Lärmbelästigung
Mein Problem: In meiner Nachbarschaft wurde ein Haus neu vermietet (oder verkauft), in dem sich nun Jugendliche unter 20 Jahren aufhalten und sehr laut sind, vor allem mit Musik.
Es gab bereits 2 lautstarke Feten; gestern wurde ab Mittag bis Abend in einem Festzelt gefeiert. Die Erwachsenen die ausnahmsweise dabei waren, griffen nicht ein, was Gegröle und Bässe anging.
Für mich sind die jungen Leute die Hölle! Die Nachbarn daneben reagieren kein Stück - warum??? Ich wollte die Polizei rufen, doch mein Mann hielt mich zurück.
Schließlich habe ich vor Verzweiflung und Wut angefangen zu heulen! Was soll ich tun? Ich bat Jesus um Großmut und Verständnis, aber in mir hat es gebrodelt. Nun bin ich derart angespannt, weil ich Angst habe, gleich geht es wieder mit Musik und Gekreische los...
Soll ich wirklich mit dem Dampfhammer, also Polizei, arbeiten? Was tun bei dieser Angst, dieser Verzweiflung, dieser Wut? Wut auf die jungen Leuten und die feigen Nachbarn!
Danke für eure Hilfe!
Findest du es auffällig, dass die Nachbarn und dein Mann da so gar nicht reagieren (wie du)? Würdest du da mal nachfragen, was bei ihnen anders ist als bei dir?
@neubaugoere Ja, bin extrem lärmempfindlich, was eine tiefere Ursache hat, aber ich das nicht hier ausbreiten! Gestern war es ganz schlimm und ich habe Jesus um Hilfe gebeten, das er mich stärker und gelassener macht.
Lärmempfindlich in Richtung Menschen oder auch Lärm von Baustellen oder Sturm, der laut sein kann, Blitze, Donner, Katzenjammer etc.?
Ist das eine (evtl. betreute) Wohngemeinschaft von jungen Leuten?
Soll ich wirklich mit dem Dampfhammer, also Polizei, arbeiten? Was tun bei dieser Angst, dieser Verzweiflung, dieser Wut? Wut auf die jungen Leuten und die feigen Nachbarn!
Die Polizei ist kein "Dampfhammer", sondern hat die Aufgabe, für Ordnung zu sorgen. Dafür gibt es bestimmte Regeln, das heisst, die Polizei wird nicht eingreifen, weil du dich gestört fühlst, sondern wenn bestimmte Auflagen (wie etwa die Nachtruhe) nicht eingehalten werden. Wenn das der Fall ist und niemand sonst eingreift, dann ist es auch legitim, sich an die Polizei zu wenden. Ich hatte da auch schon Fälle.
Wenn es aber andere Leute nicht stört, dann solltest du im Vorfeld erst mal klären, was genau denn eigentlich erlaubt ist, um welche Uhrzeit geht es, wie häufig wird da Musik gespielt, wie laut ist es genau? Denn es ist ja möglich, dass du dich zwar sehr gestört fühlst, aber alles noch im Rahmen der Regeln ist. Und dann wäre es tatsächlich dein Problem.
Ich selber sehe das pragmatisch, wenn ich mit so einer Situation konfrontiert bin... Kopfhörer auf und meine eigene Musik hören. Und weil ich gerne Heavy Metal höre ist das übertönen der anderen Musik auch kein Problem...
Da ich vermute, dass das bei dir eher nicht der Fall sein wird, gibt es noch die Möglichkeit von geräuschhemmenden Kopfhörern. Das sind Kopfhörer, die nicht einfach nur die Geräusche abschirmen, sondern aktiv Geräusche ausfiltern, indem sie diese phasenversetzt wiedergeben, wodurch die Geräusche ausgelöscht werden. Man kann diese nutzen, um Geräusche zu filtern, oder eben selber Musik oder Hörbücher hören, die dann auch nicht übermäßig laut sein müssen. Solche Kopfhörer sind mittlerweile nicht allzu teuer, aber wie so oft gilt natürlich auch hier, dass sie um so besser funktionieren, je mehr man da investiert.
