Brillen
Komischer Titel für einen Thread?
Im Laufe meines Lebens bin ich zum Brillenträger geworden ... und auf meinem Glaubensweg habe ich gelernt, dass wir alle - auch als Christen - unsere Brillen tragen, durch die wir schauen.
Was wir sehen und erkennen (oder nicht), was unsere Sehstärke (oder Sehschwäche) ausmacht, ob wir fern- oder kurzsichtig sind - all das spielt eine Rolle auch in Glaubensdingen.
Manche Brillen müssen mal geputzt werden, manche sind getönt, mancher hat eine Gleitsichtbrille für geschmeidige Übergänge bei dem, was wir anvisieren ...
Augenärzte empfehlen uns von Zeit zu Zeit neue Brillengläser und prüfen uns mit dem Erkennen von Buchstaben & Zahlen auf der Tafel: "Ist das jetzt besser ... oder lieber das?"
Optiker präsentieren uns verschiedene Brillen und sagen: "Probieren sie doch das Modell mal aus, das passt zu Ihrem Typ".
Was fällt Euch ein, wenn Ihr "im Blick auf" unseren Glauben und in Sachen "Brille(n)"?
L'Chaim
PS, kleine Anekdote: Als ich die Augenärztin mal fragte, ob die leicht abnehmende Sehkraft etwas damit zu tun hätte, dass ich zuviel vor dem PC-Bildschirm sitze, sagte sie trocken: "Nee, mit ihrem Geburtsdatum!" 😉
Ich trage mein Leben lang Brille (die Mama sagt, ich hätte meine erste Brille zum zweiten Geburtstag bekommen).
Und ich bin auf dem einen Auge kurz- und auf dem anderen Auge weitsichtig,
ich schiele ein bissel und zwischenzeitlich kommt noch die Gleitsicht für die 'geschmeidigen Übergänge' ...
Die Sehstärke verändert sich mit dem Alter und gegen die trockenen Augen (vom vielen PC-Lesen) gibt's Augentropfen.
Wenn's zu gleißend hell ist, hab ich noch eine Sonnenbrille zum Schutz der Augen.
Wenn das mal kein Stoff für eine Predigt ist ...
"Nee, mit ihrem Geburtsdatum!"
😂
Ich glaube, am Schluss werden uns alle Brillen abgenommen, so dass wir unverstellt und ungefärbt sehen können.
Das ist das eine, was mir dazu einfällt.
Das andere:
Die Brillen sind für mich nicht nur verschiedene christliche Ansichten, sondern auch die verschiedenen Religionen oder der Atheismus…so wie du sagtest: wir haben alle unsere Brillen auf, um die Welt zu betrachten.
Da ist es ganz gut zu wissen, dass wir alle in irgendeiner Form blind sind.
Dass Gott "die Augen unseres Herzens erleuchten möge" (Epheser 1,18) ist eine ernsthafte und gute Bitte ... und dass man "nur mit dem Herzen gut sieht" ist auch eine Wahrheit ("Der kleine Prinz")
Wichtig geworden ist mir, immer und immer wieder, dass wir auch als Christen - in der Begegnung, dem Austausch und ggf. der Auseinandersetzung mit- und untereinander - "BRILLEN" tragen, durch die wir schauen ... und dass die Aspekte meines Eingangspostings auch gut zu übertragen sind auf unser Sehvermögen und unsere Sehhilfen.
Wenn Jemand sagt: "Ich brauche (noch) keine Brille" oder " ich habe gar keine auf", beginnen wohl die Probleme in der Selbstwahrnehmung und und im Blick auf Gott, Welt und das Leben 😉
L'Chaim
Die Brillen sind für mich nicht nur verschiedene christliche Ansichten, sondern auch die verschiedenen Religionen oder der Atheismus…so wie du sagtest: wir haben alle unsere Brillen auf, um die Welt zu betrachten.
und nicht zu vergessen: manche Brillen haben noch zusätzliche Scheuklappen 😉
Brillen...
kann man drauftreten
kann man zertreten
Glausbausteine
verdecken.
verschönern
verbiegen
zerbrechen
Veröffentlicht von: @meriadoc
Brillen...
kann man drauftreten
kann man zertreten
Glausbausteine
verdecken.
verschönern
verbiegen
zerbrechen
Interessant im Blick auch auf "Glaubens-Brillen", was Du schreibst ... "Umschalt auf Satire Modus":
Bestimmte "Rechtgläubigkeitsbrillen-Träger" treten schon mal gerne - vom "Großen Optiker" berufen - auf anderen und fremden Brillen rum ... und bieten dann frohgemut und im Dienste ihres Brillen-Geschäftes "Himmels-Blick" das eigene Modell an 😉
Und "Glasbausteine" wär ein eigenes Thema ...
