Angst vor Gott?
Inwieweit spielt die Angst vor Gott tatsächlich - bewusst oder unbewusst - auch bei Christen noch eine bleibende (den Glauben grundierende bzw. ihn erhaltende) Rolle?
Ich kenne Menschen, die ihren Glauben längst aufgegeben hätten, weil sie ehrlicherweise an dem Punkt waren, dass er sie nicht mehr trägt, ihnen weder seelisch noch intellektuell eine stimmige Lebensgrundlage schenkt und ein "Freischwimmen" ins Offene für sie dran wäre - aber aus einer tiefsitzenden Angst, sie würden damit doch einer Verdammnis anheimfallen, bleiben sie in dem, was lebensmäßig längst nicht mehr für sie stimmt.
Ich nenne es eine metaphysische Angst, die sie gefangen hält ... ggü. Gott, der als "Angst-Gott" wieder auftaucht und bleibend im Hintergrund lauert, sobald sie "auszubrechen" drohen mit Lebens- und Erkenntnisschritten, die ihre bisherigen Selbstverständlichkeiten des Glaubens und der Gottesbeziehung in Frage stellen.
Ich habe auch erlebt, dass gestandene, treue und gewissenhafte Christenmenschen schwer und nicht im Frieden mit Gott ihren letzten Weg gegangen sind ...
Wo und wie - und bitte, antwortet jetzt nicht mit Glaubens-Richtigkeiten, Bibelversen und Belehrungen 😉 - kennt Ihr selber, wenn Ihr tief in Euch hineinhorcht und ehrlich seid, eine ANGST VOR GOTT ... ?
L'Chaim
@awhler Ist nicht alle sinnvoll denkbare Angst vor Gott letztlich nur die Angst, dass Gott nicht zufrieden mit einem sei* und also das Sanktionsszenario in Kraft zu treten droht (Hölle)? Ich habe so eine Angst zweimal im Leben richtig heftig mitgekriegt. Einmal bei einem kleinen Jungen, der überzeugt war, in die Hölle zu kommen, weil er zum zweiten Mal darüber gelogen hatte, seine Hausaufgaben gemacht zu haben (dessen Tränen machten mich damals zum Anti-Religiösen). Und einmal bei einer ehemaligen Userin hier auf jesus.de, die mir in einem PM-Austausch davon berichtete, wie sie, obwohl seit zwei, drei Jahren vom Glauben "abgefallen" immer noch unter Angstattacken vor der Hölle litt. Ihr war klar, wie irrational diese Attacken waren, die ja darin bestanden, dass sie vor etwas Angst bekam, an dessen Realität sie gar nicht mehr glaubte. Aber in den Momenten dieser Attacken half ihr der vernünftige Gedanke, dass die Angst unbegründet sei, nicht weiter, da übernahm ganz einfach der Körper (Schütteln, Zittern, Bauchkrämpfe, Schwindel, Tränen...)
Übrigens denke ich des weiteren, dass jemand, der wirklich an Gott glaubt, gar nicht psychisch fähig ist, auf Deine Frage ehrlich mit Ja zu antworten, denn kognitive Dissonanzen bestehen ja gerade darin, dass man sie sich nicht klar zu machen vermag. Beispielsweise würde ja eine mögliche Antwort nach dem Muster "Ich habe nicht Angst vor Gott, sondern höchstens davor, aus seiner Gnade/seiner Hand/seiner Vergebung zu fallen." implizite bedeuten, dass es schlimm sei, ausserhalb der Gnade/der Hand/der Vergebung zu existieren - dass ohne diese Angst der Gottesglaube überhaupt keinen Sinn mehr ergäbe. Dieses Argument ist altbekannt in der Form, dass die Religionen und insbesondere das Christentum erst das Problem erzeugen/behaupten müssen, das zu lösen sie dann mit ihrem jeweiligen Gottesangebot versprechen: wer nicht der Ansicht ist, Vergebung zu benötigen, hat z.B. Jesus als Erlöser nicht nötig.
Ist also nicht Angst eigentlich logische Voraussetzung jedes Gottesglaubens?
