Was ein Christ glaubt…
Lasst uns mal für diese Vorgabe „Was ein Christ glaubt…“ feststellen, wie groß dabei der gemeinsame Nenner ist.
Wie verbindend ist z.B. das apostolische Glaubensbekenntnis? Und welche zentralen Punkte fehlen euch dabei eventuell oder sind euch bereits zu viel?
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn und Erlöser
Das ist mir wichtig, Herr und Erlöser, denn das sind für mich untrennbare Belange.
Ich bin erlöst durch des Lammes Blut / Projektchor unter Leitung von Oleg Gerhardt, Dinslaken 2023
ich stimme dir zu ...
... und stimme ein in das Lied (hab ich schon ganz früher sehr gerne gesungen, ist ein schöner Ohrwurm)
Wie verbindend ist z.B. das apostolische Glaubensbekenntnis?
Ich denke für den Großteil der Christen sind solche Glaubensbekenntnisse im Alltag irrelevant. Kein Glaubensbekenntnis der Welt kann die Uneinigkeit in Gottesdienstleben einigen.
Glaubensbekenntnisse mögen Kirchen einen, aber die Menschen werden durch gemeinsame Traditionen und Riten geeint. Sprich dem, wie man den Glauben auslebt.
Dabei sind sich viele Christen bei vielen Dingen uneinig. Wichtiger als sich zu einigen finde ich, ist es mit vorhandenen Pluralismus zu leben.
Ich hoffe mein Gedanke ist verständlich.
Davon ist sehr oft die Rede, da sie ja bereits das Problem hatte, dass viele verschiedene Strömungen entstanden, die alle meinte die Wahrheit gepachtet zu haben. Das fing ja schon in der Apostelgeschichte an, wo die Frage gestellt wurde an welche Regeln sich Heiden-Christen zu halten hätten, und diese Regeln wurden dann auf "fernhalten von der Verehrung der Götterbilder, sexuellem Fehlverhalten, vom Fleisch, in dem noch das Blut ist, und vom Blutvergießen." zusammengefasst (Apg 15, 20). Heute ist die Liste wohl wesentlich länger, die wir von uns gegenseitig fordern. Aber auch die Notwendigkeit der Briefe in NT zeigte, dass es dann doch mehr zu klären gab 😀
Schlussendlich sollte die Nächstenliebe im Mittelpunkt stehen und alles andere muss sich aus ihr ableiten lassen. Was sich daraus ableiten lässt, steht aber ebenfalls zur Diskussion.
"Einigkeit" sollte in meinen Augen darin bestehen, dass man friedlich zusammen leben kann. (Das haben die Kirchen leider anders gesehen, wie die Geschichte zeigt.)
Hm okay. Du meinst also die Apostel haben die Situation völlig verkannt eine Einheit haben zu wollen? Ich meine offensichtlich wollten die dann etwas, was Gott nicht wollte?
Das mit den 4 Geboten war nur der Anfang. Paulus zählt später viel mehr Dinge auf, die wir lassen bzw. machen sollten;).
@kappa @ihoovpee
Das mit den 4 Geboten war nur der Anfang. Paulus zählt später viel mehr Dinge auf, die wir lassen bzw. machen sollten;).
Eine Gemeinschaft hat Regeln. Bei aller Freiheit die die Christen haben, gibt es auch von Jesus schon eingeführte Gedanken, die das Zusammenleben lebenswert machen und stärken.
Wenn man sich an diese hält, kann man die Einheit bewahren….statt Trennung zu erschaffen.
Jemand der sich da auch nach mehrmaligem Gespräch und Zurechtweisung früher nicht daran hielt, wurde ja aus dieser Einheit verstossen…das heisst: es wurde aktiv dafür gesorgt, dass die Einheit bewahrt wurde.
