wie weiter, wenn Vertrautheit in der Ehe fehlt?
Mit Absicht schreibe ich in Miteinander-Füreinander. Bitte seid behutsam.
Mir geht es darum zu erfahren, ob jemand in seiner Ehe ähnliche Probleme hat und sie lösen konnte. Es wäre mir sehr daran gelegen, einen Lösungsansatz zu entwickeln.
Oder wenigstens eine Möglichkeit, damit leben zu können.
Was ich nämlich nicht möchte, ist Chaos und unnötig zerschlagenes Porzellan.
Also: ich habe einen wunderbaren und interessanten Mann, der immer zu mir gehalten hat. Schon seit vielen Jahren, Kinder haben wir auch, ja, so im Teenie-Alter.
Aber: Und das ist die ganze Wahrheit: ich habe diesem Mann nicht (nur) um seiner selbst willen geheiratet. Sondern unter anderem wegen meines wirtschaftlichen Überlebens. Das wäre eine lange Geschichte, die ich hier nicht erzählen möchte.
Für ihn allerdings war/bin ich, so weit ich weiß, schon eine große Liebe.
Es hätte mehrere andere Männer gegeben, an denen mein Herz mehr hing, wo mehr Seelenverwandtschaft war, wo ich mich leicht und frei fühlte und mehr ich selbst. Aus den verschiedensten Gründen kam es aber mit keinem von diesem zur Eheschließung (trotz z.T. Liebe und auch Beziehung. Die Gründe waren meistens äußerer Art, nur bei einem bin ich heute froh, dass das nichts geworden ist...)
Außerdem ist mein Mann ein großer Schweiger. Leider muss er schon auf der Arbeit schon täglich so viel und so lange reden, dass es ihn dann wirklich große Mühe kostet, sich auch noch auf ein Reden mit mir einzulassen.
Ich bin da schon total ausgehungert. Und was schlimmer ist, ich habe durchaus versucht, ihm die Tragweite des Problems zu erklären. Ich hatte ihn sogar schon mal angeschrien, dass wir jetzt reden - genau jetzt! Da war ich kurz davor zu gehen. Es geht dann immer wieder ein paar Wochen oder Monate lang. Dann ist er mal wieder längere Zeit so gestresst, dass er sarkastisch reagiert: Dann ist jeder Zeitpunkt und jedes Thema falsch, ihn anzusprechen. Ja, ich bin falsch... weil ich Dinge über Reden kläre. Das geht mir an den Lebensnerv.
Dazu muss ich sagen: Ja, ich rede auch gern mal beim Denken. Mein Denken funktioniert durch Reden. Aber: Ich habe schon gelernt, im Freundeskreis mehr zu reden, das hilft sehr. Und ich plappere nicht, es geht nicht um Kochrezepte und Einkauf und Urlaub, es geht um Dinge, die mich wirklich bewegen.
Ich stelle auch über Kommunikation Nähe her und Vertrautheit. Und genau das gelingt mir eben in meiner Ehe nicht mehr.
Mir ist es jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb 5 Jahren passiert, dass ich mich heftigst in einen anderen verliebt habe. Und zwar keineswegs, weil ich es darauf anlege. (der andere Mann jeweils vielleicht schon. Ich bin auch weder hässlich noch uninteressant noch ununterhaltsam…)
Meine Zielrichtung ist klar: Ich möchte diese Ehe verbessern, ich möchte, dass es richtig gut wird.
Einen guten Rat habe ich schon gefunden: in mir selber die spielerischen, fröhlichen, leichten Seiten mehr fördern, die ich auch so vermisse.
Und einen zweiten: mein Kommunikationsbedürfnis auch anders ausleben. Das löst aber nicht das Problem, dass ich zu wenig Vertrautheit mit meinem Mann herstellen kann.
Tja, kommt irgendjemandem das bekannt vor??
Hat jemand eine solche Krise bewältigt? und hat mir noch einen Rat?
