Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Politik: das Ende der Globalisirung ?
Über Jahrzehnte hinweg wurde in den Lehrbüchern der Unis, FHs und Berufsschulen das Thema "Globalisierung" als "weltweites wirtschaftspolitisches Muss" behandelt. Teilweise wurden dabei die Chancen für Entwicklungs- und Schwellenländer betont, aber auch Ausbeutung von Menschen (z.B. Textilindustrie in Bangladesch) beschrieben und das Ganze oft als "Gewinnmaximierung der Konzerne" in den wohlhabenden Ländern der Nordhalbkugel gesehen. Und einen besonders wichtigen Rang nahmen dabei stets die "Lieferketten" ein, so dass hierzu sogar extra Gesetze erlassen wurden.
Und jetzt hat Herr Trump mit seine Zollambitionen und der Devise "MAGA" scheinbar neue Maßstäbe gesetzt geschaffen und in einigen Wirtschaftszweigen möglicherweise das Ende der Globalisierung eingeläutet: weltweit etablierte Handelsverbindungen werden reduziert, internationale Verträge werden zu Makulatur, Jahrzehnte alte Geschäftsverbindungen schlafen ein (oder werden bis zur nächsten Präsidentenwahl "auf Eis gelegt").
Entscheidend für die Wirtschaftslenker scheint nicht mehr zu sein, wo und mit wem man am günstigsten produzieren kann, sondern wie sich hohe Zölle und Importrestriktionen umgehen lassen. Und es scheint, dass sich ein weltwirtschaftlicher Egoismus durchsetzt, wie er z.B. in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg herrschte, als sich Unternehmen extrem stark mit ihren Heimatländern identifizierten und es somit zu einem Wettbewerb der Staaten kam anstatt zum Wettbewerb der Wirtschaftsteilnehmer.
Die Folgen sind spürbar: in vielen Branchen stagniert der internationale Handel (oder ist sogar rückläufig),
Werke werden geschlossen - aber nicht wg. mangelnder Rentabilität, sondern weil der Standort nicht mehr zu den politischen Gegebenheiten passt,
Unternehmen prüfen, wieweit sich die Produktion aus dem eigentlichen Herkunftsland in starke Kunden-Länder verlagern lässt u.v.a.m....
Zugegeben, das alles ist nicht ganz neu. Aber momentan scheint hier eine neue Weltwirtschaftsordnung mit aller Macht über die Beteiligten herein zu brechen, was den meisten "normalen Bürgern" scheinbar noch gar nicht bewusst ist. Meine Frage an euch alle wäre nun
- ob Ihr in eurem Umfeld diese Veränderungen auch schon spürt,
- ob Ihr Befürchtungen hinsichtlich eures Arbeitsplatzes habt (bzw. zur wirtschaftlichen Sicherheit eurer Familie und Freunde),
- wie Ihr negative Auswirkungen auf weltweite gemeinsame Interessen und Solidarität mit Schwächeren fürchtet,
- ob eurer Meinung nach dies alles zu noch mehr Egoismus und Macht der ohnehin Stärkeren führen wird,
- ob sich Staaten bzw. Völker künftig noch mehr aus internationalen Gremien zurückziehen werden,
- oder ob ihr dies alles für eine nur vorübergehende Situation haltet, die sich nach Auswechslung einiger Staatenlenker wieder "normalisiert"?
nachdenklich fragende Grüße
Dschordsch
Und es scheint, dass sich ein weltwirtschaftlicher Egoismus durchsetzt, wie er z.B. in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg herrschte, als sich Unternehmen extrem stark mit ihren Heimatländern identifizierten und es somit zu einem Wettbewerb der Staaten kam anstatt zum Wettbewerb der Wirtschaftsteilnehmer.
So etwas in der Art... und schlimmer. Denn leider sind wir im "Westen" sehr geschichtsvergessen, obwohl wir doch angeblich so viel aus der Geschichte lernen wollen.
Denn Wohlstand für das eigene Volk (und für sich selbst) war immer nur eine Triebfeder der Mächtigen. Die andere Triebfeder war der Wunsch nach Macht. Und "Macht" bedeutete, andere Nationen dominieren zu können.
Andere Nationen zu dominieren ist auf zwei Weisen möglich: Indem man selber stärker wird, etwa durch eine starke Wirtschaft - oder indem man dafür sorgt, dass die anderen Nationen schwächer werden.
Die USA haben es auf die erste Weise geschafft... Russland und China versuchen es auf die zweite Weise. Und was wir hier im Westen nicht wahrhaben wollen, weil wir es uns anscheinend nicht vorstellen können: Der Wille zur Macht über andere Nationen schließt auch ein, die eigene Nation dafür leiden zu lassen. Und die Bevölkerung darauf einzustimmen, dass diese auch bereit dazu sind, zu leiden, wenn nur die Gegner dafür auf ihre Plätze verwiesen werden und die eigene Nation triumphiert.
Das erleben wir gerade in Russland. Die Priorität für den Großteil der russischen Bevölkerung ist es nicht, in Frieden und Wohlstand zu leben. Die Priorität besteht darin, über die Ukraine und den Westen zu triumphieren. Und es ist zu erwarten, dass China den gleichen Weg gehen wird... denn angesichts der Überproduktion steht die chinesische Wirtschaft vor dem Kollaps. Da wird man also auch demnächst auf "Macht über Wohlstand" umschwenken... und die Bevölkerung genau darauf einstimmen.
