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Die Antihaltung in der politischen Diskussion


Freigeist04
Themenstarter
Beiträge : 64

Ich glaube, dass ein Problem in der derzeitigen politischen Diskussion die Antihaltung ist. Die meisten Fragen sich nicht mehr "was will ich?" Sondern "was will ich nicht?" Sie definieren sich nicht positiv über das, was sie wollen, sondern negativ durch Abgrenzung. Sie sind "Anti-Links", "Anti-Merkel", "Anti-AfD", "Anti-Rechts", "Anti-Dummheit", "Anti-Verschwörungstheorie", "Anti-Trump", "Anti-Krieg", "Anti-Kommunismus", etc.

Ich habe den Eindruck, dass wir damit meistens das Gegenteil von dem erreichen, was wir wollen. Womit wir uns am meisten beschäftigen, das ziehen wir an. Darin sehe ich beispielsweise auch das Problem der AfD. Schon der Name "Alternative" definiert sich über eine Abgrenzung. Damit ist schon vorprogrammiert, dass die AfD sich zu einem Sammelbecken für Unzufriedene entwickeln muss, die keine wirklichen Ideen oder Ziele haben.

Anstatt gegen Moslems oder gegen Juden zu sein, sollten eher rechts denkende Menschen sich lieber damit beschäftigen, wie sie eine deutsche christliche Identitätskultur fördern können. Anstatt Anti-Sozialstast, sollten solche Menschen lieber Pro-Eigenverantwortung sein.

Genauso die eher links denkenden Menschen: Anstatt Anti-Rechts oder Anti-Polizei, sollten diese Menschen eher pro-Freiheit sein. Anstatt "Anti-Krieg eher Pro-Frieden. Anstatt Anti-Reichtum eher Pro-Chancengerechtigkeit.

Genauso die Rationalen: Eher Pro-Beratung als Anti-Dummheit.

Je mehr wir uns damit beschäftigen, was wir nicht wollen, desto mehr ziehen wir das an, was wir nicht wollen. Je mehr wir uns damit beschäftigen, was wir wollen, desto näher kommen wir unseren Zielen.

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29 Antworten
PeterPaletti
Beiträge : 1238

Schließt nicht, das eine das andere mit ein?
Um bei deinem Beispiel zu bleiben: wenn ich als rechts denkender Mensch für eine deutsche christliche Identitätskultur eintrete, dann grenze ich doch zwangsläufig Moslems und Juden aus.
Wenn ich als links-denkender Mensch für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintrete, dann bin ich zwangsläufig gegen jene, die diese überwinden oder beiseitigen wollen.

peterpaletti antworten
7 Antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Das kann man so sehen. Allerdings geht es mir darum, wo der Fokus liegt. Wenn ich meinen Fokus auf die Förderung einer deutschen christlichen Kultur lege, werde ich mich mit Kulturveranstaltungen und dem Eintreten für gewisse Werte beschäftigen. Dann kann ich vielleicht auch dem ein oder anderen Juden oder Moslem den Wert gewisser kultureller Eigenheiten nahebringen, ohne ihn mit seiner Religion auszugrenzen. Wenn ich meinen Fokus jedoch auf das Warnen vor Islam oder Judentum lege, werde ich eine Antihaltung an den Tag legen, die Solidaritätsbekundungen mit Muslimen und Juden auf den Plan ruft und erreiche das Gegenteil.

Genauso auch das Eintreten für die demokratisch-freiheitliche Grundordnung. Wenn ich meinen Fokus darauf lege, die Vorteile und Vorzüge der demokratisch-freiheitlichen Grundorrdnung zu betonen, kann ich damit auch potentielle Verfassungsfeinde für ein Mitarbeiten an dieser Gesellschaft gewinnen. Wenn ich jedoch meinen Fokus auf die Bekämpfung von Verfassungsfeinden lege, gebe ich den Verfassungsfeinden zu viel Aufmerksamkeit und gebe ihnen die Möglichkeit, ihre schädlichen Überzeugungen zu verbreiten.

freigeist04 antworten
PeterPaletti
(@peterpaletti)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 1238

Naja, das kann ich so und so verwenden. Wenn ich unter Kulturveranstaltungen Festivitäten fasse, bei dem der Verzehr von Schweinefleisch typisch ist, könnten Juden und Moslems ein Problem damit haben. Wenn ich andere "unverfängliche" Veranstaltungen nehme, wie - sagen wir mal - den Besuch einer Opernaufführung (in Deutschland werden weltweit die meisten Opern aufgeführt) dann dürfte der Glaube oder die Herkunft der Zuschauer kaum eine Rolle spielen.

Was das Eintreten für die demokratische-freiheitliche Grundordnung angeht, kann man vielleicht Mitläufer wieder gewinnen, Überzeugungstäter wohl eher nicht. Irgendwann bleibt nichts anderes als klare Kante zu zeigen.

peterpaletti antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Danke für deine Antworten.

