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Wenn Mama und/oder Papa trinken


Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

https://www.jesus.de/wenn-mama-oder-papa-trinken/

Es ist so gut, dass es Angebote und Hilfen für Kinder aus Suchtfamilien gibt.

Wie froh wäre ich gewesen, hätte zu der Zeit, als ich Kind war, jemand mal hingeschaut, die Kinder mit einbezogen, Hilfen für Kinder aus Suchtfamilien gegeben.

Aber das scheint zu der Zeit (80er Jahre letztes Jahrtausend) noch nicht im Fokus gewesen zu sein.

Wer hat diese Erfahrungen auch gemacht. Wer hat als Kind in einer Suchtfamilie Hilfe bekommen? Also zu jeder Zeit, nicht nur zu der Zeit, als ich davon betroffen war.

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Plueschmors
Beiträge : 3769
Veröffentlicht von: @adventurelife

Wie froh wäre ich gewesen, hätte zu der Zeit, als ich Kind war, jemand mal hingeschaut... Aber das scheint zu der Zeit (80er Jahre letztes Jahrtausend) noch nicht im Fokus gewesen zu sein.

So ist es. Ich war in den 80ern auch ein Kind und war von allerhand selbstverständlich [del]trinkenden[/del] saufenden Menschen umgeben. War eben die Zeit und eine andere Genußkultur. Urlaub und andere Vergnügungen waren meistens unerschwinglich für den Arbeiterlohn, also blieb als "Freude" nur billiger Alkohol.

Ich kenne kaum ein Familienfoto, auf dem nicht allerlei Bierdosen, Weinflaschen, Korn und Brause auf dem Tisch standen. Und überquellende Aschenbecher. Da gab´s auch schon Bier auf dem Weg zur Arbeit und während der Arbeit und überhaupt irgendwie immer.

Mich selbst hat das auch erst Ende der 80er gestört, als meine Mutter jemanden kennenlernte, der unter Alkoholeinfluß immer sehr aggressiv wurde. Bis dahin war´s halt das normale Freizeitvergnügen meines Vaters und seiner Kumpels.

Veröffentlicht von: @adventurelife

Wer hat als Kind in einer Suchtfamilie Hilfe bekommen?

Nee, da gab´s damals nix. Ein paarmal war das Jugendamt bei meiner Mutter, aber keine Ahnung, was die wollten. Mich haben die immer in Ruhe gelassen.

plueschmors antworten
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Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Mein Umfeld war etwas anders, da mein Vater nach außen hin kein geselliger Mensch war. Er hat immer getrunken und war immer betrunken, jedoch ohne dass er zu Hause in Gesellschaft war. Vielleicht war er das außerhalb.

Als Familie führten wir ein isoliertes Leben ohne Freunde und weiterer Familie.

Aber als Kind erlebt man vieles lange Zeit als normal, sei es so, wie du es erlebt hast oder so, wie ich es erlebt habe.

Alkoholismus tritt in so viel verschiedenen Formen auf und beeinflusst die Familie.

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Orangsaya
Beiträge : 2894

Als ich Kind war, hieß es die Fürsorge. später Jugendamt. Ob Fürsorger der amtliche Name war, oder Volksmund weiß ich nicht.

Ich würde sagen, Problemfamilien wurde immer geholfen. Vielleicht hat man damals bei bestimmten Schichten nicht hingeschaut, aber Versuche zu helfen gab es immer.

Veröffentlicht von: @adventurelife

Aber das scheint zu der Zeit (80er Jahre letztes Jahrtausend) noch nicht im Fokus gewesen zu sein.

Da setzt du ziemlich spät. Viele Reformen, oder besser gesagt, Veränderungen wurden durch Vorläufer in den Fünfzigern und Sechzigern entwickelt. Mein Onkel hatte ein Konzept für Kinderheime, dass es heute noch in abgewandelter Form gibt. Damals war es neu und er war bewährtes Futter für die Medien. Dabei war es nur in Deutschland neu. Er hat ein Konzept, dass in Skandinavien, ich glaube Schweden längst Praxis war, etwas anders umgesetzt. Was ist aus den Kindern geworden. Ein anderer Onkel, der den Verein unterstützte meinte, die meisten sind heute in ein Psychiatrie, einer Wohngruppe, oder Tod. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Trotzdem war meiner Meinung nach die Arbeit nützlich. Zu seiner Beerdigung kamen auch ehemalige Heimkinder. Ich saß nach der Beerdigung mit ihnen an einen Tisch. Sie erzählten von ihrer Vergangenheit und das ihre Zeit bei ihm ein Lichtblick in ihrer Geschichte war. Trotzdem waren fast alle, ohne Hilfe von außen lebensuntüchtig. Aber das Gefühl angenommen zu werden, etwas mit ihnen zu machen und sie nicht aufzugeben ist auch ein Wert.