Oder ernte ich jetzt das, was ich gesät habe - dass ich nicht nach der Wahrheit entschieden habe bei meiner Ehe, sondern - auch in großen Teilen - nach der Notwendigkeit?
Aber kann es wirklich sein, dass ich trotz meines aufrichtigen Kämpfens um diese Ehe und trotz der Tatsache, dass ich meinem Mann Gutes tun möchte und ihn froh und glücklich sehen möchte - dass diese Wunde immer bleibt? Diese Riesen-Sehnsucht nach inniger Vertrautheit - nach viel mehr, als in dieser Beziehung möglich ist?
Kann es denn wirklich sein, dass ich quasi für meinen fehlenden Mut an anderer Stelle jetzt bis auf weiteres "bestraft" werde?
Kann es denn nicht ein Wunder geben? und wie kann das aussehen?
Ich höre mich vielleicht ein bisschen verzweifelt an, und ich bin es auch. Alles, was ich wollte, war eine liebevolle Ehe zu führen und dass wir beide glücklich sind - und das Meine dazu tun.
Aber es wird doch nie wirklich gut....
Was ich an den Fremdverliebtheiten merke - die absolut heftig sind.
Und nun - was mache ich denn jetzt???
Nähe und Distanz....
Hallo Anonama,
ich habe einen wunderbaren und interessanten Mann, der immer zu mir gehalten hat. Schon seit vielen Jahren, Kinder haben wir auch, ja, so im Teenie-Alter.
ich habe diesem Mann nicht (nur) um seiner selbst willen geheiratet. Sondern unter anderem wegen meines wirtschaftlichen Überlebens. Mir ist es jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb 5 Jahren passiert, dass ich mich heftigst in einen anderen verliebt habe.
Es hätte mehrere andere Männer gegeben, an denen mein Herz mehr hing, wo mehr Seelenverwandtschaft war, wo ich mich leicht und frei fühlte und mehr ich selbst. Aus den verschiedensten Gründen kam es aber mit keinem von diesem zur Eheschließung.
Ich bin da schon total ausgehungert. Und was schlimmer ist, ich habe durchaus versucht, ihm die Tragweite des Problems zu erklären. Ich hatte ihn sogar schon mal angeschrien, dass wir jetzt reden - genau jetzt! Da war ich kurz davor zu gehen.
Ja, ich rede auch gern mal beim Denken. Mein Denken funktioniert durch Reden
Ich stelle auch über Kommunikation Nähe her und Vertrautheit. Und genau das gelingt mir eben in meiner Ehe nicht mehr.
Diese Riesen-Sehnsucht nach inniger Vertrautheit - nach viel mehr, als in dieser Beziehung möglich ist?
Letztens habe ich mitten in Intimitäten abgebrochen und bin in Tränen ausgebrochen, weil er es nicht mal da lassen konnte zu sagen, "dass er ja jetzt wenigstens mal nicht reden muss". Hab ihm am nächsten Tag erklärt, wie sehr mich das verletzt hat. Finde, das geht zu weit.
Ich habe mir mal deine, für mich wesentlichen Aussagen, zusammengefasst und da zeichnet sich mir das Bild eines Paares, das mit den unterschiedlichen Bedürftigkeiten in Fragen der Nähe/Distanz keinen konstruktiven Umgang praktiziert. Eure Paarsituation ist die Spielwiese für Problematiken, die in euren Vorstellungen von Partnerschaft, aber auch eurem mitgebrachten Lebensmaterial, einen symptomatischen Ausdruck erleben. Da dein Mann hier nicht mitdiskutiert, bleibt nur die Zuwendung zu deinem Part.
Zuerst einmal wäre da für mich die Vorstellung genauer unter die Lupe zu nehmen. Ist Ehe der Ort, an dem der Partner zum Versorger des Anderen wird und das in allen Lebensbereichen?
Du schreibst, du hast deinen Mann aufgrund der wirtschaftlichen Versorgung geheiratet. Du beschreibst einen soo tiefen Hunger nach emotionaler Versorgung und Nähe. Das klingt schon fast so ein wenig wie eine Sehnsucht nach symbiotischer Verbindung. Das fällt in der Beschreibung deiner anderen Männerbeziehungen auf.