*Es fällt sehr schwer, da nicht küchenspsychologieanalytisch die Analogie zur Angst vor dem unzufriedenen/erzürnten Vater oder, eine Gesellschaftsstufe höher, Fürsten/König/Bandenchef zu ziehen. Wer der Ansicht ist, von jemandes Huld existentiell abhängig zu sein, fürchtet selbstverständlich den Verlust dieser Huld. Und in dieser Hinsicht gehört freilich dazu, dass man diese Angst vor dem Vater/Herrscher nicht offen zugibt, weil dies ja mangelhaftes Vertrauen, d.h. Mißtrauen offenbaren würde. Jenes Vertrauen (Glaube...), das ja vom Vater/Herrscher/Gott gefordert wird.
Ist also nicht Angst eigentlich logische Voraussetzung jedes Gottesglaubens?
Allerdings. Und das kommt auch in der Bibel zum Ausdruck. Denn der Engel beispielsweise muss explizit darauf hinweisen: "Fürchtet euch nicht!". Er hat also "Furcht" bei seinem Erscheinen vorausgesetzt, und musste gegen diese normale Reaktion erst einmal vorgehen.
Dabei gehen "Furcht" und "Ehrfurcht" Hand in Hand... dass Gott drastische und grausame Strafen benötigt, damit man ihn ernst nimmt, wird im AT ja ausführlich dargelegt.
Dass Gläubige keine Furcht vor Gott empfinden ist auch logisch... denn das ist ja das, was der Glaube bewirken soll. Wer glaubt, der gehört dazu und muss sich nicht fürchten.
"Fürchten" sollen sich alle anderen - was sie als Ungläubige zwar nicht tun, aber die werden ja auch früher oder später sehen, dass sie falsch liegen...
Furcht ist keine schlechte Eigenschaft sondern dient evolutionär dem Überleben
Stößt man auf etwas Unbekanntes und hat das eine gewisse Größe und Erscheinungsbild, ist Furcht natürlich und hat nicht primär mit Engel oder Gott zu tun.
VG
Chey
Furcht ist keine schlechte Eigenschaft sondern dient evolutionär dem Überleben
Stößt man auf etwas Unbekanntes und hat das eine gewisse Größe und Erscheinungsbild, ist Furcht natürlich und hat nicht primär mit Engel oder Gott zu tun.
Richtig. Deshalb ist ja auch ein sicherer Unterschlupf ein zentrales menschliches Bedürfnis, weil es das Gefühl von Sicherheit gibt.
Und eben dieses Gefühl will ja auch der christliche Glaube vermitteln: Die Welt da draussen mag böse sein, aber hier beim Vater bist du in Sicherheit und zu Hause.
Aber auch das setzt Furcht voraus.
Und es beisst sich schon arg mit den Geschichten des AT... da gibt es halt doch allerhand zu fürchten, auch und gerade im Zusammenhang mit Gott.
Also dieses Gefühl hatte ich nie. Mir ging es immer viel mehr um Gemeinschaft
Und meine jetzige Glaubensgemeinschaft hat überhaupt nicht die Lehre, dass die Mitgliedschaft notwendig ist und vor irgendwas rettet.
Und damit bin ich ganz sicher nicht allein. Ich würde sogar schätzen, dass deine Vorstellung allenfalls eine kleine Minderheit betrifft. Zu solchen Vorstellungen muss man schon etwas extremeren Glaubensrichtungen angehören.
Und zum AT: Bedeutet es das wirklich?Wo doch nach jüdischem Glaube gar nicht missionieren wird? Irgendwie ist da eine Unlogik, wenn es stimmen sollte. Oder es stimmt nicht, weil eben das sog. AT ohne jüdische Kommentierung, sprich den Talmud zu einem anderen Verständnis führt.
Ich habe bei dir oft das Gefühl, dass Du bewusst oder unbewusst eine Interpretation suchst, dir deiner Vorstellung entspricht. Schade.
VG
Chey
Wo doch nach jüdischem Glaube gar nicht missionieren wird?
