Der freie Wille und...
 
Benachrichtigungen
Alles löschen

Der freie Wille und die Gerechtigkeit aus Glauben - unvereinbar?

Seite 1 / 2

Schlüsselkind
Themenstarter
Beiträge : 510

Gibt es einen freien Willen

1) Bevor man gläubig wurde? Falls ja, worin besteht der?

2) Nachdem man gläubig wurde? Falls ja, worin besteht der 3) und wie kann der vereinbar sein, mit der Gerechtigkeit aus GLAUBEN, nicht aus Werken?

Was sich mir nicht erschließt ist folgendes: Wenn es einen freien Willen gibt, zwischen Gut und Böse zu wählen, nachdem wir schon gläubig wurden, dann müssten wir ja aus uns selbst heraus etwas tun, nämlich mindestestens etwas entscheiden, damit gerechte Taten folgen. Wenn wir aber an Jesus glauben und ER durch den Glauben an IHN die Taten vollbringt, WO IST DANN DER FREIE WILLE? Ist der freie Wille unvereinbar mit der Gerechtigkeit aus Glauben?

Ist diese Gedankenfolge korrekt oder wo ist der Fehler im Denken? 

4) Ist der Glaube Gnade oder eine Entscheidung?

Antwort
21 Antworten
Gelöschtes Profil
Beiträge : 18002

@pumuckl97 Tiefe Fragen, die Du da stellst. Über den freien Willen haben sich schon viele kluge Leute Gedanken gemacht. Es gibt auch einige wissenschaftliche Experimente, die dazu durchgeführt wurden. Sehr verkürzt gesagt ist das Ergebnis, dass der Wille weit weniger frei ist, als wir es gerne glauben würden.

Ich persönlich bin zu folgenden Schlüssen gekommen. Erstens: Es kann kein Experiment geben, das die Frage nach der Existenz des freien Willens eindeutig mit ja beantwortet. Dazu müsste man eine Situation wiederholen können. Zweitens: Die Existenz des freien Willens absolut zu verneinen würde zur totalen Sinnlosigkeit des menschlichen Lebens führen. Das mag ein anderer anders sehen. Bei mir jedenfalls löst die Vorstellung es gäbe keinen freien Willen dasselbe Gefühl aus wie die Vorstellung es gäbe gar nichts. Ich habe dann den Eindruck, ich würde versuchen etwas zu denken, was nicht denkbar ist. Wie zum Beispiel einen eckigen Kreis.

In Bezug auf Gott kam mir mal Gedanke, es könnte keinen freien Willen geben, weil Gott die Zukunft kennt. Wie können wir anders entscheiden als so, wie Gott es bereits weiß? Das würde für jede Entscheidung nur eine Option zulassen. Das scheint mir ein fundamentaleres Problem mit dem freien Willen zu sein.

Letztendlich glaube ich, dass wir diese Probleme im Denken über den freien Willen nicht rational auflösen können.

deleted_profile antworten
4 Antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 2614

@suchender_2-0 

In Bezug auf Gott kam mir mal Gedanke, es könnte keinen freien Willen geben, weil Gott die Zukunft kennt. Wie können wir anders entscheiden als so, wie Gott es bereits weiß? Das würde für jede Entscheidung nur eine Option zulassen.

Naja, wer Kinder hat und sie gut kennt, weiß in mancher Hinsicht schon vorher, wie sie sich entscheiden werden. Gibt es Pizza, mag das eine Kind keine Pilze, das andere keinen Schinken, das nächste mag keine Oliven ... Die Option sich anders zu entscheiden ist vorhanden.

Ansonsten klingt für mich keinen freien Willen haben wie das Denken nach Calvin. Doch wir haben einen freien Willen immer in einem Rahmen. Wenn du mit der Bahn unterwegs bist, befindest du dich im Rahmen der Bahn. Du kannst durch die einzelnen Abteile gehen, kannst ins Restaurant und zur Toilette. Bist du Gast im Hotel, bewegst du dich in dessen Hausordnung. Am Arbeitsplatz nach den entsprechenden Gegebenheiten ...

adjutante antworten
Gelöschtes Profil
(@deleted_profile)
Beigetreten : Vor 2 Jahren

Beiträge : 18002

@adjutante 

Naja, wer Kinder hat und sie gut kennt, weiß in mancher Hinsicht schon vorher, wie sie sich entscheiden werden. Gibt es Pizza, mag das eine Kind keine Pilze, das andere keinen Schinken, das nächste mag keine Oliven ... Die Option sich anders zu entscheiden ist vorhanden.