Kennzeichen symbiotischer Beziehungen ist eben der Umstand, dass keiner mehr er selbst sein darf, räumliche Trennungen im Alltag, Grenzziehung als Ablehnung und Bedrohung empfunden werden usw. Diese Bedürftigkeit nach seelischer Verschmelzung, Geborgenheit, Nähe und Versorgung darin, gehört entwicklungspsychologische in das Kindesalter, auch wenn wir als Erwachsene diese Sehnsucht in uns tragen. Doch als Erwachsene haben wir bestenfalls gelernt, die Stillung unserer Bedürfnisse nicht mehr zu externaliseren, sondern Sinne der Selbstfürsorge Verantwortung für die inneren Bedürftigkeit selbst zu übernehmen.
Momente der seelischen Verschmelzung sind kostbare Erfahrungen, doch sie sind Momentaufnahmen, kein Dauerzustand. Dazu gehört, dass man sich auch wieder voneinander lösen muss. Wirkliches „Verstehen“ zwischen Erwachsenen setzt voraus, dass akzeptiert werden kann, wenn der Partner nicht immer liebevoll und zugewandt ist, sondern manchmal auch abweisend und gleichgültig. Ansonsten ist der Ausspruch „Du verstehst mich nicht!“ mit „Du erfüllst meine Bedürfnisse nicht!“ zu übersetzen. Wirkliche tiefe seelische Nähe kann jedoch nur da stattfinden, wo Freiheit herrscht. Die Freiheit, der, oder die zu sein, der man ist. Wenn dein Mann dir in einem intimen Moment eröffnet, dass dies ein Moment ist, wo er mal schweigen darf, dann ist das ein Drama. Unter welchem enormen Druck muss er stehen, so in seiner Persönlichkeit verformt werden zu müssen?
Bleibt man als Erwachsener in der Erwartungshaltung und Sehnsucht stecken, wird der Partner zum Versorger. Da braucht es mitunter prof. Hilfe, sind solche Prozesse in der eigenen Biografie nicht optimal verlaufen. Sicherlich ist es eine Option, die Ehe zu beenden, sich einen anderen Partner zu suchen, doch das löst nicht wirklich das Problem in dir. Dich selbst nimmst du mit. Wie ein Vogel, der zu früh aus dem Nest gefallen ist, auf der ständigen Suche nach dem Nest. Das Nest jedoch lässt sich nicht finden, sondern nur selbst bauen………….
Ein weiteres Thema, dass mir auffällt, hat mit der Frage der Partnerwahl zu tun. Es ist oftmals das Gegensätzliche im Partner, dass anzieht. Solche Prozesse laufen unbewusst ab und haben damit zu tun, dass der Partner versteht zu leben, was in der eigenen Person als Defizit erfahren wird, oder unterentwickelt ist. Genau das, was uns in den Anfängen anzieht, ist oftmals nach langen Jahren der Punkt, der uns voneinander abstößt, ist es in der Partnerschaft nicht gelungen, die Defizite im eigenen Leben auszubauen.
Banales Beispiel: Mein Mann ist der flexible, gelassene und eher unstrukturierte Mensch. Ich bin da eher der Perfektionist und strukturiert. Wir sind da die totalen Gegensätze und haben uns zur Aufgabe gemacht, uns darin als Ergänzung zu sehen. Beide können wir voneinander lernen. Ich habe im Laufe unserer Ehe gelernt, in vielem fünfe grade sein zu lassen, gelassener zu werden, weniger perfektionistisch und mich nicht so verrückt zu machen. Er hat gelernt, dass Struktur durchaus helfen kann, Ordnung ins Chaos zu bringen. Beide müssen wir uns nicht verbiegen, denn wir lassen uns den Freiraum, immer auch das auszuleben, was wir sind. Wir könnten uns natürlich darin auch bekämpfen, meinen, den anderen nach unseren Vorstellungen umerziehen zu müssen. Das wäre falsch………..
