schön und passend.

Meine Therapeutin hätte damals nicht verstanden, warum ich wie denke, weil ich selbst erst in den Kinderschuhen steckte und noch so viel zu entdecken hatte. Für mich war es okay, weil Jesus da war, er sprach sehr deutlich mit mir.

Das kann ich gut nachvollziehen, was du schreibst. Meine Therapeutin ist sehr einfühlsam und wann immer ich kritisch über mich und mein Verhalten, Denken spreche ( das scheint sehr ausgeprägt in mir zu stecken mich ständig zu hinterfragen), gibt sie mir das Gefühl, es ist nicht komisch sondern okay so, wie ich denke und fühle und handel. Also ich bin okay mit meinem Sein. Unglaublich, was diese Worte, allein diese Reaktion von ihr mir zu sagen, ich bin gerade total okay so, in mir bewirkt....möge Gott sie dafür reichlich segnen. Es tut soooo unfassbar gut und zeigt mir, wie sehr das Leistungsdenken auch in Bezug auf meinen Glauben, wie du es auch in deiner Antwort angesprochen hast, noch in mir steckt. Mein Gott, das hätte ich nie gedacht, wie tief ich noch darin stecke.

Immer besser, immer vorbildlicher, immer positiv denken, immer das Optimum, das Gute, das Beste aus allem machen, nie Schwäche zulassen, immer den erhobenen Zeigefinger von anderen, von der Bibel, von mir selbst.... wie sehr mich das grad abstösst. Wie sich echte Schwäche anfühlt habe ich nun durchlebt und nun sehne ich mich nach einem Sein, einfach Sein ohne ständigem Druck der Optimierung. Ohne ständig in allem etwas wie einen Sinn zu sehen, einfach sein, frei sein....atmen, frei atmen....

Was Gott angeht bzw. Jesus hat sich sein Verhalten zu mir in dieser Phase auch geändert, womit ich lernen muss umzugehen. Du schreibst, er hat in der schweren Zeit deutlich zu dir gesprochen. So kenne ich das auch von ihm ( hauptsächlich), doch nun schweigt er. Er zeigt sich regelmässig, setzt seine mir bekannten Zeichen seiner Anwesenheit, aber zieht sich wieder zurück ohne wie bisher gewohnt "etwas" von sich da zu lassen. Wie z.b. seine Kraft, sein Trost usw. Ich erlebe gerade sehr krass den Unterschied zu vorher, als seine Gegenwart ohne mein Zutun z.b. Kraft hinterließ. Jetzt erlebe ich eher den einfachen, natürlichen Weg der Regeneration, langsamen Kraftaufbau, auf ganz menschliche, natürliche Weise. Das ist heftig, ein krasser Unterschied zum aktiven Wirken Gottes im eigenen Leben/ Alltag.

Ich weiß aber aus Erfahrung mit Gottes Handeln, dass er sich so verhält, wenn es darum geht etwas Entscheidendes selbst zu lernen, zu erarbeiten, damit dieser neue Prozeß mit den Erkenntnissen bis tief in die Seele verwurzelt zum Eigen werden. Wo er sich zurückzieht mit aktiven Handeln und Wirken, bin ich gefordert aktiv zu werden, zu lernen, zu verändern, damit ich selbst so intensiv wie möglich lerne, weil es etwas zu lernen gibt, was noch nicht bei mir angekommen ist. Daher auch keine schnelle, aktive Hilfe Gottes. Der Groschen muss noch fallen. Ich habe ihn angefleht und angefleht, Tag und Nacht, er möge endlich wieder aktiv eingreifen, weil ich es nicht mehr ertrage ....nichts. Er zeigt sich und zieht sich wieder zurück. Krasses Erleben und Erfahren von Gottes "Handeln" z.Zt.

Aber ich hab dich lieb, deshalb bete ich gern für dich und segne dich mit der Liebe des Vaters, die dein Herz ausfüllen möge, auf dass dein Herz überläuft und die Liebe sich ihren Weg auch alleine bahnen wird. Ich segne dich mit der Kraft des Heiligen Geistes, der Jesus schon von den Toten wiederauferstehen ließ. Danke, Vater, dass es Amalia gibt, ohne sie wäre die Welt etwas leerer. Sie ist dein Kind und du hast sie sehr lieb. Ich bitte dich um deine Hilfe, dass sie sich in deine Arme legen kann, ausruhen kann, dass du sie neu füllst mit deiner Liebe, in der schon alles getan ist, in der so viel Kraft steckt und die uns - und auch sie - so bereichert. Hüll du sie ein mit deinem Frieden, deinem Shalom, der so viel höher ist als wir denken können, der so auszufüllen vermag wie nichts anderes.