So ein engmaschiges System können wir uns im Prinzip auch heute noch überall erschaffen wo wir sind…sei das im Forum (passiert ja durch die Mods) oder in der Familie, im Sport(Mannschaft) oder in der Kirchengemeinde- wir haben überall die Möglichkeit ein sozial ausgeglichenes und liebevolles Umfeld zu erschaffen. Und das geht nunmal nur mit gegenseitiger Liebe und Respekt.
Du meinst also die Apostel haben die Situation völlig verkannt eine Einheit haben zu wollen?
Ich stehe gerade auf dem Schlauch, was du mit dieser Frage fragen willst. Die Apostel wollte eine Einheit. Paulus wollte z.B., dass seine Nachfolger an seiner Lehre festhalten. Die Berichte der Bibel und tausend Kirchenspaltungen später sehen wir, dass das nicht geklappt hat.
Ich meine offensichtlich wollten die dann etwas, was Gott nicht wollte?
Das wir Menschen mit unserer Einschätzung, was Gott so will, falsch liegen, wäre nichts besonderes. "Einheit" ist immer so ein Nebelwort, was alles und nichts bedeuten kann. Das wird damals wohl nicht groß anders gewesen sein.
Und so stritten die Leute sich über Riten und Traditionen, z.B. ob Heiden Christen sich beschneiden müssen oder ob man am Sabbat arbeiten darf oder ob man Opferfleisch essen darf. Diese Dinge haben die Einheit gestört.
Heute streiten wir z.B., ob man Homosexuelle Paare segnen darf oder welche Musik im Gottesdienst gespielt wird. Das sind heute Riten und Traditionen, die die Einheit stören.
Nun kann man sagen: Wir wollen Einheit, also müssen alle die Tradition wie folgt ausleben: "A, B, C, ..." oder man erreicht Einheit indem man verschiedene Riten und Traditionen als gleichwertig akzeptiert. Aber letzteres Glück uns Menschen eher schlecht, außer die Gemeinde trennt sich und lebt nebeneinander statt miteinander. Was in meinen Augen ein vollkommen legitimer weg wäre.
Und nach der Trennung kommen das gemeinsame Glaubensbekenntnisse, die aber die Streitthemen außen vor lassen und so meist sehr weit weg vom Gemeindeleben sind.😋
Das mit den 4 Geboten war nur der Anfang. Paulus zählt später viel mehr Dinge auf, die wir lassen bzw. machen sollten;).
Im Punkt Opferfleisch widerspricht er sogar den Punkten, wenn ich mich gerade richtig erinnere. Müsste ich aber nochmal nachlesen.
@lhoovpee Ich finde es erstaunlich, dass Christen so auf die jüdische Hausordnung - die 10 Gebote - fixiert sind.
Dazu hat es doch eine Apostelversammlung gegeben, die zu dem Entschluss kam, dass es die 10 Gebote mit ihrem Fluch und Segen nur für die Juden selbst gibt. Die Christen hatten diesen nur in soweit zu folgen, als dass sie nicht zu Konflikten im Leben mit den Juden verursachten. Das waren die sogenannten Fremdengesetzte und sie werden in Apg.15 benannt.
Die Hausordnung der Christen ist die Bergpredigt. Ich finde es schon ziemlich erstaunlich, dass man sich in christlichen Kreisen so oft an die 10 Gebote orientiert und so gut wie nie an den Forderungen aus der Bergpredigt.
Jesus hat uns in Sachen Gebote einen entscheidenden Hinweis mitgegeben: Das Doppelgebot der Liebe fasst alles zusammen und wer da Gelingen hat, braucht sich um den Rest im Grunde genommen nicht kümmern - denn ein Erfüllen des Doppelgebotes wird automatisch die detaillierteren Gebote erfüllen.
Ich hoffe mein Gedanke ist verständlich.
Ja. Und ich teile ihn auch.
Ich finde es nämlich krass schwer, einen gemeinsamen Nenner zu formulieren. Gerade bei Glaubensthemen verstehen wir so viele Grundlagen anscheinend völlig unterschiedlich. Im Kern treffen wir uns dann aber womöglich doch - jenseits aller Verständigungshindernisse und gelebter Ausprägungsformen.