Freiheit ist die Basis, sich zueinandner zu entwickeln, ein Wir zu bauen, indem das Du/Ich so sein darf wie es ist.
Übertrag das mal auf eure Unterschiedlichkeit. Du bist diejenige die redet, dein Mann eher der Schweiger. Wenn einer ständig redet, muss der andere schweigen. Darf der Schweiger nicht mal über das reden, was seine Themen sind, sondern hat inhaltlich über das zu reden, was der anderen sich vorstellt, lässt sich darin keine Freiheit mehr erkennen. Rückzug ist in einem solchen Klima dann das, was bleibt. Rückzug jedoch verstärkt deine Problematik und so seid ihr auf eine ausgesprochen destruktive Weise an einander gebunden. Klammern und Weglaufen, das ist euer Tanz. Wer klammert, nimmt dem anderen die Luft zum Atmen. Wer sich entzieht, übt darin sicherlich auch eine Form der Macht aus. Lösungen kann man darin finden, indem sich erst mal jeder seinen eigenen inneren Themen zuwendet, Grenzen im Miteinander definiert werden, die unbedingt einzuhalten sind. Grenzen schaffen Freiheit und an beidem scheint es in eurer Beziehung zu mangeln….
Ich wünsche dir von Herzen, dass du Möglichkeiten entdeckst, aus der Passivität auszusteigen und die Versorgung deines inneren Menschen nicht an deinen Mann delegierst. Das befreit ungemein......
Lieben Gruß
Ahischa
Jetzt weiß ich echt nicht mehr,
ob ich grad lachen oder weinen oder in die Tischkante beißen soll...
Aber es tut mir herzlich leid, dass ich nicht als Musterbeispiel auf die Theorie "wenn Frauen zu sehr lieben" bzw. Coabhängigkeit und dergleichen Richtung passe.
Aber ja, ich habe mich auch damit schon befasst auf meiner Suche (auch wenn mir das sicher wieder niemand hier glaubt, dass ich mich auch damit schon befasst habe). und ja, ich habe Elemente davon bei mir entdeckt und versucht, sie zu bearbeiten.
Insofern, ja, danke, dass du mich daran erinnert hast. Das war und ist schon hilfreich, auch das zu sehen.
Aber, dieses Vollbild einer solchen Person, wie du da beschreibst, bin ich in keiner Weise.
Ist dir schon der Gedanke gekommen, dass für einen solchen "Tanz" oder um ein solches Spiel zu spiele ZWEI notwendig sind?
Und könnte es nicht vielleicht sein, dass vielleicht ich das ein oder andere "Rad ab" habe, aber beziehungstechnisch doch noch recht "normal" ticke - aber mein Mann die massiven Schwierigkeiten hat (dann eben spiegelbildlich).
Und könnte es nicht vielleicht sein, dass, wenn ich nun versuche, auf vernünftige Weise meinen Mann zu lieben, wie er es sich wünscht - und er wünscht sich mehr Körperlichkeit - Wenn ich also Sex habe, schon mehr, als ich eigentlich bräuchte, ihm zuliebe, und er es nicht mal da lassen kann, mich wegen meines Kommunikationsbedürfnisses aufzuziehen -
ist es nicht genau so verständlich, wenn ich mich da tief verletzt fühle?
(Natürlich könnte auch deine Theorie zutreffen, aber jedes Ding hat eben 2 Seiten.)
Ich entscheide mich jetzt für 1. Tischkante beißen, 2. ordentlich lachen (denn das ist noch das Gesündeste).
Nein, es tut mir wirklich leid, dass ich deiner Theorie nicht als Musterbeispiel entsprechen kann.
Aber ja, es gibt da sicher auch Aspekte, deren bin ich mir schon länger bewusst. Aber ich bin ganz sicher, dass das nicht das hier vorliegende Hauptproblem ist.
Aber es tut mir herzlich leid, dass ich nicht als Musterbeispiel auf die Theorie "wenn Frauen zu sehr lieben" bzw. Coabhängigkeit und dergleichen Richtung passe.
Es geht nun wirklich nicht darum, in meine Vorstellungen zu passen. Du hast deinen Leidensdruck formuliert und dazu kann ich dir lediglich ein paar Gedankenanstöße geben. Mehr nicht. Du hast den Leidensdruck und du musst da Lösungswege für dich finden, die gangbar sind. Natürlich kannst du da alles ablehnen, was andere an Gedanken dazu aufbringen. Das steht dir doch frei…..
Aber, dieses Vollbild einer solchen Person, wie du da beschreibst, bin ich in keiner Weise.
Ich erhebe auch nicht den Anspruch, dich in vollem Umfang wahrzunehmen. Kann mich da nur den wenigen Schilderungen äußern, die im Rahmen eines solchen Forums möglich sind. Alles andere gehört m. E. dann auch eher in ein geschütztes persönliches Gespräch.
Ist dir schon der Gedanke gekommen, dass für einen solchen "Tanz" oder um ein solches Spiel zu spiele ZWEI notwendig sind?
Ja sicherlich. Deshalb wählte ich dieses Bild. Zum Tanzen gehören immer zwei……..
Dein Mann ist nicht hier, deshalb beschränke ich mich da auf deinen Part.
Und könnte es nicht vielleicht sein, dass vielleicht ich das ein oder andere "Rad ab" habe, aber beziehungstechnisch doch noch recht "normal" ticke - aber mein Mann die massiven Schwierigkeiten hat (dann eben spiegelbildlich).
Das kann ich sicherlich nicht beurteilen, würde das auch nicht so benennen. Letztlich geht es auch nicht darum, sondern um deinen Leidensdruck und der kann nur da bearbeitet werden, wo er existiert.
Und könnte es nicht vielleicht sein, dass, wenn ich nun versuche, auf vernünftige Weise meinen Mann zu lieben, wie er es sich wünscht - und er wünscht sich mehr Körperlichkeit - Wenn ich also Sex habe, schon mehr, als ich eigentlich bräuchte, ihm zuliebe, und er es nicht mal da lassen kann, mich wegen meines Kommunikationsbedürfnisses aufzuziehen -
ist es nicht genau so verständlich, wenn ich mich da tief verletzt fühle?
Natürlich verstehe ich, dass du verletzt bist. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Bedeutet die „vernünftige“ Art und Weise zu lieben, das zu tun, was der Partner sich wünscht? Ist Liebe nicht viel mehr der Ausdruck der absolut bedingungslosen Annahme und Wertschätzung? Liebe auf Handeln zu reduzieren, hat doch etwas sehr Mechanisches.
Nein, es tut mir wirklich leid, dass ich deiner Theorie nicht als Musterbeispiel entsprechen kann.
Oh, das muss dir nicht leid tun. Warum? Es geht hier um dich und deinen inneren Zustand und da entscheidest du, was du annehmen kannst, oder ablehnst……..
Lieben Gruß
Ahischa
Hallo Ahischa,
wenn du den kompletten Thread liest, wirst du feststellen, dass ich mitnichten jede Idee und jeden Vorschlag ablehne.
Ganz im Gegenteil: Ich schaue es mir an, prüfe es, ob es passt. Dann denke ich, Manches könnte ich umsetzen, und Manches trifft es einfach nicht. Das kann ich dann getrost abhaken.
Veröffentlicht von: @ahischaBedeutet die „vernünftige“ Art und Weise zu lieben, das zu tun, was der Partner sich wünscht?
nein. es bedeutet aber vielleicht zu versuchen, seine Liebessprache zu lernen. Mehr von dem zu tun, wobei er sich geliebt fühlt. Es ist zumindest einen Versuch wert, das auszuprobieren.
Veröffentlicht von: @ahischaIst Liebe nicht viel mehr der Ausdruck der absolut bedingungslosen Annahme und Wertschätzung? Liebe auf Handeln zu reduzieren, hat doch etwas sehr Mechanisches.
