Ein Thema - (erstaunlicherweise) frisch aus der Hölle
Liebe alle,
meine Überschrift ist rein sachlich gewählt. 😉
Im Thread „Hölle“ trat ein Aspekt auf, den ich gerne weiterverfolgen möchte:
Wo kommt unsere Seele her und wie geht es ihr/ mit mir weiter?
Ein Nebenthema, das sich da für mich anschließt: Was macht eigentlich „mein Ich“ aus?
Wenn ihr den Zusammenhang nachlesen möchtet:
Über Präexistenz der Seele, Kreatianismus der Seele und Traduzianismus der Seele
Der Beitrag, auf den ich mich beziehe.
LG Seidenlaubenvogel
Ich finde es schwierig, sich über etwas zu unterhalten, von dem niemand so genau sagen kann, was es eigentlich ist... und die Fragen, die du hier stellst auch kaum zu beantworten sind.
Ich habe mir zwar auch ein paar Gedanken gemacht, aber wirklich weiterführen wird das hier auch nicht... weil ich nämlich nicht glaube, dass es so etwas wie eine "persönliche Seele" gibt - vielmehr wird die Seele, wie immer sie auch genau aussieht, aus mehreren Teilen bestehen. Ähnlich wie auch der Körper, der ja auch die Summe seiner Teile ist - und nicht nur ein ganz bestimmtes Organ oder eine bestimmte Zelle.
Ich kann das auch mal kurz darstellen:
Egal was die "Seele" nun genau ist - sie ist etwas, das uns definiert. Sei es jetzt der "Geist in unserem Körper" oder etwas "Übernatürliches" (Was es zwar nicht geben kann, aber egal...).
Jeder Mensch hat eine Seele, die ihn von anderen Menschen unterscheidet. Es ist also nicht jedesmal dieselbe Seele - es gibt so viele Seelen, wie es Menschen gibt.
Die Seelen der Menschen sind keine einheitlichen Kopien voneinander, sondern unterscheiden sich voneinander. Keine Seele gleicht der Anderen.
Das heißt: Eine Seele hat verschiedene Eigenschaften. Und diese Eigenschaften müssen irgendwo festgelegt, also vorhanden sein. Je mehr Eigenschaften, desto mehr "Teile" hat eine Seele.
Wenn eine Seele aber "Teile" hat - was notwendig ist für die Unterscheidung - dann ist sie zumindest prinzipiell auch nicht unteilbar. Dann könnte man, auch wieder prinzipiell, diese Eigenschaften verschiedener Seelen auch austauschen.
Und das bedeutet dann: Eine "Seele" ist nichts individuelles, sondern wie ein Körper auch aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt, die dann ein "Ganzes" ergeben - das aber nicht untrennbar ist.
Deshalb denke ich, dass es gar keine individuellen Seelen gibt. Die Vorstellung von einmaligen Individuen ist eine Illusion.
Ist für die Diskussion hier nicht hilfreich... aber was hast du auch schon von mir erwartet...? 😀
Lieber Lucan-7,
das ist doch schon mal ein guter Einstieg. 🙂
Du hattest das schon mal wo geschrieben, dass es keine einmaligen Individuen gäbe; an mehr Details kann ich mich leider nicht erinnern. Vielleicht war das auch in dem Zusammenhang, dass wir keine Freiheit haben. Wenn dem so sein sollte, werde ich die Illusion gerne so lange aufrechterhalten, wie es geht. Denn stellte ich mir ein Leben vor, wo ich komplett austauschbar und jemandes (oder eines Systems) Marionette wäre ... - ja, was würde es anders machen? Wäre es sogar befreiend? Hmm. Ich denk da nochmal drüber nach - bei Gelegenheit auf dem Rad. 😉
Und ich freu mich, wenn du diesen Gedankengang nochmal ausführst (oder verlinkst).
Deshalb denke ich, dass es gar keine individuellen Seelen gibt. Die Vorstellung von einmaligen Individuen ist eine Illusion.
Und hierzu...
Ist für die Diskussion hier nicht hilfreich... aber was hast du auch schon von mir erwartet...?
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Ich lese dich gern. Das weißt du - nehme ich an. 😊
Körper/ Seele/ Geist - als Mensch erlebe ich mich tatsächlich in diesem Dreiklang. Aber gut - es wird der übliche Einwand kommen, dem ich nicht gut werde standhalten können. Definiere es! 😎
Und was will ich erwidern? Ich kann selbst mich nicht hinreichend definieren; auch nicht als Indivduum und dennoch mich weiter als ein solches im Leben sehen.
Ich kann selbst mich nicht hinreichend definieren
Aber ich bin für andere erlebbar. Und wenn andere über mich reden würden, wäre es nie ausschließlich dasselbe - es würden sich aber meist Schnittmengen fassen lassen
Wäre ich klonbar? Was entstehen würde, wäre nicht ich - etwas Entscheidendes würde immer fehlen.
Körper/ Seele/ Geist - als Mensch erlebe ich mich tatsächlich in diesem Dreiklang. Aber gut - es wird der übliche Einwand kommen, dem ich nicht gut werde standhalten können. Definiere es!
Ja nun... ich kann es zwar auch nicht definieren, aber ich habe ja schon öfters geschrieben, dass ich kein Materialist bin. Ich gehe davon aus, dass der Mensch "mehr" ist, als nur die messbare Materie. Wir sind keine biologischen Computer - da ist noch etwas anderes, das wir nicht erfassen können, jedenfalls nicht mit den üblichen Methoden.
Und dieses "Andere", das wir nicht erfassen können, das aber trotzdem irgendwie vorhanden ist - das würde ich als "Seele" bezeichnen. Also das, was uns über die Materie hinaus ausmacht.
Ist leider immer noch nicht wirklich genau... aber ich fürchte, genauer kann es auch nicht werden.
Und dass unsere Seele keine untrennbare Einheit darstellt... das mache ich dann doch an der Materie fest. Organe sind austauschbar. Theoretisch kann sogar das Gehirn ausgetauscht werden - es ist eine Frage der Technik, nicht des Prinzips.
Und wenn die "Seele" auch verschiedene Eigenschaften hat... dann müssten diese auch austauschbar sein. Denn eine Seele würde aus verschiedenen Teilen bestehen.
Und deshalb denke ich, dass es so etwas wie eine unteilbare, individuelle Seele gar nicht gibt... auch wenn es eine komische Vorstellung ist. Weil wir uns selbst ja als Einheit erleben.
Ich finde es schwierig, sich über etwas zu unterhalten, von dem niemand so genau sagen kann, was es eigentlich ist... und die Fragen, die du hier stellst auch kaum zu beantworten sind.
