Benachrichtigungen
Alles löschen

Christ ohne Kirche

Seite 1 / 2

Gnadengeschenk
Themenstarter
Beiträge : 30

Hallo,

leider hatte ich das Thema in Q&A gestellt. Und dank dem Tipp möchte ich es hier mit euch besprechen.

Wie gesagt tue ich mich zur Zeit schwer mit Gemeinden. Die hier in der Nähe passen für uns nicht. Da ich Sonntags früh arbeiten muss, kommen andere in der Ferne nicht in Frage. Ganz allgemein merke ich, dass ich mit Gemeinden keine guten Erfahrungen gesammelt habe. Ich schaue lieber Gottesdienste auf Youtube aus anderen Ländern. Wo Glaube noch anders gelebt wird. Ich höre auch viele als Podcasts. Also ich kriege neben der Bibel sehr viel Input von Pastoren online. Aber ich hadere...kann man Christ sein ohne Mitgliedschaft in der Kirche? Ohne einer Gemeinschaft persönlich anzugehören?

Antwort
21 Antworten
Deborah71
Beiträge : 17190

@gnadengeschenk 

Christ bist du erstmal durch Christus, aus Glauben.

Deine erste Gemeinde ist deine Ehe oder Familie, wenn ihr Kinder und noch Eltern habt.

Durch den Kirchenaustritt sehe ich dich in einer Übergangszeit in der du nichts übereilen sollst.  Bleib dran an Jesus, dem Vater und dem Heiligen Geist....du kannst sie alles fragen... manchmal dauert die Antwort ein wenig, manchmal kommt sie sofort. Über die online-Gottesdienste lernst du verschiedene Gemeindeformen kennen.... das bringt Orientierung.

Die Führung durch den Heiligen Geist ist eine spannende Sache.

deborah71 antworten
1 Antwort
Gnadengeschenk
(@gnadengeschenk)
Beigetreten : Vor 3 Wochen

Beiträge : 30

@deborah71 Von ganzem Herzen danke für deine liebe Nachricht! Gott segne dich!

gnadengeschenk antworten


IchBinsLight
Beiträge : 3

@gnadengeschenk 

Deine Anmerkung

"Ganz allgemein merke ich, dass ich mit Gemeinden keine guten Erfahrungen gesammelt habe."

kann ich aus persönlicher Betroffenheit sehr gut nachvollziehen. Ich habe in verschiedenen Gemeinden ALLES erfahren: Jesus "hautnah" erlebt, die besten Freunde gefunden, die schlimmsten Irrlehren gehört und die tiefsten pers. Verletzungen erlebt.

Seit ca. 15 Jahren bin ich ohne Gemeinde (waren zuletzt in einer EFG) und gebe es zu, dass ich dieses "Gemeindegedöns" nicht wirklich vermisse. Die regelmäßige Begegnung mit Jesus aber schon. Aber ich habe auch erfahren,  dass Jesus immer an meiner Seite ist, ich seinen Segen täglich spüre und ich es bin, der sich mal näher, mal weiter weg bewegt. ER ändert sich nie, auch wenn man mal keine Gemeinde hat. Es gibt heute so viel andere gute christliche Quellen, die einem Orientierung geben können.

Wichtig finde ich, dass man wenigstens eine paar gute und echte christliche Freunde hat, mit denen man sich offen und ehrlich austauschen kann.

In Gemeinden geht es oft auch nur um Macht, wer Recht hat (oder meint, Recht zu haben) und sich mit seiner "Erkenntnis" durchsetzt. Darauf verzichte ich gerne.

Jesus hat gesagt "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben". Darauf vertraue ich. Alles andere ist zweitrangig...wenn überhaupt.

ichbinslight antworten
1 Antwort
Gnadengeschenk
(@gnadengeschenk)
Beigetreten : Vor 3 Wochen

Beiträge : 30

@ichbinslight Spannend. 15 Jahre sind eine lange Zeit! Danke für den interessanten Einblick!

gnadengeschenk antworten
Goldapfel
Beiträge : 833

@gnadengeschenk 

Hallo, ich kopiere zunächst noch einmal meinen Beitrag aus Q&A. Das waren die Gedanken, die mir spontan dazu kamen und zu denen ich immer noch stehe.

