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Demokratie und Diktatur

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Goldapfel
Themenstarter
Beiträge : 713

Ich würde gerne mal folgendes zur Diskussion stellen:
Deutschlands Westen hat eine, Deutschlands Osten zwei Diktaturen hinter sich.
In einer Diktatur lernt man viel, aber wenig, das man in einer Demokratie brauchen kann.

So oder ähnlich hat sich Wolf Biermann kürzlich ausgedrückt, hatte es in der Jüdischen Allgemeinen gelesen, finde es allerdings gerade nicht.

Was haltet ihr von der Aussage? Stimmt ihr zu und wenn das so ist, wie können wir damit umgehen?
Oder ist das totaler Quatsch und warum.
Ich freue mich auf eure Meinungen 🙂

Antwort
66 Antworten
Deborah71
Beiträge : 15886
Veröffentlicht von: @goldapfel

So oder ähnlich hat sich Wolf Biermann kürzlich ausgedrückt, hatte es in der Jüdischen Allgemeinen gelesen, finde es allerdings gerade nicht.

Ich hab mal für dich gesucht. Hier steht es rechts neben dem Bild.
https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/liedermacher-deutschland-muss-sich-nicht-angleichen/

Nachtrag vom 16.12.2021 2127
weiter unten:

Biermann verwies auf unterschiedliche Erfahrungen in beiden Teilen des Landes. »Die Ostdeutschen haben eben das Pech, dass sie nicht eine Diktatur hinter sich haben, sondern zwei Diktaturen.« Das habe Folgen. »Auch in einer Diktatur lernt man Sachen, die man später gut brauchen kann. Aber man lernt auf keinen Fall das, was man braucht, um in der Demokratie zu leben.«

deborah71 antworten
1 Antwort
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Danke
...für deine Ergänzung.

goldapfel antworten


Ungehorsam
Beiträge : 3336

Wolf Biermann hat teilweise recht und teilweise unrecht.
Ich erlebte die DDR-Diktatur als Schüler und Lehrling. Wir mußten schon als Kinder lernen, was man öffentlich sagen darf und was man nur privat äußern darf. Die Schule hat zwei Generationen von Opportunisten herangezogen. Das macht sich jetzt sehr schmerzhaft bemerkbar.
Z.B. wußten alle, daß die in der DDR durchgeführten "Wahlen" Verarsche waren, trotzdem sind die meisten brav ins Wahllokal spaziert, haben ihren Zettel gefaltet und in die Urne gesteckt. Zum Ankreuzen gab es ja nichts. Als ich im Mai 1989 erstmalig wählen sollte, blieb ich dem Zirkus fern. Mein Chef sprach mich aber am nächsten Tag darauf an. Er hat auch nicht lange mit mir diskutiert, wohl weil er insgeheim die "Wahl" auch für Verarsche hielt. Nur durfte er das als Abteilungsleiter und SED-Genosse natürlich nicht sagen. Wer in der Parteiversammlung Klartext redet, bekam ein Verfahren an den Hals. Alles wurde verklausuliert und in Phrasen ausgedrückt. Der Volksmund nannte das "Parteichinesisch", weil es niemand mehr verstand. Wer geschickt darin war, konnte auch Kritik darin unterbringen.
Jeder schaute Westfernsehen und hörte Westradio, auch das sollte nicht allzu hoch an die große Glocke gehängt werden. Es war offiziell nicht verboten, es wurde lediglich geduldet. Durch diese Medien konnten wir eigentlich viel über Demokratie lernen. Anhand des Vergleichs fielen die Defizite der DDR sofort ins Auge. Die Wirklichkeit konnte den Anspruch niemals erreichen.
Abitur und Studium waren Privileg der Bonzenkinder. Für die jungen Männer war ein Studium zusätzlich noch mit "freiwilliger" Verpflichtung zu drei Jahren Wehrdienst verbunden, dem Doppelten des Grundwehrdienstes. Allein das hielt schon viele von einem Studium ab.
Schon in den Kindergärten gab es staatlich verordneten Militarismus. Nur die konfessionellen Kindergärten konnten sich dem entziehen.
Offiziell gab es Meinungs- und Religionsfreiheit, aber nur solange es dem Staat genehm war. Über die Behauptungen von manchen Leuten, man dürfe dieses oder jenes abseits des "Mainstreams" nicht öffentlich sagen, kann ich nur lachen. Die eine oder andere Äußerung wird einen shitstorm bzw. heftigen Widerspruch auslösen, aber es wird keine Stasi kommen und die Leute mitnehmen und mißhandeln. Auch die viel diskutierte "Cancel culture" ist ja nicht staatlich verordnet.

ungehorsam antworten
23 Antworten
LittleBat
(@littlebat)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 1813
Veröffentlicht von: @ungehorsam

Durch diese Medien konnten wir eigentlich viel über Demokratie lernen.

Das würde ich - mit Verlaub - für trügerisch halten. Durch Fernsehsendungen hat man nicht wirklich viel über Demokratie gelernt. Und vielleicht ist gerade das das Problem.

littlebat antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Sicherlich ist Fernsehen nicht unbedingt eine perfekte Schulung in Demokratie.
Wenn man allerdings das Fernsehen heute mit dem westdeutschen Fernsehen zu Zeiten der DDR, also bis 1989 vergleicht, gibt es schon sehr große Unterschiede.
Viele Jahre gab es nur die öffentlich-rechtlichen Sender und es wurden nicht nur Unterhaltungssendungen geschaut, sondern man hatte wohl auch großes Interesse an Nachrichten.
Es soll heute noch Unterschiede zwischen denen die Westfernsehen empfangen konnten und denen die es nicht konnten, geben.

goldapfel antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581

Aber wo kann Mensch Demokratie lernen? In der Familie, in der Schule, beim Beobachten von Politikern ... ?

Gibt es überhaupt lupenreine Demokratie?

Für mich wären z.B. Volksentscheide in wichtigen Fragen des gemeinsamen Lebens in einem Staat ein wichtiges Instrument echter Demokratie.

banji antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Lernorte
Idealerweise bereits schon in den Familien , dass es auch Punkte gibt über die die Kinder mitentscheiden dürfen. Familienrat dem Thema und dem Alter angepasst. Dass auch schon Eltern Entscheidungen erklären.
In der Schule über Klassensprecherwahlen, SV
Dazu gehört aber auch, dass nicht ein grundsätzliches Misstrauen vorherrscht, gegen „den Staat“, gegen „die da oben“.