Ich habe gestern ein Gespräch unter Christen verschiedener Konfessionen überwiegend beobachtet, da ich für die Beteiligung ausgebremst war (müde/ leichte Kopfschmerzen). Meine Gedanken waren mir dabei mehr im Hintergrund präsent ohne dass ich sie groß geäußert hstte. Dabei war deutlich wahrzunehmen, welche Barrieren zwischen uns lagen, die sich teilweise auflösten, wenn jeder genug Raum hatte sich zu äußern, ohne dass man gleich mit dem eignen "ich aber(!)" dazwischen grätschte.
Einen guten Nenner sehe ich darin, dass wir alle Geschöpfe sind. Das ist aber weder spezifisch christlich noch spezifisch menschlich.
Was uns Christen einen darf ist offensichtlich Christus... Und da beginnt dann schon die Vielfalt der Wahrnehmung: Wer ist Christus für mich und wie äußert sich das? Wie gut, dass Gott/ Christus jede*m auf Seine Weise begegnet. Er stets derselbe und doch individuell erlebbar.
Nun hoffe ich mal, dass ich einigermaßen verständlich war.
Neben dem Apostolischen Glaubensbekenntnis, das in jedem Gottesdienst gesprochen wird, gibt es auch das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Es gilt als das ökumenische Bekenntnis und wird an hohen Feiertagen im Gottesdienst gesprochen. Im Zentrum des Textes steht die Dreieinigkeit Gottes, der sich in drei Gestalten zeigt: als Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.
Anmerkung:
Das Hervorgehen des Geistes aus dem Vater „und dem Sohn“ (filioque) wurde später in das Glaubensbekenntnis eingefügt und in karolingischer Zeit im ganzen Frankenreich gebräuchlich. Es entspricht westlicher, nicht ostkirchlicher Tradition.
Der gesamte Text ist hier entnommen: https://www.ekd.de/glaubensbekenntnis-von-nizaa-konstantinopel-10796.htm
Und noch ein weiterer Link: https://www.ekd.de/barmer-theologische-erklarung-11292.htm
Barmer Theologische Erklärung mit Einführung
Ich kann hinter diesem Glaubensbekenntnis fast vollumfänglich stehen. Mich stört eigentlich nur ein einziges Wort, "und".
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
Dieses und hat mich schon immer genervt
Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
Finde ich viel besser.
Mag sein, das ich mit dem alleine dastehe.
Jedenfalls kann ich das nachvollziehen, bin aber nie darüber gestolpert. Ich stolpere aber jedes Mal beim Vaterunser über "Denn dein ist das Reich..."
Es müsste doch heißen "Denn dein SIND das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit..."
Oder, um unser Stolpern zu vereinen: "Denn dein SIND das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit..."
Und beim Glaubensbekenntnis würde ich gerne das "unter Pontius Pilatus" streichen. "Gelitten" reicht, finde ich. Dem Kerl wird eine völlig unangemessene "Unsterblichkeit" zuteil.
Ich finde das "unter Pontius Pilatus" gibt dem Glaubensbekenntnis eine historische Verankerung. Damit wird klar, dass es an einem ganz bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte geschehen ist.
Was das plural im 'Unser Vater' betrifft, in der Bibel, spricht Gott nie im Plural, wenn er handelt, deshalb kann habe ich mit der Formulierung kein Problem.
Erstmal dies: ich halte unser beider Stolpern nicht für sonderlich relevant...
Historische Verankerung... meinetwegen... "gelitten zur Zeit der römischen Herrschaft"? Ich finde halt einfach, dass Pilatus es nicht verdient hat, jeden Sonntag hunderttausendfach genannt zu werden.
Hmm ja... und im Vaterunser sind es ja WIR, die so in fehlerhaftem Deutsch sprechen sollen...
Schließlich muss es auch heißen "Marmor, Stein und Eisen brechen, aber unsere Liebe nechen"... oder?