Ich behaupte mal, dass man zwar Christ sein kann aber geistliches Wachstum halte ich ohne eine verbindliche Gemeinschaft mit anderen Gläubigen für schwerer, aus folgenden Gründen:

Die Versammlungen waren ja nicht nur dazu da, geistlichen Input zu erhalten. Man sollte sich gegenseitig mit seinen Gaben erbauen. Jeder hat eine Bedeutung, ist am Leib Christi wichtig. Im großen wie im kleinen Kontext.

Eisen schärft Eisen. Man gibt sich gegenseitig Korrektur.

Es heißt, dass die ersten Christen an der Liebe untereinander erkannt wurden. 

Wir sollen uns gegenseitig zu guten Werken anreizen.

Im Umgang mit Menschen, die Gott mir in der Gemeinde an die Seite stellt, kann ich Liebe, Annahme, Demut und Vergebung praktisch üben. Denn nicht jede Schwester, nicht jeder Bruder liegt mir gleichermaßen am Herzen.

Online Gottesdienste haben ihre Berechtigung, aber sich allein daran zu halten und sich nicht verbindlicher Gemeinschaft außerhalb einer Ehe oder Freundschaft zu stellen, wenn man es könnte, kommt mir, wenn ich oben aufgeführte Punkte bedenke, wie der einfachere und weniger zielführende Weg vor.

Das soll dich jetzt nicht drängen, dir unbedingt sofort eine neue Gemeinde suchen zu müssen. Deborahs Punkte finde ich sehr wichtig. Aber du solltest dich auch nicht drauf ausruhen, dass es ja schon immer so passt und reicht, wenn man online Gottesdienste verfolgt. Gott zu fragen, was er meint, wo man hin soll, ist sicher das beste.

Was ich außerdem für sinnvoll halte, in der Findungsphase deine unguten Erfahrungen mit Gemeinden zu Gott zu bringen und die aufzuarbeiten. Was nicht vergeben und losgelassen wurde, behält Macht über mich und verfolgt mich in andere Gemeinden. Natürlich geht das loslassen selten ruckizucki, es ist ein Prozess. Aber ich halte es für immens wichtig. 

goldapfel antworten


Evana2
 Evana2
Beiträge : 34

@gnadengeschenk,

Hallo Gnadengeschenk,

seit der Pandemiezeit sehe ich es wichtiger denn je, sich an Jesus festzuklammern.
Gemeindezugehörigkeit ist eher Beiwerk, aber nicht entscheidend, ob ich Mitglied
in der evangelischen, katholischen oder einer Freikirche angehöre.

Wichtig ist mir allerdings der gemeinsame Austausch mit Glaubensgeschwistern und das 
gemeinsame Gebet. Gerade weil die heutige Zeit so herausfordernd ist.

Gemeinsamkeit macht stark. Wenn man alleine kämpft, braucht man doch wesentlich mehr
Kraft, als wenn man zu zweit oder zu dritt unterwegs ist. Das schreibe ich aus Erfahrung,
da ich das 1. Halbjahr während einer vom Arbeitsamt verordneten Maßnahme, doch als
bekennende Christin dort sehr allein war. 

Der wöchentliche Gebets- und Hauskreis hat mich in dieser Zeit sehr gestärkt.
Dort konnte ich auftanken und die herzlichen Umarmungen waren Balsam für meine Seele.
An den Sonntagen in der kleinen Gemeinde fehlte mir der persönliche Raum. Das empfand
ich eher als Oberflächlich und eher zusätzlich erschwerend in meiner Krisenzeit.

Ich wünsche dir auch, dass du Glaubensgeschwister an deiner Seite hast, die dich auch in
schweren Zeiten begleiten und durchtragen.

Liebe Grüße
Evana 

evana2 antworten
neubaugoere
Beiträge : 12362
Veröffentlicht von: @gnadengeschenk

Wo Glaube noch anders gelebt wird.

