Benachrichtigungen
Alles löschen

Memorial Day: Tag gegen das Vergessen


belsazar
Themenstarter
Beiträge : 148

Die USA begeht heute ihren "Memorial Day" zum Gedenken an ihre gefallenen Soldaten.

Deutschland hat aus nachvollziehbaren Gründen zu seiner Armee eine andere, zurückhaltendere und schwierige Einstellung - doch in Anbetracht seiner Geschichte ist diese komplizierte Auseinandersetzung notwendig, um zu verstehen, wie es soweit kommen konnte und was die Konsequenzen für all jene waren, die im besten Glauben auszogen - und ihn im Krieg verloren.

Als Armeeangehöriger (einer anderen Armee) halte ich es für wichtig, den deutschen Soldaten, der heute wieder viel Gutes und Wichtiges tut, entsprechend zu respektieren und differenziert zu betrachten. Und zu bedenken, dass auch damals in all dem Wahn und Hass nur zu oft Menschen wie wir verloren in ihren Uniformen starben.

Erich Maria Remarques Bücher hierzu sind zeitlos pazifistisch aber auch menschlich gegenüber dem Gefallenen, ich lasse seine Texte unkommentiert hier stehen:

"Was wissen Sie davon? Sie waren jung, und man hat sie mit Lügen vergiftet, bevor Sie urteilen konnten. Aber wir, - wir haben es gesehen und geschehen lassen! Was war es? Trägheit des Herzens? Gleichgültigkeit? Armut? Egoismus? Verzweiflung? Aber wie konnte es eine solche Pest werden? Denken Sie, ich denke nicht täglich darüber nach?"
Zeit zu leben und Zeit zu sterben

"Verrat, dachte er plötzlich und ungeheuer erbittert, verraten hat man sie, verraten und beschmutzt, und ihr Kämpfen und ihr Sterben ist zusammengekoppelt worden mit Mord und Unrecht und Lüge und Gewalt, sie sind betrogen worden, betrogen um alles, sogar um ihren armseligen, mutigen, jammervollen und nutzlosen Tod"
Zeit zu leben und Zeit zu sterben

"Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden."
Im Westen nichts Neues

Antwort
7 Antworten
Lucan-7
Beiträge : 15247
Veröffentlicht von: @belsazar

"Verrat, dachte er plötzlich und ungeheuer erbittert, verraten hat man sie, verraten und beschmutzt, und ihr Kämpfen und ihr Sterben ist zusammengekoppelt worden mit Mord und Unrecht und Lüge und Gewalt, sie sind betrogen worden, betrogen um alles, sogar um ihren armseligen, mutigen, jammervollen und nutzlosen Tod"
Zeit zu leben und Zeit zu sterben

Nur als Anmerkung hierzu: Ich denke nicht, dass die Angehörigen der Wehrmacht "verraten" wurden. Sie wurden auch nicht betrogen.
Auch wenn es die Nazis mit der Wahrheit nicht sonderlich genau nahmen und auch nicht jedes Detail ihrer Absichten preisgaben so liessen sie dennoch keinen Zweifel an ihren Zielen und dem, was sie vom Volk erwarteten. Opferbereitschaft wurde erwartet, Opferbereitschaft wurde gegeben. Über die Ziele, Vernichtung der Juden und des "Bolschewismus" wurde auch niemand betrogen, ebensowenig über das Ziel "Lebensraum im Osten".

Natürlich verdrehten die Nazis die Wahrheit, indem sie Bedrohungen erfanden, wo keine waren. Aber die Leute glaubten das oft nur allzu gerne.

Es ist natürlich auch richtig, dass man kaum eine Möglichkeit hatte, sich dem zu entziehen und sich die Menschen auch selbst belogen. Aber sie taten es meist bereitwillig... nicht viel anders, als fanatische Terroristen es heute tun. Und genau so verhielt sich auch die vermeintlich "anständige" Wehrmacht in zahllosen Fällen.

lucan-7 antworten


Plueschmors
Beiträge : 3737

Soldat = Tadlos

Veröffentlicht von: @belsazar

Die USA begeht heute ihren "Memorial Day" zum Gedenken an ihre gefallenen Soldaten.

Also das, was wir in Deutschland u.a. am Volkstrauertag tun.

Veröffentlicht von: @belsazar

Als Armeeangehöriger (einer anderen Armee) halte ich es für wichtig, den deutschen Soldaten, der heute wieder viel Gutes und Wichtiges tut, entsprechend zu respektieren und differenziert zu betrachten.

Dank Dir! Der Respekt gegenüber den Soldaten ist m.E. immer nur dann wirklich gefährdet, wenn das übrige Volk den Eindruck gewinnt, ein Einsatz sei unrecht geführt.

Es braucht dazu nämlich nicht nur äußerst disziplinierte und tadellose Führungskräfte in den einzelnen Truppenteilen, sondern dazu auch eine Armeeführung, die dem friedliebenden Volk den guten Sinn des Einsatzes zu vermitteln versteht. Das ist unglaublich schwere Arbeit, weil Krieg eigentlich nur Schrecken kennt. Jeder kennt das Foto der damals neunjährigen Phan Thị Kim Phúc nach einem Napalm-Angriff der Armee Südvietnams.

Dieses Foto allein reicht eigentlich schon, um sich sofort auf Lebenszeit dem Pazifismus zu verschreiben. Wie wir täglich sehen, braucht es aber eine Obrigkeit mit Schwert, sonst nähme das Böse überhand, Röm 13,3.4:

Vor denen, die Gewalt haben, muss man sich nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr erhalten. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut.

