Das Ideal christlicher Identität und die Realität christlicher Gemeinschaften - oft ein Widerspruch
Liebe Community,
Mir ist aufgefallen, dass christliche - oder auch allgemein: religiöse - Werte und Grundhaltungen, in Vergessenheit geraten, wo sich größere Gemeinschaften von Gläubigen bilden. Dann gewinnen oft gruppendynamische Prozesse, die sich eher biologisch-evolutionär denn theologisch erklären lassen, die Oberhand. Die Theorie des Überlebens des Stärkeren lässt keinen Raum für Feindesliebe.
Solche Beobachtungen liefern dann Argumente für Gegner des Glaubens generell. Global betrachtet werden dann primitiv-biologisch gegründete ideologische Entgleisungen zu ganz schlechten Zeugnissen für den Glauben, die sogar die Abschaffung oder strenge Kontrolle von Gläubigen rechtfertigen können. Wo Gläubige sich kulturzerstörend wie Terroristen benehmen, liefern sie solchen, die sie wie Terroristen verfolgen möchten, gute Argumente.
Das Ganze wird uns aktuell im Zentrum unserer Hegemonialmacht vorgeführt - ist aber historisch kein Einzelfall.
Es gibt selbst in dem so auf Frieden fokussierten Buddhismus Fälle, in denen aus dem Buddhismus Gewalt entgegen ihrer theologischen Grundlagen ausging.
Beispiele (nach Chat GPT):
Japanische Sōhei (僧兵) – die „Kriegermönche“ (10.–16. Jahrhundert)
Sri Lanka – politisch-nationalistische Mönchsbewegungen (20.–21. Jahrhundert)
Myanmar (Burma) – der „969-Bewegung“ und Ashin Wirathu (21. Jahrhundert)
Tibet – Konflikte zwischen Klöstern, Sekten und Herrschern (15.–19. Jahrhundert)
Südostasien im Zweiten Weltkrieg – buddhistische Autoritäten unterstützen Kriegsanstrengungen
Wenn ich die Beispiele christlicher Verirrungen aufzählen wollte, würde der Platz hier vermutlich nicht ausreichen, um alles aufzuführen. Gleiches für die moslemische Welt.
Aber hier geht es mir ja um das Prinzip.
So ziemlich alle Religionen haben auch Elemente, die den Frieden und die gute Gemeinschaft fördern sollen.
Aber Gemeinschaften unterliegen gruppendynamischen Prozessen, die sich psychologisch/biologisch erklären lassen und die oft den religiösen Überzeugungen diametral entgegenstehen.
Ich habe diesen Beitrag in das Thema "Theologie" eingeordnet. Es hätte auch gut woanders stehen können.
Aber lasst uns doch mal überlegen, wie stark unter verschiedenen theologischen Glaubensrichtungen die Abwehr solcher gruppendynamischen Entgleisungen ist.
Was fördert ein "bei den Werten bleiben"? Was fördert die Abgrenzung zu anderen Gruppierungen, was immer auch schnell mal Fronten und Kriege entstehen lässt. Wie große ist die Gefahr, von anderen Gruppen überrannt zu werden und so zu verschwinden? Was fördert die Resilienz gegenüber Anfeindungen ohne dass es Gewalt-Phantasien auslöst? Ist es vielleicht sogar eine unausweichliche Folge von Gruppenbildung, dass biologisch getriebene sozialprozesse Abgrenzung auslösen, was zu den eskalierenden zu Konflikten führt?
Wie können wir christlich im Sinne der Worte Jesu leben? Jesus wünscht sich Gemeinden. Es gibt viele Christen, die sich davon verabschiedet haben, um Jesus als Individuen nachzufolgen. Und das meist nicht, um "besser" zu sein als die Geschwistern in den Gemeinden, sondern um gruppendynamischen Prozessen, die den Geist dämpfen oder eine Tendenz zur Feindhaltung gegen Andersdenkende fordern, zu entkommen.
Ursachen für den Wunsch einer Gruppe, die anderen Gruppen zu dominieren, dürfte verschiedene Ursachen haben. Da gibt es neben der Dominanz in den Köpfen sicher noch wirtschaftliche, machtpolitische, historische und andere Gründe.
