Blackout - und plötzlich wurde es dunkel.
Als Mr. K in der Nacht von Sonntag auf Montag gegen 1:40 Uhr den mit Keramikfliesen verkleideten Hygieneraum betrat, war alles noch normal. Doch während er da saß und einem Bedürfnis nachkam, wurde es plötzlich komplett dunkel. Kein Licht, keine (dringend benötigte) Abluft - und sofort reifte in Mr. K die Erkenntnis, dass etwas vorgefallen sein musste. Im Dunkeln beendete er sein Geschäft. Danach trat er auf die Terasse und bemerkte, dass es in seiner Heimatsstadt sehr dunkel wurde.
So oder anders könnte man meine Erfahrung mit dem plötzlichen Stromausfall in Reutlingen beschreiben. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Stromversorgung zwar größtenteils wieder hergestellt (es sind nur noch ca. 50 Gewerbebetriebe ohne Stromversorgung), aber die Sache veranlasst mich zum innehalten.
Die Sache ist die - Die Stadtwerke Reutlingen betreibt neben dem nun betroffenen Umspannwerk in der Markwiesenstraße 5 weitere Umspannwerke in Reutlingen und der näheren Umgebung. Nur eines davon ist nun ausgefallen - und was waren die Folgen? Tagelanges Chaos. Ganze Stadtteile, ohne Strom, teilweise auch jetzt, fast 2 Tage nach den Ausfall immer noch. Operationen im KKH Reutlingen wurden verschoben. Supermärkte mussten teilweise Lebensmittel vernichten, weil diese nicht mehr gekühlt werden konnten. Rettungskräfte im Dauereinsatz. Internet und Telefonie ebenso betroffen. Man sollte auch bedenken, das viele unserer modernen Apparationen ohne Elektrizität schlichtweg nicht funktionieren. Es ist also nicht nur, dass man halt ne Weile auf Internet und Flimmerkasten verzichten muss, sondern auch, dass Banken ohne Strom kein Geld auszahlen können, Bäckereien ihre Öfen nicht anheizen können, die medizinische Versorgung ausfällt und ganze Produktionsanlagen stehen bleiben. Man merkt, wie abhängig man von der unsichtbaren Macht aus der Steckdose ist - und ich frage mich für meinen Teil, ob wir uns insgesamt nicht viel zu abhängig von unserer eigenen Kreation gemacht haben.
Aktuell geht das LKA zudem von einem Brandanschlag aus, wenngleich auch in alle Richtungen ermittelt wird. Der Minischderbräsident vo Bada-Württaberg, nimmer Kretschmann sondern Özdemir, sagt gleichzeitig, dass es unmöglich sei, alle Umspannwerke in Deutschland vor solchen Angriffen zu schützen. Ja, was passiert jetzt, wenn in Reutlingen nochmal ein Umspannwerk die Grätsche macht?
Ha, no werd's hald a bissle dunkel, könnte man lässig sagen. Aber ich glaube, die Dunkelheit wäre nicht unser größtes Problem in der Situation...
Veröffentlicht von: @mr-kMan merkt, wie abhängig man von der unsichtbaren Macht aus der Steckdose ist - und ich frage mich für meinen Teil, ob wir uns insgesamt nicht viel zu abhängig von unserer eigenen Kreation gemacht haben.
Und was tun wir*?
Wir digitalisieren immer mehr, kommunizieren nur noch per Mail, schicken Arztberichte nur noch online, schaffen Papierrezepte ab und buchen E-Rezepte auf Krankenkassenkarten (ist eh ein störungsanfälliges System), träumen davon, Bargeld abzuschaffen, fahren E-Autos und reden von Stromsparen. ...
*'Wir' bedeutet in diesem Fall nicht ich - ich steh dieser Sache mindestens ein bissel kritisch gegenüber.
schicken Arztberichte nur noch online,
Das wäre ja mal schön, wenn das wirklich so laufen würde. Meine letzten zwei Erlebnisse waren einmal eine CD, die ich selbst mitnehmen und übergeben musste und einmal wurde alles ausgedruckt und per Post versendet. Gut, ohne Strom hätte der Arzt die Texte von Hand schreiben und die Bilder abmalen müssen 🤣
schaffen Papierrezepte ab
Papierrezepte sind nicht abgeschafft. Die gehen nach wie vor und sind auch bei Ausfall des IT Systems weiter vorgesehen.
fahren E-Autos
Also ein E-Auto kann man zu hause selbst laden. Theoretisch auch wenn die Stadt kein Strom hat, wenn man eine entsprechende Anlage hat (mir ist klar, dass das meist nicht gegeben ist). Beim Benziner bist du vollständig von der Gnade ausländischer Unternehmen abhängig, sofern du nicht in deinem Garten nach Öl bohren und dieses dann verarbeiten willst.