Aber nach christlichem. Und zwar nicht wenig…der Anspruch ist hoch…nicht weniger als alle Völker sollten/sollen hören, dass sie mit Gott versöhnt sind.
Und das Problem dabei, ist dass die Angst beim Missionieren sehr „hilfreich“ sein kann - man kann gut sagen: wenn du nicht dabei bist, kommst du nicht in den Himmel. Ich würde mal vermuten, dass das eher den Grossteil der Christen ausmacht, der das so glaubt, als eine Minderheit…
Was nicht gut ist - aber es liest sich halt auch so in der Bibel. Es gibt etliche Gleichnisse, die in diese Richtung interpretiert werden. Und dann kann Glauben plötzlich mit Angst zu tun haben, wenn man es so gelehrt bekommt. Eine unheilvolle Verknüpfung - aber wirklich nicht unüblich, auch in neuen Christengemeinden.
Das kann aber nicht die Bedeutung der Texte des sog. AT sein, weil es da noch gar kein Christentum gab. Mithin können das keine Missionierungsdrohungen sein.
Dass das Christentum sich oft durch Zwang und Drohung verbreitet ist, ist klar.
VG
Chey
Also dieses Gefühl hatte ich nie. Mir ging es immer viel mehr um Gemeinschaft
Für gewöhnlich ist man ja nicht allein in diesem "Unterschlupf", von dem ich sprach... man lebt dort in einer Gemeinschaft, die Sicherheit vermittelt.
Und meine jetzige Glaubensgemeinschaft hat überhaupt nicht die Lehre, dass die Mitgliedschaft notwendig ist und vor irgendwas rettet.
Das dürfte für eine christliche Gemeinschaft eher ungewöhnlich sein.
Wenn ich hier vom "Christentum" schreibe, dann meine ich das so allgemein wie möglich. Und für Leute wie Paulus war es schon recht klar, dass nur die Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu gerettet werden wird.
Und zum AT: Bedeutet es das wirklich?Wo doch nach jüdischem Glaube gar nicht missionieren wird?
Auch hier zählt die christliche Interpretation, nicht die jüdische. Die Juden sehen da manches anders.
Irgendwie ist da eine Unlogik, wenn es stimmen sollte.
Nicht nur eine... weshalb ich ja auch davon ausgehe, dass vieles nicht stimmen kann, was so alles gelehrt wird.
Ich habe bei dir oft das Gefühl, dass Du bewusst oder unbewusst eine Interpretation suchst, dir deiner Vorstellung entspricht. Schade.
Wie gesagt, ich versuche das allgemein zu halten. Wenn dann ein Christ daherkommt und meint, dass er das aber anders sieht, dann widerlegt das noch nicht meine Argumentation.
Das heißt, für dich ist immer die christliche Interpretation der Mehrheit entscheidend?
Okay, dann schreibe ich an dir vorbei. Für mich ist entscheidend, was wirklich in den Schriften steht.
Denn für mich ist Glaube zunächst immer eine individuelle Entscheidung.
VG
Chey
Das heißt, für dich ist immer die christliche Interpretation der Mehrheit entscheidend?
Daran orientiere ich mich zumindest. Wobei mir natürlich auch klar ist, dass es da große Unterschiede geben kann.
Okay, dann schreibe ich an dir vorbei. Für mich ist entscheidend, was wirklich in den Schriften steht.
Denn für mich ist Glaube zunächst immer eine individuelle Entscheidung.
Solange es Gemeinschaften gibt, die das ähnlich sehen ist das natürlich auch allgemein von Bedeutung.
Völlig individuelle Interpretationen, der sonst kaum jemand folgt können interessant sein... aber das kann man halt nur zur Kenntnis nehmen. Die Frage bleibt dann halt, wie wahrscheinlich es ist, dass das auch der ursprünglichen Intention der Autoren entspricht.
Veröffentlicht von: @lucan-7Das heißt, für dich ist immer die christliche Interpretation der Mehrheit entscheidend?
Daran orientiere ich mich zumindest. Wobei mir natürlich auch klar ist, dass es da große Unterschiede geben kann.
