In Gottes Gegenwart ... schweigend, still & wort-los
In unserem Glauben dreht sich Alles/Vieles um das "Wort", ist wort-lastig und sprach-gebunden - Gottes Wort, Gottes Reden, Beten als Gespräch mit Gott etc.
Heute sah ich in einem Clip Pete Greig sehr gewinnend davon reden ;-), dass Kontemplation (schweigend, still und wort-los vor und in der Gegenwart Gottes, in absichtloser Communio mit IHM verbunden sein) eine wichtige Facette in unserem Glauben, unserem Gebetsleben und in unserer Beziehung zu Gott ist - biblisch, ur-christlich und in der Praxis Pietatis des Christentums vielfältig gegeben.
Zugleich lese ich gerade ein Buch über die katholische Mystikerin und Karmeliterin Teresa von Avila, die das "Verweilen" in der Gegenwart Gottes, das Einfach-mit-und-vor-ihm sein, die stille Präsenz in seiner Gegenwart ("von Gott liebend angeschaut") schätzte und weitergab.
Mich spricht das z.Zt. nocheinmal sehr stark an, weil ich spüre, wie sehr alle Worte (sei es im Gebet, im Formulieren und Bekennen des Glaubens, in Gesprächen über den Glauben, über Spiritualität, über Gott) ihre Grenze(n) haben ... und wie wohltuend es ist, auch immer wieder EINFACH NUR in Gottes Gegenwart selbst gegenwärtig & präsent zu sein - wie das sich Bescheinen-Lassen von der wärmenden Sonne, das sich Hinein-Stellen in den erlösenden Regen, wie das genussvolle Eintauchen & Schwimmen im See ...
Brauchen wir nicht auch in unserer christlichen Spiritualität oft viel mehr Stille, Schweigen und einen Vezicht auf Worte?
L'Chaim
lass mich still werden.......
Von Christus Jesus lernen, stille zu sein......zur Ruhe kommen, und aus dieser Ruhe heraus,
wieder leben. Christus war der ausgeglichenste Mensch, der je über die Erde lief. Seine wichtigste
Beziehung war zu Gott, Seinem Vater im Himmel.
Vor der Aktivität still werden, und nach der Aktivität versuchen, wieder zur Ruhe, Stille zu kommen.
Das ist nicht immer leicht zu leben, gerade bei der Arbeit, wenn Arbeit unser Leben bestimmen
möchte, Mitarbeiter, Chefs, Kunden.......
Oder wenn noch Kinder da sind..
Oder die ganzen Internetforen, smartpone, die täglichen vielen Bilder, Nachrichten.........
Das ist schon ein Kampf.
liebe Grüße,
Ich kenne (eher seltene) Momente, in denen ich nach allem Reden, Denken, Wollen, Tun, schließlich „in Gott aufgehe“ Ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken kann, aber es ist dann ein ruhiges Sein in Ihm. Meistens sind das besondere Zeiten des Hörens und/oder der Heilung.
Ich weiß nicht, ob das auch zu dem gehört, was du meinst.
"Ein ruhiges Sein in ihm" gefällt mir, Danke.
Ulrich Schaffer hat übrigens mal ein sehr schönes Buch geschrieben mit dem Titel "Beten über Worte hinaus" (Kreuz Verlag, 1988).
Darin lese ich (als Buch-Widmung für die Leser & Leserinnen): "Für die schweigenden Beter, die sich in Worten nicht mehr wohl fühlen, die in ihrer Sprachlosigkeit das suchen, was jenseits des Faßbaren liegt." ... Finde ich großartig formuliert.
L'Chaim
Freut mich, wenn du etwas damit anfangen kannst.
Was Schaffer da schreibt passt für mich in die Richtung, sich in seiner Verzweiflung und Wortlosigkeit in Gottes Gegenwart fallen zu lassen.
Aber das mag auch nur mein Eindruck sein, dass das auf eine empfundene Hilflosigkeit eingeht.
Ich denke, dass Menschen sich oft zu viele Gedanken machen, wie sie vor Gott sein sollten/müssten.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir so wie wir sind jederzeit zu Ihm kommen dürfen.
Egal ob wir reden, schweigen, weinen oder auch plappern. Hauptsache wir suchen echte Beziehung.
Und auch das ist etwas, was man lernen darf und lernt.
Veröffentlicht von: @ga2Ich denke, dass Menschen sich oft zu viele Gedanken machen, wie sie vor Gott sein sollten/müssten.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir so wie wir sind jederzeit zu Ihm kommen dürfen.
