Gibt es Menschen, zu denen das Christentum grundsätzlich nicht passt?
Hallo zusammen.
habe mir Gedanken über folgenden hypothetischen Fall gemacht" "Das Christentum ist nicht die zu der Person, zu deren Charakter, passende Religion." Konkrete Begründungen können z.B. sein: Die Person ist z.B. zu "weltlich", hat zu sehr Angst vor Krankheiten/Tod, bemisst dem irdischen Leben viel zu hohe Bedeutung bei & ist mehr individualistisch unterwegs anstatt gemeinschaftlich.
Mich bringt dieses Gedankenspiel sehr zum Nachdenken... Ob es gerade in der heutigen Zeit, wo es so viele spirituelle Alternativen gibt, viele Menschen vom Glauben an Jesus vielleicht abhält, da sie sich denken "ich passe sowieso nicht in das Bild eines Christen", "schaffe nicht die christlichen Werte auch zu leben" usw...
Freue mich auf Meinungen.
Du vergisst auch Tradition. Ein Muslim bleibt meistens Muslim, ebenso ein Hindu oder Buddhist. Immer wieder brechen ein paar Leute da raus und werden Christen. Wir, in den westlichen Welt, sind eben christlich geprägt und das zeigt sich auch in den Grundwerten verschiedener Nationen. Es wird akzeptiert und angenommen. Auch von den Nichtchristen.
Meine Nachbarin, die esoterisch behaftet ist. empfindet das Christentum mit der Rettung nur durch Jesus allein, als anmaßend.
@meriadoc Klar, die Tradition. Wollte es auch noch schreiben, hatte es aber dann vergessen. Logisch spielt die natürlich bei alldem auch eine große Rolle...
Aber was wenn jetzt z.B. ein Angehöriger irgendeiner Religion merkt (das betrifft nicht nur das Christentum, das Christentum habe ich jetzt eben exemplarisch genommen): "Ich schaffe es nicht, das wirklich zu leben, "ich glaube zwar an Gott, aber charakterlich bin ich anders, als ich es bei meinem (z.B. muslimischen) Glauben sein sollte"
Ich finde die Frage schon recht entlarvend, ehrlich gesagt... hast du denn ernsthaft geglaubt, das Christentum sei tatsächlich für jeden Menschen geeignet, unabhängig von seiner Kultur, Herkunft und persönlichem Hintergrund...?
Im Grunde beantwortet doch die Realität schon deine Frage: Es gibt Menschen, die recht gut über das Christentum informiert sind, sich aber dennoch nicht dazu bekennen mögen.
Was für Gründe könnten das denn sein, ausser dass es eben irgendwie nicht passt...?
@lucan-7 Ich habe das Gefühl, hier vollkommen missverstanden zu werden - lag wahrscheinlich daran, dass ich meinen Gedankengang nicht gut genug schriftlich formulieren konnte
Zu deiner Frage - nein, natürlich nicht.
Mir geht es um Menschen, die bereits Christ sind, aber das Gefühl haben, sie werden den Anforderungen der Religion, den Anforderungen ihres Glaubens nicht gerecht. Die salopp gesagt nicht den Eindruck haben "gute Christen" zu sein... Obwohl sie an Gott glauben
Mir geht es um Menschen, die bereits Christ sind, aber das Gefühl haben, sie werden den Anforderungen der Religion, den Anforderungen ihres Glaubens nicht gerecht. Die salopp gesagt nicht den Eindruck haben "gute Christen" zu sein... Obwohl sie an Gott glauben
Ach so, das ist natürlich etwas anders...
Aber auch das erscheint mir irgendwie normal. Wenn es Leute gibt, die begeisterte Christen sind, und andere, die damit gar nichts anfangen können... dann erscheint es mir doch einleuchtend, dass es auch Leute gibt, die irgendwo dazwischen sind.
Also Menschen, die sich zwar für den Glauben begeistern können, dabei aber auch Zweifel ernst nehmen und Dinge hinterfragen.
