Brauchen wir eine neue Nationalhymne und eine neue Flagge?
Bodo Ramelow hat etwas getan, was ich nie erwartet hätte:
Er hat vorgeschlagen, dass wir uns Gedanken über eine neue Nationalhymne und eine neue Flagge machen:
Man findet in so gut wie jeder Zeitung einen Bericht dazu.
Hier noch einer:
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-08/bodo-ramelow-nationalhymne-flagge-abstimmung
Angeblich ist man im Osten Deutschlands unzufrieden mit dem Vorhandenen. Ich frage mich, warum das so ist.
Hier unsere Nationalhymne (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben):
https://www.bundestag.de/parlament/symbole/hymne/hymne-197462
Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand;
|:Blüh' im Glanze dieses Glückes,
blühe, deutsches Vaterland!:|
Hier der Vorschlag von Bodo Ramelow - die Kinderhymne von Bertolt Brecht:
https://www.deutschelyrik.de/kinderhymne-1950.html
1. Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
2. Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
3. Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
4. Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's
Und das Liebste mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.
Schauen wir uns mal die Dichter an:
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben hat unsere aktuelle Nationalhymne geschrieben. ER war Germanist und hat dazu beigetragen, dass diese Disziplin Wissenschaft wurde. Er war Liederdichter und wurde für dieses lyrische Wirken von Preußen ohne Rentenansprüche aus dem Amt entlassen, weil man inhaltlich nicht mit seinem Wirken einverstanden war. Später wurde er sogar ausgebürgert. Seine "Sünde": Er machte sich stark für ein geeintes Deutschland. Diese Haltung mündete in eine Bewegung, die quer durch alle Bevölkerungsschichten ging und die zum Ziel ein geeintes Deutschland hatte. Deutschland war in jenen Jahren ein zerstückeltes Land. Viele kleine Fürsten, viele Grenzen, viele Zölle. Wirtschaft zu treiben war stark behindert. Reisen ebenso. Ein Flickenteppich mit vielen Nachteilen.
Ein Ereignis, an dem diese Bewegung hin zum geeinten Deutschland Form annahm, war das Hammbacher Fest. Es war dies eine als Volksfest getarnte politische Veranstaltung. Dort sah man wohl als erstes Mal in großer Anzahl die deutsche Flagge.
Ich kenne keine andere Flagge mit "gold" als Farbe. Ich könnte mir vorstellen, dass ein bestimmter Diktator mit Goldfetisch missmutig auf unsere Flagge schaut. Aber Gold und Silber ist des Herrn - und so darf ein christlich geprägtes Land auch Gold in der Flagge haben (meine Meinung).
https://www.bibleserver.com/de/verse/Haggai2%2C8
Sowohl Flagge als auch Hymne sind stark mit dem Wunsch nach einem geeinten Deutschland geprägt - und es haben diese Symbole der Deutschen sich lange etabliert, bevor unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg geteilt wurde. Ich weiß nicht, wieso der Osten da ein Problem haben sollte.
Ich mag die Kinderhymne von Bert Brecht. Sie drückt eine Hingabe zum Land auf und macht gleichzeitig die Achtung anderer Länder deutlich. Sie ist klar Anti-Kompetitiv. Ich stelle mir grad vor, wie das zum Beispiel bei Sportwettkämpfen käme, wo es doch ums nationale Siegen geht. Aber das ist ein Problem, dem ich mich gerne stellen würde.
Größere Probleme würden mir da die Person des Berthold Brecht machen.
Meine Tochter hat Deutsch Leistungskurs. Und sie geht darin richtig auf. Daher hatte ich einfach mal den Brecht Film der glaube ich vom ZDF erstellt wurde - eine Mischung aus Doku und Film in zwei Teilen - besorgt. Wir haben uns als Familie gemeinsam den ersten Teil angesehen. Als ich dann wenige Tage später den zweiten Teil sehen wollte, sagte meine Tochter: Ohne mich! Ich will mit der Person nicht mehr zu tun haben als irgend nötig. Sie warf ihm seinen Umgang mit Frauen vor, der fast eine Konsumhaltung war und wenig Achtung vermittelte. Ich hatte verstanden.
Recht hatte sie - und ich frage mich, ob so jemand unsere Hymne liefern sollte.
Was meint Ihr?
Wünscht Ihr neue Hymne oder Flagge?
Habt Ihr da konkrete Vorstellungen?
Veröffentlicht von: @goodfruitIch kenne keine andere Flagge mit "gold" als Farbe.
Was ist mit der belgischen? Die hat die gleichen Farben, nur anders angeordnet.
Ich könnte mir vorstellen, dass ein bestimmter Diktator mit Goldfetisch missmutig auf unsere Flagge schaut.
Aber Gold und Silber ist des Herrn - und so darf ein christlich geprägtes Land auch Gold in der Flagge haben (meine Meinung).
Nun ja.
@chai https://bofa.de/bofa-blog/belgien-flagge-bedeutung
Belgien hat kein gold, sondern gelb. Auf den Flaggen, die so am Mast flattern ist das nicht unterscheiden, weil es gold-Farben als Gewebe nicht in dem Zusammenhang gibt.
@goodfruit In der Heraldik werden Gold und Gelb gleichgesetzt.
@mikefrommuc Die Farben kamen ja von den Uniformen, die die Kämpfer für die Revolution trugen. Das Gold entsprach den Messingknöpfen. Rot war so ein Spiegel (eine gefärbte Fläche) auf der Uniform und die schwarzen Uniformen waren praktisch, weil man mit schwarz so gut wie jede Uniformfarbe einfärben konnte. So kam denn so etwas wie Corporate Identity in die bunt zusammengemischte Truppe.
Hallo Ihr!
Ich mache mal einen Vorschlag:
Wollen wir hier gemeinsam eine neue Deutschlandhymne schreiben?
Ich würde zuerst vorschlagen, wir sammeln mal, was an Themen rein muss, was Ihr denkt, dass wir ansprechen sollten.
Und dann geht es weiter mit Hilfe von KI.
Bin gespannt, was dabei herauskommt. Vielleicht bekommen wir sogar eine Melodie hin.
@kappa Hab es mal gemacht. Ich finde den Ansatz ganz brauchbar (von ChatGPT):
ChatGPT:
Das ist ein spannendes und zugleich sensibles Unterfangen – eine neue Nationalhymne zu schreiben bedeutet, die Identität, Geschichte und Zukunft eines Landes in Worte und Musik zu fassen. Dabei geht es nicht nur um patriotische Gefühle, sondern auch um Werte, Selbstverständnis und ein Bild davon, wie sich Deutschland selbst sieht und gesehen werden möchte.
Zentrale Themen, die in einer neuen deutschen Nationalhymne angesprochen werden sollten:
1. Demokratie & Freiheit
-
Betonung auf der freiheitlich-demokratischen Grundordnung
-
Würdigung der Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und der offenen Gesellschaft
-
Bezug auf die Lehren aus der deutschen Geschichte
Beispielhafte Zeile:
"In Freiheit fest, im Herzen weit – wir stehn für Recht und Menschlichkeit."
2. Einheit in Vielfalt
-
Deutschland als vielfältige Gesellschaft (ethnisch, kulturell, religiös)
-
Betonung des Miteinanders und der Solidarität
-
Bezug auf Wiedervereinigung als Symbol für Zusammenhalt
"Gemeinsam stark, in Vielfalt eins – aus vielen Stimmen wird ein Reim."