Ich will ja auch gar nicht behaupten, dass Juden und Muslime bei allem mitmachen müssen, was ich so als Teil meiner christlichen und deutschen Werte zelebriere. Aber solange ich den Fokus darauf lege, dies zu zelebrieren und dazu einzuladen, greife ich niemanden an. Wenn ich den Fokus darauf lege, die anderen als Gefahren zu brandmarken, erzeuge ich Angst und Hass.

Mir sind leider in meinem Leben schon Menschen aus allen drei verfassungsfeindlichen Lagern begegnet. Menschen mit linksextremen Standpunkten, Menschen mit rechtsextremen Standpunkten und Menschen mit islamistischen Standpunkten. Ich habe mich oft darauf konzentriert, diesen Meinungen entgegenzutreten und Kante zu zeigen. Doch ich habe den Eindruck, dass ich mehr damit erreiche, den Fokus auf die Vorzüge unserer deutschen Verfassung zu legen. Wenn mir jemand mit einem verfassungsfeindlichen Standpunkt kommt, will ich ihn weder kritisieren noch zustimmen. Ich wechsle das Thema und singe ein Loblied auf die Verfassung. Sieh doch Mal, wie gut es ist, dass wir Meinungsfreiheit haben, dass selbst du mit deiner Meinung dich demokratisch einbringen kannst. Lass uns doch gemeinsam dafür kämpfen, dass uns diese Freiheit erhalten bleibt. Vielleicht überzeuge ich den Rechten nicht davon, gegen die AfD zu sein. Aber ich kann ihn vielleicht überzeugen, für die Verfassung zu sein. Und damit ist er kein Verfassungsfeind mehr. Vielleicht kann ich den Linken nicht davon überzeugen, gegen die Partei die Linke zu sein. Aber ich kann ihn überzeugen, für die Verfassung zu sein. Und damit ist er kein Verfassungsfeind mehr. Vielleicht kann ich den Islamist nicht davon überzeugen, seinen Traum von der islamischen Weltherrschaft aufzugeben. Aber ich kann ihn vielleicht überzeugen, seine Ziele auf dem Boden der Verfassung zu verfolgen. Und damit ist er kein Verfassungsfeind mehr.

freigeist04 antworten
PeterPaletti
(@peterpaletti)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 1238
Veröffentlicht von: @freigeist04

Ich will ja auch gar nicht behaupten, dass Juden und Muslime bei allem mitmachen müssen, was ich so als Teil meiner christlichen und deutschen Werte zelebriere. Aber solange ich den Fokus darauf lege, dies zu zelebrieren und dazu einzuladen, greife ich niemanden an. Wenn ich den Fokus darauf lege, die anderen als Gefahren zu brandmarken, erzeuge ich Angst und Hass.

Hmm, ich wollte eigentlich sagen, dass es nicht ein striktes Entweder-Oder gibt, sondern ein Einerseits-Andererseits.
Durch kulturelle Traditionen lassen sich andere Menschen ausgrenzen.
Anhänger des Schalke 04 und von Borussia Dortmund eint die gemeinsame Liebe zum Fußball-Sport. Trotzdem würde ich mich in den Vereinsfarben des Schalke 04 nicht unbedingt im Dortmunder Block sehen lassen wollen.
Um ein anderes Beispiel zu bemühen, ich war mal auf einer Betriebsfeier, bei der die Belegschaft von der Geschäftsführung zu einem Theaterstück eingeladen wurde. Da die Geschäftsführung aus dem Rheinland stammte, fand sie es originell, zu einem Theaterstück einzuladen, das im kölschen Dialekt gespielt wurde. Von wegen Lokalkolorit und so. Das Problem war, dass ich als Norddeutscher dem Stück aufgrund des Dialekts nur schwer bis gar nicht folgen konnte. Ich weiß nicht, wie es den bayrischen Kollegen oder denen, die aus Russland stammten, damit ergangen ist.
Obwohl das Kölsche zweifellos zur deutschen Kultur gehört, fühlte ich mich als Nicht-Rheinländer ausgegrenzt. Die Einladung der Geschäftsführung war ja an sich nett gemeint, und fernab davon andere als Gefahren zu brandmarken, aber ein Zusammengehörigkeits-Gefühl kommt auf diese Weise auch nicht gerade zustande.

