Lukas 6:34-35 Anderen etwas leihen, ohne es zurückzuerwarten.
Eine kleine Frage in die Runde. Soeben bekam ich ein Telefonat einer Tante, die eigentlich sonst nie anruft.
Bevor ich weiterfahre, muss ich erwähnen, dass mein Vater vor zwei Monaten nach langer Krankheit verstorben ist. Er war innerhalb der Verwandtschaft derjenige, der bei Problemen (finanzieller, organisatorischer Art) immer als erster an Ort und Stelle war, manchmal sogar dann, wenn keine Hilfe notwendig war oder gar nicht erwünscht war.
Erst zwei Monate ist es her.
Ich wohne mit meiner Familie im „Ausland“ und uns geht es finanziell gut. Und von allen Nichten und Neffen die es gibt (und eigene Kinder haben sie auch, denen geht es gar nicht schlecht), bin ich nun ausgerechnet diejenige die heute gerade von dieser Tante und diesem Onkel angerufen wurde. Mit gebrochener Stimme klang es: „Ein grosses Problem, dringend, wir bezahlen Ende nächste Woche zurück …“.
Na? Jesus hat es klar gesagt. Eigentlich sollte ich. Es ist aber ein grosser Betrag, den ich von zwei Bankkonti zusammensuchen muss (ich arbeite selber leider nicht, und ich erwarte Streit, wenn ich dies mit meinem Ehepartner bespreche). Und ich zweifle hart daran, dass ich es nächste Woche wieder haben werde. Und vor allem befürchte ich, dass es nicht bei einmal bleiben wird.
Ich möchte diese Rolle als Troubleshooter der Verwandtschaft ehrlich nicht übernehmen …. Wie könnte ich vorgehen, so dass es auch Jesus gefallen würde? Ich habe Ihn schon gefragt und Er wird mir schon helfen.
Vielleicht aber seid Ihr ein Teil Seiner Hilfe? Hat jemand hilfreiche Gedanken zu dieser Frage?
Guten Montagmorgen
Hier noch ein Nachtrag zur Geldleihgeschichte. Ich habe mich ja mit klaren Worten geweigert, zu zahlen. Die Weigerung war richtig, mein Ton vielleicht doch etwas zu hart …
Am nächsten Morgen schickte mir die Tante per Mail „Unterlagen“ ihres so vertrauenswürdigen Projektes und dann standen mir die Haare zu Berge. Das war aus meiner Sicht eindeutig Betrug. Ich habe sie gewarnt und gesagt, sie sollen gleich heute Montag zur Bank oder gar zur Polizei. Ihre Kinder durfte ich leider nicht informieren, das hatte ich hoch und heilig versprechen müssen.
Aber die Tante sagte, ich verstehe das alles nicht, sie wissen sehr wohl, was sie machen, sie kennen ihren persönlichen Agenten mittlerweile sehr gut und bis jetzt hat es alles immer geklappt.
Das Ganze hat sich nun so herausgestellt, dass Onkel (85) und Tante Opfer (fast 80) von Betrug geworden sind. Mein Cousin, ihr Sohn, hat zum Glück irgendwie erfahren, dass (auch) ich um Geld gebeten wurde und hat sich umgehend bei mir gemeldet.
Ja, seine Eltern haben ihr ganzes Vermögen auf ein dubioses (aus ihrer Sicht sehr sinnvolles) Start-up Projekt für „junge Unternehmer“ gesetzt, wurden seit über ein Jahr von einer kriminellen Bande manipuliert. „Leider klappt etwas nicht mit der Überweisung, Systemfehler Blockchain, kannst du (mit süssem Nickname) bis Montag noch eine Pfandsumme von x Euro zahlen, dann kommt es gut, du kriegst dein Pfand noch in der gleichen Woche zurück. Versprochen, wir kennen uns doch.“ Und das ging so weiter, immer wieder.
Skrupellos. Ihre Ersparnisse sind weg, und es gibt auch kein Bargeld mehr. Obendrauf Schulden bei Menschen, die ihnen doch Geld geliehen haben …. Dieses Elend ist nun in den Händen ihrer Kinder, denen es finanziell gut geht (und die offenbar schon öfters vergebens gewarnt hatten). Heute geht’s zur Polizei. Es tut mir so leid für sie alle.
Über „christliches Verhalten“ habe ich Einiges gelernt, was ich eigentlich schon wusste, aber worüber ich je nach Situation immer wieder zweifle:
Jesus‘ Anweisungen und die 10 Gebote gelten aus meiner Sicht in der Regel für die „Normalsituation“. Ein Versprechen nicht brechen? Normalerweise nicht, aber wenn Menschen in Gefahr sind, sollte man. Ich hätte meinen Cousin direkt anrufen sollen.
Geld ausleihen, auch wenn du vorher schon weisst, dass du es nicht mehr zurückbekommst? Normalerweise ist diese Einstellung ganz richtig, wenn du es selber verkraften kannst, und die Gegenpartei dadurch geholfen wird. Aber nicht, wenn die Gegenpartei dadurch noch mehr Probleme bekommt.
Und so kann man die Liste erweitern. Scheidung darf es nicht geben? Nein, man soll alles machen, damit dies nicht nötig wird. Wenn du aber blau und blutig geschlagen wirst, oder psychisch krank gemacht wirst, sieht es anders aus.
Jemandem auch die andere Backe anbieten, wenn du auf den einen geschlagen wurdest? Ja, es kann sehr wohl deeskalierend wirken, wenn man in einer normalen, nicht lebensbedrohlichen Situation sogenannte Schwäche zeigst und so die Gegenpartei den Wind aus den Segeln nimmst. Eine starke Taktik. Aber nicht wenn dir gerade den Kopf eingeschlagen wird und Tot und Verderben droht.
Es ist ja eigentlich so einfach. Jesus will mit seinen Anweisungen und Regeln unsere Herzen und unsere Lebenseinstellung beeinflussen. Die grosse Kunst des erfüllten Lebens in Gottes Schöpfung und nach Gottes Vorstellung.
Es sind aber keine konkrete Handlungsanweisungen für lebensbedrohliche Situationen. Meine Meinung.
Bleibt noch die Sache mit der Feindesliebe. Soll ich für diese skrupellosen Betrüger beten? Ja. Soll ich sie lieben? Ach ….
Hier verweise ich auf den Thread von Stern zum Thema Feindesliebe.
Meine Güte, wie skrupellos wird gegen ältere Herrschaften vorgegangen, um ihnen ihr Alterssicherung zu stehlen.
Super, dass du auf deine Intuition gehört und nachgefragt hast ...auch hier.
Einen Grundsatz dazu möchte ich dir gerne weitergeben: Wenn dir mit einer Sache unwohl ist (Störung des Inneren Friedens), dann ist das vom Heiligen Geist her erstmal ein Nein. Dann geht man nachforschen, wo der Haken ist, bis sich die Sache klärt.
Gott sei Dank können deine Verwandten jetzt nicht weiter ausgenommen werden und die Polizei bringt hoffentlich die Bande zur Strecke. Und du bist auch nicht geschädigt worden in deiner Familie. Zudem wünsche ich deinen Verwandten, dass sie nun besser mit ihren Kindern in ein Vertrauensverhältnis kommen und sie gleich mit einbeziehen, wenn es um Finanzen geht.