3. Verantwortung aus der Geschichte
-
Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, v.a. dem Nationalsozialismus
-
Mahnung zur Wachsamkeit gegen Ausgrenzung, Hass und autoritäres Denken
"Vergangnes lehrt, was Zukunft braucht – aus Schuld erwuchs Gewissenslaut."
4. Frieden & Europa
-
Engagement für Frieden in Europa und der Welt
-
Verankerung Deutschlands im europäischen Gedanken
"Ein Teil von dir, Europa mein – wir reichen allen Völkern die Hand."
5. Natur & Nachhaltigkeit
-
Bezug auf Verantwortung für Umwelt und zukünftige Generationen
-
Verbindung von Heimat mit Natur und Verantwortung
"Wo Wälder rauschen, Felder blüh’n – wir schützen, was wir lieben ziehn."
6. Offenheit & Zukunftsvision
-
Fortschritt, Innovation, Bildung, Technologie
-
Deutschland als lernende und sich entwickelnde Nation
"Wir bauen Brücken in die Zeit – mit Mut, mit Geist, mit Herzlichkeit."
7. Patriotismus ohne Nationalismus
-
Stolz auf das, was das Land leistet und wie es sich entwickelt – ohne Überheblichkeit
-
Kein Ausschluss, sondern Einladung zur Teilhabe
"Wir lieben dies, was uns vereint – kein Stolz, der andere verneint."
Möchtest du, dass ich auf Basis dieser Themen einen ersten Entwurf für eine neue Hymne schreibe? (Z. B. mit drei Strophen, klassisch oder modern im Tonfall?)
Und ich habe nachgehakt mir mal einen Entwurf für die ganze Hymne geben lassen. Das kam dabei heraus. Ich finde es ziemlich brauchbar:
1. Strophe – Freiheit und Verantwortung
Aus dunkler Zeit ins Licht gestellt,
lernt unser Herz aus eig'ner Schuld.
Wir bauen auf, was Frieden hält,
mit Mut, mit Kraft und mit Geduld.
In Freiheit wurzelt unser Sein,
wir stehn für Recht und Geist allein.
2. Strophe – Einheit und Vielfalt
Ein Land aus vielen Stimmen heut,
vereint in Würde, bunt und frei.
Was uns verbindet, ist kein Kleid,
doch Herz und Hoffnung, stets dabei.
Gemeinsam stark, in Vielfalt klar,
so wird, was unterschiedlich, wahr.
3. Strophe – Zukunft und Weltverantwortung
Wir reichen allen Völkern Hand,
für Frieden, der in Taten lebt.
Die Erde ist uns anverwandt,
dass sie auch morgen weiterlebt.
Wir stehn in Zeit und Welt bereit –
für Menschlichkeit und Einigkeit.
@goodfruit Interessant, bei mir war es etwas anders, es gibt hier wohl vielfältige Reimmöglichkeiten.
Allerdings würde ich dunkle Vergangenheit oder Schuld bewusst rauslassen an der Stelle.
Die Mehrheit der Vorfahren, vermutlich schon von heute aus betrachtet, war nicht daran beteiligt. Gleichzeitig müssten ja Menschen aus anderen Kulturkreisen dazu bewegt werden, sich damit zu identifizieren
Der Regelfall ist aber am Eigenen Staat nur das Positive zu sehen. Bei der Hymne das Augenmerk auf Negatives zu legen, wäre vermutlich hinderlich.
Dann noch die Frage welche Sprache, würde sagen in Englisch hört es sich vermutlich gefälliger an
Allerdings würde ich dunkle Vergangenheit oder Schuld bewusst rauslassen an der Stelle.
Die Mehrheit der Vorfahren, vermutlich schon von heute aus betrachtet, war nicht daran beteiligt. Gleichzeitig müssten ja Menschen aus anderen Kulturkreisen dazu bewegt werden, sich damit zu identifizieren
Ich meine, dass das dazugehört. Ich finde es sogar gefährlich, diese Zeit enormer Verdorbenheit in unserem Land und das unsägliche Leid, das wir da verursacht haben, niemals zu vergessen.
International verbinden noch selbst Kinder mit Deutschland in erster Linie Hitler. Das haben sie mitbekommen. Und an der Stelle muss dann klar und deutlich gesagt werden, dass das nichts ist, auf das man Stolz sein kann.
Damit all diejenigen, die in jenen Jahren ums Leben gekommen sind, nicht umsonst gestorben sind, halte ich es für wichtig, ihren Tod als Mahnung allezeit zu erinnern.
Schon kriechen die Ratten wieder aus den Ritzen, um nach dem starken Staat zu schreien, um Nationalismus hoch zu halten, um Kriegsvorbereitungen zu treffen. Wenn wir dann an die Konsequenzen erinnern, dann geht das viel besser, wenn einem diese jederzeit vor Augen stehen.
Ich bin mir sicher, dass unser Land friedlichere Zeiten gehabt hätte, wäre die Revolution von 48 erfolgreicher verlaufen und hätten wir ein Parlament bekommen mit vielen aufgeklärten, denkenden Menschen.
Der Regelfall ist aber am Eigenen Staat nur das Positive zu sehen. Bei der Hymne das Augenmerk auf Negatives zu legen, wäre vermutlich hinderlich.
Das ist eine kulturelle Blockade. Zu einem modernen Deutschland sollte auch ein moderner Umgang mit Fehlern und Problemen gehören. Eine Fehlerkultur, die Fehler verschweigen will oder muss, weil sonst schlimme Konsequenzen drohen, kann nicht erfolgreich sein. Fehler sind der Mist, auf dem Innovationen, auf denen Zukunft wachsen kann und schlimme Erfahrungen schaffen Tiefgang und Resilienz gegen das Böse. Das sollten wir uns nicht nehmen lassen.
Ein Land, dass seine negativen Seiten nicht sehen will, ist primitiv und schlimmer noch: ist auf dem Weg noch primitiver zu werden, weil es Wachstumsmechanismen ausblendet. Wer mit unguten Dingen nicht umgehen kann, wird in erster Linie ein Problem mit Reife und Tiefgang haben. Für so niedrig halte ich unser Land nicht.
Dann noch die Frage welche Sprache, würde sagen in Englisch hört es sich vermutlich gefälliger an
Wir haben nicht viel, was uns wirklich eint. Die Sprache sollte es sein. Und ich würde von jedem, der von woanders hierher kommt, erwarten, dass er sich Mühe gibt, zumindest ein wenig Deutsch zu verstehen und sprechen zu können zumindest, wenn er langfristig hier Leben möchte, vielleicht sogar an eine Staatsbürgerschaft interessiert ist.
@goodfruit Nur eine Anmerkung:
Schon kriechen die Ratten wieder aus den Ritzen [...]
Menschen mit Ratten gleichzusetzen, ist die Rhetorik von Extremisten. Denk mal das Bild, das Du nutzt, konsequent weiter. Sind das wirklich die Assoziationen, die Du mit Deinen Worten wecken willst?
@mikefrommuc Menschen mit Ratten gleichzusetzen, ist die Rhetorik von Extremisten.
Das stimmt zwar, allerdings kennen wir sie vermutlich von exakt jenen Extremisten, die Goodfruit hier mit den possierlichen Nagern verglich. Das ist eine schöne dialektische Pointe, finde ich.
Na klar: Er hätte womöglich statt des Tiervergleichs das ebenso populäre gynäkologische Bild vom noch fruchtbaren Schoß, aus dem dies kroch, verwenden können. Aber das hat ja der sexistische Brecht erfunden und der, so durfte hier im Thread schon erfahren werden, ist ieh-bä, weil er nicht nett und achtsam genug gegenüber den Frauen war, die ihm hinterherliefen.
