Meinungen hinterm Gartenzaun
Neulich habe ich an einer Gesprächsrunde teilgenommen. Es sollte eigentlich um das Thema Hochsensibilität gehen. Zu Beginn einigten sich die Teilnehmer darauf, dass es um das Thema Grenzen setzen gehen sollte. Auch gut, dachte ich mir, obwohl mir das Thema inzwischen aus den Ohren quillt. Nun stelle ich mir unter Grenzen setzen ganz konkrete Maßnahmen vor, wie man sich selbst schützen kann. Und auch wie man Warnsignale wahrnimmt. Es lief aber dann darauf hinaus, dass es um imaginäre Grenzen ging, und auch nicht um Selbstschutz, sondern darum eigene Meinungen zu behalten. Eine Teilnehmerin erzählte von ihrer Methode, sich vorzustellen, wie sie ihre Meinung hinter einem Gartenzaun bewahrt. Die anderen Teilnehmer fanden das super, ich finde diese Vorstellung aber ziemlich abweisend.
Ich kann verstehen, dass ein Mensch, der erst mühsam lernen musste, seine eigene Meinung zu entwickeln, Angst hat, viel zu schnell wieder umgestimmt werden. Und vielleicht ist es auch eine Art Selbstschutz, seine Meinung erst einmal beschützen zu wollen. Mich hat aber die ganze Sache zur Überlegung gebracht, ob das momentan ein Problem ist, das sich global durch die ganze Gesellschaft zieht. Mir kommt es so vor, als ob Meinungen und Überzeugungen dafür herhalten müssen, der Person eine Identität zu geben.
Für mich als Christ kommt aber meine Identität ausschließlich von Gott. Sie ist nichts, was ich mir selbst erarbeiten muss. Mein Verhalten und meine Meinungen kann ich mir erarbeiten, aber das was ich mir erabeitet habe, ist für mich nichts Starres, was beschützt werden muss. Natürlich sollte man nicht jede Meinung von anderen Leuten ungeprüft annehmen, aber das heißt doch nicht, dass die eigene Meinung so wertvoll ist, dass man sie hinter Gitter sperren muss. Meinungen sind für mich nicht so viel mehr als Gedanken, die kommen und gehen. Wie ich mich auf verschiedene Situationen hin verhalte, ist für mich etwas, das ständig auf den Prüfstand muss. Das hat aber nichts mit meinem Ich zu tun, mit meiner Identität. Grenzen setze ich, indem ich mir herausnehme, unangenehme Situationen zu verlassen (das habe ich in dem Gesprächkreis dann auch getan) und indem ich Nein sage, zu Sachen, die ich nicht will. Für mich sind Grenzen kein imaginärer Gartenzaun.
Wie seht ihr das? Könnte es sein, dass diese gesellschaftliche Fronten, die überall spürbar sind von massiven Ängsten vor Meinungsverlust herrühren könnten?
Ich denke es gibt zu viele Leute die sich fragen was kann ich überhaupt noch sagen, um nicht in eine politsche Ecke gedrängt zu werden. In der Bibel waren die alten Männer mit weißen Haaren eine Respektsperson. Ich bin ein Mann, war vor vielen Jahren auf Stellensuche. In der Stellenanzeige wurde eine kaufmännische Angestellte gesucht. Darüber hat sich niemand aufgeregt, das war in Ordnung. Ich habe einfach angerufen und gefragt, stellen Sie auch einen Mann ein. Ja, wir haben die alte Anzeige übernommen, ein Mann wäre gut, schicken Sie eine Bewerbung. Heute muss ich eine Stellenanzeige neutral schreiben und darf die Leute die nicht wissen ob sie Mann oder Frau sind, oder sein wollen, mit einem d berücksichtigen.
Darf ich noch sagen, für mich ist Gott nicht weiblich. Vor 20 Jahren etwa kam die sogenannte Bibel in gerechter Sprache. Es gab jetzt Apostelinnen, aber der Teufel war weiterhin männlich. Ich bin mir sicher es gab auch Frauen in dem Pulk der Jesus nachgewandert ist.
