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Ist Ostdeutschland demokratieunfähig?

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Orangsaya
Themenstarter
Beiträge : 2875

Der Ostbeauftragte Marco Wanderwitz hat so etwas in der Richtung in einem Podcast gesagt.
Hintergrund sind die Wahlen am kommenden Sonntag. Die AfD wird voraussichtlich die zweit stärkste Partei in Sachsen-Anhalt werden. Die Hoffnung, dass sie den großen Zuspruch bei den letzten Wahlen verliert hat sich nicht bestätigt. Im Gegenteil, mit ganz viel Glück und einem kleinen Wunder könnte sie die größte Partei werden.
Die CDU ist von 39 % (1990) auf 29,8 (2016) gefallen. Die Umfragen zeigen dieser erdrutschartige Verlust, war keine Eintagsfliege. Gehen Wanderwitz die Nerven durch. Ist der Mann aus Chemnitz ein Besserwessi geworden, oder hat er Recht?

Ich selbst betrachte die Absage einer Demokratiekompetenz für eine Schmähung, die seiner Partei im Wahlkampf eher schadet, als nützt. Ist es nicht eine urdemokratische Eigenschaft, wenn einem die Politik einer Partei nicht zusagt, dass man dann eine andere wählt? Eines haben die Ostdeutschen auf jeden Fall bewiesen. Sie haben einen Drang in keiner Diktatur zu leben. Deshalb war ja vor 30 Jahren eine friedliche Revolution möglich. Diesen Mut zur Freiheit, musst keiner aus der Zeit der Bonner Republik aufbringen.

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63 Antworten
tristesse
Beiträge : 16837

Ich versteh nicht, wieso man 30 Jahre nach der Wende immer noch über ein zweigeteiltes Land spricht. Wir sind ein Land und das schon seit über einer Generation.

Und zweitens halte ich nichts davon, jetzt schon über Ergebnisse zu spekulieren.

Ich warte erst mal die Wahl ab

tristesse antworten
10 Antworten
B'Elanna
(@belanna)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 1597
Veröffentlicht von: @tristesse

Ich versteh nicht, wieso man 30 Jahre nach der Wende immer noch über ein zweigeteiltes Land spricht.

Nein?
Deutschland IST zweigeteilt.
Und es wird noch ganz lange dauern, die Gräben, die in den 40 Jahren Teilung geschaffen wurden, wieder zuzuschütten.
Schau Dich doch mal um - fast egal, um welches Thema es sich handelt, die bunt eingefärbten Karten Deutschlands zeigen tendenziell immer eine Ost-West-Teilung. Vielleicht nicht immer entlang der alten innerdeutschen Grenze, aber auf jeden Fall grob.
Und in der Politik fällt das tatsächlich besonders auf.
Das kann man auch nicht wegcorrectnessen.

Nachtrag vom 01.06.2021 1309
Okay, ich gebe zu, die Coronakarte zeigt gerade tendenziell eine Nord-Süd-Teilung...... 😉

belanna antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837

Deutschland wird nie eine Einheit werden, solange man diese wie selbstverständlich verneint.

tristesse antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 944
Veröffentlicht von: @belanna

Deutschland IST zweigeteilt.

So gesehen ist Deutschland mehr als zweigeteilt. Es gibt eine Menge Gruppen, die sich diskriminiert fühlen oder andere Gruppen mit einer Art Verachtung anschauen, sie als Bedrohung sehen.

tagesschimmer antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @belanna

Deutschland IST zweigeteilt.

In welcher Hinsicht meinst du das denn?
Wirtschaftlich haben die neuen Bundesländer doch inzwischen aufgeholt.
Strukturschwache Regionen gibt es sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern - ebenso wie Regionen, die wirtschaftlich sehr gut dastehen.

Veröffentlicht von: @belanna

Und in der Politik fällt das tatsächlich besonders auf.
Das kann man auch nicht wegcorrectnessen.