Wer Hilflosigkeit erlebt, sucht sich vielleicht entweder Ähnliches oder reagiert vielleicht auf Grund negativer Erfahrungen schneller über.

goldapfel antworten
Jack-Black
(@jack-black)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 2026

Interessante Ausführungen
Danke dafür!

jack-black antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

. Über die Behauptungen von manchen Leuten, man dürfe dieses oder jenes abseits des "Mainstreams" nicht öffentlich sagen, kann ich nur lachen. Die eine oder andere Äußerung wird einen shitstorm bzw. heftigen Widerspruch auslösen, aber es wird keine Stasi kommen und die Leute mitnehmen und mißhandeln. Auch die viel diskutierte "Cancel culture" ist ja nicht staatlich verordnet.

Danke, dass du das nochmal so deutlich klar stellst!

Aber kann nicht allein die Erfahrung, dass man sich nicht öffentlich äußern durfte und das erlebte Ohnmachtsgefühl gegenüber dem eigenen Staat (so interpretiere ich mal deine Erfahrungen), was man ja mitbringt, dazu führen, dass einen Erlebnisse, die nur ungefähr in die Richtung „Einschränkung“ gehen, wieder neu triggern?
Nicht jeder reflektiert.

goldapfel antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Aber kann nicht allein die Erfahrung, dass man sich nicht öffentlich äußern durfte und das erlebte Ohnmachtsgefühl gegenüber dem eigenen Staat (so interpretiere ich mal deine Erfahrungen), was man ja mitbringt, dazu führen, dass einen Erlebnisse, die nur ungefähr in die Richtung „Einschränkung“ gehen, wieder neu triggern?

Ist möglich, ja.

ungehorsam antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581

Opportunismus ist eine "zweckmäßige Anpassung" ab eine jeweilige Situation. So Tante Wicki.
Das gab es im Westen mit anderen Schattierungen auch. Und ich bin mir nicht sicher, ob die, die sich über eine opportunistische Lebenshaltung im Osten echauffieren, im Osten gelebt, nicht genauso opportun gewesen wären, wie viele von uns Ossis. Irgendwo hat das ja auch was mit Überleben zu tun.
Helden und Widerstandskämpfer gibt es gemessen an der Bevölkerungszahl immer nur recht wenige.

banji antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Und ich bin mir nicht sicher, ob die, die sich über eine opportunistische Lebenshaltung im Osten echauffieren, im Osten gelebt, nicht genauso opportun gewesen wären, wie viele von uns Ossis.

Aber natürlich wären sie genauso opportun.

ungehorsam antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 378

Meinungsfreiheit wird nicht nur durch den Staat (im Rahmen bestehender Gesetze) eingehegt sondern auch durch das Umfeld. Wenn man Dinge tut, ausspricht die dem sozialen Umfeld mißfallen, dann wird dieses einen dafür zur Rechenschaft ziehen, nicht durch Gericht (wenn nicht strafbar) sondern durch Ausschluss.

Es gibt das so bezeichnete Overton-Fenster dessen was erwünscht/"sagbar" ist und dieses Fenster ist nicht fest. Es wandelt sich mit den Zeiten, Dinge die vor sagen wir mal 40 Jahren nicht sagbar (und auch schwer denkbar) waren sind heute im Bereich der Normalität angekommen.

Hätte ich dem verstorbenen Großvater gesagt, dass Männer heiraten werden oder es ein drittes Geschlecht geben wird, hätte er das nicht nur abgelehnt sondern für ausgeschlossen gehalten. Heute ist dies eine normale Sache, dass Männer Männer heiraten und Frauen Frauen, es wird über weitere Verantwortungsformen nachgedacht und weitere Geschlechter neben binären bisherigen System sind ganz normal. Ebenso "Gender Fluidity". Dinge die sich der Großvater nicht vorstellen konnte und nun 30 Jahre später (er verstarb Anfang 1993) ganz normale Dinge sind.

Dies hat nicht der Staat verordnet, es hat sich gesellschaftlich ergeben.

der_alte antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Was hat das jetzt mit dem Thema zu tun?

ungehorsam antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 378

In dem post auf das ich geantwortet habe, ging es darum dass sowas wie Cancel Culture nicht staatlich verordnet ist. Und da passt das Overton-Fenster, die Gesellschaft entscheidet (und verändert) was sie als zulässig erachtet und braucht dazu keine gesetzgebene Körperschaft.

Genauso wie die Gesellschaft/Zivilgesellschaft die Grenzen der sich ausdrückenden Meinungsfreiheit setzt, indem sie Dinge stigmatisiert, die an sich nicht vom Gesetz her unzulässig sind.

der_alte antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581
Veröffentlicht von: @der_alte

es ein drittes Geschlecht geben wird,

Es gibt kein drittes Geschlecht. Wenn sich jemand nicht eindeutig als Mann oder Frau identifiziert, heißt das noch lange nicht "drittes Geschlecht".

Veröffentlicht von: @der_alte

über weitere Verantwortungsformen

Als Alternative zur Ehe oder Partnerschaft wirkt das echt gruselig.

Veröffentlicht von: @der_alte

und weitere Geschlechter neben binären bisherigen System sind ganz normal.

Das sind Hirngespinste.

banji antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 378
Veröffentlicht von: @banji

Es gibt kein drittes Geschlecht. Wenn sich jemand nicht eindeutig als Mann oder Frau identifiziert, heißt das noch lange nicht "drittes Geschlecht".

Der Gesetzgebende ist anderer Ansicht:

https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-01/drittes-geschlecht-identitaet-zuordnung-auswirkungen-gesetz-faq

Veröffentlicht von: @banji

Das sind Hirngespinste.

Siehe oben, der Gesetzgebende sieht das anders und hat ein weiteres Geschlecht rechtlich definiert.

Die neue Regierungskoalition ugs, "Ampel" plant diese Verantwortungsgemeinschaft:

https://www.tagesspiegel.de/politik/nicht-nur-fuer-liebesbeziehungen-die-ampel-will-einen-rechtlichen-rahmen-fuer-wahlverwandte-schaffen/27848938.html

Das wird dann u.a. polyamore Gemeinschaften Verbindungen legalisieren, d.h. diesen einen rechtlichen Rahmen geben, zusammenleben darf ja jede Person mit jeder anderen und sich sexuell betätigen, sofern keine der betroffenen Personen durch ein noch nicht erreichtes Schutzalter nicht einbezogen werden dar.

