Die Brutalität in Joshua
Für alle die es interessiert:
Joshua 11,16-22 So nahm Josua dieses ganze Land, das Gebirge, den ganzen Süden, das ganze Land Goschen, die Niederung und die Steppe, das Gebirge Israel und seine Niederung, von dem kahlen Gebirge, das gegen Seïr ansteigt, bis Baal-Gad in der Talebene des Libanon, am Fuße des Berges Hermon. Und alle ihre Könige nahm er gefangen, erschlug sie und tötete sie. Lange Zeit führte Josua mit all diesen Königen Krieg. Es gab keine Stadt, die sich den Söhnen Israel friedlich ergab, außer den Hewitern, die in Gibeon wohnten, alles nahmen sie im Kampf ein. Denn vom HERRN kam es, dass sie ihr Herz verstockten, zum Krieg mit Israel, damit an ihnen der Bann vollstreckt wurde, ohne dass ihnen Gnade widerfuhr, sondern dass sie vernichtet wurden, wie der HERR dem Mose befohlen hatte. Zu jener Zeit kam Josua und rottete die Enakiter aus von dem Gebirge, von Hebron, von Debir, von Anab und von dem ganzen Gebirge Juda und von dem ganzen Gebirge Israel: Mitsamt ihren Städten vollstreckte Josua an ihnen den Bann. Es blieben keine Enakiter im Land der Söhne Israel übrig. Nur in Gaza, in Gat und in Aschdod blieben sie übrig.
Für viele sind diese Texte schwerverdaulich und belastend. Und ehrlich gesagt sind sie das auch, wenn man der Meinung ist, hier ginge es um Menschen. Und darin liegt das Problem bei der Beurteilung dieser Texte.
Es ist mag vielleicht für manche überraschend klingen, aber die biblischen Autoren gingen tatsächlich davon aus, dass es Götter gibt und das YHWH real ist.
Vor diesem Hintergrund, im Lavant fand eine gewaltsame Verdrängung der lokalen Bevölkerung durch die Hebräer statt. Der Lavant war damals ägyptische Provinz und Korrespondenz deuten auf so viel hin. Nur der Umfang und Zeitpunkt dieses Prozesses korreliert nur begrenzt mit der biblischen Überlieferung. Also kurz gesagt, dass was 5.Mose, Joshua und 1 und 2 Chroniken überliefern ist in diesem Umfang so nie passiert. Diese Bücher sind dann auch in retrospektive entstanden, denn dass der Autor mit einem zeitlichen Abstand auf die Ereignisse zurückschaut wird aus Stellen wie diesen hier offensichtlich.
Joshua 7,26 Dann errichteten sie einen grossen Steinhaufen über ihm, der dort ist bis auf den heutigen Tag. Und der HERR liess ab von seinem glühenden Zorn. Daher heisst jener Ort Tal Achor, bis auf den heutigen Tag.
Aber eigentlich ist es doch unwichtig, ob diese Ereignisse genauso stattgefunden haben, es ändert doch nichts daran, dass Gott hier als jemand der Gestellt wird der Genozid anordnet. Dies ist moralisch verwerflich weshalb, das Bild des liebenden Gottes einfach nicht stimmen kann.
Nun aber kommt aber das Weltbild der biblischen Autoren zum tragen und welche Botschaft sie mit diesem Bericht weitergeben wollen.
Die Schlüsselverse befinden sich in Joshua 11, 21-22
Zu jener Zeit kam Josua und rottete die Enakiter aus von dem Gebirge, von Hebron, von Debir, von Anab und von dem ganzen Gebirge Juda und von dem ganzen Gebirge Israel: Mitsamt ihren Städten vollstreckte Josua an ihnen den Bann. Es blieben keine Enakiter im Land der Söhne Israel übrig. Nur in Gaza, in Gat und in Aschdod blieben sie übrig.
Die Enakiter (oder Anakiter) sind hier der entscheidende Faktor. Wer Joshua Verstehen will, muss wissen, wer oder besser was die Enakiter waren.
5.Mose 2,10-11 Einst haben die Emiter darin gewohnt, ein grosses, zahlreiches und hochgewachsenes Volk wie die Enakiter. Sie zählen zu den Refaitern, wie die Enakiter; die Moabiter aber nennen sie Emiter.
20 Auch dieses wird zum Land der Refaiter gerechnet. Einst haben Refaiter darin gewohnt, die Ammoniter aber nennen sie Samsummiter.