Gegenwärtig arbeitet meine Tochter in einer Einrichtung, das kommen vereinfacht gesagt, nicht die Kinder alleine ins Heim, sondern sie nehmen die Eltern mit. Meistens ist es wohl die drogensüchtige Mutter. Es ist ein guter Ansatz und ich bin gespannt, wie sich das Entwickelt. Meine Kritik daran ist, dass die pädagogische Hilfe nur eine kurze Zeit ist und wenn es nur eine Zwischenstation ist, geht die Arbeit unkoordiniert weiter. Ein spannendes Objekt und ich bin gespannt, wie sich das entwickeln wird. Aber ich habe den Verdacht, dass wegen Corona langfristig andere Einrichtungen nicht folgen werden. Die wenigsten haben eine Vorstellung wieviel so eine Unterbringung kostet und der Staat wird wegen der gegenwärtigen Krise langfristig konsolidieren müssen.

Veröffentlicht von: @adventurelife

Aber das scheint zu der Zeit (80er Jahre letztes Jahrtausend) noch nicht im Fokus gewesen zu sein.

Anfang der Achtziger habe ich in einem Kinderheim gearbeitet. Schwerpunktmäßig waren es Kinder, die aus dem Rotlichtmilieu kamen. Sie hatten angeschafft und wenn man die Akten las, merkte man, dass dieses Problem über mehrere Generation bestand. Das Konzept war zunächst simpel. Die Kinder werden von der Großstadt auf Land gebracht. Dort lebten sie in drei Gruppen auf drei Häuser verteilt unter Betretung in einem vierten Haus, gab es ein Gruppe, in der fast erwachsene völlig selbständig lebten. Da ging nur einer hin und hat mit denen besprochen, was ansteht, welche Probleme es gibt. Ach ja, die in dem Haus lebten, mussten auch Tiere wie Pferde versorgen. Die Erweiterung das auch erwachsene eine Nachsorge bekommen und die Einrichtung als Anlaufstelle bleibt, ist gescheitert, weil das Jugendamt als Kostenträger nicht mehr zuständig war. Ganz Fatal war, dass der Heimleiter wegen sexuellen Missbrauch an Jugendliche verurteilt wurde. Das war zehn Jahre nach meiner Zeit. Die Folge war, dass trotz Trägerwechsel die Arbeit zusammenbrach. Auch bei guter Arbeit gibt es wegen dem Faktor Mensch Rückschläge. Ich würde die Achtziger nicht verurteilen. Den gerade die Siebziger und Achtziger Jahren haben Entwicklungen gebracht, die bis heute die Arbeit verbessert.

orangsaya antworten
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Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Vermutlich hast du recht, dass es auch schon früher Hilfs- und Unterstützungsangebote für Kinder gab.

Aber das Jugendamt, bzw. die Fürsorge trat vermutlich dann in Erscheinung, wenn die Umstände extrem waren und die Kinder offen vernachlässigt wurden oder in einem nicht kindgerechten Umfeld lebten.

Wir waren nach außen eine "normale" Familie. Zwar isoliert, ohne Freunde und Kontakte, aber mein Bruder und ich gingen regelmäßig zur Schule, wurden äußerlich auch adäquat versorgt.

Das eigentliche war nicht sichtbar. Als mein Vater für einige Zeit zur Therapie war, wurde zwar ein Seminar für die Ehepartner durchgeführt, aber die Kinder blieben allein und außen vor.

Sicher gab es Auffälligkeiten, diese haben aber nicht interessiert. Und das war in den 70er und 80er Jahren schon noch mehr, wie heute.

Als Alkoholikerkind lernst du, so unauffällig wie möglich zu sein um die Familie zu schützen. Wie auch immer.

Anonymous antworten
mmieks
 mmieks
Beiträge : 951

Ich habe das Alkoholproblem aus zwei Perspektiven kennen gelernt.