Das jetzt nur als Tip für den Fall, dass du da wirklich allein auf weiter Flur stehst, dir niemand helfen will und auch die Polizei nichts tut.
Dass man mit den Nachbarn auch reden kann ist natürlich selbstverständlich... es gibt da natürlich keine Garantie, aber manche Leute sind überraschend einsichtig, und vielleicht lassen sich da ja Kompromisse finden.
Die Polizei hätte wahrlich Grund da einzugreifen, aber wenn ich da anrufe und andere Leute sich nicht gestört fühlen, bin ich die Bekloppte oder das Ar...! Mein Mann bleibt da cooler und versucht mich zu beschwichtigen. Die Kopfhörer kenne ich, aber ich vertrage die Dinger nicht. Und warum soll und muss ICH mich wegen dieser Idioten quälen? Danke für Deinen Tipp, der lieb gemeint war!
Manchmal ist es unsere eigene Wahrnehmung ... manch anderer nimmt das halt nicht als Lärm wahr oder als "Störung". Beispiel: Ich bin 2008 in einen Altbau gezogen, 2. Hinterhof, also sehr, sehr ruhig trotz Hauptstraße, weil eben 2. Hinterhof. Da war es immer ruhig, nie was los. Dann wechselte was beim Eigentümer und seither ist im Sommer in den Höfen oft was los, auch und gerade am Wochenende. Ich werde geweckt von Geschirrgeklapper als stünde jemand direkt an meinem Bett oder jemand hämmert irgendwas zusammen neben der Wand, die direkt an meinem Schlafzimmer ist (wegen einer Durchfahrt, über der ich wohne) und ich falle fast aus dem Bett. Nachbarn wechseln, die auch kleinere Kinder haben ... das sind alles Geräusche, die ich nicht kenne, nicht gewohnt bin und ja, sie nerven mich. Es gibt Tage, da kommt es drauf an, womit ich mich gerade beschäftigte und wie ich drauf bin. Manchmal kann ich das "puffern" und manchmal regt es mich tierisch auf und mir platzt der Kragen.
Wenn du weißt, woher diese Empfindlichkeit kommt ... ist da was machbar bei dir, also ist das á la "seelischer Verletzung" und man kann dran arbeiten?
Die Polizei hätte wahrlich Grund da einzugreifen, aber wenn ich da anrufe und andere Leute sich nicht gestört fühlen, bin ich die Bekloppte oder das Ar...!
Natürlich kann es passieren, dass du dann die "Meckertante" bist, die anderen ihren Spaß nicht gönnt. Aber du musst ja nicht jedesmal die Polizei rufen, sobald die Musik eingeschaltet wird, sondern dann, wenn es wirklich arg wird. Wenn die Polizei dann entscheidet, dass es wirklich zu laut ist, dann liegt das Recht vollständig auf deiner Seite.
Zu empfehlen ist es aber trotzdem, vorher mit den Nachbarn zu reden. Am besten in einer ruhigen Minute, wenn man auch selbst entspannt ein Gespräch führen kann... und nicht gerade dann, wenn man selbst vor Wut explodiert, das wird eher nicht produktiv sein.
Mein Mann bleibt da cooler und versucht mich zu beschwichtigen.
Ich vermute mal, das mit dem Beschwichtigen funktioniert nicht so gut...? Vielleicht kann er dich ja unterstützen, indem er dich beim Gespräch mit den Nachbarn unterstützt? Natürlich nur dann, wenn er voll hinter dir steht und nicht anfängt die Sache zu relativieren... denn du leidest ja, so oder so.
Die Kopfhörer kenne ich, aber ich vertrage die Dinger nicht.
Da gibt es verschiedene Modelle, nicht nur als Stöpsel, sondern auch zum Aufsetzen.