Refaiter wird von anderen Bibelübersetzungen mit Riesen übersetzt. Aus der Bibel erfahren wir nicht viel über diese Riesen, ausser dass sie Halbgötter waren die durch die Verbindungen von Gottessöhnen und Menschen entstanden. 1. Mose 6,1-4
Halbgötter welche auf der Erde Wandeln waren in der Antike ein weitverbreitetes Motiv. So gab es auch in der babylonischen Mythologie solche Halbgötter/Riesen, der Begriff Refaim ist Etymologisch mit dem entsprechenden Sumerischen Begriff verwand. In der babylonischen Mythologie, waren diese Riesen gewalttätig, und menschenfeindlich. In der israelitischen Mythologie (Buch der Riesen) werden sie als Ursprung aller Gewalt, Götzendienstes und Perversität beschrieben.
Der Kampf Joshuas, so wie ihn die biblischen Autoren beschrieben haben, war also kein Kampf gegen Menschen, sondern gegen das personifizierte Böse, gegen Mächte und Gewallten, die sie aus dem Land vertreiben sollten.
Auch David hatte später noch mit Riesen zu tun, Goliat sollte jedem bekannt sein, aber auch hier 2.Samuel 21,15-22
Neben den hier erwähnten Verbindungen gibt es auch einige andere, welche die Landnahme in den direkten Bezug zur babylonischen Mythologie stellen und dadurch diese Berichte als eine Schlacht gegen das Menschenfeindliche und Böse darstellt. Für eine antike Hörerschaft dessen Weltbild von Mythologien und dem übernatürliche Geprägt war und als normal empfunden wurde. Sind die Wortspiele und Anspielungen auf babylonische, ägyptische und assyrische Mythen offensichtlich, und wurden auch als solches verstanden. Sachliche Geschichtsschreibung so wie wir es heute Verstehen fand damals schlicht und ergreifend nicht statt, jede Kultur hat seine Geschichte mythisch verklärt. Das Judentum war damals keine Ausnahme.
Ziel der Landnahme ist also nicht die Vertreibung von Menschen (andere Texte machen klar das Fremde willkommen sind), sondern die Reinigung des Landes vom Bösen. Ein Kampf gegen Fremde Götter und deren Einfluss im verheissenen Land. Aber Ultimativ des Scheiterns Joshua, der es nicht geschafft hat, alles Böse zu vernichten, was der Grund dafür, war das, Israel als Gottes Volk gescheitert ist. Das Vollenden dieser Arbeit blieb dem ultimativen Joshua vorbehalten. Joshua lehrt uns, dass es einzig Gott ist, der das Böse überwinden kann. Und das ein physischer Kampf gegen das Böse aussichtslos ist.
Veröffentlicht von: @awhlerGeschichtlich bleibt es wohl Fakt, dass es "im Namen YHWHs", verstanden als sein Auftrag, durch die Berufung auf ihn legitimiert, sogar mit Segensverheißungen verknüpft, Mord, Krieg und Vernichtung gegeben hat, oder?
Aus meiner Sicht besteht ein Problem darin zu glauben, dass, wenn es gelingt, einen historischen Nachweise für die eine oder andere Begebenheit zu finden, die Glaubwürdigkeit der Offenbarung gewinnen würde. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, weil das Denken wie Paulus sagt am Wort klebt und den Geist tötet.
Ich erinnere an den letzten Absatz von arcangel bei der Themenstellung: "Ziel der Landnahme ist also nicht die Vertreibung von Menschen (andere Texte machen klar das Fremde willkommen sind), sondern die Reinigung des Landes vom Bösen. Ein Kampf gegen Fremde Götter und deren Einfluss im verheissenen Land. .... Joshua lehrt uns, dass es einzig Gott ist, der das Böse überwinden kann. Und das ein physischer Kampf gegen das Böse aussichtslos ist."
Dass historische Mord und Totschlag mit Berufung auf Gott vorgekommen ist und heute noch vorkommt, ist unbestritten. Dass das mit Gott / Jesus dem Herr (ich sehe da keinen Unterschied) unvereinbar ist, ist für mich eine Glaubenstatsache. Du hattes die schöne Formulierung gebraucht ... man sollte das AT durch Jesus und mit dem Blick ´nach vorne` verstehen. Wenn also sich jemand auf dieses Verständnis de AT beruft, hat er / sie es nicht richtig verstanden.
Wie arcangel an einer Stelle schreibt, werden viele altt. Berichte aus der Retrospektive geschrieben. "-spektive" legt ja den Gedanken nahe, dass die Ereignisse so intepretiert werden, dass darin der Glaube an die Schöpfermacht Gottes zum Ausdruck gebracht wird. Der Sinn liegt einmal darin, über die Realgeschichte nicht Gott als Schöpfer und Gestalter der Heilsgeschichte aus dem Blick zu verlieren. DIe Realgeschichte ist zwar das Reich menschlicher Entscheidungen, aber Gott als Herr, der diese zulässt bleibt aber dennoch Herr der Geschichte. Wenn bspw. ein Mensch in der Ukraine vor seiner zerstörten Wohnung sitzt und sich fragt, warum Gott hast du mir das angetan, dann weist dieser Mensch natürlich, dass die Drohnen aus Russland kam und nicht aus dem ´Himmel` gefallen ist. Dennoch: Auch wenn der Betroffene weiß, dass Putin der Kriegstreiber ist, ist doch die Frage: "Lieber Gott warum hast du es geschehen lassen und warum hast du ausgerechnet mein Haus ausgesucht" berechtigt. Gerade die Formulierung ... die Gott eine aktive Rolle zu schriebt, " ... hast du ausgesucht" beschreibt das ja keine Realität, weder eine irdische noch eine himmlische, sondern das Erleben der Realität durch die Betroffenen aus dem Kontext ihres aktuellen Glaubens.
@arcangel Ziel der Landnahme ist also nicht die Vertreibung von Menschen (andere Texte machen klar das Fremde willkommen sind), sondern die Reinigung des Landes vom Bösen. Ein Kampf gegen Fremde Götter und deren Einfluss im verheissenen Land.
Und wie sah dieser Kampf gegen die Fremden Götter oder das Böse konkret aus? Inwiefern handelte es sich da um fremde Götter - sprechen wir hier nicht vielmehr um die einheimischen Götter, die vertrieben und bekämpft wurden? Die Israeliten waren die Fremden, die ihren fremden STammesgott da installierten, so verstehe ich die Angelegenheit. Und sie installierten ihn nicht so, dass sie die Einheimischen da friedlich missionierten und ihnen die Vorzüge ihres einzig wahren Stammesgottes gegenüber den Vorzügen der fakemäßigen Platzhirsch-Götter mit sanfter Stimme und Achtsamkeit darlegten. Sondern indem sie "den Bann" vollstreckten, also ruckzuckrübeabmäßig.
Als Apologet sollte man sich hier nun, so finde ich, mal entscheiden, wen man mit welchen Argumenten vor wem in Schutz nehmen möchte. Soll hier die Bibel in Schutz genommen werden vor jenen, die aus Geschmacksgründen einen Gottesvorschlag ablehnen, der allzu blutüberströmt einherwandelt? Sollen Joshua und die mordenden Israelis, samt der sich aus ihren Kriegsgewinnen ergebenden Besitzansprüche in Schutz genommen werden vor jenen, die heute, ein paar tausend Jahre später meinen, die Ansprüche des modernen Israels auf bestimmte nahöstliche Landstriche seien nicht gerade moralisch so tippitoppi, wie es Regierungsvertreter rechtsradikal religiöser couleur behaupten? Soll der im Text genannte Auftragsgeber der Invasionen und des Völkermords, der Stammesgott und (sic!) ultmiative Joshua, in Schutz genommen werden?
Zudem stellt sich da gleich zu Anfang Deiner Interpretation der Texte für mich die Frage, wie weit es überhaupt mit der monotheistischen Angelegenheit bestellt ist: Gab es da nun tatsächlich Halbgötter oder andere magische Fabelwesen, böse Riesen oder was auch immer, gegen welche Joshua&Co im Auftrag des einen und einzigen realen Gottes Handfestes erledigten? Dann wäre doch wohl der allein logische Schluss, dass es damals also noch mehrere Götter gab und Israels Gott eben doch nur einer unter vielen war.
Oder wurden nur die Menschen, die gnadenlos ermordet oder aus dem "verheissenen Land" vertrieben wurden aus Gründen der Gier der israelischen Eindringlinge, im Rahmen verklärender Kriegspropaganda der Sieger (welche ja stets die Geschichte schreiben), rückwirkend zu Fabel- und Magiewesen, Halbgöttern und Riesen erklärt, um so genozidalen Eroberungskriegen ein exculpierendes Märchenmäntelchen umzuhängen?