Ehrlich gesagt finde ich solche Leute auch im Glauben überzeugender... jemand der mit Begeisterung alles glaubt und Nichts hinterfragt erscheint mir eher naiv als gläubig zu sein, während jemand, der Dinge hinterfragt und Zweifel zulässt den Glauben meiner Ansicht nach sehr viel ernsthafter betreibt - und damit auch glaubwürdiger erscheint.
Ich will mal etwas überspitzt antworten:
Diesen würde ich raten, ihre fundamentalistische Freikirche zu verlassen und sich eine Gemeinde in einer normalen Freikirche/EKD/Kath. Kirche zu suchen.
Denn solche Vorstellungen kenne ich eigentlich nur aus dieser Ecke.
VG
Chey
Ich greife das mal auf ... an anderen Stellen habe ich zuvor schon öfter hingewiesen auf das sog. "post-evangelikale" Milieu, in dem sich Menschen wiederfinden, denen ihr vorheriger Glaube (wie sie ihn zuvor gelebt, verstanden und für selbstverständlich gehalten haben) und der Katalog der Glaubensvorstellungen (Bibel, Moral, Heilsverständnis etc.) ihrer (freikirchlichen, "bibeltreuen", charismatischen) Gemeinden zu eng, zu einseitig und zu fordernd geworden ist.
Ob man nun post-evangelikal, Emerging Church usw. dazu sagt - es sind Christen, die an einem Punkt in ihrem Leben sind, wo das bisherige "Bild eines Christen" (wie Du es nennst) für sie nicht mehr passt ... und sie suchen Wege, um im doppelten Sinne "weiter glauben" zu können.
Autoren/Autorinnen, die mir dazu (hilfreich für Suchende in dieser Richtung) einfallen und die zu goopgeln sind, sind z.B. Rob Bell, Brian McClaren, Rachel Held Evans, Nadia Bolz-Weber (die alle mit dt. übersetzen Büchern) und (mein Favorit) Dave Tomlinson ("How to be a bad Christian ...", den ich z.Zt. hier und da übersetze).
Ich glaube auch, dass außerhalb unserer christlichen Konfessionen & Kirchtümern viel Gottesbegegnung/Gotteserfahrung, Spiritualität und Christus-Berührung in der Welt ist, dass manche Menschen weite und andere Wege gehen dürfen, wollen und müssen ... viele kehren mit der Zeit auch, geweitet und vertieft, zu Grundierungen und Wurzeln zurück.
Und "Christsein nach Maaß?!" gibt es nur als Forderung, falsches Ideal und Wunschdenken, das sich an der Wirklichkeit bricht.
L'Chaim
Mir geht es um Menschen, die bereits Christ sind, aber das Gefühl haben, sie werden den Anforderungen der Religion, den Anforderungen ihres Glaubens nicht gerecht. Die salopp gesagt nicht den Eindruck haben "gute Christen" zu sein... Obwohl sie an Gott glauben
Also in Anbetracht der Tatsache, dass das mit Gott ja auch oft ein Ringen ist…Fleisch und Geist eben…finde ich es eigentlich komisch, wenn die Leute denken, sie wären „gute“ Christen.
Eigentlich gibt es in meinen Augen sowas gar nicht. Es gibt nur Nachfolger, die eben ihren Weg mit Gott gehen und dabei sicher mehr als nur einmal sich ihr „schuldig“ sein einzugestehen haben….
Also da Jesus davon spricht täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen - ist in jedem von uns das Potenzial das einem das alles zuviel wird oder werden kann.
@coffeeandbible ich möchte die grundsätzliche Frage mit einem Psalm beantworten:
"Ich ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten." (Jesaja 65,1)
Ich stelle mal einen anderen Provokanten Gedanken zur Disposition: "Gibt es Personen, zu denen das Menschsein nicht passt?"
In der christlichen Tradition und Lebenserfahrung gibt es vom Einsiedler über den ganz normalen Otto über die in selbst aufopfernde Mutter (Theresa) bis zum im Rampenlicht stehenden Superstar alles.