Ich denke, dass wir Christen einen Schlüssel hätten, diese Situation zu überwinden. Die friedensfeindlichen Aktivitäten sind von Menschen getrieben. Auslöser davon dürften häufig, die Angst vor Unterlegenheit sein, für einen Identitätsverlust - die im Falle von christlichen Gemeinschaften zu einem Verlust christlicher Werte und damit christlicher Identität führt. So wird es zum Spiel ohne eine Chance auf einen Sieg.
Für Christen sollten aber nicht Menschen, sondern Gott (über von Gott unmittelbar geleitete Menschen) die Dinge führen. Die Lösung ist die Abgabe der gestaltenden Ebene an Gott selber. Wo der Glaube tief ist und Vertrauen aufgebaut wurde, kann dann Angst vor der Übernahme durch andere Gruppen nicht mehr aufkommen, weil der, der alles geschaffen hat und die eigene Gruppe unmittelbar führt, Macht genug haben wird, diese Gruppe zu erhalten.
Gestern habe ich mir ein paar Videos mit Interviews von Jamie Winship angehört. Der ist u.a. Christ und Polizist - später Missionar in islamischen Ländern. Und er lässt sich ganz unmittelbar von Gott führen. Z.B. hat Gott ihn beauftragt, einen schon festgenommenen Kriminellen wieder freizulassen, was für ihn disziplinarrechtlich fatale Folge gehabt haben könnte. Aber er hat auf Gott gehört und dieser freigelassene Kriminelle hat sich als dankbar erwiesen und über Tipps fast die gesamte kriminelle Szene seiner Region aufgelöst. Man muss halt Gott nur machen lassen! Warum leiten nicht solche Menschen unsere Kirchen und Gemeinden? Die Gewalt könnte in Ende haben, wenn wir nur konsequent Jesus folgen würden und uns nicht unserer Neigung zu gruppenpsychologischen Zwängen hingeben.
Nun meine Frage an Euch: Was meint ihr: unter welcher Kirche oder welcher theologischen Ausrichtung ginge das am Besten? Gibt es solche Gemeinden bei Euch?
Liebe Grüße
GoodFruit
Nur mal auf die disziplinarischen Konsequenzen bezogen, wenn man für den Staat arbeitet und sich das auf offizielle Gesetze bezieht:
Grundsätzlich hoffe ich eigentlich, dass Gott nicht mit dem jeweiligen Landesgesetz in Konflikt ist. Also dass unser Gesetz zB so gut ist, dass es Raum für Gott lässt und da kein Konflikt entsteht.
Ich weiss nicht, ob ich dem Folge geleistet hätte, was dieser Polizist gemacht hat…tatsächlich hätte ich glaub ich eher in meinen jungen Jahren dem Folge geleistet, wenn ich zB von der Unschuld oÄ überzeugt gewesen wäre. Das war aber eigentlich, bevor ich mich um Jesus gekümmert habe, da habe ich mich grundsätzlich wenig um Gesetze geschert.
Heute wäre das „no way“…weil in der Bibel steht (Apg) dass man der Obrigkeit Folge leisten soll.
Vor ein paar Jahren habe ich einen Bericht gelesen über einen italienischen Bürger, der mit seinem Boot Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet hat und dafür von der Regierung angeklagt wurde, weil die Gesetzeslage das nicht erlaubte. Er meinte dann auch: „Manchmal muss man Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
Nun sind in diesem Bespiel ja Menschenleben dadurch gerettet worden, und ich würde als Richter sagen: da hat das Recht auf Leben Vorrang vor den Einwanderungsgesetzen. Alles richtig gemacht.
Könnte man das als Richter im zweiten Fall auch? Ich glaube nicht…
Schwierig, wenn es das Gesetz eines Landes so vorsieht…andererseits sind die Gesetze ja für die Menschen da…und nicht der Mensch für das (Landes)Gesetz.
Vielleicht kann man dann wirklich Gott gehorchen bzw. seinem eigenen Gewissen. Dann könnte man auch in einem Gerichtsverfahren damit bestehen, wenn man zum allgemeinen Wohl gegen das Gesetz gehandelt hat.
Die Dynamiken in einer Gemeinschaft sind so vielschichtig, da finde ich das schwierig, das auf einen Nenner zu bringen. Auch wenn ich grundsätzlich der Meinung bin, dass man immer die Möglichkeit hat, sich gegen die Gruppendynamik zu stellen….aber auch da kann man das nicht Pauschalisieren, wenn Abhängigkeiten und/oder Machtgefälle zu gross sind.