Gott sei also gedankt für diesen Stand und segne seine Angehörigen, daß sie allezeit das Rechte vom Unrechten zu unterscheiden wissen und das Gute in die Welt bringen, wo jetzt noch das Böse regiert. Am liebsten natürlich ohne Waffengewalt, wenn es sein kann...

😊

Viele Grüße,
Plueschmors (auch mal Soldat gewesen).

plueschmors antworten
2 Antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @plueschmors

Dieses Foto allein reicht eigentlich schon, um sich sofort auf Lebenszeit dem Pazifismus zu verschreiben.

Wie lang doch so eine Lebenszeit währt! Bis hin zum nächsten Satz:

Wie wir täglich sehen, braucht es aber eine Obrigkeit mit Schwert, sonst nähme das Böse überhand

Wie denn nu? Pazifist oder Armeefan?

Veröffentlicht von: @plueschmors

Gott sei also gedankt für diesen Stand

Jawoll!

Anonymous antworten
Plueschmors
(@plueschmors)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 3737

ABER
Wie wahrscheinlich der allergrösste Teil der Menschheit möchte auch ich in Frieden leben, ABER diese Welt ist keine friedliche. Darum braucht es halt das Schwert der Obrigkeit. Mir wär's auch lieber, wir könnten' s entbehren.

plueschmors antworten
Eldarion
Beiträge : 526

Da kann man anmerken, dass die Allierten die Nazis nicht mit guten Worten und Pazifismus besiegt haben.
Sie standen nun mal auf der richtigen Seite der Geschichte. In dem Sinne ist der Memorial Day ( der sich natürlich nicht nur auf die Gefallenen des 2.WK bezieht) nicht 1:1 zu vergleichen, mit unserem Volkstrauertag.

Pazifismus ist m.E. keine Lösung. Sich entschlossen gegen Tyrannei und Verbrechen zu stellen, schon.
Ich würde mir auch für unsere Bundeswehr mehr Anerkennung wünschen.

Übrigens mal als etwas besserwisserischer Kommentar zu "Im Westen nichts neues".

Veröffentlicht von: @belsazar

Er fiel im Oktober 1918, an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf den Satz beschränkte, im Westen sei nichts Neues zu melden."

Ich habe von 2014 - 18 die Heeresberichte Tag für Tag gelesen. Im Oktober 1918 gab es keine derartig, ruhigen Tage.

http://www.stahlgewitter.com/18_10_01.htm

eldarion antworten


Orangsaya
Beiträge : 2870
Veröffentlicht von: @belsazar

Als Armeeangehöriger (einer anderen Armee) halte ich es für wichtig, den deutschen Soldaten, der heute wieder viel Gutes und Wichtiges tut, entsprechend zu respektieren und differenziert zu betrachten. Und zu bedenken, dass auch damals in all dem Wahn und Hass nur zu oft Menschen wie wir verloren in ihren Uniformen starben.

Ich habe hierzu eine Frage. Was wir wissen ist, dass die NVA im Ausland war. In Europa, in Afrika und auch in Asien z.B. auch in Nordvietnam. Ob in einem Auslandseinsatz NVA Soldaten umgekommen sind, weiß ich nicht. Nehmen wir mal an, es wären NVA Soldaten umgekommen. Wie sollten dem Gedacht werden?

orangsaya antworten
Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Wie sehen amerikanische Soldaten den Memorial Day?
Ich habe persönlichen Kontakt zu einigen Ehefrauen und Freundinnen amerikanischer Soldaten. Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass meine Bekannten repräsentativ sind, aber bei mir ist ist das Gefühl aufgekommen, dass die den Memorial Day und alles was damit zu tun hat hassen, ja richtig HASSEN und verabscheuen: Die Sonderangebote in den Malls, die Spezialmenus in den Restaurants, das ganze übertriebene und so weiter.
Da Lob ich mir doch die Tatsache, dass der Volkstrauertag ganz ohne „Pommes mit Ketch-Up gratis beim Kauf zweier Burger“ und verbilligte Flatscreen-Fernseher auskommt. Irgendwie würdiger.

Es scheint auch so zu sein, dass manche sich dort eher um die gefallenen Soldaten kümmert als um die lebendigen. So sagten mir amerikanische Bekannte (Vets und ihre Frauen/Freundinnen). Wenn sie zum Beispiel MTBI (eine Gehirnverletzung) haben, so machen sie teilweise die Erfahrung, dass sie wie Außenseiter leben müssen. Die Menschen in den USA können nicht damit umgehen. Viele der Familien der Veteranen, denen das passiert ist, ziehen sich deswegen zurück.

Auch ist es sehr schwierig einen adäquaten Job zu finden. Im Militär hatten sie oft viel Verantwortung, nur um dann später in einem Dead end Job zu landen.
Vielen amerikanische Vets und ihre Spouses sind gerade dieser Tage und während des Veterans Day sehr traurig. Ihre Freunde sind tot, aber einige benutzen es nur um eine Show abzuziehen. So sagte man mir... und einige empfinden wie gesagt, dass man sich in den USA um die toten Soldaten kümmert, aber die lebendig aber emotional verwundet zurück gekommen sind, um die kümmert man sich nicht.

Spreche hier für meine amerikanischen Freunde und hoffe es richtig zusammengefasst zu haben, was ich am Memorial und am Veterans Day höre.

Anonymous antworten


Teilen: