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100%ige Heilssicherheit Calvin


Holger F.
Themenstarter
Beiträge : 303

An anderer Stelle wurde das Calvinistische „Einmal gerettet, immer gerettet“ (100%ige Heilssicherheit) diskutiert und mit dem Katholizismus verglichen. Da mir eine 100%ige Heilssicherheit nicht so recht einleuchten wollte, habe ich mit jemandem gesprochen, der das als „Calvins Hütchenspieler-Trick“ bezeichnet und mir das am Beispiel eines Mörders erklärt hat. Daraufhin habe ich noch etwas weiter recherchiert…

Beide daraus entstandenen Texte „Calvins Hütchenspieler-Trick“ und „Harmonisierung von calv. und kath. Heilsvorstellung“ würde ich gerne zur Diskussion stellen und zwar hinsichtlich der Frage, ob diese Sichtweisen - vereinfacht zwar - im Grunde richtig wiedergegeben sind und was ggf. grundsätzlich anders gesehen werden könnte/ müsste/ sollte. 

Es geht also darum zu verdeutlichen, dass einerseits die vermeintliche Überlegenheit einer als 100%ig gedachten Heilszusage zu relativieren ist und andererseits sich beide Heils-Ansichten viel näher sind als im ersten Moment sichtbar.


(I) Calvins „Hütchenspieler-Trick“

Das Calvinistische „Einmal gerettet, immer gerettet“ ist ein theologischer Hütchenspieler-Trick! Das lässt sich leicht zeigen.

Nehmen wir an, ein bekehrter Calvinst begeht einen Mord. Kommt dieser Mörder in den Himmel? Nein, auch nach Calvinistischem Denken kommt der Mörder nicht in den Himmel, sondern in die Hölle. Trotzdem gilt „Einmal gerettet, immer gerettet“. Wie kann das sein? 

Ganz einfach. Calvinisten sagen, der Mörder war gar nicht bekehrt, er hat sich seine Bekehrung nur „eingebildet“ (Scheinbekehrung). Um „Einmal gerettet, immer gerettet“ als theologische Prämisse zu retten, wird die vorherige Bekehrung des Mörders einfach als „Scheinbekehrung“ uminterpretiert! 

Das ist der klassische Hütchenspieler-Trick. Vor den Augen der Zuschauer verwandelt sich die unverlierbare Errettung (die 100%ige Heilssicherheit) des Mörder - simsalabim - in eine Scheinbekehrung. 

Man sagt ihm also einfach: Errettet? Pustekuchen! Du warst nie errettet! Dasselbe gilt für alle Ehebrecher, Diebe, Räuber, Betrüger, Meineidige, Verleumder, Denunzianten, Unterdrücker, Gotteslästerer, Götzenanbeter, Totenschänder, Hochmütige, Neidische, Geizige, Habsüchtige, Maßlose, Verräter…

Aus ihrem unverlierbaren Heil, der 100%ig sicheren Errettung, wird durch ihre Tat der absolute Heilsverlust, eine 0%sichere Errettung.

(II) Harmonisierung von calv. und kath. Heilsvorstellung

Der Calvinist stellt niemals das theologische Konstrukt einer unfehlbare Errettung nach eindeutiger Bekehrung in Frage, sondern - im Falle von sündhaftem Verhalten - die Realität seiner Bekehrung (war es vielleicht eine Scheinbekehrung?). Heilstheoretisch läuft es im Ergebnis auf dasselbe hinaus…

Der Katholik erfreut sich an seiner begründeten Hoffnung auf das ewige Heil, weiß aber um die Möglichkeit, durch schwere Sünde aus diesem Stand der Gnade zu fallen und er kennt den Weg der Reue und Buße, diesen notwendigen Stand der Gnade wiederzuerlangen.

Unsicherheit hinsichtlich des ewigen Heils gibt es bei beiden.

Der Katholik wird sich vielleicht fragen, ob eine begangene Sünde „schon“ eine schwere Sünde ist, die dazu führt aus dem Stand der Gnade zu fallen. Der Calvinist verlagert das Problem, indem er bei jedem möglichen sündigen Verhalten seine Bekehrung in Frage stellt.

In beiden Fällen gibt es deshalb im Prinzip denselben Effekt: man achtet genau darauf, was man tut, möglicherweise sehr akribisch, um daraus ein möglichst präzises Werkzeug zu entwickeln, mit dem man ermitteln kann, ob man das ewige Leben wirklich hat oder…

A) durch schwere Sünde aus dem Stand der Gnade gefallen ist (Katholik)

B) durch Sünde deutlich wird, dass die Bekehrung nicht echt war.

Der psychologische Effekt ist allerdings unterschiedlich und durch Max Weber beschrieben (protestantische Arbeitsethik)

A) der Katholik ist per se entlastet, da er ja weiß, dass bei sündhaftem Verhalten sakramentale Werkzeuge zur Verfügung stehen, dies vor Gott wieder in Ordnung zu bringen.

B) der Protestant dagegen müsste sich, wenn er aufgrund seines sündhaften Verhaltens sich seiner Bekehrung nicht sicher ist, selbst immer wieder neu bekehren.

Wenn wir also fragen, wo - psychologisch betrachtet - die größere „Sicherheit des Glaubens“ vorhanden ist, würde ich sagen beim Katholiken, nach dem Sakrament der Beichte sagt ihm die Kirche, dass die Dinge vor Gott zu 100% wieder in Ordnung gebracht sind.

Da es diese Zusicherung im Calvinismuss nicht geben kann, muss er sich im Zweifelsfall selbst zerfleischen und immer wieder neu bekehren, im Grunde sich immer wieder das Heil ein-reden.

Das „Ein-Reden des Heils“ übernimmt im Katholizismus die Kirche, bzw. geschieht durch den verbindlichen Gnaden-Zuspruch eines bevollmächtigen Priesters. Im Calvinismus kann dies nur durch Selbst-Einredung erfolgen… Erstaunlicherweise bestätigt die Psychologie, dass der katholische Weg der effektivere ist.

 

 

 
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