Aber Ultimativ des Scheiterns Joshua, der es nicht geschafft hat, alles Böse zu vernichten, was der Grund dafür, war das, Israel als Gottes Volk gescheitert ist. Das Vollenden dieser Arbeit blieb dem ultimativen Joshua vorbehalten. Joshua lehrt uns, dass es einzig Gott ist, der das Böse überwinden kann. Und das ein physischer Kampf gegen das Böse aussichtslos ist.
Das ist nun aber Predigt, nicht Analyse dessen, was die Bibelautoren im Sinn hatten, oder?
Das ist nun aber Predigt, nicht Analyse dessen, was die Bibelautoren im Sinn hatten, oder?
Ja, aber eine Bewertung der Analyse ist doch durchaus legitim.
Zudem stellt sich da gleich zu Anfang Deiner Interpretation der Texte für mich die Frage, wie weit es überhaupt mit der monotheistischen Angelegenheit bestellt ist: Gab es da nun tatsächlich Halbgötter oder andere magische Fabelwesen, böse Riesen oder was auch immer, gegen welche Joshua&Co im Auftrag des einen und einzigen realen Gottes Handfestes erledigten? Dann wäre doch wohl der allein logische Schluss, dass es damals also noch mehrere Götter gab und Israels Gott eben doch nur einer unter vielen war.
Der technische Ausdruck wäre Henotheismus.
Nur den kann man auf zwei arten Verstehen entweder als Zeus der Götter Vater oder wie Eru Illuvatar bei Tolkien. Der Biblische YHWH, entspricht eher Tolkiens Version.
Und wie sah dieser Kampf gegen die Fremden Götter oder das Böse konkret aus? Inwiefern handelte es sich da um fremde Götter
Auch hier kann man wieder Tolkien als Beispiel heranziehen, auch wenn es nicht ganz analog ist. Diese fremden Götter wären dann die Valar, manche blieben Gott treu andere Rebellierten. Die biblische Bezeichnung dieser Wesen ist Söhne Gottes (benei elohim) oder einfach nur Götter (elohim).
Die Riesen (Refaim) lassen sich am ehesten mit den Maiar vergleichen wobei die Bibel diese ausnahmslos als böse Betrachten. Diese Refaim korrespondieren mit der Mythologie aus ugaritischen und babylonischen Texten, wo sie aber eine differenzierte Rolle haben.
Und den Kampf kannst du dir auch wie bei Herr der Ringe vorstellen mit Schwertern und allem drum und dran, aber wahrscheinlich ohne Mytrill dafür mit Bronze.
@arcangel Auch hier kann man wieder Tolkien als Beispiel heranziehen, auch wenn es nicht ganz analog ist. Diese fremden Götter wären dann die Valar, manche blieben Gott treu andere Rebellierten. Die biblische Bezeichnung dieser Wesen ist Söhne Gottes (benei elohim) oder einfach nur Götter (elohim).
Dass Tolkien sich für sein Fantasyuniversum an allen möglichen Stellen bediente, ist mir bekannt. Als Christ bediente er sich auch bei der biblischen Mythologie, dass sein Illuvatar immer sowas wie Jaweh sein und Melkor/Morgoth an Luzifer/Satan erinnern sollte, war mir gleich bei der ersten Lektüre selbstverständlich. Das mochte ich am Simarillion, dass Tolkien da eine ästhetisch befriedigendere Kosmologie entwarf, als sie sich in seiner eigenen Religion oder auch in der nordischen Sagenwelt fand. Insbesondere die Idee, dass die Welt aus Gesang (Musik steht für mich genau auf der Grenze zwischen dem Abstrakten und dem sinnlich Konkreten, zwischen Materie und Struktur) entstand und die ursprüngliche Verfehlung Melkors lediglich darin, eigene Melodien, Ideen, musikalische Themen in den Unisono-Chor einzubringen.
Aber meine Frage zielte nicht auf Motiv-Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Mythologien. Sondern war schon durchaus konkreter gemeint: gab es da Riesen und konkurrierende Götter, oder gab es sie nicht? Wessen Blut floss, wenn da "der Bann" vollstreckt wurde - das von Menschen oder von anderen magisch-biologischen Wesen, oder doch nur auf Hämoglobin und DNA verzichtendes metaphorisches Blut?
Wurde Gewalt im Namen des israelischen Gottes ausgeübt, um Land zu besiedeln, in dem man eigentlich unwillkommen war - oder nicht?
Falls nun die Antwort lauten sollte: Nein, tatsächlich wurde bei der Landnahme keine Gewalt ausgeübt, sondern die einen vermischten sich über die Jahrhunderte mit den anderen und die ganze Kriegsrhethorik bei Joshua ist eine rein metaphorisch Gemeinte und beschreibt keinen physisch-historischen, sondern einen metaphysisch-transzendenten Kampf...