Egal ob wir reden, schweigen, weinen oder auch plappern. Hauptsache wir suchen echte Beziehung.
Und auch das ist etwas, was man lernen darf und lernt.
👍
Brauchen wir nicht auch in unserer christlichen Spiritualität oft viel mehr Stille, Schweigen und einen Vezicht auf Worte?
Ja, ich denke, dass wir dies wieder viel mehr brauchen als es manchen Leuten bewusst ist.
Interessant, dass dieser Gedanke auch in ganz anderen Lebensbereichen plötzlich hoch kommt.
Ja bietet ein Einkaufszentrum, wo ich gerne kaufe, einmal wöchentlich die "stille Stunde" an, ohne Musikberieselung, ohne Durchsagen, ohne zusätzlich erzeugten Stress. Und scheinbar wird dies gern angenommen.
Und auch bei uns in der Innenstadt werben Händler, Stadtmarketing und Verbände für den entspannten Einkauf in "Stiller Stunde".
Vor Jahren nahm ich mal an einem Schweige-Wochenende teil. Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, dann aber sehr entspannt.
Und ich spürte, wie ich immer offener wurde für nicht gesprochene (aber empfangene) menschliche Zwischentöne und Botschaften. Hilfreich kann dabei Musik sein, sofern sie uns zwar begleitet, aber auf keinen Fall dominiert.
Leider habe ich den Eindruck, dass manche Prediger meinen, sie müssten die Zuhörer immer und immer mit Botschaften "zuhämmern" - und ihnen dabei gar keine Zeit geben, das Gehörte sacken zu lassen und durch eigene Gedanken zu ergänzen.
In einem anderen Thread schrieb ich kürzlich "Wer ein Gespräch führen will, muss in erster Linie schweigen und hören".
Ich denke, dass dies auch (und besonders) für den Kontakt zu Gott gilt. Denn wer stets selbst redet und handelt, hört und erlebt auch in erster Linie sich selbst und ist nicht mehr offen für bisher Ungehörtes und Ungetanes.
Wir sollten uns viel häufiger das Beispiel von Maria und Martha (Luk. 10) vor Augen halten.....
Kontemplation funktioniert nicht in Lärm und Hektik - und schon gar nicht durch laute Selbstdarstellung.
Veröffentlicht von: @bepe0905Brauchen wir nicht auch in unserer christlichen Spiritualität oft viel mehr Stille, Schweigen und einen Vezicht auf Worte?
Ja, ich denke, dass wir dies wieder viel mehr brauchen als es manchen Leuten bewusst ist.
Mir kam grad vorhin der Gedanke, dass das so ein bisschen widersprüchlich ist für den Menschen, der seine Zeit perfekt managt.
Die Stille kommt ja nicht immer dann, wenn man ihr einen Termin gibt.
Interessant, dass dieser Gedanke auch in ganz anderen Lebensbereichen plötzlich hoch kommt.
Ja bietet ein Einkaufszentrum, wo ich gerne kaufe, einmal wöchentlich die "stille Stunde" an, ohne Musikberieselung, ohne Durchsagen, ohne zusätzlich erzeugten Stress. Und scheinbar wird dies gern angenommen.
Und auch bei uns in der Innenstadt werben Händler, Stadtmarketing und Verbände für den entspannten Einkauf in "Stiller Stunde".
Das ist ein Ding, das ich nicht verstehe.
Man weiß darum, dass eine gewisse Ruhe deutlich entspannender für Kundschaft und Personal ist und verzichtet doch nicht auf Dauerbeschallung.
Und ich find auch in der Gemeinde solche 'stille Momente' sehr angenehm.
Dumm nur, dass die immer genau dann enden, wenn's in mir ruhig wird.
Die Stille kommt ja nicht immer dann, wenn man ihr einen Termin gibt.
Naja, es geht auch immer ein wenig ums Aushalten, bis alles still in mir wird. Meistens verbringe ich diese Zeit im Knien. Mittlerweile fällt es mir schwer, von dort aus aufzustehen. Mittlerweile schreibe ich mir vorher alles auf einen Zettel, was ich nicht vergessen darf. Weil, vom Knien kann ich nicht einfach mal so aufspringen, wenn mir wieder einmal etwas Wichtiges einfällt.