Sowohl Russland wie auch China haben das Geld, mit dem sie ihr Militär finanzieren, vom Westen erhalten. Was bedeutet, dass sie allein kaum dazu in der Lage gewesen wären, überhaupt zur Großmacht aufzusteigen. Aber sie konnten es ausnutzen, dass der Westen nur wirtschaftliche Erfolge im Sinn hat... und deshalb im wahrsten Sinne "gekauft" werden kann. Die billige Produktion in China war zu verlockend, genau wie das russische Öl... wen genau man da finanziert hat spielte keine Rolle. Unsere eigene Gier hat uns in die Falle geführt.
Die USA gehen einen etwas anderen Weg... indem sie plötzlich alle Hemmungen fallen lassen. Das ist ehrlich, aber dieser Raubtierkapitalismus wird den USA auf Dauer massiv schaden, weil es kein Vertrauen mehr geben wird. Die USA isolieren sich, und das ist es auch, was Trumps Getreue wollen... nur dass Isolation noch nie eine gute Idee war.
Es ist eine recht explosive Mischung, leider... aber das muss nicht so negativ enden, wie es sich jetzt andeutet. Vorausgesetzt, die richtigen Schritte werden getan und die gefährlichsten Akteure wie China und Russland werden eingehegt. Das wird aber nur funktionieren, wenn auch militärische Optionen erwogen werden, die so massiv sind, dass Russland und China sich keine Erfolge mehr davon versprechen können.
Nur mal so mein persönlicher Stand der Dinge, so wie ich es momentan wahrnehme...
Der Wille zur Macht über andere Nationen schließt auch ein, die eigene Nation dafür leiden zu lassen. Und die Bevölkerung darauf einzustimmen, dass diese auch bereit dazu sind, zu leiden, wenn nur die Gegner dafür auf ihre Plätze verwiesen werden und die eigene Nation triumphiert.
(...)
Und es ist zu erwarten, dass China den gleichen Weg gehen wird... denn angesichts der Überproduktion steht die chinesische Wirtschaft vor dem Kollaps. Da wird man also auch demnächst auf "Macht über Wohlstand" umschwenken... und die Bevölkerung genau darauf einstimmen.
Frei nach dem Motto: "Egal, ob es uns schlecht geht - Hauptsache, den Andern geht es noch schlechter!"
Und für die Mächtigen bedeutet das: So lange es den Menschen in Maßen schlecht geht (aber nicht zu sehr schlecht), sind sie bereit, zusammen zu rücken und den Vorgaben der Staatsführung zu folgen (das erlebten die Deutschen bekanntlich in 2 Kriegen).
@lucan-7 angesichts der Überproduktion steht die chinesische Wirtschaft vor dem Kollaps.
Wie dies?
Dies war zwar eine Aussage von Lucan-7, aber ich gebe gern auch meinen Senf dazu.
Eigentlich ist es recht einfach: die chinesische Wirtschaft wurde quantitativ dermaßen hochgepusht, dass sie viel mehr produzieren kann als sie zu auskömmlichen Preisen absetzen kann. Das gilt für China national als auch für den Weltmarkt.
Aber um die Menschen in China zu beschäftigen und zu ernähren, muss sie auch viel produzieren.
Wenn sich die Ware aber zu kostendeckenden Preisen nicht vermarkten lässt und quasi "verramscht" wird, dann drohen Insolvenzen. Also muss der Staat eingreifen, was er auch tut. Und zwar in wohl keinem anderen Land (außer Russland u.dergl.) so stark wie in China.
Dazu kommt die Altersfrage. Hier kaum beachtet - aber China muss mit den Problemen einer überalterten Bevölkerung fertig werden - stärker als in den meisten anderen Industrieländern. Und gleichzeitig muss China mit dem Problem fertig werden, dass es zwar eine Schicht sehr gut verdienender Leute gibt, die ihren Wohlstand auch gern zur Schau stellen - daneben aber (besonders in ländlichen Gegenden) bitterste Armut am Existenzminimum.
@bepe0905 Wenn sich die Ware aber zu kostendeckenden Preisen nicht vermarkten lässt und quasi "verramscht" wird, dann drohen Insolvenzen. Also muss der Staat eingreifen, was er auch tut.
Ja - und? Das bedeutet nicht, dass die Wirtschaft "zusammenbricht".
Dazu kommt die Altersfrage. Hier kaum beachtet - aber China muss mit den Problemen einer überalterten Bevölkerung fertig werden - stärker als in den meisten anderen Industrieländern.
Ja - das ist eine der Spätfolgen der 1-Kind-Politik, aber auch (und das wird meist bei der Betrachtung unter den Tisch fallen gelassen) des pseudo-sozialistischen Turbo-Staats-Kapitalismus, in welchem junge Leute sich entscheiden müssen zwischen Karriere und Familie.