Überall hat das dumme Pferd Seiten, auf denen man runterzurutschen droht; nur wer schweigt, bleibt Philosoph.
@mikefrommuc Findest Du die Wortwahl treffend?
Nein, weil ich Ratten mag und Nazis nicht.
Allerdings zählte ich einst selbst zu jenen, die sich berufen fühlten, jede Formulierung auf ihre politische Korrektheit hin so akribisch und hartnäckig zu überprüfen, dass dabei das eigentliche Thema in den Hintergrund rückte (wenn mir dieser eristische Mechanismus noch dazu in den Kram passte, war ich gleich doppelt hartnäckig und rückte mir die Jakobinermütze mit fester Hand zurecht, auf dass sie mir nicht vom Haupte rutsche). Heute bin ich da gern etwas großzügiger und kreide Leuten, die das Richtige meinen und es mit "verbrannten" Formulierungen bezeichnen, ihre mangelhafte Achtsamkeit in diesen Dingen nicht an.
Die Gefahr, dass sich Nazis durch einen Tiervergleich in ihrer gar fragilen Menschenwürde gekränkt fühlen könnten, besteht immer. Aber irgendwie...
@jack-black Ich hatte bei dem Begriff "Ratten" an das Fachwort aus dem Geheimdienstjargon (habe ich grad festgestellt, dass das aus diesem Bereich kommt) gedacht, dass Fluchtwege aus einem gefährlich gewordenen Gebiet bezeichnet: Rattenlinien.
Viele Nazis haben diese genutzt, um damit z.B. nach Südamerika zu fliehen.
Das hier ist der umgekehrte Weg. Die Zeit scheint wieder extreme Haltungen zu dulden und da wittern sie Morgenluft und plötzlich sind sie da und wollen da weitermachen, wo sie vor 80 Jahren aufgehört haben ...
Generell sind Tiervergleiche problematisch - es sei denn, man nutzt sie im Zusammenhang mit Parabeln, die eine Erzähltechnik ist, die funktioniert, wenn konkretes Ansprechen von Problemen nicht möglich ist.
Franz Josef Strauß hat davon oft Gebrauch gemacht. Ob ihm aber die Bezeichnung des Gegners als "Ratten und Schmeißfliegen" mehr genützt oder geschadet hat, vermag ich nicht zu sagen.
Du schreibst:
Generell sind Tiervergleiche problematisch
Du weißt also sehr genau, daß die Bezeichnung von Menschen als Ratte „problematisch“ ist, und nutzt sie trotzdem. Richtig?
Generell sind Tiervergleiche problematisch
Deswegen sollte man im Zweifelsfall darauf verzichten.
@aleschamod Stimmt.
Mein Gedanke rührte von der reversen Betrachtung der "Rattenlinien" - also der Wege, wie schwer belastete Nazis nach dem Krieg verschwanden und so der Übernahme der Verantwortung für ihr Tun entzogen. Sie kommen zurück, weil die aufgeklärte Art des Denkens, die liberalen Sichtweisen und die Bedeutung der Menschenrechte schwinden. Und sie kommen, wie sie gegangen sind - unauffällig und plötzlich in Erscheinung tretend.
Das war meine Grundlage für die Verwendung des Begriffs. Der wurde offenbar nicht so verstanden, obwohl ich die Information nachgereicht hatte. Und so wäre es besser gewesen, den Begriff nicht zu verwenden.
Mein Gedanke rührte von der reversen Betrachtung der "Rattenlinien"
Das habe ich berücksichtigt. Sonst wäre meine Reaktion anders ausgefallen.
Noch ein paar Randbemerkungen, die aber meine Erkenntnis, dass diese Tierentsprechung zumindest sehr ungeschickt war, nicht relativieren soll.
Ich habe im künstlerischen Bereich schon des Öfteren die Nazis als Ratten dargestellt gesehen:
Zum Beispiel in dem Film "Der Nussknacker" aus 2010:
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Nussknacker_(Film)
https://www.imdb.com/de/title/tt1041804/?ref_=tt_mlt_i_2
Die Bewertung fiel mager aus - wohl auch, weil diese Naziperspektive für einen Kinderfilm überfordernd war.
Disney hat das Ganze dann noch einmal etwas wertiger gemacht:
https://www.youtube.com/watch?v=BPl5i22aeBw
Hier haben die "Bösen" dann keine Rattengesichter - aber dafür an das Preußentum erinnernde Uniformen an ...
https://www.weihnachts-geschichten.com/weihnachtsgeschichten-fuer-kinder/68
Hier noch einmal anders erzählt:
https://www.maerchenatlas.de/kunstmarchen/nussknacker-und-mausekoenig/
Im Original ist es ein Mäusekönig und seine Armee, die die schöne Welt durcheinander gebracht und den Prinzen in einen hölzernen Nussknacker verwandelt hatte.
Ich versuche es aus der Perspektive von aussen zu sehen.
Personen mit anderen Kulturellen Hintergründen sind in Zukunft die Mehrheitsgesellschaft.
Wäre ich jetzt zB. Polnischer Abstammung wäre es mir vermutlich zu wieder mich mit einer Hymne eines Landes zu identifizieren, welche aus der "ich" Form- heraus sich mit den Verbrechen der Nazis permanent (und ausgerechnet) in der Hymne identifiziert.
Ich und meine Familie wollten hypothetisch ja, damit NICHTS zu tun haben. Zu dem Zeitpunkt der Verbrechen lebten die eigenen Vorfahren eben nicht in Deutschland, aber ausgerechnet in dem Land, was brutal unter den Nazis gelitten hat.
Das läuft finde ich nicht ganz rund. Wenn es wirklich etwas neues sein soll müsste man sich etwas mehr von den "Deutschen" Schattenseiten distanzieren.
Die meisten Menschen wären dann Nachkommen von Familien, die nichts mit SS und Wehrmacht zu tun hatten in der Vergangenheit.
Schwierig. Für Deutsche ist es aufgrund der Historie natürlich normal sich damit zu beschäftigen. Das bringt aber auch eine Distanz zur eigenen Kultur mit sich.
Ein gutes Beispiel; Ich finde die potentielle Hymne in Deutsch ehrlich gesagt irgendwie unpassend. :). Mir würde sie in Englisch gefälliger sein. Auch ich habe obwohl eher "sehr konservativ" eine Distanz zur eigenen Sprache, ob ich es will oder nicht.
@kappa Wenn ich Deutschland betrachte, dann kann ich dabei die deutsche Geschichte nicht ausblenden. Und wenn ich als Bürger eines fremden Staates nach Deutschland migriere, dann muss ich mir gewusst sein, dass dies ein Staat ist, von dem Kriege ausgingen (nicht allein die Weltkriege - wenn ich die Deutschen Wurzeln in Preußen hinzuziehe) und der durch eklatante Menschenrechtsverletzungen inklusive des Versuchs der Auslöschung eines ganzen Volks Schuld auf sich geladen hat.
Das mag aktuell nicht im Fokus stehen, aber die Welt sollte wissen, wozu Menschen aus diesem Staat mal fähig waren und wohin Propaganda Menschen treiben kann. Die Deutsche Geschichte ist nicht allein eine Lehrstunde für uns Deutsche sondern für die Menschheit generell. Aus unserer Geschichte kann jeder lernen, wie schnell ein Volk in die extremste Verdorbenheit abstürzen kann.
Das ist nichts, was man verstecken müsste. Das ist nichts auf das man stolz sein kann. Das Erinnern dieser Umstände ist auch ein dankbares Erinnern an die Gnade, die uns danach zuteil wurde und das Bekenntnis, das ein "Nie wieder" ausdrücken soll.