Das ist kein passender Vergleich, falls man von einem allwissenden Gott außerhalb der Zeit ausgeht (muss man natürlich nicht). Kinder überraschen einen immer mal wieder. Meine Tochter sagt öfters "Kinder ändern ihren Geschmack", wenn ich ihr vermeintliches Lieblingsessen gekocht habe, das sie dann verschmäht. 🙂 

 

deleted_profile antworten
Adjutante
(@adjutante)
Beigetreten : Vor 16 Jahren

Beiträge : 2614

@suchender_2-0 

Kinder überraschen einen immer mal wieder.

Klar doch. Manche Dinge weiß man aber bei Kindern, wie ihre Entscheidung ausfallen würde. Unsere Kinder sind mittlerweile alle schon ganz sehr lange erwachsen, der Älteste ungefähr 50 ...

adjutante antworten
enar
 enar
(@enar)
Beigetreten : Vor 3 Monaten

Beiträge : 670

@suchender_2-0 

In Bezug auf Gott kam mir mal Gedanke, es könnte keinen freien Willen geben, weil Gott die Zukunft kennt. Wie können wir anders entscheiden als so, wie Gott es bereits weiß? Das würde für jede Entscheidung nur eine Option zulassen. Das scheint mir ein fundamentaleres Problem mit dem freien Willen zu sein.

Ich habe da ein etwas anderes Bild von Gott. Nach meiner Vorstellung läßt er seine Geschöpfe in Freiheit leben, denn er ist Liebe und Liebe läßt den Geliebten frei. Das heisst, wir können im Rahmen der aktuellen Gegebenheiten Entscheidungen treffen, die Gott nicht bis ins letzte Detail vorher weiss. Wie weiter unten ja festgestellt wurde, kennt Gott seine Geschöpfe sehr gut und kann durchaus zu einem hohen Grade vorhersagen, wie sich seine Kinder entscheiden. Aber da kann es eben doch immer wieder Überraschungen geben. Und das ist der Grund, weshalb Gott seine Kinder auch immer mal wieder auf die Probe stellt, d.h. er führt sie in eine Situtation, in der sie sich entscheiden müssen und erst dann weiss Gott den Ausgang dieser Entscheidung. Das hat auch etwas mit Versuchungen zu tun. Gott möchte wissen, ob wir einer Versuchung widerstehen können oder ob wir ihr nachgeben. Da kommt dann noch ein anderer Aspekt seiner Liebe hinzu: Er unterstützt uns, wenn wir der Versuchung erliegen, ihr beim nächsten Mal widerstehen zu können. Er hilft uns dabei, unseren Willen zu stärken, das Böse zu überwinden und uns davon frei zu machen.

enar antworten


Gelöschtes Profil
Beiträge : 18002

@pumuckl97 Ich glaube bei den von Dir angesprochenen Fragen geht es nicht so sehr um den freien Willen im Allgemeinen.

Es stellt sich doch jedem Menschen die Frage, wie er das Gute tun kann, das er erkannt hat. Unser freie Wille scheint häufig nicht auszureichen, um wirklich gut zu handeln. Wir wollen es, aber schaffen es nicht. Und dem kann Gott abhelfen. Aber dazu muss man sich auf Gott einlassen. Es ist kein Automatismus, auch wenn man gläubig ist. Also: Gott schenkt einem die Freiheit Gutes zu tun, die man aber nicht wahrnehmen muss. Mit einer abstrakten Idee von freiem Willen hat das wenig zu tun. So wird für mich ein Schuh draus.

deleted_profile antworten
Jack-Black
Beiträge : 3630

@pumuckl97 Gibt es einen freien Willen

Nein. Die Diskussion dazu ist uralt und entsprechend haben alle halbwegs interessanten Argumente in dem Zusammenhang einen laaaaaaaangen Bart.

Für den alltäglichen Gebrauch hat meines Wissens Schopenhauer in seiner Preisschrift über die Freiheit des menschlichen Willens das Wesentliche geschrieben. Wer sich für die Problemstellung ernstlich interessiert, sollte diesen (relativ) kurzen Text lesen. Wer ihn nicht lesen mag, weil es vielleicht zu kompliziert oder zeitaufwändig sei, interessiert sich gar nicht wirklich für das Thema, sondern möchte einfach nur so daherquatschen.

Wie man sieht, ist allgemein die in meinen Augen letzte interessante und genaugenommen erledigende Abhandlung zum Thema schon ziemlich alt, fast schon 200 Jahre (meines Erinnerns wurde sie in den frühen Vierzigern des neunzehnten Jahrhunderts verfasst).