Klar ist das nicht einzusehen, dass du dich jetzt auch noch in Unkosten stürzen musst... andererseits: Wenn du da generell sehr empfindlich bist, dann könnte das ja auch allgemein eine lohnende Anschaffung sein, nicht nur wegen der Nachbarn. Vielleicht findest du ja doch noch ein Modell, das du gut verträgst und dir hilft.
Ich wünsche dir jedenfalls, dass du bald eine Lösung findest!
- Nachtruhe: 22:00 bis 6:00 Uhr (bzw. 7:00 Uhr in manchen Fällen).
- Mittagsruhe: Kann von 13:00 bis 15:00 Uhr oder anderen Zeiten festgelegt sein, ist aber nicht bundesweit einheitlich geregelt.
- Sonn- und Feiertage: Ganztägig Ruhe, besonders laute Tätigkeiten sind zu vermeiden.
Ansonsten Akustiker fragen. Es gibt Lärmschutzstöpsel die angepasst werden.
@meriadoc @all
Genau - es gibt Bestimmungen, die für alle gelten, auch wenn mancher dies als Bevormundung und Einschränkung seiner persönlichen Rechte sehen mag. Das Gute daran: sie richten sich nicht nach dem persönlichen Empfinden.
@caffita: ich empfehle die, mal eine Art "Lärmtagebuch" anzulegen.
Darin sollten die Zeiten stehen, aber auch die Art des "Lärms" (Musik, Bassgedröhne, Schreierei bei geöffneten Fenstern...).
Mit vielen Smartphones kannst du die Lautstärke in Dezibel messen, die bei euch ankommt.
Danach bist du besser in der Lage, über die Beeinträchtigung sachlich zu reden und hast die Argumente greifbar.
Der nächste Schritt wäre dann, mit den Bewohnern zu reden - oder mit einem zuständigen Betreuer (falls vorhanden).
Ich stelle sowieso immer wieder fest, das Menschen sich zwar schnell belästigt fühlen (oft zu Recht), es aber scheuen, die Verursacher anzusprechen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ich weiß, dass es meist Überwindung kostet, Menschen wegen einer unangenehmen Sache anzusprechen, aber es ist doch eigentlich die natürlichste Sache der Welt.
Und man hat den Zusatznutzen, dass man sich bei solchen Gesprächen auch persönlich kennen lernt.
Parallel dazu würde ich auch die anderen Nachbarn fragen, ob und wieweit sie sich vom Lärm gestört fühlen.
Falls die bei den Nachbarn ebenso ist, dann lohnt sich ein gemeinsamer Besuch bei den jungen Leuten.
Wichtig ist aber, dass man in solchen Gesprächen nicht gleich mit Beschwerden und Vorwürfen kommt, sondern besser die eigene Situation schildert. Denn wenn jemand gleich mit Vorwürfen kommt, dann gehen die angesprochenen Personen automatisch in eine Art "Abwehrhaltung". Also statt "Bei dem Lärm, den Ihr gestern um Mitternacht gemacht habt, hätte ich beinahe die Polizei gerufen. Und wenn heute wieder so ein unverschämter Krach bei euch ist, dann werdet Ihr die Konsequenzen spüren!" besser "Leute, in meinem Alter höre ich nicht mehr so gut - aber als gestern eure Bässe loslegten hätte es mich fast aus dem Sessel gehauen."
Ich kenne ähnliche Situationen aus eigener Erfahrung - und bisher ist es mir immer gelungen, mit ruhigen Gesprächen die unterschiedlichen Parteien zu einer gemeinsamen Lösung und Übereinkunft zu bewegen.
Erst wenn gar nichts hilft, dann könnte ein Brief (Einschreiben, evtl. sogar vom Anwalt) an mögliche Betreuer bzw. Einrichtung sinnvoll sein oder im Akutfall ein Anruf bei der Polizei. Aber im Sinne guter Nachbarschaft lohnt es sich, vorher ein paar Gedanken und etwas Zeit zu investieren.