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Sollte die Kirche sich einmischen?

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Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

im letzten "Wort zum Sonntag" im ARD wurde ein interessanter Gesichtspunkt aufgegriffen: sollte die Kirche sich überhaupt in Gesellschaftsthemen und in die Politik einmischen?
Oder sollte sie sich da raus halten und sich auf ihre Hauptaufgabe, - der Verkündigung des Wortes Gottes - konzentrieren?
Aktuell wäre jetzt ja gerade die Anschaffung und Betreuung eines Schiffes zur Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer zu nennen und die Beteiligung an Demonstationen zur Klimarettung.

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66 Antworten
Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Parallel läuft gerade ein thread, in dem es um William Booth, den Gründer der Heilsarmee geht.

Er ist ein sehr prominentes und wichtiges Beispiel dafür, dass Glaube und Diakonie eng miteinander verbunden sind und auch sein müssen.
Damit geht einher, auf gesellschaftliche Misstände hinzuweisen und sich auch einzumischen, wenn man möchte, dass alle Menschen das Wort Gottes hören und erfahren dürfen. Denn wer hungert oder um sein Leben fürchten muss, ist dazu gar nicht in der Lage.

Ausserdem ist die Erde und sind alle Menschen Gottes Schöpfung und Geschöpfe, für die wir Sorge zu tragen verpflichtet sind.

Anonymous antworten


billy-shears
Beiträge : 1513
Veröffentlicht von: @draeggsagg

sollte die Kirche sich überhaupt in Gesellschaftsthemen und in die Politik einmischen?
Oder sollte sie sich da raus halten und sich auf ihre Hauptaufgabe, - der Verkündigung des Wortes Gottes - konzentrieren?

Ist denn die Verkündigung des Wortes Gottes nicht bereits eine Einmischung in Gesellschaft und Politik?

billy-shears antworten
3 Antworten
Banji
 Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3583

Ein interessanter Gedanke. Wobei die Kirche die Aufgabe der Verkündigung hat und es dann die Hörer sind, die Predigt und gehörtes Wort dann - ihrer Gaben und Schwerpunktsetzungen - als "Einmischung" umsetzen müssen.

Das kann Engagement für das Klima sein, für Ungeborene, für Menschen in Not, für die Kranken in der Gemeinde, für das Lob Gottes in der Musik pp.

banji antworten
billy-shears
(@billy-shears)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 1513
Veröffentlicht von: @banji

Wobei die Kirche die Aufgabe der Verkündigung hat und es dann die Hörer sind, die Predigt und gehörtes Wort dann - ihrer Gaben und Schwerpunktsetzungen - als "Einmischung" umsetzen müssen.

In den Evangelien und der Apostelgeschichte können wir sehen, wie allein schon die Verkündigung für Aufruhr in Gesellschaft und Politik gesorgt hat.

Veröffentlicht von: @banji

Das kann Engagement für das Klima sein, für Ungeborene, für Menschen in Not, für die Kranken in der Gemeinde, für das Lob Gottes in der Musik pp.

Richtig. Und ergänzend anhand Mt 25,31ff: Für Hungernde und Dürstende, Fremdlinge, Nackte und Gefangene. Und nicht nur die der Gemeinde (V.45).

billy-shears antworten
Banji
 Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3583
Veröffentlicht von: @billy-shears

In den Evangelien und der Apostelgeschichte können wir sehen, wie allein schon die Verkündigung für Aufruhr in Gesellschaft und Politik gesorgt hat.

Es war die Verkündigung des gekreuzigten und auferstandenen Christus, der die Aufruhr verursacht hat, nicht die Diskussion und Verkündigung gesellschaftliche Probleme und Sorgen.

banji antworten
Tojak
 Tojak
Beiträge : 402

Die EKD hat ihre Lektion hoffentlich gelernt.
In der Nazi-Zeit hat sich der damaliger Pfarrer meiner Heimatgemeinde eingemischt. Er hat gegen die Tötung Behinderter gepredigt und ist kurz darauf verhaftet - aus dem Konfirmandenunterricht heraus, mein Vater hat das als Konfirmand miterlebt - und ins KZ Dachau gebracht worden.

Er hat damit zu den wenigen löblichen Ausnahmen gehört. Die meisten haben lieber unauffällig, sich nicht einmischend gepredigt.

Die häufig anzutreffende fromme Weltabgewandheit ist noch während dieser Zeit auch von Dietrich Bonhoeffer kritisiert worden.

Es gibt Menschen, die es für unernst,
Christen, die es für unfromm halten, auf eine bessere irdische
Zukunft zu hoffen und sich auf sie vorzubereiten. Sie glauben
an das Chaos, die Unordnung, die Katastrophe als den Sinn des
gegenwärtigen Geschehens und entziehen sich in Resignation
oder frommer Weltflucht der Verantwortung für das Weiterleben
für den neuen Aufbau, für die kommenden Geschlechter.

Nach dem Krieg kam das sog. Stuttgarter Schuldbekenntnis. Teilzitat:

Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Vor diesem Hintergrund darf man von der EKD erwarten, dass sie sich eher zu viel als zu wenig einmischt, um den gleichen Fehler wie damals kein zweites Mal zu machen. Ich finde das auch richtig.

Thomas

tojak antworten


lhoovpee
Beiträge : 2240

Politisch ja, Parteipolitisch nein
Das ist auch noch ein Aspekt, der zu unterscheiden ist.

lhoovpee antworten
1 Antwort
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0

Parteipolitisch sieht es ja sogar so aus, dass die AfD -eine Partei, die den menschengemachten Klimawandel schlicht ableugnet-, bei allen Wahlen in letzter Zeit immer die höchsten Stimmenzuwächse hat, bis hin sogar zur Verdopplung ihrer Stimmen.

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zorkus
 zorkus
Beiträge : 22

Wenn wir unser Christenleben am höchsten Gebot ausrichten (Gott lieben & den Nächsten wie uns selbst), dann geht es gar nicht anders, als sich einzumischen.

Jesus hat diese Liebe gelebt und entsprechend das Reich Gottes verkündet. In diesem Reich sind Christen "königliche Priester". Jetzt herrschen wir im unsichtbaren Bereich mit Christus zusammen. Als ekklesia (im Griechischen ein Begriff für die politische Versammlung) ehren wir Gott, stärken uns gegenseitig und beten u.a. für die Obrigkeit. Eines Tages wird diese Christus-Herrschaft für alle offenbar werden.

D.h.: Wir haben durchaus ein politisches Verständnis. Unsere Reich Gottes-Politik ist deshalb nicht von dieser Welt, weil sie nicht nach irdischen Aspekten verläuft und im Himmel gegründet ist.

Ja, wir agieren politisch - aber in einem anderen Sinn als es in politischen Systemen dieser Welt üblich ist.
Unser Antrieb sind Gottes Reich und Seine Liebe.

zorkus antworten


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