Vielleicht ein kleiner Tipp, der dir helfen kann, zumindest zu spüren, was es ist. Da ich nicht weiß, wie viel Erfahrung du mit innerlicher Körperarbeit hast, können wir mit etwas Einfachem und Ungefährlichem anfangen.
Ich zeige dir jetzt, wie du mit etwas Übung deine Seele im Körper wahrnehmen kannst.
Nimm dir einmal 10 Minuten Zeit, setze dich bequem hin und konzentriere dich auf dein Inneres. Versuche, mit einer tiefen Bauchatmung deinen Atem wahrzunehmen. Wenn dir das Fokussieren auf dein Inneres schwerfällt, konzentriere dich auf den Naseneingang und spüre hier deine Atmung. Du wirst merken, dass du dich nach kurzer Zeit entspannst.
Nun konzentrierst du dich auf deine Subvokalisierung, damit ist deine innere Stimme gemeint, die in der Populärkultur auch als Lesestimme bezeichnet wird. Höre innerlich genau hin und versuche zu lokalisieren, wo diese herkommt. Bist du etwas geübt, wirst du feststellen, dass sie aus deinem Geist kommt und somit aus deinem Gehirn.
Jetzt machst du Folgendes: Befehle mit deinem Willen, dieser Stimme zu verstummen. Das, was nun in dir gegen diese Stimme ankämpft, ist deine Seele, dein „Ich-Bewusstsein“, das über dem Geist steht.
Nach einigen Monaten Übung wirst du es schaffen, mit deiner Seele den Geist zu kontrollieren. Der Vorteil: Du lernst damit Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle und wirst Herr über deine Emotionen und Herr über deinem Ego was ein angenehmer Nebeneffekt ist.
Ich habe diese Übung und Technik damals, als ich noch als Entspannungstherapeut gearbeitet habe, mit meinen Kunden für die Seelenhygiene praktiziert. Das ist quasi die Grundübung der Seelen- und Gebetsarbeit.
Vielleicht hilft dir der Tipp, deine Seele etwas besser kennenzulernen.
vielmehr wird die Seele, wie immer sie auch genau aussieht, aus mehreren Teilen bestehen.
Ein interessanter Gedankengang. Hier würde ich zustimmen, allein aus dem Grund, dass die Seele zumindest aus zwei Zuständen oder Teilen besteht. Laut Bibel ist die Seele vor der Geburt mit bestimmten Attributen von Gott ausgestattet worden, die sich gemäß der Schrift als „Fähigkeiten“ zeigen, im Unterschied zu Fertigkeiten. Somit besteht die Seele schon einmal aus einem Informationsträger sowie aus der von Gott vorherbestimmten Information selbst.
Ebenfalls entnehme ich aus der Bibel, dass die Seele auch losgelöst vom Körper existieren kann, allerdings nur in einem Teilbewusstsein. Daraus schließe ich, dass der Geist enger mit dem Körper verbunden ist als die Seele im Körper. Wenn die Bibel die Seelen im Scheol beschreibt, verfügen sie über eine Grunderhaltungsfunktion, die aus einer eigenen Lebensenergie hervorgehen muss. Ich würde es als das göttliche Licht in uns bezeichnen, das, was Gott eingehaucht hat, um uns lebendig werden zu lassen.
In diesem Kontext stelle ich mir die Frage oder komme besser gesagt zur Erkenntnis, dass nach unserem Versterben, wenn sich die Seele vom Leib entkoppelt hat, diese nicht mehr vom Geist abhängig ist. Spätestens hier wird der in Meditation und tiefem Gebet ungeübte Gläubige zu der erschreckenden Einsicht gelangen, dass wir nicht der Körper sind und auch die Seele uns nicht selbst gehört. Und somit hat die Bibel Recht: Wir sind Gottes Eigentum, gehören uns nicht selbst und sind abhängig vom himmlischen Vater.
Wenn eine Seele aber "Teile" hat - was notwendig ist für die Unterscheidung - dann ist sie zumindest prinzipiell auch nicht unteilbar.
Auch hier würde ich zustimmen: Dein Gedankengang erscheint logisch durchdacht, und ich komme ebenfalls zu einem entsprechenden Schluss und Ergebnis. Bei der Unteilbarkeit würde ich jedoch noch präziser differenzieren, in eine äußere und eine innere Seele, um die Interaktionsfähigkeit der Seele, die für die Kommunikation mit dem Geist notwendig ist, noch deutlicher zu betonen.
Ein letzter Gedankengang zur Interaktionsfähigkeit: Wenn die Seele tatsächlich im Zeitraum, in dem sie sich im Körper befindet und mit dem Geist gekoppelt ist, mit dem Quantenfeld oder der Akasha-Chronik interagiert – was ja dann, um es weniger esoterisch auszudrücken, auf Phänomene wie kollektives Bewusstsein oder das Konzept der Synchronizität hinausläuft, dann kann man sich doch fragen, warum dies im Totenreich und somit getrennt vom Körper nicht mehr möglich ist. Das müsste man vielleicht noch etwas tiefer philosophisch untersuchen.
Ich zeige dir jetzt, wie du mit etwas Übung deine Seele im Körper wahrnehmen kannst.
Danke sehr... ich bin allerdings nicht der Ansicht, dass diese Art der Wahrnehmung etwas über die Realität aussagt. Wahrnehmung und Erleben sagt etwas über das Erleben aus. Das heißt aber nicht, dass sich alles auch so verhält, wie es uns erscheint.
Gute Entscheidung.
Für mich ist "Seele" kein "Teil" eines Menschen wie ein Arm, der Kopf oder zwei Ohren, sondern wie ein Raum, in dem er lebt. Der Raum selbst bleibt immer gleich, aber die Farbe seiner Wände, seine Helligkeit und seine Einrichtung sind bei jedem zumindest im Detail unterschiedlich und ändern sich auch hin und wieder je nach äußeren Bedingungen. Er ist also - in Grenzen - bewusst veränderbar, z.B. durch seine Eirichtung, zu der auch eine "Erholungsecke" gehören kann.
@queequeg Es fiel mir schwer, mich auf diese Vorstellung einzulassen... Wenn ich dich richtig verstehe und Seele nichts rein dem Menschen Zugeordnetes ist, dann nehme ich deine Beschreibung am besten für die Seelen von Bäumen wahr.
Meine Seele für mich so wahrzunehmen, fällt mir extrem schwer. Für mich ist Seele was mich im Innersten ausmacht. Dein Bild beschreibt genau das Gegenteil. Es taugt mir (vielleicht) ... - und in etwa kann ich eventuell nun teils anderer Menschen Seele so sogar vage fassen.