Hej, was genau ist daran das Spannende für dich oder euch? Was genau wird "anders" gelebt? Wie wird es "hier" gelebt? - Aus eigener Erfahrung kann ich meinen Geschwistern zustimmen, wir haben einen Gott der Beziehung, einen Gott der Nähe, einen Gott der Offenheit, einen Gott, der Dinge anspricht, der den Finger in Wunden legt, WEIL er sie heilen möchte. Denn Heilung ist Gottes Wille. Unsere Heilung ist Gottes Wille. Niemand von uns kann sich selbst heilen. - Gott hat einen wirklich starken Gedanken gehabt, sehr kraftvollen Gedanken, als er sich das mit diesem "Leib" ausgedacht hat. 😉 Es geht dabei nicht so sehr darum, ob mir einzelne Geschwister gefallen oder ob die Wände grün oder rot gestrichen sind, ob der Gottesdienst montags oder sonntags stattfindet oder oder oder ...

Ich hab in meinem Leben genau zwei Zeiten durchlebt ohne Gemeinde. Die erste Zeit war die, als mich Gott zu sich zog. Die zweite Zeit war die, als meine erste Gemeinde "starb". - Ich habe viel nachdenken können in dieser Zeit über mich, über Gemeinden, über Gott, wer ER ist und wer ich bin und auch, wer ich in IHM bin. Und es war eine sehr gute "Lehreinheit" für mich. Denn worum geht es hierbei eigentlich? Nicht um grüne Tapete oder schwarze Gummistiefel oder ob es Kaffee gibt oder nicht. Es geht doch darum, was Gott will. Was ist SEIN Wille? Und diesen seinen Willen kann jeder der Schrift entnehmen. Tjoa, nun ist das mit dieser Schrift nicht so, dass da genau drinsteht: Gehe zwei Querstraßen weiter, biege einmal links ab und dann hast du dein Ziel (Gemeinde) erreicht. Du darfst keinen Gehstock benutzen und keine Wasserflasche dabeihaben. - Was wir alle in der Schrift finden, ist sein Wesen, ist seine Hingabe, seine Liebe zu uns und wie sie sich ausdrückt. Und ich finde darin auch seine "Idee" von einem Schutzraum, von einem Entwicklungsraum, von Heilungsräumen, von Räumen, wo Freud und Leid miteinander geteilt wird.

Gottes Welt ist Geist. Wir sind nicht aus dieser Welt, leben aber in dieser Welt. - Ich vergleiche das mal mit einer Krankheit: Wer es sich in ihr (der Krankheit) gemütlich gemacht hat und sich mit ihr arrangiert hat - will er wirklich gesund werden? Ich weiß, das ist provokant, herausfordernd. Sind wir "verwachsen" mit dieser Welt? Haben wir es uns hier "gemütlich" gemacht, genießen die Annehmlichkeiten und wollen keine Veränderung? - Genau dies steht dem, was Gott will entgegen. Denn Gott will unsere Heilung, Gott will unsere Entwicklung, Gott will uns verändern hin zu dem, was wir in der Bibel in seinem Sohn Jesus Christus finden. Wir sind nach seinem (Ab-)Bild geschaffen und Gottes Willen steht geschrieben, dass er uns verändern will, dass wir seinem Sohn immer ähnlicher werden. Das bedeutet aber Veränderung. Das bedeutet, sich mit Gott und sich selbst auseinanderzusetzen. Das bedeutet, auch in seine eigenen "Abgründe" zu schauen. - Und an diesen Stellen gibt es zwei Wege, quasi eine Kreuzung: Will ich das, was Gott will - Veränderung, Heilung, Entwicklung? Oder will ich keine Veränderung, weil alles gut so ist wie es ist? Vielleicht ist es ja auch nicht gut, wie es ist, aber ich will trotzdem keine Veränderung? Und Veränderung meint nicht eine grüne Tasse zum Kaffee zu haben statt einer blauen oder demnächst koffeinfreien Kaffee zu trinken statt mit. Wir sehen in dem, was wir über Jesus Christus lesen, wie sehr wir uns von ihm unterscheiden, wenn wir ehrlich sind. Und all das möchte Gott "aus dem Weg" räumen. Aus Liebe. Und Gott KANN. Er kann alles möglich machen. "Hinderungsgründe" gibt es nur in meinem Kopf. Und auch die KANN Gott beseitigen.