peterpaletti antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

😊 Als gebührtiger Rheinländer verstehe ich natürlich den kölschen Akzent, auch wenn ich ihn nicht spreche.
Jetzt in Bayern war mir anfänglich vieles fremd. Mittlerweile spreche ich ein paar bayrische Wörter. Wobei bayrisch in Bayern noch wichtiger ist als Kölsch in Köln. Die Bayern sind stolz auf ihre Feste und ihre Volkstümelei. Und erlauben sich schon mal, einen Nichtbayer einen "Saupreiß" zu schimpfen, wenn er sich zu unbayrisch verhält. Alles jedoch mit einem Augenzwinkern. Dafür erklären sie einem gerne, worauf es in Bayern ankommt. Und das wissen dann auch die Muslime und Migranten, ohne sich ausgeschlossen zu fühlen.
Ich finde es ja berechtigt von dir darauf hinzuweisen, dass man manchmal mit seinem Anderssein ein Stück außen vor ist. Und dass auch ein positives Ziel implizit viele entgegengesetzte Ziele ausschließt.
Und doch: Mit positiven Zielen kann ich etwas aufbauen. Mit negativen Zielen erzeuge ich nur Chaos.

freigeist04 antworten
PeterPaletti
(@peterpaletti)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 1238
Veröffentlicht von: @freigeist04

Ich finde es ja berechtigt von dir darauf hinzuweisen, dass man manchmal mit seinem Anderssein ein Stück außen vor ist. Und dass auch ein positives Ziel implizit viele entgegengesetzte Ziele ausschließt.
Und doch: Mit positiven Zielen kann ich etwas aufbauen. Mit negativen Zielen erzeuge ich nur Chaos.

Ich lass das mal so stehen und lese weiter in dem Thread mit.

peterpaletti antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3348
Veröffentlicht von: @peterpaletti

Um bei deinem Beispiel zu bleiben: wenn ich als rechts denkender Mensch für eine deutsche christliche Identitätskultur eintrete, dann grenze ich doch zwangsläufig Moslems und Juden aus.

Nein nicht zwangsläufig, die Kelten Mission in Europa hat gut gezeigt wir man Kultur integrierend eine christliche Identität aufbauen kann. Das Gegenteil dieser Mission wäre dann die von englischen Missionaren gepflegte Tätigkeit im 19 und 20 jhr.

Ausserdem kann man in Opposition zu einer Idee stehen, ohne gleich gegen die Vertreter dieser Idee zu sein. Aber diese Art verunmöglicht es etwas zu polemisieren. Da in diesem Falle kein Täter Opfer Verhältnis mehr besteht.

arcangel antworten


Arcangel
Beiträge : 3348

Da gebe ich dir vollkommen recht, aber es ist halt für den Menschen einfacher die Schuld für die eigene Misere bei anderen zu suchen diese Anzuklagen und mit dem Mopp durch die Strasse zu treiben als sich mal selbst genau im Spiegel anzuschauen, über die eigenen Bücher zu gehen und sein Leben selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen.

Jeder fühlt sich als Opfer, weshalb sich jeder auf die Tätersuche begibt.

Deshalb ist es wichtig, dass nicht nur real begangene Schuld vergeben wird, sondern auch imaginäre Schuld. Nur wer Vergibt kommt aus der Opferrolle raus, und kann sein leben gestalten.

arcangel antworten
13 Antworten
21thdigitalmen
(@21thdigitalmen)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 120

Das lässt sich aus einer privilegierten Situation bequem behaupten, dass auch die Opfer zu vergeben haben.
Das Problem ist allerdings dass Gerechtigkeit erst mit Taten und der Erkenntnis dass dem Opfer Unrecht getan wurde, geschieht.
Sonst kann man auch zu allen Bürgerrechtsbewegungen sagen: Habt euch nicht, zeigt Verantwortung, nehmt euer Leben in die Hand!
Damit bestätigt man allerdings eher die strukturellen Täter, weil dem Opfer die Verantwortung zugeschoben wird.

21thdigitalmen antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Ich bin etwas unglücklich darüber, dass hier in das Thema positiv/negativ das Thema Vergebung reingemengt wird.

Bürgerrechtsbewegungen haben ihre Berechtigung. Ich denke da angesichts der Rassismusdebatte an Martin Luther King. Er hat seine Ziele ganz klar positiv formuliert. In seinem Fokus stand nicht die Abschaffung der sog. Rassentrennung. In seinem Fokus stand "I have a dream".

freigeist04 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3348
Veröffentlicht von: @freigeist04

Ich bin etwas unglücklich darüber, dass hier in das Thema positiv/negativ das Thema Vergebung reingemengt wird.

Wieso genau bist du darüber unglücklich? Die Argumente dahinter würden mich interssieren.

Meine These ist, dass eine Antihaltung aus einer selbst wahrgenommenen Opferrolle resultiert, egal ob Wahrnehmung auch tatsächlich die Realität widerspiegelt oder nur eben nur ein Hirngespinst ist. Mit Schuldzuweisungen und Abwehrreaktionen baut man keine Zukunft, sondern kreiert nur Chaos. Denn selbst wenn man einen Schuldigen finden würde denn man dann auch noch irgendwie zur Rechenschaft ziehen könnte, hat man noch nichts Kreatives geschaffen.