Und wenn Du Dir die aktuelle politische Entwicklung ansiehst, dann schreit die doch nach Erinnern, nach der Notwendigkeit, sich bewusst zu machen, was aus bestimmten politischen Haltungen leicht mal erwächst.
Ein gutes Beispiel; Ich finde die potentielle Hymne in Deutsch ehrlich gesagt irgendwie unpassend.
Ich mag die englische Sprache und ich sehe oft Filme in der Originalsprache. Aber da gehört das Englische dazu. Auch wenn die deutsche Synchronisation oft sehr gut ist, eben nur das Original das Original.
Was die Deutsche Sprache angeht, so ist das ein zentrales Kulturgut unseres Landes. Ich wüsste nicht einen Grund, warum wir die nicht verwenden sollten. Jede Sprache hat ihre Vor- und Nachteile. Mit einem international geschulten Ohr mag die Deutsche Sprache mit ihren Knacklauten schrecklich hart klingen. Aber es ist dies eine Sprache mit sehr, sehr reichem Wortschatz, der eine ungemein präzise Ausdrucksweise ermöglicht.
Mir sind heute nicht viele großen Poeten bekannt, die dieses Potential zu nutzen verstehen - aber es gibt sie noch, die Perlentaucher und Goldgräber, die unsere Sprache zu nutzen verstehen.
https://www.youtube.com/watch?v=_9CnnYhFQHY&list=RD_9CnnYhFQHY&start_radio=1
Vielleicht sollten wir Herbert Grönemeyer mit dem Auftrag, eine neue Nationalhymne zu schreiben, betrauen.
Eine deutsche Nationalhymne darf an die Menschen, die hier mit Wurzeln irgendwoanders auf der Welt erinnern und diese als Teil des Ganzen würdigen.
Aber das andere ist auch da und macht unseren Staat und unsere Kultur einzigartig.
Und wenn eine Fehlerkultur, die sich traut, sich zu schweren Fehlern zu bekennen, als Teil deutscher Kultur sichtbar wird, dann gehört das zu den größten Errungenschaften und Werten dieses Landes. Es ist das dann auch ein Hochhalten des Evangeliums durch dessen praktische Anwendung und Sichtbarmachen der kulturellen Vorzüge desselben.
Scham ist nichts, was zu einem aufgeklärten christlichen Land dazugehören kann - genausowenig, wie der Versuch, aus Schuld Anklage und Verfolgung generieren zu wollen.
Ja, Polen hatte stark unter Deutschland zu leiden. Ich wüsste allerdings nicht, dass Polen in Sachen Antisemitismus unbedingt soviel besser gewesen wäre als Nazideutschland. Gut, es gab keine Partei mit einem Chef, die die Juden ausrotten wollten.
Aber was wäre gewesen, hätte es einen polnischen Hitler gegeben, der die Juden für alles Schlechte verantwortlich gemacht hätte? Sich akribisch mit seiner Verachtung gegenüber Gottes Volk beschäftigt hatte und darauf eine ganze Ideologie aufgebaut hatte (deren Nährboden an vielen Orten vorhanden gewesen wäre)
Wenn dann jemand mit polnischen Wurzeln als Eingebürgerter eine deutsche Hymne bekommt, die auch an die dunkle Vergangenheit Deutschlands erinnert, ist das doch zum einen gut, wenn damit Deutschland ja auch gedenkt, dass es anderen Leid gebracht hat und damit Polens erlittenes Unrecht irgendwie anerkennt.
Zum anderen sollte man eben nicht vergessen, dass Ablehnung der Juden, offener Antisemitismus auch in vielen Nachbarländern verbreitet war und wieder/immer noch ist.
Nie wieder ist jetzt, darf ruhig endlich mal gelten. Und nicht nur in Deutschland.
Gerade, wo so viele Menschen mit einem Hintergrund kommen, in dem Judenhass bereits mit der Muttermilch weitergegeben wird, darf man an die Vergangenheit erinnern um es diesmal vielleicht doch noch besser zu machen.
@ga2 Antisemitismus ist eine weltweite Sache, wie der antisemitische "Code" 109/110 (auch abgewandelt in 1488-110) aussagt (bei der ADL gibt es eine Übersicht dieser Codes), auch wenn die Zahl 109 übertrieben ist. Die antisemitische Seite will damit ausdrücken wie breit das Phänomen ist und sich damit selbst berechtigen so zu handeln ("Seht: Ist überall so, wir liegen richtig).
Der Unterschied zwischen Deutschland unter dem Nationalsozialismus und anderswo ist, dass es in Deutschland unter dem Nationalsozialismus rassisch begründet war und industriell betrieben. Dazu gab es kein Entkommen, keine Konversion wie früher (die am Ende wie bei den Marranen auch nicht immer "half"). Und keine, wenn auch nur vorgeschobene, religiöse Begründung. Liest man den Stürmer (bin immer noch an dem Buch über den Stürmer am lesen) dann ist auch dort von Religion kaum die Rede eher gar nicht, wobei GL Streicher mehr das brachte was man heute neudeutsch als sex&crime bezeichnen würde.
Bei den Propgandafilmen dieser Zeit habe ich eigentlich auch keine religiöse Töne/Untertöne gesehen, es war anders als früher.
Einer der Haupttäter, RFSS Himmler, rühmte sich seiner Taten in den Posener Geheimreden (schau die mal das "Himmlerprojekt" von Karkamar an, habe es im November 2001 im Hotelzimmer in Lahr angeschaut als es das erste Mal ausgestrahlt wurde). Betonte aber gleichzeitig dass man nicht darüber reden solle.
Einer der für mich beeindruckensten Filme (auch wenn und gerade kein Film im eigentlichen Sinne) zusammen mit den drei Wannseekonferentverfilmungen (die deutsche aus den 80ern, die englische mit Branagh und die aus den letzten Jahren aus Deutschland).
Keine schreienden charismatischen Agitatoren sondern kalte, bürokratische Ausführung, bei denen die Täter (Wannseekonferenz) gar nicht oder nur sehr am Rande selbst dabei bei den Taten waren, mit Ausnahme von Dr. Lange der seinen Einsatzgruppenchef vertrat (und am Kriegsende Freitod beging). Bürokraten wie Obersturmbannführer Eichmann für die das Ganze eine organisatorische Sache war. Wobei er, wenn auch nicht bei vielen, Hinrichtungen beiwohnte und dabei einen Vomitus bekommen haben soll, wie auch sein Vorgesetzter RSFF Himmler. Und dann nach Wegen suchte es noch schneller/effizienter zu machen.
Schaut man sich die Wannseekonferenzfilme an oder hört/liest die Himmlerrede dann erscheint das wie ein Planspiel das zu Ende gebracht wird.
Die Millionen Opfer sind dann nicht sichtbar, deshalb finde ich das Projekt des Auschwitzmuseum so gut auf Facebook, das gibt den Opfern Aussehen und Hintergrund, man sieht dann Bilder kleiner Kinder, Frauen und Männer mit Angaben zu den Lebensdaten und die Taten bekommen ein Aussehen. Wenn man da so in der Art liest, dass ein kleines Mädchen von Drancy nach Ausschwitz kam und man danzu ein Foto sieht, wie es (noch in Freiheit) mit seinem Kuscheltier für ein Foto Modell stand.
Ist einfach was anderes zu sagen dass XX Menschen tot sind oder dass man die einzelnen Personen zeigt und man das Ganze persönlicher sieht, dass da ein kleines Mädchen war, ein Bäcker, ein Bauer, eine Hausfrau, zusammen mit den Bildern.