Es gibt wohl keinen Lebensstil oder Persönlichkeitstyp für den die christliche Lebenserfahrung keinen Rahmen bietet.
In den USA gibt es sogar christliche Swingerclubs. 😮
Die swingen und wollen dabei auch missionieren.
Es gibt wohl wirklich nichts, was es nicht gibt.
VG
Chey
PS: Für die Unkundigen: Swingen ist sexueller Partnertausch. In Clubs also so ne Art Sexorgien.
Das erinnert mich an 70er und an die "Children of God" ("Kinder Gottes", heute "The Familiy") und ihren Anführer "Mose Berg" mit seinen "Mo-Briefen" ... die waren im Stream der "Jesus-People"-Bewegung eine abseitige Sekte ... und die Frauen waren missionarisch zum "Flirty Fishing" berufen, wobei es beim Flirten wohl auch nicht blieb ...
Das Wort "Missionarsstellung" definierten die damit auch neu 😉
L'Chaim
Veröffentlicht von: @arcangelEs gibt wohl keinen Lebensstil oder Persönlichkeitstyp für den die christliche Lebenserfahrung keinen Rahmen bietet.
Was meinst Du damit?
Menschen sind (als "Persönlichkeitstypen") grundsätzlich unterschiedlich (in Veranlagung, Prägung, Empfänglichkeiten und Abneigungen) und gehen in ihrer Lebensfüllung und ihrem "Lebensstil" (DEnken, Fühlen, Erkennen, Werte, Ziele, Gestaltung) unterschiedliche Wege.
"Christliche Lebenserfahrung" verstehe ich nicht - es gibt "Lebenserfahrungen" an sich.
"Christliche" Lebenserfahrung ist auf das "an sich" mMn eine Deutung, Sichtweise und Bewertung von Lebenserfahrung(en), die auch ganz anders gedeutet/verstanden werden kann und deshalb als Deutungs-"Rahmen" für bestimmte Menschen nicht nachvollziehbar, zugänglich oder akzeptabel ist.
Ein Beispiel: Krankheit oder Unglück ist eine Lebenserfahrung. Sie kann "geframed" werden als Zufall, als Selbstverschuldung, als Strafe, als Chance, als Karma - und je nachdem, welchen Rahmen Du hast (als Atheist, Esoteriker, Muslim oder Buddhist) empfindest und berurteilst Du den "christlichen Rahmen" (der Erfahrung & Deutung) als einen, mit dem Du nicht einverstanden bist und in den hinein 😉 Du dich nicht stellst oder siehst ...
Als Christ würdest Du dem Anderen sagen: "Passt doch, auch für Dich!" - aber für den Anderen passt es nicht, auch wenn Du sagst: "Doch!" 😉
Ich komme darauf, weil ich gerade Hermann Hesse lese ..."Ich habe zeitlebens eine Religion gesucht, die mir zukäme, denn obwohl ich in einem Hause von echter Frömmigkeit aufgewachsen bin, konnte ich doch den Gott und den Glauben, der mir dort angeboten wurde, nicht annehmen. Das geht bei manchen Jungen leichter oder schwerer, je nach dem Grad der Persönlichkeit, zu dem sie fähig und bestimmt sind" ... und: "In der frühen Jugend gelang es mir nicht ... innerhalb der religiös-geistigen Welt, in der ich aufwuchs, mich zu entwickeln, d.h. auf meine Art und ohne Verlust meiner Persönlichkeit ein Christ zu werden." (aus: Die Einheit hinter den Gegensätzen, Suhrkamp, o.A.)
Hesses Sätze - so denke ich - sind auf den Punkt ein persönlicher und authentischer Widerspruch zu Deinem Satz ... und ich kann Hesses Reflexion gut nachvollziehen ... was meinst Du dazu?