Dieses ich behalte meine Meinung für mich ist auch der Grund warum in Foren fast nichts mehr los ist, anders als vor 15 Jahren.
Ich bekam einmal ein kleines Buch geschenkt. Vorbild war das kleine Buch das Tick Trick und Track, die Neffen von Donald Duck, als Nachschlagewerk haben.
Darin stand: Wenn sie auf einer Party Smalltalk machen vermeiden Sie: Politik und Religion bei Leuten die sie nicht gut kennen.
Politik und Religion führen immer zu Streit. Sind sie nicht Geistlicher erwartet man von ihnen nicht über Religion zu reden. Bei einem Pfarrer, Rabbi, Iman wird man erwarten, dass er über den Glauben spricht bzw. so nebenei die Bibel zitiert, bzw. den Koran.
Bei manchen Themen reagiere ich nicht mehr in Foren oder vermeide sie auch im realen Leben.
Das war bei Corona-Schwurblern so, das bringt nichts. Argumente prallen ebenso bei AfD-Anhängern ab. Ich schaue wem ich was zu Israel sage. Hier gibt es auch festgefahrene Meinungen. Das merkt man hier im Forum ja auch, da schreibe ich nur noch wenn es sein muss und das auch nur für Mitleser.
Zu oben, früher war also der Mann über 50 mit seinen grauen Haaren, die Bibel sagt Silberhaar, eine Respektsperson.
Heute ist der alte weiße Mann ein Schimpfwort, für das ich mit knapp über 50 zu alt bin um zu verstehen ob damit die Hautfarbe oder die nicht mehr geschätzte Erfahrung gemeint ist.
Ich sage aber immer noch es sollte ein Unterschied sein ob eine Famile aus Mann Frau mit oder ohne Kinder ist, oder aus zwei Männern, zwei Frauen, oder zwei die sich nicht festlegen was sie sind, besteht.
Sehe aber auch traditonelle Familien in denen die Kinder schlechter leben, bzw. dort gar nicht mehr leben als homosexuelle Partnerschaften in denen Kinder mit Liebe aufwachsen, die gibt es ja auch.
Heute ist der alte weiße Mann ein Schimpfwort, für das ich mit knapp über 50 zu alt bin um zu verstehen ob damit die Hautfarbe oder die nicht mehr geschätzte Erfahrung gemeint ist.
Damit ist ein selbstgerechter, weißer (Hautfarbe) älterer Mann gemeint, der seine vermeintliche Unantastbarkeit ausnutzt, um andere zu benutzen.
Aber damit wird ja schon deutlich wie schädlich es sein kann, Bilder zu produzieren, weil dann jeder etwas anderes im Kopf hat. Außerdem werden hiermit tatsächlich ältere weiße Männer über einen Kamm gescherrt.
@mariposa22 Mike Krüger hat eine Lied dazu gemacht. Bei Corona hatte er für die Masken geworben. Dieter Hallervorden hat inzwischen bedenkliche Dinge die er veröffentlichen lässt.
Könnte es sein, dass diese gesellschaftliche Fronten, die überall spürbar sind
Ich habe den Eindruck, dass es heute weniger darum geht Lösungen für Probleme zu finden, sondern vielmehr darum, Recht, Zustimmung, Likes und Wählerstimmen für Meinungen zu bekommen; und um dies zu bewerkstelligen ziehen sich die Leute in ihre Blase zurück, wo sie sich selber bestätigen und mit scheinbar valablen Argumenten ausgerüstet werden. Diese Fronten sind im Grunde genommen solche zwischen verschiedenen Blasen. Für kaum jemanden scheint es erstrebenswert, die Meinung und den Standpunkt des Anderen nachvollziehen zu können - was natürlicherweise gegeben ist, man denke bspw. an Arbeitnehmer/Arbeitgeber, Mieter/Vermieter oder Mann/Frau - sondern es geht darum, die eigene Meinung als allgmeingültig durchzusetzen.