Um vorwärtszukommen, muss man aus der Opferrolle ausbrechen. Und Vergebung ist psychologisch betrachtet der einzige Weg dies zu tun. Das heisst ja gleichzeitig nicht das man nicht den Rechtsstaatlichen Weg geht, um begangenes Unrecht zu bereinigen, wenn es denn ein begangenes Unrecht gibt.

arcangel antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Ich habe nicht grundsätzlich ein Problem damit, über die Bedeutung der Vergebung zu sprechen, wenn es um einen Weg aus der Antihaltung geht. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass es eine Schwerpunktverschiebung ist. Ich meine außerdem, dass es nicht der einzige Weg ist.

Ich stimme dir zu, dass man mit Opferdenken, Abwehrreaktionen und Schuldzuweisungen nichts konstruktives oder kreatives schaffen kann. Das soll keine Ablehnung von Strafverfolgung sein.

Wichtig ist ein Bewusstseinswandel und eine Fokusverschiebung. Nicht "wo will ich weg?" Sondern "wo will ich hin?" Nicht "was geht mir gegen den Strich?" Sondern "was begeistert mich?" Je mehr ich um das kreise, was ich nicht will, desto stärker wird es. Eine selbsterfüllende Prophezeiung.

freigeist04 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3348

Es wirklich herzerwärmend wie du im Detail auf meine Argumente eingehst und darauf verzichtest blind links radikale Polemik herunterzuleiern und dabei einen scharfen Sinn für selbständiges denken an den Tag legst.

So macht diskutieren spass.

Danke

arcangel antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Es freut mich, dass du meinem Diskussionsstil etwas abgewinnen kannst. Mir ist selbständiges Denken und Verzicht auf Polemik tatsächlich sehr wichtig. Ich habe von dir zwar bis jetzt erst zwei Beiträge gelesen. Aber du scheinst mir hier auch konstruktiv zu bleiben, was mich freut.

freigeist04 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3348

😉

Ich hab kein Problem mit dir, du scheinst ja ernsthaft an der Fragestellung interessiert zu sein und argumentativ diskutieren zu wollen.

Ich hab 21 digital... nur so reagiert, weil es eine so vorhersehbare stereotypische Reaktion war. Denn sobald man so ein Thema wie Eigenverantwortung auch nur an tönt, wird gleich die privilegierten Keule ausgepackt, und die Rechtmäßigkeit des eigenen Opferverständisses reklamiert, während auf der Bestrafung der Täter gepocht wird.

Fehlt nur noch das Argument, dass mir aufgrund meines Privilegiertenstatus die Legitimation fehlt überhaupt irgendetwas zu sagen.

arcangel antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Das ist tatsächlich typisch für stereotypes linkes Vorurteils-Denken. Anstelle sich Menschen, die es zu einer privilegierten lebensbejahenden Position geschafft haben, als Mentoren zu nehmen und zu lernen, wie man es selbst auch schaffen kann, werden diese Menschen unter Generalverdacht gestellt und zu Schuldigen der eigenen Misere erklärt. Aber ich lenke den Blick bei Diskussionen mit linken Menschen gerne weniger darauf, ob ihr Feindbild berechtigt oder unberechtigt ist. Ich versuche linke Menschen dazu zu bewegen, einmal zu formulieren, welches positive Ziel sie mit diesem Feindbild verfolgen und wie sie denken, dass dieses Ziel erreichbar sei. Dann ergibt sich manchmal doch noch ein konstruktives Gespräch. 😊

freigeist04 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3348

Schön wenn dir das gelingt.

In meinen Gesprächen lande ich immer wieder an dem Punkt wo das Westliche Patriarchale System zerstört werden muss bevor ein neues Utopia gebaut werden kann.

An diesem Punkt denke ich mir dann immer das die extreme Linke nicht wirklich anders Tickt als extreme Rechte.

arcangel antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Es gibt tatsächlich Gemeinsamkeiten zwischen extrem links und extrem rechts. Der Etatismus und die Selbstdefinition über Feindbilder. Und die fehlende Zuversicht, seine Probleme selbst lösen zu können.

Ich möchte mich aber selbst nicht in der Abgrenzung definieren. Auch nicht gegen rechtsextrem oder linksextrem. Es sind schließlich immer noch Menschen. Ich möchte hier eine Stimme der Zuversicht sein. Einer, der Wege zu guten Zielen aufweist. Denn auch die verwirrtesten Köpfe haben meistens irgendwo positive Ziele.

freigeist04 antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Mit dem Weg aus der Opferrolle stimme ich dir zu. Auch mit der Bequemlichkeit. Vergebung kann ein Weg aus der Opferrolle sein. Und die fehlende Bereitschaft zur Vergebung kann ein Grund für die verbreitete Antihaltung sein.

Corrie ten Boom sagte, dass viele NS-Opfer durch die Bereitschaft zur Vergebung zurück ins Leben fanden.

