Alltagssituation
 
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Alltagssituation

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neubaugoere
Themenstarter
Beiträge : 12685

Eigentlich passt's in "Christsein & Gesellschaft", aber ich fand kein "passendes Unterforum" ...

Gestern hatte ich eine "herausfordernde Situation".
Mit sozusagen einem Zahn weniger, also einer gefühlt klaffenden Zahnlücke 😀, kam ich an der Drogerie vorbei, die einen Ausverkauf hatte - auf alles 50% -, weil die Filiale geschlossen war. Am Eingang eine kleine Schlange, der Laden rammeldickevoll, zwei "Ordner" (oder Sicherheitsleute) am Eingang, die netterweise die Körbe weitergaben, so jemand einen brauchte/haben wollte.

Die Schlangen an den beiden Kassen sehr lang, drinnen war schon Sommer, mir lief das Wasser schon den Rücken runter. Irgendwo vor mir eine junge Frau in "bedeckender Kleidung" mit "bedecktem Kopf", so will ich mich mal ausdrücken. Ich nahm sie nur flüchtig wahr, nahm eben nur wahr, dass sie sich aus der Schlange bewegte, was ein "yay einer weniger" bedeutete und eine um ein paar Minuten verkürzte Wartezeit. Vor mir zu dieser Zeit ca. 6 oder 7 Leute. Als nur noch 2 vor mir waren, tauchte eine junge Frau in "bedeckter Kleidung" mit "bedecktem Kopf" auf, reihte sich genau vor mir ein mit den Worten: "Ich stand vorhin schon hier.".

Niemand sagte etwas.
Kurz vor der Kasse sortiert sie doch tatsächlich doch noch wieder etwas aus ihrem Korb (Nuckel) und legte sie einfach in die Regale vor dem Kassenbereich. An der Kasse stellt sich heraus, dass sie ein fast astreines Deutsch sprach, vermutlich hier geboren, dachte ich. Dann sollte sie auch wissen, wie das hier funktioniert. Sie fing dann noch an, an der Kasse etwas auszusortieren, das der Kassierer nun bereits über die Kasse mit *piep* gezogen hatte und über die "dümmsten" Dinge mit dem Kassierer zu reden und dabei Dinge zu erfragen, wo ich dachte, Mädschen, jetzt tue doch nicht so, als wüsstest du das nicht, das ist doch nur Show zum Überspielen ...

Niemand in der Schlange sagte etwas. Ich auch nicht, hätte ich aber gern, meine "riesige klaffende Zahnlücke" hielt mich davon ab.

Später kam mir ein Gedanke.
Ich glaube, wer auch immer etwas gesagt hätte in Richtung "weggegangen, Platz vergangen", hätte in erzürnte Gesichter geblickt und wäre vermutlich unschön betitelt worden. Jedem "Deutschen" hätte jeder was gesagt. Nicht ihr. Warum?
Während meiner Wartezeit in der Schlange bemerkte ich eine Frau, die dem "Ordner" ihren vollen Korb in die Hand drückte, ihm etwas sagte und ging. Sie kam kurz drauf wieder, nahm ihren Korb und sah fragend aus. Kassierer und Ordner klärten sie höflich darüber aus, dass sie sich nun doch wieder anstellen müsse und nicht einfach vorn gleich an der Kasse stehen bleiben könne ... Ja, raus aus der Schlange bedeutet: wieder hinten anstellen. Weil es keine Rolle spielt, warum jemand die Schlange verlässt. Hätte mich die junge Frau in "bedeckender Kleidung" vorher angesprochen in Richtung "ich komme gleich wieder, mein Kind blabla" oder ähnliches, ich hätte sie akzeptiert und ihren Platz "freigehalten".