Die klassische Ehe ist dann staatliche gesehen ein Modell und mehreren/vielen, schon durch die Heiratsmöglichkeit gleichgeschlechter Paare wurde die heteronormative Sicht auf eheliche Verbindung vom Staat aufgehoben. für die Dinge die er regeln kann.

der_alte antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581

Es hat schon viele absurde Gesetze gegeben.

Wenn ein "Gesetzgeber" ein Geschlecht definiert, heißt das noch lange nicht, dass es ein - zwei - drei usw. Geschlechter auch biologisch gibt.

banji antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 378
Veröffentlicht von: @banji

Wenn ein "Gesetzgeber" ein Geschlecht definiert, heißt das noch lange nicht, dass es ein - zwei - drei usw. Geschlechter auch biologisch gibt.

Die Biologie ist anderer Ansicht:

https://www.tagesspiegel.de/wissen/gender-in-der-biologie-es-gibt-mehr-als-zwei-geschlechter/13386730.html

Zitat:

"Nur „weiblich“ und „männlich“ ist zu wenig. Es gibt mehr als zwei Geschlechter. In der Biologie ist das inzwischen anerkannt."

der_alte antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581

Ein sehr alter Zeitungsartikel ... der trotzdem nicht überzeugt, sondern nur Behauptungen und angebliche wissenschaftliche Ergebnisse (einer ganz bestimmten Fraktion) populistisch zusamenfasst.

banji antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 378

Etwas aktueller die DW:

https://www.dw.com/de/zwei-geschlechter-ein-alter-hut/a-57053524

Lehrbücher für Schulen beschreiben dies auch, beispielsweise vom Cornelsenverlag (dessen Bücher in Schulcurricula eingesetzt werden):

https://www.cornelsen.de/produkte/themenhefte-sekundarstufe-vielfalt-in-sexualitaet-und-geschlecht-buch-mit-kopiervorlagen-klasse-5-10-9783589166732

Und Lehrbücher für Schulen werden ja vorher m.W. begutachtet und können nicht einfach so geschrieben und dann eingesetzt werden.

der_alte antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581
Veröffentlicht von: @der_alte

Lehrbücher für Schulen

Auch Lehrbücher für Schulen sind nicht immer ein Indiz für allumfassende Wahrheit. Was für Märchen wurden in den Schulbüchern der Nazis und der Kommunisten alles verbreitet ...

banji antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 378

Das sind Lehrbücher einer Demokratie.

Ist auch keine Sache die auf DE beschränkt, ist, dies gab und gibt es schon bei den Indigenen im Norden Amerikas:

https://www.bpb.de/gesellschaft/gender/geschlechtliche-vielfalt-trans/245271/kulturelle-alternativen-zur-zweigeschlechterordnung

"Weltweit existieren Alternativen zu der Zweigeschlechterordnung von Mann und Frau – beispielsweise im indigenen Nordamerika, in Thailand und Indien. Hier zeigt sich, dass Geschlechterkonstruktionen durchaus flexibel sein können und von gesellschaftlichen Einflüssen abhängig sind."

Also nicht dass nun in den letzten Jahr "erfunden" wurde, sondern eine Sache die es in Teilen der Welt schon gibt seit etlichen Jahrhunderten.

der_alte antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Wenn ein "Gesetzgeber" ein Geschlecht definiert, heißt das noch lange nicht, dass es ein - zwei - drei usw. Geschlechter auch biologisch gibt.

Der Gesetzgeber entscheidet sowas ja nicht allein aus Lust und Laune aus sich heraus. Im Vorfeld tagen Ausschüsse, die sich mit bestimmten Themen beschäftigen. Dann kommt es vielleicht irgendwann mal nach weiteren Schritten zu Abstimmungen über Gesetze. Ist übrigens auch Demokratie.

Das mag einem passen oder nicht.
Genauso wenig wirst du die Ehe für alle wieder zurücknehmen können oder das Frauenwahlrecht.

Du wirst die Uhr in der Hinsicht wohl nicht zurückdrehen können, es sei denn du rufst die Banji-Diktatur aus. 😅

Nebenbei:
Auch ich tue mich manchmal schwer, wenn mein Kind extrem bewusst zB auf bestimmte Begriffe reagiert, die ich selbst zwar nicht gebrauche , evtl aber ein Autor in einem Buch, das mir gefällt.
Da kann ich jetzt auf „die ganzen woken Leute“ schimpfen, es ignorieren oder versuchen zu akzeptieren, dass ich älter werde und sich manches gesellschaftliche Bewusstsein ändert. Manches ist mir vielleicht zu extrem, aber manches ist eben auch gut und ich freu mich, dass nicht mehr alles ungefragt so hingenommen wird. Nicht alles, was man schon immer so tat war gut und manches ist eben heute nicht mehr gut oder eindeutig.
Vom Glauben her sehe ich die eine oder andere gesellschaftliche Entwicklung auch anders.

Ich würde mir nur wünschen, dass sich auch mehr konservative Christen öffentlich zur oft hemmungslosen Gier der Wirtschaft und Börsen äußern würden, oder zum Thema Gerechtigkeit.
Statt dessen erlebe ich häufiger, dass Gendern oder öffentliche Homosexualität angeklagt werden, weil das ja gegen christliche Werte/Schöpfungsordnung geht. Da geht ja so mancher ab wie Nachbars Lumpi, auch hier zu beobachten.
Dass Gott Gerechtigkeit fordert (zieht sich durch das gesamte AT), den Unterdrückten zu entlasten, ein „soziales Gewissen“ oder die Schöpfung zu bewahren, scheint eher unterzugehen. Vielleicht, weil man selber mehr ändern müsste?
Aber das war jetzt schon eher ot
Wollte das nur noch loswerden 😅

goldapfel antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581

Du darfst gerne alles loswerden, was Du loswerden möchtest ... 😊

Aber als echtes DDR-Kind glaube ich nicht alles, was so als unumstößliche Wahrheit daher geschlendert kommt ...