Jedoch meine ich, dass es hier nicht primär um Vergebung geht. Denn ein Wissen darüber, was ich nicht will, muss nicht unbedingt mit Schuldvorwürfen und Opfermentalität zu tun haben. Es hat eher damit zu tun, dass Ängste größer sind als Hoffnungen. Und das ist destruktiv.

freigeist04 antworten
Arcangel
(@arcangel)
Beigetreten : Vor 21 Jahren

Beiträge : 3348
Veröffentlicht von: @freigeist04

Jedoch meine ich, dass es hier nicht primär um Vergebung geht.

Da stimme ich dir zu, es geht primär darum ein lebensbejahende positive und kreative Sicht auf sich selbst seine Mitmenschen und die Gesellschaft zu entwickeln.

Und dabei steht die Opfermentalität leider verhindernd im Wege und ich behaupte um aus der Opfermentalität herauszukommen gibt es einige Schritte, die man gehen muss, einer davon ist Vergebung und daran, davon bin ich jedenfalls überzeugt, führt kein weg vorbei.

Veröffentlicht von: @freigeist04

Es hat eher damit zu tun, dass Ängste größer sind als Hoffnungen. Und das ist destruktiv.

Genau das meine ich.

arcangel antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Ich denke, es gibt noch einen Schritt vor der Vergebung, um bei Vorhandensein von Opfermentalität zu einer lebensbejahenden Einstellung zu kommen. Denn wer sich selbst als Opfer erfährt, sucht nach einer Bestrafung von Schuldigen (was ja an sich nichts verwerfliches ist, wenn jemand tatsächlich Unrecht erfahren hat). Was jedoch noch schlimmer ist, ist, dass so ein Mensch Vermeidungsverhalten an den Tag legt. Die Devise ist "nie wieder". Doch durch das Kreisen um das, was es zu vermeiden gilt, wird das, was vermieden werden soll, förmlich angezogen. Ein Teufelskreis. Die Lösung ist, ein positives Ziel ins Auge zu fassen, das weit weg von dem ist, was es zu vermeiden gilt. Und dann um das positive Ziel zu kreisen. Erst dann kann ein Mensch erkennen, dass die Wut und der Schmerz ihn immer noch an die Opfererfahrung binden und ihn davon abhalten, den Vermeidungsgedanken loszulassen. Hier kommt dann die Vergebung und Spiel, die die Neufokussierung ermöglicht.

freigeist04 antworten
Lucan-7
Beiträge : 15347

Es ist einfacher...
Wie Arangel schon schrieb, ist es schlicht einfacher, "dagegen" zu sein als sich konkret für eine Sache auszusprechen.

Mir ist das hier im Forum schon mehrfach aufgefallen, wenn ich etwa schrieb: "Die heutige Kirche ist nicht das, was Jesus sich vorgestellt hatte."

Da bekomme ich, obwohl Atheist, jede Menge Zuspruch... vermutlich würden mir nicht nur Gläubige weltweit, sondern auch Historiker zustimmen... sogar Muslime würden dem vermutlich nicht widersprechen. Denn jeder hat halt seine eigene Vorstellung davon, was Jesus wollte.

Sobald aber jemand schreibt: "Jesus hätte ganz konkret dies und das gewollt!" wird es problematisch. Da kommt erst mal jede Menge Widerspruch, denn jeder wünscht sich natürlich etwas anderes...

Die "Antihaltung" wie du es nennst ist also zunächst mal ein attraktives Vehikel, um in kurzer Zeit möglichst viele Anhänger zu gewinnen. Das hat bei der AfD ja auch wunderbar funktioniert.

Aber am Beispiel der AfD sieht man ja auch, was langfristig der Haken bei der Sache ist: Früher oder später muss man sich eben doch damit befassen, was man nun eigentlich will. Und da zeigt sich dann oft, dass die Vorstellungen doch sehr verschieden sind.
Und so verwundert es auch nicht, dass sich die AfD gerade einer Zerreissprobe stellen muss... denn Neonazis, Faschistoide, Verschwörungsanhänger, Rechtskonservative, enttäuschte Bürgerliche und demokratische Konservative werden da niemals eine gemeinsame Linie finden, egal wie sehr sie in ihren Feindbildern auch (scheinbar) vereint sein mögen.

Insofern hoffe ich, dass sich die Problematik früher oder später klären wird... Donald Trump geht es ja momentan ganz ähnlich, der hat auch nur Feindbilder bedient, aber nichts Konkretes zu bieten. Und das macht sich langsam bemerkbar...

lucan-7 antworten
3 Antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Bei den meisten Punkten stimme ich dir zu. Außer bei der Behauptung, dass es einfacher sei, dagegen zu sein. Es ist nicht einfacher. Es ist einfacher, für etwas zu sein. Vielleicht kann man mit Opposition und Abwehrverhalten Zustimmungspunkte sammeln. Aber das Ziel, das wogegen man ist, wirksam zu bekämpfen, erreicht man nicht.