Übrigens wird ja gemeinhin die Problematik einer überalterten Gesellschaft darin gesehen, dass immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, um die gesellschaftlich notwendige Arbeit zu leisten. Die Überproduktion in China, von der Lucan sprach, deutet allerdings darauf hin, dass sehr wohl noch genügend Arbeit geleistet werden kann. Auch die Überalterung ist also volkswirtschaftlich erstmal nur insofern ein Problem, wie es im kapitalistischen Zusammenhang auftritt: primär wird nicht die Arbeit geleistet, die gesamtgesellschaftlich notwendig wäre, sondern die, welche den Kapitalisten die höchsten Renditen verspricht.
Ich persönlich denke ja, dass die Überalterung der Gesellschaften überall in den Industrienationen das basalere Verteilungs-Ungerechtigkeitsproblem stetig weiter sichtbar machen wird. China wird davon ebenso getroffen wie wir hierzulande auch. Überlege mal: unsere exportorientierte Wirtschaft lenkt ja die Arbeitsproduktivität auch auf Bereiche, wo sie gesamtgesellschaftlich nicht notwendig ist: die Autos, die (bis vor Kurzem noch 😉 ) in China verkauft werden, braucht hierzulande niemand...
Entsprechend vermute ich, dass eine autoritär gelenkte Gesellschaft wie China mit den Verwerfungen, welche die demografische Entwicklung so mit sich bringen wird, leichter zurecht kommen wird als unsere (noch) freiheitlicher verfasste Gesellschaft.
Ja - über kurz oder lang wird als Folge der KI-Disruption das kapitalistische Wirtschaftssystem zusammenbrechen*, aber wenn es soweit ist, geschieht es global. In China wie hier bei uns oder in den USA. Überproduktion in exportorientierten Bereichen wird dafür nicht der Grund sein, jedenfalls nicht in China (wenn ich so auf unsere Abhängigkeit vom Auto-Sektor schaue, mag ich mich hinsichtlich der Stablitität des deutschen Wirtschaftssystems nicht ebensoweit aus dem Fenster lehnen).
*Weil seine Grundlage die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft ist, die eben wegfallen wird, sobald menschliche Arbeit demnächst nicht mehr konkurrenzfähig ist. An anderer Stelle hatte ich das schon ausführlicher dargelegt.
@bepe0905 Ich habe mich zu der Situation in China in den letzten Wochen schlau gemacht.
China war ja schon lange die "Werkbank der Welt". Sie lieferten in der Lieferkette anfangs nur technologisch sehr einfache Teile, die dann in der Wertschöpfungskette weiter oben in den westlichen Staaten zu den größeren Gewinnen führten.
China hat sich aber aus dieser Situation befreit, indem man überall in der Welt versucht hat, zu lernen, wie man auch die ganz komplexen Dinge macht. Und das hat man sehr intensiv betrieben. Ich habe neulich von Gunther Dueck gehört, wie der Smartphone Konzern Xiaomi es hinbekommen hat, quasi aus dem Nichts eines der besten Autos der Welt zu bauen. Dabei baut ein Arbeiter bei Xiaomi 3 Autos, wenn der Arbeiter bei VW 2 Autos baut - nur um mal das Verhältnis der Produktivität des einzelnen Mitarbeiters zu betrachten. Interessant wird es, wenn man dabei darauf achtet, was für Arbeiter Xiaomi eingestellt hat. Der Bereich Forschung und Entwicklung ist dabei genau so stark vertreten wie der Bereich der Produktion, denn die eigentliche Produktion findet in dunklen Fabriken statt - Fabriken ohne Menschen drin.
Und wenn man dann sieht, wie viele Menschen dafür sorgen, dass die Autos von Xiaomi immer besser werden und das mit F&E bei deutschen Herstellern vergleicht, dann ahnt man vielleicht, dass der 10-Jahres Vorsprung von China bei der Produktion von e-Autos tendenziell eher nicht kleiner wird, sondern noch rasant wächst.
China baut überall auf der Welt an neuen Seidenstraßen, auf denen man die Produkte in alle Welt tragen will. Soweit eine gute Idee. China hat viel Geld verdient in seiner kapitalistischen Phase und dieses Geld wurde sich angelegt. Viele Schuldnerländer, in die Geld verliehen wurde, haben sehr, sehr viele Rohstoffe. Clever gemacht.
Und nun das Problem fehlender marktwirtschaftlicher Elemente:
China hat sich in der Produktion voll auf Solarenergie und e-Autos versteift. Man hat dabei so viel produziert, dass man es nicht schafft, die Produkte loszuwerden. Weil die Chinesen selbst die fragile Natur ihres Wohlstands erkennen, sparen sie lieber ihr Geld als Autos oder Solaranlagen zu kaufen. Und im Ausland haben viele kein Interesse an chinesischen Autos, weil die Ersatzteilversorgung unsicher ist oder zumindest nicht geplant und organisiert scheint. Dazu kosten die Autos so viel wie die westlicher Hersteller. Vermutlich ist das vom Wert der Fahrzeuge sogar berechtigt. Aber ich kaufe mir kein Auto für 40.000 EUR, wenn ich mir nicht sicher bin, dass es beim nächsten kleineren Blechschaden als Totalschaden dasteht. Autos erfordern ein System professioneller Betreuung - und das können die Chinesen aktuell nicht liefern.