Ja, die AfD ist in den neuen Bundesländern tatsächlich sehr viel stärker als in den alten....aber rechte Hochburgen gibt es nun mal leider auch hier.
Leider muss man aber auch sagen: der Erfolg der AfD ist zumindest teilweise durch die verfehlte Corona-Politik der Bundesregierung mitbedingt.....das fängt beim verpatzten, verpennten und verpeilten Impfstart an, geht über den dadurch verursachten monatelangen Lockdown und hört beim Skandal um zu Unrecht abgerechnete Bürgertests noch lange nicht auf.
Das ist einfach nur traurig. Nach der ersten Welle, die ja sehr erfolgreich abgewehrt wurde, war die AfD fast in der Bedeutungslosigkeit versunken....so hätte es gerne bleiben können.
Den Frust und die Wut der Wähler, die sich nur noch von dieser Partei vertreten fühlen, kann ich absolut nachvollziehen....auch bei meiner Wahlentscheidung wird es eine wichtige Rolle spielen, wem ich am ehesten zutraue, uns vor einem weiteren Lockdown (den wir uns nicht mehr werden leisten können) zu bewahren.
Aber das muss und wird in meinem Fall ganz sicher nicht die AfD sein - das ist nicht nötig.

suzanne62 antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

der Erfolg der AfD ist zumindest teilweise durch die verfehlte Corona-Politik der Bundesregierung mitbedingt...

Die waren schon vor Corona im Osten erfolgreich. Eine Ursache sehe ich in der De-Industrialisierung in den Neunziger Jahren unter Federführung der Treuhand.
Und noch etwas: der antifaschistische Staat bekam in den Achtziger Jahren ein massives Nazi-Problem. Während die Stasi die Opposition weitgehend im Griff hatte, hat sie vor den Nazis kapituliert, bzw. nahm sie billigend in Kauf, daß Nazi-Schläger friedliche Oppositionsgruppen mal so eben überfiel - vielleicht sogar unter Anstiftung der Stasi. Die faktische Anarchie des Jahres 1990 in Ostdeutschland machten sich die Nazis zunutze, um ihre Strukturen aufzubauen. Die 16- bis 26jährigen von damals sind heute Familienväter und erzogen ihre Kinder in diesem Geiste. In der MDR-Mediathek gibt es viele gute Dokus zu diesem Themenkreis. Wenn du die gesehen hast, dann wundert dich gar nichts mehr.

ungehorsam antworten
Suzanne62
(@suzanne62)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 7535
Veröffentlicht von: @ungehorsam

Die waren schon vor Corona im Osten erfolgreich.

Weiß ich doch. Aber es gab halt dieses kurze Zeitfenster - letztes Jahr, nach dem 1. Lockdown, als die 1. Corona-Welle sehr erfolgreich abgewehrt worden war, da sah es so aus, als wäre es das jetzt gewesen für die AfD. Die brauchte plötzlich keiner mehr.....aber dann ist so unendlich viel total bedrisst gelaufen - das hat sie wieder gestärkt.
Dass in den neuen Bundesländern die Faktoren, die du genannt hast, noch mal eine besondere Rolle spielen und dazu beitragen, dass die AfD dort so stark ist, das sehe ich auch so.
Aber Menschen, die sich abgehängt fühlen und es de facto auch sind und die sich von den "Altparteien" nichts mehr erhoffen, die gibt es auch hier in den alten Bundesländern. Leider.

suzanne62 antworten
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Aber Menschen, die sich abgehängt fühlen und es de facto auch sind und die sich von den "Altparteien" nichts mehr erhoffen, die gibt es auch hier in den alten Bundesländern. Leider.

Natürlich. Letztendlich wird auch eine AfD diese Menschen enttäuschen.

ungehorsam antworten
Tinkerbell
(@tinkerbell)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 1477

Richtig. Aber die AfD geht halt ins thüringische Kaff und kann vermitteln, dass sie die Probleme, die Wut versteht - während die regierenden Parteien an vielen Stellen nicht mal das Problem wirklich sehen, geschweige denn irgendwas verbessert haben.

tinkerbell antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15312
Veröffentlicht von: @tristesse

Ich versteh nicht, wieso man 30 Jahre nach der Wende immer noch über ein zweigeteiltes Land spricht. Wir sind ein Land und das schon seit über einer Generation.

Ja und nein... ich stimme dir zu, dass man diese Tatsache der Einheit immer wieder betonen sollte. Aber gewisse Unterschiede bleiben halt auch bis heute bestehen. Nicht alles lässt sich innerhalb einer Generation lösen.

In den Ländern des ehemaligen Jugoslaviens gehen die Konflikte bis ins Mittelalter zurück... und die Nahostkonflikte werden sich auch nicht innerhalb einer Generation lösen lassen.