Ja, und zur Relevanz hatte ich mich ja schon geäußert.
@frosch80 Wenn du sagst "sind", wird es eine Aufzählung mehrerer Dinge.
Bei "ist" wird auch aufgezählt... aber die aufgezählten Gegenstände... können auch identisch sein? So würde ich das sehen.
Ich glaube, dass Jesus Christus Gott selbst als Mensch ist. Und gekommen ist um uns zu zeigen, wie Gott uns haben will, also wie wir sein sollen. Und um uns die Nachricht zu überbringen, dass wir alle geliebt sind. Wir alle sind wertvoll, egal wie leer unser Bankkonto ist, oder ob wir keinen Doktortitel haben sondern die Hauptschule abgebrochen haben. Deswegen kam Er in eine ultrabrutale Zeit und nicht als römischer Kaiser, sondern als Sohn eines Bauhandwerkers in einer Randprovinz.
Gott liebt alle Menschen und in fast jedem Menschen ist Gutes.
Ich glaube an die Auferstehung der Toten.
Ich glaube an die Gleichwertigkeit von Mann und Frau, und von allen Menschen gleich welcher Nationalität und Hautfarbe.
Ich glaube, dass Gerechtigkeit und Menschenrechte von Gott kommen und keine menschengrmachten kulturellen Übereinkunfte sind. Auch wenn es graduell Unterschiede gibt: Während es Franzosen als gerecht empfinden, wenn einfache Gesetze für alle gelten, auch wenn viele davon Nachteile haben, erwarten wir Deutsche, dass es Gesetze allen recht machen.
Ich glaube, dass Mathematik die Programmiersprache Gottes ist, in der Er das Universum erschaffen hat - auch wenn ich mich manchmal frage, ob der Satan Differentialgleichungen, logarithmische Diagrammteilungen und die Topologie (Mathematik auf Drogen - auf SEHR HARTEN Drogen) hinzugefügt hat.
Natürlich sind wir Menschen auch egoistisch. Wir wollen ja überleben.
Ich glaube allerdings, dass auch der Satan existiert, denn manches was vor sich geht, z.b. Völkermord, oder das internationale Finanzsystem, ist derart bösartig, dass es nicht mehr einfach nur mit natürlichem Egoismus erklärt werden kann.
Ich glaube an die Präsenz Jesu in der Eucharistie.
Ich glaube, dass man manches in der Bibel nur aus der Perspektive der Menschen von damals richtig versteht, und dass man der Bibel viel von ihren Aussagen und ihrer Schönheit nimmt, wenn man diese Teile brachial wörtlich verstehen will.
Ich glaube aber auch, dass Jesus tatsächlich Wunder gewirkt hat. Die Evangelisten waren im Gegensatz zu Behauptungen von Eugen Drewermann keine Tiefenpsychologen. Nichtchristliche damalige Quellen, die Jesus als "eine Art Magier" beschreiben, dagegen schon.
Ich glaube, dass Machtmissbrauch zu den schlimmsten Sünden zählt. Denn während Jesus mit allen anderen Sündern Erbarmen hatte, sprach er über diejenigen die Macht missbraucht haben, beispielsweise die damalige Priesterkaste, hart und unversöhnlich.
Ich glaube, dass es zuviel Sexualkrampf im Christentum gibt. Der kam mit Augustinus, er ist nicht von Jesus.
Gleichwohl gebietet es die Menschenwürde des Sexualpartners und der eventuell entstehenden Kinder, mit Sexualität verantwortungsvoll umzugehen.
Ich glaube jedoch, dass wir an anderen Stellen wieder einen strikteren und eindeutigeren Moralkodex als Christen brauchen. Z.b. im Finanzwesen, oder beim Umgang mit Ausländern. Rassismus ist mit dem Christentum unvereinbar, aber wir dürfen Ghettos oder organisierte Kriminalität nicht zulassen. Gruß aus Mannheim, einer Stadt, die die italienische Mafia am Hals hat. Auch muss Umweltschutz Bestandteil des christlichen Glaubens werden.