Nein, die Uhr werde ich nicht zurückdrehen können. Dafür sind die Machtpositionen ja schon wieder klar besetzt.
Trotzdem werde ich mir meine geistige Freiheit bewahren, gegenüber allen, die mir sagen wollen, was ich zu glauben habe und was nicht.

Im übrigen lebe ich gern und gelassen nach Apg. 5,38+39 😊

banji antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Du darfst gerne alles loswerden, was Du loswerden möchtest ...

Danke, gucke mal, was ich noch so finde... lach

Sich an dieser Bibelstelle zu orientieren, klingt doch sehr gesund;)

goldapfel antworten
Banji
Beiträge : 3581
Veröffentlicht von: @goldapfel

In einer Diktatur lernt man viel, aber wenig, das man in einer Demokratie brauchen kann.

Würde ich so nicht sagen: Man lernt überleben im Alltag. Man lernt "aus Scheiße Bonbon zu machen". Man lernt zu improvisieren. Man lernt Solidarität.
Etwas, was man durchaus auch in einer Demokratie gebrauchen kann.

banji antworten
12 Antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Etwas, was man durchaus auch in einer Demokratie gebrauchen kann.

Stimmt, das sind Sachen, die man immer und überall gebrauchen kann.
Hat meine Großmutter übrigens während des Krieges und der Nachkriegszeit auch gelernt.

Deborah hat ja oben bereits mein ungefähres Zitat korrigiert.

Also hat Biermann mit seiner Aussage (bitte bei Deborah nachlesen) Unrecht, deiner Meinung nach?

goldapfel antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581
Veröffentlicht von: @goldapfel

Also hat Biermann mit seiner Aussage (bitte bei Deborah nachlesen) Unrecht, deiner Meinung nach?

Ich lese nicht ganz klar heraus, was er konkret meint.
Wenn er darauf anspielt, dass ihm sein Einstieg in die Demokratie des Westens schwer gefallen ist, dann mag er in dem Sinne Recht haben.
Aber was hatte er erwartet?
Die Demokratie erwartet von den Menschen ein mündiges "um sich selbst kümmern", das ist in der Tat etwas, was viele Ostdeutsche nach der Wende lernen mussten. Mühsam. In der Diktatur wurde gekümmert.
Lustig ist (und Erfahrung in meinem Lebensumfeld): Am lautesten krakeelten und jammerten im Osten diejenigen, die in der Diktatur gut fuhren - nämlich die Linken der SED und ihre Anhänger. Sie waren plötzlich nur noch Menschen wie Du und ich.
Aber sie haben schnell gelernt. Heute sitzen sie wieder im Bundestag 😉

banji antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Ich vermute eher, er versucht damit bestimmte aktuelle Auswerfungen zu erklären, wie eine Häufung von Zuspruch zur AfD als auch ein Misstrauen in den Staat und politische Entscheidungen in Bezug auf Corona.
Und bevor du dich angegriffen fühlst ;),
ich ignoriere nicht das „anthroposophische“ BaWü oder das mir generell eher leicht fremde Bayern.

Eigene Anekdote: Als ich vor ca 20 Jahren im KH lag, fanden gerade irgendwelche Wahlen statt und die NPD hatte zT erschreckend „gut“ abgeschnitten. Ein Pfleger kam rein, sah das Wahlergebnis und konnte „die Ossis“ nicht verstehen und unterstellte Dummheit.
Das find ich daneben, nicht richtig.
Ändert aber nichts am damaligen Wahlergebnis.
Ich möchte verstehen warum.
Ich denke auch nicht, dass eine bestimmte Vorgeschichte unweigerlich bestimmte Folgen haben muss, aber ich behaupte mal, dass es Häufungen gibt.

Was denkst du denn von dem zumindest früheren großen Zuspruch zur PDS von ostdeutscher Seite? Waren das alles Funktionäre oder Profiteure?
Wie gesagt, ich will verstehen.

goldapfel antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581

Achiewo, ich fühle mich doch nicht angegriffen ... 😊
Wir versuchen doch hier nur eine Standort-Bestimmung von "Demokratie und Diktatur" ...

Veröffentlicht von: @goldapfel

Ein Pfleger kam rein, sah das Wahlergebnis und konnte „die Ossis“ nicht verstehen und unterstellte Dummheit.

Die Versuche rechter Parteien sich über Wahlen zu etablieren, ist ja schon recht alt. Und nicht erst ein Vorgang der Nachwendezeiten.
Manchmal hatten sie etwas Erfolg, manchmal nicht. Und wenn, sind sie bald wieder verschwunden.

Der Zuspruch zur AfD erklärt sich für mich eher aus der gewachsenen Linkslastigkeit der CDU unter Merkel. Denn wohin soll heute ein konservativer Wähler? Dass ein konservativer Wähler mit der AfD aber auf der anderen Seite vom Pferd fällt, ist sichtbar geworden. Aber noch gibt es für ihn keine andere besser-konservative Möglichkeit zu wählen, vllt. jetzt mit Merz ... aber wir werden mal sehen.

Veröffentlicht von: @goldapfel

Was denkst du denn von dem zumindest früheren großen Zuspruch zur PDS von ostdeutscher Seite? Waren das alles Funktionäre oder Profiteure? Wie gesagt, ich will verstehen.

Aus meinem Lebensumfeld kann ich sagen: es sind vornehmlich die alten Funktionäre und ihre Familien, die in der PDS und in der jetzigen Linken aktiv waren / sind. Vielleicht hier und da ein versprengter Gesellschafts-Protestler noch. Aber die Zahlen sinken auch hier.

banji antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Aber noch gibt es für ihn keine andere besser-konservative Möglichkeit zu wählen,

Das kann ich so nicht stehen lassen. Wer ganz offen mit rechts-national kokettiert oder sich sogar verbündet, verrät den Begriff konservativ, es sei denn er möchte etwas Vergangenes konservieren, was doch hoffentlich der Großteil unserer Bevölkerung nicht will. Dann muss man eben in Parteien eintreten um zu verändern.

Noch mal zu der PDS, es ging mir nicht nur um das Engagement in der Partei an sich, da wurden doch zum Teil früher enorme Wahlergebnisse eingefahren, das können doch nicht alles Stasileute gewesen sein?
Hat man sich vielleicht mehr Verständnis für „den Osten“ versprochen, weil die Politiker ja von da kamen und die Situation besser kannten als „die Wessis“?

goldapfel antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581
Veröffentlicht von: @goldapfel

Dann muss man eben in Parteien eintreten um zu verändern.