"Für mich ist Seele was mich im Innersten ausmacht. Dein Bild beschreibt genau das Gegenteil."
Dass mein Bild das Gegenteils Deines ist, kann ich nicht nachvollziehen. Kann man Seele wie wie einen Gegenstand in eine Tasche stecken? Mein "Seelenraum" sicher nicht. In dem Ich nur Leben oder nicht.
Na, dann will ich mal versuchen, deine in dem anderen Beitrag „Hölle“ gestellten Ergänzungsfragen zu beantworten. Ich versuche, mich so komprimiert wie möglich zu äußern. Vielleicht reicht es aus, um deine Fragen zu beantworten und dir Denkanstöße zu geben. Wenn es gelingt, freue ich mich.
Wie immer, es ist "meine" Betrachtung und diese kann auch falsch sein ...
Was meinst du damit? … „halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass meine Seele erneut in eine neue Schöpfung wandern und aufsteigen wird.“
Ich meine damit exakt das, was ich geschrieben habe: Dass ich es für sehr wahrscheinlich halte, dass meine Seele erneut in eine neue Schöpfung wandern und aufsteigen wird!
Den Grund für meine Annahme und Glaubensüberzeugung leite ich sowohl aus der Religionsgeschichte als auch aus der Bibel selbst ab. Gerne kann ich dies nun detailliert begründen.
Ausgangspunkt ist die Frage, ob die Seele in uns sterblich oder unsterblich ist. Ich bin der Überzeugung, dass die Seele unsterblich ist. Die Begründung ist einfach und in 1. Mose 2,7 erkennbar. Wie aus dem Vers hervorgeht, hat Gott die Seele offensichtlich nicht erschaffen. Die Seele ist nicht Teil der Schöpfung. Adam war beim Empfang der Seele lediglich als Teil der Schöpfung existent, aber nicht lebendig. Hier gilt es zu differenzieren, da man es mit zwei unterschiedlichen Zuständen zu tun hat. Der Mensch ohne Geist und ohne Seele ist wertloses, aber funktionales Fleisch in Form eines Körpers. Der Mensch mit Geist und ohne Seele erkennt bereits seine eigene Existenz und ist imstande, existenzielle Grundfragen zu stellen und Sinn zu finden. Der Mensch mit Körper, Geist und Seele, wie in 1. Thessalonicher 5,23 bezeugt, hat durch die Seele ein Ich-Bewusstsein eingepflanzt bekommen, das nicht erschaffen wurde, sondern, wie aus 1. Mose 2,7 hervorgeht, direkt aus Gott kam.
Aus der Perspektive der philosophischen Theologie ist die Schlussfolgerung sehr einfach und nachvollziehbar. Wenn Gott, wie die Bibel bezeugt, ewig ist, (Psalm 90,2) dann ist in Gott nichts Sterbliches zu finden. Ergo kommt die Seele als unerschaffene Substanz aus Gott; ist sie unsterblich, da Gott nichts Sterbliches enthält.
Unmissverständlich klar wird dies im Matthäus 10,28 und Markus 9,48, wo deutlich wird, dass die Seele unsterblich ist und nur Gott selbst sie auslöschen könnte, was aber im Gesamtzusammenhang der Bibel nicht sein Wille entspricht. Damit komme ich zum Schluss, dass die Seele als unsterbliches Ich-Bewusstsein im Fluss der Ewigkeit existent ist.
Um es zu verdeutlichen: Wenn es stimmt, wie die Bibel lehrt, und Gott Vater in seiner wahren amorphen Existenz seine Schöpfung nur betrachten, aber nicht in sie selbst eindringen kann, mit Ausnahme der Theophanien, dann würde das bedeuten, dass wenn Gott Vater die Schöpfung zerstören würde, die Seelen im Fluss der Unvergänglichkeit übrigblieben. Aus theologischer Perspektive ist das ein interessanter Gedankengang, da die Seele dann nicht bei der Ewigkeit „ist“, sondern „in“ der Ewigkeit, ein Gefühl, das uns wie Leere in einem Vakuum vorkommen würde.
Letztendlich ist die Lehre von der sterblichen Seele eine vom Fundament satanische Lehre, da sie die Sterblichkeit, den Tod, über das Leben stellt. Sie negiert das Seelenlicht Gottes in uns und suggeriert, dass in Gott etwas Sterbliches existiert. Daher ist eine Warnung vor den Lehren der Zeugen Jehovas und Adventisten angebracht, die eine sterbliche Seele und einen Annihilationismus vertreten.
Wenn nun die Seele unser Ich-Bewusstsein unsterblich ist, stellt sich die Frage: Warum? Zu welchem Zweck? Was beabsichtigt Gott? Gott will gemäß der Bibel Beziehung zu uns. Wir sollen etwas sein, was ihm ebenwürdig ist.
Sprichst du von Reinkarnation? Wie stellst du dir diese vor?
Nun zur Frage, ob ich von Reinkarnation spreche. Hier ist bereits der Begriff negativ konnotiert, weshalb ich es vermeide, von Reinkarnation zu sprechen. Lieber würde ich im Kontext einer origenischen Seelenwanderung von Palingenese sprechen.
Das Problem, warum ich Schwierigkeiten habe, den richtigen Ansatz zur Erklärung zu finden, liegt darin, dass bei den meisten Geschwistern, die aus der historisch-traditionellen Strömung kommen, und nicht aus der historisch-originären, authentischen, das theologische Fundament fehlt. Deshalb kann ich einer präzisen Antwort nicht gerecht werden. – Aber ich versuche es …
Also, die theologische Ausgangsfrage wäre: Ist das neue Leben auf der neuen Erde statisch oder dynamisch?
Die Bibel selbst deutet darauf hin, dass es dynamisch weitergeht. Geht es dynamisch weiter, dann findet auch zwangsläufig Entwicklung statt. Entwicklung ohne Ziel wäre aber als Absurdität abzutun. Betrachtet man hermeneutisch die Bibel aus kosmischer Exegese und nicht aus anthropozentrischer Sicht, wird man feststellen, dass über dem Heilsplan ein noch wichtigerer Entwicklungsplan steht. In einem anderen Beitrag habe ich dies erörtert und alle entsprechenden Verse genannt.
So ist die Frage berechtigt und theologisch auch notwendig, ob das Leben auf der neuen Erde in Anbetracht der Entwicklungspotenziale, die sich ableiten lassen, nicht auch ein Anfang und ein Ende hat, wie alles in der Schöpfung. Es gibt nichts in der Schöpfung, was ewig ist, da dieses Attribut nur Gott selbst zusteht und beigemessen wird. Hat die Schöpfung also einen Anfang und ein Ende, dann ist jedes Ende auch immer ein Neuanfang. Warum gilt theologisch wohl die Zahl „8“ für einen Neuanfang im Christentum? Die 8 ist unendlich und kann unzählige Zyklen hervorbringen, wenn man sie zeichnet, Anfang, Ende, Anfang, Ende usw. Theologisch spricht man hier von der Weltzyklentheologie oder Zyklen-Theologie.