Ohje, der Mehrheit folgen ist nicht gut. Imho.
Oder zumindest nicht immer; siehe Leistungsgesellschaft, siehe Corona, ... persönlich wollte ich gerade schreiben "siehe alles" ^^- weil meine persönliche Erfahrung mit dem Folgen der Herde äh Mehrheit mich bisher immer ins Unglück gebracht hat.
Daher wäre mein persönlicher Tipp, such dir lieber eigene Wege, sie machen dich glücklicher und zufrieden, wenn du auf dich und deine Intuition (Gottes Stimme in deinem Innerem u.a.) hörst, statt darauf was "alle anderen" sagen und tun.
Okay, dann schreibe ich an dir vorbei. Für mich ist entscheidend, was wirklich in den Schriften steht.
Denn für mich ist Glaube zunächst immer eine individuelle Entscheidung.
Solange es Gemeinschaften gibt, die das ähnlich sehen ist das natürlich auch allgemein von Bedeutung.
Völlig individuelle Interpretationen, der sonst kaum jemand folgt können interessant sein... aber das kann man halt nur zur Kenntnis nehmen. Die Frage bleibt dann halt, wie wahrscheinlich es ist, dass das auch der ursprünglichen Intention der Autoren entspricht.
Ich kann die ursprüngliche Intention ganz klar in der Schnittmenge erkennen, die großen gemeinsamen Themen in den Büchern der Bibel:
- Liebe
- Vertrauen auf Gott
- Beziehung mit Gott, die er ja auch aktiv sucht und immer (wieder-)herzustellen versucht bzw. schafft
- Die ständige Versuchung und innere Spaltung des Menschen durch die Sünde
- Die Hoffnung auf Erlösung und Freiheit davon
- Gottes Wirken durch die Menschen
- Gottes Verlässlichkeit und Heilung von zerbrochenen Beziehungen zu ihm
- Erlösung und Neuanfang
Ohje, der Mehrheit folgen ist nicht gut. Imho.
Musst du ja auch nicht. Aber mir ging es ja darum, worum es überhaupt geht, wenn ich vom "christlichen Glauben" schreibe. Da geht es schon darum, was die Mehrheit glaubt, damit man sich sinnvoll darüber unterhalten kann.
Es gibt ja auch Christen, die nicht glauben, dass Jesus tatsächlich auferstanden ist. Was ja auch in Ordnung ist, kann ja jeder glauben was er will... aber das ist halt nicht Teil der üblichen Lehre, für die allermeisten Christen ist die Auferstehung ein zentrales Argument.
Du bist ja irgendwie auch noch selbst auf der Suche.
Orientiert du dich dabei dann auch nur am christlichen Mainstream?
Ich orientiere mich an allem möglichen. Wobei ich mir auch bewusst bin, dass es kaum möglich ist wirklich unbefangen auf etwas zuzugehen und mir vieles vermutlich auch nicht bewusst ist.
So staune ich zur Zeit immer wieder mal, dass manche Menschen, etwa wenn sie aus fernen Ländern kommen, manche Dinge grundsätzlich anders betrachten.
Das sind so Momente, wo mir bewusst wird, wie sehr ich doch auch selbst durch Kultur und Herkunft geprägt bin, oft mehr als ich es selber wahrhaben will, weil ich mir doch oft einbilde, dass vieles, an das ich glaube, allgemeingültig sei - und ich dann feststelle, dass das keineswegs der Fall sein muss.
@lucan-7 Es dürfte allerdings naiv sein, zu glauben, daß es funktioniert, Sichtweisen, die einem anderen kulturellen Kontext entspringen, ohne jeglichen erkennbaren Verweis auf diesen woanders etablieren zu wollen.
Und es beisst sich schon arg mit den Geschichten des AT... da gibt es halt doch allerhand zu fürchten, auch und gerade im Zusammenhang mit Gott.
Nicht nur da - auch im NT wird kräftig die Konsequenz ausgemalt, wenn man nicht glaubt.