Die Kunst ist es nun, einerseits bei der eigenen Meinung zu verbleiben, dem eigenen Standpunkt zu vertrauen und trotzdem die Meinung eines anderen als berechtigt gelten zu lassen. Argumentativ ist es manchmal schwierig, die eigene Meinung zu vertreten, weil es beim Diskurs schnell geschehen kann, ins argumentative Fahrwasser des Gegenübers zu geraten. Rhetorische Fertigkeiten sind hier gefragt, die Finessen bei der Argumentation müssen erkannt werden. (Bspw. Linke sprechen eher von Muslimen (Personifikation, identifizierung mit einzelnen Menschen) Rechte eher vom Islam, politischer Islam, der bedrohlich wirkt).
massiven Ängsten
Massive Ängste könnten Menschen davor haben, einst realisieren zu müssen, dass sie einer Ideologie aufgesessen sind, die eines Tages wie ein Kartenhaus in sich zusammenbricht.
Die Kunst ist es nun, einerseits bei der eigenen Meinung zu verbleiben, dem eigenen Standpunkt zu vertrauen und trotzdem die Meinung eines anderen als berechtigt gelten zu lassen. Argumentativ ist es manchmal schwierig, die eigene Meinung zu vertreten, weil es beim Diskurs schnell geschehen kann, ins argumentative Fahrwasser des Gegenübers zu geraten.
Wenn ich mich in einer Diskussion unwohl fühle, breche ich ab. Das hat meistens dann nicht mit der Meinung an sich zu tun, sondern wie rigide eine Meinung vertreten wird. Und ich empfinde es auch als rigide und aggressiv, wenn meine eigene Meinung grundlos abgeblockt wird.
Wenn ich mich in einer Diskussion unwohl fühle, breche ich ab.
Ja, das verstehe ich. Ihr Deutsche seid ja teilweise auch sehr harte Diskutanten. 🙂
Kann es sein, dass die Teilnehmerin eine bildlich denkende Person ist und ihr daher bildliche Vorstellungen in den Anfängen des Grenzensetzens helfen, sich sicherer zu fühlen?
Ich selbst benutze manchmal das Bild, dass niemand im Vorgarten meiner Seele herumtrampeln darf.
Hochsensitive Menschen erleben oft in der Kindheit, dass sie mit grenzüberschreitenden Sprüchen platt gemacht und nicht ernst in ihrer Wahrnehmung genommen werden. Das kann später dazu führen, dass sie erstmal das Neinsagen lernen müssen und wie sie diesem Nein Nachdruck verleihen könnten, wenn wieder versucht wird, übergangen oder überrollt zu werden.
Ich lese in deiner Wiedergabe der Situation, dass du von Zaun zu Gitter wechselst und dann den Wert einer Meinung in Frage stellst. Spiegelst du unbewusst irgendwas aus der Situation und Prägung der Teilnehmerin? Sollte die Teilnehmerin, deiner Meinung nach, sich kein Hilfsbild machen und ein Vorgehen aus deinem Repertoire übernehmen?
Ich lese in deiner Wiedergabe der Situation, dass du von Zaun zu Gitter wechselst und dann den Wert einer Meinung in Frage stellst. Spiegelst du unbewusst irgendwas aus der Situation und Prägung der Teilnehmerin? Sollte die Teilnehmerin, deiner Meinung nach, sich kein Hilfsbild machen und ein Vorgehen aus deinem Repertoire übernehmen?
Ihr Bild am so bei mir an: halte dich von meinem Garten fern, du darfst da nur einen Blick über den Zaun werfen, wage ja nicht, meinen Pflänzchen zu nahe zu kommen, die gehören mir. Und außerdem unterstelle ich dir im Voraus, dass du hier etwas zerstören möchtest.
Spontanempfinden: Klingt für mich danach, als ob ihr beide eine unterschiedliche Verletzung im Bereich gesunder Grenzen habt, die sich perfekt bedienen.
@deborah71 Ja, das kann gut sein. Meine jüngere Schwester hat mich immer mal wieder zurück gewiesen, aber bewundern sollte ich sie weiterhin.
Ich werfe mal noch den Begriff Ekpathie in die Diskussion um Grenzen. Empathie ohne Ekpathie ist ziemlich schutzlos.