❤️ ❤️ ❤️ Ich habe dich auch lieb und umarme dich herzlich!! Möge Gott dich reichlich segnen für dein Gebet und deine lieben Wünsche und Worte für mich. Ich habe Probleme Hilfe von anderen anzunehmen ohne den inneren Druck es wieder auszugleichen zu wollen. Auch das hat seinen Ursprung in meiner Kindheit, habe ich nun mit der Therapeutin herausgefunden.Eine unglaublich spannende Phase zur Zeit, was alles geschieht. 😊 

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neubaugoere
(@neubaugoere)
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@amalia 

Wir sind uns sowas von ähnlich 😉 😍 ... ich schreib dir noch, bin selbst mit Verarbeiten der letzten Wochen beschäftigt ... 😘 

neubaugoere antworten
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@neubaugoere 

Lass dir Zeit. Und wenn du nicht mehr zum Antworten kommst, weil es zu viel wird, soll mir deine bisherige Antwort genug sein ❤️ 🤗 

bin selbst mit Verarbeiten der letzten Wochen beschäftigt ... 😘

Viel Erfolg und vor allem genug Ruhe und Zeit dafür.

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neubaugoere
(@neubaugoere)
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@amalia 

Liebste amalia, (ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn ich das so sage) meine Emotionen schwanken beim Lesen deiner Zeilen zwischen "oh neiin" bis "wie ich das kenne". Es berührt mich so, weil ich ähnliches erlebt habe.

So unglaublich vieles hat seinen Ursprung in unserer Kindheit. Das ist kaum zu glauben. Weil wir eben alle wirklich viel lernen in dieser "Kindheit", alle Kinder lernen durch Sehen, Hören, Nachmachen, Vorleben ... Kinder werden geprägt durch die Verhaltensweisen im Elternhaus, wie Eltern mit Situationen umgehen, sie erfahren Werte und Wertungen etc. Und "geprägt" zu sein von etwas heißt eben auch, dass wir Verhaltensweisen vielleicht auch "einfach so" übernommen haben. So erlernt eben, dass "man" das so macht, weil es uns so vorgelebt wurde. Ich lernte mal einen jungen Mann in meiner alten Gemeinde kennen, der es "erlernt" hatte, das Liebe und Beziehungen heißen sollte, dass "man sich schlägt", sich wehtut. Er fand das ganz "normal". Bis er eine Freundin hatte, die das so ganz und gar nicht "ganz normal" fand. Dann erst merkte er auf. (wie gut, dass Gott ihn da rausgeführt hat)

Ich hatte auch arge Probleme, Hilfe zu suchen - wurde mir doch beigebracht, dass "man" über seine Probleme mit niemandem spricht. Wie kirre, sage ich heute. Wenn ich mit niemandem darüber rede, werden die auch nie verschwinden. Meine Eltern meinten es sicher gut, ihre Motivation ist für mich nicht nachvollziehbar, aber sie wollten mich sicher nur schützen. Doch sie hatte nur ihre Perspektive, nicht meine. Sie selbst kommen beide aus solchen Elternhäusern, die hinnehmen, runterschlucken, weitermachen ohne Murren. Und auch wenn ich das schon vor vielen Jahren erkannte und mir damals in den 90ern Hilfe holte, weshalb ich dann später schuldenfrei ins neue Jahrtausend ging, steckt das auch heute noch - wenig, aber es steckt - in mir und ich muss das in Situationen immer durchdenken und aufdecken mit Jesu Hilfe. (also ich muss es nicht, ich tue es oder er mit mir) Ich hatte mir mal den Arm verbrüht, den linken Unterarm. Es ist ja kaum zu glauben, wenig sich mit einem rechten Arm alleine machen lässt. Vom Hose und Unterhose herunter- und wieder heraufziehen, ausziehen, anziehen etc. bis Haushalt führen. Alles dauert drei mal so lang, wenn es denn überhaupt geht. Ich habe geschlagene zwei (oder drei?) Wochen gebraucht, bis ich soweit war, mir Hilfe zu holen. Alles war mir hochnotpeinlich, doch die Schwester, die sich meiner dann annahm, sagte, wie solltest du denn Hausarbeit machen mit nur einem Arm, einer Hand? Das muss dir nicht peinlich sein (dass es schmutzig war und viel herumstand oder -lag). Sie klärte mich auch darüber auf, wie es für sie ist, wenn sie Hilfe anbietet und sie würde ausgeschlagen. Da hatte ich zum ersten Mal quasi die andere Perspektive, über die ich nachdenken konnte. Ich sehe sie noch heute vor meinem inneren Auge, wie sie auf meinem damaligen Hochbett herumturnt und mir Liedchen trällernd das Bett abzog und wieder neu bezog. Sie hatte so viel Freude daran, mir helfen zu dürfen, zu können. Das berührte mich arg, wenn es mich auch nicht sofort von Grund auf veränderte. Aber ich denke, es war ein Anfang eines Prozesses ... eines von vielen (die wir alle immer wieder mal durchleben). - Erst jetzt zu Weihnachten hab ich meinen Eltern erzählen können, wie mir das im Grunde "geschadet" hatte (ohne dies so auszudrücken) und wie hilfreich es für mich war, über meine Probleme eben mit anderen zu reden. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was aus mir geworden wäre, wenn ich diesen Schritt nie gewagt hätte. Ich denke, das habe ich wohl Gott zu verdanken, der damals schon in meinem Leben wirkte, ohne dass ich dies merkte oder gewusst hätte. In der Rückschau mit Gott entdecke ich solcherlei Dinge.

