Der Sündenfall existiert nicht. Warum steht die Wahrheit nicht in der Bibel?
Der Sündenfall existiert nicht. Warum steht die Wahrheit nicht in der Bibel?
Meine Frage ist sicherlich sehr provokant und mag einige vielleicht abschrecken, aber es ist etwas was mich schon sehr lange, sehr beschäftigt und wofür ich noch keine Antworten gefunden habe.
Es geht für mich soweit, dass mein Glaube an Gott mehr oder weniger erloschen ist und ich die Richtigkeit der Bibel in Frage stelle und bezweifle. Dies ist aber nicht nur dieser unbeantworteten Frage geschuldet, sondern auch den schon länger anhaltenden globalen, weltlichen Umständen. Sei es Politik, Medien, Gesellschaft, Krieg usw. Glauben tue ich schon länger nichts mehr. Ich hinterfrage nur noch und mache mir mein eigenes Bild. Ich glaube was ich mit meinen eigenen Augen sehe und was für mich greifbar ist. Gott ist das für mich leider nicht (mehr)...
Aber nun zurück zur eigentlichen Frage:
Die meisten von uns kennen die Geschichte von Adam und Eva und dem Sündenfall. Der Sündenfall als Grund für die Verbannung der Menschheit aus dem Paradies auf die Erde. Jedoch mit der Möglichkeit, durch die Entscheidung für Gott auf dieser Erde, ins Paradis zu gelangen und das ewige Leben zu erhalten.
Soweit so gut. Eigentlich eine logische, glaubhafte und greifbare «Geschichte» sicherlich für die meisten Christen. Jedoch nicht wenn man gewisse Aspekte der Bibel, der Schöpfung und Gott detailliert anschaut und im Kontext betrachtet hinterfragt.
Wenn man davon ausgeht (was auch so in der Bibel geschrieben steht), dass Gott allwissend ist, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft sehen kann, stellt es die Geschichte des Sündenfalls von Adam und Eva und der Menschheit in Frage.
Gem. der Schöpfungsgeschichte, erschuf Gott mehrere Engel, darunter einer der Höchsten, den Engel Luzifer der sich später gegen Gott wandte und als Satan in die Hölle verbannt wurde.
Wenn wir nun die beschriebene Allwissenheit von Gott dazu nehmen, können wir mit Gewissheit sagen, dass Gott beabsichtigt hat den Engel Luzifer und somit Satan zu erschaffen und es kein Zufall war, dass sich dieser Engel gegen Gott gewandt hat. Dies wusste Gott bereits im Vorhinein und dies war ebenso von Gott geplant. Man kann sich nun fragen wieso Gott, Satan erschaffen hat?
Ich denke dies ist relativ einfach zu beantworten, wenn man sich den Willen bzw. den Gedanken Gottes genauer anschaut. Damit der Mensch sich für Gott entscheiden kann, braucht es einen Gegenspieler, einen Gegenpol zu Gott. Satan. Da Gott dem Menschen einen freien Willen schenkte, war das Erschaffen, die Schöpfung von Satan unabdingbar. Wenn nur Gott existieren würde, könnte sich der Mensch nicht für das Eine oder das Andere entscheiden und somit hätte der Mensch keinen freien Willen.
Um nun zurück zu kommen auf die Geschichte mit Adam und Eva und dem Sündenfall. Wenn Gott beabsichtigt hat, Satan zu erschaffen um dem Menschen einen freien Willen zu geben um sich für das Eine oder das Andere zu entscheiden, warum wird dann in der Bibel am Narrativ des Sündenfalls festgehalten? Wozu die Geschichte von Adam und Eva welche von der verbotenen Frucht gegessen haben sollen und aufgrund dieser «Sünde» vom Paradies verbannt wurden? Wie soll es sich hierbei um Sünde handeln, wenn dies alles von Gott bereits vorgesehen und so geplant war?
Ich bin der überzeugten Meinung, dass es den Sündenfall wie er in der Bibel beschrieben steht, schlichtweg nicht gibt (was natürlich nicht heissen soll, dass der Mensch kein Sünder ist...).
Warum werden diese wichtigen Fragen und Feststellungen in der Bibel nicht detailliert beantwortet und offengelegt? Warum erhalten wir nicht die komplette Einsicht in Gottes Absichten und Pläne?
Ist es, weil der einfach denkende, unkritische gläubige Christ sich solche komplexen Fragen nicht stellt und sich mit dem Narrativ der Geschichte des Sündenfalls durch Adam und Eva zufriedengibt?
Reicht dies dem durchschnittlichen Gläubigen um Gott blind zu vertrauen und an Ihn zu glauben?
Oder ist die Überlieferung oder Übersetzung des alten Testaments schlicht unvollständig oder fehlerhaft?
Vielleicht hat sich ja auch ein Theologe mit derselben Frage und Thematik auseinandergesetzt und kann mir möglicherweise eine plausible Antwort geben.
Vielen Dank fürs Lesen und es würde mich sehr interessieren, was eure Meinungen dazu sind.
Es gibt hier eine große Zahl von Interpretationsmöglichkeiten... und du bist ja noch nicht einmal auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse eingegangen, die zumindest einer wörtlichen Interpretation auch klar widersprechen.
Natürlich widersprechen auch die biblischen Aussagen, so wie von dir dargelegt, manchen christlichen Lehren... das bedeutet aber nicht, dass die Aussagen damit automatisch sinnlos werden.
Denn wenn Gott freie Menschen mit einem freien Willen wollte, dann mag damit zwangsläufig eine Rebellion verbunden sein... denn wenn der Mensch sich entschlossen hätte, im goldenen Käfig des Paradieses zu bleiben - dann wäre das keine "Freiheit" gewesen.
Heisst also: Auch wenn Gott das so geplant hat, kann es immer noch sinnvoll gewesen sein, wenn Gott ein freies Gegenüber mit einem freien Willen wollte - und keine gehorsamen "Haustiere" ohne Freiheit und Verstand.
Das mag manchem christlichen Narrativ widersprechen - aber es ändert am Ende weniger, als manche denken mögen. Die Menschen sind frei - aber mit der Freiheit kommt auch Verantwortung, damit auch mögliche Schuld und Sünde. Und am Ende der Bedarf nach Erlösung.
Und das bedeutet, dass die Geschichte auch dann nicht sinnlos wäre, wenn du mit deiner Einschätzung recht haben solltest.
Also erst einmal vorher wissen bedeutet nicht, dass Gott es geplant hat. Diese Situation lässt sich auch so beschreiben, obwohl Gott wusste, dass der Mensch sündigen würde, hat er ihn dennoch geschaffen. Und er wusste auch, dass er selbst für diese Menschen sterben würde, bevor er diese geschaffen hat, und hat es dennoch gemacht.
Und was den Sündenfall betrifft, da herrscht tatsächlich ein falsches Konzept. Die Bibel beschreibt nämlich nicht nur einen, sondern drei Sündenfälle in der Urgeschichte, und erst zusammen wird daraus ein Schuh.
Hallo, Dank für deine Ausführungen. Dein Ansatz ist durchaus interessant und berührt verschiedene theologische sowie philosophische Ebenen. Ich möchte versuchen, aus der Perspektive der philosophischen Theologie auf deine Fragen und Schlussfolgerungen einzugehen.
Ich glaube was ich mit meinen eigenen Augen sehe und was für mich greifbar ist. Gott ist das für mich leider nicht (mehr)...
Zunächst finde ich es bedauerlich, dass du nicht mehr glaubst und auch keinen Glauben mehr annehmen möchtest. Dennoch erlaube ich mir, deine Argumentation kritisch zu hinterfragen.
Wenn ich deine Aussagen richtig verstehe, vertraust du nur noch auf Dinge, die du sehen oder unmittelbar greifen kannst. Doch was ist mit all jenen Realitäten, die sich unserer direkten Wahrnehmung entziehen? Denken wir etwa an Gase, elektromagnetische Wellen oder andere physikalische Gegebenheiten dieser Art. Wir können sie nicht mit bloßem Auge sehen, dennoch wissen wir um ihre Existenz, weil wir ihre Wirkungen beobachten und messen können.