@stern Hallo Stern,
hier mal nachträglich das Video, aus dem ich zitiert habe:
https://www.youtube.com/watch?v=LReIKCp5d-Q
Jamie Winship hat diese problematische Freilassung gewagt, nachdem er in seinem Job schon mehrfach durch komplett unorthodoxe (von Gott geführte) Aktionen sehr erfolgreich war. Von daher hat man ihn nicht gleich entlassen. Aber er wurde, bis die Resultate aus seinem Tun sichtbar wurden, erst einmal an den Schreibtisch verbannt und dort seinen Dienst tun lassen.
Zum Beispiel hat Jamie zuvor einmal den Chef einer kriminellen Vereinigung zum Essen eingeladen, was absolut absurd klingt. Aber der Typ ist tatsächlich gekommen und man hat sehr offen miteinander geredet. Dabei hat man über die persönliche Identität gesprochen und Jamie hat hinterfragt, ob das, was Boss der Drogendealer grad tut, er selber ist, oder ob er da in etwas hineingeraten ist, was er im tiefsten seines Herzen ablehnt. Der Gangsterboss ist darauf hin in die Umkehr gekommen und hat seine Vereinigung aufgelöst. Jeder seiner Angestellten sollte sich um anständige Jobs bemühen. Wer so etwas erlebt hat (und das haben ja auch Jamies Kollegen mit ihm), der hat schon mal Vertrauen in die Möglichkeiten Gottes. Letztendlich kann es erfolgreicher sein, pragmatisch zu agieren als wie preußisch-Gesetzestreu (zumindest, solange man damit nicht erkennbar großes Leid verursacht).
Wenn Gott führt wird ja Frieden, es entstehen konstruktive gute Dinge. Das ist mit starrem Befolgen von Gesetzen nicht immer so. Ich denke mal dass Jamie wirklich noch massiv Probleme bekommen hätte, wenn dieser Mann wieder straffällig geworden wäre. So aber konnte er, als die Sache zu brenzlig für seinen nun-Informanten wurde, die Fälle einem Ausschuss vorgelegt, dass Whistleblower für ihren Mut und ihre Taten belohnt - und die Frau des Informanten konnte davon ihre Juristische Ausbildung abschließen.
Es gibt im Grundgesetz sogar das Recht im Gewissensfall göttliches Recht über staatliches Recht zu stellen und bestimmte Dinge eben nicht zu tun. Das ist hier ja aber nicht das Thema. Hier wurde eine im staatlichen Sinne unsauber Tat getan, im Vertrauen darauf, dass Gott dies so braucht, um etwas ganz Großes zu tun.
Ich habe diesen Fall nur zitiert, um aufzuzeigen, was möglich wird, wenn Menschen Gott wirklich folgen. Und grad im Kontext mit christlichen Kirchen ist das erschreckend wenig genutzt. Die Christen hätten die Chance, die Welt im sehr guten, Frieden stiftenden Sinne zu transformieren, wenn sie nur die Werkzeuge, die Gott ihnen in die Hand gegeben hat, auch mutig nutzen würden. Ein Einstieg wäre es, zu lehren, wie man Gottes Stimme hören kann. Wie viele Pfarrer kennst Du, die zu solch einer Ausbildung der Schäfchen bereit wäre?
Ein Einstieg wäre es, zu lehren, wie man Gottes Stimme hören kann. Wie viele Pfarrer kennst Du, die zu solch einer Ausbildung der Schäfchen bereit wäre?
Keinen. Und ich werde vermutlich auch keinen kennenlernen, der das unter diesem Aspekt sieht.
Damit meine ich nicht, dass es grundsätzlich falsch ist. Ich habe es sehr geschätzt, dass unser ehemaliger Pfarrer, sehr viel Wert darauf gelegt hat, seine Schäfchen über das Wort Gottes über das übliche Mass zu unterrichten, damit jeder es in seinem Leben wirksam werden lassen kann, auch wenn er nicht regelmässig zu den Versammlungen kommt. Ob das auch für diese Art der Unterrichtung möglich wäre? Es ist ja nicht jeder zur Prophetie berufen…ich finde man läuft aus religiösem Eifer da auch schnell Gefahr, in ein Dogma zu verfallen.
@stern Es muss ja nicht unbedingt der Pfarrer sein, der diese Ausbildung betreibt. Es können durchaus andere Gemeindeglieder oder notfalls auch externe Referenten sein, die sich dieser Ausbildung annehmen.