Ob die eigenen Strategien, die man in der Kindheit gegen Verletzungen installiert hat, noch im Erwachsenenalter nützlich sind, oder Verletzungen anziehend, wäre eine Betrachtung und evtl Änderung wert, denke ich.
KI: Ekpathie, als Begriff, der oft als Gegenteil von Empathie gesehen wird, beschreibt die Fähigkeit, sich von den Emotionen anderer abzugrenzen und nicht in diese hineingezogen zu werden. Es ist nicht gleichbedeutend mit Apathie oder fehlendem Mitgefühl, sondern vielmehr eine bewusste Entscheidung, die eigene emotionale Stabilität zu wahren, insbesondere in schwierigen Situationen.
Ausführlicher:
Ekpathie, manchmal auch als "Ausfühlungsvermögen" bezeichnet, ist ein Konzept, das von dem spanischen Psychotherapeuten Luis de Rivera geprägt wurde. Es geht darum, in bestimmten Momenten die Fähigkeit zu haben, sich von den Emotionen anderer abzugrenzen, um sich selbst vor Manipulation, Überlastung oder Burnout zu schützen.
Hm, geht Ekpathie nicht in Richtung Abspaltung? In Notsituationen ist sie ja hilfreich, aber als Alltagshilfsmittel eher isolierend, denke ich.
Die einfachste Wirkung von Ekpathie ist z.B. wenn man merkt, dass man plötzlich seine Laune in der Gegenwart einer neu hinzugekommenen Person nicht halten kann und dann definiert: das ist die Atmosphäre dieser Person und nicht meine, ist nicht meine Aufgabe...und die Fremdlaune weicht von einem und die eigene (gute) Laune taucht wieder auf.
So wird eine gesunde emotionale Grenze hergestellt durch die Unterscheidung, was ist emotional Meins (ich) und emotional Deins(du).
Der komplette KI-Artikel: https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=ekpathie+bedeutung
So wird eine gesunde emotionale Grenze hergestellt durch die Unterscheidung, was ist emotional Meins (ich) und emotional Deins(du).
Bei manchen Leuten klappt das womöglich. Für viele Menschen grenzt so etwas aber an Selbstbetrug. Wenn z.B. mein Chef mich wiederholt ungerechtfertigt kritisiert, dann kann ich mir hundertmal selbst sagen, dass das Problem bei ihm liegt, nicht bei mir. Ich fühle mich trotzdem schlecht. Ich kann höchstens versuchen, mir meiner Stärken bewusst zu werden, sollte aber irgendwann die Konsequenzen ergreifen und den Job wechseln.
Ich schreib dir mal ein Beispiel für Ekpathie:
Eine Bekannte rief mich an, ob wir ne Stunde über den Strand spazieren wollten. Ich sagte zu und wir gingen los. Entspannt, ruhig, ich war gut drauf. Sie sagte nichts ausser ein wenig smalltalk. Ich wurde wütend, aber so richtig.... völlig ohne Grund. Passte überhaupt nicht zum Spaziergang. Bis mir dann einfiel, sie zu fragen, ob es Stress auf der Arbeit gegeben habe. Ja, sagte sie... und.... ich wollte dich nicht damit belasten und habe nichts gesagt. Ich spürte trotzdem ihre Wut und ihr innerliches Kochen. Als ich es angesprochen habe "vergiss es, ich merke es ja doch..." da ging die Wut sehr schnell von mir weg, sie erzählte kurz, was gewesen war und die Wut ging bei ihr dann auch runter in Verarbeitung.
Nun zu deinem Chef: er hat ein Wutpaket und versucht es über ungerechte Kritik loszuwerden. Mir hilft bei sowas ähnlichem, der Person in meiner Vorstellung das fremde Paket zurückzugeben "Deine Aufgabe deine Wut zu bewältigen". Der eigene Ärger ist dann leichter und klarer zu bearbeiten. (Ich hatte auch mal drastische Grenzen gegenüber einem ungerechten Kurgast gesetzt: "Ich bin ihre Massagetherapeutin und nicht ihr Blitzableiter". Hat geholfen. ) 🤣
Ich mal dir mal den Chef-Mechanismus auf:
1. Pfeil : ungerechte Kritik um dich zu öffnen durch die Verletzung ------------>
2. Pfeil: Unterströmung Ärgerpaket -------------------------------------------->>>
Behandlung:
Pfeil 1 vergeben, eigener Ärger klingt ab
Pfeil 2 Ärgerpaket zurück an den Absender <<<----------------------- seine Aufgabe
Das ist Trainingssache. Du darfst dich wehren durch verschiedene Strategien.