Aber so rotzfrech?
Das geht nicht.
Aber sie kam damit durch - leider auch bei mir aufgrund meiner Zahnlücke, ich wollte einfach kein Streitgespräch. Und ich bin noch provokanter: ich vermute, sie tat dies wohlweislich, dass niemand etwas sagt, weil keiner ein "Risiko" eingehen will, denn sie wirkte sehr, sehr selbstsicher und -bewusst auf mich mit ihrer ganzen Art.

Klein und schleichend ...

Antwort
199 Antworten
Simmy
 Simmy
Beiträge : 2518

Hm, ehrlich gesagt, ist es doch da total egal, ob Kopftuch oder nicht und ich glaube auch nicht, dass es daran lag.
Da sie sich direkt vor dir eingereiht hat, hättest du etwas sagen können und wahrscheinlich dachten die anderen dann auch, ok, sie hat nichts gesagt, dann wird das schon seine Richtigkeit haben.

Mir fällt oft auf, dass keiner mehr etwas sagt. Die Menschen werden dadurch aber auch rücksichtsloser.
Oder, wenn sich mal doch jemand beschwert, gibt es gleich mega Zoff (vor kurzem an der Kasse erlebt, weil sich jemand durchdrängelte und sich jemand darüber beschwerte - da hat sich der "Drängler" mit seiner Frau zusammen dann aber extrem aufgeregt...und ich war genervt davon....wie sich die Leute manchmal benehmen. Da fällt einem nichts mehr zu ein).

Veröffentlicht von: @neubaugoere

Klein und schleichend ...

Was meinst du damit? Das sich die Dinge hier nicht zum Positiven verändern - sehe ich aber auch so.
Dazu muss man nur einen Polizisten kenne, der hier in der Stadt arbeitet.

simmy antworten
4 Antworten
Anonymous
 Anonymous
(@Anonymous)
Beigetreten : Vor 1 Sekunde

Beiträge : 0
Veröffentlicht von: @simmy

Mir fällt oft auf, dass keiner mehr etwas sagt.

Neulich: ewig lange Schlange bei der Post in Berlin (typisch Berlin). Ich unterhalte mich mit jemand hinter mir, um die Zeit zu vertreiben. Als ich mich umdrehe, steht jemand anders vor mir in der Schlange. Ich: "Aber eben standen Sie noch nicht hier, oder?" Woraufhin er was murmelt und sich hinten anstellt, oder weg geht, keine Ahnung.

Normalerweise würde ich auch nichts sagen. Es ist die Emotionen nicht wert, finde ich. Aber wenn jemand zu dreist ist, dann sag ich manchmal doch was.

Wobei "mit Zahnlücke" würde ich mich auch nicht trauen. Schwächt irgendwie die eigene Autorität 😎

Anonymous antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685
Veröffentlicht von: @maggie-x

Normalerweise würde ich auch nichts sagen. Es ist die Emotionen nicht wert, finde ich. Aber wenn jemand zu dreist ist, dann sag ich manchmal doch was.

Veröffentlicht von: @maggie-x

Wobei "mit Zahnlücke" würde ich mich auch nicht trauen. Schwächt irgendwie die eigene Autorität 😎

Ja, sie stand in der Schlange, die vor mir war, aber sie stand nicht direkt vor mir, daran hätte ich mich erinnert, deshalb fiel mir diese Dreistigkeit auch auf.

neubaugoere antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17983

Ich hatte das neulich, dass jemand drängelte und dann dabei fragte, ob sie vordürfe, sie müsste auf den Bus warten.

Ich hatte nun auch nur drei Teile wie sie auf dem Band und hatte es ebenso eilig zum Bus zu kommen, also sagte ich freundlich "Sonst gern, heute aber nicht, weil mein Bus ja auch gleich fährt." Sie drehte sich um und blieb in der Position vor mir.

Tjoar.
Was soll ich dazu sagen? Hat auch nichts gebracht.

Die Kassererin bemerkte den Vorfall, hatte schon ein Teil der Dame eingescannt und fragte mich, ob sie den Artikel stornieren und mich zuerst bedienen sollte. Aber mir war es dann auch egal. Aber ich fand da schon das Verhalten der Kassiererin super, das der Dame aber nicht, denn wenn ich nicht die Antwort abwarten kann, brauch ich nicht zu fragen.