Seither beschäftigen sich Philosophie und Forschung eigentlich nur noch mit einzelnen Aspekten des Themas, den mehr oder weniger gelungenen Neuformulierungen des eigentlichen Problems (siehe den Freiheitsbegriff bei den Existentialisten wie z.B. Sartre - den ich allerdings für nicht überzeugend halte) oder empirischen Untersuchungen über die Art der Determinierung von Entscheidungsprozessen und deren genauen Ablauf, beispielsweise in der neurologischen Forschung.

Darüber hinaus beschäftigt sich die Psychologie damit, wie Menschen sich selbst und ihr (Entscheidungs-)Handeln betrachten, beispielsweise, indem sie Modelle von Entscheidungsinstanzen wie die berühmte freud'sche Trias Es, Ich und Über-Ich entwickelt und auf ihre Tauglichkeit hin untersucht.

Die theologische Perspektive auf das Thema ist nach meinem Dafürhalten ungeeignet - sie läuft stets auf den Versuch der Quadratur des Kreises hinaus, weil sie ihre Grundannahmen (dass es Gut und Böse gebe, dass es einen allmächtigen Gott gebe, dass "der Glaube" etwas sei, das verliehen/gegeben/geschenkt werden könne und so weiter und so fort) nicht zu revidieren vermag. Du selbst hast ja schon, wenn auch in Frageform, die Aporien angedeutet, auf welche theologische Überlegungen hier stets hinauslaufen müssen und die dann allerhöchstens per Aufstellung von Dogmen "gelöst" werden: ein allmächtiger, von der Zeit unabhängiger Schöpfergott, der einen Plan verfolgt, ist unvereinbar mit dem Konzept, dass Menschen frei (frei von was überhaupt) entscheiden können: sie hätten ja ansonsten die Möglichkeit, die Pläne des allmächtigen Gottes zu vereiteln, womit sich das mit der Allmacht Gottes dann erledigt hätte.

Theologische Lösungsversuche hat es zuhauf gegeben, da dürften etliche Regalmeter an Literatur zusammenkommen. Aber die muss man am Ende halt wieder glauben - logisch konsistent, d.h. widerspruchsfrei sind sie nie, und also kann man sie auch nicht wirklich verstehen.

Meine persönliche Ansicht lautet: "freier Wille" ist eine unsinnige Formulierung. So, unsinnig wie z.B. "quadratische Angst" oder "verbotener Wind". Man kann den Assoziationen folgen, die man bei solchen Formulierungen hat, aber mehr auch nicht.

Da, wo das Thema "freier Wille" am wichtigsten wäre: in unserem Rechts- und Strafsystem - kann man immer wieder erkennen, wie unkonkret dieser angebliche freie Wille letztlich ist, wenn beispielsweise über die "Schuldfähigkeit" von Delinquenten zu befinden ist. Die hängt dann letztlich eher davon ab, was der psychiatrische Gutachter zum Frühstück gegessen hat oder ob die vehandelnde Richterin mit der Ahnung beschäftigt ist, ihr Mann ginge fremd...

jack-black antworten


Deborah71
Beiträge : 22985

@pumuckl97 

Der Wille ist eingebettet zwischen Gefühlen und Verstand unter dem Dach des Gewissens.
Das können seine guten Berater sein.

Intuition ist das bordeigene Warnsystem.

Freiheit ist ein Wort, das ebenso in einer Beziehung steht: frei wovon und frei wozu.

deborah71 antworten
lhoovpee
Beiträge : 2836

@pumuckl97 

nämlich mindestestens etwas entscheiden, damit gerechte Taten folgen.

Natürlich muss du dich selbst dafür Entscheiden gute Taten zu vollbringen. 

Wenn wir aber an Jesus glauben und ER durch den Glauben an IHN die Taten vollbringt,#

Jesus zwingt dich nicht, gute Tagen zu vollbringen. Das musst du schon zulassen und handeln. 

Ist der freie Wille unvereinbar mit der Gerechtigkeit aus Glauben?

Setzt du hier jetzt Glaube und Taten gleich? Die Taten folgend deinem Glauben. Aufgrund deines Glaubens entscheidest du dich zu bestimmten Taten. 

lhoovpee antworten


Seite 1 / 2
Teilen:

Hey du!

Dieses Forum ist für dich kostenlos.
Das funktioniert nur, weil uns treue Menschen regelmäßig mit ihrer Spende unterstützen.
Bist du dabei?