Das ist aber nur ein fiktiver Chef. In Wirklichkeit habe ich eine Managerin, mit der ich mich super verstehe.
Nun weißt du, wie etwas abläuft, wenn es mal eine echte Person gibt, die dir ihr Ärgerpaket unbewusst unterjubeln will.
Mit Trauerübertragung oder Deppressionsübertragung läuft es auch so. Dann wird u.U. das Opfer einer Übertragung medikamtös behandelt für eine Depression, die gar nicht seine ist und kommt da nicht raus.
@mariposa22 Irgendwie bin ich über dein Posting gestolpert - und auch wenn ich das Thema "Hochsensibilität" sehr spannend gefunden hätte, finde ich das mit dem Gartenzaun auch interessant. Und ich hab die Tage erst drüber nachgedacht, dass wir (die Gesellschaft) zunehmend versuchen uns selbst zu finden, indem wir uns möglichst klar positionieren. Bin ich "für" oder "gegen" etwas? Einmal festgelegt, ist man darin und baut eben seinen Zaun darum. Man will sich selbst finden durch Positionierung. Und dann dachte ich an den Vers: "Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden." Ersetze "retten" durch "finden" und ich denke: Genau, genau das ist das Problem.
Ah, verstehe ich das richtig, dass das in Richtung "starre Meinung" geht? So: "nicht offen für ..."?
Ja, wenn Argumente von vorne herein abgeschmettert werden, so als ob man demjenigen etwas Böses wollte, dann werde ich als Person mit meiner Meinung gleichgesetzt.
Ja, so viel Unsicherheit und Schmerz gleichzeitig, dass jeder, der etwas anderes sieht oder sagt oder denkt, gleich "mein Feind" ist ...
Veröffentlicht von: @mariposa22Ja, wenn Argumente von vorne herein abgeschmettert werden, so als ob man demjenigen etwas Böses wollte, dann werde ich als Person mit meiner Meinung gleichgesetzt.
Und schwupp - sind wir bei der Politik.
Ich denke, man wird vorsichtiger, weil man eben nicht 'einsortiert' werden will.
dann werde ich als Person mit meiner Meinung gleichgesetzt
Nun, meine Meinung hat ja auch mit meiner Person zu tun. Der "Bau" eines Gartenzaunes hätte somit eine Selbstschutz-Funktion. Ich gebe meine Meinung in der Öffentlichkeit preis und um mich selbst zu schützen, brauche ich eine Sicherheitszone.
Aber diese sollte nicht so stark sein, dass keine Fakten mehr zugelassen werden.
@chai Eine Mauer kann ich eher verstehen. Das zeigt für mich, jemand will seine neu gewachsenen Meinungen wirklich schützen. Ein Zaun dagegen hat für mich etwas Eitles, etwas wird zur Schau gestellt.
@mariposa22 Interessant.
Wobei ich denke, dass wir jetzt schon arg philosophisch werden.
Nun, meine Meinung hat ja auch mit meiner Person zu tun.
Ich habe eine Meinung, bin diese Meinung aber nicht.
Der "Bau" eines Gartenzaunes hätte somit eine Selbstschutz-Funktion. Ich gebe meine Meinung in der Öffentlichkeit preis und um mich selbst zu schützen, brauche ich eine Sicherheitszone.
Wenn ich nicht will, dass meine Meinung in der Öffentlichkeit zerpflückt (hier sind wir wieder beim Gartenbild), dann behalte ich sie eben für mich. Wer seine Meinung äußert, sollte auch Gegenmeinungen ertragen können.
Ich habe eine Meinung, bin diese Meinung aber nicht.