Während meiner Dienstzeit gab es einmal pro Jahr für alle Hauptamtlichen zwei sogenannte "Einkehrtage" mit Fasten (diese gibt es für mich jetzt auch noch, 3 zusammenhängende Tage im Jahr), in denen es hauptsächlich ums Schweigen und um die Stille in der Gemeinschaft mit Gott geht.
Noch zur Ergänzung: Manchmal bin ich auch einfach übers Wochenende weiter weg von zu Hause gefahren und habe an einem stillen Waldrand geparkt, um Zeit in der Stille mit Gott zu haben. Stille ohne Verbindung zu Gott ist für mich Zeitverlust. Im Gegensatz dazu beschenkt mich Gott mit viel mehr Zeit, die mir an anderer Stelle eigentlich fehlen würde.
Ich hatte mal mit einer neu aufgenommenen Patientin über eine Stunde in einem großen Raum gesessen - sie in einer Ecke, ich in der anderen, ihr gegenüber. Wir haben beide die ganze Zeit geschwiegen, kein einziges Wort gesagt.
Am Ende, als wir den Raum verließen, sagte sie im Vorbeigehen, "ich hab noch nie mit jemandem so gut gesprochen wie mit ihnen gerade".
"das kann ich mir gar nicht vorstellen"
Das wiederum kann ich mir gut vorstellen. Aber leider ist das nicht wirklich erklärbar. Am ehesten vielleicht durch etwas, was Du sicher auch kennst, dass auch Gespräche mit gesprochenen Worten ganz unterschiedliche Nähen und Verstehen vermitteln können.
Noch eine neugierige Frage: war diese Vorgehensweise abgesprochen? Oder hat man sich wortlos geeinigt, es so zu machen? Das wäre schon ein gewisses Kunststück... aus meiner Sicht. Auch wenn ich mir vorstellen kann, daß es funktioniert, wäre ich sicher nicht so geeignet... Ich hätte dann wahrscheinlich zwanghaft das Gefühl, das Reden von mir erwartet wird und ich dementsprechend funktionieren muss, egal ob ich Bock darauf habe oder nicht. Es sei denn, der "Gesprächspartner" würde direkt signalisieren, daß er das nicht erwartet. Fragt sich nur, wie.
Mimik spielt da sicher eine Rolle.
lg Tatokala
Berechtigte Fragen.
Nein, abgesprochen war das nicht und förmlich geeinigt auch nicht. Es hatte sich einfach so "ergeben". Sie war ja am Nachmittag neu aufgenommen worden und hatte sich gegen Abend in den großen Versammlungsraum verzogen. Als ich meinen Nachtdienst angetreten hatte, habe ich auch diesen Raum kontrolliert und sie gesehen, wie sie auf dem Boden sitzend an einer Wand lehnte. Mir war irgendwie klar, das ich dableiben müsste und habe mich ebenso wie sie ihr gegenüber gesetzt.
Das Gefühl irgend etwas sagen zu müssen, hat auch jeder Therapeut. Aber wenn er eine gute Ausbildung hatte, weiß er auch, dass er diesem Gefühl nicht folgen darf, weil er sonst den therapeutischen Prozess auf sich lenken würde und der Patient kaum noch "aus sich selbst" herauskommen könnte.
Aber eine so lange gemeinsame Schweigephase ist selten.
Es gab in meiner Ausbildung einige Zufälligkeiten, die für meine Entwicklung weichenstellend waren. Dass das dann letztlich zum Psychiater und Psychotherapeuten führte, war nicht von Anfang an vorgesehen, aber es war das Beste, was mir passieren konnte. Beide Arbeitsbereiche sind in der Tat enorm spannend.
Am Anfang jedenfalls sieht man in der Regel in jedem, der einem begegnet, einen Patienten. Das lassen die einem aber nicht lange durchgehen, vor allem die Verwandten nicht. Dann gibt sich das auch und ist wie jeder andere Mensch auch.
Veröffentlicht von: @queequegAm Anfang jedenfalls sieht man in der Regel in jedem, der einem begegnet, einen Patienten.
Das lassen die einem aber nicht lange durchgehen, vor allem die Verwandten nicht.
Dann gibt sich das auch und ist wie jeder andere Mensch auch.
Nun ja, man muss seine 'Diagnosen' ja nicht jedem mitteilen.
Aber seit ich mich selber mit manchen 'Andersartigkeiten' beschäftigt habe, fallen mir diese halt auch mehr bei den Mitmenschen auf. Was dazu führt, dass sich manche Verhaltensweisen auch 'erklären' und manchmal auch verstehen lassen.