J.W. Dschugaschwilli a.k.a. Stalin wird die Aussage zugeschrieben (nicht eindeutig belegt) dass ein Toter eine Tragödie sei eine Million eine Statistik. Die große Zahl "frisst" die Einzelschicksale.
Ebendieser hatte gegen Ende seines Lebens eine Antisemitismuskampagne ("Ärzteverschwörung") laufen, in der die Juden als wurzellose Kosmopoliten verunglimpft wurden, sein Tode im März 1953 beendete sie dann.
Einen schönen Tag Dir 😍 😘 😍 😘
@goodfruit Nehmt doch einfach das Badnerlied
Veröffentlicht von: @goodfruitIch glaub, so läuft das nicht.
Hab ich auch nicht erwartet. 😉
@goodfruit Sehr schön! Eine maschinengenerierte Nationalhymne, die universell verwendbar ist, keine störenden nationalen Bezüge (z.B. veraltete Begriffe wie deutsch, Deutschland etc....) enthält und sich auch noch reimt. Bin unbedingt dafür, ja würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, denn warum bei sowas doch eher Nebensächlichem wie einer Nationalhymne stehen bleiben? Man könnte vielleicht auch eine neue AI-generierte Bibel per Prompt in Auftrag geben, bei der sämtliche nationalen oder völkischen Bezüge, überhaupt alles Gruppendenken eingetauscht wurden gegen leichte Lesbarkeit und Reimdichoderichfressdich. 🙂
@jack-black Schön, dass Dir das aufgefallen ist.
Ja, die Begriffe "Deutsch" oder "Deutschland sollten da schon mal vorkommen.
Ein schönes Beispiel, dass man KI generierte Inhalte ohne menschliche Kontrolle nicht verwenden kann und dass so eine Schwarmintelligenz (wir als Community) immer mehr ist als eine einzelne Person.
Vielleicht können solche Erfahrungen auch Sorgen um eine zu mächtige KI relativieren. Aber zur Nutzung von KI gehört ja auch, dass man sie in mehreren Schritten zum Ziel führt. Ich hätte an der Stelle nicht aufhören sollen. Andererseits hat es vielleicht für den Rahmen eines Threads, der ja keine Doktorarbeit ist, auch gereicht.
Eine AI generierte Bibel hielte ich mal für unbrauchbar, weil das besondere an der Bibel ja ist, dass sie in der Christenheit absolut gesetzt ist als Gottes Wort. Alles, was davon abweicht, kann also per definitionem nur "Schrott" sein.
Andererseits heißt es ja, dass Gott immer derselbe sei und so könnte KI helfen, die Wurzel von Gottes sein in der Bibel zu finden. Vielleicht könnte man auch das Evangelium aus den Worten Jesu ergründen und dann schauen, inwieweit die Autoren der Epistel davon weg gedriftet sind.
Wir könnten das Evangelium nach Jesus Christus nehmen und systemtheoretisch eine Gesellschaftsentwicklung bei Anwendung desselben daraus ableiten und dann im Abgleich mit der Realität feststellen, wo die Christen abgewichen sind und was Kernprobleme sind, die verhindern, dass Himmelreich wird.
All das wären in meinen Augen hilfreiche Anwendungen von KI beim Bibellesen und Bibelverstehen.
Klar macht so etwas auch der Heilige Geist. Aber mein Eindruck ist der, dass der Heilige Geist als aktive Person der Dreieinigkeit in vielen Kirchen unerwünscht ist. ER könnte den "Machern" der Kirche ins Handwerk reden und ihre tollen Ideen hinterfragen bzw. ganz andere Herangehensweisen und Zielsetzungen lehren. Da droht dann Machtverlust und ein Ende von geistlichem Missbrauch ...
@goodfruit Aha.
Und weil der Heilige Geist 'in vielen Kirchen unerwünscht ist', lässt man jetzt mal die KI ran ...
Als ob unter Christen nicht genug über diverse Themen debattiert wird.
Und die KI ist ganz sicher neutral ...
@goodfruit Schön, dass Dir das aufgefallen ist.
Und ich find's schön, im Sinne von lehrreich, dass Du meine Ironie so locker hast abtropfen lassen. Ganz im Ernst! 🙂
Vielleicht können solche Erfahrungen auch Sorgen um eine zu mächtige KI relativieren.
Meine Erfahrung geht in genau die gegensätzliche Richtung. Nämlich, dass es inzwischen unmöglich ist, sich mit Menschen über ein (beliebiges) Thema auszutauschen, ohne dass da KI-generierte Inhalte mitmischen.
Aber zur Nutzung von KI gehört ja auch, dass man sie in mehreren Schritten zum Ziel führt.
Ja, das ist die Illusion all jener (und das sind hunderte von Millionen so genannter Nutzer), die der KI das überlassen, was ursprünglich die vornehmste Aktivität des Menschen war: Über sich selbst nachzudenken, über die Gesellschaft nachzudenken, über Werte und Normen und das Heilige.* Sie bilden sich ein, die KI zu führen (wohin denn? die KI hat kein Ziel). Statt sich einzugestehen, dass sie die KI lediglich um Hilfe bitten, jene Denkarbeit, die zu leisten sie selbst nicht mehr in der Lage oder zumindest nicht Willens sind, zu erledigen.
Eine AI generierte Bibel hielte ich mal für unbrauchbar, weil das besondere an der Bibel ja ist, dass sie in der Christenheit absolut gesetzt ist als Gottes Wort. Alles, was davon abweicht, kann also per definitionem nur "Schrott" sein.
Mein Vorschlag war rein ironischer Natur. Entweder, Du hast das nicht erkannt, oder Du drehst den Spieß um. Egal, was der Fall ist - ich stehe so wie so als doof da. Denn entweder bin ich dann unfähig, erkennbar ironisch zu formulieren, oder ich trug dazu bei, das, was ich als absurd und unmöglich empfinde, als bedenkenswert und durchaus möglich zu etablieren. Ein wirklich ironiefreies Danke dafür, dass Du mir dies demonstrierst!
Wenn wir aber nun schon dabei sind, meinen Vorschlag als "ernstgemeint" oder wenigstens als überlegenswert zu diskutieren: Deine Antwort ergibt dann nur aus binnenchristlicher Perspektive Sinn, also unter der von Dir genannten Voraussetzung, dass sie "Gottes Wort" sei. Von aussen betrachtet ist der Einwand zu vernachlässigen, denn da ist sie ein Text wie alle anderen von irgendwelchen Gruppen als sakrosankt empfundenen Texte: heilige Bücher wie die Veden, das I Ging oder der Koran, aber auch z.B. verehrte und als unübertrefflich verstandene Texte anderer Literaturgattungen: Auch bestimmte Poeme Goethes, Shakespeares oder Garcia Lorcas werden von Literaturbegeisterten als absolut unverbesserbar empfunden.
Dabei dürfte es sich von selbst verstehen, dass neue Generationen von Lesern eine gut genug umgeschriebene Version solcher Werke nicht zuverlässig von den Originalen zu unterscheiden wüsste, ja mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar die "verbesserten", moderneren Lesegewohnheiten klug angepassten Versionen vorziehen würden. Gerade bei lang und heiß umstrittenen auf Ideologisches bezogenen Texten ließe sich viele ändern, das neue Leser sie für besser (stimmiger, widerspruchsfreier, schöner, tiefsinniger, beruhigender, erfreulicher) halten dürften als die Originale.