Ich reduziere Liebe nicht auf Handeln. Was tun aber, wenn die Gefühle fehlen - abhanden kommen - sich nie so einstellen, wie erhofft? Höre ich dann auf, den Partner, für den ich mich einmal entschieden habe, liebevoll zu behandeln?
Heißt das dann , ich habe falsch gewählt - ich sollte mich trennen? (was ja durchaus sein kann und ich schon in Erwägung gezogen habe...)
Oder heißt es: (danke Irrwisch): Jetzt schaue ich mal hin, was denn Gutes in dieser Partnerschaft ist und worauf wir aufbauen können?
Und heißt es vielleicht auch:
Ich schaue genau so gut hin und erkenne, was nie so sein wird, wie es vielleicht erhofft wurde. und ich mache meinen Frieden damit. Ebenso wie mein Partner seinen Frieden macht. und dann bauen wir weiter auf, auf diesem Frieden und auf allem, was uns diese Partnerschat - trotzdem ? -an Gutem und Bewahrenswertem bietet.
Übrigens ist der letzte Absatz meine Quintessenz aus diesem Thread. und ich danke allen, die zu dieser Erkenntnis beigetragen haben.
Immerhin sehe ich mal noch wieder einen Weg, den es auszuprobieren lohnte.
Hallo Ahischa,
wenn du den kompletten Thread liest, wirst du feststellen, dass ich mitnichten jede Idee und jeden Vorschlag ablehne.
Das habe ich doch so gar nicht gesagt. Ich habe dir versichert, dass es deine Freiheit ist, deine Entscheidung, was du für dich aus all dem Gechriebenen herausnehmen kannst. Wo kämen wir hin, würden wir einander Vorschriften machen, was der Einzelne für sich als hilfreich zu empfinden hat…? Davon bin ich weit entfernt. Das muss jeder Mensch für sich alleine herausfinden.
Ganz im Gegenteil: Ich schaue es mir an, prüfe es, ob es passt. Dann denke ich, Manches könnte ich umsetzen, und Manches trifft es einfach nicht. Das kann ich dann getrost abhaken.
So soll es doch sein…..
nein. es bedeutet aber vielleicht zu versuchen, seine Liebessprache zu lernen. Mehr von dem zu tun, wobei er sich geliebt fühlt.
Ich halte von den 5 Sprachen der Liebe nichts.
Liebe ist eine Herausforderung und nimmt uns immer als ganzen Menschen in Anspruch und das hat sehr viel unserer Bindungs- und Liebefähigkeit zu tun. Da wo wir lieben, lassen wir jemanden nah an uns herankommen. Liebe ist die Verbundenheit durch das Vertrauen. In der Partnerschaft findet sie ihren Ausdruck in der Treue, dem sich aufeinander verlassen können bei aller Unterschiedlichkeit, egal was kommt. Das ist etwas vollkommen anderes, als der schnelle Kick flüchtiger Verliebtheit. Wahre Liebe beginnt da, wo wir aufhören, andere Menschen verändern zu wollen. Akzeptanz heißt, anzuerkennen, was ist und dem Verzicht darauf, das verändern zu wollen, was am anderen stört. Nähe und Distanz in der Partnerschaft entsteht erst durch die Akzeptanz. Liebe lebt von dem Verstehen, unsere Andersartigkeit eben nicht zu jeder Zeit miteinander teilen zu können. Wer liebt, der lässt los. Unsere Partner sind nicht unser Besitz.
Bonhoeffer hat mal gesagt: „Wahre Liebe will alles für den anderen, nichts von dem anderen….“ Ein Satz, über den ich immer mal wieder nachdenke, denn er spricht das an, was ich unter einer Herzenshaltung verstehe, deren höchstes Ziel ist, sich zu verströmen, nicht in Empfang zu nehmen. Man kann sich als Mensch sicherlich in beidem spüren. Im Empfang, als auch dem Verströmen. Wer die Liebe, die er in sich trägt, verströmt, der ist wirklich frei. Frei, weil er sich selbst nicht mehr zum Mittelpunkt macht, sondern den Blick von sich selbst nach außen richtet.