Die AfD hat sich durch Opposition zum sog. Merkelschen Block definiert und vor allem die Grenzöffnung 2015 für sich ausgeschlachtet. Was hat sie erreicht? Der sog. Merkelsche Block oder was die AfD darunter versteht, ist noch stärker geworden. Hat es dazu geführt, dass es in der Bevölkerung zu einer Mehrheit für eine stärkere Reglementierung der Migration gekommen ist? Im Gegenteil. Ja, sie hat viele Stimmen gesammelt und befindet sich im zweistelligen Bereich. Aber ihr Ziel ist weiter weg als je zuvor.

Genauso die Antihaltung gegenüber der AfD. Sie wird bekämpft, man sucht den geistigen Abstand. Und dennoch steigen die Umfragewerte. Paradoxerweise sind es gerade die, die am lautesten dagegen gekämpft haben, die am meisten dazu beitragen haben, dass dieser Erfolg zustande gekommen ist.

Mir fallen nicht viele positive Gegenbeispiele ein. Vielleicht Schröders Hartz4-Reformen. Man mag davon halten, was man will. Aber Schröders Wahlerfolg damals war diesem positiven Ziel zu verdanken. Er ist aufgetreten und hat gesagt: Wir haben ein Konzept, mit dem wir wirksam Arbeitsplätze schaffen können. Und er hat sich dafür stark gemacht, die Reformen durchzusetzen. Und er hat es geschafft. Eine lange Zeit der Rezession konnte durch diese Reformen beendet werden. Es ging wieder aufwärts.

Wenn man wirklich etwas erreichen möchte, muss man positive Ziele haben. Mit Abwehrverhalten erreicht man nichts.

freigeist04 antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15347
Veröffentlicht von: @freigeist04

Bei den meisten Punkten stimme ich dir zu. Außer bei der Behauptung, dass es einfacher sei, dagegen zu sein. Es ist nicht einfacher. Es ist einfacher, für etwas zu sein. Vielleicht kann man mit Opposition und Abwehrverhalten Zustimmungspunkte sammeln. Aber das Ziel, das wogegen man ist, wirksam zu bekämpfen, erreicht man nicht.

Beides arbeitete ja Hand in Hand.

Wenn ich sage: "Jesus hat diese Kirche nicht gewollt!" und dafür Zustimmung bekomme, dann deshalb, weil jeder seine ganz persönliche Vorstellung hat... also FÜR etwas ganz Bestimmtes ist.

Indem ich das selber aber unkonkret lasse, indem ich einfach sagen: "Wir wollen die wahre Kirche, die Jesus tatsächlich wollte!" spreche ich mich scheinbar für etwas aus, und jeder fühlt sich angesprochen... obwohl jeder darunter etwas völlig Anderes versteht.

Veröffentlicht von: @freigeist04

Mir fallen nicht viele positive Gegenbeispiele ein. Vielleicht Schröders Hartz4-Reformen. Man mag davon halten, was man will. Aber Schröders Wahlerfolg damals war diesem positiven Ziel zu verdanken.

Es gibt tatsächlich nicht viele solcher Beispiele... und ob die Reformen damals wirklich so gut waren, darüber kann man streiten, aber das ist wieder ein anderes Thema...

lucan-7 antworten
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Ja, der Schlachtruf, die wahre Kirche aufzubauen, hat ja damals die Reformation ausgelöst. Und gleichzeitig hat er auch die Problematik sichtbar gemacht, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Ich bin gerne protestantischer Christ. Die Bibel lässt aber gewisse Interpretationsspielräume. Betrachtet man zusätzlich die Geschichte der Kirche und die historisch-kritische Bibelexegese, wird es noch einmal komplizierter. Ich würde mich heute hüten, mit so einem Schlachtruf Werbung für den Glauben zu machen.

Du hast natürlich Recht, dass das Thema in der Realität komplizierter ist als formuliert. Ich kann positive Ziele so formulieren, dass sie missverständlich sind und trotz positiver Formulierung etwas negatives anstreben. Oder bei negativer Formulierung etwas positives anstreben.

Doch wenn wir solche Problemfelder ausblenden und davon ausgehen, dass ein Ziel eindeutig definiert werden kann, so bleibt meine Aussage, dass es die positiven Ziele sind, die zum Erfolg führen. Es geht mir dabei durchaus nicht nur darum, in der Diskussion positive Ziele zu formulieren. Sondern auch um den Umgang mit mir selbst. Denke ich viel darüber nach, was alles schief gehen kann? Oder konzentriere ich mich darauf, welche Möglichkeiten erfolgversprechend sind?

freigeist04 antworten


Orangsaya
Beiträge : 2877
Veröffentlicht von: @freigeist04

Ich glaube, dass ein Problem in der derzeitigen politischen Diskussion die Antihaltung ist. Die meisten Fragen sich nicht mehr "was will ich?" Sondern "was will ich nicht?" Sie definieren sich nicht positiv über das, was sie wollen, sondern negativ durch Abgrenzung. Sie sind "Anti-Links", "Anti-Merkel", "Anti-AfD", "Anti-Rechts", "Anti-Dummheit", "Anti-Verschwörungstheorie", "Anti-Trump", "Anti-Krieg", "Anti-Kommunismus", etc.