Nicht jeder ist so hochaktiv, tritt einer Partei bei oder gründet welche.
Aber jeder sollte die Möglichkeit haben so zu wählen, dass es seinem persönlichen politischen Standort entspricht.
Und hier haben Konservative im Fundus der potentiellen Bundestagsparteien in den letzten jahren wenig Möglichkeiten gehabt.

Die PDS war die Partei, die nach der Wende das Auffangbecken der Frustrierten und Wende-Verlierer war. Dazu gab es noch ein großes Potential ehemaliger SED-Wähler.

banji antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

ehemaliger SED-Wähler.

Du weißt aber schon, daß die SED so wie die anderen "Blockparteien" auch nicht im klassischen Sinne gewählt werden konnten. Der Anteil der SED-Abgeordneten in Volkskammer und regionalen/lokalen Parlamenten war von vornherein so festgelegt, daß sie die Mehrheit haben. Dazu kommen noch die Doppelmitgliedschaften, wer z.B. für den FDGB im Parlament saß, war selbstredend auch SED-Mitglied.

ungehorsam antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581

Ja, natürlich, weiß ich ... aber Du hast Recht, der Begriff "SED-Wähler" ist in diesem Sinne nicht stimmig ...

banji antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Den Wahlerfolg der PDS erkläre ich mir vor allem durch die Kahlschlag-Politik der Treuhand. Dazu waren die Spitzenkandidaten der bürgerlichen Parteien überwiegend Westimporte, während die PDS mit Eigengewächsen an der Spitze antrat. Gregor Gysi z.B. war sehr populär. Ich war mal Wahlhelfer in Berlin-Marzahn, dem Wahlkreis von Gysi. Die Erststimmen gingen klar an ihn. Auf einem Wahlzettel war Erststimme: Gysi und Zweitstimme: NPD angekreuzt.

ungehorsam antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Auf einem Wahlzettel war Erststimme: Gysi und Zweitstimme: NPD angekreuzt.

🤭 schon krass

goldapfel antworten
der_alte
(@der_alte)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 378

Dr. Gysi hat Charisma. Das schlägt parteipolitische Präferenz.

der_alte antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581
Veröffentlicht von: @ungehorsam

Ich war mal Wahlhelfer in Berlin-Marzahn, dem Wahlkreis von Gysi. Die Erststimmen gingen klar an ihn. Auf einem Wahlzettel war Erststimme: Gysi und Zweitstimme: NPD angekreuzt.

Genau dieses merkwürdige Wahlverhalten habe ich als Wahlhelfer auch erlebt.

banji antworten


Orangsaya
Beiträge : 2875

Bush hatte die Theorie, dass Demokratie ein natürliches Bedürfnis der Menschen sei. Deswegen dachte er auch, dass der Irak quasi ein Selbstläufer wird.

Ich habe das nie geglaubt, halte die Demokratie für ein besseres System, obwohl sie auch Nachteile in sich bergen kann. China will ja der Welt zeigen, dass ihr System den demokratischen Ländern überlegen ist. Zum Thema Corona hat China ja offensichtlich Recht, aber wollen wir den Preis dafür zahlen? Der Nachteil einer freien Demokratie ist ja auch teils eine unbequeme Auseinandersetzung.

Veröffentlicht von: @goldapfel

In einer Diktatur lernt man viel, aber wenig, das man in einer Demokratie brauchen kann.

Na ja, ich würde zunächst früher anfangen. Unsere erste Demokratie hatten wir ja erst vor hundert Jahren bekommen. Doch eine Demokratie, wollte damals kaum jemand. Der Unterschied war, wollen in der Bevölkerung eher die Frage. Soll eine Diktatur konservativ, oder kommunistisch geprägt sein. um es mal verkürzt zu sagen. Nur solche Exemplare, wie die Sozialdemokraten standen damals deutlich für eine Demokratie. In Deutschland passten sie sich an, oder mussten gehen, in Österreich wurden zuvor die Sozialdemokraten interniert.
Die Demokratie wurde zugunsten des Nationalsozialismus auf Eis gelegt, bestand formal aber bis zur Kapitulation.

Wir haben zum Thema Demokratie eine große gemeinsame Geschichte. Wenn auch keine großartige ...

Was die Nachkriegszeit betrifft, so habe ich meine Zweifel, ob eine Demokratie möglich gewesen wäre, wenn die Optionen so, wie in Weimar, gelegt worden wären. Wir hatten ganz andere Chancen eine Würde wieder zu bekommen, unser Land wieder aufzubauen, ein integrierter Teil der Weltgemeinschaft zu werden, usw. Anders wäre es mit der Demokratie wohl eher Essig gewesen.

Wenn ich auf die neuen Länder schaue, dann sehe ich gar nicht mal, einen so großen Unterschied zu uns. Alle Länder werden bis zu einer Ausnahme, von der SPD, oder CDU gewählt. Jedes einzelne Land durch demokratische Entscheidungen geführt. Diese Situation haben wir von Beginn an, also ca. seit dreißig Jahren ist das so. Der wesentliche Unterschied, ist das, was die Menschen dort erlebt haben und zwar nach der Wiedervereinigung. So kann ich verstehen, habe aber kein Verständnis dafür warum in den Neunzigern die PDS erstarkte. Die marode Infrastruktur zerbrach, das hieß, es gab eine Abwanderung, oder Arbeitslosigkeit und die besehen sozialen Bindungen zerbrachen. Da bot sich die PDS/SED als falscher Prophet an und teilweise hatte sie ihren Erfolg. Später sollten durch den Königsbergerschlüssel, Menschen gegen ihren Willen angesiedelt bekommen. Die Liebsten aus der Familie mussten aus wirtschaftlichen Gründen gehen und Fremde wurde ihnen vor die Nase gesetzt. Dann sieht man, wie wegen dem Klimawandel an ihrer Wirtschaft gesägt wird. Der Kohleabbau ist da so ein Beispiel. Die Menschen, die dort Leben verlieren ihre Arbeit. Das ist ein Deja vu aus den Neunzigern. Wandern die Restbestände auch noch ab? Ein Strukturwandel wird versprochen. Ist das ein Strukturwandel für den Bergwandel, oder werden Arbeitsplätze geschaffen, die von Pendlern in Anspruch genommen werden. Sie kommen morgens aus Berlin und fahren dann wieder zur Familie. Aus einem alten Bergmann lässt sich ohne nicht weiteres etwas, wie ein Informatiker machen. Aus solchen Dingen, gewinnt etwas, wie die die AFD. Auch das kann ich, ohne Verständnis dafür zu haben, verstehen. Ich glaube nicht, dass das Problem ein Bildungsmangel, oder Informationsmangel ist, sondern die Erfahrungen die die Menschen dort gemacht haben. Der Westen hatte politisch da mehr Angst. "Wenn es an der Ruhr brennt, hat der Rhein nicht genug Wasser, um die Flammen zu löschen." Diese Angst hat die Kohlepolitik während der gesamten Krise geleitet. Anders wäre es auch nicht so verlaufen.