Die Unterschiede zwischen BRD und DDR waren gottseidank um einiges geringer... aber ganz verschwinden tun sie halt auch nicht so schnell.

lucan-7 antworten
for.given
(@for-given)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 4

Wenn man vom Westen in den Osten zieht, bekommt man die Unterschiede klar mit.

Ist nunmal so.
Der Background ist nunmal ein ganz anderer.

for-given antworten


Herbstrose
Beiträge : 14193

Demokratieunfähigkeit würde ich den Sachsen-Anhaltinern nicht vorwerfen. Allenfalls Politikverdrossenheit. Seit über 30 Jahren wartet man auf die versprochenen "blühenden Landschaften". Und das nicht nur landschaftlich, sondern vor allem wirtschaftlich. Dass die Leute dort anders abstimmen als anderswo in der Republik, ist nachvollziehbar.

herbstrose antworten
1 Antwort
Ungehorsam
(@ungehorsam)
Beigetreten : Vor 4 Jahren

Beiträge : 3336

Das Wahlverhalten in der Bonner Republik war auch ganz anders. Die meisten haben ihr Leben lang eine Partei gewählt, manchmal aus taktischen Gründen auch mal die FDP.
1990 hat man sich im Osten ganz klar für die CDU entschieden, weil die ganz klar die Einheit wollten. Seitdem wird nicht traditionell wie im Westen gewählt, sondern wenn die eine Regierung es nicht bringt, wird eben beim nächsten Mal eine andere Partei gewählt. Der Osten hat andere Wahlkampfthemen als der Westen.

ungehorsam antworten
staffan
Beiträge : 348

Der Berliner Prokurator und seine Provinz
Wenn dieser Herr Wanderwitz vielen Ostdeutschen die Demokratiefähigkeit abspricht, dann redet er wie früher ein Gouverneur über seine Kolonie, wenn dieser etwa feststellte, dass die "Eingeborenen" dort halt noch nicht die hohen zivilisatorischen Fähigkeiten des Mutterlandes erreicht hätten.

Klar ist damit: Dieser "Ostbeauftragte" vertritt nicht die Interessen der Ostdeutschen gegenüber der Regierung sondern die Interessen der Regierung gegenüber den Ostdeutschen.

Klar ist auch: Ein Gouverneur diskutiert nicht. Und wenn viele Ostdeutsche für ihre Städte keine Ghettobildungen über Zuwanderug wie im Westen wollen und mit der Energiewende keinen zweiten industriellen Kahlschlag wie in den Neunzigern und dann entsprechend wählen, dann diskutiert der "Ostbeauftragte" nicht darüber, sondern wischt diese völlig legitimen Wünsche vom Tisch, indem er sie pauschal als Ausdruck fehlender Demokratiefähigkeit deligitimiert.

Immerhin dürfen die Ostdeutschen schon wählen. Und daher sollten sie vielleicht doch bei nächster Gelegenheit sich erkenntlich und den Parteien des Berliner Prokurators Wanderwitz die rote Karte zeigen. 😌

staffan antworten
1 Antwort
Orangsaya
(@orangsaya)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 2875
Veröffentlicht von: @staffan

Wenn dieser Herr Wanderwitz vielen Ostdeutschen die Demokratiefähigkeit abspricht, dann redet er wie früher ein Gouverneur über seine Kolonie, wenn dieser etwa feststellte, dass die "Eingeborenen" dort halt noch nicht die hohen zivilisatorischen Fähigkeiten des Mutterlandes erreicht hätten.

Das sind aber sehr drakonische Worte. Vielleicht trifft es zu einem großen Teil das Lebensgefühl, dass sich in den letzten 30 Jahren in Ostdeutschland aufgebaut hat. Vielleicht gibt es ja die latente Arroganz, dass der Westen meint, nur unter Führung des Westens, kann der Osten eine zivilisierte Gesellschaft sein.

Veröffentlicht von: @staffan

Klar ist damit: Dieser "Ostbeauftragte" vertritt nicht die Interessen der Ostdeutschen gegenüber der Regierung sondern die Interessen der Regierung gegenüber den Ostdeutschen.

Meine Meinung ist, dass wir nach all den Jahrzehnten eigentlich keine Ostbeauftragten mehr brauchen. Die Länder hätten längst in unser föderales System drinnen sein können. Dann wären sie gleiche unter gleichen.