Eigentlich kann man es ohne Angst zu bekommen, gar nicht lesen, meiner Meinung nach - oder man wendet sich dann gleich ab und ordnet den christlichen Glauben als Quatsch ein, gerade wegen der Angst.
Dabei ist das tragisch - wo der Kern der Botschaft doch die Versöhnung mit Gott ist, ohne wenn und aber…also im Prinzip genau das Gegenteil von Angst. (Ok, eine Bedingung gibt es: Reue)
Und auch das Gegenteil von Ausschluss und Exklusivclub - alle sollen doch versöhnt werden.
Das hat schon Shakespeersche Ausmasse, diese Tragik….
@stern Mir fällt gerade in dem Zusammenhang ein, dass Glauben ja heißt vertrauen drauf ... Und wenn man den Sündenfall anschaut gibt das total Sinn, was du schreibst; wenn man sich aus Gottes Vertrauen rausbewegt, erlebt man eben die Konsequenzen.
Und wenn man den Sündenfall anschaut gibt das total Sinn, was du schreibst; wenn man sich aus Gottes Vertrauen rausbewegt, erlebt man eben die Konsequenzen.
Ja, aber nicht als Strafe wohlgemerkt, sondern als ….Möglichkeit.
Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse ist nur einer unter vielen Bäumen in Gottes Garten.
Ich denke immer wieder, wenn Adam und Eva sich nur nicht geschämt und versteckt hätten, sondern sich vertrauensvoll an Gott gewandt hätten und ihm alles erzählt hätten…
Und obwohl ich schon so lange zu Jesus gehöre, darf auch ich immer noch in der Hinsicht lernen.
Ich bin so froh, dass Jesus meine ganze Schuld am Kreuz gelassen hat und ich mit Seiner Auferstehung neues Leben habe!
So lerne ich meine Scham zu überwinden und frei zu leben.
Manches scheint tief ins Innere eingebrannt.
Aber Gott ist es immer noch möglich, zu verwandeln, zu heilen, zu überschreiben oder wiederherzustellen und alles Ihm zur Ehre zu gebrauchen.
Das lässt mich wieder ehrfürchtig werden.
Ich denke immer wieder, wenn Adam und Eva sich nur nicht geschämt und versteckt hätten, sondern sich vertrauensvoll an Gott gewandt hätten und ihm alles erzählt hätten…
... dann hätte Gott sie mit offenen Armen empfangen und ihnen verziehen, glaube ich.
Ich bin so froh, dass Jesus meine ganze Schuld am Kreuz gelassen hat und ich mit Seiner Auferstehung neues Leben habe!
So lerne ich meine Scham zu überwinden und frei zu leben.
Da muss ich noch hinkommen aber ich bin gerade auf einem sehr guten Weg.
Ich fühlte Befreiung, als ich endlich meine Fehler eingestand und tiefe Reue empfand, auf was ich mich - trotz der eindringlichen Warnung meiner Intuition, seiner Stimme in meinem Inneren - eingelassen hatte und mit mir haben machen lassen, um der falschen Liebe willen. Ich spürte es so sehr, dass ich weinen musste, seine Verzeihung, seine Annahme, weil ich es damals einfach nicht besser wusste.
Manches scheint tief ins Innere eingebrannt.
Aber Gott ist es immer noch möglich, zu verwandeln, zu heilen, zu überschreiben oder wiederherzustellen und alles Ihm zur Ehre zu gebrauchen.Das lässt mich wieder ehrfürchtig werden.
Das ist so wahr!
Veröffentlicht von: @jack-blackdass ohne diese Angst der Gottesglaube überhaupt keinen Sinn mehr ergäbe. Dieses Argument ist altbekannt in der Form, dass die Religionen und insbesondere das Christentum erst das Problem erzeugen/behaupten müssen, das zu lösen sie dann mit ihrem jeweiligen Gottesangebot versprechen: wer nicht der Ansicht ist, Vergebung zu benötigen, hat z.B. Jesus als Erlöser nicht nötig.