Jesus sagt, dass seine Schafe seine Stimme kennen. Frag mal Christen, ob sie die Stimme Jesu eindeutig identifizieren können. Ich vermute, die Umfrage wird enttäuschend ausfallen. Vermutlich wissen viele noch nicht einmal, dass man die Stimme Jesu hören kann.
Das ist doch in krassem Kontrast zur Aussage Jesu. Jesus sagt: Sie können mich eindeutig erkennen - und die Christen sagen, sie könnten es nicht.
Ich finde, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Sonst besteht die Gefahr, dass die Mietlinge, die Betrüger die Christen entführen, ihnen falsch Lehre aufdrängen. Wenn es möglich ist, die Originalquelle zu hören, sollten wir uns nicht mit Sekundärquellen aufhalten. Auch der aktuelle Input wird so schwierig, obwohl mir schon Bibelstellen klare Hinweise gegeben haben, was grad dran war. Auch für Gott ist es leichter mit uns als Werkzeug zu agieren, wenn wir ihn hören können.
Ob das auch für diese Art der Unterrichtung möglich wäre? Es ist ja nicht jeder zur Prophetie berufen…ich finde man läuft aus religiösem Eifer da auch schnell Gefahr, in ein Dogma zu verfallen.
Es geht mir nicht um Dogmen. Es braucht ja auch kein Dogma, wenn Du Dich mit deinem Partner oder der Partnerin unterhalten willst. Das ist doch eine ganz natürliche Sache. Das Gespräch mit dem Herrn ist für die Nachfolger Christi teil des Lifestyles.
Das Gespräch mit dem Herrn ist für die Nachfolger Christi teil des Lifestyles.
Ja…ich will gar nicht widersprechen…nur:
ich zB höre keine Stimme. Zu mir spricht niemand, zumindest meistens. Jesus ist mir dadurch präsent, dass mir in bestimmten Situationen ein Satz aus der Bibel einfällt, der zu der Situation passt. Das fällt für mich auch unter „seine Stimme hören“.
Es ist natürlich kein Gespräch.
Ist das bei dir so? Eine Unterhaltung? Wenn ja, würde ich das auch gerne können, aber icv kann das ja nicht forcieren…oder meinst du, das kann man trainieren wie einen Muskel?
Warst nicht du das, der dieses Video gepostet hat, wo Schafe die Stimme des Hirten erkennen? Die Schafe kennen sie, weil er sich um sie kümmert, nicht weil sie sich anstrengen es zu lernen…
Kann sein, dass ich das video gepostet hatte. Ich erinnere mich da an was.
Du "hörst" ja schon Bibelstellen. Akustisches Hören ist sehr selten. Aber der Input in den Gedanken mit Hinweisen und Lösungen, Warnungen und Ermutiungen ist das Übliche.
Ich habe nochmal bei Marcello Cerullo vom Adler-Dienst Schweiz nachgehört und einen Hinweis auf Training und Lernen gefunden. Marcello macht auf den Bibelvers aufmerksam: meine Schafe hören meine Stimme. Er sagt dazu: die Lämmer müssen erst lernen, die Schafe sind dann auf die Stimme des Hirten geprägt.
Er hat auch ein kostenloses Hörbuch zum Hören lernen. Es ist lang mit 3 Stunden, aber Abschnittweise gehört überflutet es einen nicht. Wenn gewünscht, kann ich es verlinken.
Er hat auch ein kostenloses Hörbuch zum Hören lernen. Es ist lang mit 3 Stunden, aber Abschnittweise gehört überflutet es einen nicht. Wenn gewünscht, kann ich es verlinken.
Ja, gerne.
Er hat auch ein kostenloses Hörbuch zum Hören lernen. Es ist lang mit 3 Stunden, aber Abschnittweise gehört überflutet es einen nicht. Wenn gewünscht, kann ich es verlinken.
Ja, gerne.
Hab es selbst gefunden auf der Webseite, musst nicht mehr verlinken.
Veröffentlicht von: @sternJesus ist mir dadurch präsent, dass mir in bestimmten Situationen ein Satz aus der Bibel einfällt, der zu der Situation passt.
Das fällt für mich auch unter „seine Stimme hören“.Es ist natürlich kein Gespräch.
Es ist ein Impuls.