Dann gibt es eine Trennung zwischen lokaler Wirtschaft und Wirtschaften auf Staatsebene. Dabei ist das Wirtschaften auf Staatsebene wichtiger angesiedelt. Man baut da Prestigeprojekte, Eisenbahnen, Straßen etc. Und auf jeder Ebene des Wirtschaftes mangelt es an marktwirtschaftliche Überlegungen. Auf der lokalen Ebene wird gebaut wie blöd. Häuser, die am Ende niemand bezahlen kann und die daher nie fertig werden. Und das sind keine kleinen "Häusle" sondern gigantische Wolkenkratzer - komplett am Bedarf vorbei.
Auf staatlicher Ebene sieht es nicht viel besser aus. Eins vorweg: Es ist eindrucksvoll, was China wirtschaftlich leistet! Aber es wäre oft besser, man hätte sich vorher überlegt, ob die Sachen jemand braucht. Ein Beispiel: Eine an sich entlegene Stadt wird ans Hochgeschwindigkeitsnetz der Stadt angebunden. Und die Züge in China sind der Wahnsinn - in positiver Weise. Da ist unser Schienenverkehr ganz, ganz weit davon entfernt. Aber diese Züge sind teuer und so sind es die Tickets. Die Idee der Anbindung eines entfernteren Zentrum (dem man so vielleicht etwas mehr Wachstum gönnen wollte) scheitert, wenn die Passagiere die Tickets nicht zahlen können. Ein Fehlen marktwirtschaftlicher Gedanken.
So wurde ganz viel wirtschaftliche Kapazität einfach mal so Planwirtschaftlich vor die Wand gefahren und trotz höchst entwickelter Technologie und modernster Produktionseinrichtungen fehlt in China das Geld. Man muss wohl schon die Rentensysteme missbrauchen, um noch die Zahlungen für Polizei, Krankenhäuser etc. aufrecht zu erhalten. Die junge Generation verliert mehr und mehr die Perspektive auf die Zukunft. Ihr Protest äußert sich in einem "Abliegen". Sie legen sich einfach irgendwo in die Landschaft und rühren sich nicht.
Das ist ein Trauerspiel. Man hat so viel richtig gemacht und droht doch zu scheitern. Dabei könnten Solarpanel und e-Autos überall auf der Welt die Energiewende so gut vorantreiben!
Als kleiner Nachtrag: Eben höre ich einen interessanten Impulsvortrag von Jack Ma, dem Begründer von Alibaba.com
https://www.youtube.com/watch?v=DRhrLU7QYjw
Er zeigt die Perspektive von China da, die auf Kontrolle der Welt abzielt. Die von mir bereits in meinem ersten Beitrag angesprochenen Erfolge China, werden da in den Zusammenhang gebracht.
Wenn westliche Firmen auf Quartalszahlen schauen, denkt China in 50 Jahre Abschnitten.
China hat weltweit Häfen und Straßen und Pipelines gekauft und gebaut. Sie besitzen Infrastruktur und damit Kontrolle über weltweite Wirtschaft. Dazu gehört auch das Banksystem, wo die digitale Währung, die den Dollar ersetzen kann und die mit vielen Kontrollmöglichkeiten daher kommt, ist bereit den Dollar zu ersetzen.
China wird langsam übernehmen - und sie machen es still und eines Tages wird das deutlich und sie kontrollieren die Welt. Sie sind technologisch auf vielen Bereichen führend. Bei ihnen findet die Innovation statt.
China wird essenziell. Sie kontrollieren die Logistik und die Produkte oder zumindest essenzielle Teile, ohne die nichts geht.
China wird das Zentrum der Welt und sie haben alles, was sie dafür brauchen. Sie haben es über Jahrzehnte aufgebaut.
Er betont dabei immer wieder, dass der Westen es China leicht gemacht haben, weil sie sich gegenseitig bekämpft haben, weil ein Augenmerk darauf gelegt wurde, dass keiner zu groß wird und man sich in Konkurrenzkämpfen selber im Weg gestanden ist. Man glaubt noch an den Erfolg militärischer Kriege, von Sanktionen.
Wir werden uns an das chinesische System anschließen müssen, wenn wir nicht kollabieren wollen. Unser Finanzsystem wird uns keine Sicherheit bieten, weil es ein fragiles System ist, das zu zerbrechen droht. Wer sich anpasst, wird überleben.
Das ist mal eine ganz freie Übertragung. Ich denke, die Idee dahinter, kommt auch in meinen Worten rüber.
Insgesamt für jemanden, der Englisch versteht, ein sehr verständlicher und auch lehrreicher und inspirierender Vortrag.
Für jemanden, der Chinas Perspektive verstehen will und das Englische versteht, eine absolute Empfehlung!
@chai @goodfruit Und wie bewertest Du das aus Sicht des Glaubens?
Schwierig ...
Zunächst einmal habe Hochachtung vor dem, was China geschaffen hat. Sie haben sich immer als eine führende, vielleicht sogar die einzig führende Kultur gesehen. Sie sind durch Phasen gegangen, wo das ganz anders aussah - aber sie haben sich wieder gefangen, haben wieder Boden unter die Füße bekommen und sind gleich angefangen, mit großer Perspektive die Dinge zu entwickeln. Wobei man sagen, muss, dass viele große Dinge erst in den letzten Jahren geschaffen wurden.