Muss der Gottesglaube, ein Gottesbezug, eine Gotteserfahrung grundlegend und grundsätzlich "aus Angst" erklärt und verstanden werden?
Du benennst (auch mit den beiden persönlich erlebten Beispielen) ein bestimmtes Gottesbild und Gottesverständnis ... Es gibt aber auch Gotteserfahrungen, die ein quasi ozeanisches Überwältigtsein von Licht und Liebe bezeugen, das Menschen in einem Jesus-Erkennen, einer bestimmten Lebens- und Grenzerfahrung, auf einem mystischen Weg oder im Nah-Tod-Erleben gegeben und geschenkt wird.
Es gibt Angstfreiheit gerade ALS und IM Gotteserleben bzw. als Deutung und Überzeugung einer metaphysischen/transzendenten Berührung mit einer göttlichen Wirklichkeit.
Die Frage nach "Vergebung" und "Erlösung" muss mMn auch nicht aus Angst und Furcht vor Gott erwachsen - sie kann schlicht aus der existentiellen Erfahrung kommen, dass sich das "Ich, Wir & die Welt" defizitär und heilungsbedürftig erlebt. Das führt natürlich nicht zwingend zur Religion und zu einer göttlichen Dimension - ich kann es auch existentiell und weltanschaulich anders beantworten. Aber die Gleichung Religion/Gottesglaube = Angst ist für mich so nicht zwingend.
L'Chaim
@awhler Muss der Gottesglaube, ein Gottesbezug, eine Gotteserfahrung grundlegend und grundsätzlich "aus Angst" erklärt und verstanden werden?
Das kann ich Dir logischerweise nicht beantworten, denn aus meiner Perspektive gibt es ja überhaupt keine Gotteserfahrungen. 😀
Was die Angst angeht - so ist sie hier im Thread das von Dir in den Raum gestellte Thema, auf das ich mich denn auch bezog.
Die Frage nach "Vergebung" und "Erlösung" muss mMn auch nicht aus Angst und Furcht vor Gott erwachsen - sie kann schlicht aus der existentiellen Erfahrung kommen, dass sich das "Ich, Wir & die Welt" defizitär und heilungsbedürftig erlebt.
Ich übersetze das mal in meine Sprache: Kontingenzerfahrungen erfordern Umgehensweisen mit ihnen. Und da stimme ich Dir zu. Aber um sich Vergebung zu wünschen, muss ja wohl gedanklich schon allerhand über die Einsicht, dass die Welt angenehmer gestaltet sein könnte, hinaus vorausgesetzt werden. Zum Beispiel, dass die Welt ganz allgemein eine moralisch organisierte Beziehungsangelegenheit* sei, dass dann da ein Gegenüber existiert, welches Vergebung gewähren - oder eben auch verwehren - kann. Und da sind wir halt dann wieder bei dem, was ich oben schrieb: Angst vor der Vergebung gewähren könnenden, aber nicht Vergebung gewähren müssenden Instanz gehört immer schon mit zum Konzept der Vergebung hinzu. Um mit dem Erlösungs- und Vergebungsangebot punkten zu können, braucht der Vertreter der christlichen Lehre zuerst mal die Vorstellung, dass irgendeiner so einer Vergebung bedürfe.
Ob man die solcherart postitulierte Instanz nun vor allem als Angst einflößend oder eher als ermutigend empfindet - das dürfte an frühkindlichen Erfahrungen liegen. Wer als Kind von liebevoll sorgenden Eltern Grundvertrauen vermittelt bekam, der wird im weiteren Leben dazu tendieren, mächtigen Entitäten vertrauensvoll-zuversichtlich zu begegnen, jedoch in Fällen, wo sie sich als feindlich-verwehrend erweisen, sich ihnen dann halt auch entgegenstellen. Weil die Tendenz, sich der Macht zu unterwerfen, in Menschen mit frühkindlich erworbenem Urvertrauen praktisch nicht oder nur in viel geringerem (von der Vernunft bestimmtem) Maße vorhanden ist.