L'Chaim
Ja, die Sache, wie wir die Welt sehen.
Ich glaube ja, dass wir alle mehrere Brillen haben und sie der Situation entsprechend anpassen. Die professionelle Brille ist eine andere als die unserer Erfahrung, die christliche Brille ist eine andere als die der politischen Überzeugung vielleicht verändert sich auch weniger die Brille, sondern der Blickwinkel die Sicht durch die Brille, weil die Gläser am Rand anders geschliffen sind als in der Mitte. Die rosa Brille der Verliebtheit zeigt uns einen Menschen anders als die Brille des Hasses.
Es ist schon eigenartig, wenn man bedenkt, dass es bei den meisten Dingen kaum Objektivität gibt, weil jeder Mensch die Dinge nur durch die Brille seines Erfahrungshorizontes wahrnehmen kann.
Veröffentlicht von: @channuschkaEs ist schon eigenartig, wenn man bedenkt, dass es bei den meisten Dingen kaum Objektivität gibt
Gibt es überhaupt Objektivität(en) für uns?
Ich lese: "Objektivität beschreibt die Eigenschaft, Informationen, Urteile und Forschungsergebnisse sachlich, unvoreingenommen und unabhängig von der eigenen Person, persönlichen Gefühlen oder Meinungen zu bewerten. Sie steht im direkten Gegensatz zur Subjektivität."
L'Chaim
Ich denke, das Objektivität in gewissen Maße erlernbar ist. Juristen müssen das z.b. lernen (nicht allen gelingt das). Es gehört dazu Rationalität und wohl auch eine Prise Gewissenlosigkeit. Denn ein Gewissen ist nicht objektiv.
Insofern, vielleicht ist Subjektivität gar nicht so schlecht.
VG
Chey
Ja und nein, denke ich.
Gesetze, die in dieser Welt ganz unterschiedlich ausfallen können, sind Übereinkünfte. Relative Übereinkünfte, die auf Werten basieren, die eine Gesellschaft, eine Kultur, ein Sozialwesen sich gibt. Objektivität im justistischen Bereich bedeutet, sich innerhalb dieses Rahmens zu bewegen- diese Maßstäbe gelten zu lassen, vorgegebene Regeln und Verfahrensweisen einzuhalten. Und sich nicht leiten zu lassen von eigenen Maßstäben und Sichtweisen.
Aber "objektiv" muss man auch zur Kenntnis nehmen, dass historisch, soziologisch, kulturell & religiös diese für objektiv gehaltenen Festlegungen eines "Rechtssystems" in anderen Kontexten auch abweichen oder ganz andere sein können.
Es ist schwierig und ich bin weder juristisch noch philosophisch oder wissenschaftlich ein Fachmann ... Aber ne Brille (und sei es eine kollektive) ist immer im Spiel, oder?
Oder geht es um Annäherungswerte???
L'Chaim
Ich glaube nicht, dass Objektivität erlernbar ist.
Auch Juristen sind nicht objektiv. Ist auch nicht vorgesehen. Jeder Richter ist dem Gesetzt und seinem Gewissen verpflichtet - und damit ist eine Subjektivität im Rechtssystem zentral eingeschrieben (Gewissen). Und allein die Tatsache, dass Gesetzte immer auch einer Auslegung unterworfen sind, und diese unterschiedlich ausfallen kann, zeigt die Subjektivität in der Juristerei.
Man kann Tatsachen ("Person tot/Geldbeutel nicht auffindbar") objektiv festhalten, aber die Wertung dieser Tatsachen unterliegt wieder dem Subjektiven denken des Richters/Staatsanwalt/Verteidigers.
Die schlechthinnige Objektivität ist ein Mythos, den wir gerne glauben, den es aber auf dieser Welt nicht gibt - auch nicht mit KI, denn die ist von sehr subjektiven Wesen trainiert.
Ich schrieb ja 'in gewissen Maße '.
Juristen lernen schon eine Art von Objektivität. Natürlich steht am Ende auch eine Subjektivität, aber sie wird doch klein gehalten. Zumindest lernt man das so. Ob Richter und Staatsanwaltschaft dann später immer noch so machen? Da hast Du wohl Recht.