China agiert in riesigen Zeitdimensionen. Sie tun das planvoll - besser gesagt: sie tun es strategisch wohlüberlegt. Es gibt eine Sammlung alter Kriegslisten, auch Strategeme genannt, die eine Idee davon geben, wie China mit Mitspielern auf dem globalen Schachbrett umgeht. Letztendlich finde ich das Ziel, andere zu unterjochen nicht gut - auch aus christlicher Sicht.
Aber wenn ich auf westliche Staaten schaue, die vorgeben "christlich" zu sein, dann sieht das nicht viel besser aus. Da werden aus einer Dominotheorie heraus die Eliten eines ganzen Kontinents über dem Meer verklappt, da werden die Behausungen der Ärmsten der Armen einfach mit dem Bulldozer und mit Feuer platt gemacht - und das alles, wo gleichzeitig eine WM in einem der Länder läuft und die Welt in die richtige Richtung, aber an den wesentlichen Dingen vorbeischaut. Mir hat das den Fußball madig gemacht - oder Großereignisse generell. Sicher war das auch "strategisch" - aber halt um Klassen brutaler, verdorbener.
Ich finde es an sich nicht schlimm, an ein funktionierendes System einer Großmacht angeschlossen zu sein. Allerdings muss man sich der Dimensionen der Kontrollmöglichkeiten bewusst sein. Du benimmst Dich ihnen gegenüber nicht genehm? Oh, die Ersatzteile für Dein Fahrzeug sind leider nicht lieferbar - und das kann sich durchaus noch Jahre hinziehen. Deine IT spinnt grad total. Leider gibt es niemanden, der Dir bei der Reparatur helfen könnte. Tja, da wird es wohl nicht mit dem fristgerechten Fertigwerden des Auftrags. Und glaubst echt, Du würdest noch einmal einen Auftrag bekommen?
Der Missbrauch solcher Macht kann Menschen das Leben zur Hölle machen. Vielleicht hat China da eine Reife, die wir woanders heute bedauerlicherweise nicht mehr erwarten können.
Die Freiheit ist dann halt futsch. Was nicht schlimm ist, wenn es nur noch eine Pseudofreiheit ist, die gegen volle Kontrolle ersetzt wird.
Wie gesagt; wenn es gut funktioniert, wird man darin leben können.
Als Christ ist es wichtig, dass ich mir immer bewusst mache, dass Gott mein Versorger ist und ich mir daher keine Sorgen zu machen brauche. Und Gott wird das auch in einem chinesisch dominierten System können.
Was die heilsgeschichtliche Dimension angeht, so sehe ich die Bedeutung der Offenbarung anders als wie viele. Die Offenbarung hätte an sich längst vollumfänglich geschehen sein sollen. Es waren das Worte in die Erwartung eines nahen Endes hinein. Generell wird aber der Aufstieg und der Fall eines totalitären Systems gut beschrieben. Und das hat die Menschheit jetzt schon öfter erlebt.
Chinas System ist zweifelsohne sehr zentralistisch. Aber es muss nicht unbedingt hart totalitär sein. China ist sich seiner Kultur bewusst, aber ich halte es für reif genug, dass es andere Kulturen nicht unbedingt zerstören und durch die eigene ersetzen muss. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass Religionsausübung weiterhin möglich sein wird. Und wenn das so ist, dann kann China wirklich eine Supermacht sein, die nicht zwangsläufig dem in der Offenbarung beschriebenen Aufbau und Verfalls einer Diktatur folgen muss, sondern ganz lange und nachhaltig seine Stellung halten wird.
Wie dies?
Ich habe das jetzt schon eine Weile verfolgt. Das Problem ist nicht nur die Überproduktion, sondern auch die Tatsache, dass China keine echte Marktwirtschaft hat, sondern Ziele vorgegeben werden. Etwa im Immobilienbereich: Private Baugesellschaften hätten sich ja zuvor abgesichert, ob gebaute Immobilien auch tatsächlich abgesetzt werden können. Das wurde aber ignoriert, weil man mit den Immobilien zumindest auf dem Papier Werte schaffen und so wirtschaftliche Erfolge vermelden konnte. Nur dass am Ende gar nicht genug Käufer da waren.
Daraufhin gingen etliche Baufirmen pleite - und viele Leute mussten Bankkredite abbezahlen für Wohnungen, die nie fertiggestellt wurden.
Mit der jetzigen Überproduktion entsteht jetzt das Problem, dass viele Produkte nicht mehr zu den Preisen verkauft werden können, die noch einen Gewinn erwirtschaften würden. Europa wird nicht zulassen, dass die Märkte mit Billigprodukten geflutet werden. Also droht Firmen jetzt die Pleite.
Übrigens wird ja gemeinhin die Problematik einer überalterten Gesellschaft darin gesehen, dass immer weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, um die gesellschaftlich notwendige Arbeit zu leisten. Die Überproduktion in China, von der Lucan sprach, deutet allerdings darauf hin, dass sehr wohl noch genügend Arbeit geleistet werden kann.