Auch mein Erleben mit "Gottes Hilfe" sah und sieht oft nicht nach "schnell" aus, weil es Prozesse sind. Ich vertraue ihm, dass er als Steuermann die richtige Geschwindigkeit fährt und den richtigen Weg. Und wenn das Mitmenschen anders sehen, dürfen sie ihre Anderssicht gern behalten. Ich vertraue Gott und bin relaxt, wenn ich Dinge mal nicht weiß, nicht erklären kann (was mit meinem Leben zu tun hat), dann ist es nicht Zeit, dann sind andere Dinge wichtiger und meine Antworten werden irgendwann kommen. Irgendwann ... da ist dann einfach Ruhe drüber, da ist Frieden drin ...

Ich habe sicher nicht dasselbe erlebt wie du; beim Lesen deiner Zeilen hatte ich aber eine damalige Situation vor Augen. Ich war noch ganz neu auf dem Weg mit Gott und lernte ihn erst Stück für Stück kennen (was ja nie aufhört, es war eben "der Anfang"). Ich "sah" mich vor dem inneren Auge über einem Abgrund stehen, "keinen" Boden unter den Füßen (was meine Lebenssituation darstellte), aber ich fiel nicht. Ich hatte sowas wie Grummeln, Angst oder sowas, aber ich realisierte auch, dass ich nicht fiel. Das war so ein merkwürdiges unbekanntes Gefühl oder Empfinden. Da macht dir etwas definitiv Angst, also wortwörtlich "da" "macht" "etwas" "mir" "Angst" (sozusagen), sie war quasi nicht in mir diese Angst, wurde mir aber eben gemacht. Ich versuche zu beschreiben, was irgendwie unbeschreiblich ist. Meine geistigen Augen realisierten aber eben gleichzeitig, was mit mir passierte oder eben gerade nicht passierte: ich fiel NICHT. Ich stand quasi auf einem unsichtbaren Boden, unter mir der Abgrund, empfand eine absolute Sicherheit im "Stand", im Stehen und realisierte die "Angst", die mich vereinnahmen wollte. Das war schon ein wenig spooky - eben nicht von dieser Welt. (Wie schon das Erleben meiner Errettung durch Jesus von der Finsternis und das Eingepropftwerden in den neuen Weinstock.)

Dein Erleben, deine Geschichte kann ich mitnichten beurteilen, will ich auch gar nicht. Ich hab nur das Gefühl, als sei in diesem Erleben irgendetwas für dich drin. Das ist meine Hoffnung, dass dies so ist. Es möge dir ein Stück weit Frieden geben, den Frieden, der höher ist als all unser Denken, als alle Vernunft, den Frieden, der wirklich alle Dinge be-friede-n kann, weil er die Macht hat über alles.

Leistungsdenken, Sein wollen, frei sein wollen ... das alles spricht mich an, weil das auch meine tiefsten Sehnsüchte waren und immer noch sind, auch wenn sich sehr, sehr viel in meinem Leben verändert hat, na, im Grunde fast alles. Und auch wenn ich (Gott sei Dank?!) aus keinem frommen Elternhaus komme, komme ich aus einem, der Leistung mit Liebe "bezahlte". Das gibt es ja nicht nur in frommen Elternhäusern. Sein wollen, wie oft habe ich das gejammert, geklagt, gewehklagt ... einfach sein wollen ... jemand sein wollen, ich sein wollen, ohne kritisiert, beschnitten, drangsaliert oder zurechtgewiesen zu werden, einfach nur erst einmal sein. Ich sein, denn ich wusste ja nicht einmal, wer ich bin. Ich musste leider als Erwachsene auf die Suche danach gehen, wer ich bin, was ich überhaupt mag oder nicht mag. Ich musste das Leben abschütteln, dass ich für andere gelebt habe. Es ist wirklich crazy und spooky, wie in dem einen Film (mit Julia Roberts, glaube ich?) nicht zu wissen, wie ich mein Frühstücksei haben will, wie ich Toast mag und ob ich ihn überhaupt mag. So kleine Dinge - und auch große) - wusste ich von mir selbst nicht. Ich war quasi "angepasst" an das Leben derer um mich herum. Ich hatte irgendwie kein eigenes. Ich war "leer" ohne die anderen, ein niemand.