Und auch selbst kann man zumindest objektiver werden, allein schon dadurch, daß man sich seine Subjektivität bewusst macht. Achtsamkeit ist hier ein interessantes Stichwort.
VG
Chey
@chey Ich weiß nicht, ob man objektiver wird, wenn man sich seiner Subjektivität bewusst wird, aber man kann sicher andere Ansichten eher stehen lassen oder durchdenken, weil man sich eben bewusst ist, dass man da selbst eben nur seine Sicht und Interpretation kennt.
Naja, also In Dingen wie Mathematik oder Naturwissenschaften allgemein gibt es schon sowas wie Objektivität.
Bei allem anderen neige ich immer mehr zu der philosophischen These, dass es keine Objektivität gibt, weil das Subjekt (also, der wahrnemende Mensch) immer sich selbst in den Vordergrund stellt, bzw. seine Sicht immer durch seine Vorerfahrung und Co geprägt ist und es ihm daher unmöglich ist, etwas wirklich objektiv zu sehen. Wobei es durchaus möglich ist, dass sich jemand fast gänzlich zurück nimmt in seiner Betrachtung einer Angelegenheit und zumindest versucht einen anderen Standpunkt einzunehmen.
seitdem ich auch einmal in den Schuhen von awhler laufe, meine eigene Brille absetze, und durch seine
Brille sehe, kann ich ihn besser verstehen. (nach einem alten Indianerspruch).
Aber ob ich da objektiv und neutral bleiben kann ?
Vielleicht wenn wir noch unsere Gitarren austauschen, beide auf auf den gleichen Ton stimmen,
aber auf welchen ?
Zumindest es versuchen, das kann schon viel helfen.
liebe Grüße,
Veröffentlicht von: @hundemann... meine eigene Brille absetze, und durch seine Brille sehe, ...
Wenn ich durch eine andere Brille als die meine gucke, wird mir schwindelig ...
Meine Brille muss passen - ansonsten ist es bestenfalls eine Sehhilfe.
(In Bezug auf eine laufende Diskussion würde ich z.B. KI so einstufen)
(von der Seitenlinie ins Feld eingeworfen:)
Ich vermute nicht ... oder?
Aber wenn ich sie tragen darf und die Marke nicht aus dem Verkehr & Verkauf zu ziehen ist, dann können wir doch schön neben- , zu- oder auch getrennt laufen.
Ich war übrigens mal privar bei Herrn Deichmann, aber das ist ne andere Geschichte. Und hier gehts ja auch mehr um Fielmann & Co 😉
L'Chaim
"bevor du jemand verurteilst, solltest du einen Tag in seinen Mokassins gehen."
Das ist ein indianisches Sprichwort.
Das heißt eigentlich einen Menschen versuchen zu verstehen. Oft verurteile ich zu
schnell auch andere Menschen. Wenn ich aber versuche, mich in einen Menschen einzufühlen,
warum ein Mensch so glaubt, lebt, was sind seine Hintergründe, Lebensweg, Lebenserfahrung.......
Ob mir die Schuhe von awhler passe, oder ich sie mir passend mache, ob ich sie
von der Farbe her schön finde......
Aber ich kann versuchen es anzunehmen, zu verstehen, weil Christus mich ja auch
annimmt so wie ich bin.......
liebe Grüße,
nehmt einander an
Ich denke es ist uns überhaupt nicht möglich durch die brille eines anderen zu sehen, weil wir nie seinen Charakter, seine Erfahrungen und dergleichen haben können.
Wir können versuchen seinen Blickwinkel einzunehmen, aber durch seine Brille zu sehen?
Veröffentlicht von: @channuschkaIch denke es ist uns überhaupt nicht möglich durch die brille eines anderen zu sehen, weil wir nie seinen Charakter, seine Erfahrungen und dergleichen haben können.
Wir können versuchen seinen Blickwinkel einzunehmen, aber durch seine Brille zu sehen?
Mmhh ... ich bringe es mal vom Individuellen auf eine andere Ebene bzgl. unseres Glaubens.
In meinem Regal steht ein Buch mit dem Titel "Warum versteht ihr meine Bibel nicht?" ... Schon der Titel ist originell und löst Fragen aus: "Wieso MEINE Bibel? Ist es nicht die EINE Bibel, die wir alle lesen? Sie gehört doch weder DIR noch MIR?" usw.