Ganz konkret bedeutet das, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass die neue Erde nach dem Gericht nicht die letzte Station für unsere Seelen ist, sondern dass es danach noch weitergeht, mit jedem Entwicklungszyklus aufwärts, immer höher und höher. Die Bibel lehrt an keiner Stelle, dass es nicht weitere geht und die neue Erde die letzte Station ist. Sie spricht viel mehr von Zeitalter zu Zeitalter.
Nun könnten Kritiker sagen, dass dies alles aber nicht in der Bibel stehe. Dem möchte ich entgegnen, dass man dies sehr wohl aus der Bibel ableiten kann, zumindest aus dem Fachbereich der philosophischen Theologie.
Wenn die katholische Kirche „creatio ex nihilo“ lehrt, ist die Frage doch berechtigt: Woher kam dann die Materie, die in Genesis 1 beschrieben wird? Auch die Frage, warum man ausschließen würde, dass es vor unserer Schöpfung nicht schon eine andere gab, die die Materie erklären könnte. Die vorherige Schöpfung könnte genauso wie die zukünftige durch einen Kataklysmus vergehen und dann eine neue Schöpfung entstehen.
Die Bibel gibt Hinweise: Offenbarung 21,1 spricht davon, dass die vorherige Erde und der Himmel vergangen sind. Wer sagt, dass es davor keine weiteren gab? Hier ist Jesaja 65,17 erwähnenswert, wo Gott uns mitteilt, dass wir auch diese Schöpfung vergessen werden, da er uns die Erinnerung an das Vergangene nimmt. In diesem Zusammenhang muss man verstehen, dass eine Seele immer dort neu beginnt, wo sie zuletzt im Entwicklungsprozess aufgehört hat. Wer mit dem Heiligen Geist versiegelt ist, kann nicht mehr abfallen oder sich geistig zurückentwickeln.
Bedeutet das jetzt Reinkarnation? Nein, denn das, was leider die meisten unter Reinkarnation verstehen, wird mit einer Selbsterlösung in Verbindung gebracht. Dies ist aber leider ein geistiges Kleindenken. Wenn man darüber hinaus denkt, wird man feststellen, dass eine Reinkarnation nicht zwangsläufig eine Selbsterlösung voraussetzt. Ich zum Beispiel glaube an die Seelenwanderung, aber zum Zwecke der Vervollkommnung, ähnlich wie es die Orthodoxe Kirche mit dem Konzept der Theosis lehrt, basierend auf Matthäus 5,48 und Sprüche 4,7.
Jeweils ein neu verkörpertes Leben pro Schöpfung sozusagen. Nun wird von protestantischer Seite aus gelehrt, dass man auf der neuen Erde nicht mehr heiraten wird und sein wird wie die Engel, also dass man keine Kinder bekommen werde. Dann stellt sich die Frage, warum in der Bibel männliche und weibliche Engel beschrieben werden, also zwei Geschlechter. Warum nahmen sich die Göttersöhne Frauen und zeugten Kinder? Warum gibt es auf der neuen Erde Kinder und auch Alte? Die Erklärung würde hier zu weit führen, daher lasse ich es.
Ja, und somit sind wir bei der Frage der „vorigen“ Existenz. Hat die Seele schon vorher existiert? Präexistenz der Seele? Wie ich in dem anderen Beitrag ausführlich beschrieben habe, war dies die ursprüngliche Lehre, bevor die katholische Kirche auch diese ursprüngliche Wahrheit durch ein heidnisches Konstrukt ersetzt hat. Den Juden war eine Präexistenz nicht fremd. Forscht man in der Religionsgeschichte, wird man früher oder später auf den „Guf“, die Halle der Seelen, stoßen, die als Gegenstück zum Scheol im Inneren der Erde gilt.
Es ist auch fürs Erste ratsam, zwischen Wiedergeburt, Wiederverkörperung und Neuverkörperung zu unterscheiden. Da die Bibel hier verschiedene Konzepte kennt und diese auch etwas mit dem postmortalen Bewusstsein der Seele zu tun haben, von dem wir an verschiedenen Stellen erfahren. Die Wiedergeburt wird nur denjenigen bevorstehen, die aus der Hölle kommen, die anderen, die aus dem Fegefeuer kommen, und auch die, die das Gericht bestehen, werden nicht wiedergeboren. Dass diese dann die nächste Generation des Menschengeschlechts durch Wiedergeburten hervorbringen, ist anzunehmen, wenn jene aus dem Millennium zu einem den Auferstehungsleib und die anderen den fleischlichen Leib bekommen.
Ich selbst halte an der Präexistenz der unsterblichen Seele fest. Diese Überzeugung leite ich sowohl aus religionsgeschichtlichen Quellen als auch aus älteren theologischen Traditionen, insbesondere aus der Prisca Theologia, sowie aus meinem Verständnis der biblischen Texte ab.
Bitte verzeih, dass ich nicht auf alle Aspekte dieses umfangreichen Themas eingehen kann. Bereits diese Ausführungen berühren zahlreiche theologische, philosophische und religionsgeschichtliche Fragestellungen. Würde ich sämtliche relevanten Bibelstellen ausführlich behandeln und in ihren jeweiligen Kontext einordnen, würde dies den Rahmen dieses Beitrags deutlich überschreiten.
Dennoch hoffe ich, dass die hier dargestellten Gedanken verständlich machen, weshalb ich von der Unsterblichkeit der Seele, ihrer möglichen Präexistenz sowie einem fortlaufenden göttlichen Entwicklungsplan überzeugt bin.
PS: Für alle anderen, die das was ich hier schrieb als verworren bezeichnen. Es tut mir leid, dass hier beschriebene ist nur komprimiert, da sich 15 Jahre theologische Forschung und Erkenntnis nicht auf eine DIN A4 Seite übertragen lassen. Ich habe daher nur Stichpunktartig das Thema hier behandelt. Daher bitte um Verständnis dafür.
LG. Marco
Gründlich studiert.... 👍
Ich habe eine winzige Sache, auf die ich gerne deine Aufmerksamkeit lenken würde. Du schriebst:
Der Mensch mit Körper, Geist und Seele, wie in 1. Thessalonicher 5,23 bezeugt....