Was tun aber, wenn die Gefühle fehlen - abhanden kommen - sich nie so einstellen, wie erhofft? Höre ich dann auf, den Partner, für den ich mich einmal entschieden habe, liebevoll zu behandeln?
Wenn Liebe Akzeptanz, Treue, Loslassen, Verstehen, Geduld usw. bedeutet, dann findet das nicht seinen Ausdruck in einem Handel, in dem der Eine Intimität gibt und im Gegenzug das erhält, was seiner Bedürftigkeit ausmacht. Was auch immer das ist.
Heißt das dann , ich habe falsch gewählt - ich sollte mich trennen? (was ja durchaus sein kann und ich schon in Erwägung gezogen habe...)
Ich würde sagen, anfangen ehrlich zueinander zu sein. Du sagst, dass du dich immer wieder außerhalb deiner Ehe verliebst, seelische Nähe in anderen suchst und da das an Emotionen spürst, was dir in deiner Ehe nicht existent ist. Mit deinem Partner lebst du deine Realität. Andere Männer können da sehr schnell zur Projektionsfläche deiner Sehnsüchte werden, was sich mit zunehmender Lebensrealität vermutlich schnell wieder regulieren würde. Eine Projektionsfläche lässt sich schnell idealisieren, wenn die Gefühle dazu passen. Realität endidealisiert. Es hilft wenig, eine vergangene Entscheidung, die damals für dich stimmig und richtig war, in der Rückschau als falsch zu definieren, um das jetzige Handeln zu legitimieren.
Ich schaue genau so gut hin und erkenne, was nie so sein wird, wie es vielleicht erhofft wurde. und ich mache meinen Frieden damit. Ebenso wie mein Partner seinen Frieden macht. und dann bauen wir weiter auf, auf diesem Frieden und auf allem, was uns diese Partnerschat - trotzdem ? -an Gutem und Bewahrenswertem bietet.
Das kann sicherlich ein gangbarer Weg sein. Ich bin ein großer Freund davon, Vorstellungen immer wieder zu hinterfragen, denn oft genug hindern sie am Leben. Frieden mit dem zu machen, was ist, schafft Freiraum, Neues zu entwickeln.
Darin wünsche ich dir ein gutes Gelingen......
Lieben Gruß
Ahischa
Das über die Freiheit in der Liebe und das Anerkennen der Realität, da finde ich mich wieder, und du hast es gut beschrieben. Vielen Dank, das stimmt so.
Veröffentlicht von: @ahischaWer die Liebe, die er in sich trägt, verströmt, der ist wirklich frei.
Hm, naja, man kann auch ganz schön ins Leere "strömen" und dabei ziemlich unglücklich werden.
Wo ich aber zustimmte: Ja klar, ich kann immer nur entscheiden, was ICH tue, nicht was der andere zu tun hat. In diesem Sinne bin ich frei, und das gilt natürlich auch für die Liebe.
Was die 5 Sprachen betrifft: Nein, ich denke eben auch, dass ein Tauschhandel nicht gemeint sein kann.
Veröffentlicht von: @ahischaEs hilft wenig, eine vergangene Entscheidung, die damals für dich stimmig und richtig war
Das ist ja genau mein Problem: Dass die Entscheidung damals nicht wirklich komplett stimmig war. Richtig war sie vielleicht sogar, aber auch das weiß ich nicht ganz genau.
Trotzdem bleibt die Entscheidung bestehen, und ich nehme sie sehr ernst.
Vielleicht kann man ja eben sogar aus Entscheidungen, die nicht komplett stimmig waren, noch etwas machen?
(Übrigens habe ich diese für mich nicht ganz stimmige Entscheidung vor dem Hintergrund getroffen, dass ich in einem ganz anderen Lebenszusammenhang nicht frei war. Dies zu einem großen Anteil nicht meine Verantwortung aber natürlich habe ich auch in dem Bereich da selbst viele Fehler gemacht., Ich bin eben auch nur ein Mensch.)
