Befragung: Wie versteht ihr persönlich die Trinität?
Mich interessiert Eure persönliche Sichtweise:
0. Gott ist grundsätzlich nicht definierbar; Jede Definition birgt die Gefahr von Selbstvergötzung im Sinne der Vergöttlichung menschlicher Definition.
Wenn nicht:
1. Was ist ein Mysterium?
2. Was ist die ousia (Natur)?
3. Was ist die Hypostase (individuelle Seinswirklichkeit)?
4. Was ist eine Person?
5. Jesus:
1. Keine Hypostase, kein differenzierbares Naturell, keine eigenständige Person:
Jesus ist Gott. Alles andere ist unwichtig. Definitionen sind inadäquat, nicht essentiell wichtig oder Versuchungen des Teufels.
Fideismus, antiauthoritäres/postmodernes Christentum.
2. Keine Hypostase, kein differenzierbares Naturell, eine eigenständige Person:
In Jesus erscheint und wirkt Gott als menschlicher Scheinkörper nachvollziehbar geistig wie physisch individuell sowie persönlich adäquat.
Doketismus.
3. Keine Hypostase, ein differenzierbares Naturell, keine eigenständige Person:
Jesus ist die gottgewollte, visionäre Erscheinungsmaske göttlichen Wirkens auf Erden in individuell persönlicher Fassbarkeit.
Monarchistischer Modalismus.
4. Keine Hypostase, ein differenzierbares Naturell, eine eigenständige Person:
Jesus ist entweder Gott auf Erden mit eigener Persönlichkeit oder ein Mensch, der von Gottes Kraft erfüllt wurde.
Patripassianismus / extremer Adoptianismus.
5. Eine Hypostase, kein differenzierbares Naturell, keine eigenständige Person:
Jesus ist individuell, mystische Vision menschlichen Erlebens des göttlichen Wirkens und oder Kraft bzw. Energie auf Erden.
Subjektiver Idealismus.
5. Eine Hypostase, kein differenzierbares Naturell, eine eigenständige Person:
Jesus ist ein Avatar Gottes. Seine menschliche Natur wurde völlig absorbiert und ins göttliche transformiert.
Radikaler Monophysitismus/Eutychianismus.
6. Eine Hypostase, ein differenzierbares Naturell, keine eigenständige Person:
Jesus ist eine Emanation Gottes und damit Gott untergeordnet.
Arianismus/Neuplatonismus.
7. Eine Hypostase, ein differenzierbares Naturell, eine eigenständige Person:
Die zwei Naturen vor der Menschwerdung haben sich mit Empfängnis derart perfekt verbunden, das daraus eine neue gottmenschliche Natur entstanden sei.
Miaphysitismus und liberaler Monophysitismus.
8. Eine Hypostase, zwei differenzierbare Naturelle, keine eigenständige Person:
Jesus ist die Manifestation eines Schöpfungsprinzips, das Geist und Materie metaphysisch vereint.
Christologie von Unten/Evolutionäre Theologie.
9. Eine Hypostase, zwei differenzierbare Naturelle, eine eigenständige Person:
Jesus ist konkretes Individuum und agiert als eigenständige Person, vereint aber in sich das vollständige göttliche und das vollständige menschliche Wesen, ohne dass beide miteinander verschmelzen.
Dyophysitismus der chalzedonischen Orthodoxie.
10.Zwei Hypostasen, zwei differenzierbare Naturelle, zwei eigenständige Personen:
In Jesus existieren der göttliche Logos und der menschliche Jesus als zwei völlig eigenständige Wesenheiten und Personen nebeneinander. Sie sind durch das Band der Liebe miteinander verbunden.
Bipersonalismus.
Ich hoffe keine Begrifflichkeiten durcheinander gebracht zu haben.
Bitte auf Polemiken verzichten. Ich bewerte und beurteile keine gemachten Angaben und bitte alle lesenden, dies ebenfalls so zu handhaben. Danke.
Veröffentlicht von: @claudius0. Gott ist grundsätzlich nicht definierbar; Jede Definition birgt die Gefahr von Selbstvergötzung im Sinne der Vergöttlichung menschlicher Definition.