Die Bibel in diesem Sinne zu "verbessern" - dazu bräuchten wir noch nicht mal Hilfestellung von intelligenteren Entitäten (das sind nämlich KIs heute schon im hier diskutierten Zusammenhang), das würden wir Menschen - Du oder ich beispielsweise - locker auch allein hinkriegen. Du könntest die Bibel verbessern, ich könnte sie verbessern, dazu gehört nicht viel, allein durch Streichungen/Kürzungen ginge das. Ihre "Unantastbarkeit" ist kein Resultat ihrer absoluten Qualität, die denknotwendig auf einen göttlichen Verfasser schließen lässt**, sondern Resultat einer Verständigung der Christen (einiger von ihnen) auf eben diese Unantastbarkeit.
Die Bibel ist also in demselben Sinne des christlichen Gottes Wort, wie das Deutschlandlied Fallerslebens eben die deutsche Nationalhymne ist: per Übereinkunft, die für spätere Generationen Autorität genießt. Schau in die Gesichter von manchen, denen bei Absingen der Nationalhymne die Tränen in die Augen schießen - sie sind praktisch ununterscheidbar von den Gesichtern manch christlicher Worshipper.
Andererseits heißt es ja, dass Gott immer derselbe sei und so könnte KI helfen, die Wurzel von Gottes sein in der Bibel zu finden. (...)
Klar macht so etwas auch der Heilige Geist. Aber (...)
Du müsstest mich gerade mal schmunzeln sehen! Was du hier und im Folgenden schreibst, lässt sich umformulieren: "Irgendwie (Gemeinden, Macher der Kirche sind schuld und so weiter und so fort) funzt das mit dem Heiligen Geist nicht so richtig, dessen Job könnte vielleicht eine KI besser erledigen."
q.e.d.
*Was dem einen seine Religion, ist dem anderen seine Nation (und bei Jesus hing das interessanterweise sehr eng zusammen...): heiliger Anlass, hymnische Rituale zu pflegen.
**Einzelne muslimische Apologeten meinen ja allein in der literarisch-sprachliche Qualität des Koran einen Beweis für dessen göttliche Urheberschaft erkennen zu können. Wie überzeugend wäre so ein Argument für Dich?
Andererseits heißt es ja, dass Gott immer derselbe sei und so könnte KI helfen, die Wurzel von Gottes sein in der Bibel zu finden. Vielleicht könnte man auch das Evangelium aus den Worten Jesu ergründen und dann schauen, inwieweit die Autoren der Epistel davon weg gedriftet sind.
Das funktioniert nicht.
Wie willst du denn beurteilen, ob die KI nun recht hat oder nicht? Durch eine andere KI?
@lucan-7 KI ist ein super Werkzeug. Es wurden schon Jahrhunderte alte mathematische Rätsel mit KI fachlich einwandfrei gelöst.
Wenn man die Grenzen der Aussagen testen will, dann darf man sich nicht mit dem ersten Output zufriedengeben, sondern muss mit der KI weiterarbeiten, bis man die Sache mehr ergründet hat.
Ich erwarte keine Absolutheiten, weil es die nicht geben kann. KI arbeiten schließlich nur basierend auf menschlich erzeugte Inhalte. Da kann es keinen absoluten Anspruch geben.
KI ist ein super Werkzeug. Es wurden schon Jahrhunderte alte mathematische Rätsel mit KI fachlich einwandfrei gelöst.
In der Mathematik kannst du überprüfen, ob die Aussage der KI zutrifft oder nicht.
Bei der Bibelauslegung ist das nicht möglich. Da behauptet die KI einfach irgendwas - und das kann dann richtig sein oder auch nicht.
Bei der Bibelauslegung ist das nicht möglich. Da behauptet die KI einfach irgendwas - und das kann dann richtig sein oder auch nicht.
Die Bibel ist eine Schrift, die in sich stringent ist - auch, weil bei der Zusammenstellung des Kanons darauf geachtet wurde. Das kann KI sicher auch erlernen und weil alles zueinander passt, sicher gute Hilfen zum Verständnis geben. Die Bibel liefert Inhalte, die weil sie stringent sind, einer KI erlauben sollte, richtige Aussagen zu machen. Ich weiß aber nicht, ob nicht der Heilige Geist uns das selber lieber erklären würde, als wie dafür eine Maschine zu bemühen.
Angeblich ist man im Osten Deutschlands unzufrieden mit dem Vorhandenen. Ich frage mich, warum das so ist.
Fahr mal in den Osten und frag die Leute. Wenn du dich hier mit Westdeutschen darüber unterhältst, wirst du der Sache nicht näher kommen. Ich nehme an, es hat was damit zu tun, dass man 1990 die historische Chance vertan hat, eine neue gesamtdeutsche Republik zu gründen, anstatt einfach den alten Mief weiter zu führen.
Ich kenne keine andere Flagge mit "gold" als Farbe.
Jamaica, Kasachstan, Haus Romanow, DDR, div. Flaggen im Mittelalter. Nachlesen hilft.
Aber Gold und Silber ist des Herrn - und so darf ein christlich geprägtes Land auch Gold in der Flagge haben (meine Meinung).
Gold und Silber sind einfach in der Heraldik weit verbreitet und mit der Christlichkeit ist es jetzt nicht soweit her in Deutschland.
Sowohl Flagge als auch Hymne sind stark mit dem Wunsch nach einem geeinten Deutschland geprägt - und es haben diese Symbole der Deutschen sich lange etabliert, bevor unser Land nach dem Zweiten Weltkrieg geteilt wurde.
Etabliert ist jetzt stark übertrieben. Die Flagge war vor der Abschaffung durch die Nazis nur 14 Jahre im Einsatz und das Deutschlandlied wurde nazistisch assimiliert. Unverständlich, dass man das nach dem Krieg einfach beibehalten hat.
Größere Probleme würden mir da die Person des Berthold Brecht machen.
Ja nu. Wenn man Brecht nicht will, weil er war wie er war, kann man die Person August Heinrich Hoffmann von Fallersleben auch nicht hochjubeln.
Wünscht Ihr neue Hymne oder Flagge?
Die Flagge kann von mir aus bleiben, auch wenn die Legende dazu Unfug ist und sie nicht besonders schön ist. Eine neue Hymne häte nicht geschadet, so wie man einen neuen gesamtdeutschen Nationalfeiertag erfunden hat. Da hat man auch nicht einfach den 17.6. beibehalten.
Das Deutschlandlied ist einfach verbrannt. Und man kann natürlich so tun als gäbe es die ersten beiden Strophen nicht, es gibt sie aber. Der deutsche Nationalismus hat uns nur Ärger gebracht und die zweite Strophe ist einfach Nonsens.
"Auferstanden aus Ruinen" hatte den weit besseren Text, ist aber auch verbrannt.
Habt Ihr da konkrete Vorstellungen?
Nichts konkretes. Etwas Zeitgemäses und Zukunftsorientiertes ohne Nationalismus.
@derelch Fahr mal in den Osten und frag die Leute. Wenn du dich hier mit Westdeutschen darüber unterhältst, wirst du der Sache nicht näher kommen. Ich nehme an, es hat was damit zu tun, dass man 1990 die historische Chance vertan hat, eine neue gesamtdeutsche Republik zu gründen, anstatt einfach den alten Mief weiter zu führen.
So etwas war damals, als die Mauer fiel, mein erster Gedanke: erst mal beide Staaten weiterführen und wenn wir uns dann gut kennen, schauen, was wir von wem nehmen können, um das beste aus zwei Welten zu erhalten. Das war damals auch die Position von Oskar Lafontaine. Es wurde ruhiger um die Sache, nachdem man ihm mit einem Metzgermesser fast die Kehle durchgeschnitten hatte. Die Haltung von Kohl hatte keine Alternative mehr.