Nein; aber wenn wir unsere Meinung äussern und auf Gegenwind stossen, können wir verletzlich reagieren, weil die Meinung eben mit unserer Person zu tun hat. Und es geht ja darum, sich vor dieser potenziellen Gefahr des verletzt werdens zu schützen.
Wer seine Meinung äußert, sollte auch Gegenmeinungen ertragen können.
Das sehe ich auch so, aber vielleicht können das nicht alle gleich gut.
Nein; aber wenn wir unsere Meinung äussern und auf Gegenwind stossen, können wir verletzlich reagieren
Nicht nur verletzlich, sondern verletzend. Und das scheint vielen nicht bewusst zu sein. Auf eine sanfte Brise Gegenwind wird mit spitzen Pfeilen geantwortet.
Hallo, in meinen Augen war Jesus der „Ultra-Positionierer“, er hat völlig neue Maßstäbe für uns gesetzt (und das hat er auch ganz klar als seinen Auftrag begriffen).
Nicht jede Positionierung ist schlecht, im Gegenteil, manchmal ist es sehr notwendig. Gerade für uns Christen. Das heisst auch nicht unbedingt, dass wir gegen etwas sind, sondern für etwas stehen.

@stern Die Frage ist nur: Wofür beziehen wir Position. Und das hab ich in einem anderen Thread mal versucht zu thematisieren: Was ist eigentlich der "Nenner", den es zu bewahren gilt. Ist es wirklich unsere Haltung zu dieser oder jener Glaubensregel, die uns streitbar machen sollte? Oder eigentlich nur eine Position: Jesus Christus - als Weg, Wahrheit und Leben
Ganz klar: Jesus. Aus keinem anderen Grund treffen wir uns hier. Er ist der gemeinsame Nenner.
Wenn ich andere Menschen treffe, dann sind das vielleicht meine -Arbeitskollegen -Volleyballfreunde -Verwandten - Bekannte - Nachbarn….da können Christen mit dabei sein, aber da ist etwas anderes der gemeinsame Nenner
In/mit meinem Leben stehe ich für Jesus. Das heisst nicht, ich bin gegen alles andere. Alles andere darf sein. Ich stehe nur für etwas anderes - egal wo ich bin.
Das haben wir alle gemeinsam und dafür stehen wir alle in irgendeiner Form sichtbar ein. Dass wir Schwierigkeiten haben, Jesus gemeinsam „gleich“ wahrzunehmen, also diese oder jene Gebote mehr oder weniger oder gar nicht zu beachten…nun, vielleicht ist das unsere Aufgabe 🤷♀️ da geschwisterlich miteinander umzugehen und voneinander zu lernen
Das Bild mit dem Zaun kenne ich aus dem Judentum.
Es gibt das Gesetz der Torah und man hat einen Zaun darum herum gebaut, also einen Sicherheitsabstand eingezogen, um die eigentliche Regel nicht zu verletzen (Mischna).
Auch Jesus hat sich gegen eine solche Art von Zaun gewandt, wenn der Sicherheitsabstand verabsolutiert wurde und dadurch der eigentliche Sinn des Gesetzes verloren ging, siehe Markus 7,1-23:
Ein Beispiel ist das Gebot, sich vor Gott rein zu halten. In der rabbinischen Praxis hatte man darum den Zaun errichtet: „Vor dem Essen Hände waschen“.
Jesus moniert: Die eigentliche Reinheit kommt nicht von äußeren Ritualen. Das, was durch den Mund hineingeht, macht den Menschen nicht unrein. Das Essen geht nur in den Magen, nicht in das Herz.
Unrein wird der Mensch nicht durch Berührung oder Nahrung, sondern durch das, was aus dem Herzen kommt, also durch Gier, Hass, Heuchelei, Hartherzigkeit.
Ein weiteres Beispiel nennt Jesus im Blick auf das Gebot „Du sollst Vater und Mutter ehren“.
Die rabbinische Auslegung hatte erlaubt, dass Geld, das man „Gott geweiht“ hatte (Korban), nicht mehr für die Unterstützung der eigenen Eltern verwendet werden musste.