Meiner Meinung hat das nichts mit der Nationalität zu tun, sondern mit der unbekümmert-selbstverständlichen Dreistigkeit mancher. Und das funktioniert bei "typisch deutschen Hausfrauen" genauso wie mit Kopftuch.

Dass sich wenige dagegen wehren liegt evtl. an der Angst, angepöbelt zu werden oder weil es einem egal ist. Meistens ist es mir egal.

tristesse antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685
Veröffentlicht von: @tristesse

Meiner Meinung hat das nichts mit der Nationalität zu tun, sondern mit der unbekümmert-selbstverständlichen Dreistigkeit mancher. Und das funktioniert bei "typisch deutschen Hausfrauen" genauso wie mit Kopftuch.

Veröffentlicht von: @tristesse

Dass sich wenige dagegen wehren liegt evtl. an der Angst, angepöbelt zu werden oder weil es einem egal ist. Meistens ist es mir egal.

sehr wahr
Ein Mann kam auch noch dazu, kam von hinten nach vorn, stellte zu jedem Blickkontakt her, hatte ein einziges Parfüm in der Hand, und wollte vor ... (er fing nicht hinten an, aber 2-4 Leute vor der Kasse) ... die eine Dame ließ ihn vor und dann stellte sich an der Kasse heraus, dass er auch noch einen Tester kaufen wollte 😀 ... - vielleicht war das alles zusammen einfach zuviel für mich ... 😀 (mit Zahnlücke)

neubaugoere antworten


Deborah71
Beiträge : 17879

Was hättest du gerne gesagt... und wie möchtest du demnächst reagieren?

deborah71 antworten
6 Antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685

"Aus der Schlange raus heißt wieder hinten anstellen."
Genau so.

neubaugoere antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17879

ok... geh deinem Frust doch mal auf den Grund. Dazu bastel ich mal ein paar Fragen:

was ärgert dich am meisten: das Verhalten der Frau; ihr Nichtfragen um Freihaltung des Platzes; die Verhinderung durch den abgebrochenen Zahn; das Nichtmitreagieren der anderen; die Störung der gewohnten Ordnung(raus = wieder hinten anstellen); etwas anderes?

musst du hier nicht beantworten, ist eine Anregung 😊

deborah71 antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685

Gute Fragen.

neubaugoere antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17879

deborah71 antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685

aaah, eine erste Spur wird schon sichtbar ...
😊

neubaugoere antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17879

Prima 😊

deborah71 antworten
invar_vigandun
Beiträge : 322
Veröffentlicht von: @neubaugoere

Jedem "Deutschen" hätte jeder was gesagt. Nicht ihr. Warum

Wie kommst du darauf? Und so, wie ich das rauslesen kann, meinst du: "Jedem, der deutsch (genug) aussieht, also weiß und ohne Kopftuch."

invar_vigandun antworten
1 Antwort
Gelöschtes Profil
(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 8 Monaten

Beiträge : 8051

Weil unterschiedliche Kulturen auch unterschiedliche Mentalitäten haben ... und sicher auch bei Einkaufsgewohnheiten.

Sie sprach astrein deutsch ... daher wirkt das auf mich so, dass diese Frau ihren "Kopftuch-Bonus" und die Angst anderer
"fremdenfeinlich" rüberzukommen, einfach nur frech ausgenutzt hat.

deleted_profile antworten


Lucan-7
Beiträge : 16992

Selber ausprobieren...
Ich kann dir nur empfehlen: Probier' es doch einfach selber mal aus. Besorg' dir ein paar Tücher zum "bedecken", und dann koste einfach rotzfrech deine neue Freiheit und deine Privilegien aus, die du dann ja anscheinend genießt.