orangsaya antworten
11 Antworten
Blackhole
(@blackhole)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 926
Veröffentlicht von: @orangsaya

Bush hatte die Theorie, dass Demokratie ein natürliches Bedürfnis der Menschen sei. Deswegen dachte er auch, dass der Irak quasi ein Selbstläufer wird.

Ist es ja auch. Nur hätte das US-Militär den Irak nicht derart unmenschlich in Schutt und Asche bomben dürfen wie es nunmal geschah.
Wenn eines nicht klappt, dann einem Volk Demokratie mit Gewalt und Demütigungen einprügeln. Der Krieg von 1991 war schon ein Blutbad, dann wurde der Irak immer wieder je nach Gusto bombardiert, dann kam das nächste Blutbad.

Und weißt du was?
Zur Vorgeschichte gehört ohnehin, daß der Westen 8 Jahre irak-iranischen Krieg kräftig unterstützt hat. Der Streit mit Kuweit um ein Ölfeld war dagegen nurnoch ein Fliegenschiss, aber plötzlich dreht der Westen total durch.

Wann in den letzten 40 Jahren hatte der Irak eigentlich Frieden?
Was erwartest du? Was für eine "Demokratie" sollten die Irakis vom Westen lernen?

Veröffentlicht von: @orangsaya

Zum Thema Corona hat China ja offensichtlich Recht, aber wollen wir den Preis dafür zahlen?

Womit hatten sie recht?
Damit daß dieses Regime durch Lügen und Vertuschen die Pandemie erst ermöglicht hat?
Werden sich sicher auch die Angehörigen der verschwundenen Whistleblower fragen.
Mit Hilfe eines noch etwas offeneren und kooperativeren Regimes ließ sich SARS 2002 schnell niederknüppeln.
Taiwan hat Covid sehr schnell besiegt. Auch andere ostasiatische Anrainer Chinas. Weil sie 2002 Lehrgeld gezahlt haben, und weil sie genau wissen, daß sie ein Regime vor der Haustür haben, dem sie so weit vertrauen können wie sie ein Klavier schmeißen können.

Veröffentlicht von: @orangsaya

Unsere erste Demokratie hatten wir ja erst vor hundert Jahren bekommen. Doch eine Demokratie, wollte damals kaum jemand.

....wird einem auf dem Gymnasium stets beigebracht, ist aber so nicht ganz richtig.
Tatsächlich waren die Leute dabei, sich in der Demokratie einzuleben. Hugenbergs Propaganda gegen den Young-Plan mit dem die Reparationen endgültig geregelt werden sollten, scheiterte. Die meisten wollten keinen Revanchismus mehr, sondern nurnoch ihre Ruhe und daß es endlich aufwärts geht mit der Lebensqualität.
Die letzten vernünftigen Wahlen hatte die SPD gewonnen, die Faschisten hatten an Boden verloren.

Starke Fliehkräfte von Links kamen aber daher, daß sich die Situation der Arbeiter nur im Schneckentempo verbesserte. Die meisten hausten noch immer zu einem Hungerlohn in unmöglichen Bruchbuden.

Von Rechts kamen die, die im Kaiserreich profitiert hatten, das Großbürgertum.

Was der Weimarer Republik tatsächlich das Genick brach, war die Weltwirtschaftskrise. 6 Jahre zuvor war die Hyperinflation, die steckte den Leuten noch in den Knochen, und dann verloren sie gleich wieder den Boden unter den Füßen. Dann wechselte sich eine hilflose Reichsregierung nach der anderen ab, das Parlament spielte schon keine Rolle mehr, hatte sich selbst entmachtet, und den Leuten war alles recht was irgendwie Ordnung versprach.

blackhole antworten
Orangsaya
(@orangsaya)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 2875
Veröffentlicht von: @blackhole

Der Streit mit Kuweit um ein Ölfeld war dagegen nurnoch ein Fliegenschiss,

Warum erinnern mich deine Worte so oft an Alexander Gauland?

Veröffentlicht von: @blackhole

Ist es ja auch. Nur hätte das US-Militär den Irak nicht derart unmenschlich in Schutt und Asche bomben dürfen wie es nunmal geschah.

Hätten nicht dürfen? Sie hatten den Auftrag der UN hierfür und waren nicht die Einzigen. Die Amerikaner zahlten in der Befreiungsgemeinschaft nur den höchsten Blutzoll.

Veröffentlicht von: @blackhole

Zur Vorgeschichte gehört ohnehin, daß der Westen 8 Jahre irak-iranischen Krieg kräftig unterstützt hat.

Die Iraner bauten während des Krieges unter deutscher Linzens den Leo. Die Iraner haben einen Fehler nach außen gemacht. Sie hätten den Westen nicht so anfeinden sollen.
Nach innen haben sie den Fehler gemacht, dass sie ranghohes Militär aufhängten. Meistens waren es Bahai denen das islamische Gesetz drohte. Das hatte das Militär geschwächt und der Irak nutzte dies für einen alten Grenzstreit.
Bei dir hätten wir natürlich schon längst den Weltfrieden.
Zurück zum II Golfkrieg. Bush sen. strebte nach dem Krieg eine neue Weltordnung an. Das war im Anbetracht der Tatsache, dass der kalte Krieg zusammenbrach auch nicht falsch. Russland bekam eine Vertretung bei der Nato. Im II Golfkrieg waren ungewohnte Länder, wie Syrien Partner. Das die Welt für eine neue Sicherheit enger zusammenrückt, war ein Hoffnung. Leider hat sie sich nicht bestätigt.

orangsaya antworten
Blackhole
(@blackhole)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 926

Zunächst einmal nochmal die Vorgeschichte:
8 Jahre irak-iranischer Krieg mit massiven Giftgaseinsatz, mit Luftangriffen auf Städte, mit Kindersoldaten, und der Westen hat fleißig Waffen dafür geliefert, alles was Saddam Hussein haben wollte:
Für diejenigen die das durchlitten haben mag es wirklich seltsam angemutet haben, daß der Westen plötzlich so ein Geschiss macht, wegen dem bischen Zoff um ein Ölfeld.
Erst war Saddam der beste Freund des Westens in der Region, plötzlich der Dämon.