Die Ehe meiner Eltern wurde geschieden, hauptsächlich wegen der Trinkerei meines Vaters. Da war ich erst vier und habe bewusst nichts wahrgenommen.

In 2. Ehe war meine Mutter wieder mit einem Alkoholiker verheiratet. Zum Zeitpunkt ihrer Heirat war ich 15. Aus dieser Ehe stammt ein Kind, meine Schwester hat da schon mehr mitbekommen. Ich wohnte nicht mehr zu Hause und wollte es auch nicht.

Leider hat sie dann selbst einen Alkoholiker geheiratet, der wegen seiner Sucht auch Straftaten verübte und nach der 6. Vorstrafe in Haft war.

Die Kinder meiner Schwester waren auf andere Art süchtig.. Meine Nichte hat es geschafft hat jetzt eine gut funktionierende Familie. Mein Neffe ist heuer in März an seiner Drogensucht gestorben, mit 30 Jahren.

Was noch dazu kommt6: Ich bin ein Wirtshauskind und kenne das Alkoholproblem auch von Seiten von Gästen. Es wird jetzt in 5. Generation geführt. Die "Wirte" haben allerdings das Jugendalkoholverbot immer ernst genommen und ab einem gewissen Pegel auch den übrigen Gästen nichts mehr ausgeschenkt.

Ich kenne also die Spirale, die der Alkohol auslöst von vielen Seiten.

Mein Vater ist auf Grund einer Krebserkrankung noch clean geworden und seine letzten Jahre in dieser Hinsicht frei gestaltet. Das hat mich mit vielem versöhnt.

Meine Cousins sind trotz Wirte-sein in der Rente alle gesund.

Ich selbst bin sucht-gefährdet (Medikamente), was allerdings einer früheren Verschreibungspraxis geschuldet ist. Ich habe einen kalten Entzug gemacht, ohne darauf vorbereitet geworden zu sein. Das wünsche ich nicht einmal dem grüßten Feind.

mmieks antworten
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Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Liebe mmieks,

du hast aber auch einiges hinter dir.

Veröffentlicht von: @mmieks

Mein Neffe ist heuer in März an seiner Drogensucht gestorben, mit 30 Jahren.

Mein Beileid, das tut mir leid. 🙁

Veröffentlicht von: @mmieks

Meine Nichte hat es geschafft hat jetzt eine gut funktionierende Familie.

Schön, wenn man erlebt, dass es auch anders geht.

Veröffentlicht von: @mmieks

. Ich habe einen kalten Entzug gemacht, ohne darauf vorbereitet geworden zu sein. Das wünsche ich nicht einmal dem grüßten Feind.

Das muss hart gewesen sein. Gut, dass du das überstanden hast.

Anonymous antworten


Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Liebe adventurelife,
das ist echt traurig, was du in der Kindheit mitmachen musstest.
Ich stell mir das echt schlimm vor, wenn ein Elternteil immer betrunken ist. 🙁
Hattest du denn niemanden, dem du dich anvertrauen konntest?

Mein Vater hatte vorübergehend für ein paar Jahre auch ein Alkoholproblem. Davon habe ich aber als Kind nicht viel mitbekommen, weil er so gut wie nie da war. Ich bekam das nur ab und zu mal mit, dass es deswegen Zoff zwischen meinen Eltern gab.

"Als Alkoholikerkind lernst du, so unauffällig wie möglich zu sein um die Familie zu schützen. Wie auch immer."

Das ist ein Punkt, den ich sehr gut nachvollziehen kann. Bei uns gab es andere familäre Probleme, für die ich mich als Kind geschämt habe und daher auch nach aussen versucht habe ( leider erfolgreich) die Familienprobleme zu deckeln und auch die Familie zu erhalten und zu schützen.

Sowas raubt einem die Kindheit. Man wird in eine Erwachsenenrolle gedrängt, obwohl man ein Kind ist.
Irgendwann habe ich es auch nicht mehr ausgehalten und weil ich streng erzogen worden bin und mich als Jugendliche nicht rumtreiben durfte oder zu sehr vergnügen durfte, bin ich sehr früh neben der Schule arbeiten gegangen. Auch an den Wochenenden.
Ich wollte einfach nur raus und das Arbeiten, auch wenn es anstrengend war, war wie eine seelische Erholung für mich.

Anonymous antworten
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