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Hat die derzeitige SPD-Krise auch mit der Lage an den Hochschulen zu tun?


Tertullian
Themenstarter
Beiträge : 413

Interessanter Artikel:

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/soziale-herkunft-als-die-vergessene-seite-des-diversitaetsdiskurses-15977472-p2.html

Auch wenn es in diesem Artikel eigentlich um Hochschulpolitik geht - ich denke, hier erfährt man einiges darüber, warum die SPD in Umfragen derzeit so schlecht dasteht und warum sie ihre Kernklientel verloren hat. Hochschulen gelten ja im Prinzip schon recht lange als politisch linke Hochburgen. Gleichzeit scheint aber die Kernklientel linker Parteien dort nicht wirklich Fuß zu fassen, nämlich der Nachwuchs aus dem Arbeitermilieu. Diese gesellschaftliche Gruppe scheint der SPD abhanden gekommen zu sein. Zunächst fischte die Linkspartei in diesem Milieu, inzwischen auch die AfD. Das ist keine besonders neue Feststellung.

Der derzeitige Höhenflug der Grünen steht sicher nicht im Widerspruch zu dieser These. Die Grünen waren bekanntlich schon immer eher kultur- und gesellschaftspolitisch links, wirtschaftspolitisch hatten sie hingegen schon immer wenig mit dem unteren Schichten am Hut, da im intellektuellen Milieu beheimatet. Im Bereich Genderdiversität waren sie ohnehin Vorreiter, da sind SPD und Linkspartei (und inzwischen auch Teile der CDU) eher hinterhergehechelt. Diejenigen, denen diese Anliegen am Herzen liegen, wählen dann wohl eher das Original als die Kopie.

Ich denke, dass die Hochschulpolitik da ein Spiegelbild der allgemeinen Politik darstellt. Wer von Hartz IV lebt und, um das Existenzminimum kämpft und bei sich selbst wenig rosige Zukunftschancen sieht, hat vermutlich keine große Motivation, sich stärker mit Genderfragen auseinanderzusetzen. Andere Gleichstellungsanliegen sind da wichtiger. Beim akademischen Nachwuchs sieht es sicher anders aus. Aber in dieser Gruppe wählen ohnehin nicht so viele die SPD.

Antwort
3 Antworten
RalfsImbissbude
Beiträge : 732

der richtige Link
Der richtige Link zum Anfang (deiner geht direkt auf Seite 2 des Textes):

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/soziale-herkunft-als-die-vergessene-seite-des-diversitaetsdiskurses-15977472.html

Interessantes Thema das du da anschneidest, kann aber heute abend leider nicht mehr antworten oder den Artikel durchlesen.

ralfsimbissbude antworten


Tagesschimmer
Beiträge : 1057

Über den Stand der SPD wundere ich mich eigentlich nicht, aber der Artikel ist wirklich interessant. Ich freue mich darüber, dass es auch immer wieder Journalisten gibt, die die tatsächlichen Schieflagen aufgreifen, viel Beifall wird es dafür nicht geben:

Die besten Chancen, Zugang zu einer Universität zu erhalten, haben Personen aus einem akademischen Elternhaus, die weiblich und zugleich bi-/homosexuell sind. Und die geringsten Chancen haben heterosexuelle Männer mit Migrationshintergrund, die aus einem nichtakademischen Elternhaus kommen.

tagesschimmer antworten
Orangsaya
Beiträge : 2931

Ich denke, das Hochschulen und Diversitäten bezűglich des Geschlechts die wenigsten Wähler derart interessiert und für die Wahlentscheidung kaum einen Einfluss auf hat.

Es gibt zwei Ebenen bei denen die Sozialdemokraten nicht hoch im Kurs stehen.
1. Die europäische Ebene.
In fast allen Ländern sind die Sozialdemokraten schwach. Bis auf Spanien und Griechenland. Sonst ist die Zustimmung, teilweise unter 10 Prozent, gesunken.
2. Die nationale Ebene.
Bei den letzten Bundestagswahlen hat die SPD das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der BRD erlangt. Die Gründe sind verschieden. Wenn es dabei um die Hochschule geht, dann denke ich, dass die SPD die Themen, die die Bürger bewegen nicht erkennt.
Die Grünen scheinen die Gunst der Stunde erkannt zu haben. Sie präsentieren sich bürgerlich und die Fundis wurden ausgebremst. Es ist das erste Mal, dass die Grünen ihre alte Regel brechen und die Doppelspitze nicht aus einem Fundi und einem Realo besteht. Es sind zwei Realos.
Ich vermute, dass die SPD in diesem Wahljahr abschmieren wird. Bei den Eurpawahlen ist die Wahlbeteiligung schlecht. Das wirkt sich meist negativ auf die herkömmlichen Parteien aus.
Die Menschen in den neuen Ländern denken offensicht nicht so starr, wie die im Westen. Ja und falls für die SPD Bremen fällt, ist es ein kleiner Quantensprung in die Bedeutungslosigkeit. Die Hochschulpolitik wird wohl weniger der Grund sein.

orangsaya antworten


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