Ja... jetzt. Aber dieser Trend wird sich bald umkehren. Wobei das weniger ein Problem der Arbeitskräfte, sondern der Struktur ist.
@lucan-7 Ich habe das jetzt schon eine Weile verfolgt.
Ich auch. Bisher stieg das BIP Chinas stetig, mit eim einen ganz kleinen Dämpfer nach der Corona-Krise (2022: 18,3 Billionen, 2023: 18,27 Billionen). Im Jahr 2024 stiegt es schon wieder auf 18,74 Billionen und für dieses Jahr werden über 19,2 Billionen erwartet. Das sieht mir nicht nach Zusammenbruch aus.
Die chinesische Immobilienkrise habe ich auch mitgekriegt, aber Blasen entstehen in China wie in anderen Ländern immer mal wieder. Denke z.B. an unsere Krise von 2008.
Daraufhin gingen etliche Baufirmen pleite - und viele Leute mussten Bankkredite abbezahlen für Wohnungen, die nie fertiggestellt wurden.
Und dennoch ist das BIP gestiegen. Verstehe mich nicht falsch: ja, in bestimmten Segmenten der Wirtschaft Chinas gibt's Probleme. So, wie bei uns. Oder in den USA. Immer wieder mal gehen Firmen pleite. Und gerade im Immobiliensektor kommt es fast schon regelmäßig zu heftigen Schwankungen. Beispiel aus eigener Erfahrung: Meine Mutter, die all ihr Geld "sicher" angelegt hat, wendete sich letztes (oder war es schon vorletztes? Müsste ich jetzt nachgucken: ah ja, letztes Jahr! ) Jahr an mich, weil der Immobilienfond, der ihr von dem Anlageberater ihrer Volksbank so an's Herz gelegt hatte, plötzlich mal eben so über Nacht um 17 Prozent abgestürzt war - was sie freilich erst ein paar Wochen später überhaupt mitkriegte, als in ihrer Depot-Übersicht, die sie von UI regelmäßig zugeschickt bekommt, über zwanzigtausend Euro weniger standen als erwartet. Sie dachte, da sei was gestohlen worden. Auch ich konnte mir das nicht erklären und rief dann bei ihrer Bank an, wo natürlich ihr üblicher Berater gerade im Urlaub war und der Fredel, der ihn vertrat, völlig überfordert damit war, mir nicht nur zu erklären, warum der Kurs des Fonds so gefallen war (das war ja nicht so schwer zu verstehen, wenn man die entsprechenden Informationen bekam), sondern mir zu erkläutern, ob es jetzt sinnvoll sei, dieses Papier zu halten oder eben nicht doch lieber abzustoßen. Er warnte davor, immerhin könne der Kurs sich wieder erholen und wenn man nun den Verkaufsauftrag gebe, der aber erst in einem Monat (oder sogar am Jahresende?... Keine Ahnung, ist schon ein Jahr her das Gespräch) getätigt werden könne, werde man vermutlich zum tiefsten Kurs verkaufen... Ich ließ mich beschwatzen (war ja eh nicht mein Geld, sondern dass meiner "risikoscheuen" Mutter...), und sehe gerade, dass der Fredel halt Müll erzählte: der Kurs hat sich keineswegs wieder erholt, sondern liegt heute noch tiefer.
Das ist jetzt nur ein Beispiel aus jüngster Zeit. Wenn nun also mal ein paar (durchaus große, das will ich gar nicht abstreiten) Baufirmen in China pleite gehen und das natürlich seine Auswirkungen im Umfeld hat, dann ist das bedauerlich für die Beteiligten. Aber Chinas Wirtschaft bricht deswegen eben nicht zusammen.
Mit der jetzigen Überproduktion entsteht jetzt das Problem, dass viele Produkte nicht mehr zu den Preisen verkauft werden können, die noch einen Gewinn erwirtschaften würden.
Ja. Und? Dann muss eben umstrukturiert werden. Warum sollten die Chinesen das zukünftig nicht mehr hinkriegen? In den letzten paar Jahrzehnten hat man so einiges aus China mitgekriegt - dass sie sich neuen Bedingungen nicht anzupassen wüssten, habe ich zumindest nicht mitgekriegt, ganz im Gegenteil: Es geht in China alles sehr, sehr schnell, auch die Strukturumstellung. So sind sie z.B. inzwischen nicht mehr die billige Werkbank der Welt - die Massenherstellung von Billigprodukten wird mehr und mehr in die Nachbarstaaten ausgelagert. Die Waren also, die inzwischen in China produziert und dann exportiert werden, können nicht mal eben so woanders in der Welt zusammengedengelt werden. Weswegen ich damit:
Europa wird nicht zulassen, dass die Märkte mit Billigprodukten geflutet werden.
vorsichtig wäre. Was will Europa tun, beispielsweise hinsichtlich billiger Solarpanels? Die selbst herstellen? In Teilen der High-Tech-Industrie ist China inzwischen (neben den USA) führend, und wenn die EU nun die Zollschranken gegen China hochfahren sollte, weil: wenn Trump das kann, können wir das auch! - wird das vor allem mal dazu führen, dass wir uns damit ein Inflationsproblem schaffen.
