Nicht Zu Jesus Beten
Hallo zusammen,
ich habe eine Frage zum Gebet und würde mich über eure Einschätzung freuen.
Ich bin evangelisch geprägt und bete in meinem persönlichen Glauben immer direkt zu Gott, aber nicht ausdrücklich zu Jesus Christus. Mein Verständnis ist, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist eins sind und ich deshalb beim Gebet zu Gott automatisch auch Jesus einschließe.
Ist es aus evangelischer bzw. allgemein christlicher Sicht in Ordnung, nur Gott anzusprechen? Oder gehört es zum christlichen Gebet dazu, Jesus bewusst zu nennen?
Vielen Dank im Voraus für eure Antworten und eure Zeit.
Jesus hat gelehrt, dass wir zum Vater beten sollen. So habe ich das auch als Protestant beigebracht bekommen.
Mir ist auch keine Lehre bekannt, die besagt dass man zu Jesus beten muss (Auch wenn es viele Christen tun).
Aus der Bibel geht das meines Wissens nicht hervor, und ich hatte damit - als ich noch mehr oder weniger gläubig war - auch immer meine Probleme.
Ich würde sagen, da Jesus unser Vorbild ist und er zu Gott gebetet hat, wir auch zu Gott beten sollen.
Dass wir uU uns auch an Jesus wenden ist kein No-Go aber auch kein Muss.
Es ist vielleicht ein bisschen so: Der Vater ist gerade nicht da, um mir Mathe beizubringen…also frag ich meinen grossen Bruder….mal kindlich gesprochen.
@adamnoah Mir ist diese Fragestellung vertraut... ich weiß, daß ich das auch mal hier im Forum gefragt habe, und festgestellt, daß es ne Menge Meinungen gibt, obwohl sie ansonsten auffallend wenig diskutiert wird. Bzw. jeder hat dazu durchaus nen Standpunkt.
Persönlich denke ich, daß für jeden da ein eigener Weg bestimmt ist. Und was der eine für sich als gut und richtig empfindet, kann/sollte er nicht dem anderen als Norm überstülpen. (Möglicherweise, weil die Gefahr dazu besteht, ist das Ganze selten ein Thema. Habe ich so im Verdacht.)
Grundsätzlich adressiert unser christlicher Glaube den Drei-Einen-Gott.
Pietistisch verortet zum Glauben gekommen und mit der Frömmigkeit meiner Jugendzeit war ich sehr "Jesus-fixiert", denn der Glaube war ja die persönliche und gelebte Beziehung zu Jesus Christus, meinem Herrn und Heiland.
Im Laufe meines Glaubensweges habe ich dann - theologisch und spirituell - Gott als den "Grund des Seins" (Tillich) und den Geist Gottes (als das universale Wirken Gottes innerhalb und außerhalb der Kirche) in den Blick bekommen.
Mein persönliches Beten beginne ich heute oft mit "Herr Jesus, Abba-Vater ..." - wobei es nicht um die "Richtigkeit" der Gebets-Anrede geht, sonden um das für mich stimmige Gefühl, Jesus weiterhin zu addressieren und durch ihn und in ihm zugleich Gott zu sehen und ihm nahe zu sein.
L'Chaim
Es ist völlig in Ordnung, unseren Gott mit "Gott" anzusprechen.
Vielleicht fehlt dir einfach eine Art Verständnis für die Dreieinigkeit? (ist nur ne Vermutung, ich weiß es ja nicht) Ich red mal von mir: Jesus ist mein HERR, der am Kreuz für mich starb, mein Retter und Erlösung, IHM gehöre ich, gehört mein Leben. Gott-Vater sandte ihn. Und Jesus sandte den Heiligen Geist, der heute in mir wohnt.
Wie gesagt, es ist völlig in Ordnung, unseren Gott mit "Gott" anzusprechen.
Das Thema hat mich auch schon beschäftigt. Und dann hab ich mich eine Zeitlang bewusst an Jesus gewandt.
Wobei ich mich im spontanen Gebet immer noch ganz naiv an den 'lieben Gott' oder 'großen Gott' wende.
Ohne großes Nachdenken.