Veröffentlicht von: @staffan

Klar ist auch: Ein Gouverneur diskutiert nicht.

Er ist nicht Gouverneur, sondern Ostbeauftragter. Aber ich stelle mir schon die Frage, warum der Ostbeauftragte vom Innenministerium abgekoppelt wurde und dem Wirtschaftsministerium angehängt.

Veröffentlicht von: @staffan

Und wenn viele Ostdeutsche für ihre Städte keine Ghettobildungen über Zuwanderug wie im Westen wollen und mit der Energiewende keinen zweiten industriellen Kahlschlag wie in den Neunzigern und dann entsprechend wählen, dann diskutiert der "Ostbeauftragte" nicht darüber, sondern wischt diese völlig legitimen Wünsche vom Tisch, indem er sie pauschal als Ausdruck fehlender Demokratiefähigkeit deligitimiert.

Zuwanderung und Umweltschutz, sind ja zwei verschiedene Themen.
Ja, 2015 war schon eine Zäsur, dass über den Königsberger-Schlüssel Menschen einfach in das Land gesetzt wurden, ohne die Menschen, die dort ihre Heimat haben, zu fragen. Dieses übergehen der Menschen, war eine Sternstunde für die nationalen Bewegungen. Das hat sie bis heute gestärkt. Ich finde, die Entwicklung hat eine Logik, aber sie ist nicht gut.
Aber 2015 ist vorbei. Die anderen EU-Länder, haben Deutschland dazu gezwungen, die Grenzen wieder dicht zu machen. nicht beherrschen kann. Dabei geht es nicht um die Frage, der Menschlichkeit. Es gibt verschiedene Wege Menschen in Not zu helfen.
Beim Umweltschutz ist es ähnlich. Ich war 1990 ein paar Tage in Leipzig. Danach musste ich meinen Wagen mehrfach durch die Waschstraße geben und zuletzt liefen immer noch schwarze Nasen aus den Fugen des Wagens. Heute ist die Luft sauber und ich denke, dass die meisten Menschen die bessere Umwelt schätzen. Doch die Abwanderung in den Westen fanden sie wohl weniger gut. Es waren nicht nur Zahlen, sondern junge Menschen, die in den Westen ging. Im Ostern findet so eine künstlich geschaffene Überalterung statt. Die Schließungen in der Oberlausitz ist für die Menschen ein Déjà-vu aus den Neunzigern. Aus anderen Gründen, wurde die Existenzgrundlage den Menschen entzogen. Es gibt mit Geld in der Hand leichtfüßige versprechen. Doch was nützt es die Menschen, wenn eine weitere Welle junge Menschen das Land verlassen? Am Ruhrgebiet kann man erkennen, dass der Strukturwandel die Probleme nicht heilen konnte. Damals, als der Kohlebergbau zusammengebrochen wurde, sagten die Menschen im Ruhrgebiet, "Wir sind keine Arbeitsnormaden." Damals wanderten für die Arbeit in den Süden Deutschlands ab. Ja und der Strukturwandel hatte auch einen Nachteil. Aus einen Bergmann, oder Stahlarbeiter, kann man keine Arbeitskräfte, die einen gewissen Intellekt voraussetzt, schaffen. Das Hoeschgelände in Hörde wurde abgerissen. Die Mitternachtssonne wurde durch den Phönixsee ersetzt. Angesiedelt wurden Menschen, die in der Nanotechnik und ähnliches bewandt waren. Die Menschen, die in dieser Gegend lebten, mussten gehen. Sie konnten die Mieten nicht mehr bezahlen. Finden tust du die Menschen heute in Gebieten, wie Herne, Marxloh und Wanne. Dort sind die Lebenshaltungskosten noch bezahlbar. Dort bilden sich immer schärfer die Armenghettos, während rund um den Phönixsee die neuen Reichen, ihre Häuser, oder Luxusappartements haben.
Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass eine ähnliche Entwicklung in der Lausitz passiert und das nachdem erst kürzlich so viele Menschen abgewandert sind.