Veröffentlicht von: @orangsaya
Veröffentlicht von: @blackhole

Ist es ja auch. Nur hätte das US-Militär den Irak nicht derart unmenschlich in Schutt und Asche bomben dürfen wie es nunmal geschah.

Hätten nicht dürfen? Sie hatten den Auftrag der UN hierfür und waren nicht die Einzigen. Die Amerikaner zahlten in der Befreiungsgemeinschaft nur den höchsten Blutzoll.

Nein, nicht die Amerikaner zahlten den höchsten Blutzoll. Die gesamte Koalition verzeichnete 392 Gefallene und 776 Verwundete.
Die Irakis verzeichneten den höchsten Blutzoll.
Man weiß heute nicht genau, wieviele, aber seriöse Schätzungen sprechen von einigen Tausend zivilen Toten.
Hinzu kommt eine von UNICEF bezifferte erhöhte Sterblichkeit bei Kindern infolge des Embargos.

Es waren ja bei weitem nicht nur Waffenfabriken kaputt.
Es waren auch Kraftwerke, Wasserwerke, Kläranlagen ect. kaputt. Die Leute standen für Lampenöl Schlange.

Hier die Bilder von Gerhard Kromschröder.
https://www.spiegel.de/fotostrecke/kuwait-krieg-1991-gerhard-kromschroeder-im-irakkrieg-fotostrecke-133446.html

Ansonsten bekamen ja nur strengstens gesiebte absolut loyale Journalisten überhaupt irgendeinen Zugang, und den nur zu den offiziellen Briefings des Generalstabs. Das meiste, z.B. über diesen Bunkertreffer, kam erst hinterher raus.
Natürlich hat Militär ein nachvollziehbares Interesse zu verhindern, daß der Feind strategisch nutzbare Informationen bekommt. Details über geplante Militäroperationen dürfen natürlich auf keinen Fall an die Presse gehen.
Aber man sollte immer misstrauisch sein und nachhaken, wenn man heutzutage so wenige Informationen erhält wie es damals geschah, als der Krieg am Laufen war. Wenn nicht verraten wird, was alles zerstört wurde.

Kurz gesagt hat man den Irakis jetzt mehr als genug angetan.
Für westliches strategisches Interesse haben sie jetzt genug geblutet.
Wenn man da jemals wieder eine Operation durchführt, dann nur mit offenen Karten (z.B. nicht mit diesem Schmierentheater das sich 1990 im Weltsicherheitsrat abspielte) und in der ehrlichen Absicht, dem Land zu helfen, also dort mitzuhelfen, tragfähige zivile Strukturen aufzubauen.

Veröffentlicht von: @orangsaya

Bush sen. strebte nach dem Krieg eine neue Weltordnung an.

Keine "neue Weltordnung" sondern das selbe in Grün. Nur halt diesmal mit nur einer Supermacht.

Eine neue Weltordnung wäre ein tatsächlich funktionierender Weltsicherheitsrat, also ohne Vetorecht, eine WTO die die Macht hat, faire Handelsbedingungen durchzusetzen, also solche die auch den Entwicklungsländern nützen, und westliche Regierungen die nicht nur von Demokratie und Menschenrechten reden sondern auch international dazu stehen. Keine Bündnisse mit Diktatoren mehr.

blackhole antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Deine Wünsche nach Gerechtigkeit und einheitlichem Handeln im Kampf gegen Unrecht verstehe ich sehr gut, geht mir auch oft genug so.
Und durch dein Engagement beim THW siehst du natürlich noch ganz anderes, als, vermute ich mal, die meisten hier.
Du bist am „Leid“ deutlich näher dran als ich.

Womit ich aber Probleme habe ist folgendes:

Eine neue Weltordnung wäre ein tatsächlich funktionierender Weltsicherheitsrat, also ohne Vetorecht,

Das macht mir eher Angst.

Voraussetzung wären gemeinsame absolute Vorstellungen von dem was „richtig“ ist.
Ähnliche Moral und Ethik und Toleranz und Akzeptanz.

Und die Akzeptanz in der Welt Bevölkerung.
Was dann die Notwendigkeit eines Weltsicherheitsrates eigentlich wieder in Frage stellen würde.

Gelingt ja noch nicht mal hier im Forum, manchmal noch nicht mal in den Familien.
Die Einigkeit in dem was „richtig“ ist.
Im groben sicherlich, theoretisch...

goldapfel antworten
Blackhole
(@blackhole)
Beigetreten : Vor 17 Jahren

Beiträge : 926

Als Zwischenschritt wäre aber schon viel geholfen, wenn der Weltsicherheitsrat tatsächlich funktionieren würde.
Tut er aber nicht. Und zwar hauptsächlich wegen dem Vetorecht.
Sieht man an Syrien: Von Anfang an haben Moskau und Peking jede Resolution gegen das Assad-Regime blockiert.
Zu der Bilanz kommt auch Carla del Ponte, die 5 Jahre lang versucht hat, Kriegsverbrechen dort anzuklagen.

Gut, auch die Opposition trägt Schuld: Dadurch daß die vielen Oppositionsgruppen alle ihr eigenes Süppchen gekocht haben statt zu kooperieren, haben sie es radikalen Islamisten zu leicht gemacht.

Es gibt eigentlich schon eine Charta der Vereinten Nationen, also eine gemeinsame Wertebasis:
https://unric.org/de/charta/

blackhole antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Es gibt ja auch noch andere Länder außer Syrien.