Meine Frau hat durch solche Berichte inzwischen leichte Preppertendenzen..Batterien und mehrere Taschenlampen/Stirnlampen, Kochplatten mit Brennspiritus im Keller, Essen für mehrere Tage, usw. Nur das wichtigste, Wasser für 1 bis 2 Wochen bekommen wir irgendwie noch nicht hin.
VG
Chey
Veröffentlicht von: @cheyNur das wichtigste, Wasser für 1 bis 2 Wochen bekommen wir irgendwie noch nicht hin.
Das braucht halt auch am meisten Platz.
Wer keinen Keller hat, muss das ja auch irgendwo unterbringen.
Das versuche ich auch ständig, aber immer, wenn ich vor den Dosen mit Essen stehe, dreht sich mir alles um und ich geb auf. 😀 (is ja nur zum Aufheben fürs Überleben)
Radio mit Kurbel und Kocher mit Spiritus is auch ne Idee *notier* ... Ja, ich muss dringend ausmisten, ich hab gar keinen Platz für so viele Wasserflaschen oder den Rest ...
Meine Frau will immer Dosenbrot einlagern. Aber irgendwann muss man das ja essen. Und wer isst Dosenbrot, wenn keine Notlage ist?
Ja, genau mein Problem. 😀 Ich muss es ja dann so einlagern, dass ich auch immer wieder auf die Verfallsdaten gucke. Also im Keller geht bei mir nicht, da geh ich so gut wie nie runter. 😀
Veröffentlicht von: @cheyMeine Frau will immer Dosenbrot einlagern. Aber irgendwann muss man das ja essen.
Und wer isst Dosenbrot, wenn keine Notlage ist?
Ich bekam kürzlich eine Dose Brot aus den 80-er Jahren geschenkt.
Konnte man noch essen.
Veröffentlicht von: @paeonie@chai Weiß nicht, ob ich das wollte...klingt wie Hermann, der Futterkuchen, der über Jahre weitergegeben wird.
Bisschen gruselig 😌
Kein bisschen gruselig. War ganz einfach Pumpernickel.
Mag vielleicht nicht jedes, aber es war gut essbar.
Und ist mir lieber als schlabberiges Toastbrot, das man ja nicht toasten könnte.
Ja, die Abhängigkeit von Strom und Internet ist bedenklich.
Schon in der Coronazeit wurde auf Vorratshaltung hingewiesen. Dabei habe ich bewusst auf Trocknen, Dörren, Fermentieren und Süßsauer einlegen und Einkochen umgestellt, soweit es mir möglich ist. Nur Fleisch einkochen, da schrecke ich noch vor zurück wegen Erfahrungsmangels und speziellem Drucktopf. Botulismusbakterien sind eine ernsthafte Gefahr.
Die Bevorratung bzw Desinfektion von Wasser ist nicht so einfach lösbar und die Toilettenspülung ist auch eine Herausforderung. Nicht jeder hat die Möglichkeit eines Spatenganges in die Dünen.
Bei der Toilette soll man wohl Müllbeutel o.ä. in die Toilette hängen. Wasser gibt's ja nicht.
Ich glaube, wir schlagen uns dann doch lieber zu unserem Wohnwagen durch.
VG
Chey
Wir haben schon mal einen längeren Stromausfall im Schneewinter 79 erlebt. Ich war in einem Personalzimmer unter dem Dach juchhee, aber zu meinem Glück mit einem Gas-Aussenwand-Ofen, der keinen Strom brauchte. Wasser war nicht eingeschränkt, so dass Kaffee und heiße Suppe gesichert waren.
Sowas übt.
Letztes Jahr zickte der Gaszünder der Heizung und bis der Fehler gefunden war, konnten wir uns über 10 Tage mit Holzofen und geliehenen Ölradiatoren behelfen.
Neulich fielen die Kassen im Supermarkt aus. Die Kunden bekamen Papier und Stift und notierten die Preise am Regal von den Waren, die sie in den Einkaufswagen luden. So als größeres Dorf geht hier noch einiges flexibel und von Hand.
Sicher ist jedenfalls, dass nichts sicher ist.
WSir hatten an einem Wasserrohrbruch und an die 30 Grad.