Veröffentlicht von: @staffan

Immerhin dürfen die Ostdeutschen schon wählen. Und daher sollten sie vielleicht doch bei nächster Gelegenheit sich erkenntlich und den Parteien des Berliner Prokurators Wanderwitz die rote Karte zeigen. 😌

Es lag nicht in meiner Absicht einen Thread zum Wahlkampf zu machen, auch nicht indirekt. Ich war gestern von den Worten des Ostbeauftragten gebügelt. Beinhaltet die nicht die Haltung. Demokratie ja, aber nur, wenn die Menschen im Rahmen meines Gusto wählen? Das ist doch unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit das Problem. Er hat vor den Wahlen, die Ostdeutschen geschmäht. Dies, obwohl seine Partei die besten Aussichten hat, am kommenden Sonntag die stärkste Partei zu sein. Sein Verhalten ist dumm und herzlos.

orangsaya antworten


PeterPaletti
Beiträge : 1238

Ich weiß auch nicht, ob der Spruch so schlau war. Für den Wahlkampf hilfreich ist er sicher nicht.

Ich bin zwar auch der Meinung, wer freiwillig AfD wählt, hat nicht alle auf dem Senkel. Aber solange diese Leute zur Wahl zugelassen sind, können sie auch gewählt werden.

peterpaletti antworten
3 Antworten
Orangsaya
(@orangsaya)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 2875
Veröffentlicht von: @peterpaletti

Ich weiß auch nicht, ob der Spruch so schlau war. Für den Wahlkampf hilfreich ist er sicher nicht.

Hilfreich war das mit Sicherheit nicht. Normalerweise wird im Wahlkampf etwas positives gesucht. Normalerweise macht man ja eine Nachlese nach den Wahlen. Die ersten Reaktionen am Wahlabend ist, wenn man unzufrieden ist, dass Wetter, oder irgendein Aufhänger, warum der Wähler schuld am "schlechten" Ergebnis ist.

Was hier vorauseilend passierte, ist auf der anderen Seite der Trend. Er äußerte sich ja über alle neuen Länder und nicht nur zur Sachsen-Anhalt. Die Menschen in eine Ecke stellen ​(Die Ostdeutschen) und ausgrenzen. Früher hätte man sich eher abgegrenzt.

Veröffentlicht von: @peterpaletti

Ich bin zwar auch der Meinung, wer freiwillig AfD wählt, hat nicht alle auf dem Senkel. Aber solange diese Leute zur Wahl zugelassen sind, können sie auch gewählt werden.

Von Anfang an, war ich kein Freund der AfD. Schon unter Lucke war die Europa-Politik nicht meine. Den steilen Aufstieg hatte die AfD nicht mit diesem Thema, sondern mit dem Jahr 2015. Sonst würde die Partei wohl noch mit den fünf Prozent kämpfen. Der Gewöhnungsprozess, den sich einige erhofften, ist nicht eingetroffen. Ich sehe das Problem liegt auch an der Partei. Schon längst hätte in den 16 Jahren, die CDU die Renten und die Löhne dem Westen angleichen können. Man hat ganze Regionen aussterben lassen, indem die jungen abgewandert sind. Jetzt kann man am Lausitzer Braunkohlerevier erkennen, dass die Bereitschaft, die Menschen über die Klinge springen zu lassen, weiter geht. Regionen werden einfach still gelegt. Für Arbeitsplätze gibt es nur unverbindliche Versprechen. Das sind Signale, die durch die neuen Bundesländer gehen.

Dabei kann Wanderwitz eigentlich zufrieden sein. Vor Corona hatte die CDU mit 20, bis 25 Prozent zu kämpfen. Mit Corona nahm die Zustimmung der CDU wieder zu. Sie ist jetzt ein um die 30 Prozent Partei. Zuvor war ja das Ziel 40 Prozent plus ein realistisches Ziel. Heute ist es eine Partei, die nur die Aussichten hat, die stärkste Fraktion zu werden.

orangsaya antworten
Neubaugöre
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 11794
Veröffentlicht von: @orangsaya

Den steilen Aufstieg hatte die AfD nicht mit diesem Thema, sondern mit dem Jahr 2015.

Den "steilen Aufstieg" haben sie ihrem Konzept der Hetze, des Hasses, seiner Verbreitung, ihrem Stammtischniveau in der Art, dass sie andere manipulieren und aufhetzen, während sie mit sauberen Händen dasitzen und zwar mit denen, die das gar nicht mal merken, dass sie manipuliert werden, zu verdanken.

neubaugoere antworten
Orangsaya
(@orangsaya)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 2875
Veröffentlicht von: @neubaugoere
Veröffentlicht von: @neubaugoere

Den steilen Aufstieg hatte die AfD nicht mit diesem Thema, sondern mit dem Jahr 2015.