Ich glaube, dass Fleischessen für Christen erlaubt ist, aber das gegenwärtige Agrarsystem nicht mehr tragbar ist.
Ich glaube, dass an der Jungfrauengeburt etwas dran ist, denn Josef hat für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich reagiert. Gott hat seinen Plan in der damaligen extrem frauenverachtenden Zeit allein mit einer Frau umgesetzt, ohne einen Mann.
@blackhole Wunderbare Gedanken.
Gruß aus der Nähe von Mannheim 🙂
Ich glaube, dass es zuviel Sexualkrampf im Christentum gibt. Der kam mit Augustinus, er ist nicht von Jesus.
Gleichwohl gebietet es die Menschenwürde des Sexualpartners und der eventuell entstehenden Kinder, mit Sexualität verantwortungsvoll umzugehen.
Es gibt wohl keine Religion, wo das so kaputt ist. Was bei Augustus aber problematisch ist, ist nicht das Ziel familiärer Gemeinschaften, sondern die beinharte Bestrafung bei Fehltritten. Jesus geht ja öfter darauf ein. Der Ehebrecherin vergibt Jesus - aber er muss eine harte Warnung aussprechen, denn es kann sein, dass sie das nächste Mal voll von der Härte des Gesetztes getroffen wird und dann ist sie tot oder zumindest das Leben ruiniert.
Besonders für etwas erfolgreichere Bürger waren diese Gesetze eine echte Gefahr: Es gab ein Spitzelsystem und Augustus und wenn da ein Fehltritt vermeldet werden konnte, wurde der "Übeltäter" enteignet und an den Verräter viel ein Fünftel des Besitzes. Das war lukrativ und dieses fast schon automatische Abservieren von möglichen Führungskräften hielt dem Kaiser jegliche Konkurrenz vom Leib. Der Preis war hoch: Kaum Innovationen, kaum Persönlichkeiten, die Gutes voranbringen konnten. Und so verfiel denn die lebendige Kultur, wurde von den umgebenen muslemischen Kulturen locker überholt und dann auch besiegt.
Augustus kennt nicht die Vergebung von Jesus. Er kann sich in dem von ihm geschaffenen Terrorstaat locker zurücklehnen. Die Gefahr, die dabei für Kultur und Wirtschaft einhergeht, sieht er vermutlich noch nicht einmal.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist für mich der Ausgangspunkt und der Rahmen, innerhalb dessen sich auch mein Glaube bewegt.
D.h. Kein Christ erfindet sich mit seinem Glauben selber und mit diesem Glaubensbekenntnis stellen wir uns in die Tradition der Kirche und der Christenheit, was ihre von Anfang an notwendige Verständigungssuche und Selbstreflexion betrifft.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis als Bezugsgröße eröffnet aber auch das Feld der Interpretation dessen, was da bekannt und wie es verstanden wird.
Es fängt schon beim ersten Artikel - dem Bekenntnis zu Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde - an. Mit diesem Glaubenssatz ist der Konsens gegeben, dass die Welt und unser Dasein nicht bloß eine zufällige, sinn- und ziellose Evolutionsangelegenheit ist, sondern das Woher und Wohin (s)einen schöpferischen Grund in Gott hat. Ausgehend von dieser Grundlage öffnet sich aber das Feld unterschiedlicher Interpretationen. Die sog. "Kreationisten" glauben es ebenso wie Naturwissenschaftler, die der Überzeugung sind, dass die Evollution der Welt und unser Dasein kein Zufall sein kann, sondern einen göttlichen Plan und göttlichen Ursprung hat ...
Gleiches gilt für die anderen Sätze des Apostolikums - wenn es um "Auferstehung", "Himmelfahrt", "sitzend zur Rechten Gottes" etc. geht. So oder so kommen wir nicht drum herum, die Formulierungen zu interpretieren, zu verstehen und zu deuten - und da glaube ich (danach fragt ja der Thread) ist eine große Spannbreite möglich und wir sollten uns damit nicht "die köpfe einhauen" oder anderen Interpretationen ihre Berechtigung abprechen.