Historisch betrachtet gab es Zeiten, in denen solche Phänomene ebenfalls bestritten wurden, weil die technischen Möglichkeiten zu ihrer Messung noch nicht existierten. Wissenschaftler, die ihre Existenz postulierten, wurden oftmals belächelt oder als Fantasten bezeichnet. Erst als geeignete Instrumente entwickelt wurden, konnte sichtbar gemacht werden, was zuvor unsichtbar war.
Auf welcher Grundlage kann man daher mit Gewissheit behaupten, dass Gott niemals nachweisbar sein könnte? Woher nehmen wir das Recht zu sagen, dass eine zukünftige Erkenntnis oder ein erweitertes Verständnis der Wirklichkeit einen Gottesbeweis grundsätzlich ausschließen würde? Darüber hinaus existieren bereits heute zahlreiche philosophische Gottesbeweise, etwa der kosmologische, teleologische, ontologische oder moralische Gottesbeweis. Insgesamt lassen sich mindestens fünfzehn verschiedene Argumentationslinien unterscheiden.
Aus philosophischer Perspektive erscheint mir daher das Argument, etwas sei nicht real, nur weil es aktuell nicht empirisch beweisbar ist, als wenig überzeugend. Denn Nichtbeweisbarkeit ist nicht gleichbedeutend mit Nichtexistenz. (2. Korinther 5,7)
Wenn man davon ausgeht (was auch so in der Bibel geschrieben steht), dass Gott allwissend ist, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft sehen kann, stellt es die Geschichte des Sündenfalls von Adam und Eva und der Menschheit in Frage.
Ich vermute, du spielst auf die Frage an, ob Gott aufgrund seiner Allmacht und Omniszienz, also seines Allwissens, den Sündenfall hätte vorhersehen und verhindern können. Vielleicht sogar darauf, ob er ihn bewusst geplant hat. Hier ist zunächst eine wichtige Unterscheidung notwendig: die zwischen Präszienz (Vorherwissen) und Prädestination (Vorherbestimmung). Nur weil Gott etwas weiß, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass er es verursacht oder bestimmt hat.
Das von dir beschriebene Modell könnte man in der philosophischen Theologie als einen „Inszenierungsplan“ bezeichnen, also die Vorstellung, Gott habe den Sündenfall absichtlich in seinen Heilsplan integriert, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Diese Deutung ist durchaus interessant und wirkt auf den ersten Blick plausibel. Insbesondere dann, wenn man sie mit bestimmten zyklischen Schöpfungsvorstellungen verbindet, nach denen jede Schöpfung eine neue Ursache für die Entwicklung und Reifung des Menschen benötigt.
Selbst wenn sich ein solches Konzept mit etwas Wohlwollen biblisch begründen ließe, bleibt dennoch die Tatsache bestehen, dass es andere legitime Auslegungsmöglichkeiten gibt.
Persönlich bevorzuge ich die ältere, urchristliche Lesart, nach der die Menschheit Opfer eines kosmischen Konflikts wurde, der bereits vor dem Sündenfall existierte. In diesem Verständnis stehen die Ereignisse im Garten Eden im Zusammenhang mit einem übergeordneten geistlichen Kampf zwischen Gott und rebellischen himmlischen Mächten. Genauer mit den Halbgöttern (Göttersöhnen) (Epheser 6,12)
Die Begründung dafür ist relativ einfach. Wer die theologischen Hintergründe der biblischen Texte kennt, erkennt, dass die Schlange nicht lediglich ein gewöhnliches Tier darstellt. Sie repräsentiert eine bereits existierende widergöttliche Macht, die aus einem geistlichen Konflikt hervorgegangen ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb sie überhaupt im Garten war.
Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse spielt dabei meines Erachtens eine geringere Rolle, als häufig angenommen wird. Er war für die Versuchung nicht zwingend notwendig. Genau an diesem Punkt gerät die Theorie eines göttlichen „Inszenierungsplans“ ins Wanken. Die Schlange hätte Eva ebenso gut dazu verführen können, nicht mehr vom Baum des Lebens zu essen. Auch dies hätte letztlich den Tod bedeutet und wäre ein Akt des Ungehorsams gegenüber Gott gewesen. Schließlich hatte Gott den Menschen nicht geschaffen, damit er den Tod findet, sondern damit er lebt. (Weisheit 1,13) Die Menschen waren im Garten Eden nicht aus sich selbst heraus unsterblich. Andernfalls würde die Existenz des Baumes des Lebens wenig Sinn ergeben. (1. Mose 3,22)
Das eigentliche Problem bestand daher nicht primär darin, dass Eva von der Frucht aß. Gott hätte ihnen die Erkenntnis vermutlich ohnehin zu gegebener Zeit geschenkt. Das Problem lag vielmehr darin, dass sie Gott nicht vertrauten und den Weg zur göttlichen Reife abkürzen wollten. Sie wollten sein wie Gott. (1. Mose 3,5)
Bemerkenswert ist dabei, dass die Schlange nicht direkt log. Ihre List bestand vielmehr darin, eine Halbwahrheit so zu präsentieren, dass sie zur Verführung wurde. Eva konnte die Konsequenzen ihres Handelns nicht vollständig überblicken, weil sie zuvor keine Erfahrung mit Sünde oder moralischer Verfehlung gemacht hatte. In diesem Sinne wurde sie Opfer einer Macht, die Teil eines bereits bestehenden kosmischen Konfliktes war.
Die Folgen des Sündenfalls bestehen nach dieser Sichtweise darin, dass der Weg zur Vervollkommnung nun deutlich mühsamer geworden ist. Die Erkenntnis, die ursprünglich als Geschenk Gottes vorgesehen war, muss nun durch Erfahrung, Reifung und oftmals auch durch Leid erworben werden. Gott züchtigt den Menschen daher nicht aus Willkür, sondern aus Liebe und Gnade, damit dieser den Weg zurück zu ihm nicht verliert. (Hebräer 12,6)
Sünde ist in diesem Zusammenhang nicht primär als Strafe zu verstehen. Das griechische Wort hamartia bedeutet wörtlich „Zielverfehlung“. Sie macht sichtbar, dass der Mensch von Gott getrennt lebt. Je tiefer die Verstrickung in die Sünde, desto größer die Entfernung von Gott. Die Bibel handelt primär daher im Kern von Entwicklung, Reifung und dem Kampf gegen die Mächte der Finsternis. Gleichzeitig offenbart sie den göttlichen Erlösungs- und Heilsplan, der in Jesus Christus seine Erfüllung gefunden hat. Die Reinfolge ist wichtig. Erst die Entwicklung dann der Heilsplan.
Aus Gnade sandte Gott seinen Sohn, damit dieser durch Kreuz und Auferstehung über die Mächte der Finsternis triumphiert und die kosmische Ordnung wiederherstellt. (Kolosser 2,15) Hier begegnen wir dem klassischen Motiv des Christus Victor: Christus als Sieger über Sünde, Tod und die finsteren Mächte. Die Sünde ist nur ein Symptom, nicht die Ursache des Problems.
Gem. der Schöpfungsgeschichte, erschuf Gott mehrere Engel, darunter einer der Höchsten, den Engel Luzifer der sich später gegen Gott wandte und als Satan in die Hölle verbannt wurde.
Nicht ganz, denn gemäß der christlichen Eschatologie erfüllt Satan gegenwärtig noch eine bestimmte Funktion innerhalb der Heilsgeschichte. Auch die endgültige Öffnung der Hölle beziehungsweise des Feuersees liegt nach biblischem Verständnis noch in der Zukunft. (Offenbarung 20,10)
Darüber hinaus gibt es innerhalb einzelner theologischer Traditionen die Überlegung, ob selbst gefallene Geschöpfe aufgrund ihrer Geschöpflichkeit grundsätzlich zur Umkehr befähigt wären. Diese Position ist allerdings umstritten.
