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Wann sind Migranten integriert?

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Lucan-7
Themenstarter
Beiträge : 29398

Aus aktuellem Anlass und weil ich kürzlich eine entsprechende Diskussion hatte... es ist ja viel von "Integration" die Rede, und jeder meint auch irgendwie zu wissen was damit gemeint ist. Aber wenn es dann konkret wird, wird es trotzdem schwierig.

Ich möchte das mal am Beispiel von "Familie A" erläutern.
Familie A hatte es nicht leicht, sie kommen aus einem fernen, muslimischen Land nach Deutschland. Sie sind dankbar für die Aufnahme und wollen sich hier eine Existenz aufbauen. Und sie sind auch bereit, sich zu integrieren... was immer das auch bedeuten soll.

So besuchen sie selbstverständlich die angebotenen Sprachkurse, um Deutsch zu lernen (allein das wäre für mich schon ein Grund, nicht nach Deutschland zu ziehen, aber was tut man nicht alles...).

Die Eltern suchen sich Arbeit und nehmen an, was sie finden können. Die Kinder gehen auf eine deutsche Schule, mit dem Ziel hier eine Ausbildung zu machen.

Sprich: Die ganze Familie gibt sich redlich Mühe.
Aber wann genau sind sie denn "integriert"?

Deutsch lernen, Arbeit, Schule... reicht das schon?
Oder muss da nicht noch mehr kommen?

Brauchen sie deutsche Freunde? Müssen sie konvertieren? Schwarzwälder Kirschtorte und Schweineschnitzel essen? Fussball schauen? Kopftuch abnehmen? Schlager hören?

Wann genau kann man sagen, dass eine Familie hierzulande wirklich "integriert" ist?
Was genau muss da passieren?

Bonusfrage: Sind eigentlich alle hier lebenden Deutschen "integriert"?

Antwort
144 Antworten
MrOrleander
Beiträge : 2444

Zur ersten Übersicht vielleicht hilfreich: https://de.wikipedia.org/wiki/Akkulturation

Veröffentlicht von: @lucan-7

Deutsch lernen, Arbeit, Schule... reicht das schon?

Das sind drei Elemente, die Integration erheblich vereinfachen, gepaart mit dem Wunsch, sich mit der umgebenden fremden Kultur aktiv auseinander zu setzen.
Auf der anderen Seite muß es dem Fremden auch erlaubt sein, sich zu integrieren. Perfekte Sprachkenntnisse oder Einser-Abi helfen nichts, wenn wer wegen seiner 'falschen' Hautfarbe angefeindet wird. Es ist ein Prozeß, der beiden Seiten etwas abverlangt, für den Fremden allerdings erheblich belastender ist.

Vermutlich hat jeder ein Verständnis davon, was Integration sogar für Deutsche in Deutschland bedeutet, wenn er zum ersten Mal in seinem Leben von der Stadt auf's Land oder von einem Dorf in Bayern in ein Dorf in Niedersachsen gezogen ist. Freude am Oktoberfest wird mir in Bensersiel keine Pluspunkte bringen, Offenheit und Kontaktfreude dagegen schon.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Bonusfrage: Sind eigentlich alle hier lebenden Deutschen "integriert"?

Es gibt eine Bandbreite. Wer die Werte und Normen unserer Gesellschaft akzeptiert, aber davon abgesehen ein einzelgängerisches Leben führt, ist vermutlich weniger integriert, als der kontaktfreudige Vereinsmensch. Damit kommt eine Gesellschaft aber ganz gut klar.
Bei notorischen Gesetzesbrechern, Reichsbürgern oder sonstigen radikalen politischen Kräften hätte ich allerdings meine Zweifel, ob man noch von integriert sprechen kann.

mrorleander antworten
2 Antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 29398
Veröffentlicht von: @mrorleander

Das sind drei Elemente, die Integration erheblich vereinfachen, gepaart mit dem Wunsch, sich mit der umgebenden fremden Kultur aktiv auseinander zu setzen.

Stimmt... das "Auseinandersetzen mit der neuen Kultur" ist auf jeden Fal ein wichtiger Aspekt. Man muss ja nicht zwangsläufig alles annehmen... aber man sollte zumindest verstehen, wo man lebt und wie Land und Leute ticken.

Veröffentlicht von: @mrorleander

Wer die Werte und Normen unserer Gesellschaft akzeptiert, aber davon abgesehen ein einzelgängerisches Leben führt, ist vermutlich weniger integriert, als der kontaktfreudige Vereinsmensch. Damit kommt eine Gesellschaft aber ganz gut klar.

Viele scheinen unter "Integration" in erster Linie "viele freundliche Kontakte mit Deutschen" zu verstehen.

Ich sehe das nicht ganz so eng, auch wenn Kojntakte natürlich wichtig und hilfreich sein... aber letztlich geht es vor allem darum, einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und dieser Platz sollte gefühlt "in der Gesellschaft" sein und nicht ausserhalb davon.

lucan-7 antworten
Tagesschimmer
(@tagesschimmer)
Beigetreten : Vor 8 Jahren

Beiträge : 1248
Veröffentlicht von: @lucan-7

aber letztlich geht es vor allem darum, einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Das kann ich nur unterstreichen.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Und dieser Platz sollte gefühlt "in der Gesellschaft" sein und nicht ausserhalb davon.

und damit haben beide zu tun. Macht die Gesellschaft Raum für Ungewohntes? Weiß sie trotzdem noch, was sie ausmacht, wenn es mal Abweichungen gibt? Akzeptieren die Neuankömlinge, dass sie in eine gewachsene Kultur kommen, die an dem Ort die älteren Rechte hat, dass es aber nur gemeinsam gut gehen kann?

Veröffentlicht von: @lucan-7

man sollte zumindest verstehen, wo man lebt und wie Land und Leute ticken.

Verstehen ist nicht so einfach. Das geht mir als Ostdeutsche auch so. Manches werde ich wohl nie verstehen. Manches finde ich auch wirklich nicht gut.

Mir reicht zur Integration eine Achtung und Akzeptanz der angestammten Mehrheit. Vor dem Verstehen kommt sich-öffnen und erforschen ohne zu verurteilen. Das ist auch schon viel.

tagesschimmer antworten


Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Bestellte mir heute ein Buch:

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Amanda Gorman
Hoffmann und Campe Verlag
Zweisprachige Ausgabe

Könnte mir vorstellen, dass es auch Dein Interesse findet und etwas zum Thema beitragen kann.

Anonymous antworten
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