Wenn's doch so einfach ist... 😊

lucan-7 antworten
17 Antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685

Warum sollte ich anderen so etwas antun?

neubaugoere antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16992
Veröffentlicht von: @neubaugoere

Warum sollte ich anderen so etwas antun?

Klingt ja fast nach einem traumatischem Erlebnis... so schlimm wird's ja wohl nicht gewesen sein. 😊

Aber die Erfahrung, wie es einer Frau mit Kopftuch im Alltag so ergeht, könnte durchaus hilfreich sein bei der Beurteilung der Situation. Denn darum geht es dir ja.

lucan-7 antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685
Veröffentlicht von: @lucan-7

Aber die Erfahrung, wie es einer Frau mit Kopftuch im Alltag so ergeht, könnte durchaus hilfreich sein bei der Beurteilung der Situation. Denn darum geht es dir ja.

Ja ... Grenzüberschreitung ...

Veröffentlicht von: @lucan-7

Klingt ja fast nach einem traumatischem Erlebnis... so schlimm wird's ja wohl nicht gewesen sein. 😊

Nein, aber wieso sollte ich anderen das Gleiche zukommen lassen wie ich erlebt habe und meinen Ärger in der Situation? Warum sollte ich andere freiwillig ärgern sozusagen?

neubaugoere antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17983
Veröffentlicht von: @neubaugoere

Nein, aber wieso sollte ich anderen das Gleiche zukommen lassen wie ich erlebt habe und meinen Ärger in der Situation? Warum sollte ich andere freiwillig ärgern sozusagen?

Um rauszufinden, ob Deine These stimmt.
Quasi ein Selbstversuch.

tristesse antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685

hhmmmm, ich bin dann eher auf den Spuren bei deborah weiter oben ... warum bin ich verärgert, warum geht mir das nach ... was soll ich lernen ... und die Spur ist schon da, da Ziel in Sicht ... 😉 😊 ... da brauch ich dann auch keinen Selbstversuch dieser Art (mehr) ...

neubaugoere antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17983

Vielleicht geht es auch einfach nur um Voreigenommenheit.

Ich hatte an meinem alten Wohnort die Straße weiter rauf ein Flüchtlingsheim. Ich stand nach der Arbeit mit meinem großen Einkauf an der Kasse und hinter mir ein fremdländisch aussehender junger Mann mit einer Dose Cola in der Hand.

Wie es meine Art ist, hab ich ihn beim Auspacken aufs Band nach vorne gewunken, berauscht von meiner heroisch-christlichen-guten Tat des Tages, dem armen Flüchtling geholfen zu haben. Ich fand mich so unfassbar tolerant und weltoffen.

Der junge Mann schob sich vorbei und bedankte sich in blütenreinstem Deutsch dafür, dass er ihn vorgelassen hätte 😀
War kein Flüchtling. War scheinbar ein Deutscher mit dunklem Haarwuchs.

Poah, hab ich mich geschämt 😀

tristesse antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685
Veröffentlicht von: @tristesse

Wie es meine Art ist, hab ich ihn beim Auspacken aufs Band nach vorne gewunken, berauscht von meiner heroisch-christlichen-guten Tat des Tages, dem armen Flüchtling geholfen zu haben. Ich fand mich so unfassbar tolerant und weltoffen.

😀 😀 😉

Veröffentlicht von: @tristesse

Poah, hab ich mich geschämt 😀

😀 😀

Diese Motivation (Flüchtling) hatte ich tatsächlich noch nicht. Ich lasse gerade bei den Wochenendeinkäufen öfter Leute vor, die nur 1 oder 2 Sachen in der Hand haben und ich nen vollen Korb. Dabei ist es mir egal, wer es ist ... obwohl das nur mit der Einschränkung gilt, dass der Laden voll ist ... sind nur 3-4 Leute an der Kasse, lasse ich auch nicht vor. 😀

neubaugoere antworten
Deborah71
(@deborah71)
Beigetreten : Vor 18 Jahren

Beiträge : 17879
Veröffentlicht von: @neubaugoere

sind nur 3-4 Leute an der Kasse, lasse ich auch nicht vor. 😀

Es sei denn, derjenige hat ein Eis gekauft, das ihm in der Hand fast wegschmilzt... 😉

deborah71 antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685

nnnnnnnaaaaaaaaaaa muss ich mir überlegen 😀 😀

neubaugoere antworten
RalfsImbissbude
(@ralfsimbissbude)
Beigetreten : Vor 10 Jahren