Wenn wir nun die beschriebene Allwissenheit von Gott dazu nehmen, können wir mit Gewissheit sagen, dass Gott beabsichtigt hat den Engel Luzifer und somit Satan zu erschaffen und es kein Zufall war, dass sich dieser Engel gegen Gott gewandt hat. Dies wusste Gott bereits im Vorhinein und dies war ebenso von Gott geplant. Man kann sich nun fragen wieso Gott, Satan erschaffen hat?
Der Aussage, Gott habe das Böse erschaffen, würde ich theologisch nicht zustimmen!
Wenn Gott als das höchste Gute verstanden wird, ergibt die Vorstellung wenig Sinn, dass er das Böse als etwas Positives erschaffen hätte. Das Böse besitzt nach klassisch christlicher Auffassung keine eigene Substanz, sondern stellt einen Mangel oder eine Verdrehung des Guten dar. (1. Johannes 1,5)
Demnach erschuf Gott einen herrlichen und guten Engel. Dieser Engel entschied sich jedoch aufgrund seines freien Willens gegen Gott und wurde dadurch zum Ursprung der Rebellion. Wichtig ist dabei festzuhalten, dass Satan niemals ein gleichwertiger Gegenspieler Gottes ist. Er bleibt ein geschaffenes Wesen und steht unendlich weit unter seinem Schöpfer. Selbst unter den Halbgöttern (Göttersöhnen) (Kolosser 1,16)
Ich denke dies ist relativ einfach zu beantworten, wenn man sich den Willen bzw. den Gedanken Gottes genauer anschaut. Damit der Mensch sich für Gott entscheiden kann, braucht es einen Gegenspieler, einen Gegenpol zu Gott. Satan
Nein, Gott benötigte den Sündenfall nicht zwingend für die Entwicklung des Menschen. Wie bereits erläutert, betrachte ich die Menschheit vielmehr als Opfer eines kosmischen Konfliktes.
Stellen wir uns die Frage: Was wäre geschehen, wenn Eva nicht gegessen hätte?
Dann wäre die Auseinandersetzung mit den finsteren Mächten vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt. Denn ein freier Mensch ohne Erkenntnis wäre kaum in der Lage gewesen, sich dauerhaft gegen solche geistlichen Wesen zu behaupten. Der Mensch war in seiner ursprünglichen Unschuld gewissermaßen schutzlos wie ein Kind. (1. Mose 3,7)
Wenn nur Gott existieren würde, könnte sich der Mensch nicht für das Eine oder das Andere entscheiden und somit hätte der Mensch keinen freien Willen.
Ein weiterer interessanter Gedanke betrifft die Frage nach der Freiheit. Braucht eine freie Entscheidung tatsächlich immer zwei vollständig verstandene Alternativen? Ich würde sagen: Nein.
Die eigentliche Möglichkeit zur Wahl entsteht erst durch Erkenntnis. Erst wenn ein Mensch versteht, worüber er entscheidet, kann er bewusst zwischen verschiedenen Optionen wählen. Eva verstand jedoch die Tragweite ihrer Handlung nicht vollständig, weil sie Gut und Böse noch nicht unterscheiden konnte. In diesem Sinne war ihre Entscheidung nicht dieselbe Art von moralischer Wahl, wie wir sie heute kennen.
Ist es, weil der einfach denkende, unkritische gläubige Christ sich solche komplexen Fragen nicht stellt und sich mit dem Narrativ der Geschichte des Sündenfalls durch Adam und Eva zufriedengibt? Reicht dies dem durchschnittlichen Gläubigen um Gott blind zu vertrauen und an Ihn zu glauben?
Es stimmt, dass viele Christen ihren Glauben weitgehend auf Grundlage kirchlicher Traditionen übernehmen. Das kann man unterschiedlich bewerten.