Die verschiedenen Beiträge thematisieren verschiedene Zugänge zur Bibel, Lesarten und sozusagen "Brillen", mit denen die Bibel wahrgenommen und interpretiert wird: Jüdisch, in der "Schwarzen Theologie", tiefenpsychologisch, evangelikal, existential, politisch, befreiungstheologisch, historisch-kritisch, fundamentalistisch, lutherisch, inter-religiös etc. ...
Ist es haltbar und vertretbar zu behaupten, es gibt nur EINE "richtige" (korrekte, geistgeleitete, von der Bibel selbst autorisierte) Lesart - also NUR EINE BRILLE mit der richtigen Sehschärfe für alle? Oder ist es in der Tat so, dass - im Streit um die Bibel und das richtige Verstehen - die verschiedenen Brillen zwangsläufig, unvermeidbar und auch im guten Sinne mit in jedem Bibel-Lesen dabei sind?
Dann sind es nicht nur "Blickwinkel", sondern eben "Seh-Schärfen", die mich - mit anderen aufgesetzten Brillen- erkennen lassen, was ich ohne sie nur unscharf, verzerrt oder überhaupt nicht sehen könnte ... Und ich "lese" plötzlich mit anderen Brillen, was da "tatsächlich" (auch noch oder grundsätzlich) steht ...
L'Chaim
Dann sind es nicht nur "Blickwinkel", sondern eben "Seh-Schärfen", die mich - mit anderen aufgesetzten Brillen- erkennen lassen, was ich ohne sie nur unscharf, verzerrt oder überhaupt nicht sehen könnte ... Und ich "lese" plötzlich mit anderen Brillen, was da "tatsächlich" (auch noch oder grundsätzlich) steht ...
Das gilt aber nur, wenn die Brille vorher nicht zu dir gepasst hat und erst die neue Brille dann die richtige ist.
Mit anderen Brillen sieht man normalerweise nichts bzw. nicht so gut wie mit der eigenen.
Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Ja, das mit den "anderen Brillen" (des Glaubens) ist in der Tat ne Einladung zum Weiterdenken ... und was Du schreibst, ist so.
So könnte es auch sein, dass ich dringend, wg. zunehmender Sehschwächen, mit der ich vielleicht schon ne Zeitlang unterwegs bin, mich mehr oder weniger aus Bequemlichkeit arrangiere, den Weg zum Arzt und Optiker rauszögere, doch dringend "neue (stärkere) Gläse"r brauche und damit ne "andere Brille". Vielleicht mit dem "Aha"-Effekt, wie toll es plötzlich ist, "neu" und scharf zu sehen ... "Wär ich doch schon eher mal ..." usw.
Ich könnte auch empfohlen bekommen, mal ein Brillenmodell mit größerer Sicht-Optik/größeren Gläsern auszuprobieren, um mehr "in den Blick" zu kriegen als mit der bis dato vielleicht schicken, aber schmalen Brille.
Möglichwerweise (ich erweitere es mal) könnten wir auch in Richtung "Tönung" statt Sehschärfe denken ... nun ja, "rosarote Brillen" solls geben und "alles verdunkelnde Sonnenbrillen", aber auch Gläser, die leicht in die ein oder andere Richtung getönt sind ... egal welche Dioptrien
Und manchen Brillen sitzen einfach schief, drücken, verrutschen ständig - da braucht's Modell-Korrekturen 😉
L'Chaim
oT: kleine Gläser sind schick, aber natürlich schränken die die Sicht ein. Völliger Unsinn sind diese schicken kleinen Sonnenbrillen die man auch gern mal in Filmen sieht. Bloss nicht selbstdunkelnde Gläser, die verdunkeln immer dann wenn man es nicht will dann lieber 2 Brillen (Sonnenbrille in Sehstärke gibt's bei den Optikerketten oft für wenig Geld drauf). Gleitsicht ist mein Favorit, aber nur das beste Glas, weil da Sichtfeld und Preis sehr stark zusammen hängen.
VG
Chey
Veröffentlicht von: @sternDann sind es nicht nur "Blickwinkel", sondern eben "Seh-Schärfen", die mich - mit anderen aufgesetzten Brillen- erkennen lassen, was ich ohne sie nur unscharf, verzerrt oder überhaupt nicht sehen könnte ... Und ich "lese" plötzlich mit anderen Brillen, was da "tatsächlich" (auch noch oder grundsätzlich) steht ...
Das gilt aber nur, wenn die Brille vorher nicht zu dir gepasst hat und erst die neue Brille dann die richtige ist.