L'Chaim
Mit Lebenserfahrung meine ich wie man das Leben erfährt und diese Lebenserfahrung ist eine Synthese von a) den Umständen und b) wie man diese Umstände erfährt/interpretiert/bewältigt. Die gleichen Umstände bewirken in unterschiedlichen Personen unterschiedliche Reaktionen und Erfahrungen und umgekehrt.
Eine christliche Lebenserfahrung fügt sich nun in b) ein. Sie filtert interpretiert und bewältigt Umstände durch einen christlichen Glauben, dabei geht der Individualismus nicht verloren, sondern wird individuell geprägt.
Zu Hesse
"In der frühen Jugend gelang es mir nicht ... innerhalb der religiös-geistigen Welt, in der ich aufwuchs, mich zu entwickeln, d.h. auf meine Art und ohne Verlust meiner Persönlichkeit ein Christ zu werden."
Das ist das Problem, die Angst oder den Egoismus sich selbst aufgeben zu müssen. Die Vorstellung das man in irgendeinen charakterlosen Bibelklopfer verwandelt wird der ohne Lust und Leidenschaft auf den Knien durch die Kirche kriecht.
Personen die sich meinen Christ sein sei nichts für sie, haben eine Karikatur dessen vor Augen, was es beutetet, Christ zu sein.
sind auf den Punkt ein persönlicher und authentischer Widerspruch
Ich denke nicht das dies etwas mit Persönlichkeit oder Authentisch sein zu tun hat. Vielmehr hat es etwas mit Stolz zu tun, (ich will mich nicht unterordnen) und Ignoranz (ich weiss am besten wie ich ein erfülltes Leben führen kann).
Veröffentlicht von: @arcangelPersonen die sich meinen Christ sein sei nichts für sie, haben eine Karikatur dessen vor Augen, was es beutetet, Christ zu sein.
Ich denke nicht das dies etwas mit Persönlichkeit oder Authentisch sein zu tun hat. Vielmehr hat es etwas mit Stolz zu tun, (ich will mich nicht unterordnen) und Ignoranz (ich weiss am besten wie ich ein erfülltes Leben führen kann).
Also Hesse hatte definitiv keine "Karikatur dessen vor Augen, was es bedeutet, Christ zu sein." Es sei denn Du betrachtest seine ernsthaft und bemühte pietistisch-fromme Familie (der Großvater war ein gebildeter, weltgewandter Missionar, die Mutter eine rührende Beterin) und das Umfeld von Bad Boll (Christoph Blumhardt) als Karikatur - was nicht glaube.
Und Du beurteilst Hesse (und alle, die sich mit ihrem Leben/Empfinden/Denken & Fühlen identifizieren bzw. darin wiederfinden können) sehr abwertend, in dem Du ihm/ihnen Stolz und Ignoranz vorwirfst! ... Denkst Du nicht, dass "Persönlichkeit" und "Authentizität" wunderbare, erstrebenswerte und ehrliche Begriffe für das sind, was Gott uns zugesteht ... und dass es wehtun kann, wenn Du Menschen, die sperrig und unfähig sind in ihrem "Fassungsvermögen", so beurteilst, wie Du es tust?
L'Chaim
Denkst Du nicht, dass "Persönlichkeit" und "Authentizität" wunderbare, erstrebenswerte und ehrliche Begriffe
Können sie, sie können aber auch ein Abwehrmechanismus und Rechtfertigung sein! Ich kenne Hesse nicht wirklich, deshalb reagiere ich nur auf die von dir zitierten Stelle. Ich weiss aber das Menschen, die mitten drin stecken können und dennoch eine sehr verzerrte Sicht haben können, vor allem und gerade innerhalb familiärer Kontexte.
Es sei denn Du betrachtest seine ernsthaft und bemühte pietistisch-fromme Familie
Wo die einen Ernsthaft und bemüht sehen, sehen andere Engstirnig und verkrampft, ich weiss nicht wie Hesse dies sah.
Karikatur bedeutet ja in diesem Zusammenhang nicht lächerlich.
Oder wie sagt der Pfarrerssohn zu seinem Vater: "Papa meinst du das ernst oder bist du am Predigen?"