Und aus dieser Finsternis holte mich Gott. Nicht einfach mit an der Tür klingeln, okay 😀 Aber ich erkenne seine Handschrift in der Rückschau in meinem Leben und bin sehr dankbar für seine Führung auch damals, als ich ihn noch nicht kannte.

Witzig, dass im Moment bei mir gerade Dinge passieren, die einer Situation bei meiner Therapeutin damals ähneln. Eine Schwester aus meinem Hauskreis sagte heute etwas zu mir, was mir dies prompt wieder ins Gedächtnis rief. Damals in der Therapie sagte ich "gern": "Alle Männer sind doch nur Schweine." Und ihre Reaktion, die im Grund eher ein Reaktionsprozess war, ist mir wieder eingefallen. Während des Gespräches fragte sie immer wieder: "ach, Sie sagten vorhin, Sie hätten noch einen Bruder, richtig?" "Ja, genau." "Darf ich fragen, ob der jetzt dazugehört in diese Aussage (alle Männer seien ...)?" "Neiiiiiin, natürlich nicht. Das ist mein Bruder. *love*" Eine Weile später: "Ach, das hatte ich vorhin noch vergessen zu fragen, Sie sagten, sie haben einen Vater und ein recht gutes Verhältnis zu ihm. Richtig?" "Ja, genau." "Darf ich fragen, ob der jetzt auch dazugehört in diese Aussage?" "Neiiiiiiin, natürlich nicht. Das ist doch mein Vater. *love*" ... Es lässt sich sicher schon erahnen. Ich begriff, dass ich meine Aussage korrigieren musste, dass ich lernen durfte, mich anders auszudrücken und Dinge ansprechen oder aussprechen lernen kann, an dem Ort, an der Stelle, wo sie passieren, wo sie hingehören, dass ich genauer sein kann und eben "von den Männern dort" rede oder "von den Herumlungernden vor dem Tor" oder "von den Menschen, die mir dort begegneten" und so.

Deine Situation ist mit Sicherheit so ganz anders als meine. Frag mich bitte nicht, ich vertraue auf mein Inneres, dir genau das erzählen zu wollen, in der Hoffnung, dass da irgendwas für dich drin ist, in der Hoffnung, dass Gott durch irgendetwas zu dir spricht, zu deinem Inneren, zu deiner Seele, zu etwas Kaputtem als ein kleiner Stein auf dem Weg zur Heilung und Wiederherstellung.

Ich wünsche dir eine spannende Reise durch dein Ich, eine gute Verarbeitung der Eindrücke und auch genug Zeit dafür. Möge der Herr dich und die Therapeutin mit seiner sanften Hand leiten. Er hat dich im Blick. Er sieht dich. Und er liebt dich über alles. <3 🤗

neubaugoere antworten
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@neubaugoere 

Liebste amalia, (ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn ich das so sage)

Nein, überhaupt nicht. 😊 

So unglaublich vieles hat seinen Ursprung in unserer Kindheit. Das ist kaum zu glauben.

Ja, das ist wirklich unglaublich. Besonders auf unsere Eltern und unsere Beziehung zu ihnen bezogen. Habe in den letzten Monaten auch zwei weitere automatische Verhaltensmuster von mir erkannt, die mit meiner Kindheit zusammen hängen und die ich automatisch in Bezug auf das Miteinander zu Mitmenschen übernommen habe. Also, was mein selbstschädigendes Verhaltensmuster in zwischenmenschl. Beziehungen bei mir selbst angerichtet hat.

Meine Eltern meinten es sicher gut, ihre Motivation ist für mich nicht nachvollziehbar, aber sie wollten mich sicher nur schützen.

Das ist schön, dass du das so siehst und deine Eltern nicht verurteilst. Alle haben ihre Gründe, wieso sie etwas so oder so tun und sagen. Es ist nicht einfach das wegzustecken, wenn man erkennt, wieviel Egoismus in anderen steckt, die Unfähigkeit sein Leben in den Griff zu bekommen und die Kinder darunter leiden. Meine Eltern waren nie da für mich, waren immer nur mit sich selbst beschäftigt. Es war meine Großmutter, die zwar leider unfähig war uns aufzufangen und uns zu helfen wenn es um das Leben- Kontakt- Umgang im Alltag draussen ging, als wir als Flüchtlinge in ein völlig fremdes Land kamen ( Deutschland), aber wenigstens hatte sie Liebe und Mitgefühl für uns Kinder. Und das war Gold wert !!!