Jesus kritisiert, dass damit der Sinn des Gebots geradezu pervertiert werde. Es geht nicht um äußere Frömmigkeit, sondern um gelebte Verantwortung.
In beiden Fällen wird deutlich: Der Zaun ist dann schädlich, wenn er das Gesetz nicht schützt, sondern ersetzt und den eigentlichen Sinn des Gesetzes konterkariert.
Ok, ich bin jetzt deutlich abseits deines Anliegens gelandet, oder?
Ok, ich bin jetzt deutlich abseits deines Anliegens gelandet, oder?
Nein, das kommt meinem Anliegen sogar ziemlich nahe.
Auch Jesus hat sich gegen eine solche Art von Zaun gewandt
Auf Seine Art hat auch Jesus einen Zaun um die Thora gezogen: »Ihr habt gehört … [Vorschrift aus der Thora], ich aber sage euch … [Verschärfung dieser Vorschrift, also ein „Zaun”]«.
Allerdings waren Seine Zäune anders als die der Schriftgelehrten.
ihr habt gehört bezieht sich nicht auf die schriftliche Thora, sondern auf die mündliche Überlieferung
Aber in vier von den fünf Fällen zitiert Jesus doch einen Satz aus der Thora?
Der Schlüsselsatz ist: ihr habt gehört.... also hat es eine Verschiebung zur Thora oder in der Art der Zaunsetzung gegeben.
Vgl mal mit Mt 4 und Lk 4 Jesus hörte die Versuchung aus der falschen Anwendung von Bibelzitaten und antwortete mit: Es steht geschrieben...
Es ist meist subtil und man muss genau hinschauen. In Vers 21 ist eine Art Grundsatz gesetzt: es geht um Vergebung, denn Unvergebenheit führt zu Schlimmerem.
Mt 5,21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. (gegen das Töten mit Worten z.B. Narr = Glauben absprechen)
Mt 5,27 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst nicht ehebrechen.«
Mt 5,33 Ihr habt weiter gehört, dass zu den Alten gesagt ist: »Du sollst keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn deine Eide halten.«
Mt 5,38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« (Deeskalation statt Rache)
Mt 5,43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« und deinen Feind hassen. (Feind hassen ist im AT nirgends geboten)
Jesus führt sie im Kontext in allen Punkten von der Gesetzes- und Strafbetonung zurück zum Höchsten Gebot: Gott lieben, und den Nächsten, wie dich selbst und wo es anfängt: bewahre dein Herz mit allem Fleiß, denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.
Die Parallele in Mt 4 und Lk 4 ist: du sollst Gott allein anbeten.
Jetzt hast du bei allen 5 Punkten in Anführungszeichen gesetzt, was in der Thora steht.
In Mt 5,43 verfälscht der Nachsatz („und deinen Feind hassen”) die Aussage der Thor, deshalb hab ich das nicht zu den Aussagen gezählt, wo sich Jesus auf die Thora bezieht.
Außer der Aussage (die du jetzt nicht wiederholt hast), dass sich Jesus nicht auf die (schriftliche) Thora bezog, sind wir uns doch offenbar hier einig. Und ich bleibe dabei, dass Er hier einen »Zaun« um die (schriftliche) Thora gezogen hat.
Er hat den Zaun an eine andere Stelle gesetzt aus Liebe, nicht aus der Angst der Pharisäer.
Angst kann man hören, man kann davon manipuliert und in Gesetzlichkeit gezogen werden. Angst kommt vom Vater der Lüge..... und verbiegt die Schrift und die Beziehung zum Vater.
Jesus fragte nicht: Was steht geschrieben.... sondern.... ihr habt gehört mit einer Unterströmung. An anderen Stellen sagt er nicht: Seht zu WAS ihr hört (was vom anderen kommt), sondern: WIE ihr hört.
Es lohnt sich, diesem Impuls mal nachzugehen.
Es gibt das Gesetz der Torah und man hat einen Zaun darum herum gebaut,
Das würde bedeuten, jemand, der einen Zaun um seine Meinung baut, sie irrtümlicherweise für ein Gesetz hält.