Ich denke, daran ist was, allerdings hat eine Antihaltung auch immer gegensätzliches Gegenüber. Wer antikapitalistisch ist, wird auch eine entsprechende Partei wählen, die in seinem Sinne positiv ist.
Wer einen Anti-Kommunismus pflegt, wird eine Partei wählen, die dem Kapitalismus nahe steht. Ich wüsste keine Partei, die in der BRD jemals, keine Antihaltung vertreten hat. Weder die SPD, noch die CDU. Die Grünen und die Linken, wie bei der AfD, um mal die polarisierenden Parteien zu nennen, schon gar nicht. So schafft man sich Stammwähler. Das ist zu einem gewissen Maß auch Futter für die Demokratie. Die rot/grüne Regierung und daraufhin die schwarz/rote Regierung, daraufhin eine schwarz/gelbe Regierung, lässt einen erscheinen, als ginge es nicht um eine Partei, sondern um ein Management was wir brauchen. Jetzt zeichnet sich, wenn sich nichts ändert eher eine künftige schwarz/grüne Regierung an. Es egalisiert sich, wer uns regiert.

Veröffentlicht von: @freigeist04

Ich habe den Eindruck, dass wir damit meistens das Gegenteil von dem erreichen, was wir wollen.

Wer ist wir. Ich weiß nicht, ob ich richtig verstehe, was du damit meinst, aber denke mal nach. Liegt in diesem Satz nicht auch einen mittelbare Anti-Haltung?

Veröffentlicht von: @freigeist04

Womit wir uns am meisten beschäftigen, das ziehen wir an. Darin sehe ich beispielsweise auch das Problem der AfD. Schon der Name "Alternative" definiert sich über eine Abgrenzung. Damit ist schon vorprogrammiert, dass die AfD sich zu einem Sammelbecken für Unzufriedene entwickeln muss, die keine wirklichen Ideen oder Ziele haben.

Veröffentlicht von: @freigeist04

s

In den ersten Jahren, war für die Grünen "Alternative" ebenfalls ein wichtiges Schlagwort. In Berlin waren die Grünen, die "Alternative Liste" und in Hamburg waren die Grünen, die "Grün Alternative Liste. Die sind im Zuge der Wiedervereinigung in Bündnis 90/Die Grünen aufgegangen. Ich finde es auch nicht schlimm. Es ist ein Schlagwort, mit der man versucht Menschen anzusprechen. Unabhängig davon, was mit Alternative für die einzelne Partei bedeutet. Ich finde es nicht schlimm.

Veröffentlicht von: @freigeist04

dass die AfD sich zu einem Sammelbecken für Unzufriedene entwickeln muss, die keine wirklichen Ideen oder Ziele haben.

Ich nehme mal den Anfang der AfD, die ja nicht die AfD von heute ist. Die AfD war bei der Gründung schwerpunktmäßig gegen den Euro, als "Anti". Das war nicht dumm. Ob es richtig ist, ist eine andere Frage, aber da haben sie eine Gruppe von Bürgern, die von Anfang an kritisch dem Euro standen, angesprochen. Einige Zeit nach der Bankenkrise und die Schuldenproblematik einiger EU Länder, löste den Ruf, nach der gefühlt sicheren DM aus. Das hat die AfD für sich verwendet. Die Unzufriedenen waren, vor der Einführung des Euro mit ihrer DM zufrieden. Eine radikale Änderung in unserem Land hat sie zur AfD geführt. Ich bin im Übrigen ein Befürworter des Euro.
Der nächste große Fang, waren auch radikale Änderungen in unserem Land. Das ist die Asyl-und Einbürgerungspolitik. Dem sind viele nicht gefolgt. Dabei wären sie wohl auf die Asylpolitik stolz, wenn die vorherige Praxis beibehalten worden wäre. Die beinhaltete auch, dass Deutschland mehr Menschen Asyl gewährte, als sie eigentlich müsste. Auch beinhaltete sie, dass Deutschland in einem großen Umfang humanitäre Hilfe leistete. Das war vielen auch Recht. Man kann auch heute noch stolz auf die Hilfen, die die jetzige Regierung macht, stolz sein. Nur die Praxis im Jahr 2015 war zu viel. Die CDU hat bis zur Coronakrise konsequent Stimmen verloren. Bis dahin haben sie kräftig Stimmen verloren. Heute ständen sie vermutlich so da, das die CDU eine Mehrheit erreicht, die keinen Koalitionspartner bedarf. Das hat sich die CDU versaut. Die AfD hingegen hat nicht im gleichen Maße gewonnen.
Einbürgerung ja, aber nicht so großzügig, wie im Moment, mit Doppelstaatlichkeit. Ein bisschen Bindung an den Staat wäre nicht schlecht.