Wir sind nicht von dieser Welt. Wir haben unsere Heimat in Gott (wir Christen, die wir Christus kennen und ihm gehören). Welche Welt lieben wir mehr? Diese hier? Seine? In welcher Welt wollen wir leben? Wem wollen wir folgen? Wonach streben wir?

Ich bin sehr, sehr dankbar für meine Gemeinde. Auch, wenn sie "so anders" ist als ich. Gott sieht mich dort und so folge ich ihm. Er hat einen Plan damit: mit mir und mit der Gemeinde. (Das gilt für mich, muss nicht für andere gelten.) Gott hat in den letzten acht, fast neun Jahren viel getan in meinem Leben. Er hat mich verändert, ent-wickel-t (ausgewickelt, befreit). Und dazu hat er meine Geschwister in dieser Gemeinde genutzt. Er hatte und hat einen Plan, und wenn Gott sagt, dass es gut ist, dass ich dort bin, dann ist das so, auch wenn ich das teilweise anders sehe. Es wird gut sein für meine Ent-wick(e)l-ung. Ich durfte viel erkennen, ich durfte viel über meine Mauern springen, Gott hat Mauern eingerissen, er hat mich gelehrt, er hat mir viel gezeigt. Und ich durfte lieben lernen, mich und andere. Und ich durfte lernen, mich lieben zu lassen. Ich habe mich kennengelernt, all meine Ecken und Kanten, eben meine Mauern, meine Hinderungsgründe, meine Abgründe und IHN. Und ich bin noch laaaange nicht fertig. 😉 - Es ist oft herausfordernd. Ich mag dieses Wort: heraus-fordernd. Da fordert jemand heraus, herauszutreten aus dem, worin man es sich gemütlich gemacht hat.

Die Frage ist: Folge ich dieser Heraus-Forderung?

neubaugoere antworten
3 Antworten
Evana2
 Evana2
(@evana2)
Beigetreten : Vor 3 Wochen

Beiträge : 34

@neubaugoere 

Liebe Neubaugoere,

eine Menge Text, eine Menge Fragen zum Nachdenken. Schön! 🙂

Ich kämpfe mich gerade noch mit einem neuen Laptop (ist nicht so mein Ding),
durch eine noch für mich neu gestaltetes Jesus.de Forum. Beides nicht so einfach 
für mich. Nach fast 1 Jahr Abstinenz.

Deine Fragen:
Was genau ist das Spannende für dich? Was genau wird anders erlebt? Wie wird es erlebt?
Worum geht es eigentlich? Was ist Gottes Wille? Sind wir verwachsen mit der Welt? 
Haben wir es uns gemütlich gemacht, genießen die Annehmlichkeiten und wollen keine
Veränderung? 
Gott will: Veränderung, Heilung, Entwicklung bei uns sehen? Ja, definitiv!

Vielleicht stellen wir uns erstmal die Frage: Was ist Gemeinde für mich?

Gemeinde für mich ist der Zusammenschluss, das Zusammensein mit Gleichgesinnten, die
Sich nach mehr von Gott, nach ihm ausstrecken, die ihn gemeinsam anbeten, bitten und 
ihn und sein Wesen (das, was wir von ihm/an ihm erkannt haben) in die Welt tragen.

Für mich ist Gemeinde nicht an eine Konfession oder Kirche örtlich gebunden, sondern
überall, wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, ist er da.
Geht es mir schlecht, suche ich instinktiv nach Christen, die mich stärken, trösten, ermutigen
oder auch korrigieren. Menschen, die mir zeigen: Hey, du bist wichtig, wertvoll, Gott liebt dich
und ich auch.