Veröffentlicht von: @ahischaVorstellungen immer wieder zu hinterfragen, denn oft genug hindern sie am Leben. .
Genau das habe ich mir vorgenommen, als nächsten Weg.
Veröffentlicht von: @ahischaFrieden mit dem zu machen, was ist, schafft Freiraum, Neues zu entwickeln.
Und das ist meine Hoffnung dabei.
Schön, dass du das verstanden hast.
Die Nähe, die ich suche ...
Liebe Anonmya,
von mir will ich schreiben - vielleicht hilft dir das indirekt weiter.
Über alles gemeinsam nachdenken können, sich zusammen Gedanken machen über Gott und die Welt, reflektieren und sich darüber austauschen, sich bis in jeden Winkel öffnen und einen anderen bis in die Tiefe kennen ... Ist es das, was Partnerschaft ausmacht? So hatte ich mir Beziehung vorgestellt. Erlebt habe ich das so nicht. Ich teile Welten meines Partners nicht und er teilt Welten von mir mir nicht. Ist das ein Verlust?
Manchmal erlebe ich es so. Meist aber habe ich gelernt, den Gewinn dahinter zu sehen und darauf will ich mich immer wieder besinnen, wenn mir etwas (das was du Vertrauthaut nennst, zudem ich nur Nähe sage oder was man auch Einklang nennen könnte) fehlt.
Mein Partner und ich sind nicht eins, wir bilden einen Zweiklang, wir haben uns füreinander entschieden, bilden eine Einheit, sind und bleiben aber unterschiedlich. Dieses Nähe, die ich mehr gewünscht habe, ich könnte sie so nicht beständig leben (und noch weniger könnte ich sie leben, wenn sie jemand von mir - sei es auch nur unbewusst - fordern würde). Nähe wird geschenkt, intensive Nähe zeigt sich situativ, Nähe wächst. Nähe kann anders aussehen, als ich meine, wie sie zu sein hat. Denn Nähe kann auch da sein, ohne dass ich sie (gleich auf Anhieb) wahrnehme.
Mein Partner und ich teilen nicht alle Welten gemeinsam. Ja, das ist ein Gewinn. Wir sind nicht voneinander abhängig, wir grenzen uns voneinander ab, wir schenken uns Freiraum, wir gehen auch getrennte Wege, wir teilen unser Denken nicht beständig (und auch nicht auf Knopfdruckwunsch) und das bestimmt auch nicht unser Reden. Wir leben miteinander, sind für einander da, teilen natürlich auch gemeinsame Welten - dies mehr praktisch als geistig. Und das ist gut so, auch wenn ich mir immer wieder mehr wünsche. Nur - so wie ich mir Liebe lange Zeit gedacht habe ... Sie so zu leben, hätte sie ersticken lassen. Diese Liebe wäre auf gewisse Weise sich selbst genug gewesen. Das erlebe ich auch unter uns Christen, wenn wir uns nur im eigenen Kreis drehen und unsere (Glaubens-)Erkenntnis absolut setzen und zum Maßstab gegenüber anderen nehmen.
Soweit mein sehr persönlicher Blick auf dieses Thema. Denn ich hab mir auch schon so oft "mehr" gewünscht, bin meiner Unsicherheit und Unschlüssigkeit gedanklich nachgegangen. Diese Tiefgründigkeit, die dahinter steckt - es fällt schwer sie zu lassen. Und dennoch liegt ein Gewinn darin. Und ich bin mir sicher, bei allem Denken und Reden - gelebt werden (nicht gedacht und geredet werden) will das Leben. Und mein Partner ist mir nah, auch wenn er noch so anders ist und ich meine, mir ihm nicht in allem mitteilen zu können. Es gibt mehr als Gedanken, mehr als Worte was verbindet. Und was meine ich schon zu wissen, egal wie viel ich scheine mehr zu denken und in Worte zu fassen...
Alles Liebe für dich, liebe Anonyma!
Die Seidenlaubenvogel