Wer als Kind lernte, wie fragil die Sicherheit in Relation zur Macht ist, wie jederzeit die Macht das, was man sich von ihr wünscht, verwehren und das, was man von ihr befürchtet, tatsächlich tun kann - der wird dieses mangelnde Urvertrauen entsprechend auch im späteren Leben nicht einfach aufbringen können, sondern anderen "höheren Mächten" als den eigenen Eltern ebenso zutrauen, jederzeit willkürlich von freundlich-liebevoll-sorgend auf feindlich-strafend umzuswitchen.
Das Gotteskonzept eines allmächtigen, d.h. alles gewähren oder eben auch verwehren könnenden Weltenherrschers entspricht insofern sehr gut einer Menschheit mit pädagogisch unaufgeklärten Eltern und streng hierachisiertem Machtgefälle inner- und dann auch ausserhalb der Kernfamilien.
Das führt natürlich nicht zwingend zur Religion und zu einer göttlichen Dimension - ich kann es auch existentiell und weltanschaulich anders beantworten. Aber die Gleichung Religion/Gottesglaube = Angst ist für mich so nicht zwingend.
So, mit Identität behauptendem Gleichzeichen, hat die Gleichung ja auch niemand aufgemacht. Aber ich behaupte mal: ohne die Angst vor einem strafenden, bzw. irgendetwas Erwünschtes (wie das ewige Leben im Paradies) verwehren könnenden Gottes gäbe es die abrahamitischen Monotheismen heute längst nicht mehr.
*Auf so eine Vorstellung dürften z.B. Meeresschildkröten, die ja auch irgendwie damit umgehen müssen, dass ihnen nicht alles, was sie gern hätten, einfach so zufällt, nie kommen: sie machen beispielsweise nie die Erfahrung, dass andere Schildkröten dafür sorgen, dass sie zu fressen bekommen - keines ihrer Grundbedürfnisse lässt sich dadurch leichter erfüllen, dass sie irgendjemanden für sich sorgen lassen. Weswegen Schildkröten bekanntlich auch keine Götter anbeten, was Terry Pratchetts Idee des kleinen Gottes Om, der in Schildkrötengestalt auf Erden wandelt, so doppelt geistreicht macht: klar, dass so einer wenig Anhänger findet... 🙂
Inwieweit spielt die Angst vor Gott tatsächlich - bewusst oder unbewusst - auch bei Christen noch eine bleibende (den Glauben grundierende bzw. ihn erhaltende) Rolle?
Ich will nochmal darauf hinweisen, weil Deborah das auch so schön differenziert hat, dass Angst und Ehrfurcht zwei verschiedene Emotionen sind.
Angst und Liebe ❌❌❌
gehen nicht zusammen (und wir sollen ja lieben, besonders Gott)
Liebe und Ehrfurcht ✅✅✅
gehen zusammen.
Aus ersterem kommt kein Frieden mit Gott.
Je mehr ich mich mit dem Glaube und der Bibel beschäftige, erkenne ich: Angst kommt nicht von Gott, sondern von den Menschen und den Kirchen um Kontrolle, Macht, Gehorsam, Einheit, Abhängigkeit und ihnen nützliches Verhalten zu schaffen.
Sie ist eine Fehlübersetzung, wie neubaugoere schon offenbarte und das Resultat daraus, dass Menschen früher mit Erschrecken auf Gottes überwältigenden Erscheinungen reagierten, was später als "Angst" gedeutet wurde.
Magst du noch deine Gedanken mitteilen zu dem Anfang von Angst in der Menschheit?
Mir ist eine Sache wichtig: als mir bewusst wurde, dass ich Gott mit menschlichen Personen verglichen habe, die dazu noch ziemlich neben der Spur waren (dysfunktionale Familien, böse Väter), machte ich einen großen Bogen um Ihn. Es löste Panik aus: "Was ist, wenn Gott so ist wie mein Vater?" wegrennen, so schnell und so weit wie es ging.
Die Lösung war dann die Abwendung von diesem Vergleichen und die Erwartung, dass Gott anders ist und jede Vaterwunde heilen will. Die Angst hatte keinen Brückenkopf mehr in meinem Leben.