An dem Wochende hat mir Nachbar gegenüber mit Wasser ausgeholfen. Insgesamt nur 50 Liter verbraucht 🙂
Gott sei Dank für so einen hilfsbereiten Nachbarn.
@deborah71 Ich denke, es ist möglich, 10 Tage ohne Strom zu überleben, solange eine Frischwasserquelle vorhanden ist. Auch ohne Bevorratung. Wenn man sich bis dahin dann noch keinen Alternativplan zurecht gelegt hat hat man danach ein Problem. Wobei...
Ich hab es selbst mal 14 Tage ohne Strom und nur mit Brunnenwasser überlebt. Hätte es vielleicht noch länger ausgehalten, aber der Urlaub war vorbei...
Es gibt ja schon seit längerem den Ratschlag, stets Wasser und (haltbare) Lebensmittel für drei Tage zu Hause zu haben.
Mineralwasser mit Kohlensäure hält sich länger als »stilles¢ Wasser.
Hier in Kreuzberg kann für Waschen oder Klospülen (per Eimer!) etc. die nächste Pumpe benutzt werden, die Grundwasser hoch pumpt. Natürlich nur so lange, bis der Grundwasserspiegel so abgesenkt ist, dass die Pumpe nichts mehr liefert. Schon jetzt sind in Berlin manche Pumpen auf dem Trockenen.
Ja, die gibt es wohl über die Stadt verteilt. Auch bei mir in Charlottenburg gibt es einige ...
In manchen Ländern gibts für Sabotageakte harte Strafen. Hier kriegste für sowas Bewährungsstrafe.
In Singapur zum Beispiel
Prügelstrafe (Caning): Für Delikte wie Vandalismus (z.B. Graffiti), Einbruch oder Vergewaltigung drohen Schläge mit einem Rattanstock. Dies gilt auch für Ausländer und Touristen.
oder
Geldstrafen & Sozialstrafen: Das Wegwerfen von Müll (Littering), Spucken auf die Straße oder das Füttern von Tauben kostet schnell umgerechnet über 1.000 Euro. Wiederholungstätern drohen „Corrective Work Orders“ – dabei müssen sie in auffälligen Westen öffentliche Straßen reinigen.
M.
Veröffentlicht von: @meriadocIn Singapur zum Beispiel
Prügelstrafe (Caning): Für Delikte wie Vandalismus (z.B. Graffiti), Einbruch oder Vergewaltigung drohen Schläge mit einem Rattanstock. Dies gilt auch für Ausländer und Touristen.
oder
Geldstrafen & Sozialstrafen: Das Wegwerfen von Müll (Littering), Spucken auf die Straße oder das Füttern von Tauben kostet schnell umgerechnet über 1.000 Euro. Wiederholungstätern drohen „Corrective Work Orders“ – dabei müssen sie in auffälligen Westen öffentliche Straßen reinigen.
Ja, aber ist das der richtige Weg? Mir erscheint es unverhältnismäßig und menschenunwürdig.
Wenn durch einen längeren Stromausfall Leben gefährdet oder umkommt ist es nicht hart genug. Weißt du wieviele Menschen zuhause intensiv betreut werden? Oder im Aufzug einen Herzinfarkt oder Hirnschlag bekommst?
Die als Beispiel genannten Strafen waren doch recht unterschiedlich: von Graffitti sprühen bis Vergewaltigung, bzw. bei der Geldstrafe von Spucken auf den Bürgersteig bis Tauben füttern.
Meinst du, dass die Strafen alle verhältnismäßig sind?
Zumal Singapur die Methode verfeinert hat, politische Gegner nicht aus politischen Gründen vor Gericht zu stellen, sondern wegen anderer Dinge anzuklagen. Leute wie Putin und Orban haben davon gelernt …
@mr-k Die Einleitung Deines Postings begann so ein bißchen, als hättest Du 'nen Kafka (Verwandlung) oder Brecht (Geschichten von Herrn Keuner) verschluckt. 🙂
Und da Du bei mir also Literatur-Vibes ausgelöst hast, möchte ich darauf hinweisen, dass es einen ziemlich spannenden (jedenfalls zu Anfang, später wird viel Familien-Solidaritäts-Kitsch mit reingemengt) Roman zum Thema von Marc Elsberg gibt: Blackout
Ich hatte mir den (schön Strom und Internet verbrauchend... 😉 ) bei audible.de als Hörbuch geordert und wurde gut unterhalten und auch ein klein wenig informiert.