Warst nicht du das, der dieses Video gepostet hat, wo Schafe die Stimme des Hirten erkennen?
Die Schafe kennen sie, weil er sich um sie kümmert, nicht weil sie sich anstrengen es zu lernen…
Ein guter Gedanke.
@chai Ich frage mich nur, wie Du Jesus nachfolgen willst, wenn Du nicht mit ihm redest.
Klar kannst Du Dich biblisch schulen und danach handeln. Aber das ist dann ja nicht das konkrete tun, wo Gott Dich grad braucht, sondern es ist ein so-als-ob. Das gemäß der WWJD Devise. Ich verhalte mich so, wie ich denke, dass Jesus sich verhalten hätte. Ich segle dann mit einem gewissen Kompass durch die Welt - habe aber keine Ahnung, wo es wirklich hingeht und welche Aufgaben ich habe.
Jamie Winship fragt Jesus, wo es hingeht, wenn er an Kreuzungen kommt, wenn er nicht mehr weiter weiß - und dann kommt die Antwort, die oft was ganz anderes ist, als er sich selber als Möglichkeiten ausgedacht hat.
Eine Beziehung, bei der die Partner nicht sprechen, ist auf jeden Fall eine sehr problematische und auch ungewöhnliche Beziehung.
Veröffentlicht von: @goodfruit@chai Ich frage mich nur, wie Du Jesus nachfolgen willst, wenn Du nicht mit ihm redest.
Hab ich das gesagt? Falls Du mich so verstanden hast - so war das nicht gemeint.
Ich glaube man kann das nicht verallgemeinern. Sogar in der Apostelgeschichte lesen wir, das die Apostel immer wieder lange beten mussten um Klarheiten zu bekommen und auch dann klappte es nicht immer, Paulus redete doch davon, das Gott Dinge nicht zuließ und Sie so dann geführt wurden. Natürlich in einer Beziehung soll geredet - oder gebetet werden. Aber zu erwarten das Gott jeden zweiten Tag irgendwie übernatürlich eingreift und man nichts tun kann ohne seine direkte Erlaubnis, ich weiß nicht. Ich glaube das ist nicht der Alltag eines jeden Christen. Mit fällt es sehr schwer meine innere Stimme(n) von einem tatsächlichen Eindruck oder einer Art Eingebung zu trennen. Je emotionaler, je schwerer ist das eigentlich.
Wenn man es wie in deinem Beispiel kann, ist das gut. Aber ich persönlich halte das eher für Ausnahmen.
Viele Grüße, schönen ersten Advent.
@kappa Das klappt mal besser und dann wieder nicht so gut.
Die Beziehung, der Liebesfluss, muss erst in der vertikalen - zwischen oben und unten - stimmen, damit es Einfluss nehmen kann auf die horizontale - das Leben und die Beziehungen hier auf Erden.
Eine gute Beziehung braucht Zeit. Und sie ist nie einseitig. Sich auszurichten, um Gott Lobpreis zu bringen, da kann ich bewusst und entschieden handeln und das klappt auch manchmal. Das Hören aber, das Empfangen von Liebe - das klappt bei mir oft gar nicht so gut. Und dabei denke ich, dass der passive, empfangende Teil der Beziehung an sich fast wichtiger ist.
Was soll das für eine Liebe sein, die ich weitergebe, wenn sie die Quelle nicht beim Herrn hat? Wie kann mein Handeln zu Bau von Himmelreich werden, wenn ich meine Anweisungen nicht direkt vom Baumeister bekomme?
Der erste Schritt ist es, zu rechnen, dass man Anweisungen vom Herrn bekommt. Wir können von uns aus die Beziehung zum Herrn verstärken - zum Beispiel durch viel Lobpreis, der wie das Murmeln eines fließenden Baches eine immerwährende innere Stimme werden kann. Und wir können den Herrn immer wieder fragen, was grad dran ist - oder auch spezifische Dinge, die uns grad beschäftigen. Es kann sein, dass da lange nichts kommt. Aber ich bin mir sicher, dass irgendwann unsere Ohren so sensibilisiert sind, dass sie der Stimme des Herrn zuhören können, auch ohne, dass sie uns intensiv triggert, uns mit einer Unruhe, einem entstehenden Unfrieden dazu drängt, Schritte zu unternehmen, die Lauscher aufzustellen und zu Empfangen, was dran ist. Mitunter passiert mir das nachts. Dann stehe ich auf, schnapp die Bibel und schlage sie auf. Oft weiß ich dann schon in welche Richtung die Sache geht. Manchmal feiere ich dann Abendmahl. Manchmal sind sogar konkrete Schritt direkt möglich - wie z.B. das Ändern eines Passwortes, weil der Herr mir einen angehenden Missbrauch davon vermeldet etc.