Nein, das bezeugt 1. Thess 5,23 nicht, sondern Geist - samt Seele und Leib.
(Lu17 23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib)
Die Reihenfolge ist schon eine Aussage in sich und wenn du mal drauf achtest, wie andere die Reihenfolge wählen, dann wird deutlich, wo sie ihre Schwerpunkte setzen, wie sie sich in der Welt wahrnehmen.
Adam bekam den Lebensatem (nishmat chayyim) eingehaucht und wurde eine lebendige (atmende) Seele. Ich definiere Seele als Bewusstsein zwischen innen und aussen, zwischen Geist und Körper, Kontaktfähigkeit. Ich denke da eher praktisch.
Gründlich studiert.... 👍
Danke, ja gut 15 Jahre bin ich nun schon in der Erforschung des originären und authentischen Christentums und man gewinnt immer neue Erkenntnisse. Glaube ist nie abgeschlossen, sondern ein kontinuierlicher Wachstumsprozess, der den Glauben immer intensiver werden läßt.
Lu17 23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib)
Die Luther Übersetzungen sind da immer etwas eigen. Im Urtext nach Novum Testamentum Graece heißt es Wort für Wort tatsächlich ὁλόκληρον ὑμῶν τὸ πνεῦμα καὶ ἡ ψυχὴ καὶ τὸ σῶμα (Geist und Seele und Leib) als ein Wesen mit drei Dimensionen (Trichotomie) getrennt voneinander. Das Geist vorher genannt wird ergibt sich daraus, das Köper und Geist als erschaffenes zu erst da waren, während die Seele als unerschaffenes später hinzukam. Meine Formulierung in der Reinfolge war diesbezüglich falsch, danke für den Hinweis.
Ich definiere Seele als Bewusstsein zwischen innen und außen, zwischen Geist und Körper, Kontaktfähigkeit. Ich denke da eher praktisch.
Das kann man auf jeden Fall machen und eine gute Möglichkeit sich der Seele zu nähern.
LG. 😊
Danke für das griechische Original.
Geist (nicht Intellekt) verbinde ich mit dem glimmenden Docht (oder starker Lebensflamme) und ungebrochener Identität (geknicktes Rohr) aus den Gottesknechtsliedern.
Mt 12,20 das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht zum Sieg führt;
Jes 42,3 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.
Zwei großartige Verse mit anderem Ende (Recht - Sieg; Recht - Treue) gegen Trauma und Depression, wie ich persönlich erfahren durfte. Nicht nur die Seele (Denken, Wille, Emotion in meiner Schulung) sondern auch der menschliche Geist kann traumatisiert sein. Das war eine krasse Offenbarung.
Das waren meine Fragen...
Seidenlaubenvogel
Sprichst du von Reinkarnation? Wie stellst du dir diese vor?
Beziehst du dich auf „die“ neue Schöpfung (neuer Himmel, neue Erde aus der Offenbarung) oder auf eine (beliebige) neue Schöpfung? Oder meinst du damit einen neuen Körper?
Gehst du davon aus, dass deine Seele zuvor (mehrmals) in einem andere Körper (oder siehst du auch da Alternativen) war?
Auf welche biblischen Aussagen stützt du dich bei deiner Vorstellung?
In welchen Kreisen wird sie geteilt?
Ist mit dieser Annahme auch verbunden, dass die vorhandene Anzahl an Seelen auf unserer Erde endlich ist und für wie hoch schätzt du sie ein?
Und mit deinen Antworten wirfst du neue Fragen auf...
Ich meine damit exakt das, was ich geschrieben habe: Dass ich es für sehr wahrscheinlich halte, dass meine Seele erneut in eine neue Schöpfung wandern und aufsteigen wird!
Gehst du neben unserer Welt und der Verheißung von "neuem Himmel und neuer Erde" von unzähligen Welten (Schöpfungen) aus?
Der Darlegung zur Unsterblichkeit der Seele konnte ich folgen. Schwer tue ich mich mit diesem Satz. Was genau willst du damit Aussagen?
Aus theologischer Perspektive ist das ein interessanter Gedankengang, da die Seele dann nicht bei der Ewigkeit „ist“, sondern „in“ der Ewigkeit, ein Gefühl, das uns wie Leere in einem Vakuum vorkommen würde.
Ich verstehe Ewigkeit losgelöst von Zeit. Und ich sehe meine Seele unabhängig von meinem Körper. Ich kann "mich" gleichzeitig im Hier und Jetzt sehen wie innerhalb dessen in der Ewigkeit "verorten" - ohne damit Raum oder Zeit damit zu meinen. Eine Vorstellung von sich wiederholendem Leben habe ich dabei nicht. In mir ist ein starkes Bewusstsein für "das, was bleibt" innerhalb dessen, was vergänglich ist.
Dann stellt sich die Frage, warum in der Bibel männliche und weibliche Engel beschrieben werden, also zwei Geschlechter. Warum nahmen sich die Göttersöhne Frauen und zeugten Kinder? Warum gibt es auf der neuen Erde Kinder und auch Alte? Die Erklärung würde hier zu weit führen, daher lasse ich es.
Willst du damit andeuten, dass eine Vermehrung ständig weitergehen wird? Was weißt du von der neuen Erde? Und wodurch unterscheidet sie sich von all den anderen mir nicht bekannten Schöpfungen (abgesehen von der Literatur und Musik), die dir so naheliegend erscheinen?
Jeweils ein neu verkörpertes Leben pro Schöpfung sozusagen. Nun wird von protestantischer Seite aus gelehrt, dass man auf der neuen Erde nicht mehr heiraten wird und sein wird wie die Engel, also dass man keine Kinder bekommen werde. Dann stellt sich die Frage, warum in der Bibel männliche und weibliche Engel beschrieben werden, also zwei Geschlechter. Warum nahmen sich die Göttersöhne Frauen und zeugten Kinder? Warum gibt es auf der neuen Erde Kinder und auch Alte? Die Erklärung würde hier zu weit führen, daher lasse ich es.
Warum sprichst du von Göttersöhnen, Frauen und deren Kinder? Wen genau (Namen?) meinst du damit? Und siehst du Engel als Göttersöhne? Und warum (wegen welches Zusammenhangs) machst du parallel ein Fass auf, wenn du es dann doch nicht erörtern möchtest? Nur um dich gegen die protestantische (warum protestantische?) Sicht zu wehren?