Ich habe da eher zukünftige mögliche Szenarien vor Auge.

goldapfel antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Ich stimme dir nicht in allen Punkten zu, in diesem

. Ich glaube nicht, dass das Problem ein Bildungsmangel, oder Informationsmangel ist, sondern die Erfahrungen die die Menschen dort gemacht haben.

allerdings schon, obwohl ich die Erfahrungen der DDR Zeit mit einschließe.
Aus Erfahrungen lernt man und sei es ein größeres Misstrauen gegen den Staat. Ich denke, so etwas kann man auch nicht immer einfach so abschütteln. Und Enttäuschung, dass sich so manche Hoffnung nicht erfüllt hat, mag auch dazukommen.

goldapfel antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 944

Ist es denn erstrebenswert, seine Erfahrungen abzuschütteln wenn man in einem neuen System lebt? Kommt es nicht mehr auf die Flexibilität an, sich auf das gerade existierende System einzustellen? Dabei würde dann jeder seine Erfahrungen mit einbeziehen, aber auch das Wissen, dass es eben alte Erfahrungen sind und sich alles permanent ändert. Es gäbe dann nicht die Unterscheidung „draußen aufgewachsen“ vs. „drinnen aufgewachsen“. Sondern alle haben eine Teilerkenntnis, jeder nähert sich von seiner Seite.

Veröffentlicht von: @goldapfel

Und Enttäuschung, dass sich so manche Hoffnung nicht erfüllt hat, mag auch dazukommen.

Das sehe ich auch so. Viele ehemalige DDR-Bürger haben erstmal die hässlichsten Seiten des Westens erlebt. Diese gibt es, nur sind nicht alle gleich betroffen. Wer will von sich behaupten, zu wissen, was die ganze Wahrheit ist und wieviel Vertauen angebracht ist?

tagesschimmer antworten
Goldapfel
(@goldapfel)
Beigetreten : Vor 5 Monaten

Beiträge : 713

Dabei würde dann jeder seine Erfahrungen mit einbeziehen, aber auch das Wissen, dass es eben alte Erfahrungen sind und sich alles permanent ändert.

Diesen Satz kann ich so unterschreiben, wobei ich das Wissen und alte Erfahrungen hervorheben möchte, dass es eben auch ein Bewusstsein für die eigenen negativen Erfahrungen/Verletzungen braucht.

Jemand, der traumatisiert ist, wird in manchen Situationen anders reagieren, als jemand, der diese Erfahrungen nicht gemacht hat.
Dann ist es manchmal ganz hilfreich sich zu fragen, warum frisst mich das dermaßen an? Was triggert mich da?
Wenn jetzt viele Personen mit ähnlichem Trauma zusammen sind, halten die vielleicht ihre nicht eingeordnete Reaktion auf den Trigger für normal und sehen sich im Recht.
Im Recht sind sie einerseits, weil die Erfahrung, der Schmerz angebracht sind. Trotzdem sind die Umstände anders und die Reaktion ist, sachlich gesehen nicht unbedingt angebracht.

goldapfel antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 944
Veröffentlicht von: @goldapfel

Im Recht sind sie einerseits, weil die Erfahrung, der Schmerz angebracht sind. Trotzdem sind die Umstände anders und die Reaktion ist, sachlich gesehen nicht unbedingt angebracht.

Mir ist auch wichtig, dass jeder davon betroffen sein kann. Die Geschichtsschreibung über die DDR hat schon begonnen obwohl eine umfassende Aufarbeitung noch gar nicht möglich war. Das ist normal, aber ist es uns auch bewusst? Ist es die Wahrheit, was hochdotierte Psychologen aus dem Westen, die gewendeten Linken, ehemalige Widerständler oder Lieschen Müller glauben? Wer setzt sich durch? Dabei entstehen Mythen, die „den DDR-Bürgern“ kollektive Traumata zuschreiben. Bei all der Glättung und dem einpassen in vorhandene Überzeugungen, ist es leicht, von sich und den eigenen Traumata wegsehen zu können.

Wer darf beurteilen, wie die Umstände sind, was ist sachlich richtig? Die, die aus dem System stammend, im Mittelstand gelandet sind oder die, die irgendwo am Rand eingefügt worden sind und das System von ganz anderer Seite kennengelernt haben?

tagesschimmer antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15292
Veröffentlicht von: @tagesschimmer

Wer darf beurteilen, wie die Umstände sind, was ist sachlich richtig? Die, die aus dem System stammend, im Mittelstand gelandet sind oder die, die irgendwo am Rand eingefügt worden sind und das System von ganz anderer Seite kennengelernt haben?

Das ist ein Prozess... und innerhalb dieses Prozesses wird man sich immer wieder Einzelaspekten annähern können, aber sicher keiner umfassenden "Wahrheit".

Es ist faszinierend zu schauen, wie die Zeit des Nationalsozialismus nach dem Krieg aufbereitet wurde. Da gibt es mehrere Phasen, von Verdrängung und Leugnung zu ersten, wenigen Prozessen, Untersuchungen von Unabhängigen und Betroffenen gleichermaßen, die beide die Deutungshoheit für sich beanspruchen, bis hin zur Freigabe und Entdeckung von Akten über Jahrzehnte hinweg.

In vieler Hinsicht haben wir jetzt ein deutlich besseres und umfangreicheres Bild über die Nazidiktatur, weil viele Quellen inzwischen bekannt sind und die Betroffenen immer deutlicher hinter einer möglichst neutralen Forschung zurücktreten (Heisst: Die Forschung verfolgt keine eigene politische Agenda und ist ergebnisoffener als zuvor).

Gleichzeitig gehen mit dem steigenden zeitlichen Abstand aber auch die persönlichen Eindrücke verloren, und schriftliche Quellen allein geben halt auch kein umfassendes Bild der "Wahrheit" über die Zeit wieder.

Ich denke, über die Zeit hinweg wird auch die DDR aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden... von "Es war nicht alles schlecht" über den "Unrechtsstaat" bis hin zu "Schauen wir uns mal die positiven und negativen Aspekte an".

lucan-7 antworten
der_alte
Beiträge : 378

»Auch in einer Diktatur lernt man Sachen, die man später gut brauchen kann. Aber man lernt auf keinen Fall das, was man braucht, um in der Demokratie zu leben.«

Fundstelle des Zitats:

https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/liedermacher-deutschland-muss-sich-nicht-angleichen/

der_alte antworten


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