Heute denke ich, dass es so, wie man es gemacht hatte, gut war. Wenn der Kairos Moment da ist, muss man zugreifen. Das hat Helmut Kohl gemacht.
Wenn man sich einmal überlegt, wie es anders hätte laufen können, dann muss ich realisieren, dass das nicht funktioniert hätte. Es wären kaum Menschen in der alten DDR geblieben - aus Angst, die Mauer könnte wieder aufgebaut werden. Dann wäre dieser Staat kaum lebensfähig gewesen. Im Grunde genommen war er ja bankrott. Die Infrastruktur war überwiegend verrottet. Es heißt die Wessis hätten den Osten ausgeraubt. Aber für viele ist dieses Bemühen gewaltig nach hinten losgegangen. Sie waren es, die am Ende bankrott waren - denn die gekaufte Immobile war abrissreif.
Die DDR war keine wirklich offene Gesellschaft. Sie war ein totalitärer Staat mit extrem ausgebautem Spitzelsystem. So eine Art rotes Preußen also. Ich weiß nicht, was daran gut gewesen sein sollte. Klar möchten die Spitzel auch mal wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen und dazu noch fett Kohle machen (vielleicht gibt es ja auch deshalb so viele Augustus-Fans, denn aus dieser Zeit stammt die Vorlage für solche Herrschaftskonzept). Aber ist eine freiheitlicher Rechtsstaat und eine offene Gesellschaft nicht die deutlich bessere Option?
Die Wurzeln, an die unsere Nationalhymne und die Flagge erinnern, sind eine durch alle Bevölkerungsschichten gehende Bewegung für ein geeintes Deutschland. Weg mit den vielen Grenzen. Her mit einem frei gewählten Parlament. Dass es dies dann nicht gab, hat mit den Wünschen Preußens und der Unfähigkeit der Deutschen zu einer echten Revolution zu tun. Man war zwar nicht erfolgreich, aber doch dürften die Wünsche der Bevölkerung bei den Herrschenden angekommen sein. Und Preußen hat die Sache dann auf seine Weise gelöst: Krieg gegen Frankreich, massenhaft Gold erbeutet - damit ließ sich eine Goldwährung installieren und Preußen hatte etwas, das kein anderer Fürst in Deutschland liefern konnte. Die Krönung des deutschen Kaisers verlief maximal beschämend für Frankreich. Der Ball dürfte nach ersten Weltkrieg zurückgekommen sein, indem man Deutschland nahezu unerfüllbare Bedingungen für den Frieden auferlegte. Und das war dann wiederum der Boden, auf dem Hitler seinen Erfolg aufbauen konnte.
Vielleicht hätte eine erfolgreiche Revolution den Deutschen einiges an Leid erspart ...
Nichts konkretes. Etwas Zeitgemäses und Zukunftsorientiertes ohne Nationalismus.
Nationalhymnen sind keine der Mode unterworfenen Pop-hits. Sie müssen zeitlos sein, gegebenenfalls Jahrhunderte überdauern. Für so etwas setzt man idealerweise an den Wurzeln an, die das Land tragen. Und das ist im Falle von Deutschland die Revolution von 1848.
So etwas war damals, als die Mauer fiel, mein erster Gedanke: erst mal beide Staaten weiterführen
Das war vielleicht dein Gedanke, dass hat aber nichts damit zu tun, was ich schrieb.
und wenn wir uns dann gut kennen, schauen, was wir von wem nehmen können, um das beste aus zwei Welten zu erhalten.
Die Sachlage war hinreichend bekannt.
Heute denke ich, dass es so, wie man es gemacht hatte, gut war.
Du hattest ja auch den einfachen Part. Es hat sich für dich nichts geändert.
Wenn der Kairos Moment da ist, muss man zugreifen. Das hat Helmut Kohl gemacht.
Das wird zwar den historischen Tatsachen nicht gerecht, aber die Formulierung ist aufschlussreich.
Wenn man sich einmal überlegt, wie es anders hätte laufen können, dann muss ich realisieren, dass das nicht funktioniert hätte. Es wären kaum Menschen in der alten DDR geblieben - aus Angst, die Mauer könnte wieder aufgebaut werden. Dann wäre dieser Staat kaum lebensfähig gewesen. Im Grunde genommen war er ja bankrott. Die Infrastruktur war überwiegend verrottet. Es heißt die Wessis hätten den Osten ausgeraubt. Aber für viele ist dieses Bemühen gewaltig nach hinten losgegangen. Sie waren es, die am Ende bankrott waren - denn die gekaufte Immobile war abrissreif.
Die DDR war keine wirklich offene Gesellschaft. Sie war ein totalitärer Staat mit extrem ausgebautem Spitzelsystem. So eine Art rotes Preußen also. Ich weiß nicht, was daran gut gewesen sein sollte. Klar möchten die Spitzel auch mal wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen und dazu noch fett Kohle machen (vielleicht gibt es ja auch deshalb so viele Augustus-Fans, denn aus dieser Zeit stammt die Vorlage für solche Herrschaftskonzept).
All das hat nichts zu tun, dass man eine neue Republik hätte gründen können.
Aber ist eine freiheitlicher Rechtsstaat und eine offene Gesellschaft nicht die deutlich bessere Option?
Die offene Gesellschaft ist auf dem Rückzug und der totalitäre Staat auf dem Vormarsch. Aber ja, das ist natürlich was anderes wenn CDU/CSU dran steht und nicht SED.
Die Wurzeln, an die unsere Nationalhymne und die Flagge erinnern, sind eine durch alle Bevölkerungsschichten gehende Bewegung für ein geeintes Deutschland. Weg mit den vielen Grenzen. Her mit einem frei gewählten Parlament. Dass es dies dann nicht gab, hat mit den Wünschen Preußens und der Unfähigkeit der Deutschen zu einer echten Revolution zu tun. Man war zwar nicht erfolgreich, aber doch dürften die Wünsche der Bevölkerung bei den Herrschenden angekommen sein. Und Preußen hat die Sache dann auf seine Weise gelöst: Krieg gegen Frankreich, massenhaft Gold erbeutet - damit ließ sich eine Goldwährung installieren und Preußen hatte etwas, das kein anderer Fürst in Deutschland liefern konnte. Die Krönung des deutschen Kaisers verlief maximal beschämend für Frankreich. Der Ball dürfte nach ersten Weltkrieg zurückgekommen sein, indem man Deutschland nahezu unerfüllbare Bedingungen für den Frieden auferlegte. Und das war dann wiederum der Boden, auf dem Hitler seinen Erfolg aufbauen konnte.
Das ist aber eine sehr eigene Interpretation.
Nationalhymnen sind keine der Mode unterworfenen Pop-hits. Sie müssen zeitlos sein, gegebenenfalls Jahrhunderte überdauern.
Sagt wer? Das Lied der Deutschen finde ich absolut nicht zeitlos. Drum singt man es ja auch nicht mehr komplett. Und eine neue Ära mit einer neuen Hymne zu versehen, finde ich absolut naheliegend.
Und eine neue Ära mit einer neuen Hymne zu versehen, finde ich absolut naheliegend.
Ich wüsste jetzt nicht, was an der 3. Strophe unserer derzeitigen Nationalhymne nicht zeitlos ist.
Mal abgesehen davon, dass sich andere Länder auch nicht darum scheren, ob ihre Hymne zeitlos ist oder nicht. Was ist denn bitte an der Marseillaise zeitgemäß?