Ich denke, dass ich zu oft eher einen Club, einen Verein, ein Ein-Mann-Unternehmen erlebt habe,
was sich Gemeinde nennt! Einer oder eine kleine Gruppe macht Programm, die anderen sind 
Zuhörer und Konsum-Isten. Ist uns wirklich von Pastoren aufrichtiges Interesse und Zuwendung
entgegen gebracht worden? Haben wir uns anderen geöffnet? Sehen wir in dem Anderen ein Liebesbedürftigen oder Liebesgeber? Kommen unsere Gaben und Talente zum Vorschein? Werden
sie wahrgenommen und gefördert?

Mittlerweile habe ich wohl meine besondere Gabe: "Ein Licht für Heiden zu sein!" erkannt.
Sei du selbst! Sei so wie du bist! sagte ein Dozent letztes Jahr zu mir.
Ich nahm ihn beim Wort und Jesus kam heraus. Gelebter Glaube, authentische Glaube, herausfordernder Glaube. Plötzlich war die Gott-istin sichtbar! Satanisten und Menschen, die den Tod verherrlichen gibt es schon genug.

Dadurch wurde ich aber sonderbar für meine Gemeinde: Anstatt den Gottesdienst beizuwohnen und artig der Predigt zu hören, wurde ich "rebellisch". Stand draußen an der Straße, sang Glaubenslieder und wartete auf Menschen.

Nun suche ich meine Rolle in der "Gemeinde". Noch habe ich sie dort nicht gefunden. 

Die Welt geht auf ihr Ende zu. Wir Christen wissen oder vermuten, dass es für uns ein Happy End gibt. Die anderen ahnen das Ende, aber sie wissen nicht, wohin? 

Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt. Wir sind zur Liebe und zum Zeugendienst berufen.

Liebe Grüße
Evana

 

 

evana2 antworten
MikeFromMUC
(@mikefrommuc)
Beigetreten : Vor 3 Wochen

Beiträge : 2
Veröffentlicht von: @evana2

Vielleicht stellen wir uns erstmal die Frage: Was ist Gemeinde für mich?

Hallo Evana und die anderen Mitleser,

eine persönliche Antwort auf Deine Frage ohne Anspruch, gültig fürandere zu sein:

Gemeinde gehört für mich zu meinem Glauben dazu, und zwar ausdrücklich die Konfession, die spezielle Kirchengemeinde, der zugehörige Pfarrer mit seinem Team, die Ehrenamtlichen sowie alle Gemeindemitglieder.

Aufgewachsen bin ich im Landkreis München, also im katholischen Oberbayern. Als Protestant war ich in der Schule immer derjenige, der im Religionsunterricht die Klasse verlassen mußte. Schulgottesdienste fanden stets in der katholischen Kirche statt. Gleichzeitig erlebte ich eine junge, progressive Kirchengemeinde, in der ich mich wohlfühlte. Kindergottesdienst, Jungschar, Konfi-Unterricht, Nach-Konfi-Gruppe, Kinderbibelwoche, Zeltlager, Gemeindefeste. Ich traf dort Menschen, die ich als Gemeinde erlebte. Die wesentliche Gemeinsamkeit bestand in der Konfession und in der Zugehörigkeit zu genau dieser Kirchengemeinde. Mir gefällt diese Gemeinsamkeit. 

Als Erwachsener zog ich nach München und wurde Teil einer sehr aktiven und großen evangelischen Kirchengemeinde. Auch hier nahm ich am Gemeindeleben teil: Krabbelgottesdienst für meine Kinder, Kindergottesdienst, Gemeindeausflüge, Sommerfeste, Konzerte, Theateraufführungen, Fernsehgottesdienste. Ich wurde aufgenommen wie von einer Familie, eine sehr große Familie. 

Seit ein paar Jahren wohne ich in einer viel kleineren Stadt, in der nur 10 Prozent der Menschen evangelisch sind. Die Kirchengemeinde bietet wenig Aktivitäten und dadurch wenig Möglichkeiten, die Gemeindemitglieder besser kennenzulernen. Die Corona-Maßnahmen verhinderten viele Kontakte. Wir hadern schon ein wenig mit der Situation und vermissen das Gemeindeleben. Meine Frau engagiert sich im Kindergottesdienst, so daß wir darüber Leute kennen lernen. So haben wir immerhin Kontakt zum Pfarrer und zur Kirchenmusikerin. Der große Durchbruch in der Gemeinde steht aber noch aus.