Beiträge : 732
Veröffentlicht von: @tristesse

Der junge Mann schob sich vorbei und bedankte sich in blütenreinstem Deutsch dafür, dass er ihn vorgelassen hätte 😀
War kein Flüchtling. War scheinbar ein Deutscher mit dunklem Haarwuchs.

Vielleicht aus dem Saarland geflohen?

ralfsimbissbude antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685

oder vor der Schwiegermutter 😀

neubaugoere antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17983

Frag doch seine Schwiegermutter 😎

tristesse antworten
Lucan-7
(@lucan-7)
Beigetreten : Vor 12 Jahren

Beiträge : 16992
Veröffentlicht von: @neubaugoere

Nein, aber wieso sollte ich anderen das Gleiche zukommen lassen wie ich erlebt habe und meinen Ärger in der Situation? Warum sollte ich andere freiwillig ärgern sozusagen?

Nach dem was du beschrieben hast haben die Leute sich ja freiwillig ärgern lassen... wenn keiner sich beschwert kann es ja so schlimm nicht sein.

Du hast das ja auf das Kopftuch zurückgeführt und vermutet, dass da halt keiner "ausländerfeindlich" sein wollte. Mag sein.
Es fragt sich aber, ob sich das wirklich verallgemeinern lässt... vielleicht war es ja weniger das Kopftuch, als das selbstbewusste und freche Auftreten?
Vielleicht lag es an den Leuten, die gerade da waren, und ein paar Minuten früher oder später wäre die Situation ganz anders gewesen?

Es ist nämlich immer ein wenig gefährlich, von einzelnen Situationen auf "die Kopftuchträgerinnen" oder "die Deutschen" zu schließen. Weder stand die Kopftuchträgerin für alle Muslime in Deutschland, noch repräsentierten die Kunden die deutsche Bevölkerung... es war nur eine einfache Momentaufnahme, die du recht einseitig wahrgenommen hast.

Ich kenne so etwas auch, weil ich berufsbedingt immer wieder mit "Kopftuchträgerinnen" zu tun habe. Manche sind schüchtern, manche sind frech, manche ungepflegt, manche selbstbewusst... und jedesmal ertappe ich mich dabei, wie ich versuche eine Verbindung zum Kopftuch herzustellen und zu verallgemeinern wie "die" wohl so sind.

Dabei kommt es mir dann auch zugute, dass ich inzwischen schon so viele getroffen habe, und deshalb weiß dass ich hier unterscheiden muss... so unterschiedlich die Trägerinnen sind, so unterschiedlich können auch die Motive für das Tragen sein (Wobei ich die seltener erfahre). Aber auch da ist von "Unterordnung aufgrund der Tradition" bis zur "Selbstbewussten Rebellion" alles an Gründen vertreten, was man sich so vorstellen kann.

Ich selber werde immer Vorbehalte gegenüber dem Islam selbst haben, aufgrund seiner politischen und unfreien Struktur. Aber die Menschen versuche ich trotzdem immer jeden für sich zu sehen... auch wenn es schwierig ist.

Und verallgemeinern bestimmter Situationen ist da nicht hilfreich. Deshalb meine Empfehlung: Wenn du meinst, dass ein Kopftuch bestimmte Dinge ermöglicht... probiere es aus, am besten mehrfach in ganz unterschiedlichen Situationen.
Wäre sicher eine interessante Erfahrung...

lucan-7 antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685
Veröffentlicht von: @lucan-7

Nach dem was du beschrieben hast haben die Leute sich ja freiwillig ärgern lassen... wenn keiner sich beschwert kann es ja so schlimm nicht sein.

