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Wie lange muss man Gedenken?

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Anonymous
 Anonymous
Beiträge : 0

Hi,

es gab und gibt Dinge, die darf man nicht verharmlosen. Soweit mal ganz gut.

Aber wie lange muss ein "Gedenken" dauern?

Gedenkt man heute noch an die Opfer von Napoleon?
Des 30jährigen Krieges?

Was bringt ein Gedenken für die Generation in 150 Jahren oder 150 Jahren nach Holocaust?

M.

Antwort
124 Antworten
Jack-Black
Beiträge : 2026
Veröffentlicht von: @meriadoc

Aber wie lange muss ein "Gedenken" dauern?

83 Jahre, 7 Monate, 3 Wochen, 6 Tage, 13 Stunden, 48 Minuten und 6,8982351 Sekunden.

jack-black antworten


Lucan-7
Beiträge : 15292
Veröffentlicht von: @meriadoc

Aber wie lange muss ein "Gedenken" dauern?

So lange es sinnvoll erscheint.

Ich gehe davon aus, dass in einigen Jahrzehnten der Bezug zu den Naziverbrechen in der Öffentlichkeit verloren gehen wird.
Irgendwann wird aus Hitler eine Figur wie "Graf Dracula" werden und man wird keine Bezüge zur aktuellen Zeit mehr sehen, weil man das als eine Art "finsteres Mittelalter" betrachten wird, über das wir längst hinaus sind.

Und dann werden irgendwann neue Nazis kommen, die natürlich ganz anders aussehen und anders reden, und man wird völlig überrascht sein, wie so etwas möglich sein konnte...

lucan-7 antworten
5 Antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837
Veröffentlicht von: @lucan-7

Und dann werden irgendwann neue Nazis kommen, die natürlich ganz anders aussehen und anders reden, und man wird völlig überrascht sein, wie so etwas möglich sein konnte...

Die sind doch jetzt schon da. Ich hab mir gestern mal Wahlplakate der AfD und NPD zu Gemüte geführt. Die sehen aus, als hätte es den Holocaust nicht gegeben.

tristesse antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15292
Veröffentlicht von: @tristesse

Die sind doch jetzt schon da. Ich hab mir gestern mal Wahlplakate der AfD und NPD zu Gemüte geführt. Die sehen aus, als hätte es den Holocaust nicht gegeben.

Ja, leider...

Ich fürchte aber, das ist nicht die einzige Gefahr. Antisemitismus gibt es auch im linken Spektrum. Auch da muss man wachsam sein, es gibt da durchaus immer mal wieder Ideen, die dem Faschismus in ihrer Radikalität sehr ähnlich sind.

Das ganze Gedenken nützt halt auch nicht viel, wenn man sich nicht auch mit den entsprechenden Hintergründen befasst... und da geht heute doch manches verloren.

lucan-7 antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837
Veröffentlicht von: @lucan-7

Ich fürchte aber, das ist nicht die einzige Gefahr. Antisemitismus gibt es auch im linken Spektrum. Auch da muss man wachsam sein, es gibt da durchaus immer mal wieder Ideen, die dem Faschismus in ihrer Radikalität sehr ähnlich sind.

Natürlich.

Ich veorte Faschismus automatisch in die rechte Ecke, das ist vermutlich das Resultat davon, dass ich sehr viel Literatur, Filme und Material aus dem Holocaust konsumiere. Aber ich weiß auch, dass ich da umdenken muss.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Das ganze Gedenken nützt halt auch nicht viel, wenn man sich nicht auch mit den entsprechenden Hintergründen befasst... und da geht heute doch manches verloren.

Wenn es nach mir ginge, dann würde ich einen Besuch bei einer KZ Gedenkstätte verpflichtend einmal in der Schullaufbahn in den Lehrplan aufnehmen. Es wird so viel Geld für unnützes Zeug rausgeworfen, da wäre diese Exkursion gut angelegt.

Ich wäre schon längst mal zum Anne Frank Haus gefahren, Gelegenheit hätte ich genug gehabt, aber der Gedanke, mich mit ner Horde "Betroffenheits-Touris" durch das enge Hinterhaus quetschen zu müssen wie eine Ölsardine hat mich davon bisher abgehalten.

tristesse antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 15292
Veröffentlicht von: @tristesse

Ich veorte Faschismus automatisch in die rechte Ecke

Ich denke, dass die Einteilung "links" und "rechts" eigentlich längst überholt ist. Es vereinfacht zwar die Vorstellung, führt aber auch zu vielen Missverständnissen. Ein Linksextremer ist dem Faschismus häufig deutlich näher als ein Konservativer.

Veröffentlicht von: @tristesse

Wenn es nach mir ginge, dann würde ich einen Besuch bei einer KZ Gedenkstätte verpflichtend einmal in der Schullaufbahn in den Lehrplan aufnehmen. Es wird so viel Geld für unnützes Zeug rausgeworfen, da wäre diese Exkursion gut angelegt.

Grundsätzlich stimme ich dir da zu, aber da gehört natürlich auch noch eine entsprechende Aufarbeitung dazu, vor allem auch im Elternhaus. Ich kenne einige Jugendliche für die das eher eine spaßiger Ausflug mit der Klasse war... manchen fehlt da einfach noch die gewisse Reife (Und ich hätte mich da auch nicht ausgenommen).

Was ich aber sehr wichtig finde ist, dass Faschismus (Oder auch der Nationalsozialismus) nicht erst bei "Völkermord", "KZ" und "Weltkrieg" beginnt, sondern schon viel früher... nämlich bei "Spaltung", "Ausgrenzung" und "Gleichschaltung".

Das ist nämlich das, wonach sich auch hierzulande viele Menschen sehnen... ohne sich darüber bewusst zu sein, was das bedeutet und wohin es führen kann...

lucan-7 antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837
Veröffentlicht von: @lucan-7

noch eine entsprechende Aufarbeitung dazu, vor allem auch im Elternhaus. Ich kenne einige Jugendliche für die das eher eine spaßiger Ausflug mit der Klasse war... manchen fehlt da einfach noch die gewisse Reife

Hängt natürlich vom Alter auch ab.

Veröffentlicht von: @lucan-7

Das ist nämlich das, wonach sich auch hierzulande viele Menschen sehnen... ohne sich darüber bewusst zu sein, was das bedeutet und wohin es führen kann...

Oft ist es einfach auch nur Angst vorm Fremden. Und wenn das Parteien und Gruppierungen für sich nutzen, geht das Unheil los.

tristesse antworten
tristesse
Beiträge : 16837
Veröffentlicht von: @meriadoc

Gedenkt man heute noch an die Opfer von Napoleon?
Des 30jährigen Krieges?

Vielleicht hätte uns das in der Vergangenheit geholfen, wenn wir etwas länger dran gedacht hätten.

Veröffentlicht von: @meriadoc

Was bringt ein Gedenken für die Generation in 150 Jahren oder 150 Jahren nach Holocaust?

Es bringt ja nicht mal mehr heute, 80 Jahre danach etwas, wenn man den Rechtsruck in Deutschland der letzten Jahre beobachtet. Pegida, NPD, AfD - ein Blick nach Österreich zur FPÖ... der Faschismus kriecht wieder aus den Löchern und Du fragst, wie lange wir gedenken sollten?

Ewig und noch länger.

tristesse antworten
4 Antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @tristesse

Es bringt ja nicht mal mehr heute, 80 Jahre danach etwas, wenn man den Rechtsruck in Deutschland der letzten Jahre beobachtet. Pegida, NPD, AfD - ein Blick nach Österreich zur FPÖ... der Faschismus kriecht wieder aus den Löchern und Du fragst, wie lange wir gedenken sollten?

Das sind immer doch immer noch dieselben Nazis von dieser Zeit.

Aber ich habe mir mal diesen Artikel angeschaut und ich finde es sehr lesenswert.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article205398155/Holocaust-Gedenken-Erinnern-aber-ohne-eine-Linie-von-damals-zum-Heute-zu-ziehen.html

Anonymous antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837
Veröffentlicht von: @meriadoc

Das sind immer doch immer noch dieselben Nazis von dieser Zeit.

Nein, das sind nachfolgende Generationen.

tristesse antworten
Banji
(@banji)
Beigetreten : Vor 20 Jahren

Beiträge : 3581

Das Schlimme ist, dass Großväter dieser Zeit manchen Geist an ihre Enkel weitergegeben haben.

banji antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 16837

Ich hab selbst so einen Nazi-Großonkel väterlicherseits 😕

Meine Eltern sind nur aus Höflichkeit zu den Geburtstagen gefahren und wenn dann im Laufe des Abends die "Ausländer raus", "Früher war alles besser" und "Immerhin hatten wir damals Arbeit und Autobahnen" Parolen ertönten, lächelten meine Eltern freundlich und verabschiedeten sich dann nach einer gewissen Zeit. Was für meinen Vater sehr bemerkenswert war 😊

Aber das hatte mein Großonkel schon von seinen Eltern, die waren glühende Nazis. Dem gegenüber stand mein Opa, der als Schuldirekter entlassen und dann eingezogen wurde, als er sich weigerte, jüdische Lehrer zu entlassen. Interessant wie unterschiedlich die Familien da ideologisch unterwegs waren. Leider hab ich meinen Opa nie kennengelernt, der ist früh nach dem Krieg gestorben, aber ich hätte mich gern mit ihm über die Zeit unterhalten.

tristesse antworten


Banji
Beiträge : 3581

Solange es Menschen gibt, die den Holocaust verleugnen oder die sich einen Judenstern anpinnen, weil sie in der Corona-Zeit mal zu Hause bleiben müssen.
Solange rechter, linker und islamischer Antisemitismus durch unsere Straßen tobt, solange Israel von einigen islamischen Ländern das Existenzrecht abgesprochen wird, solange es Israelfeindschaft in der UNO gibt ...

Solange!

banji antworten
Jimmy
Beiträge : 142

Hallo Meriadoc,

vor gut 10 Jahren dachte ich, man könne auf das große Gedenken verzichten, da es in meinem Umfeld keinen Antisemitismus gab.

Heute sind wir wieder auf einer ganz großen Welle antisemitischer Verschwörungsmythen. Vgl. den Podcast von Michael Blume (Verschwoerungsfragen)!

In ,eimer eigenen Gemeinde gibt es Leute, die auf verschiedene Verschwörungsmythen hereinfallen (und es sind gerade nicht die dummen Leute, wie Blume auch immer betont).

Solange sich die Menschen von solchen antisemitischen Verschwörungsmythen anstecken und oft überzeugen lassen, ist es natürlich höchst nötig, dass an den Holocaust weiter gedacht und erinnert wird, damit er gerade nicht verleugnet wird oder die Opfer zu Tätern gemacht werden.

Gruß, Jimmy

jimmy antworten


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