Daher, ich kann das schon gut nachvollziehen, was du schreibst, dass es einem schwer fällt Hilfe anzunehmen, seine Hilfsbedürftigkeit überhaupt auszusprechen, wenn man es von klein auf nicht anders kennt als sich allein durchschlagen zu müssen, weil man sonst untergeht. Man hat gelernt "kämpfe dich selbst durch, schwach sein bedeutet sonst dein Untergang" und so kämpft man und will und muss alles alleine packen. Es ist gut, dass du damals mit deiner Armverletzung Hilfe angenommen hast. Nun, ich bin noch nicht soweit wie du in dem Punkt. Obwohl ich ja schon einen für mich riesen Schritt gewagt habe, indem ich nun mit meiner Psychotherapeutin über mein Innerstes spreche. Aber Mitmenschen kann ich zur Zeit im realen Leben nicht, sehr schwer an mich ranlassen. Da hängt grad einiges dran, ist vieles im Prozeß in mir. So viele soziale Kontakte, wie ich mein lebenlang hatte.... so sehr halte ich grad alle fern von mir. Es passiert grad zu viel in mir und es ist eine menschl. Eigenschaft immer und überall seinen Senf dazuzugeben und dem Gegenüber zu sagen, was denn nun richtig und falsch ist in Situation X. Es ist unglaublich, einfach unglaublich, wie schwer es Menschen wohl fällt, den Gegenüber mit dem, was grad in ihm ist, einfach anzunehmen und mal zu schweigen. Still sein und annehmen.

Die ( fast) einzige, die das grad gut hinbekommt und auch meine Grenzen zu respektieren, ist meine Psychotherapeutin.

Auch mein Erleben mit "Gottes Hilfe" sah und sieht oft nicht nach "schnell" aus, weil es Prozesse sind. Ich vertraue ihm, dass er als Steuermann die richtige Geschwindigkeit fährt und den richtigen Weg.

Ja, das kenne ich. Ich kenne aber auch die andere Wirkweise Gottes ( du sicher auch), dass in Sekunden/Minuten etwas, was ganz fest (jahelang) in einem saß oder schwierige Umstände sich plötzlich auflösten. Und für mich war es immer eine zusätzliche Wonne, weil ich meist noch geistig dazu sah, wie es geschah bevor es sich weltlich manifestierte. So konnte ich meist gut unterscheiden, wo rein weltliche Prozesse Besserung brachten oder wo geistige Kräfte Gottes wirkten.

Und nun, wo ich in einem Zustand bin, wo ich die rein weltlichen Prozesse wahrnehme, ist es schwierig dies zu ertragen, weil ich jedesmal sehnsüchtig auf das göttliche Wirken warte. Ich weiß ja, wie es aussieht, sich anfühlt, sich bemerkbar macht und welche krassen Unterschiede es ausmacht, ob Gott zusätzlich wirkt oder ob man sich innerhalb der rein weltlichen Umstände befindet. Himmel, was für ein elendiges, leeres Seifenblasenspiel das Leben doch ohne Gottes Wirken ist.

Ich weiß, er ist da, ich bekomme seine ( unsere) Zeichen des Miteinanders, die er mich gelehrt hat. Doch er geht/ wählt grad einen seelisch sehr harten Weg (für mich) mit mir, was meine Geduld und ertragen können, extrem auf die Probe stellt und ich weiß nicht, warum.

Ich hab nur das Gefühl, als sei in diesem Erleben irgendetwas für dich drin.

Da hast du recht, es ist was für mich drin in dieser harten Situation. Auf weltlicher Ebene, aber geistig zahle ich grad einen sehr hohen Preis. Mein Vertrauen in Gott wurde noch nie so sehr auf die Probe gestellt wie jetzt.

Ich habe unzählige ( bewusste und in der Vergangenheit unbewusste) Bindungen zu Situationen und Mitmenschen, die mir geschadet haben und wo in mir steckte " ich kann das nicht loslassen, sonst folgt Konsequenz X" oder ich war mir nicht mal bewusst darüber, warum ich diese schädlichen Bindungen aufrecht erhielt und warum ich das Gefühl hatte, ich kann/ darf auf keinen Fall loslassen.... ja, nun habe ich losgelassen. Ich konnte unter den entstandenen Umständen nicht anders als loszulassen, habe nun eine innere Stärke und Stabilität in mir entdeckt loszulassen und zu merken, es passiert für mich persönlich nichts schlimmes, wenn ich loszulassen. Aber um mich herum rotieren die Leute und kommen mit meinem neuen Verhalten nicht klar.

Und ich habe grad tatsächlich sogar die innere Stärke das auszuhalten. Normalerweise bin ich dann eingeknickt, konnte es nicht ertragen andere in der Hinsicht zu enttäuschen und bin gesprungen, damit die anderen wieder zufrieden und glücklich sind ( wie es sich für eine gute Christin gehört und von Gott erwartet wird, nämlich sich hinten anzustellen und das Wohl der anderen über sein eigenes Wohl zu stellen - so dachte und glaubte ich mein lebenlang bisher).