Den "steilen Aufstieg" haben sie ihrem Konzept der Hetze, des Hasses, seiner Verbreitung, ihrem Stammtischniveau in der Art, dass sie andere manipulieren und aufhetzen, während sie mit sauberen Händen dasitzen und zwar mit denen, die das gar nicht mal merken, dass sie manipuliert werden, zu verdanken.

Ich kann dich beruhigen, die AfD ist für mich in keiner Weise eine Alternative zu den alten Parteien. Selbstverständlich hat die AfD die Gelegenheit beim Schopf genommen und provoziert. Ich denke aber, dass das Problem nicht die Manipulation ist, sondern die Tatsache, dass sie in dieser Form einer Massenzuwanderung nicht einverstanden sind. Das Jahr 2015 ist vorbei, die Grenzen sind wieder beherrschbar. Doch vergessen haben die Menschen nicht, dass ihnen einfach in Massen andere Menschen vor die Nase gesetzt bekamen. Die Menschen wurden schlicht und ergreifend übergangen und das hat zu bösen Auswirkungen geführt.
Auch heute, wo die Problematik nicht so angespannt ist, besteht das Problem, dass wir mehr Menschen ohne Bleibeperspektive dulden müssen, als Menschen berechtigte Schutzrechte haben. Sie bleiben mit Duldung in der Warteschleife.
Ich würde nicht die Manipulation als Barometer ansetzen, sondern vielmehr eine Politik, mit der so viele Bürger nicht einverstanden sind. Daraus ist ein Misstrauen entstanden, dass die AfD auszunutzen versteht.

orangsaya antworten
Lucan-7
Beiträge : 15312

Spaltung herbeireden...

Veröffentlicht von: @orangsaya

Eines haben die Ostdeutschen auf jeden Fall bewiesen. Sie haben einen Drang in keiner Diktatur zu leben.

Das trifft für die meisten sicherlich zu, eine Minderheit sieht das anders und wünscht sich eine neue Diktatur herbei (Genau wie im Westen auch). Möglicherweise gibt es in manchen Landstrichen mehr Zuspruch für eine mögliche Diktatur, da muss man dann im Einzelnen genauer hinschauen.

"Die" Ostdeutschen gibt es genau so wenig wie "die" Westdeutschen, deshalb sind solche Zuschreibungen wenig hilfreich.

lucan-7 antworten
1 Antwort
Orangsaya
(@orangsaya)
Beigetreten : Vor 5 Jahren

Beiträge : 2875
Veröffentlicht von: @lucan-7

Das trifft für die meisten sicherlich zu, eine Minderheit sieht das anders und wünscht sich eine neue Diktatur herbei (Genau wie im Westen auch). Möglicherweise gibt es in manchen Landstrichen mehr Zuspruch für eine mögliche Diktatur, da muss man dann im Einzelnen genauer hinschauen.

Ich finde die Frage grundsätzlich schwierig. Das sehe ich schon lange so. Der Grund ist, dass die Frage, wie autoritär regiert werden sollte, gar nicht reflektiert wird. Meistens haben sie irgendein "Missstand" im Auge, und wollen sie schnell gelöst haben. Die Dimension, die das bedeuten kann, bleibt dabei ausgeblendet.

Veröffentlicht von: @lucan-7

"Die" Ostdeutschen gibt es genau so wenig wie "die" Westdeutschen, deshalb sind solche Zuschreibungen wenig hilfreich.

Natürlich gibt es die Ostdeutschen, genauso, wie Norddeutsche, oder Süddeutsche. Auch Mentalitätsunterschiede sind vorhanden.
Auch die Erziehung war eine andere. Während meine Generation im Westen als Kleinkind noch an der warmen Mutterbrust hing, mussten die im Osten schon in Reih und Glied auf dem Töpfchen sitzen. Mit dem Alter ging die Kollektiverziehung weiter, währen ich mir meine Jugendgruppe aus einem Angebot aussuchen konnte, ohne deswegen Nachteile zu bekommen, wurde im Osten durch Pionierdienst und FDJ versucht, die Menschen gleichzuschalten. Davon war unter anderem Abhängig, welchen Platz man in die Gesellschaft findet. Genützt hat es nicht viel. Es zeigt eher, dass die Masse durch Mitläufer zu bewegen ist und nicht durch Überzeugungstäter.

orangsaya antworten


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