Persönlich lehne ich zahlreiche Elemente der historisch gewachsenen Kirchenlehre ab, weil ich sie nicht immer mit dem ursprünglich christlichen Glauben identifizieren kann. Mein Zugang basiert vielmehr auf den alten Texten selbst, der historischen Forschung, der Vernunft und der Führung durch den Heiligen Geist.
Deshalb finde ich es grundsätzlich positiv, dass du selbst denkst und kritisch hinterfragst. Die Bibel fordert ihre Leser sogar ausdrücklich dazu auf, alles zu prüfen. (1. Thessalonicher 5,21) Ebenso warnt sie davor, sich von äußeren Erscheinungen täuschen zu lassen. (Matthäus 7,16). Die Schrift steht immer über der Kirche da die Kirche sie lediglich verwalten darf, beziehungsweise sie unrechtsgemäß in Verwaltung nahm, in dem sie die Urkirche der Nazarener welche auf der Jerusalemer Urgemeinde aufbaute entriss.
Oder ist die Überlieferung oder Übersetzung des alten Testaments schlicht unvollständig oder fehlerhaft?
Die Lehren der Bibel stehen zudem nicht völlig isoliert von der übrigen Menschheitsgeschichte. Viele Motive und Vorstellungen finden sich bereits in älteren Traditionen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bibel unwahr wäre. Vielmehr kann dies darauf hinweisen, dass bestimmte Wahrheiten über Generationen hinweg bewahrt wurden.
Gibt es also den Sündenfall und Adam und Eva? Ich glaube daran, Ja. Lässt er sich erklären? Ich habe versucht, ihn aus theologischer und philosophischer Perspektive vernünftig zu deuten. Lügt die Bibel? Nein. Sie eröffnet vielmehr einen gewissen Interpretationspluralismus innerhalb der Grenzen ihres theologischen Zeugnisses.
Vielleicht konnte ich dir einige Denkanstöße geben und dazu beitragen, dass du den Glauben an Gott noch einmal neu betrachtest. Aus meiner Sicht ist der Weg mit Gott lohnenswerter als alle Wege, die die Welt anzubieten hat. (Johannes 14,6)
Alles Gute für dich und Gottes Segen.
@ansilu Vielleicht hat sich ja auch ein Theologe mit derselben Frage und Thematik auseinandergesetzt und kann mir möglicherweise eine plausible Antwort geben.
Man kann sich mit beliebigen Fragen und Themen beliebig lang auseinandersetzen - der Quadratur des Kreises kommt man damit nicht näher.
Also nein: logisch bekommt man den Widerspruch, den Du in Deiner Frage lang und breit darlegst, nicht gelöst.
Du hast Deine Frage übrigens in der Q&A-Sektion gepostet, d.h. hier im Thread wird sich keine Diskussion entspannen können, weil von uns anderen Usern stets nur auf Deine Eingangsfrage geantwortet werden kann.
Dennoch stelle ich Dir eine Rückfrage. Du schreibst:
Ich bin der überzeugten Meinung, dass es den Sündenfall wie er in der Bibel beschrieben steht, schlichtweg nicht gibt (was natürlich nicht heissen soll, dass der Mensch kein Sünder ist...).
Wenn es nun Deiner Ansicht nach den Sündenfall nicht gegeben hat - was bedeutet es denn dann zu sagen, "der Mensch" sei Sünder? Die Frage magst Du gern für Dich selbst* beanworten, also Deine logikbasierte Kritik (in der ich keinen groben Denkfehler finden kann) an der Sündenfallerzählung in der Bibel konkret weiter anwenden auf andere Glaubensüberzeugungen, die Du (noch?) hegst. Iin diesem Fall also vielleicht die Überzeugung, der Mensch (d.h. alle Menschen?) sei Sünder. Was soll das überhaupt bedeuten, wie ließe sich das konsistent denken, wenn man die Sündenfallerzählung als widersprüchlich verwirft? Sünde - so verstehe ich das christliche Konzept - besteht in dem Zustand der Trennung von Mensch und Gott, einer Trennung, welche der Mensch (Adam) zu verantworten hat, per freier Entscheidung, sich der Vorgabe Gottes zu widersetzen und solcherart das paradisische Vertrauensverhältnis zwischen Schöpfer und Geschöpftem** zu brechen. Wenn Du nun bestreitest, dass es diese Grundsatzentscheidung des Menschen, diese Ursünde, bzw. diesen Sündenfall so überhaupt gegeben habe (und Deine Argumentation diesbezüglich ist überzeugend) - welche Alternativlösung hast Du denn dann für die Frage, wie sonst der Zustand der Sündhaftigkeit, aus welcher die Menschen errettet werden müssen, überhaupt erst eintrat?