Nun habe ich aufgehört zu springen, einfach aufgehört und stelle fest, es passiert nichts schlimmes. Ein fester christl. Boden ist weggefallen, ein massiver christlicher Untergrund in mir ist fast komplett weg und ich stelle fest, ich für mich stehe trotzdem sicher. Es ist ein extrem krass befreiendes Gefühl auf einmal festzustellen, was andere über einen reden, denken, von einem erwarten hat seine Macht über einen verloren. Ich will nicht sagen, dass alles weg ist, aber wieviele Verstrickungen es bisher gab, ich möchte sagen 90-95 % meiner Kontakte betrifft diese innere Loslösung von psychischen zwischenmenschlich entstandene Unabhängigkeiten.

Aber geistig stehe ich jeden Tag da und rufe nach meinem Vater, bitte um sein Wirken, seine Gegenwart, wie ein geschlagener Hund komme ich immer wieder bei ihm an und bettel darum seine Kraft und seine Gegenwart zurückzubekommen, doch er lässt mich gefühlt grad alleine mit der Situation. Vielleicht hätte ich weiter gemacht wie bisher, wenn er diesen harten Weg nicht mit mir gegangen wäre, aber Gott weiß, wie unerträglich mir diese Welt erscheint, wenn er sich zurückzieht. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Was für ein elendiges Wurmdasein der Mensch doch hat im Vergleich zu Gottes Gegenwart im Leben ...

Wahrscheinlich hätte ich diese krasse Veränderung in meinem Leben nicht durchlebt- geschafft, wenn alles mit Gott so geblieben wäre wie gewohnt, aber er hat tatsächlich einen Weg, Mittel gewählt mich dazu zu bringen loszulassen, was ich gefühlt als unerträglich empfinde. Ist denn jedes harte Mittel recht, um ein Ziel zu erreichen? Zu schwer ist dieser Weg noch für mich, den er gewählt hat, um mich frei zu machen.... der Preis erscheint mir noch zu hoch...

Ich habe jetzt viel geschrieben und mache erstmal ein Stop.

Gott schütze und segne dich meine Liebe !!!

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Suzanne62
Beiträge : 7690
Veröffentlicht von: @amalia

Ich bin da etwas ratlos und wollte mal in die Runde fragen, ob ihr in einer ähnlichen Situation wart und wie ihr damit umgegangen seid?

Ja, ich war auch schon in Therapie und mir geht es, was den Glauben angeht, durchaus ähnlich: er gehört zu meinem Leben einfach dazu und hat mich von Kindheit an beeinflusst und geprägt. Ein Leben ohne Gottesdienst, Gebetszeiten und christliche/katholische Feste ist für mich schlicht nicht vorstellbar.

Aber Glaube und Kirche haben (für mich) eben auch bedrückende und belastende Aspekte. Die habe ich in der Therapie auch angesprochen - was ich als sehr hilfreich empfunden habe.

Ob mein damaliger Therapeut religiös war und - falls ja - welcher Religion er angehörte, weiß ich bis heute nicht. Es gab im Eingangsbereich eine Buddha-Statue.....aber das habe ich nie thematisiert, weil es um seinen Glauben ja nicht ging.

Es gehört, so weit ich weiß, nicht zu den Vorgaben einer Psychotherapie, dass der Therapeut in irgendeiner Weise versucht, den Patienten religiös oder weltanschaulich zu beeinflussen. Er kann und soll auch keine Antworten liefern. Aber wenn er es schafft, die richtigen Fragen zu stellen, kann das im Idealfall zu einer größeren Klarheit führen und es dem Patienten ermöglichen, seine eigenen Antworten zu finden.

suzanne62 antworten
2 Antworten
Queequeg
(@queequeg)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 6313

@suzanne62 

"Er kann und soll auch keine Antworten liefern."

Es wird vielfach völlig falsch verstanden, dass der Therapeut die Antworten auf die offenen Fragen weiß und einem sagen kann und soll, wo es langgeht. Das wäre genau der falsche Weg.

Einer meiner größten therapeutischen Erfolge war einer, von dem ich gar nichts wusste, bis mir vor ein paar Jahren eine Frau in der Stadt begegnete, die mir irgendwie bekannt vorkam. Sie sagte, dass ich sie bestimmt nicht wiedererkenne. Sie sei vor ein paar Jahren meine Patientin und damals eine völlig abgewrackte Alkoholikerin gewesen - hatte sie selbst so formuliert - und ich hätte ihr das Leben gerettet. Sie war ein paar Monate jede Woche gekommen und dann weggeblieben. "Ja, sagte sie, ich habe es nicht ausgehalten, dass sie sich jede Woche Zeit für mich genommen hatten und mir nie gesagt hatten, dass ich erst einmal dies oder das tun soll, bevor mir geholfen wird. Sie haben mich einfach sein gelassen. Es hat dann noch so ein Jahr gedauert, in dem ich ständig darüber nachgedacht habe, warum der mich so respektvoll behandelt, und dann habe ich gesagt, dann kann ich das auch - respektvoll behandeln."