Na dit weeß man ja nich ... die gefährlichsten Feuer sind die Schwelbrände ... merkste nix und mit einem mal machts BUFF ... 😉

Veröffentlicht von: @lucan-7

Du hast das ja auf das Kopftuch zurückgeführt und vermutet, dass da halt keiner "ausländerfeindlich" sein wollte. Mag sein.
Es fragt sich aber, ob sich das wirklich verallgemeinern lässt... vielleicht war es ja weniger das Kopftuch, als das selbstbewusste und freche Auftreten?
Vielleicht lag es an den Leuten, die gerade da waren, und ein paar Minuten früher oder später wäre die Situation ganz anders gewesen?

Das fragte ich mich auch und stellte es deshalb mal zur Diskussion ...
Vielleicht hat mich einfach das Gesamtklientel auch "beeinflusst", was über die Hälfte nichtdeutschsprachig war und es war kein bulgarisch, kein ungarisch oder polnisch oder czechisch dabei ... + der Anblick, den der Laden zeigte ... *grauenvoll* ...

Ich kenne auch einige Frauen mit Kopftuch.
In der Apotheke um die Ecke hab ich meine Lieblingsapothekerin (mit Kopftuch), ich warte tatsächlich auch, um von ihr bedient zu werden. Sie hat einfach irgendwas ... 😊

neubaugoere antworten
tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17983
Veröffentlicht von: @neubaugoere

Ich kenne auch einige Frauen mit Kopftuch.
In der Apotheke um die Ecke hab ich meine Lieblingsapothekerin (mit Kopftuch), ich warte tatsächlich auch, um von ihr bedient zu werden. Sie hat einfach irgendwas ... 😊

Ich kenne Apotheker (nein, nicht mein Chef), die stellen kein Personal mit Kopftuch ein.

Soviel zum aufgeklärten deutschen Mittelstand.

tristesse antworten
Gelöschtes Profil
(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 8 Monaten

Beiträge : 8051
Veröffentlicht von: @tristesse

Ich kenne Apotheker (nein, nicht mein Chef), die stellen kein Personal mit Kopftuch ein.

Weißt du warum?

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tristesse
(@tristesse)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 17983
Veröffentlicht von: @banji

Weißt du warum?

Weil auch studierte Leute ihre Vorbehalte pflegen nehme ich an. Von einem weiß ich, dass er findet, dass sich die Muslime den deutschen Gepflogenheiten anpassen müssen und eine deutsche Frau trägt nun mal kein Kopftuch.

Ich kenne aber auch durchaus Apotheken die oft Personal suchen, die russisch, türkisch oder arabisch sprechen, weil diese in Gegenden mit hohem Migrationshintergrund angesiedelt sind.

tristesse antworten
Miss.Piggy
Beiträge : 1655
Veröffentlicht von: @neubaugoere

Ich glaube, wer auch immer etwas gesagt hätte in Richtung "weggegangen, Platz vergangen", hätte in erzürnte Gesichter geblickt und wäre vermutlich unschön betitelt worden.

Wer weiß. Vielleicht wäre er auch einfach nur ignoriert worden.

Ging mir letztens so, als sich eine kopftuchtragende Frau am Geldautomaten an mir vorbeigeschoben hat. Natürlich habe ich sie angesprochen. Null Reaktion. Die hat nicht mal mit der Wimper gezuckt.

Ich hab das meiner Kollegin erzählt und sie meinte nur, so ein Verhalten kenne sie von manchen dieser Frauen auch. Erst dreist verhalten und wenn man sie darauf anspricht, wird man wie Luft behandelt.