Einverstanden! Das sehe ich so.
Was Jesus angeht: Jeder Mensch hat aus meiner Sicht einen göttlichen Funken mitbekommen. Bei Jesus war dieser so ausgeprägt, dass man ihn in gläubiger Verehrung als Inkarnation Gottes in einem Menschen beschreiben kann. Allerdings war Jesus nicht identisch mit Gott. Jesus war gläubiger Jude, für ihn selbst wäre eine solche Aussage Häresie gewesen. Er hat zu Gott gebetet, und ich halte das nicht für Selbstgepräche. Er hat sich mindestens einmal von Gott verlassen gefühlt. Das alles passt meiner Meinung nach nicht mit der christlich-theologischen Trinitätslehre zusammen.
Claudius, unter welchem der von dir angeführten Kategorien 1-10 du meine Position subsumierst, überlasse ich dir. Das Ergebnis würde mich aber interessieren.
Veröffentlicht von: @tojakIch habe die Trinitätslehre immer als künstlich, nachträglich (bezogen auf die biblischen Schriften) aufgesetzt und insgesamt schon rein logisch unbefriedigend empfunden, auch wenn sie pragmatisch von Nutzen sein kann.
Du meinst 'irgendwie konstruiert'? Das ist auch so gefühlsmäßig meine Meinung.
Damit meine ich, dass diese drei Wesen untrennbar zusammengehören, und ich weiß um den Spruch Jesu
'Ich und der Vater sind eins', aber ich versuche nicht (mehr), etwas zu erklären, was nicht wirklich erklärbar ist.
Veröffentlicht von: @chaiDu meinst 'irgendwie konstruiert'? Das ist auch so gefühlsmäßig meine Meinung.
Damit meine ich, dass diese drei Wesen untrennbar zusammengehören, und ich weiß um den Spruch Jesu
'Ich und der Vater sind eins', aber ich versuche nicht (mehr), etwas zu erklären, was nicht wirklich erklärbar ist.
Oder aus "Wer mich sieht, sieht den Vater" (Joh 14,9). Bei diesem wie bei dem von dir zitierten Wort halte ich eine trinitarische Interpretation überhaupt nicht für zwingend. Ganz davon abgesehen, dass wir mit Vater und Sohn erst zwei hätten.
Und die Punkte, die ich genannt habe, werden damit auch keineswegs entkräftet.
Bei der Taufe Jesu sind alle drei aktiv.
Der Vater spricht, der Sohn ist getauft und empfängt den Heiligen Geist, der Heilige Geist kommt in einer sichtbaren Form auf Jesus.
oder wieder drei genannt:
Im Himmel sind zwei und einer auf der Erde:
der Vater sitzt auf dem Thron, der Sohn zur Rechten, der Heilige Geist ist der Stellvertreter Christi auf Erden.
In deinen Aufzählungen lese ich immer von dreien, deren Rollen auch nicht austauschbar sind und die mithin nicht identisch sind.
1Joh 5,8
und drei sind es, die Zeugnis ablegen auf der Erde: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein.
1Joh 5,7
Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins;
Sind sie jetzt drei oder sind sie eins? Sie können nicht beides zugleich sein. Das wäre schlicht unlogisch. 3 ist ungleich 1. Dass die drei in ihrem Zeugnis übereinstimmen (1. Joh 5,8), wäre schon etwas entscheidend anderes. Das ist nicht unlogisch.
Und was ist mit meinen Einwänden von oben? Hat Jesus zu sich selbst gebetet? Wie kann er sich von Gott verlassen gefühlt haben, wenn er doch selbst Gott war?
Sind sie jetzt drei oder sind sie eins? Sie können nicht beides zugleich sein. Das wäre schlicht unlogisch. 3 ist ungleich 1.
Unlogisch?
Hmm 🤔
Gott hat sich so offenbart.
Als ein Gott! Bestehende aus Vater, Sohn und Heiliger Geist ❣️
3 und doch 1.
Der Mensch ist mit seinem begrenzten Verstand nicht in der Lage Gott in seinem ganzen Wesen zu verstehen.