Woher kommen dann diese bluttriefenden Formulierungen? Wie kommt man auf solche Metaphern?
Veröffentlicht von: @jack-black
Aber meine Frage ... war schon durchaus konkreter gemeint: gab es da Riesen und konkurrierende Götter, oder gab es sie nicht? Wessen Blut floss, wenn da "der Bann" vollstreckt wurde - das von Menschen oder von anderen magisch-biologischen Wesen, oder doch nur auf Hämoglobin und DNA verzichtendes metaphorisches Blut?
Wurde Gewalt im Namen des israelischen Gottes ausgeübt, um Land zu besiedeln, in dem man eigentlich unwillkommen war - oder nicht?
Falls nun die Antwort lauten sollte: Nein, tatsächlich wurde bei der Landnahme keine Gewalt ausgeübt, sondern die einen vermischten sich über die Jahrhunderte mit den anderen und die ganze Kriegsrhethorik bei Joshua ist eine rein metaphorisch Gemeinte und beschreibt keinen physisch-historischen, sondern einen metaphysisch-transzendenten Kampf...
Woher kommen dann diese bluttriefenden Formulierungen? Wie kommt man auf solche Metaphern?
Genau das hatte ich bereits gefragt ... und bin nicht schlau geworden aus den kurvenreichen Antworten 😉 ... Vielleicht klappt's auf Deine Frage hin.
L'Chaim
Sondern war schon durchaus konkreter gemeint: gab es da Riesen und konkurrierende Götter, oder gab es sie nicht?
Ich gehe davon aus das beide Real sind, denn die Bibel macht keine anstellten diese in irgendeiner Form, als imaginär dazustellen. Wer also glaubt, das YHWH real ist sollte auch davon ausgehen, dass diese gestalten real sind.
Deshalb denke ich auch das in Josuas Kampagne Riesenblut geflossen ist. (wobei Riesen hier eine irreführende Bezeichnung ist, denn das Wort bezieht sich nicht auf Körpergrösse) jedenfalls ist im biblischen Narrativ klar, dass Kharem (also die Totale Vernichtung) Exklusiv auf Ort und "Völker" angewendet werden welche als Refaim identifizierbar sind. Gleichzeitig denke ich, dass die Landnahme nicht ohne Konflikte ablief, soviel lässt sich ja auch aus den Amarna Briefe und der Archäologie herauslesen, diese zeigen aber eben auch auf, dass die biblische Erzählung so nicht stattgefunden hat. Denn nach diesen Briefen war es eine Kombination zwischen kriegerischen Auseinandersetzungen und Einverleibung der ansässigen durch die Hebräer. Man findet dann ja auch in der Bibel später immer wieder hinweise, dass sehr viele unterschiedliche Volksgruppen ohne grosse Probleme neben und miteinander im Land lebten.
Dass man ganz unkompliziert "Hebräer" werden konnte zeigen all die Beispiele wo Menschen aus anderen Volksgruppen assimiliert worden sind.
Es war also eine Kombination von Konflikten, Assimilation, Koexistenz, aber eben auch dem militärischen Feldzug gegen die Riesen.
Woher kommen dann diese bluttriefenden Formulierungen? Wie kommt man auf solche Metaphern?
Aber selbst wenn man dies nur als Metapher betrachtet, gäbe es eine Erklärung. In Babylonischen und Assyrischen Kultur galten, teile dieser Riesen (wobei hier manchmal die grenze zu den Göttern verschwimmt) als die Weisen Könige der Vergangenheit, welche Wohlstand und technologischen Vorsprung brachten und dazu gehörte neben so praktischen Sachen wie Metallurgie, eben auch Astrologie, Magie und Giftmischerei. Was natürlich den Hebräern nicht passte und ausgerottet werden musste denn Weisheit kommt alleine von Gott.
Es gibt ein interessantes aktuelles Interview (den Interviewer muss man leider tolerieren) welches diese fragen beleuchtet. Der interessante Teil ist die erste Hälfte des Interviews, einige Teile kann man überspringen Kapitel haben einen Timestamp in der beschreibung.
https://www.youtube.com/watch?v=5x9vR5sKHFI
Interessant dürften die Kapitel "Gilgamesch und das Buch der Riesen". min: 26:37
Und "Wieso hat Gott die Menschen erschaffen" sein. min: 42:19
10 respektive 9 Minuten.