Es ist auch fürs Erste ratsam, zwischen Wiedergeburt, Wiederverkörperung und Neuverkörperung zu unterscheiden. Da die Bibel hier verschiedene Konzepte kennt und diese auch etwas mit dem postmortalen Bewusstsein der Seele zu tun haben, von dem wir an verschiedenen Stellen erfahren. Die Wiedergeburt wird nur denjenigen bevorstehen, die aus der Hölle kommen, die anderen, die aus dem Fegefeuer kommen, und auch die, die das Gericht bestehen, werden nicht wiedergeboren. Dass diese dann die nächste Generation des Menschengeschlechts durch Wiedergeburten hervorbringen, ist anzunehmen, wenn jene aus dem Millennium zu einem den Auferstehungsleib und die anderen den fleischlichen Leib bekommen.
Mir sind diese drei Worte bisher nie in diesem Zusammenhang begegnet. Möchtest du das noch ausführen? Und bitte dann ebenso die biblischen Texte ergänzen? Und von welcher Trennung von "diesen" und "jenen" sprichst du?
Soweit meine Reaktion auf deinen Beitrag. Leider blieben meine Fragen von zuvor erwiegend (teils insgesamt, teils im Detail/ konkret) unbeantwortet...
Und - sehr freuen würde ich mich, wenn du nicht nur Bibelstellen nennen, sondern sie auch inhaltlich zitieren würdest; werde ich später noch nachholen.
LG Seidenlaubenvogel
Von dir genannte Bibelstellen für scheinbare Schöpfungszyklen und Seelenwanderung habe ich eingepflegt.
Ich bin erstaunt. Wenn ich mir biblische Texte auf diese Weise zur Grundlage mache, kann ich damit alles belegen, was sich mir ein phantasievoller Geist ausdenken mag.
An anderer Stelle war ich positivst überrascht, wie du mit Hintergrundwissen Alternativen zu traditionellen Lehrmeinungen dargestellt hast. So wie du dich zu diesen beiden genannten Aspekten äußerst, bleibt deine Einschätzung extrem vage.
Ich werde, sollte ich Zeit finden auf die einzelnen Punkte eingehen. Bin derzeit in der Schulung und am Lernen, daher habe ich nur begrenzt Zeit.
Ich bin erstaunt. Wenn ich mir biblische Texte auf diese Weise zur Grundlage mache, kann ich damit alles belegen, was sich mir ein phantasievoller Geist ausdenken mag.
Das nennt sich Hermeneutik und Exegese(n) im Kotext des Interpretationspluralismus.
Das nennt sich Hermeneutik und Exegese(n) im Kotext des Interpretationspluralismus.
Ich verstehe, was du mir sagen möchtest; kann dem aber nur zustimmen, wenn es auch dementsprechend belegt ist.
Ich will dich und deine Einschätzung nicht in Frage stellen. Nur sie hat wenig Wert, wenn du Behauptungen aufstellst und auf Basis, Hintergründe, Zusammenhänge verzichtest oder diese nur vage andeutest.
Gehst du neben unserer Welt und der Verheißung von "neuem Himmel und neuer Erde" von unzähligen Welten (Schöpfungen) aus?
Absolut! Ich bin absolut überzeugt davon, auf Grundlage der religiösen Texte selbst.
Der Darlegung zur Unsterblichkeit der Seele konnte ich folgen. Schwer tue ich mich mit diesem Satz. Was genau willst du damit Aussagen?
Ich meinte damit, dass die Seele nicht „bei“ der Ewigkeit ist, sondern vielmehr „in“ ihr. Die Begründung dafür ist aus meiner Sicht recht einfach: Nichts Erschaffenes kann in den eigentlichen Bereich der Ewigkeit eindringen. Alles Geschaffene bleibt grundsätzlich Teil der Schöpfung und kann nicht aus ihr heraustreten. Beispiel: Eine leckerer Linseneintopf kann nicht zum Linseneitopf Rezept vordringen. Es sind zwei verschiedene Dinge. Idee des Linseneitopf (Rezept) und Linseneintopf selbst (Verwirklichung des Rezeptes).
Wenn die Seele jedoch unerschaffen wäre und direkt aus Gott hervorginge, dann könnte man zumindest hypothetisch argumentieren, dass die Substanz der Seele, als göttlicher Lebenshauch, wieder zu ihrem Ursprung zurückkehren könnte. Daher auch mein Vergleich mit dem Vakuum. Dieser Gedanke versteht sich selbstverständlich als philosophisch-theologische Überlegung und nicht als abschließend definierte Lehre.
Der Gedankengang und der biblische Bezug dahinter sind eigentlich recht einfach. Aus der Heiligen Schrift wissen wir, wo sich der primäre Aufenthaltsort Gottes, des Vaters, befindet. Zugleich wird deutlich, dass nichts Erschaffenes Gott in seiner wahren amorphen Natur sehen oder ihm unmittelbar begegnen kann. Johannes 1,18, 1. Timotheus 6,16,
In der philosophischen Theologie stellt sich daher die interessante Frage, ob Gott Vater an seinem transzendenten Aufenthaltsort gebunden ist oder ob er selbst unmittelbar in die Schöpfung eintreten kann. Eine mögliche Herangehensweise zur Beantwortung dieser Frage besteht darin zu prüfen, ob die Bibel irgendwo davon berichtet, dass Gott Vater in seiner eigentlichen, amorphen und unverhüllten Natur jemals direkt innerhalb der Schöpfung präsent gewesen wäre. Bemerkenswerterweise findet man dafür keinen eindeutigen Beleg. Was die Schrift hingegen vielfach beschreibt, sind unterschiedliche Formen von Theophanien, also Erscheinungsweisen Gottes gegenüber seiner Schöpfung. Gott offenbart sich, ohne dass seine eigentliche transzendente Natur vollständig in die geschaffene Ordnung eintritt.
Folgt man diesem Gedankengang, könnte man daraus schließen, dass nur diejenigen Wirklichkeiten unmittelbar in der Schöpfung präsent sein können, die direkt aus Gott hervorgehen, etwa der Sohn oder der Heilige Geist als göttliche Wesensformen.
Warum Gott Vater selbst nicht unmittelbar in seiner transzendenten Natur Teil der Schöpfung wird, lässt sich auch bildhaft erklären.
Man könnte sich Gott Vater als einen großen Maler vorstellen, der sich in einem für uns unzugänglichen Atelier befindet und dort ein lebendiges Gemälde erschafft – die Schöpfung. Als Schöpfer betrachtet er sein Werk, ohne selbst Bestandteil des Gemäldes zu sein. Der Maler ist nicht das Bild; der Schöpfer ist nicht die Schöpfung. Interessanterweise begegnet uns dieses Motiv bereits im Schöpfungsbericht. Wiederholt heißt es dort: „Und Gott sah, dass es gut war.“ 1. Mose 1.