Veröffentlicht von: @freigeist04

Genauso die eher links denkenden Menschen: Anstatt Anti-Rechts oder Anti-Polizei, sollten diese Menschen eher pro-Freiheit sein. Anstatt "Anti-Krieg eher Pro-Frieden. Anstatt Anti-Reichtum eher Pro-Chancengerechtigkeit.

Dann hast du von der AfD nicht das Grundsatzprogramm gelesen, den da findest du das, was aus deren Sicht Pro wäre. Den Begriff Wutbürger kenne ich im Übrigen von Mutlangen her, aber vermutlich ist das noch älter.

orangsaya antworten
1 Antwort
Freigeist04
(@freigeist04)
Beigetreten : Vor 3 Jahren

Beiträge : 64

Hallo Orangsaya, danke für deinen ausführlichen Beitrag.

Du beschreibst sehr ausführlich verschiedene Entwicklungen im Parteiengeschehen. Und wo du Recht hast, ist, dass die Entwicklungen nicht immer linear ablaufen. Manchmal läuft der Prozess über positive Ziele, manchmal über Abgrenzungen von anderen Zielen. Beides kann Menschen ansprechen.

Deine Kritik am Wort "wir" ist okay. Ich versuche diesen Begriff zu vermeiden. Ich will damit niemanden vereinnahmen, sondern auf ein allgemeines gesellschaftliches Prinzip hinweisen.

Meine sehr vereinfachte Formel, dass ich immer das anziehe, worauf ich die meiste Aufmerksamkeit richte, ist natürlich in der Komplexität des Geschehens nicht immer sichtbar. Dennoch meine ich, dass dieses Prinzip im Großen und Ganzen immer gilt. Ich will Menschen auch nicht grundsätzlich verbieten, sich von Positionen abzugrenzen. Jedoch meine ich, dass ich, wenn ich meine ganze Aufmerksamkeit auf ein "das will ich nicht" richte, genau das fördere, was ich nicht will.

Es gab sicher keine Zeit, in der die politische Debatte keine Abgrenzung gekannt hat. Dennoch meine ich, dass wir in einer Zeit leben, in der Abgrenzung wichtiger geworden ist als Konstruktivität. Das ist ein Kennzeichen für die Zeiten, wo die Hemmschwelle, seine Ziele gewaltsam zu verfolgen, abnimmt.

Ein wenig mehr Konstruktives würde allen in der politischen Diskussion sehr gut anstehen.

Grüße

freigeist04 antworten
myhopeinHim
Beiträge : 80

Ich stimme dir da voll zu. Schon lange verfolge ich die Nachrichten, Talkshows, Dokus und andere Berichte über die deutsche Politik und mir fällt auf, dass es zwar viel Kritik gibt und vieles zu bemängeln, aber wenig Ideen und Programme was man und wie man es ändern möchte. Dieses Video von Rezo war so ein Punkt, an dem so deutlich wurde wie sprachlos die CDU und die anderen Parteien sind.
Christliche Werte in der Politik, davon hat man gar nichts mehr gehört. Positive Ideen, um die soziale Ungerechtigkeit zu lindern, hört man keine. Jede Gruppe prangert nur an.
Deine Beispiele waren echt gut. Seit Jahren warte ich auf Ideen zur Eigenverantwortung von der FDP. Man hört gar nichts, dabei hätte die Corona Krise doch eine Super Gelegenheit geboten mit alternativen Ideen aufzuwarten. Dass Lindner sich jetzt meldet zum Diskutieren nach vier Monaten, finde ich traurig. Hubertus Heil hat doch nur so einen Erfolg mit seinem mangelhaften Plan der Grundrente, weil von den anderen keine bessere Idee kam. Dabei stimmen alle überein, dass man was gegen Altersarmut machen muss, die in Zukunft noch schlimmer wird. In der Zeit von Corona hätte ich mehr innovative Ideen erwartet, um praktisch etwas zu tun gegen all die wachsenden Probleme. Ein Lichtblick: es gibt immer wieder hoffnungstragende Initiativen von Gruppen und Privatunternehmern. Leider werden diese viel zu wenig promoviert und aufgegriffen und auf breiter Ebene diskutiert. Ein Problem sehe ich auch in den negativ Schlagzeilen orientierten Medien in Deutschland. Mir fehlt eine Partei zum wählen, die ein gutes Programm hat, das Dinge verändern kann und nicht meint das Wichtigste ist es sich von den anderen abzugrenzen.

myhopeinhim antworten


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