Deshalb hat sich ja Gott dem Menschen offenbart soweit der Mensch es verstehen kann.
Wir sind ja angehalten Gott zu Glauben und zu vertrauen das ER ist wie ER sagt 🙂.
Hat Jesus zu sich selbst gebetet? Wie kann er sich von Gott verlassen gefühlt haben, wenn er doch selbst Gott war?
Jesus hat zu seinem Vater gebetet.
Gott =Vater, Sohn und Heiliger Geist ❣️
Veröffentlicht von: @emberDer Mensch ist mit seinem begrenzten Verstand nicht in der Lage Gott in seinem ganzen Wesen zu verstehen.
Richtig. Deshalb versucht er mit seiner begrenzten Vorstellungskraft zu erklären, was im Prinzip unerklärlich ist.
Die Annahme, dass etwas unerklärlich ist, wird hier bereits als Prämisse gesetzt. Ich würde lediglich behaupten, dass nicht prüfbar ist, ob eine Erklärung zutrifft. Soweit die Erklärung in sich selbst schlüssig ist, hat sie zumindest das Potential, zutreffend zu sein.
Wenn man mathematische Gleichungen umstellt, ergibt sich häufig ein anderes Ergebnis. Aber es könnte auch ein Hinweis sein. Man kann, wenn man sich auf eine Formel einlässt, ein richtiges Verständnis erlangen und zum richtigen Ergebnis kommen. Natürlich gibt es auch immer Menschen, die etwas finden, um gegen etwas zu sein.
Veröffentlicht von: @tojakVeröffentlicht von: @chaiDu meinst 'irgendwie konstruiert'? Das ist auch so gefühlsmäßig meine Meinung.
Damit meine ich, dass diese drei Wesen untrennbar zusammengehören, und ich weiß um den Spruch Jesu
'Ich und der Vater sind eins', aber ich versuche nicht (mehr), etwas zu erklären, was nicht wirklich erklärbar ist.Oder aus "Wer mich sieht, sieht den Vater" (Joh 14,9). Bei diesem wie bei dem von dir zitierten Wort halte ich eine trinitarische Interpretation überhaupt nicht für zwingend. Ganz davon abgesehen, dass wir mit Vater und Sohn erst zwei hätten.
Wenn ein Paar sagt 'wir sind eins', dann denkt man ja auch nicht, es nur noch mit einer Person zu tun zu haben.
Die sind sich einig, die gehören ganz eng zusammen, der eine kann (möglicherweise) für den anderen sprechen - aber es bleiben zwei Personen.
@tojak Kategorie Null: Alle weiteren Kategorien bedingen eine Definition der Natur von Jesus im Verhältnis zu den Begriffen Vater, Sohn und Heiliger Geist, weswegen ich Klärung der Begrifflichkeit von Mysterium, Natur, Hypostase und Person vorangestellt habe. Dies müsste eigentlich erst einmal gegeben sein, bevor eine weitere Festlegung erfolgen kann.
@claudius Ich würde noch die soziale Trinität hinzufügen wie sie wunderbar in dem Film "Die Hütte" dargestellt wird. Vater Sohn und heiliger Geist sind in inniger Liebe miteinander verbunden und damit eins.
Ja - der Film ist mMn eine sehr anschaulich-gelungene und berührende, für Manche auch herausfordernde "Phantasie-Umsetzung" der Trinität.
Meine Ergänzung zum Thread, ohne dass ich hier alles verfolgt habe, ist noch eine sehr persönliche:
Die göttliche Wirk-lichkeit bekommt für mich und meinen Glauben trinitarisch eine große, wunderbare Tiefe und Weite, weil GOTT und der GEIST GOTTES mMn IN JESUS, aber auch in der Welt, außerhalb von Kirche und Christentum, in anderen Kulturen, Religionen und auch säkularen Lebensbereichen präsent ist und wirkt ...
Das bewahrt mich als Christ immer wieder vor falschen Verengungen, unnötigen Begrenzungen und einem unguten "Fundamentalismus" in der Verhältnissetzung zur Welt.
L'Chaim