Ich wüsste jetzt nicht, was an der 3. Strophe unserer derzeitigen Nationalhymne nicht zeitlos ist.
Die 3. Strophe des "Lied der Deutschen" nicht die 3. Strophe der Nationalhymne, sondern ist die Nationalhymne. Strophe 1 und 2 sind nicht Teil der Nationalhymne. Dennoch, bin ich der Meinung, dass man die 3. Strophe nicht einfach vom Rest abkoppeln kann und so tun als gäbe es diesen und seine Historie nicht.
1990 wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, etwas Neues zu schaffen. Wollte man nicht und hat man auch nicht und jetzt ist es so, wie es ist. Das müssen aber auch nicht alle gut finden.
Mal abgesehen davon, dass sich andere Länder auch nicht darum scheren, ob ihre Hymne zeitlos ist oder nicht. Was ist denn bitte an der Marseillaise zeitgemäß?
An der Marseillaise ist nichts zeitgemäss. Dass die Franzosen das immer noch singen, finde ich befremdlich. Geht mich aber nichts an, Franzose bin ich nicht.
@derelch "Schließlich sieht auch Bundespräsident Heuss ein, dass sein Vorschlag sich nicht durchsetzen wird und lenkt ein. In einem 1952 veröffentlichten Briefwechsel zwischen Heuss und Adenauer wird das »Lied der Deutschen« zur offiziellen bundesdeutschen Nationalhymne erklärt. Bei öffentlichen Anlässen solle allerdings nur die dritte Strophe gesungen werden."
"Schließlich sieht auch Bundespräsident Heuss ein, dass sein Vorschlag sich nicht durchsetzen wird und lenkt ein. In einem 1952 veröffentlichten Briefwechsel zwischen Heuss und Adenauer wird das »Lied der Deutschen« zur offiziellen bundesdeutschen Nationalhymne erklärt. Bei öffentlichen Anlässen solle allerdings nur die dritte Strophe gesungen werden."
Was möchtest du mit dem Zitat sagen? Soll ich raten? Jedenfalls ist es inzwischen uninteressant, was Heuss und Adenauer 1952 in Sachen Hymne von sich gegeben haben. Seit 1991 ist ausschliesslich die 3. Strophe des "Lied der Deutschen" die Nationalhymne Deutschlands.
goodfruit zur Wiedervereinigung: Heute denke ich, dass es so, wie man es gemacht hatte, gut war.
Antwort derelch: Du hattest ja auch den einfachen Part. Es hat sich für dich nichts geändert.
Da hast Du Recht. Auch bei mir hat sich etwas geändert, denn die Berliner Republik ist nicht die Bonner Republik. Aber der Unterschied vorher-nachher ist weniger krass.
Ich hätte daher anfangs ja auch gedacht, dass es besser sei, man lasse es zunächst bei zwei Staaten und lass die sich aufeinander zu entwickeln. Der Zustand der DDR wirtschaftlich und der Wunsch vieler DDR Bürger, dem Gefängnis ihres Staates zu entkommen, hätte aber Entwicklungen angestoßen, die so ziemlich alles im Osten ruiniert hätten. Daher finde ich, dass man es seinerzeit gut gemacht hat.
Ich sehe, dass der Vorgang der Wiedervereinigung ein entwürdigendes Element hatte. Das war und ist nicht gut. Aber macht es Sinn, über 30 Jahre die beleidigte Leberwurst zu sein, selbst wenn diese Haltung berechtigt wäre?
Wir müssen doch sehen, dass wir aus unserem Land etwas machen, dass wir vorausschauen und uns in die Entwicklung der Zukunft einbringen. Und da kann sich jeder einbringen - egal von wo er kommt.
Ich hatte manchmal den Eindruck, dass es in unserem Land Menschen gab, die sich eine Übernahme durch Putin gewünscht hätten. Aber was hätte das gebracht? Nach 35 Jahren Looser sein endlich mal wieder auf der Siegerseite - und dem Wessi mal so richtig mit dem Knüppel den Scheitel ziehen, wenn er sich beschwert?
Die Menschen aus der DDR sind dabei überhaupt keine Looser. Oft sind sie es, die von Ausländern erwarten, dass sie sich lokalen Sitten und Gebräuchen anpassen. Aber auch sie haben die Möglichkeit sich anzupassen und das ist jetzt weniger an ein System sondern an eine veränderte Zeit.
In meinem Umfeld gibt es viele Menschen, die ihre Herkunft im Osten haben - und wenn ich das nicht wüsste, hätte ich es nie gemerkt. Sie leben hier mit all den Chancen und den Widrigkeiten, mit denen auch ich zu kämpfen habe und sie tun das oft deutlich erfolgreicher als ich.
Manchmal habe ich im Osten den Eindruck, dass man immer noch eine Art Trotzhaltung hat, was nicht eben vorteilhaft für die wirtschaftliche Entwicklung und das Leben generell ist. Man stellt sich selber ein Bein und trägt dazu bei, dass die Dinge deutlich schlechter laufen, als wie das möglich wäre. Immerhin kann man dann sagen, man hätte ja immer schon gewusst, dass der Kapitalismus blöd ist ...
Ramelow ist nach der Wende freiwillig in die SED eingetreten. Ich halte nichts von seiner Verklärung bis hin zu einem SPDler.
Ich denke nicht, dass bei Hymne und Flagge Änderungsbedarf besteht.
Unsere Nationalhymne ist ein republikanischer Gegenentwurf zum monarchischen "Gott erhalte Franz den Kaiser".
Klassischen Rechtsextremisten und Linksextremisten ist die Nationalhymne ein Dorn im Auge.
Auch mit den Farben der Bundesflagge können die Antidemokraten nichts anfangen. Sie ist Symbol eines republikanischen Deutschlands und gegen Bonzenherrschaft von rechts und von links - ob 1848/49, in der Weimarer Republik oder nach 1949.
@goodfruit Ich dachte jetzt Linke . Eine rote Fahne und wir singen die Internationale, die könnten die Leute auch hinterher singen, wie früher das Horst-Wessel-Lied.
Also auf youtube hat jemand reagiert und dem Herrn einmal gezeigt was hinter schwarz-rot -gold im Rahmen der 1848er steckt.
Ich sag mal " Hambacher Fest", hatten wir in der Schule. Mancher 48er ging in die USA, wenn er noch konnte.
Bei mir in der Region der "Verteidigungsminister" der badischen Revolution. General Siegel wurde dann General der Union (US Army) im Sezessionskrieg. In den USA sind die Forty-Eighters ein Begriff.
@jigal die Frage sollte auch sein wozu eine Nationalhymne? Wenn schon was gespielt werden soll warum kein Instrumental wie in Spanien?
Und dieses ganze mit der Flagge... Habe die nur an meinen Surplusklamotten weil ich keine Lust habe die runterzufummeln.
Auf FB gibt es ein Auschwitzmemorial als Seite, die zeigen die Bilder von Menschen die in den Holocaust kamen (wenige davon überlebten, von den vorgestellten). Das gerät in Vergessenheit.
Es gibt wichtigeres als deutschen Nationalismus. Inbesondere wenn man sieht wie von so vielen Seiten der Judenhasss wieder im Land kocht (Gen. 12:3).
Und man schaue sich die m.E. gut Darstellung des nationalen "Überschwangs" an den E.M. Remarque am Anfang seines Buches schildert, als angehende Abiturienten vom Heldenkamp träumten und feststellten dass "Dulce et decorum..." nun nicht ganz so zutrifft.
Da führte der deutsche Nationalismus in den Abgrund.