Darüber hinaus sollte man sich klar machen, dass der chinesische Binnemarkt gigantisch ist und neben den USA und der EU noch ein paar andere Märkte existieren, Stichwort BRICS.
Übrigens muss auch hinsichtlich dieser Thematik die KI-Angelegenheit immer mitgedacht werden. Die "Flexibilität", auf die wir Martkwirtschaftsjünger hierzulande uns immer soviel eingebildet haben im Vergleich zu der in die Irre tappenden Planwirtschaft war in der Vergangenheit sicher ein Standortvorteil. Aber China ist auch bei der KI-Forschung weit vorn und eine der Stärken von KI ist z.B. die Chart-Analyse. Zukünftige Chancen und Risiken in volatilen Märkten zu bewerten - das wird man schon bald vermutlich der KI überlassen, und entsprechend wird die Planlosigkeit der Planwirtschaft in der Zukunft immer weniger ein entscheidender Faktor sein. Sowas wie die Immobilienkrise ist im China der nächsten Jahrzehnte deutlich weniger wahrscheinlich anzunehmen. Tatsächlich vermute ich persönlich, dass autoritäre und zentralistische Systeme deutlich mehr von den Vorteilen durch KI profitieren könnten als unsere "freie" Gesellschaft.
Ich auch. Bisher stieg das BIP Chinas stetig, mit eim einen ganz kleinen Dämpfer nach der Corona-Krise (2022: 18,3 Billionen, 2023: 18,27 Billionen). Im Jahr 2024 stiegt es schon wieder auf 18,74 Billionen und für dieses Jahr werden über 19,2 Billionen erwartet. Das sieht mir nicht nach Zusammenbruch aus.
Das wurde aber unter anderem so berechnet wie ich es bereits erwähnt hatte: Die zahllosen Immobilien waren der Haupttreiber dieses Wachstums, weil sie auf dem Papier eine "Wertschöpfung" darstellten, die aber der Realität nicht standhielt, weil der Bedarf gar nicht da war.
Das ist so ähnlich wie das BIP Russlands, das ja auf dem Papier auch recht gut aussieht... aber in der Realität vor allem auf die Rüstungsindustrie zurückzuführen ist. Und die betreibt ja keine Wertschöpfung im engeren Sinne... was da produziert wird ist wenige Wochen später zerstört oder verbraucht. Und die staatlichen Reserven halten das Ganze am Laufen - so lange es noch welche gibt.
Die chinesische Immobilienkrise habe ich auch mitgekriegt, aber Blasen entstehen in China wie in anderen Ländern immer mal wieder. Denke z.B. an unsere Krise von 2008.
Ja, aber die Gründe sind nicht dieselben. Hierzulande entstehen Blasen durch Fehlspekulationen, Betrug einzelner Firmen oder zu große Gier.
In China steckt aber der Wurm im System, weil die Wirtschaft nicht unabhängig vom Staat agiert, aber natürlich den gleichen Regeln unterliegt wie bei uns. Und wenn man staatliche Vorgaben macht, wie etwas zu laufen hat, dann ziehen sich Fehler durch die ganze Wirtschaft, und nicht nur durch einzelne Firmen. Wenn Vorgaben erfüllt werden sollen, dann gilt es, diese Vorgaben auf dem Papier zu erfüllen - nicht unbedingt in der Realität. Wenn man sich alles schön rechnet und Immobilien nicht nach dem tatsächlichen Marktwert berechnet, dann entstehen Blasen. Und wenn Kommunen dann beispielsweise Einkünfte durch Landverkauf erzielen, und die gleichen Einkünfte auch für die kommenden Jahre prognostizieren, obwohl gar kein Land mehr da ist, das verkauft werden könnte - dann entsteht die nächste Blase.
Ja. Und? Dann muss eben umstrukturiert werden. Warum sollten die Chinesen das zukünftig nicht mehr hinkriegen? In den letzten paar Jahrzehnten hat man so einiges aus China mitgekriegt - dass sie sich neuen Bedingungen nicht anzupassen wüssten, habe ich zumindest nicht mitgekriegt, ganz im Gegenteil:
Die neue Bedingung sieht aber so aus, dass die Einkommen der Firmen dramatisch sinken, weil der Bedarf viel kleiner ist als angenommen. Das ist ja jetzt beim Autohersteller BYD genau dasselbe wie es beim Immobilienriesen Evergrande vor ein paar Jahren war. Und das zeigt eben den Fehler im System. Es gilt nicht Angebot und Nachfrage, sondern staatliche Vorgaben.
Und da ist die Frage, wie viele "Blasen" sich China eigentlich leisten kann. Zumal sie gleichzeitig so viel ins Militär investieren wie nie zuvor... und das hat bekanntlich keinen wirtschaftlichen Nutzen und bringt keinen Mehrwert, so lange es nicht eingesetzt wird. Und auch dann ist der Nutzen erst mal nicht vorhanden...
Zukünftige Chancen und Risiken in volatilen Märkten zu bewerten - das wird man schon bald vermutlich der KI überlassen, und entsprechend wird die Planlosigkeit der Planwirtschaft in der Zukunft immer weniger ein entscheidender Faktor sein
Auch die beste KI kann nicht vorhersagen, wie es die USA nach Donald Trump mit den Zöllen handhaben werden und wie es in dem Land überhaupt weitergeht... oder wie sehr Europa eine Reindustrialisierung startet, um sich von China unabhängiger zu machen.