Was wiederum voraussetzt, dass ich einen guten Arzt oder Optiker habe, der mir die Brille richtig anpasst.
D.h. ein anderer muss wissen, was gut für meine Augen ist.
Mit anderen Brillen sieht man normalerweise nichts bzw. nicht so gut wie mit der eigenen.
Wie schon geschrieben - mit einer fremden Brille wird mir schwummrig.
Veröffentlicht von: @awhlerIst es haltbar und vertretbar zu behaupten, es gibt nur EINE "richtige" (korrekte, geistgeleitete, von der Bibel selbst autorisierte) Lesart - also NUR EINE BRILLE mit der richtigen Sehschärfe für alle? Oder ist es in der Tat so, dass - im Streit um die Bibel und das richtige Verstehen - die verschiedenen Brillen zwangsläufig, unvermeidbar und auch im guten Sinne mit in jedem Bibel-Lesen dabei sind?
Angeblich - ganz angeblich, ich kann nicht daran glauben - gibt es zwischenzeitlich eine 'Eine-für-Alle-Brille', die sich auf die jeweiligen Gegebenheiten der unterschiedlichen Augen einstellt.
Keine Ahnung, wie das gehen soll - bei mir hätte so eine Brille viel zu tun.
Ich glaube, wir sind an der Grenze des Bildes angelangt. Denn der Unterschied zwischen Brille und Blickwinkel ist jetzt doch sehr definitionswürdig und ungenau.
Ist es haltbar und vertretbar zu behaupten, es gibt nur EINE "richtige" (korrekte, geistgeleitete, von der Bibel selbst autorisierte) Lesart - also NUR EINE BRILLE mit der richtigen Sehschärfe für alle? Oder ist es in der Tat so, dass - im Streit um die Bibel und das richtige Verstehen - die verschiedenen Brillen zwangsläufig, unvermeidbar und auch im guten Sinne mit in jedem Bibel-Lesen dabei sind?
Nein, es gibt sicher nicht nur eine richtige Auslegung der Bibel. Manch einer, der das behauptet, hat sogar diese eine richtige Auslegung in seinem Leben revidieren müssen, weil Erfahrung und weitere Informationen seine Art der Auslegung verändert haben.
Für mich ist die Brille, die Gefühle, Erfahrungen, das Wissen etc, die meinen Blick auf die Welt prägen. Davon kann ich eines mehr in den Vodergrund rücken als das andere, kann Dinge weglassen oder hinzunehmen, aber ich kann ohne sie sehe ich nichts.
Unterschiedliche Arten die Bibel auszulegen (tiefenpsychologisch, feministisch, orthodox, etc) sind für mich daher die unterschiedlichen Blickwinkel, unter denen ich den Text betrachte. Manchmal entdecke ich dadurch neues, manches kann ich nicht richtig sehen, weil meine Brille unter dem Blickwinkel spiegelt oder ich durch den Rand des Glases schauen muss, wo alles nicht mehr so scharf ist, oder so. Wenn ich dann meinen Standpunkt verändere, verändert sich einerseits meine Brille (weil meistens braucht es dazu neue Erfahrungen und/oder neues Wissen), aber ich schaue auch anders durch die Brille und dann sehe ich aus dem selben blickwinkel scharf, wo davor alles verschwommen war.
Ja, mit diesen Gedanken hast Du recht ... und ob "Blickwinkel" oder "Brille(n)": So oder so läuft es wohl darauf hinaus, sich der eigenen Relativitäten bewusst zu bleiben und andere Blickwinkel oder Brillen, die u.U. nicht die meinen sind, zu akzeptieren oder eben sogar davon zu profitieren - im Sinne von "Ich sehe was, was Du nicht siehst" 😉
L'Chaim
ja, aber manchmal sehen andere Menschen objektiver als ich selbst. Meine blinden Flecken
verdränge ich gerne..............
Wir sind nach Gottes Ebenbild geschaffen, und Gott selbst schaute am Ende jedes Schöpfungstages
zurück, und sagte es war gut. Gesunde Selbsteinschätzung ist gut.
Menschen, zu denen ich eine gute Beziehung habe, darf ich fragen.
Gerade wenn es um Begabungen geht...damit ich mir nicht einbilde, etwas zu sein, was ich
gar nicht bin. Versuchen der Wahrheit meines Lebens ins Auge zu schauen.
liebe Grüße,
Wir schauen der Wahrheit ins Auge...........