Auch glaube ich, dass neben dem Apostolischen Glaubensbekenntnis (und dem "Nicänum") moderne Glaubensbekenntnisse ebenfalls ihren Platz und ihre Berechtigung haben ... und mir persönlich ist die "Barmer Theologische Erklärung" von 1934 (im Kontext der "Bekennenden Kirche" gegen die Ansprüche des Nationalsozialismus) sehr wichtig.
Und auch noch dies, eine nachdenkenswerter Satz des von mir so geschätzten Kurt Marti: "Mir ist kein Glaubensbekenntnis bekannt, dessen Haupt- und Zentralsatz lautet: "Gott ist Liebe" (!. Johannes 4,8.16). Dementsprechend sieht die Kirchen- und Konfessionsgeschichte aus." (aus : Zärtlichkeit und Shmerz, RADIUS-Verlag, 1981)
L'Chaim
Noch ein ergänzender Gedanke zu der Threadfrage "Was ein Christ glaubt ... " und "wie groß dabei der gemeinsame Nenner ist".
Interessant finde ich, dass der christliche Glaube von seinen Anfängen bis zur Gegenwart den Glauben mit vielen dogmatischen Inhalten verbindet und somit Auseinandersetzungen über "Rechtgläubigkeiten" dadurch ein großes Gewicht haben und Christen zuviel in ununterbrochenem Streit (kirchengeschichtlich, konfessionell, theologisch) miteinander lagen und liegen.
Nun gibt es auch bei den anderen monotheistischen Religionen - Judentum und Islam - verschiedene Richtungen und Interpreationen ihrer Tradition - aber sowohl das Judentum wie der Islam kennen etwas Vergleichbares wie "christliche Dogmatik" nicht.
Das Judentum findet seine Identität und hat sein Selbstverständnis nicht primär in systematisierbaren Glaubensinhalten, sondern in der gelebten Frömmigkeit, im Tun des Gottes Willen und im Ethos.
Und der Islam ist mittlerweile auch für manche religiös & Verbindlichkeit suchende Menschen in unserem Kulturkreis eine reizvolle Alternatve, weil er nicht von der Zustimmung an eine ganze Fülle von Glaubenssätzen gebunden ist, sondern ein schlichtes Glaubensbekenntnis (zu Allah und seinem Propheten) fordert und mit den Gebetsvorgaben, dem Almosen und Fasten und ggf. der Pilerfahrt eine konkrete und schlichte Glaubenspraxis bietet bzw. zur Erfüllung fordert.
Vielleicht ist das auch etwas, was die ein oder andere Glaubens-Streitigkeit unter Christen etwas relativiert und den Fokus auch bei uns mehr auf die gelebte und praktizierte Gottes- und Christusbeziehung lenkt.
L'Chaim
@awhler Du schreibst von 'christlicher Dogmatik'.
Und vielleicht gibt's im Islam und Judentum nicht so viele Glaubenssätze (die in meinem alltäglichen christlichen Glauben aber auch nur eine untergeordnete Rolle spielen), aber nach meiner Beobachtung und meinem Wissen äußert sich die Zugehörigkeit zu anderen Religionen auch durchaus in der Einhaltung von gewissen Regeln und Vorgaben. Und auch da kann man nicht hinter die Stirn und hinters Kopftuch oder andere Bedeckungen gucken.
Ich für mich bin dankbar, dass ich einfach glauben darf, ohne zu viele äußere Regeln einzuhalten.
Veröffentlicht von: @chai@awhler Du schreibst von 'christlicher Dogmatik'.
Und vielleicht gibt's im Islam und Judentum nicht so viele Glaubenssätze (die in meinem alltäglichen christlichen Glauben aber auch nur eine untergeordnete Rolle spielen), aber nach meiner Beobachtung und meinem Wissen äußert sich die Zugehörigkeit zu anderen Religionen auch durchaus in der Einhaltung von gewissen Regeln und Vorgaben. Und auch da kann man nicht hinter die Stirn und hinters Kopftuch oder andere Bedeckungen gucken.
Ich für mich bin dankbar, dass ich einfach glauben darf, ohne zu viele äußere Regeln einzuhalten.
Du hast natürlich Recht, dass auch jüdischer und muslimischer Glaube inhaltliche "Vorgaben" hat und nicht unbestimmt und beliebig in der Welt steht. Und ich bin auch ganz bei Dir in der Dankbarkeit, glauben zu dürfen "ohne zuviel äußere Regeln einzuhalten".
Mein Punkt war die Ausgangsfrage nach den Glaubensinhalten und der möglichen Schnittmenge, die es im Blick auf den christlichen Glauben gibt. Und eines der ersten Postings als Antwort war der Text des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Wieviel "Glaubensrichtigkeiten" und Glaubensinhalte stecken mit jedem Satz, jeder Formulierung da drin - und wieviel Auseinandersetzung um solche Glaubenssätze und Glaubensinhalte gab und gibt es unter Christen in der Frage, ob und inwieweit Du alles bejahen kannst, für richtig hältst ... oder wo Du abweichst, aufweichst, unvollständig oder fehlgeleitet unterwegs bist, ja ob Du dich zu Recht als "Christ(in)" bezeichnest, wenn Du bestimmte Inhalte in Frage stellst ... etc.
Im Judentum und im Islam - darum ging es mir - gibt es diese Gewichtung so nicht, die Ausrichtung auf Adonai, auf Allah und das worauf es ankommt, liegt viel weniger in der Bejahung von vielen Glaubenssätzen und im (fundamental verstandenen) Streit darüber, sondern in der gelebten Gottesbeziehung, die Priorität hat.
Ich provoziere da wieder mal mit Folgendem: Der Pietismus, dem es (von seiner Entstehung her) ebenfalls primär um die gelebte Frömmigkeit und die Herzensbeziehung zu Gott und Christus ging (und immer noch geht), war kirchengeschichtlich eine Gegenbewegung zur "Orthodoxie", zu der vor allem im Luthertum entstandenen Betonung der richtigen Glaubensinhalte in Abwehr und Abgrenzung zu Abweichungen. Heute habe ich den Eindruck, dass gerade im pietistischen (evangelikalen) Bereich die "Rechtgläubigkeit" (d.h. die inhaltliche Zustimmung zu Glaubenssätzen) eine zentrale und viel zu große Rolle spielt ...
L'Chaim
Veröffentlicht von: @awhlerIch provoziere da wieder mal mit Folgendem: Der Pietismus, dem es (von seiner Entstehung her) ebenfalls primär um die gelebte Frömmigkeit und die Herzensbeziehung zu Gott und Christus ging (und immer noch geht), war kirchengeschichtlich eine Gegenbewegung zur "Orthodoxie", zu der vor allem im Luthertum entstandenen Betonung der richtigen Glaubensinhalte in Abwehr und Abgrenzung zu Abweichungen. Heute habe ich den Eindruck, dass gerade im pietistischen (evangelikalen) Bereich die "Rechtgläubigkeit" (d.h. die inhaltliche Zustimmung zu Glaubenssätzen) eine zentrale und viel zu große Rolle spielt ...
Ich frage mich, ob nicht im Rahmen dieser pietistisch/evangelikaler Vorstellungen genau das wiederholt wird, was zu Zeiten Jesu die Pharisäer gelebt haben.
Haben die Pharisäer jemals eine persönliche Beziehung zu Jesus gelehrt? Nein, sie haben ihr widerstanden.
Heute habe ich den Eindruck, dass gerade im pietistischen (evangelikalen) Bereich die "Rechtgläubigkeit" (d.h. die inhaltliche Zustimmung zu Glaubenssätzen) eine zentrale und viel zu große Rolle spielt ...
Das sehe ich ganz und gar nicht so.
Ich finde, dass dieses Forum immer wieder (nicht immer und nicht bei Jedem, aber doch deutlich in den Tendenzen) genau dieses wiederspiegelt, dass Postings, die nicht "auf (biblisch verstandener) Linie" sind, ein Echo von Distanzierung, Korrekturbedürfnissen und auch Belehrungen im ("recht gläubigen Sinne") bekommen ...
Und der mir von früher so vertraute Ulrich Parzany mit seiner "Bibel- und Bekenntnis"-Bewegung verkörpert es exemplarisch ... leider.
L'Chaim
Veröffentlicht von: @awhlerIch liebe übrigens Pinguine, die sind meine Lieblingstiere, die mir beim Zugucken immer wieder Freude und mich lachend machen 🙂
Und Schafe ... und Affen ... und Waschbären ... und Esel ... und Erdmännchen ...
Und beinah hätt ich die Otter vergessen.
Hast Du gewusst, dass die beim Schlafen immer irgendwie Kontakt zum Partner halten?
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist ein guter und wichtiger gemeinsamer Bezugspunkt für die Kirchen, ebenso das Bekenntnis von Nizäa-Konstantinopel. Im Sinne der anzustrebenden Ökumene bilden diese beiden auch eine Basis mit großer Tradition.
Ob alle, die das rituell bekennen, es auch wirklich Punkt für Punkt glauben, ist schwer zu sagen. Man kann den Leuten nur bis vor den Kopf gucken.
Wenn ich selber formulieren soll, was ich glaube und wo ich im Glauben stehe, kommt so etwas heraus:
- Mein Anker im Glauben ist ein demütiges Staunen darüber, dass aus unbelebter Materie Leben entstanden ist. Der überlieferte Glaube an einen Schöpfergott bringt das gut zum Ausdruck.
- Die traditionellen Vorstellungen von Gott sind alle unzulänglich und vielfach heute sogar hinderlich, weil das, was daran falsch ist, leichter zu erkennen ist, als das, was daran gut und richtig ist.
- Das Beten zu diesem Gott ist trotzdem für mich gut und sinnvoll, weil es etwas in Fluss bringt, psychologisch und sozial. Wie Kindersprache, die auch nicht immer analytisch richtig ist. Beten hat sich einfach bewährt und ist dem Menschen angemessen, ergonomisch in jeder Lebensphase.
- Jesus Christus sehe ich als Inkarnation dieses lebensfreundlichen, Leben schaffenden, liebenden Gottes in einem Menschen an. Macht verstehe ich als die Möglichkeit, Menschen gegen ihren Willen zu etwas zu zwingen. Jesus ist nicht den Weg dieser Macht gegangen, sondern hat andere Wege aufgezeigt und vorgelebt, Menschen einzeln und sozial zu verändern und weiterzuentwickeln.
Der Weg von hier aus zu einem der traditionellen Glaubensbekenntnisse ist weit, und manche Schritte werde ich nicht gehen können und wollen (Stichwort: Naturgesetze).
Was ich gut und sehr verbindend finde, ist das ΙΧΘΥΣ- oder Ichtys (Fisch)-Akronym, frühchristlich mit der Bedeutung Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser. Ich freue mich, dass das immer noch verwendet wird, vielleicht sogar wieder mehr als früher. Eine knappe Formel, mit der sich bereits ganz frühe Christen identifiziert habe, und von der ich schon mal überlegt habe, ob ich sie mir stechen lasse.
Wir haben unser Terrassentor mit den Buchstaben ΙΧΘΥΣ gestalten lassen. Es ist fast quadratisch, hat das Θ als Kreis für den Halt der ganzen anderen Buchstaben in der Mitte. Also ein Kreis, der ein Kreuz und ein X hält. Und der Rahmen hat Anteil am Σ.
Der kleinste gemeinsame Nenner des Christentums sind die altkirchlichen Glaubensbekenntnisse.