Streng logisch folgte aus Deinen Überlegungen für mich: Es gab keinen Sündenfall, es gibt keine Sünde, es muss also auch nicht aus dieser Sünde errettet werden, das "Kreuzesopfer" ist/war somit unnötig - die gesamte christliche Heilstheologie ist ein zirkelschlüssiger Widerspruch.
Die christlichen User hier werden vermutlich Deine Überlegungen aus dem Eingangsposting nicht teilen, bzw. denken, dass Du da irgendwo falsch liegst. Wundert mich ein wenig, dass bislang noch niemand von ihnen Dir diesbezüglich ihre entgegengesetze Sicht der Dinge erläutert hat.
*Erstens, da man in dieser Sektion ja nicht dialogisch auf einander eingehen kann, und zweitens, da ich in dieser Hinsicht keinen Bedarf an Antworten habe: für mich Atheisten ergibt das komplette religiöse Sünden-Konzept ohnehin keinen Sinn.
** Vielfach wird ja in diesem Zusammenhang nicht nur vom Sündenfall der Menschen gesprochen, sondern gleich eine ganze "gefallene Welt" postuliert - immerhin wurde ja mit dem Fruchtgenuß des Menschenpärchens auch der Tod für alle lebenden Kreaturen mit eingehandelt.
Der Sündenfall existiert nicht. Warum steht die Wahrheit nicht in der Bibel?
Weil es da nicht um eine logische Wahrheit in der Bibel geht, sondern um Gott. Und weil dieser nicht sichtbar ist für uns Menschen, gibt es eben Geschichten mit diesem unsichtbaren Gott….diese Geschichten widersprechen sich manchmal oder berichten chronologisch anders…das ist aber nicht weiter schlimm, nur ein bisschen verwirrend. Du kannst aus jeder Geschichte Aspekte mitnehmen, die dir etwas von Gott offenbaren und zeigen. Und darum geht es, weniger um einen absoluten Wahrheitsanspruch der Geschichten.
Das wird jetzt nicht deinen Drang befriedigen, all diese Widersprüche und Fragen gestillt zu bekommen…aber viel mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen.
Wenn du die Bibel wie ein Mathematikbuch lesen möchtest, das dir verlässliche Definitionen von Gott bietet, dann geht das. Ob du sie findest und sie glaubst, ist damit aber noch nicht sicher gesagt.
„Warum steht die Wahrheit nicht in der Bibel?“
Die Wahrheit steht sehr wohl in der Bibel. Gott hat einen Willen (Matthäus 6,10) und Gott ist frei (Johannes 8,32), weil er selbst die Wahrheit ist. Die Wahrheit macht frei. Damit hat Gott einen freien Willen.
Mit seinem freien Willen kann er seine Allwissenheit einfrieren bzw. für eine gewisse Zeit ausschalten oder deaktivieren.
Das hatte Gott im Paradies getan. Adam und Eva hätten es nicht gewollt, dass Gott jederzeit ihre Gedanken durchstöbert.
Gott ist gerecht, Gott zeigt auch Vertrauen, und bei Gott waren Adam und Eva frei. So hat Gott freiwillig seine Allwissenheit ausgeblendet, damit Adam und Eva frei sein konnten. Als Adam und Eva den Apfel gegessen hatten, zeigte Gott durch seine Verwunderung, dass er seine Allwissenheit nicht genutzt hatte.