Die Formulierung lautet nicht: „Gott fühlte“ oder „Gott erlebte“, sondern „Gott sah“. Die Perspektive bleibt die des Schöpfers, der sein Werk betrachtet. Daraus ergibt sich für mich das Bild eines Gottes, der über seiner Schöpfung steht und nicht mit ihr identisch ist. Der Maler kann nicht selbst in sein Gemälde eintreten, ohne die Grenze zwischen Schöpfer und Werk aufzuheben. Dennoch kann er auf besondere Weise in seinem Werk gegenwärtig sein, etwa durch eine Inkarnation oder durch seinen Geist. Daher ist es auch bemerkenswert, dass bereits zu Beginn der Bibel geschrieben steht: „Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“ (1. Mose 1,2) Es heißt dort nicht, dass Gott Vater selbst als Teil der Schöpfung erschien, sondern dass sein Geist über den Wassern war. Stichwort: Bilokation als willentliche Notwendigkeit. In diesem Zusammenhang erscheint mir die Vorstellung plausibel, dass die Schöpfung nicht bestehen könnte, wenn der ungeschaffene Schöpfer in seiner vollständigen, unverhüllten Natur unmittelbar Teil des Geschaffenen würde. Die ontologische Unterscheidung zwischen Schöpfer und Schöpfung muss gewahrt bleiben.
Deshalb sollte man meines Erachtens auch vorsichtig sein, wenn man von einer Omnipräsenz Gottes des Vaters spricht, die jede Unterscheidung zwischen Schöpfer und Schöpfung aufhebt. Eine solche Vorstellung könnte leicht in pantheistische oder pandeistische Denkmodelle übergehen, bei denen Gott und Kosmos letztlich miteinander verschmelzen. Dies würde jedoch dem klassischen christlichen Verständnis von der Transzendenz Gottes widersprechen und eher in der Esoterik vorzufinden sein.
Mit diesen Überlegungen wird vielleicht deutlicher, warum das Bild des Ateliers für mich hilfreich ist. Dieses Atelier würde einen Bereich darstellen, der bereits vor der Schöpfung existierte, einen Bereich, aus dem die Schöpfung hervorging. Schöpfer und Schöpfung bleiben dabei grundsätzlich voneinander unterschieden.
Wie du richtig schreibst, kennt die Ewigkeit weder Zeit noch Raum. Darüber hinaus kennt sie auch keine Form im geschaffenen Sinne. Deshalb können wir mit unserer Seele niemals „bei“ der Ewigkeit sein, sondern nur „in“ ihr.
Auch die neue Schöpfung und der neue Himmel bleiben letztlich Schöpfung, so wie alle vorherigen Schöpfungsordnungen ebenfalls Schöpfung waren.
Daher verwende ich gern das Symbol der „8“, das in der christlichen Tradition und Theologie mit Neuanfang, Auferstehung und einem neuen Schöpfungszyklus verbunden wird. Man denke etwa an den achten Tag als Sinnbild einer neuen Schöpfung in Christus. Die „8“ erinnert zugleich an eine Endlosschleife. Im Unterschied zur „0“ besitzt sie jedoch in ihrer Mitte einen Übergangspunkt, an dem Ende und Anfang einander begegnen. Deshalb erscheint sie mir als geeignetes Bild für aufeinanderfolgende Weltzeitzyklen innerhalb eines größeren ewigen Zusammenhangs.
Wenn wir das Bild des Malers weiterführen, erscheint es zudem durchaus denkbar, dass Gott nicht nur eine einzige Schöpfung hervorgebracht hat. So wie ein Künstler zahlreiche Werke schaffen kann, könnte auch der Schöpfer über eine Vielzahl von Schöpfungsordnungen verfügen. Die Symbolik der „8“ lässt zumindest Raum für eine solche Überlegung.
Verbildlcht könnte man sagen: Wir befinden uns als Teil der Schöpfung innerhalb der „8“. Die „8“ selbst befindet sich wiederum in der Ewigkeit, nicht neben ihr und nicht außerhalb von ihr, sondern in ihr. Sie ist gewissermaßen eingebettet in den Strom der Ewigkeit, aus dem die jeweiligen Weltzeitzyklen hervorgehen.
Vielleicht helfen diese Beispiele dabei, meinen Gedankengang besser nachzuvollziehen. Sie sollen keine endgültigen Antworten liefern, sondern einen philosophisch-theologischen Denkansatz veranschaulichen, der die Transzendenz Gottes, die Besonderheit der Seele und das Verhältnis von Schöpfung und Ewigkeit verständlicher machen möchte.
Auch in diesem Beitrag verweise ich auf meinen Kanal, wo ich genau solche Themen und Gedankengänge aus der philosophischen Theologie behandele. Vielleicht hast du ja schon vorbeigeschaut. 😊
Die restlichen Fragen werde ich einzeln dann behandeln um den Überblick zu wahren …
Die Bibel gibt Hinweise: Offenbarung 21,1 spricht davon, dass die vorherige Erde und der Himmel vergangen sind. Wer sagt, dass es davor keine weiteren gab? Hier ist Jesaja 65,17 erwähnenswert, wo Gott uns mitteilt, dass wir auch diese Schöpfung vergessen werden, da er uns die Erinnerung an das Vergangene nimmt. In diesem Zusammenhang muss man verstehen, dass eine Seele immer dort neu beginnt, wo sie zuletzt im Entwicklungsprozess aufgehört hat. Wer mit dem Heiligen Geist versiegelt ist, kann nicht mehr abfallen oder sich geistig zurückentwickeln.
Jesaja 65,17 Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. 18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, 19 und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. 20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. 21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen. 22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen. 23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. 24 Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. 25 Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.
Offenbarung 21,1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker[1] sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein. 8 Die Feigen aber und Ungläubigen und Frevler und Mörder und Hurer und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner, deren Teil wird in dem Pfuhl sein, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod. 9 Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, gefüllt mit den letzten sieben Plagen, und redete mit mir und sprach: Komm, ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes. 10 Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott, 11 die hatte die Herrlichkeit Gottes; ihr Leuchten war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall; 12 sie hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel und Namen darauf geschrieben, nämlich die Namen der zwölf Stämme der Israeliten: 13 von Osten drei Tore, von Norden drei Tore, von Süden drei Tore, von Westen drei Tore. 14 Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundsteine und auf ihnen die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes. 15 Und der mit mir redete, hatte einen Messstab, ein goldenes Rohr, um die Stadt zu messen und ihre Tore und ihre Mauer. 16 Und die Stadt ist viereckig angelegt und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr: zwölftausend Stadien. Die Länge und die Breite und die Höhe der Stadt sind gleich. 17 Und er maß ihre Mauer: hundertvierundvierzig Ellen nach Menschenmaß, das der Engel gebrauchte. 18 Und der Kern der Mauer war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas. 19 Die Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen. Der erste Grundstein war ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, 20 der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sarder, der siebente ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. 21 Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, ein jedes Tor war aus einer einzigen Perle, und die Straße der Stadt war aus reinem Gold wie durchscheinendes Glas. 22 Und ich sah keinen Tempel darin; denn der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel, er und das Lamm. 23 Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. 24 Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht; und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen. 25 Und ihre Tore werden nicht verschlossen am Tage; denn da wird keine Nacht sein. 26 Und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Völker in sie bringen. 27 Und nichts Unreines wird hineinkommen und keiner, der Gräuel tut und Lüge, sondern die geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes.