Hi, also Gott kann das sicher tun. Aber; Das sind Einzelfälle, so wie biblisch-historisch Samson, David, Elia etc. Das setzt wohl einen Platz, extrem nah an Gottes Herz voraus. Oder eine Art spezielle Berufung.
Das ist sicher nicht der normale Weg für jeden Gläubigen. Ich könnte das nicht - auch wenn ich ein Eindruck hätte oder so, würde ich es mir vermutlich wegargumentieren. Hey- der Typ ist schließlich ein Verbrecher....
@kappa Deinem vorhergehenden Posting kann ich mehr zustimmen: Es gibt sicher viele Wege, wie Gott mit uns spricht, wie wir erreicht werden können.
Aber ich glaube nicht, dass es Einzelfälle sind, wo Menschen mit Gott reden und daraus ihre Aufträge beziehen. Für Deutschland mag das stimmen. Aber global ist der Glaube wohl lebendiger. Es sollte das der normale Weg sein, wie Christen mit Gott kommunizieren.
Mein Eindruck ist der, dass wir zu selten nach Gottes Meinung oder überhaupt nach einen Impuls fragen. Mehr bewusstes Fragen und Hören würde auch die Beziehung lebendiger werden lassen.
Das setzt wohl einen Platz, extrem nah an Gottes Herz voraus. Oder eine Art spezielle Berufung.
Den Eindruck hatte ich auch manchmal. Aber vermutlich ist es wie mit vielem anderen auch: Eine Sache, die wir sehr häufig und intensiv betreiben, können wir irgendwann besonders gut. Es muss das in den Lifestyle hinein.
Paulus schreibt an die Korinther: ihr könnt alle prophetisch (vom Hl Geist inspiriert) reden. Das bedeutet nicht, dass jeder im Amt eines Propheten ist, sondern die Herzenshaltung ist, aus der Beziehung mit Gott heraus Ermutigung oder Korrektur zu sprechen.
Die erste Ermahnung in der Offenbarung an die Gemeinde in Ephesus ist ernst: Ihr habt die erste Liebe verlassen.
Die Gemeinde war fleissig, hatte Unterscheidung bzgl falscher Apostel, lehnte Unmoral (Nikolaiten) ab. Aber sie waren in eine Martha-Haltung gekommen. schaffe schaffe schaffe .... keine Zeit für die Beziehung mit Gott, keine Zeit für Selbstfürsorge und keine wirkliche Zeit für die Nächsten.
Die Geschichte von Martha und Maria wird oft so erzählt, dass man nur wie Maria sein soll. Das ist aber in einem Menschen nicht ausgewogen. Wir haben den fleissigen Martha-Anteil in uns und den hörenden Maria-Anteil. Sie müssen in Balance kommen. Das schafft Frieden in sich selbst. Ich habs neulich erlebt. Als ich meinen Martha-Anteil angenommen hatte, entspannte sich der Maria-Anteil. Der Friede Christi, der höher ist als alle Vernunft, breitete sich neu in mir aus. Die Papierberge stressen mich nicht mehr und sie nehmen langsam ab, weil das OHIO-Prinzip wieder aktiv wurde ( Only Handle It Once, nur einmal bearbeiten) . Hören und Sehen im Geist ist entspannt in Bereitschaft.
Man wird nicht gleich in krasse Aufgaben geführt wie in der Polizeigeschichte. Die Ausbildung in der Nachfolge fängt normalerweise in kleinen Schritten an. Der erste Schritt ist Bereitschaft: HERR, lehre mich hören und prüfen, dann umsetzen und dein Wirken erkennen.
@deborah71 Mir ist aufgefallen, dass mein Gebetsleben oft Martha-mäßig unterwegs ist. Ich mache Lobpreis, will etwas tun, segne meine Mitwelt, suche den Kontakt zum Herrn - und versäume darüber zu empfangen, auch vom wichtigeren Teil der Beziehung etwas abzubekommen.
Das ist eine wichtige Erkenntnis. Auftanken und empfangen ist notwendig.