Zu Lebzeiten Jesu hatte Gott in bestimmten Momenten ebenfalls freiwillig seine Allwissenheit ausgeblendet. Trotzdem ist die Allwissenheit Gottes durch den Vater erfüllt. Der Vater ist die unveränderbare Urquelle. Jesus ist sozusagen die veränderbare Urquelle, die sich dem Willen Jesu anpasst.
Jetzt wisst ihr auch, warum Gott im Paradies zunächst nichts von der Verführung durch die Schlange gewusst hat.
Hoffentlich fragt niemand: Wie soll im Paradies schon Jesus gewesen sein – mit diesen menschlichen Attributen –, wenn Jesus zu der Zeit noch nicht als Mensch geboren wurde? Gott steht über der Zeit. Das ist die Antwort. "Ehe denn Abraham ward, bin ich."(Johannes 8:58)
Die erste Erkenntnis ist natürlich, das Jesus hier meinte, dass er göttliche Attribute hat und vor Abraham existiert hat.
Legt man weiter aus, verstht man auch, dass Jesus auch bezeugt, dass seine menschlichen Attribute auch schon vorher existiert hat.
Das erklärt nämlich sein menschliches Verhalten im Paradies, zb dass er Adam und Eva nach seinem Abbild(1.Mose 1:26) geformt hat und dass er Adam und Eva mit eher menschlichem Zorn bzw. menschlicher Schwäche bestraft hat.
Jetzt sollte auch klar sein, woher Gott kam, auch wenn er schon immer existiert hat. Denn Gott hat auch einen Anfang. Und dieser Anfang kann mit der Geburt Jesu Christi zusammenhängen – zum Beispiel dadurch, dass Gott seine eigene Geburt als Mensch genutzt hat, um seinen Anfang zu definieren.
Natürlich könnte man seinen Anfang auch schon mit seinem Austritt aus dem Vater erklären. Beides als einen einzigen Anfang zu begreifen, ist schwierig zu beweisen, aber selbst das ist vorstellbar.
Und wenn Leute fragen: Wie kann der menschliche Jesus der Anfang sein, wenn zum Beispiel der Vater oder Maria vorher da gewesen sind? Ist Gott denn nicht der Anfang? Ja.
Ein Beispiel: Bei einem geschlossenen Kreis gibt es keinen Anfang. Damit der Kreis jedoch entsteht bzw. einen Anfang hat, muss man irgendwo auf seiner Linie beginnen. Irgendwo zu beginnen bedeutet, überall beginnen zu können, um den Kreis zu zeichnen.
Die Frage, ob Gott beabsichtigt hat, Satan zu erschaffen, sollte damit ebenfalls beantwortet sein. Die Antwort lautet: Nein, natürlich lehnt Gott Satan ab. Das erkennt man am Verhalten Jesu, wie er als Mensch Satan verwarf. Darum kann Gott nicht die Absicht gehabt haben, Satan zu erschaffen.
Satan hat sich selbst erschaffen. Wenn man davon ausgeht, dass der Großengel einen freien Willen hatte und sich in der „Gottesschule“ Fähigkeiten angeeignet hat, konnte er sich übermütig und groß fühlen und sich dann gegen Gott wenden. Dann kann Gott daran nicht schuld sein.
Ein Lehrer trifft keine Schuld, wenn der Schüler von ihm gelernt hat und sich später von ihm abwendet.
Gott braucht das Böse nicht, um zu existieren. Vor dem Bösen hatte Gott schon existiert. Gott ist der Anfang und das Ende; erst später kam das Böse. Der Mensch braucht das Böse ebenfalls nicht, um das Gute zu erkennen. Ohne das Böse wäre der Mensch nicht böse und würde erst recht in den Himmel aufsteigen. Das Böse macht alles insgesamt schlechter.
Menschen können zwischen etwas Gutem und etwas Hervorragendem unterscheiden. Somit hätten sie Vergleichsmöglichkeiten, um den Weg des Guten zu finden.