Tja, was macht man damit? Ich versuche mir dann immer klarzumachen, dass das nur Kleinigkeiten sind und ich froh sein kann, wenn ich sonst keine Probleme habe, außer dass sich mal jemand vordrängelt. Und trotzdem... so was ärgert mich einfach.

Natürlich ärgert es mich nicht nur bei Kopftuchträgerinnen, sondern generell. Aber diese Dreistigkeit, mich dann auch noch wie Luft zu behandeln, das war schon speziell.

miss-piggy antworten
3 Antworten
neubaugoere
(@neubaugoere)
Beigetreten : Vor 11 Jahren

Beiträge : 12685

genau, ärgern tut es mich bei jedem ...
In dem Fall war es eine Kopftuchträgerin und auch da hab ich eben verschiedene solcher Erfahrungen gemacht (dann großes Lamentieren, wie ich sie so behandeln könne).

neubaugoere antworten
Tinkerbell
(@tinkerbell)
Beigetreten : Vor 2024 Jahren

Beiträge : 1538

Schwierige Thematik

Veröffentlicht von: @miss-piggy

Ich hab das meiner Kollegin erzählt und sie meinte nur, so ein Verhalten kenne sie von manchen dieser Frauen auch. Erst dreist verhalten und wenn man sie darauf anspricht, wird man wie Luft behandelt.

Mir ist das auch schon öfter passiert, ganz besonders oft beim Einkaufen (eine Variation zur kompletten Ignoranz ist eine Art verächtlicher Blick, bevor man einfach weitermacht). Meiner Erfahrung nach betrifft das allerdings hauptsächlich ältere Frauen, die auch mindestens Abaya und Kopftuch tragen. Bei jüngeren Muslimas ist es mir noch nie begegnet, auch nicht bei denjenigen, die maximal Kopftuch tragen.

Eine Kollegin von mir ist Muslima und meinte, das sei durchaus nicht ungewöhnlich - für viele wäre das eben ein klarer Ausdruck dessen, dass man sich den deutschen Frauen überlegen fühle. Das sind ihrer Meinung nach auch die Frauen, die anderen Muslimas ohne Kopftuch das Leben schwer machen, weil sie angeblich nicht gläubig genug wären, zu westlich orientiert und so weiter. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber vom Gefühl her könnte es passen, so in etwa fühlt es sich an.

Veröffentlicht von: @miss-piggy

Tja, was macht man damit? Ich versuche mir dann immer klarzumachen, dass das nur Kleinigkeiten sind und ich froh sein kann, wenn ich sonst keine Probleme habe, außer dass sich mal jemand vordrängelt. Und trotzdem... so was ärgert mich einfach.

Es ist keine Kleinigkeit, sobald es ein Ausdruck von Geringschätzung des anderen ist. Wir reden hier ja nicht von Situationen wie im Bus oder der Straßenbahn, wo panische Omas auch immer schubsen vor lauter Angst, nicht mehr rauszukommen 😉 Das ist beispielsweise ein Szenario, was mich auch nervt (weil es wenig angenehm für die Mitmenschen ist, wenn mit Stock oder Rollator der Weg planiert wird), wo ich mir aber sage: Steh drüber, alte Oma mit irrationaler Panik, was soll's. Aber in Fällen, wo mir durch das Verhalten des anderen klar vermittelt wird, dass er aufgrund von Religion, Geschlecht usw. mehr Rechte zu haben glaubt als ich oder sich geringschätzig benehmen darf, wird es grundsätzlich.

Veröffentlicht von: @miss-piggy

Natürlich ärgert es mich nicht nur bei Kopftuchträgerinnen, sondern generell. Aber diese Dreistigkeit, mich dann auch noch wie Luft zu behandeln, das war schon speziell.