Wir haben in dieser Zeit auch die Fühler ausgestreckt nach Alternativen. Freikirchen sind mitunter sehr aktiv und offen. Auch online gibt es viele Angebote. Wir haben zum Beispiel den Kindergottesdienst aus dem tiefsten Schwabenland genossen und den Sänger Mike Müllerbauer kennen und schätzen gelernt.

Was ich aber auch festgestellt habe: Mir ist die eigene Gemeinde wichtig. Auch wenn nicht alles rund läuft. Mir ist es wichtig, Menschen aus meinem Umfeld zu begegnen, die meinen Glauben, meine Konfession teilen. Wir mögen in anderen, vor allem in weltlichen Fragen ganz unterschiedliche Meinungen haben, aber im Glauben bin ich in meiner Konfession verwurzelt und freue mich über Gleichgesinnte.

Das merke ich besonders stark, wenn ich in anderen Gemeinden bin. Bei Freikirchen oder in der katholischen Kirche begegnen mir immer Elemente im Glauben, die mich irritieren. In anderen evangelischen Gemeinden hingegen bemerke ich die gleichen Glaubensgrundsätze wie in meiner Gemeinde. So fühle ich mich auch im Urlaub geborgen, wenn ich an der Ostsee oder am Gardasee in einen evangelischen Gottesdienst gehe.

Ich fühle mich als Teil der Kirchengemeinde in meiner Stadt, als Teil der evangelischen Kirche in Bayern, der evangelischen Kirche in Deutschland und als Teil der Christengemeinde in der Welt. Es ist wie eine Familie, zu der ich gehöre. Gott hat meinen Weg in genau diese Gemeinde gelenkt, und wenn es mit den Menschen dort einigermaßen paßt, sehe ich meinen Platz hier.

Das heißt nicht, daß ich andere Konfessionen oder Gemeinden meide. Ich schätze die Ökumene sehr und finde, wie oben geschrieben, besonders die Freikirchen spannend. Ich freue mich über das Gemeinsame und interessiere mich in einem positiven Sinn für die Unterschiede. Gleichzeitig sehe ich auch einiges in der EKD, was mich ärgert, und finde die Gottesdienste zu steif und evangelische Predigten oft zu langatmig und kompliziert.

Doch letztlich ist meine Gemeinde mein sicherer Hafen im Glauben, wo ich weiß: wir teilen die Grundlagen unseres Glaubens.

Schönen Gruß vom Mike

mikefrommuc antworten
Evana2
 Evana2
(@evana2)
Beigetreten : Vor 3 Wochen

Beiträge : 34

@mikefrommuc 

Hallo Mike, 

in vielen, was du schreibst, finde ich mich wieder, allerdings habe ich es in Rheinland-Pfalz so erlebt, als
evangelische zwischen katholischen Schülern. Auch ich musste die Klasse im Religionsunterricht verlassen.

Erst in Schleswig-Holstein an der Ostsee ab 2010 hat meine Gemeindezugehörigkeit gewackelt und ich habe
mich aus einigen Gründen anderweitig orientiert. Zum einen bin ich stark aufgrund von Leidenserfahrungen
im Glauben gewachsen und brauchte daher ein neues Umfeld, zum Anderen brauchte ich auch noch mal
einen Neustart durch die Erwachsenentaufe aufgrund von Schuld und Sünde Erlebnissen.

Erst durch die Lockdowns und Corona Maßnahmen fällt es mir schwer mich größeren Gemeinden vor Ort anzuschließen. Vor Jahren habe ich auch in Gospelchören mitgesungen, geprobt und Auftritte erlebt.
Vielleicht versuche ich es wieder, da anzudocken. Mal sehen. Im Moment ist bei mir noch viel im Umbruch.

Liebe Grüße von der Ostsee.
Evana  

evana2 antworten


Seite 1 / 2
Teilen: