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Bedeutung sakraler Räume für christliche Gemeinden

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GoodFruit
Themenstarter
Beiträge : 1654

Hallo Community,

ich möchte mir mit Euch zusammen Gedanken darüber machen, welche Bedeutung sakrale Bauten - also Kirchen - für christliche Gemeinden haben. Ist das nur ein beliebiger Versammlungsort oder wohnt diesem Ort etwas Besonderes, etwas Heiliges, inne, das ihn für das Glaubensleben bedeutsam macht?

Inspiriert hat mich die Hochzeit von Christian Lindner und seiner Frau, die beide nicht Mitglied einer Kirche sind, aber in einer Kirche geheiratet haben. Über diese Hochzeit, den Ort, die Gäste, die Kosten usw. wurde ja viel diskutiert und ich wundere mich ein wenig, dass es hier nie ein Thema war. Zur Hochzeit selber kann ich sagen, dass ich Christian Linder von Herzen alles Gute wünsche und dass ich mich darüber freue, dass er eine schöne Feier an einem besonders schönen Ort haben durfte. Ich will da einfach neidlos gönnen und mich einfach mitfreuen.

Weshalb mich diese Hochzeit dann doch zu diesem Thread inspirierte ist folgendes: Ich kann mich erinnern, dass es eine Zeit gab, in der für viele Kirchenmitglieder zentrales Moment ihres Dranbleibens an der Gemeinde, die Möglichkeit war, besondere familiäre Anlässe wie z.B. eine Trauung in der Kirche feiern zu können. Der Ort war da fast wichtiger als der Pfarrer und es ist eine "richtige Kirche" ja auch ein gutes Umfeld für das Jawort. Es war klar, dieser Ort nicht offen war für Hochzeiten, wenn beide zu trauenden Partner nicht in der Kirche waren.

Die Hochzeit in der Kirche zu Keitum markiert nach meinem Eindruck hier eine historische Wende. So empfinde ich das zumindest. Die Kirche wird zur Event-Location mietbar für jeden, der es sich leisten kann (ich denke mal, dass die Kirche da angemietet wurde und nicht einfach so zur Verfügung stand).

Das dürfte Konsequenzen haben einmal für die christlichen Gemeinden, die sich vermutlich bald von all jenen Gemeindegliedern Abschied nehmen dürfen, die nur wegen der Exklusivrechte an der Kirche noch an Bord waren. Dann aber auch für die Kirchen selbst, die jetzt nicht mehr den Gottesdienst als einzig zentrales Moment haben.

Als kleinen Input habe ich ein PDF im Netz gefunden, das sich mit sakralen Räumen in verschiedenen Religionen befasst:

https://www.potsdamer-toleranzedikt.de/wp-content/uploads/2018/11/IRK-2016.pdf

Herausgegeben hat es ein Verein "Potsdamer Toleranzedikt e.V.".

Ich finde da den Beitrag zum christlichen Verhältnis zu Sakralbauten (Seite 4 im PDF) eine sehr gute Übersicht.

Das Christentum startete ja als jüdische Sekte. Für Paulus waren es immer die jüdischen Gemeinden, die er zuerst aufsuchte und wo er den Gottesdienst besucht haben dürfte. Darüberhinaus fand das speziell christliche Leben in den Häusern der Gemeindeglieder statt - heute würden wir das wohl "Hauskreise" nennen.

Mit Kaiser Konstatins Zuwendung zum Christentum (bzw. jener Mischform aus Christentum und Anbetung des Sol Invictus, die ihm als Christentum verkauft wurde), entstanden erste große christliche Sakralbauten, die sich von Basiliken ableiteten, die für die Krönung von römischen Kaisern verwendet wurden - wo dann einfach das Kaiserbild durch eine Jesusdarstellung ersetzt wurde. An sich ja eine wirklich schöne Geste und ein schönes Bild: wir krönen im Gottesdienst Jesus zum Kaiser! (wobei: hat das nicht eigentlich Gott schon ein für alle Mal gemacht?). Der Talar der Pastoren ist übrigens von der alten römischen Beamtenbekleidung abgeleitet.

In dem oben verlinkten Dokument findet sich folgende Aussage: "Es gibt keine besonderen sakralen, heiligen Räume mehr. Das ganze Leben soll geheiligt sein. Das Christentum ist seit Pfingsten, dem Fest der Geistkraft Gottes, eine ortlose Religion, oder besser: eine Religion an allen Orten."

und weiter unten im Text:

"Kirchen sind aus evangelischer Perspektive Orte der Einkehr, der Stille, des Gebets, der Musik und der Feier, Orte der Verkündigung der frohen Botschaft, der liebevollen Zuwendung Gottes zu seiner ganzen Schöpfung. Es ist das Anliegen, der Gottsuche einen schützenden Raum zu geben, auch wenn sich die äußere Form von Kirchen verändert."

Damit ist die Aufgabe der Kriche, des Kirchengebäudes, in evangelischem Kontext gut umrissen. Es sind Orte der Gottesbegegnung und Orte, wo diese Gottesbegegnung einen besonderen geschützten Raum erfährt.

Bei diesem Schutzraum denke ich oft an dieses Jesuswort:

Mt 23,37 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!

Für mich ist das ein Bild, das ich gerne verwende, wenn ich Schutz suche. Ich stelle mir dann bildlich vor, wie ich in Golgatha unter dem Kreuz stehe - und Jesus hat die Arme weit ausgebreitet. Unter diesen ausgebreiteten Armen finde ich Schutz wie ein Küken unter den Flügeln der Glucke. Und wer wissen möchte, wie mächtig so ein Schutz ist, darf gerne mal versuchen einer Glucke ein Küken zu nehmen ...

Diesen Schutz kann ich wirklich überall haben. Vielleicht sind Kirchen ein Ort, wo man diese Visualisierung besonders gut einüben kann. Aber auch ganz praktisch haben ja immer wieder Menschen in Kirchenbauten Schutz gesucht - in Kriegen, bei Sturmfluten an der Küste, im Kirchenasyl ...

Ich sehe diesen Schutzraum nicht durch eine Teilnutzung der Kirche als Eventlocation gefährdet. Wohl aber scheint mir jeder inner Zwang zur Gemeindemitgliedschaft aus Gründen der Option der Kirchennutzung gebrochen zu sein. Das dürfte einerseits ein reinigender Effekt sein, weil sich so die Gemeindeglieder auf jene reduzieren dürften, denen der Glaube ein wirkliches Anliegen ist. Andererseits könnte das durch viele Kirchenaustritte Gemeinden in Geldnöte bringen - Geldnöte, die vielleicht sogar die Finanzierbarkeit eines alten sakralen Raums unmöglich machen könnten.

Und wenn das passiert, dann ist die eigentlich zentrale Funktion der Kirche als Gebäude in Gefahr.

Nicht überall dürfte sich die Umwidmung so extrem gestalten (das hier war mal ein Gotteshaus der NAK):

https://www.gruseleum.de/

Aber der geistliche Schutzraum mit dem besonderen Charakter ist dann futsch.

Nun Fragen von mir an Euch:

Wie wichtig ist die Kirche für Euren Glauben?

Könntet Ihr Euch vorstellen, dass die Kirche als Eventlocation vermietet werden könnte?

Für welche Events würdet Ihr das einschränken wollen?

Wären Euch auch deutlich günstiger zu betreibende Zweckbauten ein möglicher Ersatz für eine alte Kirche?

Sind sakrale Bauten für Euch von bvesondere Bedeutung - und wenn ja: welche Bedeutung haben sie für Euch?

Viele Grüße

GoodFruit

 

Antwort
14 Antworten
Kintsugi
Beiträge : 499

@goodfruit Die Hochzeit in der Kirche zu Keitum markiert nach meinem Eindruck hier eine historische Wende. So empfinde ich das zumindest. Die Kirche wird zur Event-Location mietbar für jeden, der es sich leisten kann (ich denke mal, dass die Kirche da angemietet wurde und nicht einfach so zur Verfügung stand).

Das denke ich nicht. Die Pastorin der Kirche hat das Hausrecht, wenn sie dort in ihrer Kirche jemanden trauen möchte, kann sie das tun. Ob das Ganze allerdings kirchenrechtlich überhaupt erlaubt war (kirchliche Trauung zweier aus der Kirche Ausgetretener) müsste ich erst genauer recherchieren, dazu hatte ich bisher noch keine Zeit.

Für Mitglieder ist das ja gratis. Ich nehme an, sie hat es auch für Lindner und seine Frau gratis gemacht, aber die beiden haben dann ja wohl etwas gespendet. Aber das ist etwas anderes als „mieten“.

Sind sakrale Bauten für Euch von bvesondere Bedeutung - und wenn ja: welche Bedeutung haben sie für Euch?

Ja. Es sind für mich Orte, in denen Menschen im Gebet ihre Anliegen vor Gott bringen und ihrer Freude über Gott miteinander teilen. Es sind Andachtsräume. Von daher sind sie für mich etwas Besonderes, dem Alltag Enthobenes. Und ich verhalte mich dort respektvoll. 

kintsugi antworten
6 Antworten
Kintsugi
(@kintsugi)
Beigetreten : Vor 6 Monaten

Beiträge : 499

Nachtrag: Ich habe das mal eben nachgeschaut, weil es mich nach diesem ganzen Hin- und Her interessierte. Und dazu folgendes gefunden:

„Trauung ohne Kirchenmitgliedschaft - gibt es Ausnahmen und für wen gelten sie?

Ja, es gibt Ausnahmen. 

In den „Grundlinien kirchlichen Handelns“ der Nordkirche steht:

„Ein Kasualgottesdienst kann auch gefeiert werden, wenn Menschen, die nicht Kirchenmitglieder sind, danach fragen; ein Anspruch auf einen Kasualgottesdienst besteht für sie nicht. Wenn ein Kasualgottesdienst auf Anfrage eines Menschen, der nicht Kirchenmitglied ist, gefeiert wird, dann dient die Nordkirche nach ihrem Selbstverständnis damit Gott durch die Verkündigung des Evangeliums. Sie nimmt sich aber auch der Menschen in ihrer besonderen Situation an. Und sie lädt damit diejenigen, die nicht Kirchenmitglieder sind, ein, Mitglieder zu werden."

Quelle: https://www.nordkirche.de/dazugehoeren/trauung/

 

Auf der Seite steht dann noch mehr zur kirchlichen Trauung, was ich hier aber nicht alles zitiere.

Aber es ist so wie ich vermutete: Die Pastorin kann das entscheiden nach eigenem Empfinden und Gespräch mit dem Paar. 

kintsugi antworten
GoodFruit
(@goodfruit)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 1654

@kintsugi Danke Dir, Kintsugi,

Die Grundlinien der Nordkirche bringen da Intention und Möglichkeiten der Pfarrer vor Ort (wobei ich erwarten würde, dass eher die Ältesten das entscheiden) schön deutlich hervor. Und wenn es denn eine Trauung war, bei der die Kirche mehr als Location, mehr als reine Deko war, dann hat das sicher sein Gutes.

Auf der anderen Seite werden so Präzidenzfälle geschaffen. Was sagt ein Pfarrer einem Paar, bei denen keiner in der Kirche ist und heiraten möchte und einen deutlich anderen sozialen Status hat? Gibt es da ein "Nein", dann kann man sich gewiss sein, einen Kirchenhasser geboren zu haben.

Außerdem kann man aus der Kirche nicht nur austreten sondern es gibt auch die Möglichkeit, einzutreten. Und nicht jedes Gemeindeglied ist wirklich gläubig. Ich bin mir sicher, dass viele auch deshalb in der Kirche sind, weil sie die gesellschaftliche Aufgabe der Kirche achten und das Angebot der Kirchen wie soziale Einrichtungen, Kindergärten etc. schätzen. Und dann ist, wenn ich es richtig sehe, gibt es die Möglichkeit die Kirchensteuer auf Antrag zu deckeln. Für einen Supergutverdiener ist Kirchensteuer wirklich zahlbar!

Aber die Sache mit der Trauung von Lindners war ja nur mein Einstieg.

Bleibt die Frage nach der Bedeutung von sakralen Räumen, die Du ja schon in ersten Posting für Dich beantwortet hast.

Aber vielleicht mag sich ja noch jemand anders dazu äußern.

Schönen Sonntag!

GoodFruit

goodfruit antworten
Kintsugi
(@kintsugi)
Beigetreten : Vor 6 Monaten

Beiträge : 499

@goodfruit 

Dir auch noch einen schönen Sonntagabend (hoffentlich erträglich, wir haben es sehr heiss…)!

Unten hast Du dieses Zitat reingesetzt an Ihoovpee:

Es gibt keine besonderen sakralen, heiligen Räume mehr. Das ganze Leben soll geheiligt sein. Das Christentum ist seit Pfingsten, dem Fest der Geistkraft Gottes, eine ortlose Religion, oder besser: eine Religion an allen Orten.

Ich finde ja, das eine schliesst das andere nicht aus. Christentum findet ja nicht nur im Gottesdienst statt, nicht nur in der Kirche. Aber irgendwo müssen die Leute sich ja versammeln können. Ob das nun in einem Saal oder einer Kirche ist, ist so gesehen natürlich beides möglich. Das hat ja auch einfach einen ganz praktischen Sinn. 

Was mir aber auch noch eingefallen ist in dem Zusammenhang: Ich finde es wichtig, dass auch nach Aussen die Kirchen sichtbar sind. Wir sind ja immer noch ein Land mit christlicher Tradition und christlichen Werten (hoffentlich). Und das soll und darf man auch an Kirchtürmen sehen und an den Kirchenglocken hören, die am Sonntag und/oder Samstagabend läuten. 

In muslimischen Ländern ruft der Muezzin zum Gebet, das ist für mich dort auch ganz klar und selbstverständlich.

Warum sollten wir das anders handhaben, indem wir zum Beispiel immer öfter das Läuten der Kirchenglocken als Lärmbelästigung verbieten und Kirchengebäude oder Klöster in Wellnessoasen verwandeln?

kintsugi antworten
billy-shears
(@billy-shears)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 1593

@goodfruit 

Was sagt ein Pfarrer einem Paar, bei denen keiner in der Kirche ist und heiraten möchte und einen deutlich anderen sozialen Status hat? Gibt es da ein "Nein", dann kann man sich gewiss sein, einen Kirchenhasser geboren zu haben.

Ich wüsste tatsächlich keinen vernünftigen Grund, warum man eine solche Bitte grundsätzlich ablehnen sollte, ganz unabhängig vom sozialen Status.

billy-shears antworten
lubov
 lubov
(@lubov)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2518

@goodfruit 

Als eine der "Ältesten" (wir nennen uns anders, aber was du meinst, ist ja das "gemeindeleitende Gremium", und das sind wir) in meiner Gemeinde (nicht Nordkirche) würde ich von unserem Pastor erwarten, dass er einen Gottesdienst anlässlich einer Trauung völlig kirchenferner Leute mit uns bespricht. Und ich würde dann auch erwarten, zumindest "das Ganze Paket" zu verkaufen, und keine Rosinen zu picken. Soll heißen: Wenn denn eine Feier in einer Kirche gewünscht wird, dann gibt es einen "ordnungsgemäßen" Kasualgottesdienst - oder eben keine Feier in einer Kirche. Dass z.B. die Traupredigt weggelassen wird, damit ein Philosoph (oder sonst irgendein Redner) eine Ansprache halten kann - da würde ich mich heftig gegen verwehren. Denn da geht ja ein großer Teil verloren von dem, was z.B. die Nordkirche als Anspruch an sich selbst formuliert: " Wenn ein Kasualgottesdienst auf Anfrage eines Menschen, der nicht Kirchenmitglied ist, gefeiert wird, dann dient die Nordkirche nach ihrem Selbstverständnis damit Gott durch die Verkündigung des Evangeliums."

Keine Predigt, sondern eine Rede eines "deutschen Philosophen" - ich möchte Herrn Sloterdijk damit nicht abwerten. Er ist sicher klug, tiefgründig, wortgewandt... was ein guter Philosoph bzw. Sprachphilosoph halt so sein und haben muss.

Aber wie soll das gehen (ja, ich weiß, kein Ding ist bei Gott unmöglich, aber sollten wir es ihm deshalb extra kompliziert machen?), mit der Verkündigung des Evangeliums, wenn die Predigt entfällt und stattdessen die "Traurede" jemand hält, der darauf hinweist, wie sehr Osho ihn beeinflusst hat, der sicher nicht zufällig dem "Kolleg Friedrich Nietzsche" nahesteht, der sich und uns fragt, "ob und wie die Religionen auf einen „zivilisatorischen Weg“ geführt werden können" und der die drei abrahamitischen Religionen aufgefordert sieht, von „Eifererkollektiven zu Parteien einer Zivilgesellschaft“ zu werden - als wäre z.B. die EKD das eine und nicht das andere? Wie soll das gehen?

Also, die Idee der Nordkirche, sich zu öffnen, um das Evangelium zu verbreiten und suchende Menschen (auch so ein Punkt, den ich betrachten wollen würde...) offen zu empfangen, finde ich gut. Die Umsetzung hier halte ich jedoch für... wenig gut gelungen.

 

Sakrale Räume... da haben andere schon gute Worte gefunden. Ja, ich persönlich schätze und praktiziere in der Regel in Kirchen auch respektvolles Verhalten (wobei das mMn eine Definitionsfrage ist). Ich habe in mehreren Kirchen und seitdem ich 14 bin, beim Konzept der "Offenen Kirche" über die Jahrzehnte lernen dürfen, dass eine falsche Ehrfurcht, oft durch ein streng-energisches: "PSCHSCHSCHSCHT!!!" eingefordert, oft eher Distanz schafft, die nicht gewollt sein sollte.

So ermutige ich Kinder, denen anzumerken ist, dass die Zeit, die sie ruhig sein und sitzen können, auch in Gottesdiensten, wenn die Eltern offensichtlich kein Konzept außer "PSCHSCHSCHSCHT!!!" und Zwang haben, durchaus, sich zu bewegen, sich mitzuteilen etc. meist lässt sich das dann ziemlich zügig in ruhiges Verhalten "umbiegen" - wenn man etwas kreativ ist. Und wenn nicht: Besser, das Kind lernt, dass Kirche ein Ort ist, an dem es willkommen ist, als anders. Gemeinden wollen, dass Menschen kommen und bleiben? Dann müssen sie mit Menschen umgehen.

Und während der "Offenen Kirche" können Kinder auch mal Gott mit lautem Hallo (das hallt so schön!) oder einem Lied, das sie kennen, begrüßen - oder rausfinden, wie viele Purzelbäume, große oder kleine Schritte... sie denn brauchen, um von der Tür bis zu dem Ort zu kommen, wo der Pfarrer von Gott erzählt. Oder ich lasse mir von ihnen erzählen, was sie denn so sehen in der Kirche, was sie nicht kennen. Das kann, wenn sie sich dafür begeistern, auch mal laut werden, sie quietschen vor Freude, sie rufen ihren Eltern was zu - ja, prima! Kirchen sind keine frischen Gräber. Und die Toten, die da vielleicht ruhen, tun das in froher Erwartung der Auferstehung der Toten. Was weg von der Grabesruhe und hin zur Freude am auferstandenen Christus führt, ist willkommen.

lubov antworten
lubov
 lubov
(@lubov)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 2518

Mittlerweile hab ich mich belesen: In "meiner" Landeskirche kann ein Paar nur dann "kirchlich getraut" werden, wenn wenigstens ein Teil Mitglied der evangelischen Kirche ist. Die rechtlichen Voraussetzungen, ein Paar zu trauen, bei dem kein Teil Mitglied der evangelischen Kirche ist, sind nicht gegeben.

Dennoch: Wenn es bei uns die rechtlichen Voraussetzungen dafür gäbe, würde für mich gelten, wie oben beschrieben.

lubov antworten


lhoovpee
Beiträge : 2256

@goodfruit 

Wie wichtig ist die Kirche für Euren Glauben?

Unwichtig. 

Könntet Ihr Euch vorstellen, dass die Kirche als Eventlocation vermietet werden könnte?

Für welche Events würdet Ihr das einschränken wollen?

Ich muss hier an die Tempelreinigung denken. Vielleicht könnte man diese in diesen Kontext lesen und schauen, ob das was Jesus dort anprangerte auch auf Kirchen zutreffen könnte? Wobei Paulus ja auch bereits uns Menschen zum Tempel des heiligen Geistes umdeutete, statt ein Gebäude. 

Wären Euch auch deutlich günstiger zu betreibende Zweckbauten ein möglicher Ersatz für eine alte Kirche?

Jedes Wohnzimmer ist geeignet.

Sind sakrale Bauten für Euch von bvesondere Bedeutung - und wenn ja: welche Bedeutung haben sie für Euch?

Die Bauten haben für mich vor allem ein historische Bedeutung. 

lhoovpee antworten
1 Antwort
GoodFruit
(@goodfruit)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 1654

@lhoovpee Hallo Ihoovpee,

wenn ich so an mein eigenes Leben denke, dann kann ich Dir zustimmen. Der sakrale Raum hat seine Bedeutung für mich verloren. Das hat aber weniger mit dem Raum zu tun als mit vielen Erlebnissen in diesen Räumen.

Andererseits habe ich es auch schon erlebt, dass ich froh war, eine offene Kirche zu finden und mich da einfach reinzusetzen und Stille vor und mit Gott zu haben.

Es wäre falsch christliches Leben und Nachfolge zu sehr an diesen Gebäuden zu binden - denn wie formulierte es das im Eingengsposting verlinkte PDF des Vereins Neues Potsdamer Toleranzedikt e. V. so schön für das Christentum: Es gibt keine besonderen sakralen, heiligen Räume mehr. Das ganze Leben soll geheiligt sein. Das Christentum ist seit Pfingsten, dem Fest der Geistkraft Gottes, eine ortlose Religion, oder besser: eine Religion an allen Orten.

goodfruit antworten
bepe0905
Beiträge : 1195

Egal, ob es Kirchen sind oder Bahnhöfe, Opernhäuser und Schlösser oder U-Bahn-Stationen. 
Manche Gebäude haben eine Ausstrahlung, die uns beeindruckt - andere rühren uns überhaupt nicht an. 

Ich denke, wirklicher Glaube braucht keine sakralen Räume, aber ein passendes Umfeld spricht unsere Gefühle an und erleichtert und vielleicht sogar die "Kontaktaufnahme" nach "ganz oben". Und genau dies war eigentlich auch das Bemühen früherer Architekten, wenn sie einen Dom oder eine Barockbasilika entwarfen: Sie wollten den Gläubigen eine Ahnung der Größe Göttes und einen Ausblick auf kommende Herrlichkeit vermitteln. 

Ja, ich weiß, dass manche hier "Vertröstung" auf später unterstellen (und vielleicht auch nicht Unrecht haben), aber trotzdem sehe ich heute dies eher wertfrei. Mich jedenfalls berühren manche Kirchen tief und laden mich geradezu zur Andacht ein. Und das sind weniger die prunkvollen Barockkirchen und kaum mal die Betonbunker unserer Zeit, sondern vielmehr alte gotische und noch mehr romanische Kirchen, in denen man die Frömmigkeit ihrer Erbauer "bis auf die Haut und manchmal sogar bis ins Herz" spürt. 
Wer das nachvollziehen will, dem lade ich ein, mal die "Straße der Romanik" in Sachsen-Anhalt zu bereisen und an den dortigen Kirchen Rast zu machen. 

Auch auf Gotland konnte ich dies spüren, als wir im Freundeskreis dort waren. Uralte Kirchen, die meisten vor dem 15. Jahrhundert erbaut und seither kaum verändert, liden uns immer wieder ein, dort ganz einfach mal ruhig zu werden und vielleicht einen Choral anzustimmen. 

Aber trotzdem ist es klar: für einen Christen genügt auch die kleine Stube zu Hause (aber bitte möglichst mit 2 oder 3 Gleichgesinnten) und jeder Platz ist gut genug, um Gott zu loben und ihm zu danken. Für mich (als alternden Naturburschen) bietet die Natur und besonders der Wald genügend Raum zur Andacht und zum Gotteslob. 

Schade nur, dass in vielen (kleineren) freien evangelikalen Gemeinden so wenig Wert auf eine Ausgestaltung der Versammlungsräume gelegt wird. Da denke ich immer an das Gleichnis, wo (nach Absage der eigentlich Geladenen) die Ausgestoßenen, Kranken und Vergessenen zum Festmahl geladen werden. Aber so gering sie auch zu sein scheinen - der einladende Hausherr legte Wert darauf,  dass die Gäste gepflegt und mit einer gewissen "Schönheit" bzw. im Bewusstsein des Besonderen sein Haus betraten. 

Und ich finde, das wird manchmal zu schnell vergessen....

bepe0905 antworten


Jigal
 Jigal
Beiträge : 2804

@goodfruit Also irgendwie bin ich mit dem Eingangsthread so nicht ganz einverstanden. Zumindest der Talar der evangelischen Pfarrer orientiert sich an der Kleidung die Luther als Gelehrter an einer Universität trug. Das Gebäude scheint für Leute sehr früh wichtig geworden zu sein. Beispiel das Pantheon in Rom. Als römischer Tempel gingen die Leute nicht in das Gebäude, nur das dort arbeitende Personal. Die Christen begannen dann sich innen zu versammeln und wenn man die Kathedralen sieht muss den Leuten das Gotteshaus sehr wichtig gewesen sein. Wie wichtig die Dorfkirche ist hat man im Osten Deutschlands bei den Dorfkirchen gesehen. Viele waren in einem schlechten Zustand und als der Erhalt richtig gefährdet wurde hat das ganze Dorf Zeit und Geld investiert, egal ob Mitglied der Kirche, oder nicht. Das Gebäude verbindet, es ist Heimat. Wer einen Bezug dazu hat wird irgendwann einen Platz haben, der bevorzugt wird.  Das Gebäude verbindet sich mit der Familie, die Kirche in der man getauft wurde, Kommunion oder Konfirmation gefeiert hat, der Taufstein über den man als Pate ein Kind gehoben hat, etc. Die Feste sind immer Anknüpfungspunkte.

Natürlich bräuchte man theologisch kein Gebäude, die letzten zwei Jahren machen wir ja auch vermehrt Gottesdienste im Freien.

Für evangelische ist es der Versammlungsort, weshalb sie auch zugeschlossen werden kann.

Wie sehr Leute mit Kirchen verbunden sind sieht man in den Dokumentationen in denen es um den Verkauf, gar den Abbruch eines Kirchengebäudes geht. Das hat man gerade mit Kirchen der Nachkriegszeit, große Gebäude die damals voll waren und heute kaum genutzt werden.

jigal antworten
Tagesschimmer
Beiträge : 1009

@goodfruit An Bauten, Gegenständen, Ritualen kann die Seele hängen. Sie können uns lehren, Ehrfurcht und Anbetung ausdrücken Einheit erleichtern und so zu einer Predigt ohne Worte werden. Mit dem Zusatz sakral verbindet sich aber mehr. Es ist Gott geweiht und Menschen sind damit betraut, auf diese Bestimmung zu achten. Natürlich ist das nicht unumstößlich, wie alles irdische. Aber unser ja sei ein ja. Ich wäre vorsichtig damit, Gott mein Wort zu geben (oder in so ein Erbe einzutreten) und dann Menschen zuliebe diesen Bund verwässern zu lassen.

Was das konkret heißt, sollte individuell im Gebet und in der Gemeinschaft der Verantwortlichen vor Gott entschieden werden. Gott hat uns Weisheit versprochen, wenn wir ihn bitten. Daran sollte es also nicht fehlen. Ist aber eine Gemeindeleitung bereits so weit, nicht mehr zu bitten und vertrauensvoll zu erwarten, kann es schwierig werden.

Schwierig natürlich nicht für Gott. Manchmal hat man ja das Gefühl, dass Er geradezu Spaß daran hat, die skurrile, kleine Truppe in einem unbedeutende Wohnzimmer mit seiner lebendigen Gegenwart zu segnen, während nebenan bestausgebildete Kirchenfachleute in teuren Räumen intellektuelle Purzelbäume schlagen. Aber eigentlich soll uns diese unterschiedliche Gewichtung der Gaben zur Einheit reizen.

Also nicht sakrale Räume vs. lebendiges Glaubensleben sondern jede Rebe soll mit dem Weinstock verbunden sein und so auch an einem Austausch der Gaben beteiligt sein. Also, wenn ich träumen darf: Zum ersten Termin mit dem Pastor wird ein Paar von einem Wort der Erkenntnis tief berührt, bekommt Ehrfurcht, stellt sein Anliegen zurück und widmet sich erstmal seiner Beziehung zu Gott. 

 

tagesschimmer antworten


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