Tja, dann hatte sie sich neue Second-hand-Kleidung gekauft, sich beworben und eine gute Stelle bekommen und eine nette kleine Wohnung und ist seither ein total anderer Mensch. Warum? Weil ich ihr nicht gesagt hatte, was sie tun soll.

queequeg antworten
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(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 20857

@suzanne62 

Aber Glaube und Kirche haben (für mich) eben auch bedrückende und belastende Aspekte. Die habe ich in der Therapie auch angesprochen - was ich als sehr hilfreich empfunden habe.

Ah o.k., interessant, danke für diese Info. Ich glaube, es ist auch eine Hürde sich einzugestehen, dass der Glaube auch belastende Aspekte beinhaltet. Ich fühle diese Belastung nun auch deutlich. Besonders, seitdem ich wieder mehr Gemeindekontakt habe/ hatte. Ich meine, in der Bibel selbst findet man genug Anforderungen, Drohungen, Mahnungen... man kann das ja nicht ignorieren. Es ist ja alles eine Frage, wie man damit umgeht. Und, wie Gott einem persönlich begegnet. Ist er tatsächlich so, wie man das aus der Bibel rauslesen kann oder ist er so, wie er einem persönlich begegnet? Oder muss man aus dem "oder" ein "und" machen.

Ich muss/ möchte Gott neu entdecken. Die bisherige Rechung, die mir jahrelang glatt erschien, ist nun nicht mehr glatt.

Ob mein damaliger Therapeut religiös war und - falls ja - welcher Religion er angehörte, weiß ich bis heute nicht. Es gab im Eingangsbereich eine Buddha-Statue.....aber das habe ich nie thematisiert, weil es um seinen Glauben ja nicht ging.

Auch interessant. Ich dachte schon, ich könnte sie ja einfach mal fragen, ob sie gläubig ist. Dann dachte ich, vielleicht ist es grenzüberstreitend von mir. Allerdings gebe ich ihr gegenüber so viel preis von mir und bin selbst erstaunt, wie offen ich ihr gegenüber bin und ihr vertraue, weil ich durch diese Krise in mir grad niemanden aus meinem sozialen Umfeld wirklich an mich ranlassen kann. Ich blocke fast alle ab, aber ihr vertraue ich. Ich weiß nicht, ob das so schlimm wäre sie einfach direkt zu fragen, bevor ich meinen Glauben thematisiere.

Aber wenn er es schafft, die richtigen Fragen zu stellen, kann das im Idealfall zu einer größeren Klarheit führen und es dem Patienten ermöglichen, seine eigenen Antworten zu finden.

Danke dafür, dann scheine ich eine wirklich gute Therapeutin gefunden zu haben. 😊 

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JohnnyD
Beiträge : 1431

@amalia Ich sehe darin kein Problem. Die Psychotherapeuten sind nicht dazu da dich zu missionieren, sondern wollen dir helfen, dass du deinen eigenen Weg findest - und das gerade mit professioneller Distanz und ohne, dass ihr Freunde werdet.

Das Phänomen Religion ist Psychotherapeuten nicht neu, eher im Gegenteil; durch meine Frau kenne ich ein paar persönlich - ich schätze, die drängen ihre persönliche Haltung zu einzelnen religiösen Fragen ihren Klienten nicht auf; denn es geht nicht um den Therapeuten.

Und egal ob es um Ahnungen, Hirngespinste, Eingebungen geht - es ist deine Wahrnehmung und Interpretation und damit wollen und müssen Therapeuten umgehen.

An irgendwelche Vorgaben von Therapeuten glaube ich nicht. Therapeuten versuchen nicht ihre Klienten einzunorden und zum Spiegelbild des Therapeuten zu machen, sondern dort professionelle Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, wo Leidensdruck offenbar(t) wird. 

johnnyd antworten
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(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 20857

@johnnyd 

Danke auch dir für deine Antwort.

Und egal ob es um Ahnungen, Hirngespinste, Eingebungen geht - es ist deine Wahrnehmung und Interpretation und damit wollen und müssen Therapeuten umgehen.

Hmm, das sehe ich doch etwas anders. Ich arbeite nun seit ca 25 Jahren selbst im medizinischen Bereich. Und wenn z.b. eine Oma weiße Mäuse in der Luft schweben sieht und es ihr persönlich empfunden nicht direkt schadet, weil sie freudig in die Luft schaut und sich an den schwebenden Mäusen erfreut, sehe ich trotzdem handlungsbedarf. 😉 

Und deshalb wäre es schon wichtig zwischen Hirngespinste und tatsächlichem geistigen Erleben zu unterscheiden. Ich finde das sogar sehr, sehr wichtig. Sowas kann mir natürlich keine atheistische Therapeutin sagen, die alles Geistige für unreal hält, aber darum geht es in meinem Fall auch gar nicht. Ich denke, ich habe genug Erfahrung das selbst unterscheiden zu können. Mir geht es u.a. darum die belastenden Aspekte des Glaubens zu erkennen und zu ändern. Also diese loszulassen. Natürlich unter der Voraussetzung, das Loslassen entspricht Gottes tatsächlichem Willen. Das möchte ich nun, am besten ohne Druck erkunden und austesten. Loslassen und beobachten, wie Gott sich mir gegenüber verhält.

An irgendwelche Vorgaben von Therapeuten glaube ich nicht. Therapeuten versuchen nicht ihre Klienten einzunorden und zum Spiegelbild des Therapeuten zu machen, sondern dort professionelle Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, wo Leidensdruck offenbar(t) wird. 

Danke dir. 😊 

 

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Themenstarter
Beiträge : 20857

@amalia 

liebe amalia,

Danke für Deinen Mut so offen hier zu schreiben.....Plötzlich bekommst DU große Probleme in deinem Leben. 

Dein Leben wird zu einem Rätsel, was vorher schön und klar war, verändert sich plötzlich ganz schnell.

Und DU fragst Dich, wie kann ein liebevoller Gott so etwas zulassen.. DU ich kann da deine Fragen, deine 

Bitterkeit da gut verstehen. Plötzlich fühlst du ich unendlich leer, traurig, hilflos. Es scheint, als hätten

dunkle Wolken den Himmel verhängt. ...........

Deine Zweifel an einen guten Gott haben eine starke Macht.........Es fällt Dir schwer da noch zu glauben.

DU scheinst ins Bodenlose zu fallen. Wo bleibt die Menschlichkeit Gottes ...........

Und DU fragst DICH wo bleibt Gott?

Wir dürfen dankbar sein, das es Therapeuten gibt. Nur, ein Therapeut der nicht an Gott glaubt, kann

Dich schon gut verstehen, nur nicht in Deiner Beziehung zu Gott.

ER kann dir sagen, DU sollst dich selbst von Herzen lieben und annehmen, auch deine Mitmenschen,

aber ob er DIR in deiner Beziehung zu Gott helfen kann........

Letztendlich kann dir ein Therapeut nur Hilfe zur Selbsthilfe geben.................................

Er kann dich nicht heilen. Das kann nur Gott, das ist mein Glaube.

Aber du darfst deine Trauer heraus schreien, deine nackte Wut, schäme dich nicht deiner Klagen........

Unser guter Gott hält das aus. Gott ist auch in deinen Fragen, in Deiner Trauer, in Deinen Beziehungsproblemen,

und Er geht für Dich bis aufs Blut.........

Für mich ist die Bibel nach wie vor der beste Beziehungsratgeber.

Für unsere Beziehungen zu Gott, zu Dir selbst anderen Menschen.

Ja, es wird in unseren Gemeinden viel diskutiert, gestritten, wer und wie ist Gott, wer hat Recht.

Letztendlich stehen wir einmal persönlich vor Gott, da kommt es nicht auf unsere Weisheit,

unser Wissen usw. an. Da kommt es nur auf die Gnade Gottes an.

Vielleicht kannst DU dich an Zeiten erinnern, wie Dir Gott zur Seite gestanden ist, auch in schweren Stunden,

Er dich in seinen Händen gehalten hat. Dir die Treue hielt, den Feinden wehrte, wie er Dir Trost geschenkt hat.

Leid ist keine Strafe Gottes. Wir Menschen sind alle schwach, auf die Liebe und Gnade Gottes angewiesen.

Du musst kein Held sein, stark sein, gerecht sein, Gott ist das für DICH.

ER will Deine Wunden heilen, Dich wieder aufrichten.....

Ohne Gott wäre es auf unserer Erde noch kälter.

 

in guten Gedanken und im Gebet für Dich........

 

 

 

 

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Beiträge : 20857

https://www.youtube.com/watch?v=bu8tu053mOw&list=RDbu8tu053mOw&start_radio=1&rv=bu8tu053mOw

 

liebe amalia,

ich singe heute ein Lied für dich....

 

in guten Gedanken für Dich,

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Gelöschtes Profil
(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 20857

@hundemann 

Lieber hundemann, du hast es sicher gut gemeint, aber in deiner Beschreibung, wie ich mich angeblich fühle, ist deine Phantasie mit dir durchgegangen. 😉 

ER will Deine Wunden heilen, Dich wieder aufrichten.....

Ohne Gott wäre es auf unserer Erde noch kälter. 

Das stimmt. Ohne Gott wäre die Erde noch kälter. Ja, Gott will sicher irgendwann meine Wunden heilen, aber zur Zeit ist er noch damit beschäftigt einzureissen. 😬 Ich kann nur still sein und zusehen und geduldig abwarten, was da am Ende bei rum kommt.

in guten Gedanken und im Gebet für Dich........

Danke dir herzlich 🤗 

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