Ich zum Beispiel glaube an die Seelenwanderung, aber zum Zwecke der Vervollkommnung, ähnlich wie es die Orthodoxe Kirche mit dem Konzept der Theosis lehrt, basierend auf Matthäus 5,48 und Sprüche 4,7.
Matthäus 5, 43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« und deinen Feind hassen.[5] 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,[6] 45 auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? 48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.
Sprüche 4, 1 Hört, meine Söhne, die Mahnung eures Vaters; merkt auf, dass ihr lernt und klug werdet! 2 Denn ich gebe euch eine gute Lehre; verlasst meine Weisung nicht. 3 Ein Sohn war ich bei meinem Vater, zart und einzig vor meiner Mutter, 4 da lehrte er mich und sprach: Lass dein Herz meine Worte aufnehmen; halte meine Gebote, so wirst du leben. 5 Erwirb Weisheit, erwirb Einsicht; vergiss sie nicht und weiche nicht von der Rede meines Mundes; 6 verlass sie nicht, so wird sie dich bewahren; liebe sie, so wird sie dich behüten. 7 Denn der Weisheit Anfang ist: Erwirb Weisheit und erwirb Einsicht mit allem, was du hast. 8 Achte sie hoch, so wird sie dich erhöhen und wird dich zu Ehren bringen, wenn du sie herzest. 9 Sie wird dein Haupt schön schmücken und wird dich zieren mit einer prächtigen Krone. 10 Höre, mein Sohn, und nimm an meine Rede, so werden deine Jahre viel werden. 11 Ich will dich den Weg der Weisheit führen; ich will dich auf rechter Bahn leiten, 12 dass, wenn du gehst, dein Gang dir nicht sauer werde, und wenn du läufst, du nicht strauchelst. 13 Halte fest an der Zucht, lass nicht davon; bewahre sie, denn sie ist dein Leben. 14 Komm nicht auf den Pfad der Gottlosen und tritt nicht auf den Weg der Bösen. 15 Lass ihn liegen und geh nicht darauf; weiche von ihm und geh vorüber. 16 Denn sie schlafen nicht, wenn sie nicht Übel getan, und sie ruhen nicht, ehe sie nicht jemanden zu Fall gebracht haben. 17 Sie nähren sich vom Brot des Frevels und trinken vom Wein der Gewalttat. – 18 Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag. 19 Der Gottlosen Weg aber ist wie das Dunkel; sie wissen nicht, wodurch sie zu Fall kommen werden. 20 Mein Sohn, merke auf meine Rede und neige dein Ohr zu meinen Worten. 21 Lass sie dir nicht aus den Augen kommen; behalte sie in deinem Herzen, 22 denn sie sind das Leben denen, die sie finden, und heilsam ihrem ganzen Leibe. 23 Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben. 24 Tu von dir die Falschheit des Mundes und sei kein Lästermaul. 25 Lass deine Augen stracks vor sich sehen und deinen Blick geradeaus gerichtet sein. 26 Lass deinen Fuß auf ebener Bahn gehen, und alle deine Wege seien gewiss. 27 Weiche weder zur Rechten noch zur Linken; wende deinen Fuß vom Bösen.
in der Bibel ist die Seele (griech. psyche) der Sitz aller Erfahrungen und ermöglicht Empfindungen und Gefühle. Das ist nur einem lebenden Menschen möglich, der durch die Verbindung von Geist und Körper entsteht (1. Mose 2,7). Daher spricht die Bibel auch davon, dass die Seele im Blut ist (3. Mose 17,11-14). Der Begriff Seele wird auch als Bezeichnung für den ganzen Menschen verwendet, der Mensch ist also eine Seele (Apg. 7,14; Apg.27,37; 1.Pet.3,20; 1. Mose46,18; 2.Mose16,16; Josua 11,11; Rö.13,1). Die Seele kann daher auch sterben (4.Mose 23,10, Hes. 18,4, Apg. 3,23). Wenn das Blut nicht mehr im Menschen pulsiert, also nach dem Tod, ist die Seele nicht mehr wahrnehmbar, sie ist im „Unwahrnehmbaren“ (so die wörtliche Übertragung des griechischen „Hades“ im NT, oft mit „Totenraum“ übersetzt). Im Alten Testament ist die Entsprechung von Hades „Sheol“: Ap. 2,27 zitiert Ps. 16,8-11 und übersetzt dabei das hebräische Sheol (dt. „Fragliches“) mit Hades, beide Begriffe bezeichnen also das Gleiche. „Im Sheol sein“ bedeutet also, es ist fraglich, wo die Seele nach dem Tod ist (vergleichbar mit elektrischem Licht, nachdem der Stromfluss unterbrochen wurde): Ps. 30,4, 86,13. Jona beispielsweise war buchstäblich in Bauch des Fisches, er war nicht mehr wahrnehmbar, „im Bauch des Hades“ (Jona 2,3). Jona war weder tot, noch in der Hölle, sondern nicht wahrnehmbar. Kapernaum, einst eines der schönsten Städte des Landes, wurde von den Römern völlig zerstört. Bis heute stehen dort nur Ruinen. Von Kapernaum ist nichts mehr zu sehen, sie nicht mehr wahrnehmbar, oder im „Ungewahrten“, „Unwahrnehmbaren“ (Hades), wie es der Herr vorhergesagt hatte (Lukas 10,15).
Folglich kann im Hades bzw. Sheol nichts passieren: „Kein Tun ist, noch Berechnung, noch Erkenntnis, noch Weisheit im Sheol, wohin du gehen musst“ (Pred. 9,10; nach Buber) und „die Toten aber, sie erkennen nichts, und kein Lohn ist ihnen noch weiterhin, denn vergessen ist ihr Gedenken“ (Pred. 9,5; siehe auch Ps. 89,49; 139,8). Aber dieser Zustand wird für jeden ein Ende haben: „Jewe tötet und macht lebendig; er führt in den Sheol hinab und führt herauf“ (1. Samuel 2,6).