Denn dafür fehlt die Datengrundlage.
Guten Morgen,
Ja ich habe da schon Ängste. Auch wegen meinen Kindern.
Deutschland spielt dieses Spiel ja nicht ganz so mit, deshalb kann es dieses - aber auch nicht gewinnen.
Es sind dazu andere Dinge die mir Sorgen machen. Es ist geplant den halben Haushalt in Rüstung zu stecken - das ist mit einem Anspruch an Sozialstaat wie er bisher in Deutschland war, nicht machbar.
Dazu kommen extreme Kosten der Energiewende, extreme Überalterung, BrainDrain...wo soll das hinführen. Ich fürchte das die Lebensrealität sich der USA angleichen wird, gibt es keine Kurskorrektur. Nichts erstrebenswertes.
Die anderen Dinge, die extreme Sekularisierung ist als Christ auch nicht gerade berauschend.
Die anderen Dinge, die extreme Sekularisierung ist als Christ auch nicht gerade berauschend.
Ja, das ist eine bedauerliche Entwicklung. Ich möchte sie aber nicht nur auf eine (echte oder gefühlte) Säkularisierung beziehen, sondern auf einen ganz allgemeinen Verlust von Werten. OK - das haben die Philosophen im alten Griechenland auch schon getan, aber heutzutage scheint es tatsächlich so zu sein.
In unserer Ausbildung wurde beispielsweise noch das Bild des "ehrbaren Kaufmanns" hochgehalten (wie bei den Buddenbrooks).
Wieweit es tatsächlich praktiziert wurde (oder ob es als ein eher unerreichbares Ideal galt) sei mal dahingestellt. Aber ob in geschäftlichen Verhandlungen zwischen Unternehmen oder ganz allgemein in der Politik gab min sich freundlich, rücksichtsvoll, einander zugewandt - während ich heute den Eindruck habe, dass eigene Ziele mit ungebremstem Egoismus geradezu provozierend offen zur Schau gestellt werden und Geschäfts- und Verhandlungspartner nach durch den Stärkeren dem Motto "Friss oder stirb" behandelt werden.
Aber dies alles betrifft vorrangig den Umgang miteinander, und ganz besonders auf der politischen und wirtschaftlich "höheren" Ebene. Die anderen Probleme, die in dieser Dichte in den letzten 50 Jahren nicht so aufkamen, wurden bereits von dir geschildert. Eigentlich ein Versagen der Politik (oder der politisch Verantwortlichen) in den letzten Jahren: Investitionsstatus im Verkehr, in der Bauunterhaltung, in der Bildung, auch in der Verteidigung, Reformstau im Gesundheitswesen, in der Bildung, in den Behörden, in der Rentenpolitik... und nun scheint uns das alles um die Ohren zu fliegen und nur noch mit gewaltigen Schulden zu lösen sein.
Um die zu erwartende Lebensqualität meiner Enkel mache ich mir tatsächlich Sorgen.
OK - das haben die Philosophen im alten Griechenland auch schon getan, aber heutzutage scheint es tatsächlich so zu sein.
2500 Jahre und 80 Generationen später: "Ja... also jetzt... jetzt ist es wirklich so weit! Jetzt sind die Werte endgültig flöten!"
Nö... es ist nur ein wenig anders. Und wenn ich mir die Werte der vergangenen Generationen so anschaue... dann ist hier und da auch echt gut und richtig, dass wir das nicht übernommen haben!
Wieweit es tatsächlich praktiziert wurde (oder ob es als ein eher unerreichbares Ideal galt) sei mal dahingestellt. Aber ob in geschäftlichen Verhandlungen zwischen Unternehmen oder ganz allgemein in der Politik gab min sich freundlich, rücksichtsvoll, einander zugewandt - während ich heute den Eindruck habe, dass eigene Ziele mit ungebremstem Egoismus geradezu provozierend offen zur Schau gestellt werden und Geschäfts- und Verhandlungspartner nach durch den Stärkeren dem Motto "Friss oder stirb" behandelt werden.
War früher auch nicht anders. Ich sage nur: Kolonialismus.
Um die zu erwartende Lebensqualität meiner Enkel mache ich mir tatsächlich Sorgen.
Möglicherweise zu Recht. Aber deren Enkel dürfte es wieder besser gehen... was auch für deine Enkel ein Hoffnungsschimmer sein dürfte...
OK - das haben die Philosophen im alten Griechenland auch schon getan, aber heutzutage scheint es tatsächlich so zu sein.
Es gab immer wieder Wertewandel, mindestens einige der alten Philosophen haben sich zu Recht beklagt (100 Jahre später war die Athener Demokratie Geschichte, es herrschten die Makedonen). Aber langfristig ist das ein Auf und Ab.
Manches, was von Zeitgenossen als Verfall gesehen wurde, hat die nächste Generation als Fortschritt gefeiert.
Es kommt eben darauf an, welchen Maßstab man anlegt. Und oft gibt es gleichzeitig Änderungen zum Guten und andere Veränderungen zum Schlechten.