Richtig, das ist mir bisher auch nur bei dieser Gruppe begegnet. Ich versuche inzwischen, nicht mehr den Klischee-Deutschen heraushängen zu lassen, indem ich einen bösen Kommentar dazu machen, sondern verlege ich mich auf Humor oder Ironie. Zumindest versuche ich es 😉. Als mich vor ein paar Wochen eine Vierergruppe muslimischer Mütter beim Schlussverkauf gemeinschaftlich von einem Kleiderständer wegschubsen wollte (es war wirklich krass, sowas hab ich selten erlebt), habe ich alle Bügel von der Stange genommen und mich seelenruhig damit in eine Umkleide verkrümelt. Nicht, dass ich 25 Blusen anprobiert hätte, aber das war mir dann echt zu doof 😀 Als guter Deutscher habe ich mich natürlich umgehend schlecht gefühlt, weil da ein Schild hing, man dürfe nur fünf Teile mit in die Kabine nehmen 😌

Einfach kreative Lösungen finden, wenn jemand derart unhöflich ist. Man muss nicht genauso dreist reagieren, bringt ja alles eh nichts. Aber stehenlassen würde ich es nicht. Egal bei wem.

tinkerbell antworten
Miss.Piggy
(@miss-piggy)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 1655
Veröffentlicht von: @tinkerbell

Eine Kollegin von mir ist Muslima und meinte, das sei durchaus nicht ungewöhnlich - für viele wäre das eben ein klarer Ausdruck dessen, dass man sich den deutschen Frauen überlegen fühle. Das sind ihrer Meinung nach auch die Frauen, die anderen Muslimas ohne Kopftuch das Leben schwer machen, weil sie angeblich nicht gläubig genug wären, zu westlich orientiert und so weiter. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber vom Gefühl her könnte es passen, so in etwa fühlt es sich an.

Ja, genau so wirkte es auch auf mich. So nach dem Motto: "Mit Ungläubigen rede ich nicht, die würdige ich nicht mal eines Blickes." In meinem Fall war es eine jüngere Frau und ihr Mann war auch mit dabei. Vielleicht hat sie sich dadurch sicherer gefühlt in ihrem Auftreten.

Veröffentlicht von: @tinkerbell

Wir reden hier ja nicht von Situationen wie im Bus oder der Straßenbahn, wo panische Omas auch immer schubsen vor lauter Angst, nicht mehr rauszukommen 😉

Ja, alte Leute können manchmal ganz schön ruppig sein. Da drücke ich dann auch eher ein Auge zu und denke mir: Wer weiß, wie ich mal sein werde in dem Alter?

Was ich richtig beschämend finde ist, dass ihnen oft keiner einen Platz anbietet. Letztens stieg ein altes Ehepaar (beide um die 80) in die U-Bahn ein. Sie hatte eine Augenklappe, kam wohl gerade vom Augenarzt. Die Leute, die saßen, haben sie zum Teil angeschaut, sich aber nicht bewegt. Unglaublich! Die Frau musste jemanden direkt ansprechen und bitten, ob sie sich vielleicht setzen darf. Das ist glaub ich eher typisch deutsch.

Veröffentlicht von: @tinkerbell

Als mich vor ein paar Wochen eine Vierergruppe muslimischer Mütter beim Schlussverkauf gemeinschaftlich von einem Kleiderständer wegschubsen wollte (es war wirklich krass, sowas hab ich selten erlebt), habe ich alle Bügel von der Stange genommen und mich seelenruhig damit in eine Umkleide verkrümelt.

😀😀😀

Veröffentlicht von: @tinkerbell

Einfach kreative Lösungen finden, wenn jemand derart unhöflich ist. Man muss nicht genauso dreist reagieren, bringt ja alles eh nichts. Aber stehenlassen würde ich es nicht. Egal bei wem.

Ich finde es gar nicht so einfach, "richtig" zu reagieren. Einfach über sich ergehen lassen finde ich nicht gut. Denn es geht ja gar nicht immer um einen selber, manchmal sind andere die Übervorteilten. Das mit dem Humor ist auf jeden Fall eine gute Idee!

miss-piggy antworten


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